Sie hat geweint die ganze Nacht.
Der Liebeskummer hat sie fertig gemacht.
Nun, morgens, waren ihre Augen leer.
Sie hatte das Gefühl, sie kann nicht mehr.
Sie ist zu ihrer Mutter gegangen.
Hatte die sie nicht immer aufgefangen?
Hat sich für sie in der Schule stark gemacht.
Daran hatte sie jetzt gedacht.
"Du, Mama, höre mir bitte zu..."
Es kam nur brummend: "Lass mich in Ruh.
Du bist schon 16 Jahre alt."
Ihr Kummer ließ ihre Mutter kalt:
"Du bist jetzt für dich selber da."
Hier fand sie keine Hilfe, das war ihr jetzt klar.
Vorsichtig schlich sie zum Vater hin.
Der wird mir helfen, hatte sie im Sinn:
"Du, Papa, darf ich dir was sagen?"
Die Kälte des Vaters schlug ihr auf den Magen,
als er den Fernseher nicht aus den Augen ließ,
als er sie brummend von sich stieß:
"Lass mich, du bist jetzt nicht mehr klein,
kannst selbst für dich verantwortlich sein."
Leise schlich sie in ihr Zimmer zurück.
Wo war die Kindheit, wo war das Glück?
Ihre Eltern waren nicht für sie da,
das wurde ihr jetzt plötzlich klar.
Hatten sie sich für sie stark gemacht,
dann hatten sie nur an sich selbst gedacht.
Sie hat sich im Zimmer umgesehn.
Toll eingerichtet, wunderschön,
sah sie dort Designermöbel stehen,
Fernseher, Computer, allerlei.
Ihre Eltern kauften sich bei ihr frei.
Alle Wünsche hatten ihr die Eltern erfüllt,
solange sie keine Fragen stellt,
solange sie lieb war und angepasst.
Ansonsten war sie mehr eine Last.
Nie hatten die Eltern für sie Zeit.
Nie waren sie zu einem Gespräch bereit.
Jetzt aber hatte sie ein Problem.
Das war ihren Eltern unangenehm.
Sie weinte leise: "Ich bin euer Kind.
Zeigt mir, wie ich eure Liebe find,
dass ich mehr als ein Name für euch bin."
Dann kam ihr ein Ausweg in den Sinn.
Sie hat sich die Tabletten genommen.
Auch an Alkohol ist sie leicht rangekommen.
Sie hat getrunken, sie hat geschluckt,
hat dabei mit keiner Wimper gezuckt.
Nur ihre Tränen sind über die Wangen gelaufen.
Liebe kann man eben nicht kaufen,
doch ohne Liebe macht gar nichts Sinn.
So schied sie traurig aus dem Leben dahin.