Kinderbücher
Eine Nacht im Zoo und ihre Folgen - Autoren-Challenge 17

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"SaTierische Familiengeschichte für Tierfreunde und solche, die es werden wollen"
Veröffentlicht am 06. März 2017, 14 Seiten
Kategorie Kinderbücher
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Meistens bin ich ruhig. Im wahren Leben habe ich einen Mann, zwei Töchter, eine Hand voll Enkelkinder, zwei Katzen und alle zusammen leben wir im Süden Deutschlands. Wenn ich nicht schreibe, fotografiere ich, denn Fotos sind für mich auch kleine Geschichten - wenn man sie lesen kann. Ansonsten bin ich optimistisch, (fast) immer gut drauf und stehe mit beiden Beinen fest im Leben. Ergänzung: Das wahre Leben gibt es nicht mehr. Ich musste ...
SaTierische Familiengeschichte für Tierfreunde und solche, die es werden wollen

Eine Nacht im Zoo und ihre Folgen - Autoren-Challenge 17

Ein Nacht im Zoo und ihre Folgen Das Leben im Zoo kann ganz schön langweilig sein. Oder nervig. Meistens aber beides. Rudi, das braune Pony, stellte das tagaus, tagein immer wieder fest. Man hat wenig Platz, bekommt viel künstliches Futter und wird - was am schlimmsten ist - den ganzen Tag angestarrt. Nicht mal in Ruhe gelassen wird man, wenn man mal für kleine Ponys muss. Im Gegenteil! Gerade dann bleiben Scharen von großen und kleinen Zweibeinern vor dem Zaun stehen und schreien begeistert auf, wenn die Äpfel über die Wiese kullern. Nein, Rudi wollte kein Zoo-Pony sein und träumte jede Nacht, manchmal auch am Tag davon, auf einer kuscheligen grünen Wiese zu

wohnen, ohne Zaun versteht sich, und ohne Gaffer, die Eintritt dafür zahlten, ihn hinterm Zaun - oder vor dem Zaun - anzustarren. Sollen diese Menschen sich doch mit sinnvollen Dingen beschäftigen.

Das wäre aber eine andere Geschichte. Willi Willowitsch, der Zoodirektor, war dagegen unbändig stolz auf seinen Zoo. Gerade hatte er wieder alle Zäune angestrichen, beziehungsweise anstreichen lassen und Menschen in grünen Overalls angetrieben, diverse Sträucher zu pflanzen. Er, Willi Willowitsch, wolle den natürlichen Charakter seines Zoos hervorheben, wie er Gundula Grünzahn, seiner Sekretärin, beim morgendlichen Kaffee erklärte. Gundula Grünzahn hatte ihn daraufhin mit einem

grünen Augenaufschlag angeblinzelt und wie tausend mal zuvor gezwitschert: „Das ist eine tolle Idee, Herr Willowitsch!“ „Die Zahlen zählen, Gundula. Die Zahlen!“, war seine Antwort, die er mit theatralisch ausholender Geste unterstrich. Was das bedeutete, verstand Rudi nicht, aber er hörte das immer und immer wieder, denn sein zugewiesener Fleck im Zoo befand sich genau neben dem hübschen Verwaltungsgebäude, in dem sich der Zoodirektor und seine Sekretärin immer zum Kaffee trafen. Er selbst fand die Ideen des Direktors nie toll. Rudi war sauer, traurig, missgestimmt und dämmerte unlustig mit hängendem Ponykopf in einer Ecke am Zaun. Es war Sommer,

eigentlich eine tolle Zeit für Ponys, aber eben nicht, wenn man eigesperrt im Zoo, als Zoo-Pony leben muss. Wo waren eigentlich Klaus, das schwarze Pony und Berta, seine Freundin? Rudi schaute sich um und entdeckt beide in jeweils einer anderen Ecke des Geheges. Auch sie machten einen griesgrämigen Eindruck. Und genau da - eine Fliege krabbelte gerade über sein linkes Augenlid - ganz genau in diesem Moment hatte er eine Wahnsinns-Idee. Kurz schüttelte er seinen Ponykopf, aber die Idee blieb, wo sie war. Ein freudiges schnelles Wiehern, welches Klaus und Berta aufschauen ließ und schon war er wieder still und brav. Er musste auf den Abend warten, auf die Zeit, wenn Willi Willowitsch und

Gundula Grünzahn den Zoo verlassen, um sich daheim …

Das wäre auch eine andere Geschichte.

Noch nie war die Zeit bis zum Tagesende so langsam vergangen, obwohl sie im Zoo ja eigentlich immer langsam vergeht. Dann aber kam der Moment. Alle Menschen hatten den Tierpark verlassen, der Direktor seine letzte Runde beendet, noch einmal alle Pforten und Schlösser überprüft und endlich das lästige Licht gelöscht. Ruhe zog ein, die nicht lange anhalten sollte. Unbemerkt hatte Rudi dem Zoodirektor das riesige Schlüsselbund aus der Tasche gezogen, als dieser am Zaun verweilte und dem Pony gedankenverloren vier Sekunden

lang die Mähne tätschelte.

Das Schlüsselbund war unabdingbar für Rudis Plan. Nur wenige Minuten später waren Klaus, das schwarze Pony und Berta, die Freundin, eingeweiht. Rudi plante eine verrückt, megamäßig fidele Party mit allen Tieren des Zoos, die Lust auf eine tolle Nacht hatten. Und schon waren die drei Freunde unterwegs. Zuerst luden sie Egon, den Schwan ein. „In einer Stunde startet eine Party bei uns im Pony-Gehege. Du bist herzlich eingeladen, komm unbedingt vorbei, es wird ganz sicher lustig. Bring etwas zu Essen mit.“ Aufgeregt flatterte Egon einige Meter hin und her und begann umgehend damit, sein Federkleid zu kämmen.

Als nächstes schlossen sie die Umzäunung von Giesbert, dem Nashorn auf und schmetterten im Chor ihre Einladung: „In einer Stunde startet eine Party bei uns im Pony-Gehege. Du bist herzlich eingeladen, komm unbedingt vorbei, es wird ganz sicher lustig. Bring etwas zu Essen mit.“

Das Nashorn schielte kurz auf sein Nashorn und hob erfreut zustimmend die Ohren. Weiter ging es zu Bernadette, der Braunbärin, danach zu Elfriede, der Eisbärin, zu Hiltrud, der Giraffendame, Ulf, dem Elefanten, Alex, dem Affen und zu Karl, dem alten Krokodil. Alle Tiere waren schwer begeistert. Nur Knut, der Löwe, nahm sich wieder einmal wichtig und lehnte die Einladung ab.

Die Aufregung wuchs und unter dem

aufziehenden Nacht-Sternen-Himmel begann eine fröhliche Aktivität. Schon seit Jahren, war die Nachtluft im Zoo nicht mehr so lustig und glücklich. Rudi hängte eine Lichterkette auf, Klaus fegte das Gehege, Berta übte wiehernd einige Partysongs und schon erschienen die ersten Gäste. Egon, der Schwan, brachte ein paar Fische mit und schaute sich interessiert um. Giesbert, das Nashorn, hatte einige Kartoffeln auf sein Nashorn gespießt und defilierte erhobenen Hauptes quer über den Platz. Bernadette, die Braunbärin, erschien mit einem Topf Honig, Elfriede, die Eisbärin, mit einer Tüte gefundener Chips, da sie wie immer, ihre Mahlzeit schon verdrückt hatte. Hiltrud, die

Giraffe, brachte einige Heubündel, die sie sich um den Hals gehängt hatte, Ulf, der Elefant, einen Eimer Äpfel. Alex, der Affe, schleppte über das ganze Gesicht grienend Bananen herbei und Karl, das alte Krokodil, lieferte nichts. Es war so alt, dass es Mühe hatte, sich selbst zu bewegen. Binnen kurzer Zeit war die Party im schönsten Gange und die Stimmung ausgelassen und sehr fröhlich. Jeder tanzte, hüpfte, watschelte zu Bertas Gesang und jeder probierte die mitgebrachten Köstlichkeiten. Begeistert schlugen sie Rudi abwechselnd immer wieder auf die Schulter, um sich für die tolle Idee zu bedanken. Wer kann es den Tieren verdenken, dass sie sich bis lange nach Mitternacht amüsierten?

Schon viel zu lange fristeten sie ihr langweiliges Dasein und kosteten die Abwechslung natürlich lange aus. Nach und nach wurden Klaus, das schwarze Pony, Berta, die Freundin von Rudi, Egon, der Schwan, Giesbert, das Nashorn, Bernadette, die Braunbärin, Elfriede, die Eisbärin, Hiltrud, die Giraffe, Ulf, der Elefant, Alex, der Affe und Karl, das alte Krokodil müde und da niemand wirklich Lust darauf hatte, den weiten Weg in den eigene Käfig anzutreten, legten sie sich einfach im Ponygehege schlafen. Klaus und Berta waren hier sowieso zu Hause, Egon klappte seine Flügel zusammen und kauerte sich in eine Grasmulde, Giesbert kuschelte sich dazu. Bernadette und Elfriede suchten sich einen Platz auf einem Baum,

Hiltrud wickelte sich einen Schal um den Hals und schlief im Stehen ein, Ulf trompetete noch einmal kurz, Alex sprang auf Ulfs Rücken, um es sich dort gemütlich zu machen und Karl konnte sowieso immer und überall schlummern und tat das längst. Nur Rudi war noch wach - sehr wach - und etwas ratlos. Er war wohl der Einzige, der an den nächsten Morgen dachte. Aber nicht mehr lange, dann schlief auch er glücklich und grinsend, mit einer neuen Idee im Ponykopf ein. Zwei Tage später erschien folgende bebilderte Nachricht in einer angesagten Tageszeitung: Aus nicht näher erklärten Umständen

verbrachte der sichtlich irritierte Zoodirektor

Willi Willowitsch einen kompletten Tag lang eingezäunt im Ponygehege. Er war die Attraktion des warmen Ferientages und wurde hinreichend von Schaulustigen gefüttert. Wie es dazu kam? Das ist eine andere Geschichte.


© Memory (März 2017)

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Über den Autor

Memory
Meistens bin ich ruhig.
Im wahren Leben habe ich einen Mann, zwei Töchter, eine Hand voll Enkelkinder, zwei Katzen und alle zusammen leben wir im Süden Deutschlands.
Wenn ich nicht schreibe, fotografiere ich, denn Fotos sind für mich auch kleine Geschichten - wenn man sie lesen kann.
Ansonsten bin ich optimistisch, (fast) immer gut drauf und stehe mit beiden Beinen fest im Leben.
Ergänzung:
Das wahre Leben gibt es nicht mehr. Ich musste meinen Mann, meine große Liebe, ziehen lassen. Seit dem steht die Welt still.

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Tintenklecks Die Geschichte hat einen wunderschönen Grundeinfall, den Ausbruch der Tiere aus dem Allerlei des Zooalltags durch eine Party und der "Rachephantasie" des frechen Ponys gegenüber dem Zoodirektor.
Für kleine Kinder im Erstvorlesealter sicher ein großer Spaß. Doch ein paar Längen lassen irgendwann die Aufmerksamkeit schwinden, es sei denn, man macht für mehrere Kinder eine Art Mitmachspiel daraus. Das kann ich mir gut vorstellen.
Die zart versteckte Satirekomponente ist für Erwachsene entschlüsselbar, kleine Kinder verstehen keine Satire.
Was mich interessiert hätte, wie der Zoodirektor das gemischte Schlafquartier kommentiert hat, am folgenden Morgen. Das wäre für mich spannend gewesen. Doch darüber erfahren wir leider nichts.
Insgesamt ein schöner Entwurf für eine kinderbuchgeschichtenfolge, in der das Ponny im Zoo lauter Blödsinn anstellt und die Kinder sich in Zootiere hineinzuversetzen lernen.
LG vom Tintenklecks

Vergangenes Jahr - Antworten
Memory 
Danke, lieber Klecks, für Kommentar und Favo.
Deine Neugier habe ich also geweckt und bei den Jungs hat das auch immer funktioniert. Habe unten schon geschrieben, dass das ein Mehrteiler ist. Die Geschichte um den Zoodirektor ist eine eigene, hätte den Rahmen hier gesprengt und die Geduld der Kinder überstrapaziert.
Und die sati(e)rische Sache fiel uns ja fast allen nicht so leicht :)
Liebe Grüße
Sabine
Vergangenes Jahr - Antworten
MarieLue Liebe Grüße an die ganze Tierbande! Eine schöne Kindergeschichte! Sehr gern gelesen!
Herzliche Grüße
Marie
Vergangenes Jahr - Antworten
Memory 
Das freut mich!
Danke dir und auch hier ganz liebe Grüße
Sabine
Vergangenes Jahr - Antworten
MerleSchreiber Ich muss oder möchte voraus schicken, dass ich mit Tiergeschichten allgemein nicht wirklich viel anfangen kann, obwohl ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin. Vielleicht auch grade deshalb, da waren die Tiere in erster Linie Nutztiere.....
Zu deiner Geschichte: Ich glaube, ideal für Kinder im Vorschul- und erstem Grundschulalter. Diese würden dann auch den Fingerzeig im zweiten Teil schon verstehen und hätten eine Mordsfreude, wenn dann der Zoodirektor auf der Weide eingesperrt wäre. Ich werde es auch nächstes Wochenende mit meinen Enkeln (4,7,8) ausprobieren.... Das mit der "anderen Geschichte" ist ein geschickter Schachzug, das Interesse hochzuhalten, wobei ich mir auch die "Auflösung" des Rollentauschs noch hier gewünscht hätte.
Alles in allem, liebe Sabine, schön phantasievoll und sprachlich sowieso wieder perfekt. Einzig ein kleiner Flüchtigkeitsfehler auf Seite 7, letztes Drittel - dem alteN Krokodil (das n fehlt)
Liebe Grüße, Merle
Vergangenes Jahr - Antworten
Memory 
Jaaa, die Tiergeschichten ... Habe hier ja irgendwo erwähnt, dass sie auch nicht mein Highlight sind, aber wir wurden ja tierisch gezwungen :)
Um so mehr freut es mich, dass sie nun schon vier Enkelkindern vorgelesen wird. Mein Großer hat sie am Wochenende auch gelesen und meinte nur - Nee, das stimmt so alles nicht!
Harte Kritik, mit der ich nun leben muss :)
Dir sage ich vielen Dank, liebe Merle. Freue mich, dass du zufrieden warst.
Liebe Grüße
Sabine
Vergangenes Jahr - Antworten
Kornblume Hallo Sabine,
eine hübsche Geschichte für kleine Kinder, denen das Aufzählen der Tiernamen, wenn Oma/Mama etc., sie beim Vorlesen dazu auffordern sicher sehr viel Spaß macht und außerdem auch ein gutes Gedächtnistraining. Hier wäre zuviel Satire unangebracht.
Willi Willowitsch (ein richtiger Zungenbrecher) hat es verdient, dass er von den Zoobesuchern begafft wird. Hoffentlich mußte er nicht auch noch öffentlich pullern und so.
Das Lesen hat mir Spaß gemacht.Werde die Geschichte meinem Enkel , ( 4 Jahre alt) ,wenn er mich nächste Woche besucht , vorlesen. Bin auf seine Reaktion gespannt . Wir Erwachsenen können uns Sonstwas ausdenken ,doch die Phantasie der Kinder ist grenzenlos.
Grüß Rudi und die ganze tierische Bande von mir ,der Kornblume.
PS
Werde mit meinem Enkel zu Ostern einen Zoobesuch einplanen. Verspreche, ,dass wir beide diskret weggucken ,wenn eines der Tiere mal muss. :-i)
Vergangenes Jahr - Antworten
Memory 
Na dann ist ja gut :))
Danke, liebe Kornblume. Freue mich über deinen Kommentar.
Deine Aufgabe war wirklich nicht leicht. Vielleicht gefällt die Geschichte ja deinem Mini.
Lieben Gruß
Sabine
Vergangenes Jahr - Antworten
Andyhank Das ist eine andere Geschichte ... hm ...
Vielleicht solltest du jeweils diesen Satz weglassen. Stelle die Leser vor vollendete Tatsachen. Erklärungen um das Warum sollen sie sich selbst stellen, nur so wird eine Geschichte interessant.
Fehler ... nun ja, einige. Auch Ungereimtheiten in Sätzen.

Weißt du, ich lese nach Fertigstellung eines Textes immer jemandem laut mein eigenes Machwerk vor. Nur so erkennst du Unstimmigkeiten und Fehler am besten. Voraussetzung: Du liest den Text so, wie er tatsächlich dasteht.

Das Thema hast du angerissen, aber meiner Meinung nach nicht völlig umgesetzt. Nicht schlimm - wenn du mit deiner Geschichte zufrieden bist, ist es völlig egal, was andere denken. :)

Und wenn die Aufzählung der Tiere die Zuhörer jeglichen Alters erfreut, hast du dein Ziel erreicht. Jemanden zu unterhalten. Und das ist es doch, worauf wir alle abzielen!
Vergangenes Jahr - Antworten
Memory 
Danke dir.
Fehler finde ich leider nicht mehr, habe den Text wahrscheinlich zu oft gelesen. Und was die Unstimmigkeiten betrifft, kannst du mir gern auf die Sprünge helfen.
Alles andere ist vielleicht wirklich Geschmacksache.
Lieben Gruß
Sabine
Vergangenes Jahr - Antworten
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