Kurzgeschichte
Der letzte Wunsch - SP 117

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"Altwerden ist nichts für Feiglinge"
Veröffentlicht am 06. April 2026, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich liebe das Leben, diskutiere gern und mache gern Spaß. Respekt und Ehrlichkeit sind mir wichtig. Mein Buch "Die Liebe trifft das Leben" ist am 6.2.15 erschienen.
Altwerden ist nichts für Feiglinge

Der letzte Wunsch - SP 117

Der Letzte Wunsch

Schreibparty 117 zum Thema:

"Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben"


Vorgaben: Edelstein, Geisterhand, absurd, Flasche, Scheinwerfer, Phantasie


Eine Geschichte von erwünschten und unerwünschten Nebenwirkungen.








Der letzte Wunsch


Heute regnet es schon den ganzen Tag, ein richtiges Aprilwetter. Schneefall ist in dieser Zeit ebenso wahrscheinlich wie Sonnen-schein. Welchen Monat haben wir eigentlich?


Sie haben mir das Bett direkt vor das Fenster geschoben, so dass ich den Himmel sehen kann. Langsam wird es Nacht, aber der Raum, durch den Vollmond wie von Scheinwerfer-licht ausgeleuchtet, ist beinahe taghell.

Meine Augen tasten jeden Winkel ab,

suchen nach Greifbarem. Dann endlich, als ich mühsam den Kopf wende, bleiben sie an deinem Bild auf dem Nachtschrank hängen. Ein Foto und die Rückblicke auf unser



gemeinsames, erfülltes Leben sind mir

von dir geblieben.


Wir wollten doch zusammen alt werden.

Dieser Wunsch wurde dir nicht erfüllt.

Hochbetagt und gebrechlich liege ich

schon seit längerem ans Krankenbett gefesselt und schwelge in Erinnerungen.

Besuch bekomme ich kaum mehr. Die

Pfleger geben sich große Mühe mich aufzuheitern, doch mir fehlt deine Gesellschaft. Nach und nach sind alle Bekannten gegangen. Auch mein bester Freund Erwin ist im letzten Sommer kurz

nach seiner Frau verstorben. Sie war ihm,

was du mir warst, mein Edelstein, mein Lebenslicht.


Ich bin müde, finde aber keinen Schlaf,

Meine Gedanken kreisen und gehen gemeinsam mit der Phantasie auf Reisen.

Ich verlasse, wie von Geisterhand

getragen, das Zimmer und finde mich

mit dir, Liebling, auf der Wiese hinter

unserem Haus wieder. Wir pflücken

Blumen, scherzen, lachen und laufen

Hand in Hand dem Horizont entgegen.


Es ist absurd, ich sehe dich in einem Mohnblumenkleid, welches du nie

besessen hast und habe sogleich den

Duft von Mohn in der Nase. Diese ist so

ziemlich das Einzige, was mir im Alter noch

zu gehorchen scheint. Ach, wie gern würde

ich dir in diesem Moment nachfolgen. Aber bald, Schatz, sehr bald werden wir uns in

den Armen halten. Altwerden ist eben nichts für Feiglinge, jedoch nicht alt zu werden,

ist auch nie das erklärte Ziel gewesen.


Ich muss doch für ein paar Stunden weggedämmert sein, als mich der Pfleger

in der Frühe mit den Worte begrüßt: "Guten Morgen Alfred, haben sie gut geschlafen?", versuche ich ein Lächeln und nicke ihm zu. "Es ist alles genauso vorbereitet, wie sie es sich für heute gewünscht haben", meint er, deutet auf das kleine Fläschchen in seiner Hand, stellt es auf den Nachtschrank und

schließt leise hinter sich die Tür. Mühsam greife ich die Flasche, leere sie in einem Zug und falle kurze Zeit später in den ersehnten tiefen Schlaf.


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Darkjuls
Ich liebe das Leben, diskutiere gern und mache gern Spaß. Respekt und Ehrlichkeit sind mir wichtig. Mein Buch "Die Liebe trifft das Leben" ist am 6.2.15 erschienen.

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yumiko Hallo liebe Marina
Es ist eine sehr berührend Geschichte
Liebe Grüße yumiko
Vor ein paar Monaten - Antworten
drachenzaehmer Eine wirklich berührende Geschichte, die einen nachdenklich und etwas melancholisch zurücklässt.
LG Mike
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Danke Mike für den Besuch und den Kommentar zur Geschichte. Liebe Grüße Marina
Vor ein paar Monaten - Antworten
FLEURdelaCOEUR Ach ja, wäre es doch nur so einfach, dass die Pfleger im Altenheim auf Wunsch solche Fläschchen austeilen! Ein großer schwerer Klumpen fiele mir von der Seele! Noch sind wir zu zweit und zu Hause, aber das Leben erscheint uns von Tag zu Tag schwieriger und anstrengender zu meistern.
Deine Geschichte hat mich herznah berührt, liebe Marina!
Liebe Grüße
fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Liebe Fleur, Sterbehilfe ist bei uns ein umstrittenes Thema. Hier ist die Überschrift "Der letzte Wunsch" nicht unbedingt Schwerpunkt der Geschichte. Es geht vielmehr um den Wunsch allgemein, alt zu werden und die Nebenwirkungen. Das Leben ist, wie Du schon sagst, mit der Zeit immer schwerer zu meistern. Ich danke Dir für den Besuch. Liebe Grüße Marina
Vor ein paar Monaten - Antworten
FLEURdelaCOEUR Liebe Marina, du hast ja Recht mit der Sterbehilfe! Mein Kommi kam hier sehr subjektiv, aus tiefstem Herzen heraus, und spiegelte eben auch die eigene Befindlichkeit wieder! Natürlich hast du die Vorgaben des Battle hervorragend erfüllt!
Liebe Grüße
fleur
Vor ein paar Monaten - Antworten
Kornblume Ja, jeder sollte diese, für ihn so wichtige letzte Entscheidung, bei geistiger Klarheit selbst treffen dürfen. Die Nebenwirkungen sind endgültig.
Eine hervorragender Text, der mich sehr berührt hat.
"Grüße an Dich", schickt die Kornblume
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Wir werden alle älter und die Meisten wünschen sich das auch. Leider kommen Gebrechen und Verlust mit der Zeit dazu. Danke sagt Marina
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gabriele 
Liebe Marina,
mit jedem Wort deiner Geschichte vom letzten Wunsch kribbelte die Gänderhaut mehr und mehr.......
Großartig geschrieben, dem ist nichts hinzu zu fügen!
Viele liebe Grüße von Gabriele
Vor ein paar Monaten - Antworten
Darkjuls Danke Gabriele, sei lieb gegrüßt von mir, Marina.
Vor ein paar Monaten - Antworten
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