WEGSEINverse
Tag eins ist sicher ungewohnt
nun bist Du weg
Dein Stuhl ist leer
und meine nicht gesagten Worte
steh’n da mit schlaffen Händen
Tag zwei, fast ein normaler Tag
doch die Gewissheit
dass Du nicht aufkreuzen wirst
nimmt der Zeit ihre Zierde
und lässt Fragezeichen keimen
Tag drei, ein Sonntag ohne Dich
war irgendwo und nirgendwo
leh’n mich ans Wechselwetter an
find’ den Kontaktplatz leer
zähl’ rückwärts die Tage
Tag vier, Bildschirm verwaist
durchrase die Hauptstadt
füll’ die Unrast mit Terminen
such’ Inhalte in frühen Texten
was Du eben grad tust
Tag fünf, es kommen and’re Dinge
heb’ mir Dein Lächeln in mir auf
kaschiere alles mit Vorgestrigkeiten
spring Gedankenlos umher
mein Warteplatz hat Konjunktur
Tag sechs, da denke ich an wen
fast einfach logisch und ganz klar
die Wiesen winken unterkühlt
Frau Sonne hat scheint’s frei genommen
der Mittwoch halbiert diese Woche
Tag sieben bummelt still heran
hängt sich an meinen rechten Arm
der Regen rinnt ihm früh durchs Haar
er sieht noch etwas müde aus
und meint, das diese Mode englisch wär’
Tag acht ist schon ein neuer Freitag
einer, der mich aus dem Hause schickt
der das Wochenende bunt streicht
und mein Denken anders nivelliert
nehm’ Dich auf die Reise mit
Tag neun, die andere Welt lenkt ab
wir schwelgen als geladne Gäste
vertun die Stunden fast zu schnell
das „Denk an Dich“ kommt selten vor
die Wetterfee hat keinen Plan
Tag zehn, Gewitter kürzt den Schlaf
im Halbschlaf kreisen Traumsequenzen
ich sende Dir Gedankenpost
mit ohne Porto ganz direkt
kann sein, dass Du den Schluckauf hast
Tag elf kommt sonnig aus dem Knick
nach Regen ist oft Sonnenschein
wollt’ Dir was schreiben irgendwie
der Star vorm Haus grüßt momentan
sein Lied ist frisch, wie dieser Vers
Tag zwölf kann sich nicht recht entschließen
er reibt sich seine feuchte Stirn
ich schick Dir liebe Morgengrüße
sie schleichen sich in Deinen Traum
und bringen viele Küsse mit
Tag dreizehn dreht sich müd’ im Bett
schau mal, was er bringen kann
sicher auch Alltäglichkeiten
und ’ne Karte auf die ich warte
Nacht ist noch nicht ganz vorbei
Tag vierzehn kommt auch ohne Zweifel
noch liegt die Nacht vor seiner Tür
der Cursor blinkt, ist nicht ganz munter
mein Frühgedanke fliegt zu Dir
egal wo Du auch gerade weilst
Tag fünfzehn sieht mich auf dem Weg
die letzte Nacht war Stückwerk pur
und manchmal denk ich oder lese
und frag’ mich schon
wo bist Du nur
Tag sechzehn hat von jedem was
mal bringt er Sonne, mal ist er nass
es ist nach eins im irgendwo
ich nehm’s, wie’ s ist
es ist halt so
Tag siebzehn ist ein Regenmorgen
hofft, dass er sich noch bessern kann
die Frösche haben keine Sorgen
die Sonne steht echt hinten an
meine Grüße gehen’n zu Fuß
Tag achtzehn in Abwesenheit
hält frisches Wetter früh bereit
mal sehen, was die Woche hat
der Tag bringt uns heut in die Stadt
der Freitag ist nicht weit
Tag neunzehn hat sich aufgehellt
Deine Grüße machen froh
streck die Füße in die Welt
zeig’ der Neugier neue Bilder
schick’ Dir einen Sonnenstrahl
Tag zwanzig lächelt reduziert
Feldlerchen ist das glatt egal
ihr Tremolo so naturell
macht jeden Seelenhimmel hell
er hat ja keine Wahl
Tag einundzwanzig spielt mit Wolken Ball
der Himmel kennt nur Gräulichkeiten
die Kühle scheint, wie im April
der Juli macht auch was er will
ich hoff’ und bleib bescheiden
2012-07-13 jfw