Gerade lese ich genüsslich meine Hauspostille "Blaues Blut" (Ausgabe vom 1. Januar 1789) Schlagzeile: "Paris. Revolution wirft ihre Schatten voraus". Da erschrickt mein altes Soldatenherz.
Sofort beschließe ich, in der Küche meinem Gesinde auf's Maul zu schauen. Dort hat die liebliche Köchin Anna mit den kornblumenblauen Augen, dem weißen Schürzchen und dem süßen schwingenden Po das Regiment. Als sie meiner ansichtig wird, stimmt sie das Lied an: " Er sagt, er wär von Adel, was sagst du denn dazu, er sagt er wär von Adel nanu, nanu, nanu." Ich will das gar nicht weiter hören, klemme mein Monokel ins Auge, werfe meine berüchtigte Steilfalte auf die Denkerstirne und schnarre sie ob dieses umstürzlerischen Liedes an. Sofort stehen Anna die Tränen in den kornblumenblauen Augen, sie macht einen Knicks und wischt sich die Zähren mit dem Schürzchen so herzergreifend ab: "Ergebenst, gnädiger Herr, keine umstürzlerischen Lieder mehr", haucht sie. Ich habe
einen imposanten Abgang. Kaum stehe ich vor der Türe, intoniert sie: "Adelbert, schenk mir einen Gartenzwerg". Woher weiß das Aas, dass ich Adelbert heiße, denke ich und stürze verzweifelt in meinen Park, wo die schönen antiken Statuen stehen. Da spricht mich der Göttervater Zeus tröstend an: "Einfältiger Baron, wußtest du denn nicht, dass dein neuer Page auch Adelbert heißt? Anna ist in diesen verliebt, weit entfernt davon, revolutionäre Gedanken zu hegen. Das Problem des Aufruhrs im eigenen Hause ist nicht existent, sagt mein Über-Ich, aber mein eifersüchtiges Es fragt mich: "Ist es nicht doch Revolution, wenn der Page den Herrn aussticht?"