Es gab keine Staus mehr in der Stadt, auf keinen Fall angelieferte kalte Pizzen und niemand trug mehr Socken mit Löchern. Alles funktionierte reibungslos. Denn, wenn man einen Knopf drückte, passierte genau das, was man wollte. Der Wecker klingelte niemals zu laut, das Wetter war stets angenehm warm und die Sonne schien. Die Roboter räumten die Kinderzimmer so perfekt auf, dass man nicht einmal mehr wusste, das ein Chaos dort geherrscht hatte.
Leon saß auf einer Bank im perfekt angelegten Park. Er hatte gerade den Eis-Knopf auf seinem Smartphone gedrückt, und sofort erschien ein Vanilleeis mit
genau sieben bunten Streuseln. Er biss hinein. Es schmeckte genau wie gestern und vorgestern.
„Echt praktisch, oder?“, fragte ein kleines Mädchen namens Milly, das neben ihm saß. Sie hielt ein digitales Malbuch in ihren Händen, das Linien automatisch korrigierte.
„Total“, sagte Leon. „Nichts geht schief.“
„Ja“, seufzte Milly. „Nichts geht schief. Aber... irgendwie passiert auch nichts Neues.“
In diesem Moment passierte das Unmögliche. Ein kleiner, struppiger Hund rannte über den Rasen. Er gehörte keinem Roboterprogramm an. Er
stolperte über seine eigenen Pfoten, bellte lautstark einen bunten Schmetterling an und verfehlte ihn haushoch, als er versuchte den Schmetterling zu schnappen. Dann sah der kleine struppige Hund ein Kind mit einem Ball, rannte hin und statt den Ball zu fangen, plumpste er vor lauter Übermut in den Teich.
Platsch!
Leon und Milly sprangen auf. Das war nicht geplant und niemand katte einen Knopf gedrückt. Der Hund paddelte wild und kam langsam ans Ufer, schüttelte sich dort trocken und bespritzte dabei die Kinder mit Tausenden glitzernden
Wassertropfen.
Leon musste lachen. Es war ein echtes, lautes Lachen, das seinen ganzen Bauch wackeln ließ. Er war nun nass, sein Eis war geschmolzen, und sein T-Shirt hatte etliche Wasserflecke.
„Guck mal“, sagte Milly und zeigte auf ihr Malbuch, das sie vor Schreck fallen gelassen hatte. Ihr Malbuch war im Matsch gelandet. „Das sieht jetzt aus wie... wie ein richtiges Abenteuerbild!“, meinte Leon.
Die beiden bemerkten, wenn alles perfekt funktioniert, bleibt die Ordnung. Aber wenn etwas mal nicht funktioniert, wenn
wie eben der kleine struppige Hund ins Wasser fällt oder das Eis einfach schmilzt, dann bleibt das Lachen, die Überraschung und das Gefühl, dass man gerade wirklich lebt.
„Was bleibt also, wenn alles funktioniert?“, fragte Leon, während er dem Hund den Ball zuwarf, natürlich absichtlich ein bisschen zu weit nach links. Der Hund sprang hinterher und landete in einer Pfütze.
Milly grinste und wischte sich noch einen Wassertropfen von der Nase. „Die Langeweile. Aber zum Glück gibt es ja noch Pfützen.“