Humor & Satire
Teufels Plaisir

0
"Geb mir die Sterne, Scheiß auf die Literatur..."
Veröffentlicht am 16. Mai 2016, 16 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Geb mir die Sterne, Scheiß auf die Literatur...

Teufels Plaisir

Bleistift







Teufels Plaisir

Satire

Teufels Plaisir


Traditionell ist der Tag der Arbeit, der Erste Mai, stets ein Ruhetag. Auch in der Hölle. Schließlich musste man sich auch von Beltane erholen und letztlich auch noch den Restalkohol von der letzten Nacht loswerden, um nicht den ganzen lieben langen Maientag, mit einem üblen Brummschädel herumzulaufen. Einer der im letzten Jahrhundert in die Hölle zugereisten Unterteufel hatte diesen ersten Maientag, dereinst als einen Feiertag entworfen und seither gab es an diesem Tag für die allermeisten, der ansonsten fleißig

Tätigen, eher nichts zu tun. Sie alle ruhten sich von den Mühen ihrer anstrengenden Tagewerke aus, so auch der Maestro höchstpersönlich selbst. Es saß auf seinem Küchentisch, schaute gelangweilt aus dem Fenster seiner Höllenküche und ließ dabei seinen behuften Fuß vom Tische herabbaumeln. Aber es passierte trotzdem nichts… Böse grinsend dachte er über ein geflügeltes Sprichwort nach, welches die Leute häufig im Zusammenhang mit dem Ersten Mai in Verbindung bringen. »Den lieben Gott, einen guten Mann sein lassen…« Dieser Satz machte ihn allerdings nach längerer Überlegung, erst richtiggehend wütend.

»Never!«, schrie er zornig auf, sprang geschwind von seinem Küchentisch herab und warf seinen Laptop an. Sie wissen schon, den, mit dem angebissenen Apfel, dessen fehlende rote Hälfte in der Vergangenheit auch schon beinahe jemand zum Verhängnis wurde... Nervös und mürrisch gelaunt, wartete er bis der Rechner das Betriebssystem hochgefahren hatte und schlug dann schnell die Seite eines Schreibportales auf. Wolln‘ doch mal sehen, was die Leute an ihrem freien Tag so alles tun und lassen, dachte er und begann zielgerichtet nach geeigneten Unverschämtheiten und Gemeinheiten, nach Verleumdungen und Boshaftigkeiten zu suchen. Vielleicht gab es ja

doch noch etwas zu tun, an diesem elenden, stinklangweiligen Tag. Überraschenderweise wurde der Schwarze auch tatsächlich fündig und klatschte vor Vergnügen in die Hände, als er bemerkte, wie eine der jüngeren Autorinnen ihren Text hemmungslos an die Pinnwand einer anderen jungen Autorin tackerte. Böse grinsend begann er interessiert zu lesen...


*







01. Mai 2011 um 17:01:37 Uhr

»Hallo liebe Jule, ich habe auch etliche Bücher hier in dem Portal einstehen, über Sternchen und Pokälchen täte ich mich von daher auch sehr freuen, zumal ich ja an keinerlei Wettbewerben teilnehme und so gesehen in keinerlei Konkurrenz zu Dir stehe. Sternchen und Pokälchen sind selbstredend wie eingefordert auch schon abgeliefert und ad acta gelegt. Ich werde deine Bücher genausowenig lesen, wie Du auch meine nicht lesen wirst, aber ein Austausch von Pokälchen, Sternchen und Däumchenhoch ist doch vollgeil «

*

Aber Hallo, hier bahnt sich doch etwas an, wovon ich samt und sonders profitieren kann! Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, sie kam sofort, nicht erst in Raten. Und höchst belustigt, ja gar heiter, las der Schwarze hastig weiter...

*

»Achja, und was ich noch sagen wollte: Ich werde nichts einen Stern geben, was mir nicht gefällt und schon gar nicht, wenn ich es nicht gelesen habe. Und auf solche STerne und Pokale bin ich auch in keinster Weise aus. Also, wenn ich das richtig gelesen ahbe und du einfach nur Sterne vergibst, ohne etwas zu lesen, kannst du den den du mir gegeben hast

gerne wieder zurückziehen. Das ist einfach nicht der Sinn, etwas zu bewerten ohne den Inhalt zu kennen. Trotzdem werde ich etwas von dir lesen und bewerten - was bei mir nicht unbedingt besternen bedeutet.«


* Hei, jeijei, ist das nicht süß gar abgewehrt, die geilen Sterne und Pokale, die sie heiß begehrt? Ooch, aber so meine Liebe, geht das aber nicht, du süßer kleiner Schmarotzer-Bösewicht. Du kannst mir jetzt nicht einfach rauben, jenes Wort, welches du mir einst gegeben,

wer soll dir dann noch glauben! Der Schwarze klatschte in die Hände...

»Oh‘, wie lieb ich sie, diese Intrigen, denn die, die sprechen doch wohl Bände!«

Empört rief nun die eine, »He, he, du weißt doch wie ich s‘ meine!« Und mit böser Wut im Bauche tackert sie sodann, ihre These gleich noch an die Pinnwand

der Kollegin an...


*

»Hallo :) wir waren uns doch einig, dass wenn ich deine

Sachen ungelesen mit Sternchen und Pokälchen abfeiere, dass du das auch bei mir tust, aber ich hab da noch nichts gesehen, du, da muss wohl was schief gelaufen sein? Geb mir doch auch mal ein Sternchen.

Das wär total nett, wenn du meine Sachen auch ein bisschen pushen könntest Du musst den Krempel ja auch nicht lesen. Mach ich bei Dir ja auch nicht. Weisst ja, eine Hand und so weiter... Bitte, bitte, ich flehe Dich an, geb mir

Sterne! LG Edda«


*

Gerührt wischt sich der Teufel seine Tränen vom Gesicht.

»Mädel, so gib ihr schon, wonach es ihr so sehr verlangt. Wir führen mitnichten hier ein hohes Strafgericht,

wovor es dir vielleicht im Herzen drückt und bangt. Was ein Präsident wohl kann, mit Schummel und mit Schmu, mein liebes junges Schreiberkind, das kannst

auch du! Ihr glaubt, dies wäre sicher nur ein Einzelfall? Ihr irrt euch Freunde, aber ganz gewaltig überall… Ob Höhnes, Schavan und Koch-Merin, sie alle langten mehrmals kräftig hin.«


*


»Drum höret meine Worte Und merkt euch denen Sinn. Schummelt man an seinem Lebensorte, dann ist der Wahrheitsglaube bald dahin. Aber ist indes der Ruf erst mal ruiniert, so lebt sich‘s später völlig ungeniert!...«


***







Impressum Cover: selfARTwork Text: Bleistift (Die Eintragungen an der öffentlich zu lesenden Pinnwand waren echt

und sind wortwörtlich, incl. Rechtschreibfehler übernommen worden... ) © by Louis 2011/5 Update: 2019/4

0

Hörbuch

Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

Leser-Statistik
29

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Brubeckfan Hallo Louis, gut verarbeitet! Es waren aber ja auch Steilvorlagen.
Tja wer erhielt nicht schon hier ähnliche Bettelbriefe. "Danke für die Coins, aber kanns nicht auch ein Favo sein?" -- Perverse Art von Ruhm durch Daumen, Followers usw.

Ich glaube zu wissen, welcher Präsident Dich zur Wiedervorlage inspirierte. Dasselbe, nur weniger harmlos.

Viele Grüße,
Gerd

P.S. Interessant, welche teuflischen Stellen blankpoliert wurden ;-)
Heute - Antworten
Willie Ja, der hat Harry recht, wer so versessen auf virtuelles Lob ist, dem ist anscheinend jede freundliche Zuwendung im normalen Leben versagt.
Haben wir Mitleid mit ihnen, diesen armen Seelen und lassen sie am besten links liegen...
lg
Sweder
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Ist das wirklich wahr? Sind die Menschen wirklich so versessen auf virtuellen Lob? Und wie traurig muss es bei denen im realen Leben zugehen. Ach übrigens, ich hab meine Seele schon vor Jahren an den Teufel verhökert, seidem lässt er mich in Ruhe. Und stiehlt mir meine Pokale.
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Was für ein Paradox! Der Tag der Arbeit ein Ruhetag!
Und gemeinsam mit dem zweiten Kaffeechen hat deine Story mir die letzte Müdigkeit aus den Gliedern gefegt ...
Und bestimmt nicht, weil du mich so oft bedenkst, beschenke ich dich heute - - -
sondern einfach, weil du da was "leider wehrhaft lästiges" rausgehauen hast ... !
Es gibt wohl so manchen - wie du mir, so ich dir ... Herzlein hin und Herzlein her ...
Aber eines versichere ich hier und jetzt:
Mit mir ist das nicht zu machen!
Ich bin so scheißehrlich, dass es mir häufig wie ein Fels im Wege steht. ;)
Vor langer Zeit - Antworten
Miranda Pruuuuuuuuußt vor lachen und SO ist es wirklich in vielen Foren.
Ich habe es selbst erlebt.
Liebe Grüße
sigrid
Vor langer Zeit - Antworten
KaraList Hach, da hast Du aber genau hingeschaut ... :-))
Schmunzelgrüße
Kara
PS: Taschengeld darf ich Dir noch nicht schenken - es gibt *chen :-))
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Huch Louis,
was ist das denn?
Egal, ganz vergnüglich zu lesen - deshalb ein sternfunkelndes Herzchen.
Schmunzelgrüße
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
baesta 
Ich steh´zwar nicht auf Sterne,
doch geb ich sie ganz gerne,
wenn ich zu faul zum Schreiben bin,
dann mal ich einfach Sterne hin.*************
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
gela556 Seite 8 = habe
Na ein Glück auch, ich stehe nicht auf Sterne
freue mich nur, über ehrliche Kommentare.
Das macht doch viel mehr Spass etwas dann zu schreiben
Gefällt mir sehr, diese EHRLICHKEIT ;-)))

Schönen Montagabend
Herzlichst, Angelika
Vor langer Zeit - Antworten
EllaWolke Ich mag diesen aufmerksamen Blick Deinerseits :-)


Liebe Grüße aus dem Rapunzelturm hinauf auf den Lichten Berg
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
11
0
Senden

143761
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung