Kurzgeschichte
Winter in Winterburg - Begegnung im Wohnwagen

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"Winter in Winterburg - Begegnung im Wohnwagen"
Veröffentlicht am 08. Februar 2026, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. ;)) Schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleine Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?
Winter in Winterburg - Begegnung im Wohnwagen

Winter in Winterburg - Begegnung im Wohnwagen



Bild vom Künstler, Roenthalenberg







„Durch viele Augen“ Das Bild, das ihr hier seht, zeigt Augen – jedes einzelne steht für einen Blickwinkel, eine Geschichte, die gehört werden will. Manche sehen nur die Kälte, andere die kleinen Gesten, die Hoffnung schenken.







Wie in meiner Arbeit als Streetworkerin begegne ich Menschen, die oft übersehen

werden. Diese Geschichten sind ein Versuch, genau hinzuschauen – nicht nur auf das, was hart und schmerzhaft ist, sondern auch auf die kleinen Momente von Wärme, Nähe und Vertrauen.


Der Wohnwagen Winter in Winterburg ist hart, besonders für Menschen ohne festes Dach über dem Kopf. Ich arbeite als Streetworkerin und begleite diejenigen, deren Alltag für die meisten unsichtbar bleibt. Heute führt mich mein Weg zu einem alten Wohnwagen, hinter ein paar verlassenen

Containern versteckt – hier lebt eine Mutter mit ihrem Kind. „Guten Morgen“, sage ich leise. Die Frau schaut müde, aber freundlich auf mich. „Sam… schön, dass du vorbeischaust.“ Ihr Kind sitzt auf dem Boden, spielt leise mit einem kleinen Auto, unbeeindruckt von der Kälte draußen. Fast. Dann schmiegt es sich plötzlich an das Bein der Mutter, fast wie eine kleine Katze, die sich um die Beine ihrer vertrauten Person schlängelt. „Wie kommt ihr durch den Winter?“ frage

ich. Sie seufzt. „Mit kleinen Tricks. Wir heizen, so gut es geht, stapeln Decken, sammeln Holz. Die Schule gibt ihr wenigstens Struktur, jeden Tag ein bisschen Normalität.“ Ich hole aus meinem Rucksack eine warme Suppe, ein paar belegte Brote und ein Paar Decken und reiche sie ihr. Sie lächelt dankbar, während das Kind noch immer eng an ihr Bein geschmiegt bleibt. Die kleine Bank mit den Decken wird zu einem provisorischen Platz voller Wärme und kurzer Geborgenheit. Sie zeigt mir, wie sie den Wohnwagen

winterfest gemacht hat: Türen abgedichtet, alte Planen über die Fenster, kleine Holzscheite im improvisierten Ofen. Das Kind lacht, seine kleinen Hände rot von der Kälte, und das Lächeln leuchtet wie ein Sonnenstrahl in der grauen Winterlandschaft. „Was möchtest du mal werden?“ frage ich das Kind. Es schaut kurz auf, die Augen glänzen, und dann ruft es lachend: „Lehrerin! Dann helfe ich allen Kindern!“ Die Mutter lächelt stolz, streicht sanft über das Haar ihres Kindes. „Sie hat einen Traum, und das hält uns beide am Leben“, sagt sie

leise. Draußen wirbelt der Schnee über die Straßen von Winterburg, kalt und unbarmherzig. Doch in dieser kleinen Ecke, mit einem warmen Tee, etwas zu essen und einem kurzen Gespräch, gibt es einen Funken Wärme. Einen Moment, der zeigt, dass jemand da ist, der zuhört, versteht und hilft. Bevor ich gehe, packe ich ein paar zusätzliche Decken aus meinen Rucksack und reiche sie ihr. „Für die Nacht“, sage ich. „Danke, Sam“, flüstert sie, ihre Augen glänzen. Das Kind klammert sich noch

einmal kurz an ihr Bein, dann winkt es mir zu, und ich winke zurück. Es ist nur ein kleiner Trost, doch manchmal sind es diese Gesten, die den Winter erträglicher machen. © 2026 Pamola Grey – Alle Rechte vorbehalten Dieses Werk oder Teile daraus dürfen ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin nicht vervielfältigt oder weiterverwendet werden. Hinweis zu

Illustrationen: Das auf den Illustrationen gezeigte Bild „Durch viele Augen“ stammt von der Autorin Pamola Grey und darf ohne ihre Genehmigung nicht genutzt werden. Danksagung: Mein Dank gilt all den Menschen, die ich auf der Straße begleiten durfte und die mir ihre Geschichten anvertraut haben. Jede Begegnung, jedes Lächeln, jede kleine Geste hat diese Geschichte inspiriert.

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Über den Autor

PamolaGrey
Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. ;)) Schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleine Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?

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Flocke 
Liebe Pam,
da ist so viel Wärme und Zuwendung in deiner Geschichte,
die mich tief berührt.
Viele Lächeln sind durch deine Worte bei mir angekommen
und ich lege schon jetzt einige Decken für den nächsten Winter bereit.
Ganz liebe Grüße
Kathi
Heute - Antworten
sorrynocoffee 
Hallo Pam,

mit deinen "Augen" und deiner Geschichte hast du diesen Menschen ein Gesicht gegeben. Es zeigt, wie wertvoll und unbezahlbar deine Arbeit ist, wie wichtig kleine Gesten und wie unwichtig die allermeisten Alltagssorgen sind.

Grüßle,
sonoco
Gestern - Antworten
PamolaGrey Hallo Sonoco
vielen Dank für deine lieben Worte! Es berührt mich sehr zu hören, dass meine Geschichte so bei dir angekommen ist. Genau das hoffe ich – dass kleine Gesten und besondere Momente uns bewusst machen, was wirklich zählt. Es ist schön zu wissen, dass die „Augen“ und Gedanken der Figuren jemanden erreichen. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mir das zu schreiben!

Herzlich,
Pam
Gestern - Antworten
Brubeckfan Liebe Pam,
großen Respekt für Deine Arbeit. Und Danke für die kleine Episode.
Viele Grüße,
Gerd
Vorgestern - Antworten
PamolaGrey Lieber Gerd,
vielen Dank für deine Worte! Es freut mich sehr, dass die kleine Episode bei dir angekommen ist. Danke auch für deinen Respekt – das bedeutet mir viel.

Herzliche Grüße,
Pam
Gestern - Antworten
FranckSezelli Liebe Pam,
eine berührende Geschichte, die mit viel Wärme geschrieben hast. Solche Situationen, wie du sie hier eindringlich schilderst, kennen die miesten von und (zum Glück!) nicht und kommen mit ihnen auch nicht in Berührung. Das ist bei einer Streetworkerin anders.
Danke für diese Geschichte! Ich möchte hier auch ein Lob für dein Bild dalassen.
Liebe Grüße
Franck
Vorgestern - Antworten
PamolaGrey Lieber Franck,
danke dir von Herzen für dein Lob. Schön, dass Geschichte und Bild bei dir wirken und die Menschen dahinter spürbar werden.
Liebe Grüße, Pam
Vorgestern - Antworten
Eichenlaub Liebe Pam,
diese Geschichte geht zu Herzen und berührt die Seele.
Du beschreibst genau das, was es leider immer öfter in dem "reichen Deutschland" in Großstädten zu sehen gibt. Das dürfte eigentlich nicht geben, aber die Not wird leider bei immer mehr Menchen zunehmen. Und man möchte auch helfen.
Plötzlich werden die "Tafeln" geschlossen, obwohl immer mehr Menschen diese benötigen.
Wenn im Fernsehen der "Kältebus" gezeigt wird, schaue ich hin und schalte nicht einfach weg, um mir etwas "Besseres" anzuschauen. Denn das berührt mich auch und etwas Ärger steigt dabei in mir hoch, weshalb es auch immer mehr Wohnungssuchende gibt, obwohl seit Jahren schon gesprochen wid, dass die Mieten nicht zu hoch gehen dürfen.
Danke für Deine kleine Geschichte mit dem Bild, bzw. Cover.
Lieben Gruß
Gerlinde

Vorgestern - Antworten
PamolaGrey Liebe Gerlinde,
vielen Dank für deine so einfühlsamen und nachdenklichen Worte. Es berührt mich sehr, dass die Geschichte und das Cover bei dir nachklingen und dich auf diese Weise beschäftigen. Genau das war mein Anliegen – den Menschen, die oft übersehen werden, ein Gesicht zu geben und hinzusehen, statt wegzuschauen.
Herzliche Grüße
Pam
Vorgestern - Antworten
Traudel 
Die Augen sind der rote Faden dieser sehr bewegend geschriebenen Geschichte. Sam ist ein Bündel wärmender Holzscheite, das noch lange im Wohnwagen glimmen wird, weil es bis tief ins Herz wärmt.
Danke fürs Augen öffnen.

LG Traudel
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