Romane & Erzählungen
Die Taube auf dem Dach (1) - Porumbel

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"Die Taube auf dem Dach (1) - Porumbel"
Veröffentlicht am 05. September 2011, 4 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

"Der Lyriker bringt seine Gefühle zum Markt wie der Bauer seine Ferkeln." Wilhelm Busch Habe hier 2010 mit Gedichten begonnen, aber das meiste davon ist für mich inzwischen passé. Man lernt auch als Großmutter nicht aus ;-) Bin in der DDR aufgewachsen, immer berufstätig gewesen, links orientiert. In zweiter Ehe verheiratet, gehören zu meiner Familie drei Enkelinnen. Den Nick "Fleur de la coeur" hat seinerzeit meine Freundin Seelenblume ...
Die Taube auf dem Dach (1) - Porumbel

Die Taube auf dem Dach (1) - Porumbel

Einleitung

Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind rein zufällig. Auch wenn die Protagonistin in der Ich-Form schreibt, trägt die Geschichte nur sehr wenige autobiographische Züge.

Porumbel

Der gute Onkel Ludwig mit seinem trockenen Humor und einem schier unerschöpflichen Vorrat an witzigen Sprüchen und Schüttelreimen war in meinem Elternhaus immer ein gern gesehener Gast. Mit dem Spitznamen, den er Andrei Ghidea eines Tages - hinter dessen Rücken - verpasste, hatte er nicht nur den Nagel auf den Kopf getroffen, sondern dem rumänischen Zahnarzt geradezu ein Denkmal gesetzt.

 

Es liegt schon viele Jahre zurück, dass der Zufall die beiden zusammengeführt hatte. Da Dr. Ghidea mit seiner deutschen Ehefrau Lore gerade in dem Moment unverhofft bei uns auftauchte, als meine Eltern und ich mit Onkel Ludwig und Tante Gunda zum Rosarium aufbrechen wollten, unternahmen wir diesen Ausflug schließlich alle gemeinsam. Während wir zwischen den Rosenbeeten herumspazierten, blieb Dr. Ghidea immer häufiger andächtig stehen und stieß - erst verhalten, dann immer lauter - Rufe des Entzückens aus, wobei sein Gesichtsausdruck sich stark verklärte. Lore tat ein Übriges, um seine Begeisterung zu schüren, indem sie ihn auf besonders bewundernswerte Exemplare hinwies.
     "Schau her, Porumbel! Ist diese nicht himmlisch?"
     "Oh ja, meine Liebe! Sie gleicht einem göttlichen Blutstropfen!"

     "Der Wunderknabe würde sich auch als Pastor gut machen", stellte Onkel Ludwig halblaut fest und kniff die Augen leicht zusammen.  
     "Aber wie ruft sie ihn immer, ist das sein Vorname?"
     "Es ist sein Kosename aus der Kindheit. 'Porumbel' heißt auf rumänisch 'Taube', oder in diesem Fall besser 'Täuberich'", erklärte ich.
     "Na bitte, fehlt nur noch der Ölzweig!" sagte Onkel Ludwig trocken.

Tante Gunda drohte ihrem Mann mit dem Finger und zog mich weiter.
     "Deine Mutter sagt, ein bißchen wunderlich war dein Zahnarzt schon immer. Aber chic sieht er ja aus - so groß und schlank und brünett ... Sie dagegen - also, das Kostüm ist unmöglich!" urteilte Tante Gunda und verdrehte die Augen.
     "Du hättest sie voriges Jahr sehen sollen, als wir sie zum Flughafen brachten. Da trug sie aus demselben karierten Stoff noch einen Hut, extra für die Reise genäht, und in der Hand einen Staubwedel aus bunten Federn!" erzählte ich und unterdrückte das Lachen.
     "Unmöglich! - Aber kommen die denn jedes Jahr hierher?"
     "Fast jedes. Lores Mutter wohnt hier im Nachbarort", sagte ich.
     "Und wie hat sie ihn kennen gelernt?" erkundigte sich Tante Gunda.
     "Im Urlaub am Schwarzen Meer. Er hat sich dort in sie verliebt.
     "Und woher kennst du sie?" fragte Tante Gunda weiter.
     "Ich bin ihm in Bukarest ins Motorrad gelaufen, kurz nach meiner Ankunft. Ich war selber schuld, aber es ist mir nichts passiert. Er gab mir seine Adresse und kam dann mit seiner Frau ins Studentenwohnheim, um nach mir zu sehen."

 

     "Na, ihr beiden Lästermäuler", sagte Onkel Ludwig hinter uns, "habt ihr keine Angst, dass dem Herrn Pimpinella die Ohren klingen?"
     "Pimpinella?" fragten Tante Gunda und ich wie aus einem Mund. Diesen Namen sollte er in unserer Familie nie wieder loswerden. Wunderlich, theatralisch und ein bisschen wehleidig - so musste mein ehemaliger Beschützer auf Außenstehende wirken, zumindest in dieser für ihn fremden Umgebung. Und Beschützer war er auf jeden Fall während meiner Jahre in Bukarest für mich gewesen. Dieser bemerkenswerte Mann war für mich eine Mischung aus väterlichem Freund und großem Bruder. Er hatte gewissermaßen die Patenschaft über mich übernommen und kümmerte sich in vielerlei Hinsicht um mich.

 

Als Oberarzt an der Klinik für Stomatologie hatte er natürlich Kontakte zu Medizinern und setzte sich dafür ein, dass wir im Krankheitsfall einen guten Arzt bekamen und nicht mit dem oberflächlichen Studentenarzt vorlieb nehmen mussten. Er kümmerte sich auch um die Zustände im Wohnheim, wo wir DDR-Studentinnen mit Rumäninnen und Wanzen in "gemischten" Zimmern zusammenlebten. Als meine Freundin Betty und ich im zweiten Semester der Wanzenplage überhaupt nicht mehr Herr wurden und uns mit unseren beiden rumänischen Mitbewohnerinnen restlos zerstritten hatten, setzte er bei der Heimleitung durch, dass wir umziehen durften. Ohne ihn hatten wir das nicht erreicht, da die Heimleiterin der Ansicht war, wir Deutschen hätten die Wanzen mitgebracht, denn vor uns hatte sich noch niemand darüber beschwert… Was machte es da schon aus, dass er oft ein bisschen sentimental und wunderlich war?
Die Ghideas hatten mich häufig zu sich nach Hause eingeladen, um "über ein Problem" zu reden. Gemeinsam hatten wir Museen, den Zirkus, die Oper besucht. Nach meiner ersten Berührung mit dem Bolero waren wir auch in Konzerte gegangen.


Fortsetzung folgt

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Über den Autor

FLEURdelaCOEUR
"Der Lyriker bringt seine Gefühle zum Markt wie der Bauer seine Ferkeln."
Wilhelm Busch

Habe hier 2010 mit Gedichten begonnen, aber das meiste davon ist für mich inzwischen passé. Man lernt auch als Großmutter nicht aus ;-)
Bin in der DDR aufgewachsen, immer berufstätig gewesen, links orientiert. In zweiter Ehe verheiratet, gehören zu meiner Familie drei Enkelinnen.

Den Nick "Fleur de la coeur" hat seinerzeit meine Freundin Seelenblume für mich ausgesucht. Er hat nichts mit der Gestalt aus den Harry-Potter-Büchern Fleur Delacour zu tun.

Inzwischen bin ich im letzten Lebensquartal angelangt, da küsst mich die Muse nur noch selten. ;-(

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FLEURdelaCOEUR Re: Liebe fleur ... -
Zitat: (Original von Rattenfaenger am 17.03.2012 - 16:06 Uhr) ... Du zeigst, dass es auch mit einer "anständigen" Erzählung sich aneinanderreihen kann. Also lese ich mal weiter*****
LG Rattenfänger


Das ist fast 20 Jahre alt und die zum Schreibanlass genommenen Ereignisse liegen noch viel länger zurück. Angestaubt also....

Danke, dass du es trotzdem liest.
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Rattenfaenger Liebe fleur ... - ... Du zeigst, dass es auch mit einer "anständigen" Erzählung sich aneinanderreihen kann. Also lese ich mal weiter*****
LG Rattenfänger
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Re: Fortsetzung ist auch UNBEDINGT erwünscht :))) -
Zitat: (Original von cbvisions am 06.09.2011 - 21:38 Uhr) werde mir gleich mal den zweiten Teil zu Gemüte führen.
Einfach wunderbar geschrieben.

GLG Chris


Das hätte ich fast übersehen, danke dir herzlich für's Lesen und deinen netten Kommi.

GlG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Re: Klingt ... -
Zitat: (Original von Gunda am 06.09.2011 - 16:54 Uhr) ... durchaus nach mehr, Fleur, und ist auch stilistisch gut gelungen, ganz abgesehen davon, dass ich mich in dem Lästermaul meiner Namensvetterin tatsächlich wiederfinden kann ;o))

Lieben Gruß
Gunda


Liebe Gunda, das habe ich in den 90ern geschrieben, da kannte ich dich noch gar nicht..... :-))))
Freue mich aber natürlich, dass es dir gefällt. Es kommen noch 3 Teile.

Liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Klingt ... - ... durchaus nach mehr, Fleur, und ist auch stilistisch gut gelungen, ganz abgesehen davon, dass ich mich in dem Lästermaul meiner Namensvetterin tatsächlich wiederfinden kann ;o))

Lieben Gruß
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Re: gerne gelesen -
Zitat: (Original von Himmelskind am 06.09.2011 - 15:26 Uhr) lg

birgit


Danke, freut mich sehr

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Re: -
Zitat: (Original von shirley am 06.09.2011 - 08:43 Uhr) Ich wollte gerade bei den Kommis nachschauen, ob irgendwer den Spruch mit der ' Stummen im Bett' loswerden mußte, und siehe da! - Ich brauchte nicht weit schauen....


*Lach*, der kommt meistens bei diesm Titel.....
Danke für's Lesen.

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
shirley Ich wollte gerade bei den Kommis nachschauen, ob irgendwer den Spruch mit der ' Stummen im Bett' loswerden mußte, und siehe da! - Ich brauchte nicht weit schauen....
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