Romane & Erzählungen
Osten erglüht VIII

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"Osten erglüht VIII"
Veröffentlicht am 17. August 2011, 6 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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einer der auf dem Weg ist ...
Osten erglüht VIII

Osten erglüht VIII

2001-07-17 Der Dienstag. Es ist eigentlich schon Mittwoch, denn es ist 00.20 Soeben sind wir von der Abendtour zurück. Im „Brauhaus“ haben wir zuletzt erlebt, wie man hier Anschluss findet und die Mädels sind passabel. Als Nachtrag zum Vortag muss erwähnt werden, dass etliche deutsche Firmen schon hier firmieren. Am Montag kam mir ein METRO – Markt unter die Augen, als wir vom Flughafen kamen. An einem Bus entdeckten wir gestern eine OBI – Reklame, VW hat schon das Stadtbild geprägt und produziert hier einen eigenen Wagentyp. BAYER prangt mit Riesenschild über der City am Nachthimmel und Schindler- Aufzüge gibt es auch hie und da. Beim Spazi am Montagnachmittag (Ersterkundung) erlebten wir zum ersten Mal, wie einfach handwerkliche Arbeiten vor Ort erledigt werden. Gleich neben dem Hotel sah ich zwei Männer am Boden werkeln. Sie entrosteten Vierkantstahlrohre. Beim näheren Vorbeigehen fiel mir auf, dass sie mit einer Porzellanscherbe den Rost entfernten. No comment!  In 200m Luftlinie vom Hotel ist auch ein Stück Altstadt und jeden Tag fahren wir durch solche Teile der City, wo das ganze Gegenteil der protzigen Skyline zu Hause ist. Enge Gasse, kleine Hütte und Menschen, die im Straßenraum leben. Man lebt, arbeitet, kocht, spielt und wohnt im Freien. Was für ein Elend sagt der Touri. Nur wenn man nachdenkt, erkennt man, die Leute kennen es nicht anders. Sie ruhen und schlafen unter dem Himmel und wer das so tut, muss sich eigentlich auch ein wenig sicher fühlen, die Türen sind so offen wie die Gesichter in die man schaut und viele staunen über uns – sie lächeln uns an. Kenner der Gruppe wussten, dass manche Menschen nur einen Yüan pro Tag haben, wir geben mehr 42 Yüan für 0,5 Liter Bier hin (ohne Bedienungsaufschlag, der ganz unten auf der Karte mit 15% erscheint).

Der Tagesablauf vom Dienstag.

Get up at 6.00, gegen 7.00 zum Frühstück. Wenig erwähnenswert, diese Mischung aus europäischen und asiatischem Frühstück, nur der frische, warme Tofu ist ein Gaumenschmaus und die Teeeier sind auch nicht übel. Dr. Liu tut sich am Wasserreis gütlich, den man mit Zutaten garniert. In der Klinik gibt es Sofortprogramm mit Qui Gong und Akupunktur. Die Nadeln sind hier sehr intensiv und die angebrannten Kräuterköpfe umgeben den Punkt mit wohliger Wärme. Dann gibt es noch ein kurzes Gespräch und schon wieder ist Mittag im Hotel. Der Restaurantmanager erscheint und hat ein Schnäppchen im Säckel. Fußmassage am Mittwoch für einen Spottpreis von 60 Yüan (sonst 200). Die Speisenzusammenstellung wechselt von Mahl zu Mahl und Keiner hat bisher gemäkelt. Dann, nach kurzer Pause ging’s zur Klinikführung und heute war auch bis zum Abend Frau Dr. Ku dabei. Die Klinik hat 300 Betten und 700 Angestellte, davon 12 Professoren. Was macht sie so anders? Sie sind dem Patienten nahe und sie sind von ihrer Profession beseelt. Will meinen, sie gehen im Job auf. Durch die Ganzheit kann man eigentlich nicht mit einem Wehwehchen kommen, es wird immer der ganze Mensch gewertet. Die individuelle Gabe der Tees, die hier im Haus gemischt und täglich zubereitet werden, sind die Basis und selbst die Akupunkturabteilung ist hier eher klein. Seltsam war für unsere Augen, dass in einem Raum ca. 20 Menschen zur gleichen Zeit einen Infusion bekamen. Ach ja unseren Tee bekamen wir auch und durften Fragen stellen. Mein Tee ist obergallebitter, jeder bekommt seinen Tee in einem Beutel für den Abend mit. Wir dürfen durch die Kräuterapotheke wandern und in alle Ecken schauen. Die Art der Zubereitung, mehr der Zusammenstellung zeigt mir, dass es nicht auf das minutiöse Wiegen ankommt, die Komposition ist wichtig. Einen Künstler gleich entnehmen die Angestellten der unzähligen Kisten und Kästen eine Partie, geben sie auf eine Messingschale mit einem Gegengewicht und verteilen sie dann frei Hand auf mehrere Emailschalen. Von Pilzen über Kräuter, Gewürzen bis zu Muschelstücken ist alles vertreten. Farben und Formen in einer Fülle, die ich nicht überblicken kann, es ist wie in einer Hexenküche, nur kann es jeder sehen und auch gleich mitnehmen.

Der Abend sieht uns nach dem Essen auf dem Fernsehturm und man kann das Umfeld nur mit den staunenden Begriffen „AAAhhhh und OOOOhhh“ beschreiben. Eine Skyline besser als Manhattan. Und hier fällt man förmlich über die Sauberkeit, sie schlägt dir entgegen und folgt dir auf Schritt und Tritt. Sicher können nur die Bilder soviel mehr sagen. Dann folgt noch ein ausgedehnter Bummel über die Einkaufsmeile von Shangai. Bis zum Fluß und zurück, dann sind wir schlapp und gönnen uns im „Brauhaus“ das Bier, das ich schon oben erwähnte. Für 15 Yüan brachte uns das Taxi zum Hotel und gegen 01.40 schließe ich diesen Tagesbericht.

 

 

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Boris
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Boris Re: Deine Shanghai-Impressionen - na dann - dankeschön

nächste Woche geht es weiter

LG Jürgen
Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 17.08.2011 - 11:24 Uhr) haben mich wieder angenehm an meine damalige Reise erinnert,
ein Jahr früher......

LG fleur

Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Deine Shanghai-Impressionen - haben mich wieder angenehm an meine damalige Reise erinnert,
ein Jahr früher......

LG fleur
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