Humor & Satire
Totgerollert

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"Auf dem Roller zu dritt, dann sind wir erst richtig fit..."
Veröffentlicht am 05. Mai 2019, 18 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Auf dem Roller zu dritt, dann sind wir erst richtig fit...

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Bleistift







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Satire?

Totgerollert

Ein Gespenst geht um in Deutschland, wie anderswo auch, das Gespenst vom immerwährenden Geschwindigkeitswahn… Der einzig erlaubte Rausch in Deutschland, ist der Alkohol-Rausch und wohin das gelegentlich führt, das kann man am besten beim eigentlich verbotenen Koma-Saufen der Jugendlichen erkennen, die bei bestimmten Events dann zu Hauf die zentralen Notfall-Rettungsstellen mit ihrer zumeist unansprechbaren Anwesenheit beglücken, denen es in aller Regel nach ein paar Nothilfeeingriffen und diversen Ausnüchterungsstunden gelingt, unsere

kampftrinkenen Protagonisten wieder ins richtige Leben zurückzurufen. Die Herrschaften aus Bayern werden es gewiss von den Wiesn her kennen, die Großstädter von diversen Abi-Abschluss-Feiern und bei einigen Musik-Events sind solche Art Vorkommnisse natürlich auch keine Seltenheit mehr. Wacken zum Beispiel lässt da ganz herzlich grüßen. Und ob mittlerweile Fußballspiele wo auch immer gewonnen, oder verloren werden, ist inzwischen auch völlig egal, Hauptsache es findet sich ein triftiger Grund zum Saufen und das soll dann möglichst auch in einem grandiosen Gemeinschaftserlebnis enden, welches sich zutreffenderweise Vollrausch nennt. Denn ansonsten würde das Ganze ja auch keinen

Sinn und schon gar keinen Spaß machen, denn da kann man es selbst als Dummling schon mal richtig krachen lassen. Da wird das Männchen plötzlich zum Manne und Frau darf natürlich auch nicht zurückstecken und so man gönnt sich schon mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle, denn schließlich ist das Leben im Allgemeinen, ohnehin nur noch im Suff zu ertragen. Soweit so schlecht, denn ist es zwar laut Jugendschutzgesetz strikt untersagt, an Jugendliche unter 18 Jahren Alkohol auszuschenken, aber so what, wenn sie sich dennoch anderwärtig unkontrollierten Zugang zu diesem, wie Grönemeyer es nennt, "Rettungsboot", verschaffen können, auch gut, dann kann man eben daran auch nichts

ändern. Und im Zweifelsfall gilt, wo kein Kläger, da natürlich auch kein Richter... Nun scheint sich allerdings durch eine mögliche Politikerentscheidung eine völlig neue Form der Legalisierung eines Rauschzustandes anzubahnen, deren Zielgruppe wiederum die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen sind, nämlich die Legalisierung eines wie auch immer gearteten Geschwindigkeitsrausches, für die Kids.

Stets getreu dem olympischen Gedanken, schneller, höher, weiter, kann man diesen wie selbstverständlich natürlich auch auf die Straße umverlagern. Zum Auto, und zum Motorradfahren sind sie klar erkennbar einfach

noch viel zu jung und zum Radfahren größtenteils meist zu faul, weil dies ja mit einer gewissen sportlichen Betätigung verbunden ist, die man tunlichst allerdings besser vermeiden sollte, wie man immer noch nach, wie vor unschwer an den 'dicken Kindern von Lindau' erkennen kann… Also her mit diesen neuen E-Rollern und den Faulen unter den Fußgängen die Faulheit gestärkt. Schon allein der Name suggeriert bereits ein Kinderspielzeug… ‚Roller‘ und man assoziiert damit irgendwie auch einen ‚Puppenwagen‘, oder es klingt nach einem ‚Brummkreisel‘. Nur dass sich dieses Ding quasi lautlos und vergleichsweise rasend schnell auf dem Bürgersteig den Passanten annähert und von

einer, auf die nächste Sekunde, sowohl für den Lenker, als auch für alle anderen unbeteiligten Passanten zu einer kreuzgefährlichen Gefahr mutieren kann. Nun, im Zuge der Entscheidungsfindung denken Politiker bereits darüber nach, wie man dieses neue, elektromotorisierte Fortbewegungsmittel den Kids zukommen lassen könnte, ohne gleich einen ganzen Berg anderer Gesetzte, welche den Straßenverkehr und die Zulassungsbestimmungen für motorisierte Fahrzeuge regeln, wieder mal ändern zu müssen. So favorisiert die deutsche Bundesregierung momentan eine mögliche Rollervariante bis zu maximal 12 km/h auf dem Bürgersteig (!) zuzulassen und alle geschwindigkeitsmäßig darüber liegenden, bis

zu maximal 20 km/h schnellen Vehikel auf den Radweg, oder die Straße zu verbannen.

Und dies alles ohne Führerschein, sogar ohne nachprüfbare Kenntnisse der StVO, die in Deutschland die Zulassung am öffentlichen Straßenverkehr regelt...

Nebenbei, in Frankreich hat man bereits die Lehren aus diesem einen Testjahr gezogen und aus gutem Grund das elektrische Rollern nicht nur auf dem Bürgersteig, sondern seit 2023 sogar in der ganzen französischen Hauptstadt wieder komplett gestrichen... Bestimmt aber nur deshalb, weil beim Vorbeiflug jener elektrischen Roller den Pariser Großmamas auf den Gehsteigen von Fahrtwind die Hüte vom Kopfe geweht

wurden… Aber das sind offensichtlich für die deutsche Bundesregierung natürlich keine wirklich ausreichenden Beweggründe sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Bürger auf den besonders geschützten Gehwegen zu machen. Auf die Idee, für alle LKW’s und Busse in Deutschland den sogenannten "Tote-Winkel-Spiegel“ zur Pflicht zu machen, kommen diese Verkehrs-Polit-Kanaillen natürlich nicht, stattdessen werden lieber noch mehr unwissende, unerfahrene und nun sogar noch zusätzlich jede Menge motorisierter Verkehrsteilnehmer auf die Straße und damit mehr Gefahren unter die Leute gebracht. Das weckt natürlich sogar gewisse Begehrlichkeiten, sicher auch von ehemaligen Führerschein-Besitzern, die ihren

‚Lappen‘ wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung verlustig geworden sind, denn zum Führen eines elektrisch angetriebenen Rennrollers ist ja nun gar kein Führerschein mehr von Nöten. Zudem kurbelt das die Wirtschaft und die Industrie gehörig an und sprudelt wieder mal enorme Geldmengen in die Staatskasse… Ein Schelm, wer angesichts der zunehmenden Motorisierung womöglich an eine steigende Zahl von verkehrstoten Kindern und Jugendlichen, wie auch von Fußgängern denkt, ganz zu schweigen von den fehlenden Kontrolleuren aus den Reihen der Polizei und der Ordnungsämter, welche die Geschwindigkeit des nun race-rollernden Jungvolkes auf dem Gehsteigen natürlich

nicht kontrollieren und demzufolge auch nicht überwachen können.

Bleibt das allseits beliebte Freiwilligen-Prinzip. Da die Zahl der Verkehrsunfälle in diesem Bereich damit schon von vorn herein deutlich vorprogrammiert worden sind, wird man wohl auch in Zukunft mit einer steigenden Quote von fahrerfüchtigen Unfallverursachern unter den 'Rennrollernden' rechnen müssen, denn wer hier großspurig A sagt, wird definitiv auch an B nicht ungeschoren vorbeikommen… Ich fürchte, in den nächsten zwanzig Jahren wird wohl der Luftraum über unseren Köpfen sehr wahrscheinlich zu einer allgemeinen Gefahrenzone erklärt werden müssen, weil es

dann nämlich Mode geworden sein wird, quasi für Jedermann schnell und preiswert im Ultraleicht-Modus allein von A nach B zu fliegen… ganz sicher auch ohne Fluglizenz, weil man ja mit Ultraleicht vermutlich deutlich langsamer, als die maximal erlaubten 3 Mach fliegen wird…



*** Nachtrag: 2026/3+4


1. Inzwischen ist die Benutzung dieser Miniatur-Silberpfeile erst ab 14 Jahren gestattet und auf dem Gehweg generell verboten...

2. In 2024 gab es in D knapp 12.000 Unfälle mit E-Scootern, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden... (27 Todespofer und 1.513 Schwerverletzte und 11.433 Leichtverletzte, in 2023: 22Tote)

3. ab 2026 sind sichere (?) Abstellplätze für

E-Scooter gesetzlich vorgeschrieben...

4. Nachtrag: Berlin aktuell...

Eine Rollerfahrerin ist in Berlin-Lichtenberg mit ihrem Gefährt gestürzt und dabei tödlich verletzt worden...

Trotz schnell eingeleiteter Wiederbelebung starb die 50-Jährige am späten Sonntagabend (04.04.26) an der Unfallstelle in der Frankfurter Allee auf Höhe Atzpodienstraße, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Ein Notarzt konnte nur noch ihren Tod

feststellen. Laut Polizei kam die Rollerfahrerin aus bislang unbekannter Ursache nach links von der Fahrbahn ab und fuhr mit dem Fahrzeug gegen den Bordstein der Mittelinsel. Sie verlor die Kontrolle über den Roller und stürzte auf die Straße. Ihr Gefährt prallte gegen ein Auto, das im Gegenverkehr an einer Ampel stand.


Keine weiteren Fragen, Euer Ehren...








Impressum Cover: selfARTwork Text: Bleistift © by Louis 2019/5 last Update: 2026/3

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Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Brubeckfan Lieber Louis, wegen eines Erlebnisses vergangene Nacht diese Nebenfrage: Wie transportiert man eine defektes E-Bike nach Hause? Im Öffentlichen sind sie verboten, also verlangte der Busfahrer, der Mann solle mit dem Gerät aussteigen. Dieser bestand darauf, er habe ja keinen Akku drin.
Also konnten die vielen Fahrgäste auf die Polizei warten oder die saukalte Nacht zu Fuß durchqueren. -- Vermutlich ein weiterer ungeklärter Aspekt des Schnellschusses.
Und bei anderen Themen haben wir so endlos viele Ausführungsbestimmungen ...

Mal wieder kopfschüttelnd
grüßt Dich Gerd
Vor einem Monat - Antworten
Bleistift 
Wow, mein Lieber, diesen Aspekt hatte ich ja noch gar nicht im Visier, also noch mehr Probleme bei diesem vermeintlich 'exzellenten' Fortbewegungsmittel, die nicht bedacht wurden bei der verkehrstechnischen Zulassung dieser Renn-Roller-Straßen-Kampfeinheit auf deutschen Straßen... ...smile*
Grüße zu Dir
Louis :-)
Vor einem Monat - Antworten
Brubeckfan Laut "Gartenlaube" war sogar Radfahren bis 1898 in Berlin verboten, wegen Störung des Verkehrs und Scheuwerden der Pferde. "Diese modernen Kunstreiter ... sind meistens Müßiggänger, denen es zu langweilig ist, ihr Geld nur mit Pferden, Hunden und Schauspielerinnen durchzubringen." -- Wir Heutigen aber sind ja so tolerant, gell.
Heute - Antworten
Reisehummel 
Das Ergebnis ist noch viel erschreckender, als damals befürchtet.
Den Kommentaren kann ich nur zustimmen,
es war, ist und bleibt megagefährlich.
Gutes Büchlein, lieber Louis!
Lieber Gruß von der Reisehummel :-)
Vor einem Monat - Antworten
Bleistift 
In der Tat, das ist es, liebe Reisehummel, denn jeder Verkehrstote und Schwerverletzte auf Deutschlands Straßen ist in meinen Augen stets auch einer zuviel...
Aber diesen Gedanken hatten die Mitglieder des Deutschen Bundestages wohl eher nicht im Sinn, als sie dieses Gesetz für die rasant rollernde Generation beschlossen und damit den schwach überlegten Startschuß gaben... :-(
Merci und liebe Grüße zu Dir...
Louis :-)
Vor einem Monat - Antworten
Apollinaris All zwei Rad oi Person! ;O)
Vor einem Monat - Antworten
Willie Wenn, dann würde ich diese Roller für "Schwerbeschädigte zulassen. Für gesunde Leute sind sie überflüssig, die sollen laufen oder Radfahren und damit etwas für ihre Gesundheitserhaltung tun. Übergewichtige haben wir schon genug und Diabetes greift um sich, wie früher die Pest. Der Pharma-Industrie kommt es zugute; sie machen Riesengewinne.
LG
Sweder
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
Lieber Sweder,
natürlich hast Du darin recht, was die Volksgesundheit angeht,
hier mache ich mir aber zusätzlich Gedanken, was den Damen
und Herren Politikern durch den Kopf geht, wenn sie mit solchen
unüberlegten Schnellschüssen in Bezug auf diese elektrisch angetrieben Roller,
die Kids auf die Straße in den 'Nah-Verkehrs-Kampf'
auf deutsche Großstadt-Straßen schicken... :-(
Meine Meinung, die sind nicht ganz dicht, diese Knalltüten da oben...
Danke fürs Lesen, Kommentieren und das Geschenk...
LG
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre Hui...hört sich mega gefährlich an...
nicht nur für die "rollenden" ich denke
eher an die Stadtbummler..:-)))
lieber Louis wieder mal ein brisantes Thema
bin gespannt was da auf uns zurollt..:-)))
lieben Gruß
Feedre

Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
Liebe Feedre,
Mega gefährlich wird es vor allen Dingen, wenn sich die Kids jetzt zwischen LKW, Tram und parkenden Autos auf der Straße bewegen müssen und dazu noch nicht einmal zu wissen brauchen, wie man sich im großstädtischen Straßenverkehr nun auch als motorisierter Verkehrsteilnehmer zu verhalten hat...
Aber das ist ja nun eine Entscheidung, welche die Politiker wieder mal am grünen Tisch entschieden haben, ohne je der Realität ins Auge geblickt zu haben. Wen wunderts wirklich, mich jedenfalls nicht... ...Glanzleistung, Herr Scheuer!
Danke sehr ♥lich für das feine Geschenk... ...smile*
GGlG Zu Dir
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
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