Kurzgeschichte
Folgenschwer - SP 118

0
"Wenn ich das gewusst hätte"
Veröffentlicht am 06. Mai 2026, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich liebe das Leben, diskutiere gern und mache gern Spaß. Respekt und Ehrlichkeit sind mir wichtig. Mein Buch "Die Liebe trifft das Leben" ist am 6.2.15 erschienen.
Wenn ich das gewusst hätte

Folgenschwer - SP 118



Thema der SP 118:

"Wenn ich das gewusst hätte"


Vorgaben:

filigran, piesacken, Kokolores,

Fisimatenten, blümerant, allenthalben


Die Personen der Kurzgeschichte sind fiktiv, aber Ähnlichkeiten mit realen Ereignissen nicht zufällig.






Folgenschwer


"Herr Doktor, Herr Doktor, gut, dass sie jetzt da sind, die Polizei möchte sie sprechen", mir wird schon wieder ganz blümerant. Es geht um den gestern Nachmittag entlassenen Patienten, sie wissen schon, Lechmann. Meine Güte, wer ahnt denn auch so etwas? Wenn man das gewusst hätte ...", eilt Schwester Hildegart Herrn Weppertin, dem Oberarzt der Psychiatrie der Göttinger Uniklinik, geschäftig entgegen. "Das Krankenblatt mit dem Entlassungsbericht liegt bereits auf ihrem Schreibtisch", fügt sie hinzu, sichtlich bemüht, dass ihre filigranen Gesichtszüge ihr nicht entgleisen.



Etwas kurz angebunden meint Doktor Weppertin zur aufgeregten Angestellten: "Verstehe, ich kümmere mich darum."


Im Radio war es vor wenigen Minuten das Thema in den Nachrichten gewesen, welche Schwester Hildegart fassungslos zur Kenntnis nehmen musste. Ein 57jähriger Amokfahrer raste mit einem Pkw in die, zu dieser Zeit gutbesuchte Einkaufspassage der Innenstadt. Die Irrfahrt kostete zwei Menschen das Leben, Weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Erst am Marktplatz kam das Auto schließlich zum Stehen. Der

Fahrer konnte überwältigt und somit festgenommen werden.


Es handelte sich um W. Lechmann, der nach eigenen Angaben vor einigen Stunden aus der Psychiatrie entlassen worden war. Laut ärztlichem Befund hätte kein Verdacht auf Eigen- oder Fremdgefährung bestanden. Der Bürgermeister sowie der Leiter der Polizeibehörde zeigten sich solidarisch mit den Verletzten und Angehörigen der Opfer. Es herrschte ansonsten betroffenes Schweigen allenthalben.


In der Klinik hatte sich inzwischen auch unter den Patienten die schreckliche Tat

wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Jens Kumpf, der ehemalige Zimmergenosse von Wilhelm Lechmann gab seinen Mitpatienten lautstark zu verstehen, dass Lechmann ihn ständig auf unangenehme Art gepiesackt und überhaupt nur Kokolores geredet habe. "Jetzt keine Fisimatenten Herr Kumpf", forderte Schwester Doris den Patienten auf: "Sagen sie schon, ob Lechmann die Tat angekündigt oder irgendwie davon gesprochen hat!" Kumpf schüttelte vehement den Kopf: "Ich weiß nichts. Er hat nur irgendwelchen Schwachsinn von der Arbeitsstelle und seinem Chef gefaselt. Das Geschwätz konnte doch keiner für voll nehmen. Mann, wenn ich

das gewusst hätte..." Schwester Doris ermahnte Herrn Kumpf eindringlich, dass er hätte damit zu dem behandelnden Arzt gehen müssen und nicht erst jetzt mit der Sprache herausrücken sollen.


Letztlich stand nicht nur in der Klinik die Frage im Raum, ob diese furchtbare und sinnlose Tat hätte verhindert werden können.





Bilder kostenlos by Pixabay
















>

0

Hörbuch

Über den Autor

Darkjuls
Ich liebe das Leben, diskutiere gern und mache gern Spaß. Respekt und Ehrlichkeit sind mir wichtig. Mein Buch "Die Liebe trifft das Leben" ist am 6.2.15 erschienen.

Leser-Statistik
19

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
drachenzaehmer Die Geschichte ist sehr eindringlich geschrieben und greift ein sehr ernstes Thema auf. Besonders die Frage, ob man so etwas hätte verhindern können, bleibt am Ende noch lange im Kopf
LG Mike
Vor einem Monat - Antworten
FLEURdelaCOEUR Mich hat es auch total mitgenommen und ich hätte ich der betreffende Arzt /Ärztin sein mögen, liebe Marina!
Super Text!
LG fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
PamolaGrey Eine sehr beklemmende Geschichte, die einen nachdenklich zurücklässt und die Frage aufwirft, ob man solche Entwicklungen im Nachhinein überhaupt hätte erkennen oder verhindern können.
LG Pam
Vor ein paar Monaten - Antworten
FranckSezelli Liebe Marina,
du hast das schreckliche Ereignis vor fünf Tagen in meiner ursprünglichen Heimatstadt, in der ich mich gerade wieder aufhalte, zum Anlass zu deiner Geschichte genommen. Wie passend! und wenn man im Nachhinein hörte, dass der Täter eben aus der Psychiatrie entlassen wurde, kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Da werden sich einige gesagt haben: "Wenn ich das vorher gewusst hätte ..."
Es ist eine sehr gute Geschichte, die du hier abgibst. Nicht wegen des schrecklichen Inhalts, sondern wegen deines Schreibstils und der Art, wie du diesen Inhalt vermittelst.
Liebe Grüße
Franck, diesmal aus Leipzig
Vor ein paar Monaten - Antworten
Reisehummel 
Deine Geschichte führt uns noch einmal dieses schreckliche Geschehen vor Augen. Du hast das sehr stark umgesetzt, liebe Marina.
Kompliment!
Lieber Gruß
Waltraud
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Danke, ich denke, wir sind alle bewegt davon, dass so etwas vorkommt und keiner kann es verhindern oder voraussehen. Liebe Grüße Marina
Vor ein paar Monaten - Antworten
schnief Eine sehr gute Umsetzung zum aktuellen Tagesgeschehen.
Liebe Grüße Manuela
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Danke Manu, liebe Grüße auch an Dich. Marina
Vor ein paar Monaten - Antworten
Phantasus Hallo Marina.
du hast die Vorlage erstaunlich gut aktualisiert, um psychopathische Kriminalität der Gegenwart einzufangen.
Beeindruckte Grüße
Ekki
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Vielen Dank Ekki, es ist traurig und erschütternd und man fragt sich, was in den Tätern vorgeht. Wäre die Tat abzuwenden gewesen? Wie mag sich der Arzt der Psychiatrie wohl fühlen? Liebe Grüße Marina
Vor ein paar Monaten - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
14
0
Senden

174220
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung