Beschreibung
Ich habe vor Jahren in einer onkologischen (Krebs)Nachsorgeklinik gearbeitet, in der tatsächlich diese Bilder hingen, makaber, ich weiß, deshalb dieses Gedicht
Bilder hingen an der Wand,
die stellten dunkle Kreuze dar.
Den Sinn dafür hab ich nie erkannt,
denn die Botschaft war zu klar.
Die Menschen in dieser Klinik waren
an irgendeinem Krebs erkrankt,
oft fehlte es ihnen an Haaren,
sie sind manchmal schwach durch die Flure gewankt,
in denen diese Bilder waren.
Was soll das? Worin liegt der Sinn?
Reicht es nicht, dass ich so krank schon bin?
Muss ich mir auch noch diese Bilder ansehen?
Sollen sie mir sagen: Es wird geschehen,
du wirst schon bald von dieser Erde gehen?
Ich hätte die Ausstattung anders gemacht,
habe ich so oft bei mir gedacht,
ich hätte ein Aquarium aufgestellt,
Blumenbilder, etwas, das jedem gefällt,
etwas, das die Sinne aufhellt.
Ich hätte im Garten eine Voliere gebaut
mit bunten Vögeln, die jeder gerne anschaut.
Ich hätte gefeiert, hoch die Tassen.
Ich hätte die Menschen dort singen lassen.
Doch an den Bildern änderte sich nichts bis zum Schluss.
Es hat mich geärgert, ich verspürte Verdruss.
Ich verspürte zudem große Hilflosigkeit.
Es weiß doch jeder, auch für ihn kommt die Zeit,
in der er der Welt Adieu sagen muss,
aber muss er das schon an den Bildern sehen?
Wir haben keinen Einfluss auf die Zeit, wenn wir gehen,
doch diese Art Bilder werde ich niemals verstehen,
noch weniger den Ort, an dem sie angebracht.
Wäre ich mutig genug, ich wäre mitten in der Nacht
ganz einfach in diese Räume gegangen,
hätte die Bilder von den Wänden abgehangen,
hätte bunte, lustige Bilder aufgehängt
als Zeichen, dass eine neue Zeit anfängt.
Ich war seit vielen Jahren nicht mehr dort,
doch ich bin sicher, niemand nahm die Bilder fort.
Also hoffe ich, dass Patienten an den Bildern vorbeigehen,
ohne drauf zu achten, ohne hinzusehen,
dass sie trotzdem Hoffnung in ihren Herzen tragen
und den Schritt in ein neues Leben wagen.