Krimis & Thriller
Schauermord in der Elm Street - Kapitel 3

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"...es war einfach nur jene brutale Grausamkeit, von der diese Tat zeugte, Watson..."
Veröffentlicht am 09. Oktober 2017, 36 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
...es war einfach nur jene brutale Grausamkeit, von der diese Tat zeugte, Watson...

Schauermord in der Elm Street - Kapitel 3

Bleistift






Schauermord

in der

Elm Street



Thriller

Schauermord in der Elm Street


Kapitel 3


Sherlock Holmes überquerte schnellen Schrittes die Kreuzung zu einer schmalen Gasse und wandte sich an der Ecke an einen älteren Mann, der in heruntergekommener Kleidung direkt an der Wand neben einer grünen Kneipentür lümmelte. Eine geraume Weile sprach er mit jenem Individuum und ließ dann anschließend ein Sixpence-Stück für ihn springen, während sich der Kerl verschlagen grinsend, an seinen speckigen Hut tippte.

Dann kam er zurück und informierte Watson

darüber, was er von jenem schmierigen Eckensteher in Erfahrung gebracht hatte, »In der Nummer 17 wohnt ein Gerber namens Joe Smith, ein ziemlich windiger Kerl, der schon so einiges auf dem Kerbholz hat und zudem mit allen Wassern gewaschen sein soll. Und genau den werden wir uns jetzt erst einmal vorknöpfen. Mein lieber Watson, bitte achten Sie bei diesem Gespräch etwas mehr auf die Umgebung und vielleicht können Sie ja dabei einiges entdecken, was uns aus Ihrer medizinischen Sichtweise betrachtet, womöglich sogar etwas weiterhelfen könnte. Während ich ihn zu seinem Verbleib in der gestrigen Nacht befragen werde. Trotzdem sollten wir stets die Augen offenhalten und auf der Hut sein, denn unserem Stiefelknecht hier,

dem sollten wir auch nicht blindlings über den Weg trauen.«

Ein paar Häuser weiter hatten die beiden Detektive das von außen bereits recht marode erscheinende Haus Nummer 17 mit einer kleinen Gerberei im Innenhof des Gebäudes ausgemacht. Holmes hatte rasch die Tür geöffnet und war zügig in den kleinen, total überladenen Verkaufsraum eingetreten, worin sich allerlei Pelzwerk und jede Menge aufgespannter Tierhäute befanden. Der penetrante Gestank von Formalin war absolut nicht zu ignorieren und Dr. Watson hatte die eben erst hinter sich geschlossene Ladentüre sogleich wieder sperrangelweit aufgerissen, um reichlich frische Luft in diesen stickigen Raum hineinzulassen. Ein kräftiger

Mann in einer schmuddeligen Pelzjacke blickte daraufhin zutiefst erschrocken hinter seinem Verkaufstresen auf, »Wer sind Sie, wat suchen Sie hier?«, bellte er die beiden Detektive sogleich wütend an. »Mein Name ist Sherlock Holmes und dies hier ist mein Kollege Dr. Watson. Wir arbeiten für die Londoner Polizei und wollen Euch nur ein paar Fragen stellen. Ich nehme an, Ihr Mister, seid Joe Smith, der Gerber?«, fragte Holmes mindestens ebenso scharf zurück. »Der bin ick«, antwortete der Kerl im schnoddrigen Eastend-Slang aufgebracht, »aber wat soll mir diese verdammte Fragerei?« Holmes aber packte in diesem Moment den Stier sogleich bei den Hörnern,

»Was hattet Ihr heute nach Mitternacht in der Elm Street zu suchen. Leugnen ist übrigens zwecklos, denn Ihr seid dort gesehen worden und ein Zeuge hat Euch wiedererkannt und eine exakte Beschreibung Eurer verbeulten Physiognomie bei der Polizei hinterlassen. Also, noch einmal die Frage, was hattet Ihr nach Mitternacht in der Elm Street verloren, Joe Smith? Ich frage Euch dies auch nur einmal und solltet Ihr mir darauf keine plausible Antwort geben können, so lass‘ ich Euch auf der Stelle in Eisen legen und Ihr werdet von Inspektor Lestrade von Scotland Yard höchstpersönlich zu Eurem gestrigen nächtlichen Verbleib verhört werden…«, drohte Holmes nun unverhohlen an. »Eine dreckige, irische Hure und seit wann

interessiert es verdammt noch mal die Polizei, wenn ick ma' mit 'ner Hure vögele? Oder ist det jetzte ooch schon verboten?«, gab der genervte Handwerker ärgerlich grunzend zu. Holmes zog plötzlich eine chamoisfarbene Photographie aus seiner Manteltasche und zeigte dem Gerber das Bild, »War es etwa diese Frau hier?« Smith warf kaum einen Blick darauf, »Kann schon sein«, räumte er ein, »ick hab‘ sie mir dabei nich so jenau angekiekt, denn ick war eingentlich nur zum Vögeln da und nich zum Glotzen. Leider war ick och'n kleenet bissken angeheitert, wenn Se' verstehen, wat ick meine«, grinste der Gerber mit schiefem Gesicht, wobei er sein hässliches lückenhaftes Gebiss mit dunkelgelben Zähnen entblößte.

»Die Beschreibung seines Gebisses stimmt also auch«, sagte Holmes stattdessen laut zu Dr. Watson gewandt. Der nickte überzeugend, »So ist es Holmes, eigentlich können Sie ihn auch gleich festnehmen, denn auch ich hege nun keinerlei Zweifel mehr, dass dieser Mann hier wirklich unser gesuchter Mörder ist.« Als der Gerber diese Worte vernahm, langte er kurzerhand nach einem Dolch, den er plötzlich unter seinem völlig zugeramschten Ladentisch hervorgezogen hatte und wollte sich damit auf den Detektiv stürzen. Doch der hob nur seinen schwarzen Spazierstock an und ließ mittels eines geheimen Knopfdrucks aus der Spitze seines Spazierstockes eine stilettartige Stahlklinge hervorspringen, die er dem

Angreifer rigoros unter das Kinn hielt. Mit einem akkurat gezielten Schlag dieses Stiletts schlug er dem überraschten Gerber blitzschnell das Messer aus der Hand, auf das es sirrend davonflog und in dem hölzernen Türrahmen stecken blieb. Danach richtete er die rasiermesserscharfe Klinge sofort wieder auf den Hals des Verbrechers, »Keine Dummheiten, Smith, es könnte nur allzu leicht tödlich für Euch enden, denn ich vermag nämlich bestens damit umzugehen, wovon Ihr Euch soeben augenscheinlich selbst überzeugen konntet. Und ich an Eurer Stelle würde es daher nicht auf einen weiteren Versuch ankommen lassen«, betonte Sherlock Holmes mit gefährlich leiser, aber dennoch fest entschlossener Stimme.

Diese Worte verfehlten offensichtlich ihre ernstgemeinte Wirkung nicht und zu Watson gewandt, meinte er, »Rufen Sie nach der Polizei, mein Freund, denn dieser Fall hier, der scheint mir nun fast schon gelöst zu sein…«

Watson nickte, griff in seine Manteltasche und förderte daraus eine metallene Polizeipfeife zutage… * Als der Gerber kurz darauf von der zügig eintreffenden Polizei dingfest gemacht worden war, fuhren die beiden Detektive mit einer Droschke in den Yard, um von Inspektor Lestrade weitere Informationen über das persönliche Umfeld des Mordopfers, Alice Winnington, zu erfahren. Denn Sherlock

Holmes war nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass der Mörder lediglich das menschliche Tatwerkzeug eines brutalen Auftraggebers war, den es allerdings noch immer zu ermitteln galt.

»Mein lieber Holmes, das war geradezu genial, wie Sie den Täter überführt hatten, woher wussten Sie nur, dass es tatsächlich unser Mann war?«, begeisterte sich Watson. »Oh' ich wusste es mitnichten, Watson. Ich mutmaßte es nur, weil jener Kerl an der Ecke erwähnte, dass dieser Smith hier, der einziger Gerber in der ganzen Gegend wäre, der ein höchst kriminelles Subjekt sei und zudem in permanenten Geldschwierigkeiten steckte. Aber ich gebe gern das Kompliment zurück, denn Sie haben exzellent reagiert, als ich

bezüglich dieses imaginären Augenzeugens ein wenig improvisieren musste«, entgegnete Sherlock Holmes ausgesprochen gelassen. John Watson wusste, dass Holmes solcherart geistigen Überraschungsangriffe meisterhaft beherrschte und wunderte sich daher eigentlich nicht, dass er auch diesmal wieder damit zu einem weiteren Erfolg gelangt war.

»Die anschließende Hausdurchsuchung wird hoffentlich die angefertigten menschlichen Präparate seines Opfers ans Tageslicht bringen, die Smith jener Mordtat überführen werden, denn es braucht schon seine Zeit, ehe er überhaupt mit dem Gerbprozess beginnen konnte, um am Ende auch menschliche Haut tatsächlich zu einem Leder verarbeiten zu können«, führte der Kriminalist

anschließend aus. Watson nickte bestätigend,

»Verstehe Holmes, aber wie kommen Sie nur darauf, dass möglicherweise sogar ein amerikanischer Kavallerie-Offizier hinter diesem perfiden Verbrechen stecken könnte?«, hinterfragte Dr. Watson Holmes geäußerte Hypothese.

»Das mein lieber Watson, das erkläre ich Ihnen gerne, wenn ich meine Theorie zu diesem monströsen Mordfall bestätigt sehe«, meinte Sherlock Holmes und warf erneut einen Blick auf seine silberne Taschenuhr, nachdem er den Deckel hatte aufspringen lassen…

*

»Holmes, meinen allergrößten Respekt, wie konnten Sie nur wissen, dass ein ehemaliger Sergeant der amerikanischen Kavallerie einen starken Bezug zu unserem Mordopfer hatte? Denn bei unseren Recherchen stellte es sich heraus, dass besagter Ex-Sergeant, Jack Becket, als Zuhälter gern auch "The Knif" genannt, das spätere Mordopfer zwingen wollte für ihn zu arbeiten, was diese jedoch entschieden ablehnte. Im Gegenteil, sie hatte sogar vor, London für immer zu verlassen und demnächst wieder in ihre Heimat nach Dublin zurückzukehren, wie uns der Wirt einer Kneipe in der Pinkus Lane, in der Alice Winnington regelmäßig verkehrte, ausdrücklich versicherte. Dieser Jack Becket hätte sie wohl

sogar schon mehrmals äußerst brutal zusammengeschlagen, weil sie sich permanent weigerte, ihn als ihren Zuhälter zu akzeptieren. Leider verfügt dieser Mistkerl aber über ein absolut hieb, und stichfestes Alibi, denn er saß zur Tatzeit wegen einer handfesten Kneipenschlägerei in einer der Ausnüchterungszellen auf der Polizeiwache in Withechapel ein und ist erst heute am frühen Morgen wieder auf freien Fuß gesetzt worden«, verkündete Inspektor Lestrade und zuckte zu seinem größten Bedauern mit den Schultern. »Natürlich, das ist doch nur allzu logisch, er brauchte für die Tatzeit unbedingt ein sicheres Alibi und hat unterdessen die Decksarbeit von jemanden, wie diesen Joe Smith machen

lassen, nur um nicht selber in Verbindung mit diesem Mord gebracht zu werden. Lassen Sie ihn zu einer Vernehmung holen, Lestrade. Und wenn Sie gestatten, werde ich ihn selbst zu seinem Verhältnis zu Alice Winnington befragen«, entgegnete Sherlock Holmes.

Ein paar Stunden später saß Jack Becket erneut auf der Polizeiwache, diesmal aber in einer vergitterten Vernehmungszelle. Missgelaunt und noch immer nicht vollständig ausgenüchtert, lümmelte er auf einem Stuhl und starrte sein Gegenüber feindselig an. Sherlock Holmes jedoch ließ sich reichlich Zeit und las in den Akten, die er vor dem Verdächtigten feinsortiert aufgestapelt hatte und ignorierte demonstrativ dessen aggressive Haltung. Doch dann klappte er

plötzlich den Akt zu und blickte überraschend auf,

»Mein Name ist…« »Spart Euch die Mühe, ich weiß wer Ihr seid, Holmes. Ihr seid jener verdammte Schnüffler, welcher stets in anderer Leute Biographien herumschnüffelt und dabei nur im Dreck wühlt, um ehrbare Bürger wie mich, damit bewerfen zu können. Gebt Euch also keiner Illusionen hin, denn von mir werdet Ihr garantiert kein einziges Sterbenswörtchen erfahren.« »Oh' das verkürzt dieses Prozedere natürlich ganz erheblich, Mister Jack Becket, Ex-Sergeant einer US-Kavallerie-Einheit, jetzt auch "The Knife“ genannt. Dann teile ich Euch eben einfach nur mit, dass gegen Euch Anklage wegen Anstiftung zum Mord an der

Prostituierten Alice Winnington erhoben werden wird. Die Beweislast gegen Euch ist einerseits so erdrückend, anderseits hat Euch der überführte Mörder, Joe Smith, als seinen Auftraggeber benannt, weil er nicht gewillt ist, allein mit Seilers Tochter Hochzeit zu halten. Er kennte da nämlich noch jemanden…«

»Bullshit, ich jedenfalls kenne keinen Smit«, knurrte Becket, »und alles andere ist erstunken und erlogen.« »Nun, für den Fall ist es jedoch nicht weiter von Belang, wie Ihr persönlich darüber denkt. Er jedoch kennt Euch und seid Ihr ihm nicht gar auch noch fünfundzwanzig gute englische Pounds schuldig? Wie war das doch gleich? Die Hälfte gleich, den Rest…« Holmes schlug einen dünnen Akt auf,

»Richtig, hier steht es, schwarz auf weiß, ...Die Hälfte gleich, den Rest bei Lieferung des Leders. Und in Klammern, betrifft A.W. … , las Holmes laut aus dem Akt vor. »Der Mörder hat alles akribisch in seinem Buch festgehalten und es fein säuberlich notiert. Der Teufel soll mich holen, denn mir will es scheinen, als würden die beiden Initialen "A.W.“ nichts anderes bedeuten, als der Klarname des Mordopfers, Alice Winnington. Was sagt Ihr dazu, Becket?«

Der winkte ärgerlich ab, »Alles Lügen, nichts als plumpe Lügen und mit dem Häuten habe ich nichts zu tun…« Officer, würden Sie uns den letzten Satz des Beschuldigten eben noch einmal zu Gehör bringen?«, fragte Holmes den Polizisten, der

das Vernehmungsprotokoll wortwörtlich mitschrieb. Als der Polizist die letzte Aussage Beckets noch einmal wiederholte, schaute Holmes dem Mann unverhohlen ins Gesicht. »Von "Häuten“ habe ich da nichts gesagt! Was meint Ihr damit, Becket?« »Verdammt noch mal, Ihr dreht mir das Wort im Munde herum. Ihr sagtet Leder, da dachte ich bei einem Gerber doch gleich an Häute«, schrie Becket nun zornentbrannt. Sherlock Holmes schüttelte schwer enttäuscht den Kopf, »Wovon redet Ihr, Becket? Auch von einem Gerber sagte ich nichts…« Becket schlug sich entnervt seine Hände vors Gesicht, »Ich sage jetzt nichts mehr, Sie elender

Schnüffler.« »Das, Mister "Messer“, ist auch gar nicht mehr von Nöten, denn es ist bereits alles längst gesagt. Ich denke, der Richter wird das im Übrigen ganz genau so sehen«, erwiderte Holmes gleichmütig.

In diesem Augenblick trat ein uniformierter Polizist ein und flüsterte Holmes etwas ins Ohr. Der nickte und wandte sich wieder direkt an Becket,

»Und nun Mister Becket, folgt des Dramas vorletzter Akt. Bei der Haussuchung von Joe Smiths Anwesen wurde im Keller seines Hauses ein verschlossenes Glasgefäß mit diversen Körperteilen des Mordopfers Alice Winnington gefunden, konserviert in Formalin. Auf das Glas war ein Zettel geklebt worden,

welcher mit Eurem Namen versehen war. Den allerletzten Akt wird wohl nur noch der Henker von London für Euch in Szene setzen…«

*

»Eine Erklärung sind Sie mir aber in der Tat noch immer schuldig, mein Bester. Woher wussten Sie schon am nächsten Morgen, dass wir nach einem amerikanischen Kavalleristen suchen müssen, das will mir noch nicht ganz einleuchten«, befragte Doktor Watson seinen Kollegen. »Das will ich Ihnen gerne verraten, mein lieber Watson, es war einfach nur jene brutale Grausamkeit, von der diese Tat zeugte, als ich an der Leiche des Opfers das eindeutige Muster wiedererkannt hatte, auf welche Weise

ihm die Haut von den Brüsten abgezogen, beziehungsweise das Geschlecht entfernt wurde. Vor etwa zwei Jahren las ich in einem Fachjournal einen Artikel, der sich damit beschäftigte, wie die US-Kavallerie im Sand Creek Massaker* gnadenlos alle Indianer niedermetzelte. Anschließend nahmen sich die Kavalleristen und einige weiße Siedler die Leichen der getöteten Indianerfrauen und Mädchen vor, entfernten ihnen die Geschlechtsteile und zogen ihnen die Haut von den Brüsten ab, um später daraus diverse Taschen und Tabaksbeutel anzufertigen, nachdem die Haut gegerbt und zu menschlichem Leder verarbeitet wurde. Manche dieser Indianerinnen sollen allerdings sogar noch gelebt haben, als diese Taten an

ihnen begangen worden sind. Die Prostituierte, Alice Winnington, hatte die feste Absicht geäußert, London zu verlassen und wollte wieder in ihre Heimat nach Irland zurückzukehren. Sie wollte nicht die kleine, mies behandelte Straßendirne eines brutalen amerikanischen Zuhälters sein. Sie wäre also so, oder so für Mister Becket, dem ehemaligen US-Kavalleristen, verloren gewesen. Zu diesem Zweck heuerte er den stets in permanenten Geldnöten steckenden und hochgradig kriminellen Gerber Joe Smith an, damit dieser stellvertretend für ihn den Mord an Alice Winnington begehen konnte, um sie dann nach der altbekannten Manier aus seiner Kavalleriezeit häuten zu lassen. Ihn selber konnte man allerdings kaum mit der Tat in

Verbindung bringen, denn er hatte ja für die Tatzeit das beste Alibi, welches man sich überhaupt wünschen konnte. Saß er doch zum Zeitpunkt des Mordes nachweislich stark alkoholisiert in einer Zelle der Polizeiwache in Withechapel ein. Nur damit, dass ich das Tatmuster und so deren richtige Zuordnung wiedererkennen würde, damit konnte er natürlich nicht rechnen. Alles andere war dann nur noch eine Folge der Logik. Und deshalb, mein lieber Watson, suchten wir nach einem Handwerker, der ein Gerber war und nach einem ehemaligen US-Kavalleristen, der die Prostituierte Alice Winnington lieber tot, als in Freiheit sehen wollte, als sie sich vehement weigerte sein persönliches Eigentum zu werden. Zum Glück waren der Mörder und

sein Auftraggeber ja nun doch keine Offiziere, wie sich zu guter Letzt herausgestellt hatte.« »Wofür ich Ihnen natürlich außerordentlich dankbar bin, mein lieber Holmes«, murmelte Doktor Watson ergriffen und drückte befriedigt die Hand seines Freundes.

*


Epilog


Drei Wochen später hielt in der Baker Street 221 b vor Mrs. Hudsons Haus eine schwarze Polizeidroschke von Scotland Yard und kurz darauf betrat Inspektor Lestrade das Domizil von Sherlock Holmes und Dr. Watson. »Nun Mister Holmes, ich bin bei Ihnen nur

kurz vorbeigekommen, um mich noch einmal persönlich bei Ihnen beiden zu bedanken.« Der Kriminalist, der längst schon an einem neuen Fall tüftelte, hob überrascht den Kopf. »Oh‘ das wäre mir aber in der Tat wirklich neu. Was also führt Sie wirklich zu uns, Lestrade? Gibt es etwa wieder einen weiteren Fall, bei welchem Sie erneut unserer Hilfe bedürfen?« »Mitnichten, Holmes, mitnichten. Ich bin lediglich gekommen, um Ihnen noch einmal Dank zu sagen…« »Dank? Wofür, Lestrade?«, erwiderte Sherlock Holmes höchst erstaunt. »Nun ich sagte Ihnen doch in der Nacht, in welcher Alice Winnington, die junge irische Prostituierte, die auf eine solch schreckliche Weise hatte sterben müssen, dass ich den

Mistkerl hängen sehen möchte, der sie auf dem Gewissen hat. Sie erinnern sich doch, Holmes?« »So gewiss, als hätten Sie es mir gerade eben gesagt, Lestrade«, bestätigte ihm der Detektiv. »Gestern nun hat der Richter das Urteil für den Mörder und seinen Auftraggeber amtlich verkündet und heute Morgen, um acht Uhr in der Früh wurden die beiden Verbrecher in der Nähe des Londoner Towers auf dem Tower Hill in aller Öffentlichkeit gehenkt.« »Kein Grund zu triumphieren, Lestrade. Sondern lediglich ein marginales Gefühl von Genugtuung für eine verbrecherische Tat, welche diese beiden Missetäter gemeinsam geplant und ausgeführt haben. Und wenn ich dann auch noch an die vielen unschuldigen

nordamerikanischen Indianerinnen denke, Lestrade, da hält sich mein persönliches Mitgefühl für diesen beiden Delinquenten in ganz engen Grenzen«, brummte Sherlock Holmes zwischen den Zähnen hindurch und zündete sich mit einem Fidibus seine weiße Meerschaumtabakspfeife an... ***















*Recherchierte Anmerkung des Autors

zum angedeuteten Fakt...


Das Sand Creek Massaker, 29.11.1864 »Verdammt jeden, der mit Indianern sympathisiert… tötet sie und zieht ihnen die Kopfhaut ab, ob groß oder klein; aus Nissen werden Läuse...«, wird Col. John Chivington zum Sand Creek Massaker vom 29.11.1864

zitiert. An diesem Tag reisten 700 Soldaten von Colorado und umliegenden Gebieten zu „Peace Chiefs“ der Stämme Cheyenne und Arapahoe. Die Invasoren waren von den Indianern eingeladen worden, um die Indianerkriege zu beenden.

Die Bleichgesichter kamen jedoch nicht in Frieden, sondern eröffneten ohne Vorwarnung das Feuer.

Colonel Chivington und seine Männer schnitten Schwangeren die Embryos aus den Bäuchen, töteten Säuglinge durch Fußtritte, verstümmelten die Genitalien von Männern und Frauen und dekorierten ihre Pferde und Wagen mit Körperteilen (Kopfhaut, Genitalien usw.). Ihre Trophäen stellten sie während

einer Parade in Denver zur Schau...


Quelle: http://www.gegenfrage.com/indianer/












Impressum Cover: selfARTwork

Covermotiv: unknown Net-Artist Text: Bleistift © by Louis 2017/10 last Update: 2025/1


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Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
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09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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HarryAltona Na sieh mal an... Ein amerikanischer Soldat! Kein Wunder. Denn wenn jemand für sinnlos primitive Brutalität steht, dann sind es genau die. In der Vergangenheit, Gegenwart und gewiss in der Zukunft.
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
Gast *psst*
Gestern - Antworten
Brubeckfan Was die "zivilisierten Menschen" schon so alles den "Wilden" antaten... Durch Deine clevere Verarbeitung bleibt das im Kopf hängen.
Schön auch, daß "Klugscheißer" Holmes bei Dir mal auf Watsons Kenntnisse vertraut und ihn nicht nur als Bewunderer braucht.
Danke für die gute Geschichte,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
Hallo Gerd,
danke für das Lesen, wie auch für den prima Kommentar zur Story...
Sir Conan Doyle war selber Arzt und sah sich in der Rolle des M.D. Watson selbst gern
an der Seite des wohl berühmtesten Detektives seinerzeit und hat sich damit
ein unsterbliches Denkmal gesetzt, denn ein Sherlock Holmes
ohne den Doktor Watson, undenkbar, denn das geht gar nicht... ...smile*
Und was die Untaten jener 'zivilisierten Barbaren' angeht,
sie sind historisch verbürgt und belegbar...
Danke für das große Lob...
LG
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Napalm in Vietnam, Folter in Guantanamo, willkürliche Tötung Mißliebiger auf den Straßen ... Sehr humaner sind sie bisher nicht geworden. Doch lieber zurück zum Spaß: Warst Du mal in der Baker Street, in der nicht existierenden Hausnummer? "Guten Tag, Moment, der Hausherr kommt gleich ..."
Viele Grüße,
Gerd
Gestern - Antworten
Bleistift 
Ha, Merci, mein Lieber! In der Tat, es scheint sich seit der Vergangenheit nicht allzuviel geändert zu haben in dieser wilden Cowboy-Republik zwischen Atlantik und Pazifik.
Besonders, wenn man sich die z.Z. regierenden Köpfe und deren Camarilla so anschaut... :-/
Und ja, ich war mal, als ich in London war, vor der 'Baker Street 221B' (laut Nummernschild) gestanden, kam aber nicht rein, denn das Museum war zu diesem Zeitpunkt leider geschlossen...
LG zu Dir
Louis :-)
Gestern - Antworten
Jooschen Super geschrieben, absolut fesselnd:-D Auch ein toller Plot und logisch miteinander verknüpft....ich habs gern gelesen :-D

LG Jooschen
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre Bin total begeistert....schaurig schön...:-))))))
spannend wie alles aus deiner Feder.....
die Brutalität der Menschen
ist manchmal kaum
zu ertragen.....
sehr gerne gelesen lieber Louis...
wünsche dir ein schönes
Herbstwochenende
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber "und zündete sich mit einem Fidibus seine weiße Meerschaumtabakspfeife an..." Es sind diese kleinen feinen Details, die deinen schaurigen Krimi so lesenswert machen. Du bist ein Liebhaber der schönen Ausdrucksweise. Und der historische Bezug ist das I-Tüpfelchen! War sehr spannend und lehrreich, lieber Louis.
Herzliche Grüße in dein Wochenende, Merle
Vor langer Zeit - Antworten
Bellador 
Chapeau :-))) einfach toll!
LG Bella
Vor langer Zeit - Antworten
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