Die unheimliche Vernissage - im Keller
Eine ausgedachte Geschichte
von Eichenlaub
Foto kosenlos von Pixabay
Es ist ein kalter Tag.
Am Kellerfenster steht ein Mann in schwarzem Kittel mit zusammengezogenen Augenbrauen und schaut in den Himmel.
Die vorbeiziehenden grauen Wolken schenken dem Künstler wenig Licht für seine Bilder, doch er liebt die Dunkelheit und scheut das Tageslicht.
Schon seit Jahren fällt der Putz von den Kellerwänden und eine dicke Staubschicht bedeckt den Kot von Mäusen und Ratten. Daher wirkt so ein Geruch nicht sehr einladend, denn eines Tages möchte er im Keller eine Vernissage präsentieren. Doch das bedarf noch viel Zeit und Vorbereitung.
In einer Ecke stehen leicht abgedeckte Malutensilien. Sie warten darauf endlich benutzt zu werden. Doch vorher bittet er seiner flüchtigen Geliebten ihm bei der Kellersäuberung behilflich zu sein.
Diese schüttelt den Kopf und tippt mit ihrem Zeigefinger auf seine Stirn, um ihn somit zu signalisieren, dass er einen "Vogel" hätte.
So schnell, wie sie sich ihm an den Hals warf, war sie plötzlich verschwunden.
Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst Hand anzulegen. Und so beginnt er behutsam mit dem Besen die von Spinnenweben eingehüllte Decke zu säubern und danach vorsichtig die Wände vom lockeren Putz zu befreien. Es staubt.
Der Künstler wischt sich den Schweiß von der
Stirn, denn seit Tagen ist er mit der Kellersäuberung beschäftigt, doch es sieht alles noch unverändert aus.
Zwei Fenster sind weit geöffnet und sorgen für die nötige Frischluft. Er schafft es nicht alleine, denn ein Künstler besitzt andere Qualitäten, denkt er und überlegt verzweifelt, wen er zum Säubern des Kellers fragen könnte.
Wie ein Blitz fällt ihm das freche, dreiste junge Mädchen in der Nachbarschaft ein.
Entschlossen setzt er sich beim Hinausgehen die Sonnenbrille auf und klingelt bei Kellermanns. Die Siebzehnjährige würde sich gern einige Taler dazuverdienen, ist sich aber noch unschlüssig.
Als sie den Keller betritt, fällt sie fast vor
Schreck um und ihre Gedanken schwanken nun hin und her.
"Soll ich oder soll ich nicht?"
Da sie aus einer kinderreichen Familie stammt, sagt sie ihm, allerdings mit mulmigem Bauchgefühl, zu.
Der Wischeimer steht bereit und langsam versucht sie aus diesem "dunklen Dreckloch," wie sie es bezeichnet, etwas Grund und Sauberkeit vorzeigen zu können.
Beim Fußbodenwischen verschmiert sich der alte Dreck von einen zur anderen Seite. Sie bekommt ihn einfach nicht sauber und ärgert sich darüber dermaßen, so dass sie den Wassereimer umwirft. Langsam läuft das Naß durch alle Ritzen über den Fußboden.
Wütend stampft das temperamentvolle
Mädchen hinein, so dass es spritzt und wirft den Wischmopp endgültig in die Ecke.
Sie läuft nachhause und lässt den Künstler
mit der Kellersäuberung allein.
Nachdem der Fußboden gut abgetrocknet ist, misst er ihn gewissenhaft aus und reinigt mit
einem feuchten Tuch die ganze Decke.
Da er sich nun einmal eine Ausstellung in seinem Keller vorgenommen hat, setzt er sich schnell entschlossen in sein Auto und fährt zum Baumarkt. - Endlich ist es soweit. Der Fußboden ist nun perfekt mit abwaschbarer Auslegeware belegt, egal, wie es dadrunter aussieht. Und somit ist der Keller für eine Ausstellung mit Besuchern, seiner Meinung nach, vorbereitet.
Die Staffelei mit der Leinwand steht in einer Ecke und wartet auf ihr Kunstwerk. Ein kleiner Scheinwerfer, der bereits auf die weiße Malfläche gerichtet ist, sorgt dort für genügend Helligkeit. So langsam entsteht ein neues Bild, ein Porträt mit grünem Gesicht, ganz nach seiner spirituellen Art und Stimmung.
Das Plakat für die Vernissage ist nun bereits gestaltet worden und steht einladend vor seinem Haus.
WILLKOMMEN zur Vernissage im Keller !
Und tatsächlich finden sich an dem Tage einige Besucher, im Keller des Künstlers, ein. Das Deckenlicht ist bereits eingschaltet die Fenster sind vorher gesäubert worden und lassen nun bessere Lichtblicke zu.
Fast erstarrt stehen die Gäste vor einem Bild und sind sprachlos, finden es zwar schaurig schön gemalt, aber auch irgendwie passend für diese unheimliche und weniger einladende Räumlichkeit. Die kleineren Bilder an den Wänden scheinen mit einer tiefen, dunklen Stimmung gemalt worden zu sein.
Im selben Augenblick huscht eine Fledermaus durch das offene Fenster hinaus und in einer Ecke raschelt es von etwas Unsichtbarem.
Eine Besucherin schreit kurz vor Schreck auf.
Die Gäste sind enttäuscht davongelaufen.
Selterswasser und andere Säfte warten darauf getrunken zu weden. Aber es kommen am Tage der Eröffnung keine weiteren Gäste mehr. Enttäuscht blickt der Künstler zu seinen Bildern.
Trotzdem wartet der "Kellerkünstler" weiterhin und hofft am nächsten Tag doch noch auf interessierte Besucher, die seine Kunstwerke schätzen werden.
Er kreiert bereits ein neues Bild bei Kellerlicht...
"Mädchen wischt" "Bilderwand" "alter Mann" von Pixabay - "Gesicht" und "schwarz-weiß-Bilder" kostenlose Cliparts von Freepik
"Maler an Staffelei" Dreamstime.com