
© 2026 Pamola Grey
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„Die Gebrüder Dornweiler – Der Beginn“ ist der erste Band einer geplanten Serie. Alle Rechte an den zukünftigen Bänden liegen ebenfalls bei der Autorin.
Kapitel 1 – Dornweiler
Ich hatte mir geschworen, nie zurückzukommen.
Zehn Jahre lang war dieser Ort für mich nicht mehr als ein verblasster Fleck in meinen Erinnerungen gewesen — etwas, das ich bewusst verdrängt hatte. Doch jetzt stand ich wieder hier, am Rand der Stadt Bruchweiler, die ich damals so überstürzt verlassen hatte, mit nichts als einem Rucksack und einem gebrochenen Herzen.
Der Bus war schon längst weitergefahren. Zurück in mein jetziges Leben, zurück zu den Straßen, die ich kannte, zu den Menschen, die mich brauchten. Aber ich blieb stehen. Vor mir begann der Wald
Der schmale Pfad führte mich tiefer hinein, die kahlen Äste bogen sich wie Hände über mir und warfen Schatten auf den Boden. Die Lichtung, die ich in Erinnerung hatte, war verschwunden, ersetzt durch einen dichten, grauen Wald, der alles schluckte.
Ich zog meine Jacke enger um mich und atmete tief ein. „Nur ein Besuch… nur für sie.“ Doch irgendwo zwischen den Bäumen glaubte ich, eine Bewegung zu sehen. Oder war es nur der Wind.
Der Wald hatte heute einen Namen. Eigentlich sogar zwei. Früher war er einfach nur der Wald gewesen — ein Ort, an dem ich mit meiner Tante spazieren ging, an dem
alles still und irgendwie heil war. Doch irgendwann, lange nach meinem Weggang, hatte man begonnen, ihn zu teilen. Die rechte Seite nannte man Nebelbruch. Die linke Dornweiler. Zwei Namen für etwas, das einmal zusammengehörte. Meine Tante hatte mir damals in einem ihrer seltenen Briefe davon erzählt. Zwei Brüder, die Dornweiler hießen, hatten den Wald geerbt. Erst hätten sie gemeinsam darüber gewacht, so wie ihre
Familie es immer getan hatte. Doch dann kam der Streit. Niemand wusste mehr genau, worum es ging — Geld, Stolz oder etwas, das tiefer lag. Am Ende blieb nur eine Grenze. Keine Mauer, kein Zaun. Nur der schmale Pfad, der sich wie eine Narbe durch den Wald zog. „Bleib immer auf deiner Seite… manche Dinge wollen nicht mehr zusammenfinden.“ Ich stand jetzt genau vor diesem
Pfad.
Rechts lag Nebelbruch — still, grau und fast reglos.
Links Dornweiler — dichter, dunkler, als würde sich etwas darin verbergen.
Und ich wusste plötzlich nicht mehr, welchen Weg ich nehmen sollte.
Ohne wirklich darüber nachzudenken, setzte ich den ersten Schritt nach links.
Dornweiler.
Es fühlte sich nicht wie eine bewusste Entscheidung an. Eher wie etwas, das längst feststand — als hätte ein Teil von mir diesen Weg schon gewählt, bevor ich überhaupt hier angekommen war. Der Boden unter meinen Füßen war weicher, gedämpfter. Jeder Schritt klang, als würde der Wald ihn verschlucken. Ich hätte auch nach rechts gehen können. Nach Nebelbruch. Aber Neon war
dort. Allein der Gedanke ließ mich unruhig werden. Schon als Kind hatte ich ihn nicht gemocht. Oder vielleicht war es anders gewesen — vielleicht hatte er mich nicht gemocht. Er hatte mich immer so angesehen, als würde er etwas sehen, das ich selbst nicht erkennen konnte. Zu lange. Zu genau. Ich hatte gelernt, ihm aus dem Weg zu gehen. Don
dagegen… Ein schwaches, fast vergessenes Lächeln huschte über mein Gesicht, während ich tiefer in Dornweiler ging. Don war anders gewesen. Ruhiger. Irgendwie… wärmer. Wenn Neon wie kalter Nebel war, dann war Don der Schatten eines Baumes an einem heißen Tag. Und vielleicht war genau das der Grund, warum ich jetzt hier war. Oder zumindest redete ich mir das ein. Ein Ast knackte hinter mir. Ich blieb
stehen. Langsam drehte ich mich um — doch da war nichts. Nur der schmale Pfad, die Grenze, die ich gerade überschritten hatte. Und für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, dass ich etwas zurückgelassen hatte. Nicht nur den anderen Teil des Waldes. Sondern etwas, das mich vielleicht noch hätte schützen können. Dornweiler.
Die Bäume standen kahl da, ihre Äste wie knorrige Finger in den grauen Himmel gestreckt. Kein Grün, kein Blätterdach — nur die stillen Skelette des Winters, die ihren Tribut forderten für die vergangenen Monate.
Ich trat vorsichtig auf den weichen Boden, der nach feuchtem Laub roch, auch wenn vieles schon vom Frost vertrocknet war.
Ein paar Bäume trugen merkwürdige rote Markierungen. Zahlen vielleicht, doch der Frost hatte sie verblassen lassen, und ich konnte sie nicht erkennen. Sie wirkten wie kleine Warnungen, ein Rätsel, das nur der Wald selbst zu kennen schien. Ich schluckte und ging weiter. Jeder Schritt knarrte unter den kahlen Ästen, und für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass der Wald mir
zusah. Dornweiler war nicht mehr der Wald meiner Kindheit. Er war größer, älter… und voller Geheimnisse. Zwischen den kahlen Stämmen bewegte sich plötzlich etwas. Ich erstarrte. Zwei maskierte Gestalten tauchten auf — die erste trug eine furchteinflößende Oni-Maske, die zweite einen grellen Anzug und auffällige Haare, völlig fehl am Platz zwischen den kahlen Bäumen. „Was…?“ brachte ich nur
hervor. Die Oni-Maske drehte sich langsam zu mir, als hätte sie mich erwartet. „Du bist spät dran“, sagte sie mit leiser Stimme, fast ernst, obwohl die Maske grotesk wirkte. Ich blinzelte. „Don?“ Beide Figuren machten einen Schritt auf mich zu. Und für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, dass die Grenzen zwischen Realität, Erinnerung und Wahnsinn verschwammen. Ich zögerte, die kahlen Äste zu umgehen,
als mein Blick auf etwas Ungewöhnliches fiel. Zwischen zwei alten Buchen ragte ein kleiner Stein hervor, der aussah, als hätte ihn niemand je dort hingelegt. Doch das Seltsame war: Darauf war ein Symbol eingeritzt, kaum sichtbar, aber eindeutig geformt — zwei verschlungene Ringe, die wie Augen eines Wesens wirkten. Ich kniete mich hin, die Finger leicht über die Rillen gleitend. Ein Schauder lief mir über den Rücken. Das Symbol wirkte alt, fremd, und dennoch vertraut, als hätte ich es schon einmal gesehen — irgendwo, ganz tief in meinen
Erinnerungen. Ein Rascheln hinter mir ließ mich zusammenzucken. Die beiden Gestalten bewegten sich nicht. Sie beobachteten nur, stumm, als warteten sie darauf, dass ich verstand. Ein weiteres Detail fiel mir auf: Der Boden um den Stein war ungewöhnlich weich, fast federnd, als würde der Wald selbst ihn schützen. Ich hob den Stein vorsichtig an, spürte die Kälte des Felsens und das leichte Vibrieren darunter, als hätte er etwas zu erzählen. Dornweiler war nicht mehr nur ein kahler
Wald. Er war ein Rätsel. Und ich hatte gerade den ersten Hinweis gefunden. Ich ließ den Stein vorsichtig zurück auf den Boden sinken. Das Symbol glänzte schwach im diffusen Licht, als hätte der Wald selbst es für mich beleuchtet. Hinter mir knackte ein Ast, diesmal näher, viel näher. Mein Herz raste. Die maskierten Figuren waren immer noch da — stumm, still — und doch hatte ich das Gefühl, dass etwas in ihnen pulsierte, als wüssten sie mehr, als sie verraten
wollten. Ein kalter Luftzug fuhr durch Dornweiler, der mich fast vom Pfad wehte. Und dann… hörte ich es. Ein leises Flüstern, kaum mehr als ein Atem, der zwischen den kahlen Ästen zitterte: „Du hast den Stein gefunden… jetzt beginnt es.“ Ich stockte. Mein Blick huschte zwischen den Figuren, dem Symbol und den kahlen Bäumen ?. Und irgendwo tief in mir wusste ich, dass ich nicht mehr
zurückkonnte. Der Wald hatte mich.
In den Schatten des Waldes lag eine Wahrheit, die ich nicht ignorieren konnte....
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| drachenzaehmer Klinkt interessant, da bin ich gespannt, wie es weitergeht. Manchmal sind Serien, nicht wirklich gut, aber ich lass mich wirklich überraschen. LG Mike |