Krimis & Thriller
Goethe im Scheisshaus

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"Goethe im Scheisshaus"
Veröffentlicht am 03. Oktober 2011, 10 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Das Lächeln, das Du aussendest, kehrt zu Dir zurück ;-)
Goethe im Scheisshaus

Goethe im Scheisshaus

Beschreibung

Ich bin grad selbst etwas geschockt über den Titel, aber so soll er sein! Ich wage gerne mal was verrücktes und deshalb helfe ich bei dem Storybattle vom BöserLordKotz ;) auch sehr gerne mit! Eigentlich ist das Genre: Horror-Grusel-Mystery Aber wenn ich meine Story da drunter setzte werde ich wohl ausgelacht. Ein Bisschen mysteriös ist meine Geschichte schon, aber geht vielleicht eher unter Thriller. Also ein Versuch war es wert und es hat mir trotz oder gerade wegen dieser aussergewöhnlichen Wortvorgabe Spass gemacht! Liebe Grüsse, Conny Folgende 10 Begriffe mussten in der Story vorkommen: Kundenbetreuung, Kleidung, Modem-Installationscode, Analsex, Einkaufstüte, Goethe, Scheißhaus, (weil es so schön ist) kacken, Haubitze, Feinmechanikwerkstatt

Ich habe Goethe im Scheisshaus kennen gelernt. Es war einer dieser grauen Novembertage gewesen, wo einem der Nebel um die Beine schlich, sich durch die Daunenjacke frass und sich mit einer wehmütigen Melancholie um die Herzgegend legte. Ich war damals Kundenbetreuerin in einer kleinen Bankfiliale in einem Bergdorf namens Hinterefurzegg in der Schweiz und unsere Klos waren wegen einem Wasserrohrbruch gesperrt.  Also suchte ich das Scheisshaus von nebenan auf, welches zu Georgs Feinmechanikwerkstatt gehörte. Immer schön der Nase nach lief ich auf meinen Pumps durch die Lagerhalle in der jeder Schritt wiederhallte. Mit gerümpfter Nase stiess ich die Klotüre auf. Ein Schwall bestialisch stinkender Luft schlug mir entgegen, da waren wohl jemandem mit Druckluft Gase entwichen die nicht für meine feinen Nasengänge bestimmt waren, der reinste Horror! Beide Klos waren besetzt, ich hielt mir angeekelt die Nase zu.

„Ist es dringend?“ hörte ich eine gepresst wirkende, tiefe Männerstimme.

„Mhm.“,  schnaufte ich.

„Sorry, ich bin gerade noch am kacken!“

(Danke für die Infos!)

„Mhm.“

„Gab Chili con carne gestern!“

Mann war der Mann gesprächig!

„Ich heisse übrigens Goethe, ist mein letzter Arbeitstag, werde wegen Analsex entlassen!“

Oh mein Gott!

Ich stürmte der Nase nach aus dieser Stinkhölle und blieb mit hochroten Wangen an die kühle Eisentür gelehnt stehen und atmete tief ein. Die blonden Härchen auf meinen Armen standen zu Berg, ich schauderte.

Da kam plötzlich ein Hüne von einem Mann auf mich zu, mit blauer, verschlissener Arbeitskleidung, einem rostroten Bart der bis zum vierten Hemd Knopfloch reichte und mit einer Einkaufstüte mit ein paar Schmuddel Heftchen in der Hand. Fragend zog er seine buschigen Augenbrauen hoch.

„Besetzt.“ sagte ich und deutete vage hinter mich.

„Hey ich bin George!“, grölte der Hüne mit einer geschützdonnerähnlichen Stimme los.

Ich nickte nur und warf regungslos einen Blick auf seine dargebotene, haarig verschwitze Hand.

„Besetzt? Da ist aber niemand im Geschäft heute ausser ich!“, brüllte er wieder los als wäre ich eine schwerhörige Alte aus dem Altersheim neben dem Dorfbrunnen „Ruh-Dich-Aus-Zur-Bunten-Kuh“.

„Doch, G…hmm, Goethe sitzt da drinn!“

„Goethe?“ Der Mann lachte sein Bärenlachen und schlug sich mit seinen Pranken auf die abgenutzten Hosenknie.

„Er, er wurde heute gefeuert weil er… Analsex hatte!“ hauchte ich verlegen.

George blieb vor Verblüffung der Mund offen stehen und ich konnte jedes seiner braunen, deformierten Zahnkunstwerke bewundern.

„Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen Madame? Soll das heissen dass ein Dichter mich in den Hintern…? Fresst ihr Drogen in der Bank oder was ist los?“

Mit einem wütenden Fausthieb schlug er die Klotüre auf und starrte hinein. Ich hielt den Kopf schräg und glotzte mit. Beide Scheisshäuschentüren waren offen, weit und breit kein Hinterausgang, kein Fenster, nur eine ratternde, altersschwache Lüftung und keine Menschenseele, nirgends!

„Ich würde höchstens jemanden feuern wenn mir einer wie ein Haubitze neben die Kloschüssel scheissen würde!“

Ich fasste mich unwillkürlich an die Stirn, normale Temperatur, okay, nichts wie weg da! Ich machte auf den Absätzen kehrt und rannte mit voller Blase hinaus und liess den verdutzten George hinter mir zurück.

Am Nachmittag probierte ich mich mit drei Espressos, einer Zimtnusschnecke und meinen lieben Kunden am Telefon abzulenken. Anja die mir gegenüber sass, starrte mich zwischendurch unverhohlen an.

„Linda, du scheinst mir heute etwas neben den Schuhen zu sein. Bedrückt dich was? “

„Ich hab Goethe auf dem Klo getroffen.“ Anja war meine beste Freundin, ich musste dieses überirdisch komische Erlebnis einfach jemandem mitteilen.

„Goethe kackte in Georges Klo?“ flüsterte sie, den Zeigefinger auf der Pausetaste des Telefons, dann wieder zum Kunden in der Leitung gewandt: „Einen Moment bitte, ist ihr Modem den auch wirklich an? Hat mit dem Modem-Installationscode alles geklappt? Dann könnten wir dann weiter fahren mit den Telebankingdaten!“

„Ja, es roch bestialisch und er faselte noch was von Chili con carne und Analsex!“ Ich schluckte und würgte einen Bissen Schnecke hinunter.

Anja hustete in den Hörer, entschuldigte sich beim Kunden und starrte mich mit Eulenaugen über ihre dick umrahmte Lesebrille an. Schnell beendete sie das Gespräch mit dem Kunden, kam um den Tisch herum und zerrte mich an meinem lila Pullover vom Bürostuhl hoch.

„Folge mir!“ Sie schaute mich unerbittlich an und zog mich mit sich fort zur Garderobe. Dort versteckten wir uns flüsternd zwischen ein paar teuer duftende Wintermäntel und Kaschmirhalstücher.

„Linda, kennst du die Geschichte denn nicht, die Sage vom Gottfried Keller den alle hier oben Goethe nannten, weil er ständig diesen Quatsch zitierte?“

„Goethe ist kein Quatsch!“, gab ich kleinlaut von mir.

„Gottfried war schwul, und man sagt, er hätte mit George zusammen die Firma gegründet!“ Wir hörten wie sich Schritte näherten und dann wieder schnell entfernten. „Man sagt, er hätte sich dem George mal auf unsittliche Weise genähert, du weisst schon!“ Anja wurde ganz rot im Gesicht. „Böse Zungen behaupten, dass George ihn noch am gleichen Tag mit einer Mistgabel zu Tode gespiesst hätte und später den Schweinen in Stücke zum Frass vorwarf.“ Mein Atem ging schnell, meine Handflächen wurden feucht, ich schwitzte und mein Gaumen schien ausgetrocknet.

„Seine Mutter hat ein Bauernhof, die alte Gertrud, die Hexe! Ich möchte nicht wissen was die für Leichen im Keller hat? Gottfried wurde übrigens als vermisst gemeldet und nie mehr gefunden. Nach 10 Jahren hat die Polizei den Fall ad acta gelegt!“

„Aber, aber warum sollte mir Goethes Geist dann im Scheisshaus begegnen?“ In meinem Bauch rumorte es, mir wurde schlecht!

„Vielleicht damit jemand die Wahrheit von seinem Abgang weiss und wer der Schuldige ist!“

„George!“ stöhnte ich und biss mir auf die spröden Lippen. Etwas Kühles berührte meine Stirn und die Magenkrämpfe nahmen zu. Ich stöhnte unter Schmerzen auf.

„Linda, Linda geht’s? Ach diese blöde Magen-Darmgrippe!“ Meine Mutter benetzte mir erneut die Stirn mit einem kühlen Lappen. „Schätzchen, wenn’s dir besser geht, ich hätte in der Küche noch einen Rest Chili con carne vom Mittag, und Anja hat angerufen, sie wünscht dir gute Besserung! Soll ich dir etwas von Goethes Faust vorlesen?“

 

ConnyB.

 

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ConnyB
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ConnyB Re: -
Zitat: (Original von tscherry am 10.02.2012 - 14:21 Uhr) sehr gut geschrieben. LG tscherry


Hi liebe Tscherry

Danke sehr, das freut mich!! :-) Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag und immer viel Freude!

ganz liebe Grüsse von mir
Conny
Vor langer Zeit - Antworten
tscherry sehr gut geschrieben. LG tscherry
Vor langer Zeit - Antworten
ConnyB Re: Für mich wars "Horror" genug. -
Zitat: (Original von Brubeckfan am 29.01.2012 - 17:57 Uhr) 8-) Nämlich die undurchsichtigen Typen, die Magen-Darm-Grippe ohne Örtchen und dazu Muttis gutgemeinte Fürsorge. Auch das Ende ist ein perfektes Ende (merke gerade, meine Vorrednerin sieht das anders).

Den schönen, hier so passenden Ort Hinterefurzegg glaubt man Dir aus dem Flachland gesehen sofort. Was den Schwarzwäldern ihr Hinterzarten...

Bleib schön alberich (also jedenfalls immer mal),
Gerd


Hey Gerd :-))

Wow, freue mich gerade riesig über Deinen Kommi, super!!! Danke sehr! Toll, dass Dir die Story so gut gefällt! Ja und was es nicht alles für lustige Ortsnamen gibt hehe... Ich wünsche Dir noch einen wundervollen Tag und ein schönes Wochenende!

ganz liebe Grüsse
Conny
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Für mich wars "Horror" genug. - 8-) Nämlich die undurchsichtigen Typen, die Magen-Darm-Grippe ohne Örtchen und dazu Muttis gutgemeinte Fürsorge. Auch das Ende ist ein perfektes Ende (merke gerade, meine Vorrednerin sieht das anders).

Den schönen, hier so passenden Ort Hinterefurzegg glaubt man Dir aus dem Flachland gesehen sofort. Was den Schwarzwäldern ihr Hinterzarten...

Bleib schön alberich (also jedenfalls immer mal),
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
ConnyB Re: -
Zitat: (Original von DerHein am 11.01.2012 - 12:09 Uhr) Also die Geschichte habe ich gestern schon gelesen, aber meine Finger waren schon ein wenig nachtfaul ;)
Schon allein der Titel ist zum Wegwerfen. Man denkt zuerst es geht um einen Lesebegeisterten, der sich bei den täglichen Klositzungen etwas Bildung zu Gemüte führt. :D
Was Du da aus der Vorgabe gemacht hast, ist ein Angriff auf die Lachmuskeln und sehr zu empfehlen.
Einziger Kritikpunkt ist auch bei mir das Ende, aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, musstest Du Dich an eine Seitenbemessung halten und, um dann noch eine elegante Kurve zu kriegen, ist das von Dir gewählte Ende dann so schon in Ordnung.



Hallo Diana :-)

Ja das Schreiben dieser Geschichte hat riesig Spass gemacht, bei dieser Wortvorgabe *grinst* Dein Kritikpunkt verstehe ich im Nachhinein super. Klar wollte ich die Geschichte nicht zu lang werden lassen, würde aber jetzt das Ende auch anders schreiben und nicht auf eine Grippe bezogen beruhen lassen. Weil es doch etwas die Spannung nimmt.
Es hat mich riesig gefreut, dass Du die Story gelesen hast und bin auch dankbar für Deinen Kommi!!!

ganz liebe Grüsse von mir
Conny
Vor langer Zeit - Antworten
DerHein Also die Geschichte habe ich gestern schon gelesen, aber meine Finger waren schon ein wenig nachtfaul ;)
Schon allein der Titel ist zum Wegwerfen. Man denkt zuerst es geht um einen Lesebegeisterten, der sich bei den täglichen Klositzungen etwas Bildung zu Gemüte führt. :D
Was Du da aus der Vorgabe gemacht hast, ist ein Angriff auf die Lachmuskeln und sehr zu empfehlen.
Einziger Kritikpunkt ist auch bei mir das Ende, aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, musstest Du Dich an eine Seitenbemessung halten und, um dann noch eine elegante Kurve zu kriegen, ist das von Dir gewählte Ende dann so schon in Ordnung.

Vor langer Zeit - Antworten
ConnyB Re: *lach* -
Zitat: (Original von Luzifer am 06.10.2011 - 23:10 Uhr) Das hätte auch ohne Probleme bei Humor stehen können.
Vor allem die Stelle zu Anfang, wo Linda schön ihrer Nase folgt und dann doch diese rümpfen muss. xD
George, Goethe und Gertrud. Die GGG des Grauens. *g*
Schade, dass zum Ende noch die Erklärung mit der Krankheit kommt. So eine offene Fantasy-/Horrorgeschichte hätte ich viel besser gefunden. =)

Lieben Gruß
Luzifer


Hi Luzifer

Die GGG des Grauens laaaaaach, so hab ich mirs noch gar nicht überlegt! Hey, vielen Dank fürs Lesen und Deinen Kommi! Ich fand die Idee mit der Magendarmgrippe am Schluss halt witzig aber verstehe Dein Argument! Wenn ichs noch überarbeiten könnte würde ich es wohl mit dem offenen Ende versuchen, so für die Spannung!
Ich wünsche Dir noch eine schöne Nacht und grüsse Dich lieb
Conny :)
Vor langer Zeit - Antworten
ConnyB Re: Auch eine -
Zitat: (Original von BoeserLordKotz am 06.10.2011 - 20:23 Uhr) irgendwie lustige Geschichte :-)

Hochachtungsvoll
Lord
Kotz


*Knicks mach* hellöu Lord ;)

Vielen Dank fürs Lesen und Deinen Kommi, freut mich sehr!

Schönen Abend noch!

glg, Conny
Vor langer Zeit - Antworten
ConnyB Re: Gröhl -
Zitat: (Original von Rajymbek am 06.10.2011 - 09:18 Uhr) Eine großarzige Idee. Manno, sind das deine Kekse? Hast du die etwa mit Anascha verziert? Lach

VLG Roland


Hi Roland

Es freut mich riesig dass Du meine Story gelesen hast und es witzig fandest *grins* Ich wünsche Dir noch eine super schöne Woche!

glg von mir,
Conny :)
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer *lach* - Das hätte auch ohne Probleme bei Humor stehen können.
Vor allem die Stelle zu Anfang, wo Linda schön ihrer Nase folgt und dann doch diese rümpfen muss. xD
George, Goethe und Gertrud. Die GGG des Grauens. *g*
Schade, dass zum Ende noch die Erklärung mit der Krankheit kommt. So eine offene Fantasy-/Horrorgeschichte hätte ich viel besser gefunden. =)

Lieben Gruß
Luzifer
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