Kurzgeschichte
Sind Sie schon einmal Kafka begegnet?

0
"Sind Sie schon einmal Kafka begegnet?"
Veröffentlicht am 20. März 2026, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Pixabay MrsBrown
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Literatur war mir in meinem Leben schon während der Schulzeit sehr wichtig. Doch ich habe erst seit ein paar Jahren die Zeit gefunden, selbst zu schreiben. Ich freue mich über Lob, bin aber für alle Verbesserungsvorschläge offen. Ich lese immer wieder in Literaturgeschichten, weil ich meine,dass wir nur so entdecken können, wie wir einen ganz bescheidenen Beitrag dazu leisten können, dass Literatur sich weiter entwickelt.
Sind Sie schon einmal Kafka begegnet?

Sind Sie schon einmal Kafka begegnet?

Sind Sie schon einmal Kafka begegnet?


Vor 30 Jahren verbrachten meine Frau und ich bei schönstem Wetter einen Herbsturlaub in Alassio an der italienischen Riviera. Plötzlich kamen heftige Winde auf und wir beschlossen über die Route „Napoleon“ heimzufahren.Wir wollten noch einige Sehenswürdigkeiten besichtigen, aber der Sturm  entwickelte sich zu einem Orkan und wir hörten im Autoradio besorgniserregende Nachrichten, dass der Orkan in Verbindung mit Regenfluten in Küstenorten, die wir gerade hinter uns gelassen hatten, Autos wie Spielzeug von

der Straße gefegt hatte. Also gab ich Gas, um dem Sturm davonzufahren.Am späten Abend befanden wir uns bei tiefer Dunkelheit in dem einsamen Gebiet der französischen Alpen ohne die Aussicht, noch eine größere Stadt mit einem komfortablen Hotel zu erreichen. Ermüdet von der Fahrt durch die regengepeitschte Landschaft beschlossen wir im nächstbesten Hotel mit Restaurant zu nächtigen. Das fanden wir in einem kleinen unbedeutenden Dörfchen. Verlockende Düfte aus der Küche erleichterten uns den Beschluss dort zu bleiben, ohne dass wir uns das Zimmer vorher angesehen hatten. Als wir bemerkten, dass die Betten wirkten, als

hätte sie schon vor uns jemand benutzt, war es zu spät.Wir konnten dem Aroma der Küche nicht widerstehen. Heißhungrig bestellten wir eine ausgiebige Mahlzeit, bevor wir unsere Blicke schweifen ließen. Wir konnten es nicht fassen, aber uns gegenüber saß Kafka. Er unterschied sich von den Bildern, die wir von ihm kannten, nur dadurch, dass sein Blick noch etwas trauriger war.Er hatte wie wir ein mehrgängiges Mahl bestellt und wir konnten ihn ausgiebig beobachten, zumal er völlig in sich gekehrt von uns keinerlei Notiz nahm. Seine Meditation wurde gestört, wenn der Ober ein neues Gericht servierte. Er nahm zwar das

Odeur der verschiedenen Gänge schnuppernd wahr, ließ sie aber alle unberührt stehen und bedeutete dem Ober nur mit einer resignierten Handbewegung, dass er abräumen sollte. Wir bestellten noch ein zweites Dessert, um zu sehen, wie diese Mahlzeit endete.Schließlich zahlte Kafka ohne Reklamation seine vollständige Bestellung und verließ grußlos, ohne einen der Gäste eines Blicks zu würdigen, das Lokal.Am nächsten Morgen erkundigte ich mich beim Frühstück nach dem seltsamen Gast. Das Hotelpersonal teilte unser Erstaunen. Er habe beim Frühstück wiederum nichts gegessen. Man habe ihn vorher noch nie

gesehen. Der Gast sei abgereist.Das Werk des wiedergekehrten Kafka und sein Verhalten zeigen eine Parallele. Sie sind schwer zu interpretieren.

0

Hörbuch

Über den Autor

Phantasus
Literatur war mir in meinem Leben schon während der Schulzeit sehr wichtig. Doch ich habe erst seit ein paar Jahren die Zeit gefunden, selbst zu schreiben.
Ich freue mich über Lob, bin aber für alle Verbesserungsvorschläge offen.
Ich lese immer wieder in Literaturgeschichten, weil ich meine,dass wir nur so entdecken können, wie wir einen ganz bescheidenen Beitrag dazu leisten können, dass Literatur sich weiter entwickelt.

Leser-Statistik
6

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
FLEURdelaCOEUR Sehr interessant, lieber Ekki! Und natürlich auch hervorragend geschrieben!
Ich habe von Kafka nur sehr wenig gelesen, aber mein "dickstes" Buch hier, der "Grischa", verdankt ihm immerhin seine Existenz ;-))
Liebe Grüße,
fleur
Heute - Antworten
Bleistift 
"Sind Sie schon einmal Kafka begegnet?..."
Das hast Du in der Tat prima hinbekommen, lieber Ekki, geradewegs sensationell, würde ich sogar meinen. Was gäbe ich darum, einem solchen literarischen Protagonisten einmal persönlich zu begegnen... ...smile*
Mir ist das in meinem Buch nur einmal gelungen, als ich 'Mozarts Muse' begegnete, allerdings eher unfreiwillig, denn ich hätte ja gerne mit den Maestro selbst gesprochen... ...smile*
SUPER... :-)

Guckst Du hier:
http://www.mystorys.de/b86612-Science-Fiction-Mozarts-Muse.htm
LG zu Dir
Louis :-)
Heute - Antworten
PamolaGrey Spannende Geschichte! Die Mischung aus realen Erlebnissen und surrealen Momenten, wie die Begegnung mit Kafka, macht das Buch besonders interessant.
LG Pam
Gestern - Antworten
Phantasus Grazie, Pam,
"Mischung aus realen Erlebnissen und surrealen Momenten" charakterisiert die Begegnung genau.
Liebe Grüße
Ekki
Heute - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
4
0
Senden

173925
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung