Kurzgeschichte
Letzte Worte

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"Letzte Worte"
Veröffentlicht am 23. November 2011, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Nach langer Zeit versuche ich mich wieder im Schreiben. Lange ist es her, dass mich etwas Motiviert hat. Die Zeit wird zeigen, ob diese Motivation erhalten bleibt. (12/2016)
Letzte Worte

Letzte Worte

Beschreibung

Sie saß gedankenverloren vor ihrem Blatt und schrieb alles auf, was ihr in den Kopf kam, Ängste, Hass, Wut, Trauer, Verzweiflung, Selbsthass, Freude und doch konnte sie ihre Seele nicht entlasten, egal wie viel sie schrieb und schrieb, es hatte keinen Sinn. Tränen rannen an ihrem blassen Gesicht hinab und verschmierten die Tinte von ihren schwungvoll geschriebenen Wörtern, und wichen das Papier drunter auf. An vielen Stellen wellte es sich bereits, doch das beachtete sie gar nicht mehr, es war ihr egal, wie vieles was sie betraf. Sie schrieb einfach weiter, wischte sich immer wieder die Tränen aus den leblosen Augen und verwischte so ihre Schminke immer weiter, es brannte ihr schon in den Augen, doch das ignorierte sie, sie schrieb weiter. Strich sich ihr glattes schwarzes Haar hinter die Ohren, wo es aber nicht lange blieb und sofort wieder nach vorne fiel und an ihrem nassen Gesicht kleben blieb, eher sie den Stift ablegte hatte und sich mit beiden zitternden Händen übers Gesicht und die Haare fuhr um sich einen schnell eine lockern Dutt zu machen, eher sie wieder ihren blauen Stift zur Hand genommen hatte und weiter schrieb. Obwohl ihre Hände zitterten war ihre Schrift sauber und lesbar, sofern ihre nicht endenden, durch die Schminke, graue Tränen diese nicht verwischt haben.

Sie schaute neben das Papier und fing an zu schluchzen, sie konnte nicht mehr anders, nirgendwo war sie mehr erwünscht, nicht im eigenem zu Hause, noch draußen, noch bei ihren Freunden und selbst in ihrer Welt wurde sie von sich selbst gehasst. Sie macht alles nur noch falsch, so schien es für sie, sie ging nicht mehr raus, verließ ihr Zimmer nicht mehr, wenn man sie rief und wenn doch nur ungern, sie wusste warum. Es wurde ihr doch eh nur alles vorgespielt, das man sie liebt, das man sie mag, das sie akzeptiert wird oder das sie erwünscht ist, alle belogen sie. Alle.

So saß sie den ganzen Abend in ihrem Zimmer hörte die Musik die sie liebte und schrieb Stundenlang ihre Gefühlswelt nieder, ohne etwas auszulassen, schließlich sollte man sie später verstehen, warum sie so handelte.

Umso näher sie dem Ende ihrer Gedankenwelt kam und dem Ende des Schreibens desto nervöser und unruhiger wurde sie. Ihre Tränen kannten nun keinen halt mehr. Ihr Atmen ging schwer und wurde immer wieder von einem Schluchzen unterbrochen und dem drauf folgendem Hustenreiz, doch  auch das hielt sie nicht auf, weiter zu schreiben und zwar in ihrer schönsten Schrift sie sie hatte. Immer weiter trieben sie ihre Gedanken an, noch mehr auf zu schreiben, alles was sie dachte kamen in diesen wichtigen Minuten auf das leicht gewellte und an einigen Stellen durch weichten Papier, sie blätterte um und schrieb weiter ohne Ende, sie kam in einen Wahn, sie schrieb, weinte, schrie, wimmerte, lachte und verstummte am Ende ihres Textes.

 

Langsam legte sie ihren Stift an die vorhergesehende Halterung und strich mit ihrer kleinen Hand über ihr Werk, ihre Mutter wäre stolz auf sie, dachte sie bei sich und blätterte langsam zurück und betrachtete die schon getrockneten Stellen, wo ihre Tränen auf dem Papier zu liegen kamen. Kaum hatte sie die Stellen betrachtet verzog sich ihr Gesicht erneut zu einem Gesicht der Trauer und der Angst und die nächsten salzigen Tränen rannen über ihr Schminke verschmiertes Gesicht und landeten mit einem leisem Geräusch auf der Oberfläche ihres Tisches. Sie atmete tief ein, es wunderte sie, dass sie selber von ihrem Werk so beeindruckt war, so das sie sogar nachdachte es zu lassen, doch dann fand sie eine Stelle in ihrem Text, die jeden Funken an Hoffnung, der sich gerade aufgebaut hatte, wieder nieder schlug.

 

Ein letztes Mal ließ sie ihre Hände über ihr Papier wandern. Ein letztes Mal stellte sie sich an ihr Fenster. Ein letztes Mal ging sie durch die leere Wohnung. Ein letztes Mal nahm sie das Messer in die Hand das sie liebte. Ein letztes Mal ging sie wieder in ihr Zimmer. Ein letztes Mal hörte sie ihr Lieblingslied. Ein letztes Mal sah sie den Schein des Mondes in ihrem Zimmer.

Sie betrachtete sich ein letztes Mal in der Spiegelung ihres Fensters, strich ein letztes Mal mit ihrer linken Hand über ihre Wange am Fenster und spürte ein letztes Mal die Kälte.

Sie spannte die rechte Hand an, fing laut an zu wimmern, an zu schluchzen, an zu weinen doch nichts konnte sie von ihrem Vorhaben aufhalten, schließlich stach sie zu, erst einmal, dann zweimal und immer weiter, schrie, schrie bei jedem Stich immer wieder, doch sie war alleine, stach immer weiter auf sich ein, sah ihr Blut, sah ihr Blut an ihren Händen, an ihrem Lieblings Messer das sie gerade tötet. Doch die letzte Kraft hatte sie Kathy für ihren Hals aufgehoben. Sie saß lehnend an der Wand, ihr gegenüber stand ihr Spiegel, mit Blut drauf, Kathy’s Blick war leer und hoffnungslos. Sie hielt mit ihrer letzten Kraft die Messerspitze an ihre Hauptschlagader und zog mit brachialer Gewalt nach unten und schnitt so ihre Ader auf. Kraftlos ließ sie das Messer fallen und betrachtete sich selber beim sterben im Spiegel…

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Hörbuch

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Lijendra
Nach langer Zeit versuche ich mich wieder im Schreiben.
Lange ist es her, dass mich etwas Motiviert hat. Die Zeit wird zeigen, ob diese Motivation erhalten bleibt.
(12/2016)

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Lijendra Re: Sehr glaubhaft geschildert. -
Zitat: (Original von Brubeckfan am 09.01.2012 - 20:13 Uhr) Obwohl mir der lange Brief und das Wimmern sagen, sie will's gar nicht wirklich. Obwohl Frauen wohl öfter etwas schlucken oder inhalieren.

Egal: Bin beeindruckt.

Paßt zwar jetzt emotional nicht, aber über paar Tipfehler bin ich doch gestolpert. Richtiger wäre:
S. 1 -- weichten das Papier
S. 2 Z. 1 -- Dutt
S. 3 unten -- vorhergesehene

Lieben Gruß,
Gerd


Ich danke dir fürs Lesen und Kommentieren, es freut mich das du beeindruckt bist.
Ich danke dir auch das du mich auf die Rechtschreibfehler aufmerksam gemacht hast, da meine leider noch nicht wirklich gut ist.

Lieben Grüß
Lijendra

Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Sehr glaubhaft geschildert. - Obwohl mir der lange Brief und das Wimmern sagen, sie will's gar nicht wirklich. Obwohl Frauen wohl öfter etwas schlucken oder inhalieren.

Egal: Bin beeindruckt.

Paßt zwar jetzt emotional nicht, aber über paar Tipfehler bin ich doch gestolpert. Richtiger wäre:
S. 1 -- weichten das Papier
S. 2 Z. 1 -- Dutt
S. 3 unten -- vorhergesehene

Lieben Gruß,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
Lijendra Re: -
Zitat: (Original von Silberwolf am 25.11.2011 - 21:12 Uhr) Respekt!
Du hast etwas in Worte gekleidet was die tifste Hilflosigkeit und den unbändigen willen zu Selbstvernichtung aufzeigt. Ich bin in der Lage Menschen in meinen Stories, Gedichten oder Gedanken mit mir zu nehmen doch Du hast es geschafft mich mit dir zu nehmen das mir mein Herz bis zum Halse schlug. Deine Geschichte ist Krass, anders vermag ich es gerade nicht zu schreiben aber Dein Gefühl und deine Art die Geschichte zu schreiben macht es zu einem "nachvollziehbaren" Gefühl.
Ich bin wirklich Beeindruckt.
lieben gruß
Silberwolf

Ich danke Dir für dein, für mich, wirklich großes Lob. Es freut mich, dass meine Geschichte dich mitnehmen konnte und sie Dich beeindruckt hat.
Danke fürs Lesen und Kommentieren.

Liebe Grüße
Lijendra
Vor langer Zeit - Antworten
Silberwolf Respekt!
Du hast etwas in Worte gekleidet was die tifste Hilflosigkeit und den unbändigen willen zu Selbstvernichtung aufzeigt. Ich bin in der Lage Menschen in meinen Stories, Gedichten oder Gedanken mit mir zu nehmen doch Du hast es geschafft mich mit dir zu nehmen das mir mein Herz bis zum Halse schlug. Deine Geschichte ist Krass, anders vermag ich es gerade nicht zu schreiben aber Dein Gefühl und deine Art die Geschichte zu schreiben macht es zu einem "nachvollziehbaren" Gefühl.
Ich bin wirklich Beeindruckt.
lieben gruß
Silberwolf
Vor langer Zeit - Antworten
Lijendra Re: Ihre Auswegslosigkeit... -
Zitat: (Original von Chimera am 23.11.2011 - 22:06 Uhr) und ihren Drang sich ein letztes Mal zu erklären, hast du wirklich nachvollziehbar gemacht. Sicherlich mag sich der eine oder andere an der Thematik stören, aber sie ist nun einmal Teil der Welt. Und deine Protagonistin ist sicherlich nicht alleine mit ihrem Empfindungen, egal ob diese objektiv wahr sind oder nicht....

Und mir gefällt es, wie du ohne pathetisch zu werden diese letzten Augenblicke festgehalten hast. Und auch die Einsamkeit in diesem Moment.

Danke dafür.

Liebe Grüße
Chimera


Ich muss auch sagen, dass ich mir auch wirklich Mühe gegeben habe, dem Leser einen guten Einblick in die Wichtigkeit dieses Augenblickes von ihr zu geben.
Klar wird dieses Thema einigen nicht gefallen, aber es darf meiner Ansicht nach nicht verschwiegen werden.

Ich danke dir Chimera fürs Lesen, Kommentieren und für die Überschrift.

Liebe Grüße
Lijendra
Vor langer Zeit - Antworten
Lijendra Kommentar vom Buch-Autor gelöscht.
Vor langer Zeit - Antworten
Chimera Ihre Auswegslosigkeit... - und ihren Drang sich ein letztes Mal zu erklären, hast du wirklich nachvollziehbar gemacht. Sicherlich mag sich der eine oder andere an der Thematik stören, aber sie ist nun einmal Teil der Welt. Und deine Protagonistin ist sicherlich nicht alleine mit ihrem Empfindungen, egal ob diese objektiv wahr sind oder nicht....

Und mir gefällt es, wie du ohne pathetisch zu werden diese letzten Augenblicke festgehalten hast. Und auch die Einsamkeit in diesem Moment.

Danke dafür.

Liebe Grüße
Chimera
Vor langer Zeit - Antworten
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