Romane & Erzählungen
Osten erglüht X

0
"Osten erglüht X"
Veröffentlicht am 22. August 2011, 8 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

einer der auf dem Weg ist ...
Osten erglüht X

Osten erglüht X

2001-07-20, der Freitag. Aufgewacht mit dumpfen Schädel. Die Niederschrift der letzten Zeilen war etwas schwierig, weil ich haute zu oft daneben. Alle haben nun Problem mit Liu, weil das Programm stets Änderungen erfuhr und sich nach so ein paar Tagen Gruppen und Parteien formieren, gleichzeitig erwacht der Balztanz und Geschlechterkampf etc. Die Beobachtungen sind vielseitig und lustig, aber gehören nicht in diesen Bericht, wegen der Diskretion. Oft sprechen wir über Christo, die Gedanken sind auf unterschiedliche Weise bei ihm. Obligat begann auch dieser Tag mit dem „gemischten Frühstück“. Hinter uns essen andere Deutsche, die wir glatt ignorieren und die uns auch. Unbedeutend – nur sollten wir an die Türken bei uns denken oder Russen, eben die, die wir Ausländer nennen. Ich denke es hat kaum einer wahrgenommen. Der Qui – Gong Kurs verlangt heute etwas mehr von uns und ich fühle mich danach, trotz Müdigkeit mit Energie geladen. Sollte es wirken? Nach dem Mittag im Hotel (auch diese war anders) hatten wir einen Vortrag von Direktor Yan Qian Lin, dem Chef des TCM Hospitals. Er erläuterte in einem sehr gut gegliederten Vortrag, was man tun muss, um 120 Jahre zu werden. Sein Vater ist 82 und arbeitet noch. Er hat ein Mittel gegen Altersflecken entwickelt, das noch in der Erprobung ist. Schwer ist nur, mit Hilfe der Dolmetscherin präzise Gedanken und Fragen zu diskutieren, weil ihr einfach die sprachliche Gewandtheit fehlt. Da nach diesem Tagesordnungspunkt noch Zeit bleibt, schlendere ich mit meiner Gattin ums Karree. Bis zur Bank of China und zurück. Da kann man die Altstadt durchstreifen und sehen, wie sogar der Friseur auf der Straße arbeitet. Von einem kleinem Nackedei gelang mir eine Aufnahme, schon das war den Spazi wert. Monika pumpt wie ein Maikäfer, ich transpiriere und fühle mich eigentlich ganz fit. In 20 Minuten ist Abendessen und danach soll es in das „Paulaner“ gehen. Es ist zwar nicht die Sache, die für mich wichtig ist, aber der Gruppen- oder Herdentrieb... Man muss auch Dinge tun, die man nur so mittut.

 

 

2001-07-21 ein Freitag. Bleibt nachzutragen, dass das „ Paulaner Bräuhaus“ eine echte Schaffe war. Eine alte Villa, ganz versteckt und mit mehreren uniformierten Wachen davor. Ohne Bestellung kein Reinkommen. Und drinne? Deftige Speisen – deftige Preise. Man muss sich dran gewöhnen, dass ein halber Liter Bier über 20 DM kostet. Man braut selbst Bier und der Laden gehört einer Firma aus Taiwan. Wir hatten einen Platz an der Bühne und schon das erste Trio gefiel uns und wir machten einfach mit. Dann legte noch eine philipinische Band los und im nu kochte das Wirtshaus. Als dann noch 99 Luftballons flogen und MMW’s Sexy kam waren auch wir vier hin und weg. Das ging wieder zu lang. Der Morgen sah uns etwas zerknautscht aber was soll’s? Wie schwer die Kombination von Kur und Urlaub ist weiß nur, wer’s probiert. Mit einem kleinen Irrtum bei der Startzeit ging’s zur Akupunktur und da ich keine bekam, konnte ich mit in die chinesische Abteilung zur fachärztlichen Weiterbildung. Erstaunt war ich, wie wenig hier der Hang zur Sterilisation ist. Machmal schon ein wenig müllig. Hier staunte ich über die Schröpftechnik, bei der Haut extra perforiert wird und die echt das Blut saugt. Ein platz weiter lag ein Schlaganfallpatient und sein rechtes Bein zuckte rhythmisch. An den Nadeln hatte man Schwachstrom angeschlossen. Trotz seiner eigenen Probleme schaute auch dieser alte Chinese auf meine Blessuren und wollte mich fragen, was das sei. Fragen kann er ja. Dann gab’s den beliebten gallebitteren Kräutertee und die Ration fürs Weekend. Nach dem Mittag mussten wir hasten, dann schon 13.30 ging’s zum Buddhatempel. Welch tiefe Religiosität diese Menschen treibt? Geld liegt allerorts, man wirft es in und über die Buddhafiguren und wer Glück hat, dessen Geldstück klebt an der Figur. Unvermeidlich ist die Shoppingmeile und sie findet immer Konsumenten. Viel Kitsch dabei. In einem benachbarten Laden finde ich sogar Antiquitäten, leider ist die Gebetsmühle nicht so, wie ich mir sie vorstellte. Langsam erreicht die Hitze eine Rekord von 37 Grad im Schatten. Nicht jeder kann das vertragen. Eigentlich ist der Tempel ganz nah beim Hotel, nur Laufen bei der Schwüle? Gleich wollen wir noch kantonchinesisch Essen gehen und ich schaffe mein Pensum lieber gleich. Gegen 22.00 sieht uns das Hotel wieder. Wir waren per Taxi ca.35 km gefahren und haben im Bi Feng Tang gegessen. Es muss ein beleibtes Restaurant sein, denn beim Verlassen stand eine Menschtraube davor, die auf Einlass harrte. Vielleicht bekomme ich das Menue zusammen. Seltsamerweise bekamen die Ärztinnen eine Vorsuppe, die wie Milchkaffee aussah. Darin war eine traubenähnliche Einlage mit dem Geschmack von Gummibärchen. Auf dem Tisch erschien in loser Folge: Pu Err – Tee, Ente in Stücken, Gurke geschnitten, eine Art Schnittlauch, Nudeln mit rauchigem Geschmack, Garnelen, Budweiser Bier, kleine Törtchen mit einer süßen Ei-Füllung, frittierte braune Bälle mit Einlage Typ Vanille, nach einer Pause noch Klebreis in Lotosblättern mit Fleisch- und Ei-Einlage. Dagmar hatte ein Magenproblem und konnte nicht mitessen, wahrscheinlich ist sie etwas erkältet. Sie bekam einen Ingweraufguss und es ist gut, dass Ärzte dabei sind. Herr Liu sprach unseren Samson – Wolfgang noch an, ob er in die Sauna wollte und schon waren ein paar dafür. So kamen wir noch nach einer Taxifahrt von abermals 35 km zu einer Massage. In einem Restaurantobergeschoss war das Massagestudio und ich denke, alle waren neugierig. Blinde Masseure, saubere Umgebung und lustige Preise, wenn man das Verhältnis zum Bier vom Vorabend denkt. 35 Yüan für 45 min Körpermassage. So intensiv habe ich noch keine Massage erlebt. Es gab Punkte, da dachte nicht nur ich, losbrüllen zu müssen. Mit dem Ellbogen wurden wir bearbeitet und die Gruppe war hochzufrieden. Wie das Leben noch am Abend brummt konnten wir auf der Rückfahrt studieren und der Begleiter( er hatte in Deutschland studiert) beantwortete bereitwillig auch die heikelsten Männerfragen. Als krönender Abschluss erfuhren wir im Hotel, dass die Sonntagstour um 8.30 beginnt. Wieder eine Zeitkorrektur, aber nichts ist so beständig wie die Änderung. Cut

 

 

http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492500.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492501.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492502.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492503.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492504.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492505.png
http://www.mscdn.de/ms/karten/v_492506.png
0

Hörbuch

Über den Autor

Boris
einer der auf dem Weg ist ...

Leser-Statistik
13

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Boris Re: Re: Re: Wenn ich das so lese, - ich habe mich damals nicht gewogen
aber wir hatten immer gutes Essen
bis auf den Bergfrosch

Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 22.08.2011 - 23:13 Uhr)
Zitat: (Original von Boris am 22.08.2011 - 22:46 Uhr) unsere Reisegruppe war in einem guten Hotel untergebracht,
wir konnten nicht klagen.
Sterilität wurde insofern vernachlässigt, man nahm bei den Chinesen die Nadeln auch mehrfach....
Wir wurden auf einer gesonderten Station behandelt,
normale Bürger wurden in spartanischen Einrichtungen abgefertigt

LG und Danke

Jürgen
Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 22.08.2011 - 17:12 Uhr) bedaure ich sehr, dass ich damals bei meiner Chinareise kein Reisetagebuch geschrieben habe.... Und der kleine Kalender mit ein paar Notizen ist auch "verschwunden".
Du schilderst das Essen relativ opulent. Ich erinnere mich, dass wir eigentlich nie richtig satt wurden, bis auf den Abend mit der traditionellen Pekingente. Und einmal waren wir in einem Restaurant, wo man sich die verschiedenen Zutaten - Gemüse, unterschiedliche Fleischsorten, Saucen, Gewürze... - am Büffet selbst nehmen konnte, die dann von Köchen in Windeseile auf großen eisernen Platten gegart wurden.
Wie ist das mit der vernachlässigten Sterilität in der Klinik gemeint?
Kannst du mal ein Beispiel nennen?

LG fleur



Wir waren auch in ****Hotels untergebracht, aßen aber wegen der Ausflüge meist außerhalb, bis auf das Frühstück. Im Hotebadezimmer lagen sogar Zahnbürsten und Zahncreme bereit, neben Duschgel, Shampoo, Mandelblüten-Bodylotion etc.
Dass wir dort in 8 Tagen 1 - 2 Kg abgenommen haben, hat unserm Wohlstandsspeck nicht geschadet ... :-))

Wirklich sehr interessant - deine Beschreibungen aus dem Reich der Mitte
LG fleur

Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Re: Re: Wenn ich das so lese, -
Zitat: (Original von Boris am 22.08.2011 - 22:46 Uhr) unsere Reisegruppe war in einem guten Hotel untergebracht,
wir konnten nicht klagen.
Sterilität wurde insofern vernachlässigt, man nahm bei den Chinesen die Nadeln auch mehrfach....
Wir wurden auf einer gesonderten Station behandelt,
normale Bürger wurden in spartanischen Einrichtungen abgefertigt

LG und Danke

Jürgen
Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 22.08.2011 - 17:12 Uhr) bedaure ich sehr, dass ich damals bei meiner Chinareise kein Reisetagebuch geschrieben habe.... Und der kleine Kalender mit ein paar Notizen ist auch "verschwunden".
Du schilderst das Essen relativ opulent. Ich erinnere mich, dass wir eigentlich nie richtig satt wurden, bis auf den Abend mit der traditionellen Pekingente. Und einmal waren wir in einem Restaurant, wo man sich die verschiedenen Zutaten - Gemüse, unterschiedliche Fleischsorten, Saucen, Gewürze... - am Büffet selbst nehmen konnte, die dann von Köchen in Windeseile auf großen eisernen Platten gegart wurden.
Wie ist das mit der vernachlässigten Sterilität in der Klinik gemeint?
Kannst du mal ein Beispiel nennen?

LG fleur



Wir waren auch in ****Hotels untergebracht, aßen aber wegen der Ausflüge meist außerhalb, bis auf das Frühstück. Im Hotebadezimmer lagen sogar Zahnbürsten und Zahncreme bereit, neben Duschgel, Shampoo, Mandelblüten-Bodylotion etc.
Dass wir dort in 8 Tagen 1 - 2 Kg abgenommen haben, hat unserm Wohlstandsspeck nicht geschadet ... :-))

Wirklich sehr interessant - deine Beschreibungen aus dem Reich der Mitte
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Boris Re: Wenn ich das so lese, - unsere Reisegruppe war in einem guten Hotel untergebracht,
wir konnten nicht klagen.
Sterilität wurde insofern vernachlässigt, man nahm bei den Chinesen die Nadeln auch mehrfach....
Wir wurden auf einer gesonderten Station behandelt,
normale Bürger wurden in spartanischen Einrichtungen abgefertigt

LG und Danke

Jürgen
Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 22.08.2011 - 17:12 Uhr) bedaure ich sehr, dass ich damals bei meiner Chinareise kein Reisetagebuch geschrieben habe.... Und der kleine Kalender mit ein paar Notizen ist auch "verschwunden".
Du schilderst das Essen relativ opulent. Ich erinnere mich, dass wir eigentlich nie richtig satt wurden, bis auf den Abend mit der traditionellen Pekingente. Und einmal waren wir in einem Restaurant, wo man sich die verschiedenen Zutaten - Gemüse, unterschiedliche Fleischsorten, Saucen, Gewürze... - am Büffet selbst nehmen konnte, die dann von Köchen in Windeseile auf großen eisernen Platten gegart wurden.
Wie ist das mit der vernachlässigten Sterilität in der Klinik gemeint?
Kannst du mal ein Beispiel nennen?

LG fleur

Vor langer Zeit - Antworten
Boris Re: Interessante Erfahrungen hast Du - Pu Err Tee ist eigentlich ein schwarzer Tee

LG und Dank

Jürgen
Zitat: (Original von Katakombe am 22.08.2011 - 16:46 Uhr) da gemacht.
Frage: Pu- Err Tee? Das ist doch ein Pilz? Macht man daraus denn auch Tee? Brrrr, kann ich mir garnicht vorstellen. LG Ira

Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Wenn ich das so lese, - bedaure ich sehr, dass ich damals bei meiner Chinareise kein Reisetagebuch geschrieben habe.... Und der kleine Kalender mit ein paar Notizen ist auch "verschwunden".
Du schilderst das Essen relativ opulent. Ich erinnere mich, dass wir eigentlich nie richtig satt wurden, bis auf den Abend mit der traditionellen Pekingente. Und einmal waren wir in einem Restaurant, wo man sich die verschiedenen Zutaten - Gemüse, unterschiedliche Fleischsorten, Saucen, Gewürze... - am Büffet selbst nehmen konnte, die dann von Köchen in Windeseile auf großen eisernen Platten gegart wurden.
Wie ist das mit der vernachlässigten Sterilität in der Klinik gemeint?
Kannst du mal ein Beispiel nennen?

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Ich bin's nochmal. - Oder sollte ich das mit dem Mu-Err verwechselt haben? Ira
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Interessante Erfahrungen hast Du - da gemacht.
Frage: Pu- Err Tee? Das ist doch ein Pilz? Macht man daraus denn auch Tee? Brrrr, kann ich mir garnicht vorstellen. LG Ira
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
7
0
Senden

58125
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung