Sonstiges
Ein Satan von Hund

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"Ein Satan von Hund"
Veröffentlicht am 03. August 2021, 6 Seiten
Kategorie Sonstiges
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http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Geboren und aufgewachsen in Süddeutschland. Lange in Berlin und Hamburg gelebt, später in der Lüneburger Heide. Neuerdings wieder in Berlin. Autor von bisher drei Romanen, von Erzählungen und von Kurzprosa. Eine Buchveröffentlichung: Alle Männer sind Brüder, Roman (BoD Norderstedt 2007). Weitere Werke als eBooks unter www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!
Ein Satan von Hund

Ein Satan von Hund

ein satan von hund

Wie sie ihn riefen, weiß ich nicht mehr. Mir wäre Satan eingefallen. Sie – das war ein älteres Ehepaar, unsere nächsten Nachbarn. Auch sie wohnten in einem alleinstehenden Haus über dem Fluss. Unseres stand in einem Wäldchen noch weiter oben, ihres in Wiesen auf halber Höhe, fünfhundert Meter von uns. Ich war zwölf oder dreizehn, glaube ich. Alle vierzehn Tage schickte meine Mutter mich mit frischen Hühnereiern hinunter. Im Austausch brachte ich einige Flaschen Sprudel und Limonade mit, sie hatten einen Getränkeverkauf. In

größeren Abständen legte ich ihnen auch das „Wasserbuch“ zur Abrechnung vor. Ihre Leitung zweigte von unserer ab und die Wasserwerke kassierten nur bei uns. Am Schluss der jeweiligen Verrechnung fiel immer ein kleines Trinkgeld für mich ab. Die paar Groschen waren mein Lohn der Angst. Die Mutprobe begann, wenn ich die Pforte im Maschendrahtzaun öffnete. Ich durchquerte ihren Garten rasch und so leise wie möglich. Klingelte an der Tür. In diesem Moment entschied sich, ob ich aufatmen konnte. Das war der Fall, wenn Satan im Keller zu bellen und zu toben begann. Blieb es dagegen still,

war ich in großer Gefahr und stellte mich sogleich auf den folgenden Kampf ein. Satan war ein schwarzer Schäferhund, groß, schlank und von gestrecktem Wuchs, dabei sehr beweglich. Er war von äußerster Tücke. Lief er frei herum und kam einer in seine Nähe, begann er sofort, ihn anzufallen. Dabei bellte er nie. Er sprang sein Objekt lautlos an und zwar immer von hinten, nie von vorn. Dem Opfer blieb nichts übrig, als sich wie ein Brummkreisel zu drehen, den Hund nicht aus den Augen zu lassen und ihn möglichst einzuschüchtern. Und zu hoffen, dass Hilfe

kam. Gewöhnlich rechnete man mit mir und der Hund war im Keller. Doch zwei- oder dreimal im Jahr lief er frei herum und sprang auf mein Klingeln um eine Hausecke auf mich zu – und dann begann unser Tänzchen im Windfang. Es ist immer gut gegangen. Die Frau des Hauses öffnete nach zwanzig, dreißig Sekunden, packte Satan und brachte ihn weg. Nicht auszudenken, die Haustür wäre einmal verschlossen geblieben. Ein paar Mal kam es sogar vor, dass Satan mir auf unserem Privatweg ins Dorf auflauerte. Da war ich ihm eher

gewachsen, konnte ihm leichter ausweichen. Er versuchte unablässig, mich von hinten anzuspringen. Ich drehte mich im Weitergehen immer wieder rasch um, ich drohte ihm rückwärts gehend mit einem Stock oder Schirm. So zog ich ihn bis zu den ersten Häusern hinter mir her. Hier endete sein Revier, daher trollte er sich und lief nach Hause.

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Hörbuch

Über den Autor

Abendschoen
Geboren und aufgewachsen in Süddeutschland. Lange in Berlin und Hamburg gelebt, später in der Lüneburger Heide. Neuerdings wieder in Berlin. Autor von bisher drei Romanen, von Erzählungen und von Kurzprosa. Eine Buchveröffentlichung: Alle Männer sind Brüder, Roman (BoD Norderstedt 2007). Weitere Werke als eBooks unter www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!

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AngiePfeiffer Diese Geschichte habe ich mit viel Vergnügen gelesen, denn - mein Satan hieß Struppi und war der Schäferhund meines Onkels. Für mich damals ein wahres Monster ...
Deine Geschichte gefällt mir richtig gut.
LG
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Danke, AngiePfeiffer, für die freundliche Reaktion. Ja, unter jenen Hunden, die durch besondere Aggressivität auffallen, sind Schäferhunde überproportional vertreten. In meinem Elternhaus (Bauernhof) gab es natürlich auch immer mindestens einen Hund und einige von ihnen waren Schäferhunde.

LG Arno Abendschön
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Alles komisch,. Drei Antworten auf Kommentare von verschiedenen 'Avataren' - dreimal ein 'e', mit dem ich nix anfangen kann.
Aber gut - der liebe Gott hat nen großen Tiergarten ... danke für das merkwürdige 'e'
Vergangenes Jahr - Antworten
Abendschoen Bei mir war noch viel mehr davon, AngiePfeiffer. Ich habe inzwischen hoffentlich alles gelöscht.

LG
Arno Abendschön
Vergangenes Jahr - Antworten
FLEURdelaCOEUR Mir gefällt deine Geschichte so, wie sie ist. Auch an deinem Schreibstil finde ich nichts auszusetzen.

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Danke, FLEURdelaCOEUR.

LG Arno Abendschön
Vor langer Zeit - Antworten
Lagadere 


Hallo!
Ich weiß nicht so recht.
Am Anfang steht z.B. Satan im Raum und wird erst 2 Seiten später "abgeräumt", und als "Ganzes" finde ich die Geschichte nicht "rund".
(Zeitungsartikel sind übrigens eine prima Übung, was das "Wer? Wann? Wie? Wo? Warum?" einer Geschichte betrifft).
(Außerdem sind TV-Zeitschriften gut geeignet, um Inhaltsangaben zu üben!. Aber das nur am Rande).
Eine in sich geschlossene, unterhaltsame (lustige, spannende oder informative) Geschichte, die flüssig, lebhaft, bildhaft, ggf. humorvoll, ggf. mit Botschaft, erzählt wird, sehe ich hier nicht.

Vielleicht wird es an einem Beispiel deutlich.
Ich habe mir ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht und (in 23 Minuten) etwas getippt, wie ICH mir eine solche Geschichte vorstelle.
Und dabei ist es völlig "schnurz", wie und was ich selber schreibe, oder ob und welche Fehler ich mache - in erster Linie bin ich seit über 50 Jahren LESER.
Außerdem bin ich nur Hobby-Autor und es ist ja auch nur die Meinung eines einzelnen Schreibers, okay?


Heute, da ich in einer Großstadt lebe und mir der Lärm und die hektische Betriebsamkeit mehr und mehr zusetzen, ertappe ich mich immer öfter dabei, dass meine Gedanken abschweifen und ich wehmütig an meine Kindheit zurückdenke.
Ach, wie herrlich ruhig und beschaulich ging es damals noch zu! Und wie sehr liebte ich die saftigen, grünen Hügel, die sich sanft von unserem kleinen Haus im Wald hin zu dem schmucken Dorf zogen, das sich behaglich an den Fuß eines Berges schmiegte, der sich für uns Kinder bis in die Wolken zu strecken schien!

Da ich ein fröhlicher und folgsamer Knabe war, genoss ich meine unbeschwerte Kindheit in vollen Zügen, und wenn sich nicht ab und an ein Schatten auf meine kleine Welt gelegt hätte, wäre ich sicher das glücklichste Kind weit und breit gewesen!
Dieser Schatten bestand aus dunklen Wolken der Angst, die so oft mein sonniges Gemüt verdunkelten, und zwar immer dann, wenn ich unsere Nachbarn aufsuchen musste, die in einiger Entfernung von uns wohnten und sich mit uns einen Wasseranschluss teilten.
Und ich armer Tropf war von einem Gericht, das jenseits meines Verständnisses beheimatet gewesen sein musste, dazu verurteilt worden, dort Wassergeld zu kassieren. Nicht, dass die Nachbarn keine freundlichen, ehrbaren Leute gewesen wären! Furchterregend war allein das schwarze Biest von Schäferhund, das, sofern es dazu die Möglichkeit bekam und nicht im Haus eingesperrt war, vehement sein Revier verteidigte!
[...)

Heute, da die vergangene Zeit meinen Blick auf die Ereignisse von damals mildert, muss ich bei dem Gedanken an diese Bestie, die nur aus Muskeln und scharfen Zähnen zu bestehen schien, lächeln. Im Berufsleben sind mir oft schlimmere Untiere auf zwei Beinen begegnet, die mehr getan haben, als nur einem uralten Instinkt zu folgen und ihr Revier zu verteidigen.
So gesehen war Satan, wie ich den Schäferhund damals nannte, weil ich seinen Namen nicht wusste, nur jemand, der mich auf das Leben da draußen, jenseits unseres kleinen Paradieses, vorbereitet hat.
Und so kann ich ihm heute verzeihen, dass er mich regelmäßig in Angst und Schrecken versetzt hat. Nicht zuletzt war es ja auch ganz schön mutig von mir, trotz meiner Furcht das Grundstück zu betreten!
Und das ist - auch heute noch - ein verdammt gutes Gefühl!



LG
Uli


Vor langer Zeit - Antworten
Abendschoen Lieber Uli,

danke für deine Mühe. Mein Text will lediglich auf knappe Weise reale Erinnerungen wiedergeben. Der Stil dabei entspricht meinem Wesen und Charakter - unvermeidlich, dass der Text dann nicht jedermann zusagt. So wie du den Stoff verarbeitest, würde ich weder schreiben können noch wollen. Insbesondere gilt das für deine Art, Hintergründe und Substanz ausführlich auszuleuchten und dem Leser darzulegen. Das ist das Gegenteil von dem, was mir gewöhnlich vorschwebt.

Trotzdem freundliche Grüße
Arno Abendschön
Vor langer Zeit - Antworten
Lagadere  :-)
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