Humor & Satire
Teufel, wir müssen reden...

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"Hoffen und Harren hält manchen zum Narren, denn es ist noch nicht vorbei......"
Veröffentlicht am 22. Oktober 2014, 16 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Hoffen und Harren hält manchen zum Narren, denn es ist noch nicht vorbei......

Teufel, wir müssen reden...

Bleistift





 

Teufel, wir müssen reden...


Satire

Teufel, wir müssen reden...

Gespenstisch schimmerte fahles Mondlicht durch die nebligen Schwaden, die kurz vor Mitternacht lautlos über die alten windschiefen Grabsteine des etwas verwahrlosten Kirchhofes hinwegzogen. Als der große Zeiger der Kirchturmuhr auf die Zwölf vorrückte, betrat eine finstere Gestalt durch die angelehnte Tür, das marode Gotteshaus. Knarrend bewegte sich der schwere Flügel der massiven Kirchentür in seinen rostigen Angeln, während das schwache Mondlicht durch ein zerbrochenes Kirchenfenster auf den schmutzigen Fußboden der alten Kirche fiel. In der letzten

Bankreihe entdeckte die skurrile Gestalt einen nachdenklich sinnierenden Mann, der in ein langes weißes Gewand gekleidet war und hinkte auf ihn zu.

Der Mann in der letzten Bankreihe hatte eine kleine Kerze angezündet und sie auf das Pult gestellt. »Was in aller Welt gibt es denn so Lebensnotwichtiges, Sklave deines Herren, dass du plötzlich meiner so vehement bedarfst?«, brummte der mitternächtliche Besucher missmutig, als er von dem schwachen Dämmerlicht jener Kerze erfasst wurde, welche den Raum um die hölzerne Bankreihe spärlich erhellte. Rasch breitete sich in seinem Dunstkreis ein fauliger Schwefelgestank aus.

Der Mann in dem weißen Gewand hob langsam den Kopf. Er sah müde aus, als er sich an den Ankömmling wandte,

»Geweihter Boden, Schwarzer, vergiss wenigstens mal für einen kurzen Moment lang deine überaus schlechten Manieren«, tadelte er den so Angesprochenen. Der Höllenfürst verzog grinsend sein Gesicht zu einer furchterregenden Grimasse, »Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, Bruderherz. Lang nicht mehr gesehen. Du siehst, wie soll ich sagen, einfach blendend aus, mein lieber Gabriel. Wie man sieht, konnte dir die Zeit wie immer nichts anhaben. Wie erfreulich…«, kicherte er. Gabriel lächelte schwach, er hatte die Ironie, die hinter den Worten seines ewigen

Widersachers steckte, sehr wohl verstanden. Es war also nicht zu übersehen, dass er sich Sorgen machte. »Satanael, wir müssen reden«, sagte er zu dem Gehörnten gewandt. »Worüber hätten wir beide noch zu reden? Längst ist das Bruderband zwischen uns zerrissen, wie du ja weißt, was also soll uns da noch das ganze Gerede. Schließlich warst du es, der sich auf seine Seite geschlagen hatte, just in dem Moment, als ich verzweifelt auf deine Hilfe hoffte…«, schnaubte der Leibhaftige und blickte finster drein, wiewohl er sofort bemerkt hatte, dass Gabriel ihn seit Ewigkeiten wieder bei seinem richtigen Namen genannt hatte. Das jedoch stimmte ihn wiederum etwas versöhnlicher, Blut war eben

tatsächlich immer doch dicker als Wasser. »Na schön, was soll‘s also. Worüber willst du, dass wir reden sollten?«, erwiderte der Herr der Unterwelten inzwischen in einer etwas weniger aggressiven Tonlage. Gabriel kniff die Augen zu schmalen Sehschlitzen zusammen und fixierte sein Gegenüber, »Was treibst du neuerdings im afrikanischen Westen, Kamerad?« Der Schwarze grinste, denn er hatte sofort erfasst aus welcher Ecke der Wind wehte, deshalb fügte er schnell hinzu, »Och, ich mache nichts anderes, als sonst auch und ganz nebenbei versuche ich immer noch sein Lieblingsspielzeug ein bisschen kaputt zu machen. Und ich denke, ich habe mit dieser Ebola-Kacke endlich ein probates

Mittel gefunden, dem Alten damit gehörig in die Suppe zu spucken. Aber diesmal sind sie dran, diese kleinen Idioten, glaub mir, mon ami«.

Der Schwarze rieb sich die Hände und ein kaltes Glitzern erstrahlte in seinen ansonsten glanzlosen Augen. »Da bin ich mir nicht so sicher, das hattest du doch damals im Mittelalter von der Pest auch schon behauptet, als du damit sogar zwei Drittel der Bevölkerung Europas ausgerottet hast. Ebenso erinnere ich mich, wie euphorisch du von der Spanischen Grippe geschwärmt hattest, oder auch von dem Umgang mit Aids, immer dasselbe. Nichts von alledem ist am Ende so aufgegangen, wie du es dir gewünscht hattest. Oder nimm doch den

Versuch aus den Vierzigern des letzten Jahrhunderts, diese wirklich extrem üble Atombombengeschichte. Hattest du damals nicht großspurig getönt, dass du ihnen just damit einen Knüppel in die Hand gedrückt hättest, mit dem sie sich nun gegenseitig die Schädel einschlagen würden?«, widersprach Gabriel seinem urplötzlich wieder deutlich besser gelaunten Widersacher. Der Teufel indes wackelte grinsend ein wenig mit seinem Haupte, »Mag sein, mag nicht sein. Aber diesmal ist es etwas anderes. Erst mal sind diese armen Teufel…«, Satan machte plötzlich eine Pause und lachte über seine eigene Wortkreation. »Köstlich, köstlich, ...arme Teufel, na das hätte ja glatt von mir sein können. Also, wie auch

immer, für diese großkotzigen Europäer sind sie eh‘ alle nur Kaffern, unnütze Fresser also, die jährlich mal eben fast eine halbe Welternte an Lebensmitteln verputzen, ohne wirklich etwas dafür zu leisten. Als Sklaven darf man sie leider nicht mehr vermarkten und über die vielen schönen Bodenschätze aus Schwarz-Afrika dürfen die Herrschaften aus Europa und Amerika auch nicht mehr ungebremst so ohne weiteres verfügen. Also ist guter Rat teuer und so warten sie erst einmal in aller Seelenruhe tatenlos ab, was überhaupt passieren wird. Und in der Zwischenzeit reduziert sich diese ganze Kaffern-Truppe in Windeseile quasi von selbst. Wenn es gut läuft, sogar gleich um die Hälfte, denn beinahe jeder Zweite geht daran ein, sehr effizient, wie ich übrigens finde. Zum

anderen glauben diese kleinen weißen Idioten nämlich, sie hätten doch tatsächlich alles im Griff und dieser fürchterliche Infektions-Mist würde sie mitnichten erreichen können. Igitt, dabei möchte nicht einmal ich auch nur in die Nähe eines mit Ebola Infizierten gelangen. Es ist so eklig dieses Zeugs, dass selbst ich es nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde. Nun ja, hat mich in der Vergangenheit auch ne‘ ganz hübsche Stange Geld und sehr viele Überredungskünste gekostet, dieses Dreckszeugs überhaupt ausbrüten zu lassen. Auch egal, wenigstens funktioniert es jedenfalls bestens… Aber ich merke schon, ich schweife wieder mal ab. Äh..., wo war ich doch gleich stehengeblieben? Ach so, bei ihrer großkotzigen Überheblichkeit, dass

bestimmt nichts zu ihnen hinüberschwappen würde. Da sei ihnen schließlich ihre absolute medizinische und auch wissenschaftliche Überlegenheit davor and last but not least, auch noch das ganze Mittelmeer dazwischen.

Verstehst du, mon ami, das ganze MITTELMEER! Und ganz im Gegenteil«, lachte der Teufel. »Sie trauen sich gar mit Krokodilstränen in den Augen und zum Teil auch aus einer megadämlichen humanitären Gefühlsduselei heraus, diesen hinterhältigen Dreck in Form von todkranken Patienten nach Europa und Amerika zu schaffen. Dabei ahnen diese armen Irren nicht einmal im Traum, dass dieser damals von mir so glänzend arrangierte Trick mit dem trojanischen Pferd, auch noch ein weiteres Mal klappen könnte. Wer hätte

das gedacht… Uuuiiii, das wird in der Tat ein Schlachtefest vom Allerfeinsten, sag' ich dir, wenn erst die alte und die neue Welt gemeinsam gar kräftig zur Ader gelassen werden, Halleluja, Bruder.«

***

















Impressum Cover: selfARTwork Text: Bleistift © by Louis 2014/10 last Update: 2026/5

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Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Enya2853 Wahnsinn, da kann es einen schon gruseln.
Fantastisch, wie du wieder den Bogen spannst. Um sich der Zusammenhänge bewusst zu werden, muss man kein Verschwörungstheoretiker sein. Und mag ich den teuflischen Grundmotiven im Herzen auch nicht gern folgen, eines ist sicher: Diese Überheblichkeit zieht sich doch durch die ganze Menschheitsgeschichte.
Und letztlich ist so der Mensch sein eigener Teufel.
Der 2. Teil (den ich ja zuerst gelesen habe) ist dann hierzu nur die logische Folge.
Du hast so viel hier hineingebracht, zuweilen derart subtil, ohne es direkt zu benennen, das ist schon eine reife Leistung, die ich mehr als anerkenne.

Und doch - für mich gibt es da immer dieses kleine "Vielleicht", dass es immer noch genügend Menschen gibt, die diesen Namen verdienen.

Louis, eine toll geschriebene Satire, gute Dialoge, aber auch (besonders am Anfang) eine atmosphärisch dichte Schilderung, die in die Story einführt.
Clap my hands.
Lieben Abendgruß
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Die Story muss ich doch glatt verpasst haben. Aber besser spät als nie. Jedenfalls, ich als alter Ungläubiger bin ja der Meinung das der Mensch des Menschen größter Feind ist. Da braucht es keinen Teufel. Oder ist eben das des Teufels Plan?? Grübel...
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Lieber Louis,
wo (2) erscheint, muß ich doch erstmal nach (1) sehen.
Dies hier finde ich um einiges schärfer, weil Du mit dem jahrhundertealten Kolonialismus und Rassismus spielst, bis zu aktuellen Flüchtlingsschiffen.
Teuflisch!
Viele Grüße,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Teuflisch gut geschrieben, teuflisch fies dieser gedankliche Bezug, lieber Louis. Kürzlich las ich irgendwo den Satz "Corona ist das Ebola der Reichen", bezogen auf die Corona-Katastrophe in der Lombardei ...
Danke für diesen Link und die Geschichte!
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre Teuflisch gut!
Die Geschichte ist ja schon ein paar Tage alt
wirklich geändert hat sich nichts. Im Gegenteil!
Die Linien haben sich verschoben...das Seelengrab
des schwarzen Engels ist das Mittelmeer.
Da macht er im Moment reichlich Beute
GGLG Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
Miranda Lieber Louis,
so genau so stelle ich mir ein Gespräch zwischen Gut und Böse vor.
Wunderbar geschrieben, ich liebe diesen schwarzen Humor! Es wäre tatsächlich ein tolles Zweipersonenstück für unsere jährlichen Schlossfestspiele.
Liebe Grüße
sigrid
Vor langer Zeit - Antworten
Tintenklecks politische Satire und böses Kabarett.. fein.. Das Textchen ist fast bühnenreif. Wenn du nocmal drüber gehst und Wortdopplungen in Nachbarsätzen austauschst..
ausgesprochen große Klasse :-)
sagt der Tintenklecks
Vor langer Zeit - Antworten
MarieLue Mir ist die Spucke weggeblieben. Böse, böse, lieber Louis!
Herzliche Grüße
Marie Lue
Vor langer Zeit - Antworten
Amarillo Dein - Teufel, wir müssen reden - hab ich mir extra für Samstag-Nachmittag aufgehoben. Und es hat sich wieder mal gelohnt. Deine teuflisch geschriebene engelsgleiche Konversation liest sich lockerleicht. Es zauberte mir ein Schmunzeln auf das Gesicht und nun muss ich mich mit den vielen Gedanken, die deine Konversation angestossen hat, auseinandersetzen. Herzlichen Dank fürs Lesevergnügen.
Lieber Gruss, Feli
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW 
Da fällt mir jetzt gleich gar nix mehr ein - und das heißt was.
So eine super geschriebene Satire habe ich schon ewig lange nicht mehr gelesen. Danke dafür.
Jetzt müssten`s halt die betreffenden Herrschaften auch lesen und vor allen, sie müssten sich etwas einfallen lassen ...
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
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