Titel
Barrierefrei – mehr als Rampen
Als Streetworkerin sehe ich jeden Tag, wie Menschen Hürden überwinden, die kaum jemand wahrnimmt. Vor einer kleinen Treppe bleibt eine junge Mutter mit ihrem Kinderwagen stehen. Nur drei Stufen – und doch scheint es unmöglich. Passanten gehen vorbei, manche sehen hin, manche weg. Schließlich hebt ein Fremder wortlos den Wagen hoch. Ein kurzer Blick, ein leises „Danke“. Dann geht jeder weiter.
Solche Momente zeigen mir: Barrieren
sind nicht immer aus Beton. Manche bestehen aus Formularen, aus Blicken, aus fehlender Zeit. Ich treffe junge Mütter ohne Unterstützung, ältere Menschen, die trotz jahrzehntelanger Arbeit kaum über die Runden kommen, und Menschen ohne Dach über dem Kopf. Sie alle zeigen mir, was es wirklich heißt, Barrieren zu überwinden.
Barrierefreiheit bedeutet mehr als nur Rampen oder Aufzüge. Sie heißt, dass alle Menschen – egal ob mit Einschränkungen, Kinder, ältere Menschen oder Menschen in schwierigen Lebenslagen – selbstbestimmt am Leben teilnehmen
können.
Barrierefreiheit beginnt im Kopf. Sie zeigt sich im Hinschauen, Zuhören, Mitdenken – und ist kein Extra, sondern gelebte Würde.
Denn eine Gesellschaft zeigt sich nicht daran, wie stark die Stärksten sind, sondern daran, wie selbstverständlich sie alle mitnimmt.