Kurzgeschichte
Freundschaft

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"Freundschaft"
Veröffentlicht am 10. August 2008, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Freundschaft

Freundschaft

Erschöpft und traurig komme ich nach Hause, meine Eltern sind noch arbeiten.Der erste Schultag in einer neuen Klasse und alles schien wie vorher zu sein. In diesem Jahr wurde ich nicht versetzt. Ich habe gehofft das wäre meine Chance von vorne anzufangen und endlich wieder Freunde zu finden. Aber meine neuen Mitschüler scheinen mich nicht zu mögen. Ich sitze an einem Einzeltisch und habe kaum mit ihnen gesprochen.Mit Tränen in den Augen und einem schmerzenden Kloß im Hals sitze ich auf meinem Bett und schaue zu meinem Schreibtisch hinüber. Dort steht neben meiner Lampe ein Bild, auf dem Laura abgebildet ist.Laura war meine beste Freundin. Seit dem Kindergarten waren wir unzertrennlich. Wir hatten die gleichen Hobbys, hielten in guten und schlechten Zeiten zusammen, konnten immer über alles reden und haben viel zusammen gelacht.„Warum bist du nicht mehr bei mir?“, flüsterte ich, meine Augen immer noch auf das Bild gerichtet. Ich kann die Tränen nicht mehr zurückhalten, sie laufen mir an meinen Wangen hinunter.Als Laura damals starb, brach für mich die Welt zusammen. Wenn meine Eltern mich nicht so liebevoll unterstützt hätten, würde vielleicht auch ich heute nicht mehr leben. Denn ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben aus Verzweifelung Laura verloren zu haben. „An einem Abend konnte ich nicht mit dir feiern gehen, weil ich krank im Bett lag. Doch dieser Abend sollte mein ganzes Leben verändern.An den darauf folgenden Tagen bemerkte ich, dass du dich verändert hattest. Du schienst traurig und bedrückt zu sein, doch im nächsten Moment warst du wieder munter und ausgelassen.Lange Zeit versichertest du mir immer wieder aufs Neue alles wäre in Ordnung. Doch eines Tages erzähltest du mir, dass du abhängig wärst.Wieso war ich nicht eher darauf gekommen? Immer noch mache ich mir große Vorwürfe. Das hätte doch ein Blinder gemerkt. Und ich als deine beste Freundin verstehe nicht, was mit dir los ist. Hätte ich doch damals noch mehr nachgeforscht, würdest du heute vielleicht noch leben.Du hast gedacht, ich würde dich nicht verstehen und dich abweisen. Wolltest dich mir nicht anvertrauen weil du dich geschämt hast. Doch du hättest von Anfang an zu mir kommen sollen.Ich wollte dir helfen, doch du nahmst meine Hilfe nicht an. Aus Angst dich zu verlieren, konnte ich abends nicht mehr schlafen, daher beschloss ich, mit deinem Vater zu reden.Jedoch zeigte er keinerlei Interesse an deinem Wohlergehen. Er hat dich nie gut behandelt. Seit deine Mutter starb, ist er Alkoholiker. Hat dich geschlagen oder ignoriert. All diese schrecklichen Tatsachen hast du mir immer wieder erzählt und um Hilfe gebeten. Doch ich war mit dieser Situation völlig überfordert. Jedes Mal konnte ich nicht mehr tun als dich in den Arm zu nehmen und deine Tränen zu trocknen. Ich weiß, dass du den Entzug verweigert hast, weil du gemerkt hast, dass du durch die Drogen den Schmerz vergisst, den dir dein Vater angetan hat.Doch irgendwann hatte ich es geschafft. Mir zuliebe machtest du eine Entzugskur und ich versprach, dich, so weit es geht, zu unterstützen. Am Anfang schien alles gut zu werden, denn du machtest schnell große Fortschritte.Einmal die Woche durfte ich in die Klinik kommen um dich zu besuchen. In der zweiten Woche war jedoch alles anders.Deine Betreuerin bat mich in ihr Büro. Ich setzte mich auf einen Stuhl und sie setzte sich mir gegenüber. Nach einer unerträglich stillen Pause teilte sie mir schonend mit, dass der Entzug für dich zu spät kam. Dein Körper war sehr geschwächt von der sehr harten Droge, die du nahmst und dein Blut vergiftet. Was sie mir anschließend mitteilte, habe ich nicht mehr verstanden. Die Welt brach für mich zusammen. Lange konnte ich mich nicht mehr auf meinem Stuhl halten.Ich brach zusammen. Kurze Zeit war ich bewusstlos. Als ich wieder aufwachte, saß die Betreuerin und ein Arzt neben mir. Sie teilten mir mit, dass meine Mutter mich jeden Moment abholen würde. Sie sprachen mir Mut zu, doch ihre Stimmen schienen so fern zu sein. Die ganze Zeit musste ich an dich denken. Nie wieder können wir zusammen lachen. Nie wieder werde ich mich in der Gegenwart einer Person so geborgen fühlen wie in deiner. Nie wieder werde ich eine Person finden, der ich so vertrauen kann wie dir. Nie wieder werde ich jemanden finden, der mich so unterstützt wie du mich unterstützt hast. Nie wieder werde ich jemanden so lieb haben wie ich dich lieb hatte.Der Kloß in meinem Hals löste sich und mir liefen die Tränen über die Wange. Verzweifelt hockte ich auf dem Boden. Die Betreuerin nahm mich in den Arm und ich spürte einen kleinen Stich in meinem rechten Arm.Eine innerliche Ruhe breitete sich über mich aus. Die Verzweiflung schien sich zu legen. Meine Gedanken waren leer. Aber die Tränen liefen immer noch.An vielen Tagen saß ich verzweifelt in meinem Zimmer. Ich fühlte mich so allein gelassen. Wusste nichts mit mir anzufangen. Meine Eltern wollten, dass ich weiterhin meinen Hobbys nachgehe. Doch ohne dich wollte ich nicht zum Training gehen.Auch in der Schule zog ich mich weitestgehend zurück. Wollte die lästigen Fragen von den Mitschülern und Lehren nicht beantworten.“ Heute habe ich deinen Tod akzeptiert aber nicht verkraftet. So sehr ich mich auch bemühe, es fällt mir schwer neue Freunde zu finden. Diese Tatsache macht es mir nicht leichter aus meinem tristen Alltag und den quälenden Gedanken raus zu kommen.Aber ich weiß genau, wenn du jetzt hier sein könntest, würdest du mir sagen, dass ich weiter kämpfen soll.Und auch wenn ich jetzt noch keine neuen Freunde habe weiß ich, dass du immer meine Freundin bleiben wirst. Denn eins haben wir uns schon immer geschworen:ABFFL - Aller Beste Freunde Fürs Leben Denn gute Freunde vergisst man nie!
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Sarah

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Chrissy55 Es tut mir weh, das zu lesen, - glaube mir, du wirst neue Freunde finden, mit denen du wieder lachen kannst, aber einen Menschen, den man so geliebt hat, kann und soll man auch nicht vergessen. Swea war sieben Jahre jung, als ihre Freundin bei einem Autounfall ums Leben kam, aber vergessen haben wir auch Anna bis heute nicht. Es ist so banal zu sagen, das Leben geht weiter, aber so ist es nunmal, nur trösten kann einen in einem solchen Moment niemand. Ich wünsche jedem bei einem solchen Verlust, dass er jemanden hat, mit dem er weinen kann, das kann mitunter viel mehr helfen als banale Floskeln. Ich fühle mich bei solchen Geschichten immer so schrecklich hilflos wie damals, als Anna starb. Ich weiß dann nicht, wie ich am besten reagiere, aber es ist immer noch besser, auf jemanden zuzugehen, als gar nicht zu reagieren. Sarah, ich wünsche dir ein tolles Leben und ganz viele Freunde.
LG Chrissy
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