Nur aus der Ferne
Ich sitze am Fenster und denke an dich, Ella. Vielleicht bin ich zu schnell gegangen. Vielleicht auch genau rechtzeitig — bevor aus der Nähe etwas geworden wäre, das ich nicht mehr hätte loslassen können. Ich wollte nicht einfach jemand sein, der bleibt, solange sonst niemand da ist. Also bin ich gegangen. Und doch bist du geblieben.
Gegenüber liegt ein Fenster im Halbdunkel. Manchmal bilde ich mir ein, dich dort zu sehen. In dem bunten Kleid,
das sich immer ein wenig im Wind bewegt hat, selbst wenn keiner ging.
Dein Lachen ist nicht mehr da — und doch höre ich es noch. Leise, wie eine Erinnerung, die sich nicht vertreiben lässt.
Es war nur ein Moment, damals beim Sommerfest. Eine Strähne fiel dir ins Gesicht, und du hast sie achtlos zurückgeschoben. Niemand hat es bemerkt. Nur ich.
So etwas bleibt. Nicht, weil es wichtig war — sondern weil du es warst.
Ich wohne nicht mehr gegenüber. Kein Fenster zeigt mehr zu dir hinüber. Nur
meine Gedanken kennen noch den Weg.
Und manchmal reicht das.
Der Abend ist warm, die Luft steht still zwischen den Häusern. Stimmen tragen sich von der Straße herauf, irgendwo lacht jemand. Ich sitze in meiner kleinen Wohnung und merke, wie die Unruhe zurückkommt.
Nicht laut.
Eher wie etwas, das nie ganz gegangen ist.
Ich ziehe die Jacke über und gehe los, ohne lange nachzudenken. Schritt für Schritt, Straße für Straße, bis ich vor deinem Haus
stehe.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe.
Das Licht ist an.
Ich bleibe auf der anderen Straßenseite stehen. Du bist da. Wirklich. Bewegst dich durch den Raum, als hätte sich nichts verändert. Für einen Moment ist alles still in mir.
Ich mache einen Schritt.
Dann noch einen.
Vielleicht hätte ich etwas gesagt. Deinen Namen.
Irgendetwas.
Doch dann tritt er neben dich.
Und plötzlich ist alles klar.
Ich bleibe stehen. Nicht, weil ich muss — sondern weil ich es will.
Du lachst. Anders als in meiner Erinnerung, aber nicht weniger schön.
Ich drehe mich um.
Der Weg zurück ist derselbe, aber leichter.
Denn zum ersten Mal seit Langem weiß ich:
Du bist
glücklich.
Und vielleicht… reicht das.