Das Grau des lausigen Februars hatte jetzt endlich Anfang März aufgegeben. Das Grau war nicht mit einem Knall verschwunden, nein, einfach in sich zusammengesunken, als hätte jemand den Kontrast aus der Welt gedreht.
Hanne war mit ihrem Mann unterwegs gewesen, stand am Ufer eines Sees und betrachtete das Szenario, das man hier sieh:
Die Welt war in Pastelltöne getaucht, als hätte der Himmel beschlossen, nur noch mit Ölkreide zu zeichnen.
Die ganz sanften weißen Wolken schmiegten sich an ein Meer, wie ein Kontrast zur Wasserfläche. Es war die Art von Farbe, die nicht schreit, sondern
flüstert.
Mit den Farben kam die Stille. Es war keine drückende Taubheit, sondern eine weiche, wattierte Ruhe. Der Lärm der Stadt, das Rauschen der Fahrzeuge, das ferne Hupen, das ständige Summen der Wärmepumpenanlagen war weggeatmet worden. Sogar Hannes eigenen Gedanken fühlten sich weniger kantig an.
Sie ging einen Schritt näher zum Ufer. Der Waldboden unter ihren Füßen schien die Schritte zu verschlucken. Vor ihr erstreckte sich die endlose Weite, genau wie auf dem Bild, wo die Grenze zwischen Wasser und Himmel nur duch die Gräser, Sträucher und Bäumen am anderen Ufer unterbrochen war. Alles
war im Fluss, ohne sich zu bewegen.
„Stille“, murmelte Hanne, und das Wort löste sich in der frühlingshaften Luft auf wie Zucker in warmem Tee. „Jetzt also auch in Ölpastel.“
Es war, als hätte man den Pausenknopf gedrückt und dabei den Filter „Sanftmut“ über die Realität gelegt. In dieser neuen Welt gab es keine harten Kanten mehr, an denen man sich stoßen konnte. Nur noch das Licht,das leise vor sich hin glimmte.