Gedichte
Der Vater, der keiner war.

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"Der Vater, der keiner war."
Veröffentlicht am 02. Mai 2008, 8 Seiten
Kategorie Gedichte
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Über den Autor:

Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.
Der Vater, der keiner war.

Der Vater, der keiner war.


 

Man kann keinen Vater so nennen, der gar keiner war.

Erst viel zu spät wurde mir das klar.

Jahrelang dachte ich daran,

dass man einen Vater auch lieben kann,

der selbst keine Liebe geben kann.

Als Entschuldigung habe ich daran gedacht,

dass es ihm nie jemand richtig hat beigebracht,

auch seine Eltern haben sehr viel falsch gemacht.

 

Von Schlägen wurde sehr viel erzählt,

dass es wichtig ist, wenn man Kinder so quält,

dass Reden bei Kindern gar nichts bringt,

dass sie nur verstehen, wenn der Rohrstock singt,

dass man sich bei Kindern nur Respekt verschafft,

wenn man sie schlägt und barsch anblafft,

dass kleine Kinder noch nichts verstehen,

dass sie nicht richtig hören und sehen.

So wurde er, der Vater, dereinst erzogen

und damit um so viel Liebe betrogen.

 

Ich habe es als Mutter völlig anders gemacht,

hab früh mit den Kindern geredet, gelacht,

habe ihnen das Leben vorgemacht.

Bei uns hat es Bitte und Danke gegeben.

Gemeinsam genossen wir das Leben,

zumindest wenn er nicht Zuhause war.

Auch das wurde mir erst viel später klar.

 

Kinder gehörten zu seinem Leben zwar dazu,

doch eigentlich wollte er nur seine Ruh.

Er wollte nicht gerne mit ihnen verreisen,

am liebsten sogar ohne sie speisen.

Als seine Kinder galten sie dann,

wenn sie mal etwas wirklich Gutes getan.

Dann hat er sie förmlich vorgeführt.

Ich weiß nicht, ob ein Kind das spürt.

 

Als nach zwei Söhnen unsere Tochter zur Welt gekommen,

hat er sich bei ihr plötzlich ganz anders benommen.

Jeden Wunsch las er ihr von den Augen ab,

hat sein Prinzesschen verwöhnt und zwar nicht zu knapp.

Die Söhne mussten für sie vieles machen,

hatten selbst dabei aber nichts zu lachen.

 

Erst als sie 18 war, habe ich mich getrennt.

Oft frag ich mich: Hab ich den richtigen Zeitpunkt verpennt?

Würden meine Kinder sich besser verstehen,

wäre ich früher bereit gewesen zu gehen?

Was hab ich im Leben falsch gemacht?

Ich habe doch nur an die Kinder gedacht.

Ich wollte, dass sie als Kinder einen Vater haben,

dem sie früher einen Großteil ihrer Liebe gaben.

Doch wurden die Söhne reifer und älter

und das Verhältnis zu ihm kälter.

 

Wäre vielleicht alles etwas anders gelaufen?
Hab ich allen die Chance genommen, sich zusammenzuraufen?

Habe ich wirklich alles falsch gemacht?

Habe ich wirklich nur an die Kinder gedacht?

Hätte ich ihn stärker beeinflussen müssen,

ihm viel mehr erzählen von Schmusen, Liebe und Küssen?

 

Ich glaube, wir haben uns alle voneinander entfernt.

Ich glaube, er hat niemals Liebe kennen gelernt.

Ich befürchte, er hat niemals eine Chance gehabt.

Liebe lebt man und ist dazu nicht begabt.

Doch er ist ein Vater, der nie einer war.

Auch heute ist er nur für seine Tochter da,

wenn er es für sich einrichten kann.

Er ist kein Vater, aber ein einsamer Mann.

 

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Über den Autor

Chrissy55
Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.

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Chrissy55 Re: Gruselig gut.... -
Zitat: (Original von Sherlock am 03.05.2008 - 11:38 Uhr) Zumindest in Anteilen kenne ich dieses Problem! Ich verstehe deine Ängste, alles falsch gemacht zu haben! Ich denke, du darfst erkennen, das du nicht für den Menschen (deinen Mann) und seine Rolle als Vater verantwortlich fühlen musst! Alles was du tun konntest, war DEIN Bestes zu geben und das werden deine Kinder zu schätzen wissen!
Schöner Text!
LG! Anna!


Ich danke dir Anna, es tut immer wieder gut, sich Frust von der Seele zu schreiben und noch besser geht es mir, wenn ich darauf auch noch so schöne Kommentare bekomme. Ich weiß, dass man im Leben nicht immer alles richtig macht, aber ist nicht jeder irgendwie doch bemüht, ein guter Mensch zu sein? Danke also noch einmal und ganz liebe Grüße Chrissy
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Sherlock Gruselig gut.... - Zumindest in Anteilen kenne ich dieses Problem! Ich verstehe deine Ängste, alles falsch gemacht zu haben! Ich denke, du darfst erkennen, das du nicht für den Menschen (deinen Mann) und seine Rolle als Vater verantwortlich fühlen musst! Alles was du tun konntest, war DEIN Bestes zu geben und das werden deine Kinder zu schätzen wissen!
Schöner Text!
LG! Anna!
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