Teufels Plaisir
Traditionell ist der Tag der Arbeit, der Erste Mai, stets ein Ruhetag.
Auch in der Hölle.
Schließlich musste man sich auch von Beltane erholen und letztlich auch noch den Restalkohol von der letzten Nacht loswerden, um nicht den ganzen lieben langen Maientag, mit einem üblen Brummschädel herumzulaufen.
Einer der im letzten Jahrhundert in die Hölle zugereisten Unterteufel hatte diesen ersten Maientag, dereinst als einen Feiertag entworfen und seither gab es an diesem Tag für die allermeisten, der ansonsten fleißig
Tätigen, eher nichts zu tun.
Sie alle ruhten sich von den Mühen ihrer anstrengenden Tagewerke aus, so auch der Maestro höchstpersönlich selbst. Es saß auf seinem Küchentisch, schaute gelangweilt aus dem Fenster seiner Höllenküche und ließ dabei seinen behuften Fuß vom Tische herabbaumeln. Aber es passierte trotzdem nichts…
Böse grinsend dachte er über ein geflügeltes Sprichwort nach, welches die Leute häufig im Zusammenhang mit dem Ersten Mai in Verbindung bringen.
»Den lieben Gott, einen guten Mann sein lassen…«
Dieser Satz machte ihn allerdings nach längerer Überlegung, erst richtiggehend wütend.
»Never!«, schrie er zornig auf, sprang geschwind von seinem Küchentisch herab und warf seinen Laptop an.
Sie wissen schon, den, mit dem angebissenen Apfel, dessen fehlende rote Hälfte in der Vergangenheit auch schon beinahe jemand zum Verhängnis wurde...
Nervös und mürrisch gelaunt, wartete er bis der Rechner das Betriebssystem hochgefahren hatte und schlug dann schnell die Seite eines Schreibportales auf.
Wolln‘ doch mal sehen, was die Leute an ihrem freien Tag so alles tun und lassen, dachte er und begann zielgerichtet nach geeigneten Unverschämtheiten und Gemeinheiten, nach Verleumdungen und Boshaftigkeiten zu suchen. Vielleicht gab es ja
doch noch etwas zu tun, an diesem elenden, stinklangweiligen Tag. Überraschenderweise wurde der Schwarze auch tatsächlich fündig und klatschte vor Vergnügen in die Hände, als er bemerkte, wie eine der jüngeren Autorinnen ihren Text hemmungslos an die Pinnwand einer anderen jungen Autorin tackerte.
Böse grinsend begann er interessiert zu lesen...
*
01. Mai 2011 um 17:01:37 Uhr
»Hallo liebe Jule,
ich habe auch etliche Bücher hier in dem Portal einstehen, über Sternchen und Pokälchen täte ich mich von daher auch sehr freuen, zumal ich ja an keinerlei Wettbewerben teilnehme und so gesehen in keinerlei Konkurrenz zu Dir stehe. Sternchen und Pokälchen sind selbstredend wie eingefordert auch schon abgeliefert und ad acta gelegt. Ich werde deine Bücher genausowenig lesen, wie Du auch meine nicht lesen wirst, aber ein Austausch von Pokälchen, Sternchen und Däumchenhoch ist doch vollgeil «
*
Aber Hallo, hier bahnt sich doch etwas an,
wovon ich samt und sonders profitieren kann!
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten,
sie kam sofort, nicht erst in Raten.
Und höchst belustigt, ja gar heiter,
las der Schwarze hastig weiter...
*
»Achja, und was ich noch sagen wollte: Ich werde nichts einen Stern geben, was mir nicht gefällt und schon gar nicht, wenn ich es nicht gelesen habe. Und auf solche STerne und Pokale bin ich auch in keinster Weise aus. Also, wenn ich das richtig gelesen ahbe und du einfach nur Sterne vergibst, ohne etwas zu lesen, kannst du den den du mir gegeben hast
gerne wieder zurückziehen. Das ist einfach nicht der Sinn, etwas zu bewerten ohne den Inhalt zu kennen.
Trotzdem werde ich etwas von dir lesen und bewerten - was bei mir nicht unbedingt besternen bedeutet.«
*
Hei, jeijei, ist das nicht süß gar abgewehrt,
die geilen Sterne und Pokale, die sie heiß begehrt?
Ooch, aber so meine Liebe, geht das aber nicht,
du süßer kleiner Schmarotzer-Bösewicht.
Du kannst mir jetzt nicht einfach rauben,
jenes Wort, welches du mir einst gegeben,
wer soll dir dann noch glauben!
Der Schwarze klatschte in die Hände...
»Oh‘, wie lieb ich sie, diese Intrigen, denn die, die sprechen doch wohl Bände!«
Empört rief nun die eine,
»He, he, du weißt doch wie ich s‘ meine!«
Und mit böser Wut im Bauche tackert sie sodann,
ihre These gleich noch an die Pinnwand
der Kollegin an...
*
»Hallo :)
wir waren uns doch
einig, dass wenn ich deine
Sachen ungelesen mit Sternchen
und Pokälchen abfeiere,
dass du das auch bei mir tust,
aber ich hab da noch nichts gesehen,
du, da muss wohl was schief
gelaufen sein? Geb mir doch auch mal ein Sternchen.
Das wär total nett, wenn du meine Sachen auch ein bisschen pushen könntest
Du musst den Krempel ja auch
nicht lesen. Mach ich bei Dir
ja auch nicht. Weisst ja, eine
Hand und so weiter...
Bitte, bitte, ich flehe
Dich an, geb mir
Sterne!
LG
Edda«
*
Gerührt wischt sich der Teufel seine Tränen vom Gesicht.
»Mädel, so gib ihr schon, wonach es ihr so sehr verlangt.
Wir führen mitnichten hier ein hohes Strafgericht,
wovor es dir vielleicht im Herzen drückt und bangt.
Was ein Präsident wohl kann, mit Schummel und mit Schmu,
mein liebes junges Schreiberkind, das kannst
auch du!
Ihr glaubt, dies wäre sicher nur ein Einzelfall?
Ihr irrt euch Freunde, aber ganz gewaltig überall…
Ob Höhnes, Schavan und Koch-Merin,
sie alle langten mehrmals kräftig hin.«
*
»Drum höret meine Worte
Und merkt euch denen Sinn.
Schummelt man an seinem Lebensorte,
dann ist der Wahrheitsglaube bald dahin.
Aber ist indes der Ruf erst mal ruiniert,
so lebt sich‘s später völlig ungeniert!...«
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Impressum
Cover: selfARTwork
Text: Bleistift (Die Eintragungen an der öffentlich zu lesenden Pinnwand waren echt
und sind wortwörtlich, incl. Rechtschreibfehler übernommen worden... )
© by Louis 2011/5 Update: 2019/4