Gedichte
Schaulustige

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"Schaulustige"
Veröffentlicht am 28. Juli 2010, 4 Seiten
Kategorie Gedichte
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Über den Autor:

Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.
Schaulustige

Schaulustige

Ich fuhr beschwingt auf der Autobahn.
Ich erkannte, ich fahr an ein Stauende heran.
Die Fahrzeuge krochen durch das Land.
Es gab einen Grund, den ich erst später fand.

Auf der Gegenfahrbahn hatte es einen Unfall gegeben.
Konnten alle Insassen überleben,
das fragte sich jeder, der dieses Chaos sah.
Schreckensbilder, so unheimlich nah.

Die Menschen, sie fuhren nicht einfach vorüber,
ganz im Gegenteil, diese Bilder waren ihnen lieber.
Sie haben mit den Handys Fotos gemacht,
haben sogar Filme hervorgebracht.

Sie haben sich an den Schreckensbildern erquickt,
als wären sie von diesen Bildern erquickt.
Ich konnte diese Reaktion nicht verstehen,
denn es waren Bilder, die ich nicht gern gesehen.

Ich bin dann am Abend ins Internet gegangen.
Ich hatte mich gerade erst wieder gefangen.
Dann habe ich wieder Bilder von diesem Unfall gesehen.
Ich konnte das, was ich sah nicht verstehen.

Geilen sich Menschen am Leid anderer auf?
Was nehmen sie dafür alles in Kauf?
Was turnt eigentlich Schaulustige an?
Ich weiß, dass ich das niemals verstehen kann.

Wenn ich das Unglück anderer Menschen sehe,
Geschehnisse, die ich nicht verstehe,
dann habe ich nur zu helfen versucht.
Schaulustige, ihr seid verflucht.

Wenn ich Schaulustige sehe, denke ich manchmal daran,
was dieser Mensch wohl fühlen kann,
wenn andere ihn genauso anstarren.




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Über den Autor

Chrissy55
Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.

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Chrissy55 Re: Vielen Dank -
Zitat: (Original von Salija am 01.08.2010 - 13:15 Uhr) Endlich mal jemand, der mir aus der Seele spricht.
Schaulustige sind etwas schreckliches.
Wie oft verfluche ich sie, wenn sie uns bei Einsätzen im Weg stehen.
Wir kämpfen um das Leben eines Menschen, tun alles, hoffen und bangen.
Trösten die Mutter während wir versuchen ihr Kind wiederzubeleben, geben einer alten Dame die Hoffnung das alles gut wird, müssen um unser Leben fürchten, um unsere Existenz.
Harren Minuten lang in zerstörten Autos aus, bis die Feuerwehr den Patienten befreit hat. (obwohl uns bewusst ist, dass er nicht überleben wird und ein Pflegefall bleiben wird)
Und dann die Schaulustigen, die uns dabei im Wege sind, nur um die besten Fotos zu bekommen.

Ich bin an der Quelle und sehe mehr als die meisten Schaulustigen und ich kann euch sagen, es ist schrecklich und teilweise verdammt schwer damit fertig zu werden.

Ich könnt jedes mal kotzen und ihnen -entschuldige bitte- ins Gesicht schlagen.
Verstehen werde ich es wohl nie!!!

Vielen Dank für diese Zeilen.

Lieben Gruß
Salija



Liebe Salija, es geht auch anders, man muss nicht alles sehen und alles wissen. Ich glaube, dass mir nichts entgeht, wenn ich an einem Unfall, bei dem schon Helfer genug vor Ort sind, vorbeifährt ohne zu glotzen. Meinen Kindern habe ich dieses Verhalten auch zu vermitteln versucht. Allerdings muss ich auch sagen, dass es in meinem Leben Situationen gab, in denen ich dankbar dafür war, dass meine Kinder das nicht sehen müssen. Als die Freundin meiner Tochter beispielsweise vor unserer Haustür tödlich verunglückte, habe ich Swea zu einer anderen Freundin gefahren. Der Unfallort lag allerdings so nah, dass sie etwas hätte sehen können. Deshalb musste Swea sich für einige Meter hinter den Fahrersitz hocken, damit ich sichergehen konnte, dass sie auch ncihts sehen konnte. Auch bei einem anderen Unfall war ich froh, dass ich nicht halten musste, weil genug Helfer anwesend waren. Dirk war damals zwei Jahre alt. Helfen, wenn man helfen kann ist völlig normal und selbstverständlich. Deshalb bin auch ich an meinem Arbeitsplatz Ersthelfer. Dass aber immer wieder Leute stehenbleiben, lange Hälse machen und damit Hilfstätigkeiten blockieren, dafür werde ich nie Verständnis haben. In den von dir geschilderten Situationen möchte ich nicht mit dir tauschen. Ich weiß nicht, wie geduldig ich dann wäre.
Also danke noch einmal
LG Chrissy
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