Kurzgeschichte
festhalten wollte ich dich

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"festhalten wollte ich dich"
Veröffentlicht am 11. Mai 2022, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Lebe meine Träume, pflege meine Laster, denke positiv. Bin wie ich bin und manchmal anders
festhalten wollte ich dich

festhalten wollte ich dich

Am Himmel leuchtete bunt der Regenbogen, beim Untergang der letzten Sonnenstrahlen.

Tropfen fielen vom Dach, Kerzen flackerten im Wind.

Wir waren jung, schauten uns in die Augen, deine Hände berührten mich.

Verlegenheit, du sprachst von der anderen. Die Worte taten weh, obwohl ich davon wusste.

Schweigen und Traurigkeit. Deine Umarmung und dein letzter Kuss

waren wie zwei Tränen auf dem Gesicht der Sonne, doch die Stille der Nacht deckte mit ihrem dunklen Mantel die Geheimnisse des Tages zu.

Festhalten wollte ich dich, mit dem Körper umschlingen, dir nah sein.

Doch du warst auf der Durchreise, auf der Suche nach dem Glück, nach der Liebe, nach dem Leben.

Wollte sterben. Versteckte meinen Schmerz lügenlächelnd im Alltäglichem.

„Die Zeit heilt alle Wunden, Erinnerungen verblassen“,

dachte ich.


Wir trafen uns zufällig, nach so vielen Jahren.



Standen auf dem Bahnsteig 4 nebeneinander und warteten auf die Ankunft des Zuges, der sich um 30 Minuten verspätete.

Du lachtest mich an. Ich erkannte dich, meine große Liebe, sofort. Gut sahst du aus. Kleine Fältchen um Augen und Mund hatten dich in den letzten zwanzig Jahren noch attraktiver gemacht. Männlicher, fand ich.

 

Kurz bevor der Zug ankam, strichst du mir, wie früher die Haare, aus der Stirn und sagtest zärtlich: „Hey, Teufelchen“, nahmst meine kalten Hände, stecktest sie unter deine Jacke und berührtest dein Herz.


Beim Verlassen des Bahnhofs, du mit deiner Frau (nicht die von damals), ich zitternd am Arm meines Mannes, blinzelten wir uns nochmals zu und hoben die Hand zum Gruß.


Manchmal, wenn wir uns begegnen, zufällig oder gewollt, lächeln wir uns an, brauchen keine Worte. Die Erinnerungen kommen von selbst, spielen dann, einen zauberhaften Herzschlag lang, mit dem Feuer denn manchmal...........

(C) Martina Wiemers

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Kornblume
Lebe meine Träume,
pflege meine Laster,
denke positiv.

Bin wie ich bin
und manchmal anders


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Enya2853 Liebe Kornblume,
eine Geschichte, die mich sehr berührt hat.
Der romantische Beginn, dann die Ernüchterung, die du aber in fast poetische Worte gekleidet hast, sodass die Traurigkeit spürbar wird.
Diese zufällige Begegnung - und alles ist wieder da. keine Fremdheit, eher Vertrautes und doch das Wissen, dass solche Begegnungen nur flüchtig und im Vorbeigehen sind.
Dennoch bleibt etwas, das nicht auszulöschen ist, manifestiert sich in diesen lebendigen Erinnerungen.
Toller Text, chapeau.
Liebe Grüße
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Es bleibt immer etwas was man nicht auslöschen kann. Manchmal wünscht man sich das Vergangenes noch mal Wirklichkeit wird.
Danke liebe Enya,sagt die Kornblume
Vor langer Zeit - Antworten
Enya2853 Ja, liebe Kornblume, dieses "Einmal noch ..." Es lässt sich leider vergangenes nicht wiederholen, vermutlich wäre es dann auch nicht dasselbe Erleben.
Lieben Gruß
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Man kann mitfühlen und das ist doch das, was Schriftsteller erreichen wollen. Also, prima!
Herzlich Günter
Vor langer Zeit - Antworten
Kornblume Dein Mitfühlen freut mich sehr.
Danke lieber Günther sagt die Kornblume
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Eine Erinnerung wit wundervollen Worten!!
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
JurekP Mag ich, schön gefasst.
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Das hat was, liebe Kornblume, mir gefällt's sehr.
Lieben Gruß
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
PuckPucks Hach, Herzschnerz, liebe Kornblume. Bahnhöfe sind noch interessante Begegnungsstätten ;o)
Liebe Grüße
Judith
Vor langer Zeit - Antworten
Enya2853 Was für eine Erinnerung, liebe Kornblume.
Herzlichen Dank für diesen Beitrag.
Später mehr dazu.

Wenn du dein Okay gibst, verlinke ich das Buch im Forum.
Liebe Grüße
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
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