
Klassentreffen – sie klingen nach Nostalgie, nach Wiedersehen und nach einem Blick zurück auf Wege, die einst gemeinsam begonnen, später jedoch in verschiedene Richtungen verlaufen sind. Dieses Buch bietet nicht nur eine kleine Vorbereitungshilfe für solche Begegnungen, sondern entfaltet seinen besonderen Reiz durch die Einflechtung autobiographischer Erinnerungen. So wird das Werk zu mehr als einem Ratgeber. Es ist ein Spiegel der Vergänglichkeit, eine Einladung zur Reflexion über Freundschaft, Zeit und Erinnerung. Wer sich auf ein Klassentreffen vorbereitet – ob organisatorisch oder seelisch – findet hier nicht nur praktische Tipps, sondern auch eine literarische Begleitung voller Humor,
Selbstironie und Lebensklugheit.
Mein letztes Klassentreffen fand vierzig Jahre nach dem Schulabschluss statt. Von über vierzig Mitschülern, die irgendwann mal zur Klasse gehört hatten, sind siebzehn unserer Einladung gefolgt. Eigentlich hatten wir mit einer besseren Beteiligung gerechnet, aber dann waren wir doch in übersichtlicher Runde. Hatten wir uns doch zum Abschied des letzten Treffens auf die Organisatoren des nächsten Klassentreffens geeinigt. Vielleicht kommt ja demnächst eine Einladung ins Haus geflattert? Dann wird es allerdings Zeit. Ich habe nämlich keine Absicht, mich beim nächsten Treffen von allen anglotzen zu lassen, weil ich meine schicke Gehhilfe mit dabei habe. Vielleicht
sollte man selbst mal Initiative zeigen und schauen, ob noch jemand Interesse an der Vorbereitung hat? Die gleiche Beteiligung wie beim letzten Mal sollten wir schon hinkriegen. Nicht zu vergessen ist dabei, dass die Vorstellungen und Abläufe je nach Altersgruppe natürlich auch unterschiedlich sind. Was vor zehn Jahren noch allgemeinen Anklang fand, kann heute total daneben sein. Somit kann der Aufwand für die Vorbereitung auch ganz anders sein. Auf jeden Fall sind Einladung, eventuelle Gästeliste, Benachrichtigung, Organisationsgruppe, Budget, Termin, Ort, eventuell Hotel, Musik, Fotoalben usw. im Vorfeld zu klären. Viel Arbeit für einen Einzelnen. Aber lohnt sich das überhaupt?
Klassentreffen sind bis zu dem Zeitpunkt, wo das Leben wirklich losgeht, eigentlich doch nur Ansammlungen von Grüppchen. Diese Grüppchen sitzen zusammen, reden von alten Zeiten, die erst kurze Zeit zurückliegen. Sie schwören, sich öfters zu treffen und lassen dann, den gerade erwärmten Kontakt, wieder harmonisch einschlafen. Klassentreffen sind aber erst ab einem gewissen Alter so wirklich spannend. Nämlich dann, wenn die ersten Alterserscheinungen unser Gesicht dekorieren, wenn der Bartwuchs von Paul auch wirklich als solcher identifiziert werden kann und man arbeitslos nicht mehr eine Findungsphase nennen kann. Sie sind dann spannend, wenn der
schüchterne, liebe und ruhige Max, der einst so gut in Bio war, ein erfolgreicher Leiter eines Pflegeheims geworden ist. Wenn die korpulente Isolde gar nicht mehr so rund ist und gerade ihren Doktortitel macht, dann wird es interessant. Je nach Klasse und geografischem Standort wird ein Klassentreffen ab 35 oder so erst wirklich spannend. Davor ist es einfach nur ein Freizeitspaß. Klassentreffen, das klingt ein wenig angestaubt, alles ein bisschen altbacken. Warum nur sollte man Leute treffen, mit denen man seit fünf oder zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte? Oder gar während der ganzen Schulzeit nie etwas zu tun hatte? Einfach, weil es spannend ist. Was ist nur aus all den
Typen geworden? Plötzlich hat der schöne Heinz einen Bierbauch. Und wer ist noch mal der mit der Kurzhaarfrisur? Und das Mauerblümchen von einst ist heute absolut die Schönste im Saal. Andere wiederum fragen sich, warum zu einem Treffen gehen, bei dem das Gefühl entstehen kann, am falschen Tisch zu sitzen. Klassentreffen oder Entwicklungsvergleich? Ähnlichkeiten sind manchmal nicht von der Hand zu weisen. Natürlich gibt es auch die Totalverweigerer. Während der Schulzeit immer vorn mit dabei, und nun sind Klassentreffen nichts für sie. Und dann noch die ganz schlauen Klassenkameraden. Man trifft doch sowieso nur die Leute, die man schon immer leiden
konnte. Natürlich nicht. Die anderen sind doch auch da und man sollte den Versuch starten, sich mit denen zu unterhalten, denen man in zehn Jahren, aus welchen Gründen auch immer, nicht näher gekommen ist. Erst dann wird es ein überraschender Abend. Nun ja, so sind Menschen eben. Jede Jahrgangsstufe hat wohl ein paar besonders geschwätzige Mitschüler zu bieten, die das Wort Bescheidenheit glatt aus dem Wortschatz gestrichen haben. Aber genau diese braucht man auch, denn sonst wäre es beim Kaffee plötzlich ganz mucksmäuschenstill. Wie der Pausenhof früher, so ist das Klassentreffen von heute natürlich eine große Informationsbörse. Was machst du, wie geht
es dir? Das will man bei einem Klassentreffen wissen. Und natürlich werden bei solchen Treffen die alten Geschichten erzählt und dabei wird herzlich gelacht. Und das sollte man sich einfach nicht entgehen lassen.
Aber nun bin ich vom Thema abgekommen. Wo war ich noch stehen geblieben? Ach ja, bei der Vorbereitung. Um die eigenen Gedanken über das Klassentreffen einzuordnen ist dann natürlich der Disput mit einem weiteren Interessierten nicht von der Hand zu weisen. Dafür eignet sich natürlich der allerbeste Freund von damals am wenigsten, da man sowieso immer einer Meinung war.
Hat man dann den Vorbereitungspartner gefunden, beginn die eigentliche Arbeit. Teilnehmer: Sind die alten Klassenlisten von damals noch aktuell? Wer könnten in dem einen oder anderen Fall bei der Beschaffung fehlender Adressen behilflich sein? Die Erreichung der meisten via Internet kann dabei von Vorteil sein. Wenn der größte Teil der Ehemaligen erreichbar wäre, geht es weiter. Termin: Bei der Festlegung eines Termins kommen aufgrund der Urlaubssaison bzw. des kalten Anreisewetters wohl eher der Frühling und der Frühherbst in Frage. Persönlich würde ich den Frühherbst bevorzugen. Die wärmeren
Tage lassen dann eine Vielzahl von Lokalitäten in Frage kommen. Terminvorschläge sollten als Erstes in den Einladungen verschickt werden. Der meistgenannte Termin ist dann natürlich definitiv der Günstigste. Übernachten: Da einige nicht mehr in der Nähe wohnen könnten und keine Möglichkeit haben, bei Verwandten oder Freunden unterzukommen, sollte an die Schlafmöglichkeit gedacht werden. Dafür ist ein Hotel oder eine Pension in der Nähe von Vorteil. Lokalität: Entsprechend der zu erwartenden Teilnehmer ist natürlich im Restaurant der Wahl ein Tisch in entsprechender Größe zu reservieren. Wenn es dort dann noch die
Entscheidung gäbe, bei schönem Wetter draußen zu sitzen, werden die Danksagungen der Mitschüler sicher nicht ausbleiben. Bestellt man das Essen frühzeitig, so kann man die zu erwartenden Kosten rechtzeitig allen mitteilen. Einladungen: Die Einladungen per SMS oder Email sind natürlich von Vorteil. So können die Mitschüler eine schnelle Rückantwort geben und man kann eventuelle Hinweise noch rechtzeitig für ihre weitere Planung nutzen. Voraussetzung ist dafür natürlich, dass die aktuellen Email-Adressen vorliegen. Bei allen Aktivitäten sollte man die Kosten im Auge behalten, denn zu hohe Kosten könnten die Stimmung schon im Vorfeld dämpfen. Was fehlt nun noch für ein unvergessliches
Treffen? Normalerweise sollte es bei einem Klassentreffen ausreichen, dass man sich wieder sieht, vor allem, wenn viel Zeit vergangen ist. Schließlich haben Sie sich viel zu erzählen. Allerdings sollten ein paar Punkte beachtet werden: • Um das Treffen aufzupeppen können Sie auch darüber nachdenken, das Programm auszuweiten. Beginnen Sie mit einem Rundgang durch die alte Schule oder, wenn viele von weit herkommen, einen Rundgang durch den Ort oder Kiez. Das Klassentreffen findet dann in gemütlicher Runde im reservierten Raum statt. • Eine Begrüßung sollte selbstverständlich sein. Sagen Sie als Organisator einfach ein
paar nette Worte, die an alle gerichtet sind. Sie könnten danach auch direkt eine Vorstellungsrunde starten, indem Sie anfangen, in zwei, drei Sätzen etwas von sich zu erzählen. Erzählen Sie, was Sie nach der Schule gemacht haben und was Wesentliches in Ihrem Leben geschehen ist. Danach sind dann die anderen an der Reihe. • Musik sollte zumindest als Hintergrundmusik da sein. Das sorgt für eine schönere Stimmung. • Darüber hinaus können Sie dann entscheiden, ob Sie ein Rahmenprogramm oder eine Vorführung oder ähnliches brauchen bzw. möchten. • Wie wäre es mit einem Fotografen oder vorher festgelegtem Mitschüler mit
passendem Zubehör? So können Sie Ihr Wiedersehen mit hübschen und lustigen Fotos festhalten.
Und wenn sie alles richtig vorbereitet haben, kann das Treffen beginnen, so wie es sich bei mir zugetragen hatte. Wir trafen uns an dem alten Schulgebäude, in dem wir unsere ersten Schuljahre verbracht hatten. Eine junge Lehrerin führte uns als Erstes durch die alten Gemäuer der Schule, die schon 1920 als Knabenschule fungierte und bei uns kamen die vielseitigen Erinnerungen der 60-er Jahre hoch. Spätestens, als alle ihre Plätze in unserem alten Klassenzimmer auf den unbequemen Stühlen wieder eingenommen hatten, war die Stimmung durchweg großartig. Kleine Lästereien über verschiedene Aktionen in dem Klassenraum
sorgte für allgemeines Gelächter. Genau deshalb waren wir ja hier. Um in froher Runde viele gemeinsame Erinnerungen aufzuwecken. Die Besichtigung ging weiter. Über ein schon damals unbeliebtes altes Treppenhaus führte der Weg nach unten auf den Schulhof. Die alte Linde, die schon für Generationen ein willkommener Schattenspender war, begrüßte uns in voller Pracht und lud zum kurzen Verweilen ein. Dann ging es in den alten Werkraum. Die Standbohrmaschinen hatten der Zeit getrotzt und standen den aktuellen Schülern noch immer für die Metallbearbeitung zur Verfügung. In den Räumen der Werkstatt standen oft benutzte Werkbänke mit montierten Schraubstöcken.
Man fühlte sich sprichwörtlich in eine vergangene Zeit versetzt. Ein gemeinsames Foto unter der alten Linde sowie vor dem Eingang zum Sekretariat der Schule rundeten diesen ersten Teil unseres Klassentreffens ab. Hierbei waren die Gesichter der ehemaligen Schulstarter, die an den Ort ihrer beginnenden Schulzeit zurückgekehrt waren, schon heiterer. Der gemeinsame Besuch der Schule hatte sich somit gelohnt und alle waren auf interessante, gemeinsame Stunden in Erinnerung an damals, eingestimmt worden. Wir bedankten uns bei der Lehrerin für die tolle Führung durch unsere Vergangenheit und spazierten gemütlich ins Stadtzentrum, wo der Hauptteil des Klassentreffens stattfinden
würde. Dort trafen wir uns vor einem Hotel. Wir hatten im Restaurant entsprechend Tische reserviert. Der im Keller befindliche Festraum war vorbereitet und so suchten sich alle einen Platz, natürlich nach Möglichkeit bei den alten Freunden. Nun hat die Serviererin ihren Einsatz und schon bald sind Getränke und Speisen serviert. Während dessen beginnen die ersten Gespräche mit den Nachbarn. Wenn man über die schlimme Phase der oberflächlichen Gespräche hinweg ist, das eine oder andere Bierchen oder Glas Wein getrunken hat, passieren manchmal die wunderbarsten Dinge. Man lästert über Lehrer, natürlich nur, wenn keine anwesend sind, erzählt sich
neueste Infos, die man von kleinen Geschwistern hat und schwört sich ewige Verbundenheit. Also alles ähnlich wie beim letzten Mal. Aber eins kommt danach sicher nicht zu kurz. Die ergiebige Unterhaltung mit immer wieder anderen Gesprächspartnern. Beim gemeinsamen Essen konnte man ja nur mit den Mitschülern plaudern, die im direkten Umfeld sitzen. Also beginnt dann ein heiteres Stühlerücken. Schließlich geht es ja auch darum, mit besonders vielen Mitschülern die wesentlichen Fragen zu klären. Wie geht es dir und was machst du jetzt? Und wenn man jetzt noch die Chance nutzt, sich den Mitschülern zu widmen, mit denen man während der Schulzeit kaum Kontakt hatte, dann kann man wirklich Neuigkeiten erfahren.
So verläuft der Abend durchaus kurzweilig. Abwechselung der anderen Art bringen dann in die Gesprächsrunden die Raucher, die mit einer genauen Regelmäßigkeit das Restaurant verlassen und dabei manch Thema vor das Hotel verlagern. Als Organisator ist es günstig, die Rechnung für die Speisen und Getränke rechtzeitig zu verlangen, denn zu fortgeschrittener Zeit gesellen sich in diese Runde dann einige Ehepartner, die für die Beendigung des Klassentreffens extra bestellt erscheinen. Da diese in einer Kleinstadt aber auch den Mitschülern bekannt sind, erfolgt die Abholung dann nicht ganz so reibungslos. Neue Gespräche sind die Folge. Wer ein Zimmer im Hotel gebucht hat, ist da klar im Vorteil und
verabschiedet sich zu gegebener Zeit von der Runde, tauscht die letzten Adressen und Telefonnummern und freut sich dann auf das nächste Mal. Bei besonders vertrauten Mitschülern soll es beim Abschied auch schon zu Tränen gekommen sein. Mein persönliches Fazit: Wenn dir eine Einladung ins Haus flattert, prüfe den Termin und sag umgehend zu. Freue dich auf viel Spaß, endlose Gespräche und die immer wiederkehrende Erinnerung an Geschichten, die jeder schon kennt. Du wirst einen schönen Abend haben. Wenn du die Teilnahme schwänzen möchtest, dann tu es und freue ich dich darauf, beim
nächsten Gang zur Mülltonne mit einem unfreundlichen Nachbarn oder dem Postboten, der die wöchentliche kostenlose Zeitschrift in deinen Briefkasten quält, ins Gespräch zu kommen.
| FLEURdelaCOEUR Hallo, Heimatfreund, dein Klassentreffen gefällt mir sehr! Ich fühlte mich sofort an meine beiden erinnert, das erste war zum "goldenen Abitur", in einer Internatsoberschule, also 50 Jahre danach.Als es diese Schule schon gar nicht mehr gab, weil sie, wie der ganze Staat, abgewickelt worden war ... Inzwischen hat sich das nun alles erledigt. Gruß fleur |