In dem Büro, wo ich einst war,
ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr,
saß ein Kollege, schlank und schön.
Beim Schreiben durfte ich nie zusehn,
weil er die Buchstaben erst suchte,
dabei auch leise ein wenig fluchte,
denn er schien immer zu vergessen,
wo die Buchstaben gerade gesessen.
So dauerte es Ewigkeiten,
gewiss aber sehr lange Zeiten,
bis er das Schriftstück dann vollbracht.
Ich habe oft bei mir gedacht:
Lass mich mal eben ganz schnell ran,
ich zeig dir, wie es gehen kann.
Ich weiß, dass ich ungeduldig bin,
oft glaub, ich bekomm das besser hin,
doch halte ich mich meist zurück.
Jeder versuche selbst sein Glück.
Als meine Kinder klein noch waren
oder zumindest jung an Jahren,
haben sie mir beim Kochen zugesehn,
fanden das interessant und schön.
Von Dirk kam die Bitte irgendwann:
„Nun lass mich aber auch mal ran.“
Okay, dachte ich, na dann mal zu,
das Fleisch wird zäher als ein Schuh,
die Kartoffeln klitzeklein geschält,
es sei denn, dass man sie abpellt,
Gemüse muss man immer waschen.
Köche dürfen niemals naschen.
Gern hätte ich ihn vom Herd geschoben,
die Einwilligung aufgehoben,
doch sollte er es ja auch lernen.
So musste ich mich aus der Küche entfernen.
Ich weiß, dass ich ungeduldig bin,
oft glaub, ich bekomm das besser hin,
doch halte ich mich meist zurück.
Jeder versuche selbst sein Glück
Wenn ich heute durch die Gegend geh,
wenn ich dann so manche Leute seh,
die umständlich irgendetwas machen,
nicht schreiben oder solche Sachen,
aber Dinge, die ich wohl besser kann,
möchte ich sagen: „Lass mich mal ran.“
Doch ich verkneif den Kommentar.
Man wird auch weiser Jahr für Jahr.
Ich dreh mich um und sehe weg.
Auch Lernen erfüllt oft seinen Zweck.
Auch wenn ich ungeduldig bin
und glaube, ich kriege das besser hin,
ist Hilfe anbieten nicht immer gut.
Manch einer verliert dann nur den Mut,
auch einmal Dinge zu probieren.
Was würde mit der Welt passieren,
wenn jemand, der etwas gut kann,
nie ließe jemand anderen ran?
Dann würde die Welt zusammenbrechen.
Deshalb gebe ich heut das Versprechen:
Ich werde nicht mehr ungeduldig sein,
lasse es andere versuchen, ganz allein.
Wenn es mich stört, dann sehe ich weg,
denn zuviel Hilfe hat gar keinen Zweck.
Versuch es selbst, probier es aus.
Du bekommst den Dreh alleine raus.
Niemand wird perfekt geboren,
niemand bleibt im Leben ungeschoren.
Auch Niederlagen machen stark,
machen unabhängig und autark.
Drum halte ich mich jetzt zurück.
Jeder versuche selbst sein Glück.