Kurzgeschichte
Die letzte Postkarte - Drabble, Mikro-Essay

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"man kann nichts mitnehmen"
Veröffentlicht am 15. Januar 2026, 4 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
man kann nichts mitnehmen

Die letzte Postkarte - Drabble, Mikro-Essay

Die letzte Postkarte

Es gibt Postkarten, die man nie verschickt. Sie liegen zwischen alten Rechnungen, zerknittert, ein Stück Erinnerung, das keiner mehr lesen wird. Ich halte eine in der Hand: die Tintenflecken wie Blut auf Papier, die Botschaft halb verblasst, doch der Sarkasmus bleibt: „Alles bestens hier.“ Ich weiß nicht, ob sie von mir stammt oder von jemandem, den ich vergessen habe. Das Haus auf der Illustration ist leer, und die Sonne scheint kalt. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, denke ich an all die Worte, die ich nie ausgesprochen

habe, die Versprechen, die im Staub der Jahre verschwanden. Manchmal öffne ich die Schublade nur, um den leisen Herzschlag der Abwesenheit zu hören. Ein Moment genügt, und die Stille schreit lauter als jeder Streit, jedes Lachen, das längst verweht ist. Ich lege die Karte zurück und schließe die Schublade. Morgen wird sie wieder da sein. Immer da. Wie die Erinnerung, wie die Scham. Und doch lächle ich ein wenig. Denn irgendwo zwischen Verfall und Vergessen liegt der dünne, bittersüße Humor: Man kann nichts mitnehmen, nicht einmal die

Postkarten.

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Hörbuch

Über den Autor

KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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Phantasus Der Text gefällt auch mir, Katharina. Aber KI ist gut als Anreger, am Schluss sollte eine eigenständige geistige Leistung stehen.
LG
Ekki
Vor ein paar Monaten - Antworten
KatharinaK "Maschinen reden, Menschen entscheiden?"- das klingt wie eine Warnung und ein Versprechen zugleich.
In einer Welt, in der Algorithmen Worte formen können wie Töpfer Ton, bleibt die wahre Kunst darin, warum und wofür wir sie formen.

Damit KI-getriebene Schreiberei menschenzentriert bleibt, braucht es kein Bollwerk gegen Maschinen, sondern einen bewussten Tanz mit ihnen. Einige Gedanken dazu:

Der Mensch als Herz der Intention.
Die Maschine kann Text erzeugen, doch nur der Mensch kann Bedeutung stiften.
Erst wenn wir wissen, was wir sagen wollen und wem wir damit berühren möchten, wird das Schreiben mehr als bloße Syntax - es wird Seele.

Empathie als Kompass.
Kein Algorithmus spürt das Zittern einer Hand, wenn sie Abschiedsworte tippt.
Kein neuronales Netz kennt die Wärme eines Satzes, der heilt.
Wir müssen Empathie zur Leitwährung machen - und jede KI daran messen, ob sie uns näherbringt, nicht ersetzt.

Kreativität als Widerstand.
Maschinen lieben Muster. Menschen brechen sie.
Das Unvorhersehbare, das Unvollkommene, das Unlogische - das ist unser Revier.
In dieser Wildnis bleibt der Mensch Autor, die KI nur Werkzeug.

Transparenz als Ethik.
Wer schreibt, soll sagen, wie.
Wenn KI beteiligt ist, dann offen, ehrlich, sichtbar.
Denn Vertrauen wächst aus Wahrheit, nicht aus Täuschung.

Co-Autorenschaft, nicht Konkurrenz.
Lass die KI den Wind bringen, der Funken entfacht ? aber du bleibst die Flamme.
Sie kann deine Stimme verstärken, doch nie ersetzen.
Denn Poesie, Leidenschaft, Wut, Sehnsucht ? das sind keine Datenpunkte. Das sind Beweise von Leben.

Maschinen reden.
Doch Menschen - wir entscheiden, welche Worte bleiben.
Vor ein paar Monaten - Antworten
KatharinaK Ohne meine "geistige Leistung" gäbe es diesen Text und alle anderen meiner "Ergüsse" nicht. Was also spricht dagegen mich über KI zu informieren, sie auszuprobieren, um sie zu verstehen. Ich verkaufe niemandem etwas. Wer mit mir in den Diskurs gehen will, über alles was KI auch für Autoren bedeutet, ist herzlich eingeladen. Ich habe es satt, mich als Betrüger, Lump und Verräter verunglimpfen zu lassen. Ich will nur "verstehen" ... Liebe Grüße in deinen Sonntag, Phantasus.
Katharina
Vor ein paar Monaten - Antworten
KatharinaK Diese Überlegungen habe ich schon Ende 2024 im Forum geteilt. Seither NULL DISKUSSION.
Vor ein paar Monaten - Antworten
Memory 
Hallo Katharina,
die meisten Diskussionen habe ich im Hintergrund mitgelesen.
KI schätze ich sehr - im Alltag.
HIER finde ich, wie viele andere auch, hat sie nichts zu suchen und dein Beharren darauf ist für mich auch ein Grund, mich hier immer mehr zurückzuziehen.
Worüber willst du denn diskutieren? Du bestehst auf deiner Meinung und weichst nicht davon ab. Dann kannst du im Gegenzug das auch nicht von anderen Usern erwarten.
Für MICH hat KI in einem Autorenforum nichts zu suchen, hier sollte es um ganz eigene Ideen, Schöpfungen und Texte gehen. Nicht um eine eigene Grundideee, die von KI aufgehübscht wird.
Mehr werde ich dazu nicht sagen.
LG Sabine
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre ja wunderbare Geschichte/Drabble gefällt mir sehr, hab ich sehr gerne gelesen.
lieben Gruß Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
FLEURdelaCOEUR Gefällt mir sehr! Aber ist vermutlich wieder ein KI-Produkt?
Dann wäre es sehr schade.
LG fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
KatharinaK Hallo Fleur, wenn es Dir gefällt, ist es doch recht. Dann hat Chatty einen guten Job gemacht. Es ist ja nicht so, dass ich daran keinen Anteil häütte. Ich probiere mich und KI eben gerne aus. Das heißt natürlich nicht, dass ich vom Meister zum Lehrling mutiert bin.
Liebe Grüße an Dich, ganz ohne KI, Katharina
Vor ein paar Monaten - Antworten
FLEURdelaCOEUR Liebe Katharina, ich sehe einfach keinen Sinn darin, dass wir uns hier oder anderswo gegenseitig mit ganz oder teilweise KI-generierten Texten "beglücken". Was von mir hier steht, ist alles selbst geschrieben und so wird es auch bleiben.
Liebe Grüße zurück,
fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gast Das ist völlig in Ordnung, Fleur. Meine Art damit umzugehen aber auch.
Vor ein paar Monaten - Antworten
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