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Krankenbesuch

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"Krankenbesuch"
Veröffentlicht am 26. Februar 2012, 4 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Je älter ich werde, umso weniger gibt es über mich zu sagen :-)
Krankenbesuch

Krankenbesuch

Krankenbesuch

 

Es gehört nicht zu meinen liebsten Tätigkeiten, Menschen im Krankenhaus zu besuchen. Daher mache ich das eher selten. Die Mutter meiner Schwägerin hatte einen Herzinfarkt und soll in der Reha-Klinik die nächsten drei Wochen therapiert und kuriert werden. Sie ist schon eine ältere Dame. Vor zwei Wochen wurde sie achtzig Jahre alt. Zwei Tage danach hatte sie den Herzinfarkt.

Vielleicht waren ihr die ganzen Vorbereitungen auf das Fest und der Besuch doch ein wenig viel.

Zum Glück war fast unmittelbar nach dem Vorfall ein Arzt vor Ort, das hat ihr das Leben gerettet. Ein Leben, das nun mit Hilfe von 15 Tabletten täglich stabilisiert wird. Diese Tabletten sollen dem Herzen seine Arbeit erleichtern, so wurde ihr gesagt. Zu all dem bekam sie eine Lungenentzündung, diese wurde mit Hilfe von Antibiotika geheilt, sagte sie mir. Als ich bei ihr war musste sie wenige Male Husten. Es klang in meinen Ohren nicht gut, wie sie hustete.

Schön war, dass sie sehr interessiert war. Unser Gespräch glich einem Fluss. Die Stunde verging wie im Flug. Wir redeten über dies und jenes. Schon wegen dieses Gespräches bin ich dankbar, dass sie noch lebt.

Es ist ein Geschenk achtzig Jahre zu werden. Es ist ein Geschenk sich bis dahin selbst versorgen zu können. Es ist ein Geschenk gemeinsam mit dem Partner alt zu werden, ihr Mann ist ebenfalls schon einundachtzig Jahre alt. Es ist ein Geschenk Kinder zu haben, die da sind, die sie besuchen.

Es ist ebenso ein Geschenk mit achtzig einen wachen Geist und Interesse am Leben zu haben.

Ich weiß nicht wie lange sie noch leben wird, daher wollte ich sie besuchen. Es war mir wichtig mit dieser Frau ein wenig Zeit verbringen zu können. Diese Gelegenheit wollte ich nicht verpassen.

Es ist durchaus möglich, dass sie noch einige Jahre da ist, das würde ich ihr wünschen und auch ihrem Ehemann, der jetzt schon schwer angeschlagen ist, da seine Frau einige Wochen in der Klinik verweilen muss. Von ganzem Herzen wünschte ich ihr gute Gesundheit als ich das Zimmer verließ.

Voller Dankbarkeit darüber, dass meine Glieder reibungslos ihren Dienst verrichten, dass mein Herz gleichmäßig und zuverlässig arbeitet, dass mein Körper gleich einer gut funktionierenden Maschine  läuft, dankbar auch dafür, dass ich  die meiste Zeit vertikal ausgerichtet bin, ging ich zurück zum Auto, das auch ohne zu murren startete.

Es ist ein Geschenk am Leben zu sein.

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Mitmensch
Je älter ich werde, umso weniger gibt es über mich zu sagen :-)

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Mitmensch Re: -
Zitat: (Original von Ciggy1 am 27.02.2012 - 16:22 Uhr) Kurz, sachlich, präzise, zum Nachdenken anregend, humorvoll (Auto) - viel mehr geht nicht.

Schön: "....unser Gespräch war ein Fluss"

Daumen hoch!

LIebe Grüße

Ciggy


Hallo Ciggy,
danke für Deinen Kommentar!
Lieben Gruß
Johanna
Vor langer Zeit - Antworten
Mitmensch Re: Manchmal, wenn das Leben -
Zitat: (Original von kullerchen am 27.02.2012 - 14:18 Uhr) seine Endlichkeit erkennen läßt, ist dies, obwohl jeder es weiß, ein Schock.
Es wird einem bewußt, wie sehr man am Leben hängt und dass die Gesundheit eben nicht selbstverständlich ist und man wird dankbar und nachdenklich.

Was wäre wenn.....? Weißt du, dass es ein Geschenk war, dass du dieses Gespräch mit einer zauberhaften Dame führen durftest, die das Leben als Geschichte weitergeben kann?

Niemand geht gern ins Krankenhaus, nicht mal die Ärzte, die dort völlig überarbeitet Stunden über Stunden Leben retten sollen. Ein Geschenk, wenn sie nicht völlig übermüdet versagen.

Nun ich will nicht weiterführen, was du so herzlich beschrieben hast und doch sollte man dankbar sein, über die Geschenke des Lebens, die doch gar nicht sebstverständlich sind.

Hegt und pflegt diese Geschenke und wenn dann doch der Fall eintrifft, der FAll, dass es einen Freund, einen Lieben trifft, seid human und steht ihm stets zur Seite. Schenkt ihm eure Freundschaft, eure Liebe, obwohl er nicht mehr der "Alte" ist.

Toll geschrieben und doch macht es mich traurig, weil ich ein wenig vergessen wurde, bei der Geschenkvergabe. Ich hol mir nun, was ich denke, zu brauchen, hier z.B. und find, dass viele bereit sind zu geben.

Deshalb lächle ich, feg die Traurigkeit vom Tisch und freu mich über Autoren, Geschichten, wie dich/deine.

Danke schön und auf Wiederlesen, Simone



Liebe Simone,
ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar,
dem ist nichts hinzuzufügen!
Lieben Gruß
Johanna
Vor langer Zeit - Antworten
kullerchen Manchmal, wenn das Leben - seine Endlichkeit erkennen läßt, ist dies, obwohl jeder es weiß, ein Schock.
Es wird einem bewußt, wie sehr man am Leben hängt und dass die Gesundheit eben nicht selbstverständlich ist und man wird dankbar und nachdenklich.

Was wäre wenn.....? Weißt du, dass es ein Geschenk war, dass du dieses Gespräch mit einer zauberhaften Dame führen durftest, die das Leben als Geschichte weitergeben kann?

Niemand geht gern ins Krankenhaus, nicht mal die Ärzte, die dort völlig überarbeitet Stunden über Stunden Leben retten sollen. Ein Geschenk, wenn sie nicht völlig übermüdet versagen.

Nun ich will nicht weiterführen, was du so herzlich beschrieben hast und doch sollte man dankbar sein, über die Geschenke des Lebens, die doch gar nicht sebstverständlich sind.

Hegt und pflegt diese Geschenke und wenn dann doch der Fall eintrifft, der FAll, dass es einen Freund, einen Lieben trifft, seid human und steht ihm stets zur Seite. Schenkt ihm eure Freundschaft, eure Liebe, obwohl er nicht mehr der "Alte" ist.

Toll geschrieben und doch macht es mich traurig, weil ich ein wenig vergessen wurde, bei der Geschenkvergabe. Ich hol mir nun, was ich denke, zu brauchen, hier z.B. und find, dass viele bereit sind zu geben.

Deshalb lächle ich, feg die Traurigkeit vom Tisch und freu mich über Autoren, Geschichten, wie dich/deine.

Danke schön und auf Wiederlesen, Simone

Vor langer Zeit - Antworten
Markus Re: Re: Seneca sagt:. -
Zitat: (Original von Mitmensch am 27.02.2012 - 08:57 Uhr)
Zitat: (Original von Markus am 27.02.2012 - 08:49 Uhr) Wo die Natur nicht will, ist die Arbeit umsonst.

Es wirft viele Fragen in mir auf, aber mit Händen voller Medizin möchte ich keinen Tag verbringen müssen, da ist das Leben kein Geschenk der Natur mehr, sondern ein VERDIENST der Pharma- Industrie
Aber das muß jeder für sich entscheiden
lieben gruß
markus


Lieber Markus,
ich habe eine ähnliche Lebenseinstellung.
Letztes Jahr habe ich eine Frau begleitet, deren Leben auch von diesen Tabletten abhing (geht man nach den Aussagen der Ärzte). Sie wollte nicht mehr Leben, dennoch nahm sie brav die ihr gereichten Tabletten. Das Wort der Ärzte war ihr wichtig. Erst als die Folgen der Tabletteneinnahme ganz offensichtlich wurden, weigerte sie sich und nahm diese am Schluß gar nicht mehr. Es wurde reagiert mit einem Schmerzpflaster, dies wollte sie auch, denn sie hatte sehr große Schmerzen.
Mir selbst geht es ähnlich Dir um die Qualität in meinem Leben und wie diese erhalten werden kann möchte ich so lange es mir möglich ist selbst entscheiden. Es ist gut, dass wir Ärzte haben, lebensrettend. Doch wir haben auch eine innere Weisheit. Um deren Stimme zu hören ist es notwendig nach innen zu hören. Dieses nach innen hören ist es, das mich selbst maßgeblich begleitet.
Danke für Deinen Kommentar und einen guten Tag!
Johanna


Großer Beifall !!!!, liebe Johanna
Vor langer Zeit - Antworten
Mitmensch Re: Seneca sagt:. -
Zitat: (Original von Markus am 27.02.2012 - 08:49 Uhr) Wo die Natur nicht will, ist die Arbeit umsonst.

Es wirft viele Fragen in mir auf, aber mit Händen voller Medizin möchte ich keinen Tag verbringen müssen, da ist das Leben kein Geschenk der Natur mehr, sondern ein VERDIENST der Pharma- Industrie
Aber das muß jeder für sich entscheiden
lieben gruß
markus


Lieber Markus,
ich habe eine ähnliche Lebenseinstellung.
Letztes Jahr habe ich eine Frau begleitet, deren Leben auch von diesen Tabletten abhing (geht man nach den Aussagen der Ärzte). Sie wollte nicht mehr Leben, dennoch nahm sie brav die ihr gereichten Tabletten. Das Wort der Ärzte war ihr wichtig. Erst als die Folgen der Tabletteneinnahme ganz offensichtlich wurden, weigerte sie sich und nahm diese am Schluß gar nicht mehr. Es wurde reagiert mit einem Schmerzpflaster, dies wollte sie auch, denn sie hatte sehr große Schmerzen.
Mir selbst geht es ähnlich Dir um die Qualität in meinem Leben und wie diese erhalten werden kann möchte ich so lange es mir möglich ist selbst entscheiden. Es ist gut, dass wir Ärzte haben, lebensrettend. Doch wir haben auch eine innere Weisheit. Um deren Stimme zu hören ist es notwendig nach innen zu hören. Dieses nach innen hören ist es, das mich selbst maßgeblich begleitet.
Danke für Deinen Kommentar und einen guten Tag!
Johanna
Vor langer Zeit - Antworten
Markus Seneca sagt:. - Wo die Natur nicht will, ist die Arbeit umsonst.

Es wirft viele Fragen in mir auf, aber mit Händen voller Medizin möchte ich keinen Tag verbringen müssen, da ist das Leben kein Geschenk der Natur mehr, sondern ein VERDIENST der Pharma- Industrie
Aber das muß jeder für sich entscheiden
lieben gruß
markus
Vor langer Zeit - Antworten
Mitmensch Re: -
Zitat: (Original von Gast am 27.02.2012 - 01:30 Uhr) Man spürt, dass du sie nur ungern besucht hast.
Du teilst ihr Geschenke zu, als ob sie sich die
erst noch verdienen müsste.

Mary


Lieber Gast,
zuerst meinen Dank für das Lesen des Textes.
Das was Du spürst ist Dein Gespür, das ich nicht anzweifle.
Daraus jedoch ein "gültiges" Urteil über meine Beweggründe zu erstellen, empfinde ich als Übergriff.
Ich erlaub mir noch anzufügen, dass mir dieser Besuch eine Freude war.
Dennoch danke für Deinen Kommentar und guten Tag!
Johanna
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Man spürt, dass du sie nur ungern besucht hast.
Du teilst ihr Geschenke zu, als ob sie sich die
erst noch verdienen müsste.

Mary
Vor langer Zeit - Antworten
Mitmensch Re: Das stimmt, -
Zitat: (Original von baesta am 27.02.2012 - 00:03 Uhr) Es ist ein großes Geschenk, gesund zu sein. Man merkt es aber meistens erst, wenn man schon etwas angeschlagen ist.

Liebe Grüße
Bärbel


Hallo liebe Bärbel,
ja, so ist es.
Erst, wenn der Mensch verliert, was er vermag, erst dann erkennt er den wahren Wert dieses Geschenkes. Leider verblasst es schnell wieder, wenn es Mensch wieder gut geht.
Danke für Deinen Kommentar!
Ich wünsche Dir eine erholsame Nacht!
Johanna
Vor langer Zeit - Antworten
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