Die letzte Postkarte
Es gibt Postkarten, die man nie verschickt. Sie liegen zwischen alten Rechnungen, zerknittert, ein Stück Erinnerung, das keiner mehr lesen wird. Ich halte eine in der Hand: die Tintenflecken wie Blut auf Papier, die Botschaft halb verblasst, doch der Sarkasmus bleibt: „Alles bestens hier.“
Ich weiß nicht, ob sie von mir stammt oder von jemandem, den ich vergessen habe. Das Haus auf der Illustration ist leer, und die Sonne scheint kalt. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, denke ich an all die Worte, die ich nie ausgesprochen
habe, die Versprechen, die im Staub der Jahre verschwanden.
Manchmal öffne ich die Schublade nur, um den leisen Herzschlag der Abwesenheit zu hören. Ein Moment genügt, und die Stille schreit lauter als jeder Streit, jedes Lachen, das längst verweht ist. Ich lege die Karte zurück und schließe die Schublade. Morgen wird sie wieder da sein. Immer da. Wie die Erinnerung, wie die Scham.
Und doch lächle ich ein wenig. Denn irgendwo zwischen Verfall und Vergessen liegt der dünne, bittersüße Humor: Man kann nichts mitnehmen, nicht einmal die
Postkarten.