Kurzgeschichte
Wenn Steine Geschichten erzählen

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"Was, wenn Steine sprechen könnten? Mike hört ihnen zu ? und entdeckt Vergangenheit."
Veröffentlicht am 30. Juni 2026, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich arbeite als Schreiner und bin beruflich viel auf Montage unterwegs. Ich arbeite gerne mit Holz und mag es, wenn etwas mit den Händen entsteht. In meiner Freizeit lese und schreibe ich gerne.
Was, wenn Steine sprechen könnten? Mike hört ihnen zu ? und entdeckt Vergangenheit.

Wenn Steine Geschichten erzählen

Wenn Steine Geschichten erzählen Mein Name ist Mike. Es gibt etwas, das mich schon mein ganzes Leben begleitet: alte Gemäuer. Burgen, Schlösser, Ruinen oder historische Städte wie Nördlingen mit ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer üben auf mich eine Faszination aus, die ich kaum in Worte fassen kann. Wenn ich durch ein altes Burgtor gehe oder mit der Hand über verwitterte Steine streiche, frage ich mich unweigerlich: Wer hat diese Mauern gebaut? Wer hat hier gelebt, geliebt, gelacht oder gelitten? Wie sah das Leben

damals aus? Und warum kümmert sich heute oft niemand mehr darum, solche Schätze zu erhalten? Für viele sind es nur alte Steine. Für mich erzählen sie Geschichten. Vielleicht kommt diese Liebe zur Vergangenheit daher, dass ich auch zu Hause von Erinnerungen umgeben bin. Viele alte Möbel, Haushaltsgegenstände und Instrumente meiner Eltern und Großeltern haben bei mir ihren Platz gefunden. Andere würden vielleicht sagen: „Das kann weg.“ Ich sehe das anders. Wenn ich einen alten Schrank öffne oder ein Werkzeug meines Vaters in

die Hand nehme, sehe ich nicht nur einen Gegenstand. Ich sehe die Menschen, die ihn benutzt haben. Ich höre ihre Stimmen und erinnere mich an Augenblicke, die längst vergangen sind. Besonders oft wandern meine Gedanken zurück in die sechziger Jahre. Damals war die Welt noch eine andere. Wir hatten keinen Fernseher. Das Radio war der Mittelpunkt unseres Zuhauses. Es lief fast den ganzen Tag. Mein Vater hörte manchmal Radio Vatikan. Wir freuten uns auf die Schlagerparade von Stuttgart 1 mit Günter Freund, und wenn es spät wurde, lauschten wir dem Nachtexpress mit Heinz Siebeneicher. Diese Stimmen

gehörten einfach zu unserem Alltag. Heute klingt das für viele Menschen fast unvorstellbar. Sie sagen: „Das ist Vergangenheit. Man muss nach vorne schauen.“ Natürlich muss man das. Aber warum sollte man deshalb vergessen, woher man kommt? Ich glaube, Erinnerungen machen unser Leben erst vollständig. Sie geben uns Wurzeln. Sie erinnern uns an Menschen, die uns geprägt haben, und an Zeiten, in denen vieles einfacher war. Nicht unbedingt besser – aber oft ruhiger und

bewusster. Wenn ich heute durch eine Burgruine gehe oder durch die Gassen einer alten Stadt schlendere, dann suche ich nicht nach Sehenswürdigkeiten. Ich suche nach den Geschichten, die zwischen den Mauern verborgen liegen. Vielleicht höre ich deshalb den Steinen so gerne zu. Sie erzählen nichts Lautes. Man muss sich Zeit nehmen. Dann beginnen sie zu sprechen. Und jedes Mal nehme ich ein kleines Stück Vergangenheit mit nach Hause. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass ich

heute noch mit alten Röhrenradios arbeite. Während andere solche Geräte längst entsorgt hätten, sehe ich darin etwas Besonderes. Jedes davon hat einmal Stimmen getragen, Musik gespielt, Nachrichten übermittelt – es war ein Fenster zur Welt. Wenn ich heute ein solches Radio öffne, ist es fast so, als würde ich in die Vergangenheit hineinschauen. Ich sehe Bauteile, die mit viel Sorgfalt gefertigt wurden, Röhren, die langsam wieder zum Leben erwachen, wenn man sie richtig behandelt. Es hat etwas Beruhigendes, wenn nach einer Reparatur wieder dieses warme, lebendige Klingen

entsteht. Vielleicht ist genau das mein Weg, die Vergangenheit nicht nur zu erinnern, sondern sie ein Stück weit weiterleben zu lassen.




Bernd Dittrich ist der Fotograf dieses Bildes.

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drachenzaehmer
Ich arbeite als Schreiner und bin beruflich viel auf Montage unterwegs. Ich arbeite gerne mit Holz und mag es, wenn etwas mit den Händen entsteht. In meiner Freizeit lese und schreibe ich gerne.

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Reisehummel 
Auch mir gefallen deine Gedanken sehr, lieber Mike.
Sie vermitteln so ein richtiges Rundumwohlgefühl und ich weiß schon jetzt,
sobald ich wieder Kloster, Stadtmauer oder alte Ruinen sehe,
werde ich lächelnd an diese schöne Geschichte denken,
denn sie ist mir so richtig ins Herz geschrieben.
Liebe Grüße
Waltraud
Heute - Antworten
Memory 
Lieber Mike,
deine Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen.
Mich ziehen alte Gemäuer oder Ortsteile auch immer an und ich denke darüber nach, wie es da wohl früher war und was dort alles an "Leben" stattgefunden hat.
Und gerade in dieser schnelllebigen Zeit sollte man sich einmal öfter daran erinnern, dass es nicht schon immer so war, wie jetzt :)
Deine Gedanken haben mir gefallen.
Lieben Gruß
Sabine
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