Es war ein Licht, das sie an diesen Ort führte.
Es war Vorsehung, die sie in sich spürte.
So hat sie sich in kalter Winternacht
ganz einfach auf den Weg gemacht.
Sie war in der Bibliothek nur selten gewesen.
Eigentlich mochte sie gar nicht lesen.
Nun stand sie vor dem großen Tor.
Es lag ein kleines Bündel davor.
Ein kleines Bündel, in Decken gehüllt.
Sie sah das Licht, hat sich wohl gefühlt.
Ganz langsam beugte sie sich nieder.
Dann kamen die Erinnerungen wieder.
Es war in einer Winternacht,
da hat sie ein Kind zur Welt gebracht.
Behalten konnte sie es nicht.
Sie gab ihn frei, den kleinen Wicht.
Sehr viele Jahre war das her.
Sehr oft war ihr das Herze schwer.
Wie mag es ihrem Sohn ergehen?
Sie hat ihn seitdem nie mehr gesehen.
Nun hatte das Licht sie an diesen Ort geführt.
Sie hat die Bedeutung gleich gespürt.
Sie holte sie ein, die Vergangenheit.
Sie hatte Gefühle wie vor langer Zeit.
Ein Wimmern ging von dem Bündel aus,
denn es war kalt vor dem großen Haus.
Vorsichtig nahm sie das Bündel auf.
Auf der Decke lag ein Zettel drauf:
„Wenn du ihn findest, nimm ihn an,
versorge ihn, den kleinen Mann,
denn ich bin jung, ich bin allein,
ich kann nicht seine Mutter sein.“
So hat sie das Baby aufgenommen.
So ist ihr Sohn zu ihr zurückgekommen
in dieser kalten Winternacht.
Sie hat das Kind nach Haus gebracht.
Erst Jahre später wurde ihr klar,
dass es der Heilige Abend war,
dass es ein Licht war, das ihr den Weg gezeigt.
Sie hat sich in Demut vor Gott verneigt.
Sie war noch niemals so glücklich gewesen.
Seit diesem Tag hat sie viel gelesen,
fand sich regelmäßig in der Bibliothek ein.
Dank des Lichts wird sie nie mehr alleine sein.