Kurzgeschichte
Dringende Angelegenheit

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"Dringende Angelegenheit"
Veröffentlicht am 15. April 2016, 16 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Andyhank
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Der Alltagslyriker Andyhank (sprich: Ändihänk), mit bürgerlichen Namen "Andreas Hanke", zeichnet und schreibt, musiziert und komponiert, bastelt, kreiert, kocht und gärtnert. Humor ist sein liebstes Steckenpferd, was nicht immer bedeutet, dass alles, was hervorgebracht wird, auch lustig sein muss. Lassen wir Leser uns bezaubern von einer Denkweise der Dichtkunst, die nicht allzu oft anzutreffen ist, lassen wir Betrachter uns anstecken von ...
Dringende Angelegenheit

Dringende Angelegenheit

Prolog




Lieber Leser! In dieser Kurzgeschichte geht es um das Thema „Farbenlehre“, nachzulesen im Forumsbattle 50, im Forum auf der Webseite mystorys.de. Eine Farbe der vorgegebenen galt es herauszupicken und in Szene zu setzen. Außerdem sollten 8 Vorgabewörter eingebaut werden, die hier alle im Text vorkommen. Viel Spaß beim Lesen der Geschichte!

Dringende Angelegenheit

Rudi war mit seinem Hängerzug unterwegs. Die Nacht schimmerte in diffusen Farben. Braungraue Schimären durchstreiften die Lichtkegel der Scheinwerfer. Rudi kannte die Strecke. Im Prinzip könnte er während der Fahrt schlafen. Schließlich gab es ja am Straßenrand diese Leitplanken, die sicherlich nicht umsonst so hießen. Doch Rudi hatte nicht vor, die Definition auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen.


Die Magie des Unbekannten schien zwar lockenswert, jedoch nicht heute. Vielleicht morgen … Irgendwann, in irgendeiner Pampa, auf der recht einsamen Strecke, grummelte es in Rudis Magen. Oder eher im Bauch. Auch das noch, brummte Rudi, ausgerechnet jetzt! Er parkte den Hängerzug an einer Bushaltestelle. Um diese Zeit würde sicherlich KEIN Bus kommen. Rudi kletterte die Stufen des LKWs herunter und peilte die Lage. Dunkelheit, niemand in Sicht, kein Klo weit und breit, Klopapier in Buchform vorhanden. Was tun? Auf den verranzten Müllkorb setzen?

Da könnte man sich ja sonstwas wegholen …

Doch Rudi war schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Behände zog er sich die Hosen runter und bekletterte die Deichsel des Anhängers, nicht ohne sich vorher des Buches bemächtigt zu haben. Sooo ließ sich das Geschäft prima erledigen! Man weiß nämlich, was gut ist. Und gut ist es, angenehm zu sitzen. Rudi hielt die Augen beim Drücken geschlossen. Er drückte wohl zu stark, sodass es ihm hinter den Lidern flimmerte. Das Spektrum eines Regenbogens schien ein Scheißdreck dagegen zu sein. Selbst wenn man danach die Augen öffnet, explodieren die Farbpigmente zu gleißenden Sternen wie kleine Atomkerne nach allen Seiten, bis sich die Guckerchen an die

Dunkelheit wieder gewöhnt haben. Als er fertig war, riss er ein paar Seiten aus dem Buch und hygienisierte seinen Sitzbereich, denn im Stehen fuhr es sich schlecht. Dann drehte er die Papiere zu einer kleinen Rolle zusammen und steckte sie in die Mitte des ziemlich beeindruckenden Haufens. Als Rudi etwas später wieder in der Fahrerkanzel saß, schaute er im Licht der Kabine, welches Buch er benutzt hatte. Goethes Faust. Ausgerechnet Goethe. Nun ja, die Geschichte war sowieso schwer zu lesen und überhaupt – wie kommt ein derartiger Mist überhaupt in sein Auto? Rudi runzelte die Stirn und wischte mit einer imaginären Handbewegung die Gedanken

daran hinfort. Schließlich war er kein … Waschlappen, oder Pantoffelheld, der sich täglich mit einem derartigen Quatsch beschäftigte. Diesel, Gummi, Geschwindigkeit – das waren seine Begriffe, mit denen sich was anfangen ließ. Goethe … phhfff … Rudi startete den Motor. Zeit ist schließlich Geld. Er ließ die gelegte Staffelei hinter sich, und fuhr seinem Ziel entgegen.

Irgendwann, nachdem Rudi die Waren, die er transportierte, gelöscht und Neue aufgenommen hatte, ging es den gleichen Weg wieder zurück. Inzwischen stand längst die Sonne über dem Horizont und die Wolken wirbelten im Schneckentempo am

Himmel entlang. Rudi blinzelte nach oben. Manche Formationen sahen richtig nach etwas aus. Wie ein Drache zum Beispiel, oder die andere dort … wie ein Schaf (… ein Wolkenschaf – Rudi grinste), oder die eine da … wie ein Barhocker … Nun wird es blöd, brummte Rudi und kniff mehrmals kurz hintereinander die Augen zusammen. Nun ja, bald schon … bald schlafen … aber nicht jetzt!

Rudi sah schon von weitem, dass an der Bushaltestelle, an der er nachts seine sicherlich imposante Farbenlehre

hinterlassen hatte, ein enormer Haufen Leute stand, die alle nach unten schauten und

sicherlich nicht dort den Bus erwarteten. Rudi dachte sich gleich, worum es sich handeln könnte. Als er auf gleicher Höhe war, bremste er sein Fahrzeug ab und rief durch das schon heruntergekurbelte Fenster den erstaunt zu ihm heraufschauenden Leuten zu: „DIESE RECHTEN WICHSER! Jetzt setzen die hier schon ihre Stempel hin. Wo soll das nur hinführen …!“

Kopfschüttelnd ließ er den Hängerzug anrucken und fuhr weiter. Als die Menge aus seinem Blickfeld verschwunden war, tränten ihm die Augen schon vor Lachen.











Tja, Rudi wäre nicht Rudi, wenn er dem Ganzen nicht irgendwie die Krone aufgesetzt hätte.

Epilog







Goethes Farbenlehre setzt sich aus bestimmten Komponenten zusammen, die begrifflich erwähnt, im Text vorkommen sollen. Als Autor jedoch denke ich, dass diese Begriffe, wie bei meiner Geschichte, wo es um die Farbe Braun geht, nicht im Text erwähnt werden müssen, da diese bereits daraus hervorgehen.


Braun – Bräunung der Haut (Schönheit), Erde, Bodenständigkeit, Nationalsozialismus, Kot Bräunung der Haut – ist hier die zurückgelassene Patina beim Erleichterungsmoment, was jetzt nicht unbedingt etwas mit Schönheit zu tun haben muss, aber kann. Erde – ist doch wohl klar, dass die Handlung auf der Erde passiert und nicht auf dem Mond. Bodenständigkeit – auch klar, schließlich hat der Fahrer einen festen Stand mit den Füßen und außerdem einen anständigen Beruf.


Nationalsozialismus – geht aus der Ausdrucksweise zweier Wörter, die Rudi den Leuten zuruft, klar hervor. Kot – ist wohl eindeutig genug, schließlich spielt er eine Hauptrolle in dieser Geschichte.

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Hörbuch

Über den Autor

Andyhank
Der Alltagslyriker Andyhank (sprich: Ändihänk), mit bürgerlichen Namen "Andreas Hanke", zeichnet und schreibt, musiziert und komponiert, bastelt, kreiert, kocht und gärtnert.

Humor ist sein liebstes Steckenpferd, was nicht immer bedeutet, dass alles, was hervorgebracht wird, auch lustig sein muss.
Lassen wir Leser uns bezaubern von einer Denkweise der Dichtkunst, die nicht allzu oft anzutreffen ist, lassen wir Betrachter uns anstecken von der Phantasie und Kreativität, von den unendlichen Weiten, aus den unerschöpflichen Vorräten der Andyhankologie.
Weitere Informationen gibt es auf: www.andyhank.de und auf Instagram @knahydna

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baesta Ha, so was kann mir nicht passieren, habe nämlich immer ´ne Rolle Klopapier im Auto.....
Tolle Lach-und Sachgeschichte.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Und Wahrheitsgeschichte. :)
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Eine tolle Geschichte und grinsend wollte ich ein Paar Taler hinüber schicken, aber L... lässt mich nicht!
LG Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Dankeschön! :)
Ach, ein paar Herzchen sind auch nicht schlecht ... :D
Vor langer Zeit - Antworten
BellaCPernier Ich würde es auch nicht wagen, die Leitplanken auf die Probe zustellen.

Eine Humorvolle Geschichte hast du geschrieben.

Viel glück .

LG catherine
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Moin. Glück ist mir relativ, Hauptsache, die Geschichte kommt an. :)
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Trucker Bruno ist schon eine Marke ... aber eben unkompliziert und prakmatisch, wie die Trucker halt eben sind.
Ich musste aber doch etwas darüber schmunzeln, wie der Regenbogen zustande kam. Ich nehme an, dass Bruno das Motto kannte - lach.
Deine Geschichte hat mir gut gefallen. Wäre ich noch in der Jury, dann hättest Du intuitiv, 50 Pkt. bekommen. :-)) - LG Fred
Vor langer Zeit - Antworten
Andyhank Hm, wer ist Bruno? Hier geht's um Rudi.
Und seine Hinterlassenschaften ... :D
Und 50 Punkte? Nehme ich auch so gerne. ;)
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Sorrry, Andy, Rudi war natürlich gemeint, ich habe ihn mit seinem Zwillingsbruder Bruno verwechselt, der ist nämlich auch Trucker. Es könnte gut sein, dass er ähnlich mit seinen Hinterlassenschaften umgeht, denn das bietet sich ja an und der Epilog trifft auch auf ihn zu. . :-))
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Ziemlich "anrüchig",
aber eine humorvolle Art, die Farbe braun zu thematisieren!
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
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