Gedichte
La Fantasia

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"Ein Thema, zu dem es unendlich viele Kapitel geben könnte"
Veröffentlicht am 28. Februar 2016, 56 Seiten
Kategorie Gedichte
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Über den Autor:

In mir spiegeln sich so manche Dinge. Manche werden zu Worten. Manche bleiben ein Geheimnis und ich lebe mitten darin.
Ein Thema, zu dem es unendlich viele Kapitel geben könnte

La Fantasia

Prolog


Braucht die Phantasie eine Einführung? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich sage, sie braucht eine Einführung. Die Phantasie braucht die richtigen Fragen. Was ist Phantasie? Eine Definition von mir? Nie im Leben! Das Nachdenken über die Phantasie, das macht nur der Mensch, oder? Ist Phantasie immer da, angeboren oder entwickelt sie sich? Kann Phantasie verschwinden? Ist Phantasie nur ein anderes Wort für Imagination oder ist sie mehr? Ist das Leben nur eine Phantasie? Reicht unsere Phantasie für den Tod? Reicht unsere Phantasie für unser Leben? Kann die Realität die Phantasie

übersteigen? Die Phantasie und die Sehnsucht, zwei Schwestern? Die Phantasie und der Traum, ein Pärchen? Die Phantasie und der Mut, eine Verwandtschaft? Die Phantasie, eine Möglichkeit alles tun zu können? Was regt unsere Phantasie an? Was regt uns an der Phantasie auf? Was fesselt uns an der Phantasie? Wie fesselt die Phantasie uns? Kann ich vor meiner Phantasie Angst haben? Wenn ja, dann wäre es wohl die Angst eines Devoten vor einer Dominanten! Die Phantasie ist ein Rennpferd. Bin ich der Jockey? Reicht meine Phantasie für all die Phantasie(n), die es

gibt? … Die Phantasie, sie ist immer ein Aufbruch, eine Reise! Viele Fragen, die Antworten muss jeder für sich selbst finden. Niemand muss sich seiner Phantasie(n) schämen! Braucht man Phantasie, um über die Phantasie zu schreiben? Mögliche Antworten in den folgenden Kapiteln…

Phantasie und Fließen


Der Fluss der Phantasie rauscht, ich kann ihn spüren, ich kann ihn hören, ich kann die Augen seelenruhig geschlossen halten. Aus dem Fluss der Phantasie kristallisieren sich Bilder, kristallisieren sich Sequenzen, kristallisieren sich Worte. Ich öffne die Augen, der Fluss der Phantasie rauscht immer noch, manche Bilder und Sequenzen zerfließen, andere zerfließen nicht, treten in Konkurrenz zu augenscheinlichen Reizen.



Wo bin ich? Hatte ich einen Traum? Worte fließen in meinem Kopf, Worte fließen auf leere Seiten, damit bedeckt weißes Rauschen seine Blöße


Phantasie und traum


Traum. Phantasie. Traumphantasie. Fließende Grenzen. Die Phantasie lässt mich in einen Traum fallen. Der Traum schleudert mich in ein Irgendwo. Ich steige hinauf. Ich falle hinab. Ich falle heraus. Es kommt das Vergessen. Es zerstiebt der Traum. Es bleibt die Phantasie. Tag. Traum. Tagtraum. Die Phantasie ist seine

Energie. Die Phantasie ist sein Treibmittel. Fließende Grenzen in vermeintlicher Wirklichkeit. Sekunden. Minuten. Gefühlte Unendlichkeiten in Raum und Zeit. Gesponnene Fäden halten mich im Hier und Jetzt. Fesselnde Ketten oder rettende Seile?

Nacht. Traum. Nachtraum. So drängt der Tag(traum) in meine(n) Nacht(traum). Ist die Phantasie darin eine andere? Ein erschlaffter Körper. Fließende Neurotransmitter. Fließende Signale.


Fließende Bilder…

Phantasie und sinne


Phantasie lässt uns Dinge sehen, so, wie wir sie uns wünschen. Formen, Farben, alles kann passieren. Formen, Farben, alles kann anders sein. Die vermeintliche Realität ist nicht so wichtig. Was ist schon Realität? Wer weiß, vielleicht ist die Phantasie die Realität und das Reale eine wirre Phantasie. Die Phantasie betrügt die Sinne. Lässt sie Dinge fühlen, sehen, die nicht da sind. Die Dinge stehen Kopf, wir stehen auf dem Kopf. Wer will schon zurück auf seine Füße, auf jene Erde, die so große Gravität besitzt.

Phantasie lässt uns das Ungewöhnliche im Normalen sehen und geht weit darüber hinaus. Damit macht die Phantasie Sinn.


Phantasie und Regulation




Phantasie kann man nicht regulieren, sie lässt sich nicht in Bahnen lenken, wie Strom durch eine Leitung.




Phantasie breitet sich aus, sie ist ein Fluss, ein Meer, ein Ozean. Ist sie die Inspiration von all dem hier?

Phantasie und Horizont


Das Meer, unendliche Weiten, jedenfalls damals. Und heute? Der Horizont ist geblieben. Nur eine Richtung kennt seine Phantasie, westwärts. Oder ist es ein Traum? Wer vermag es zu unterscheiden? Ihm ist die Unterscheidung gleich. Leben muss man die Dinge, leben.

Cristoforo Colombo lebt seinen Traum, lebt seine Phantasie, westwärts, immer nur westwärst. Genua, Spanien, westwärts, immer nur westwärst. Überzeugt von sich, seine Phantasie, seine Träume überzeugen andere. Entdeckerphantasien, Machtphantasien, seine Phantasien und die der anderen. Die Segel sind gesetzt, der Wind ist günstig, die Schiffe gleiten zum Horizont, Die Richtung ist keine

Phantasie. Phantasie, Traum, einödes Tagwerk lenkt ab vom Nachdenken über sich verschiebende Horizonte. Immer gleicher Meereshorizont, Vordergründige Lichtspiele ersetzen keine nachhaltigen Träume. In Menschen harren Träume und Phantasie der Erfüllung, sie wollen auf festem Boden ankommen. In der Phantasie die Umkehr, die Heimkehr, dann dort hinten im Dunst eine schemenhafte Küste, vergessen die Umkehrphantasie; Entdeckerphantasien, Eroberungsphantasien, Machtphantasie gewinnen an Schärfe.

Die Realität überschreibt die Phantasie, Inselparadiese wandeln sich zu Alltagshöllen, Phantasie lässt neue Horizonte aus dem Ozean aufsteigen, Die Reise geht weiter, immer weiter. Die Richtung? Unbestimmt…


Angelo: Nicht alles, was als Phantasie daherzukommen scheint, basiert auf 'Hingespinsten' (die dann phantasierend ausgeschmückt und eventuell passend gemacht werden) - Cristobal Colon sponn sich seinen Seeweg nicht zurecht - er "wusste" ihn als sicher vorhanden und war sich nur nicht ganz klar, wann er am Ziel würde sein.

Ich: Auch wenn der Weg vermeintlich für ihn existierte, so musste er ihn doch imaginieren, sein Ziel fest im Denken halten und vor den Sturmböen des Alltags bewahren. Imagination, Phantasie, Wille im Denken - fließende Grenzen.


phantasie und buchstaben


Die kleinen Türme reihen sich an der Uferpromenade auf. Alle paar hundert Meter steht einer. Ihr Alter kann ich nicht schätzen, ihr ursprünglicher Zweck erschließt sich mir nicht.




Um den Turm winden sich Stufen. Stabile Ketten sichern den Weg hinauf und oben die Plattform, von der man aus die Umgebung bewundern kann




Menschen, die da oben weilten, haben die Kettenglieder mit Vorhängeschlössern verziert. Oft befinden sich ganze Bündel davon auf engstem Raum. Ein Schlosspärchen hängt ohne unmittelbare Nachbarn an den schweren, rostigen Kettengliedern. S + M prangt als Namenszug vor

dem Horizont. Übersah ich B + D irgendwo? Vielleicht stehen diese Buchstaben auf dem zweiten Schloss. Ich sehe nicht nach.



S + M, nur ein Namenszug, hinterlässt hier jemand seine Vorliebe(n)? Ist das nur Phantasie? BDSM, meine Phantasie? Dieses Schloss an der schweren Kette. Was für eine Symbolik! Absicht? Ich werde es nie erfahren. Brauchen wir Meisterinnen und Meister? Brauchen wir die Phantasie für eine Submission? Brauchen wir die Phantasie für unsere Freiheit, weil die menschliche Welt ohne Dominanz und Devotion gar nicht existieren könnte?

Bereit für Phantasie?


Manchmal bin ich nicht bereit für meine Phantasie, aber das stört sie nicht. Sie (über)kommt (mich) trotzdem. Kann ich vor meiner Phantasie davonrennen? Wie soll das funktionieren? Wie könnte ich vor meinem Kopfe davonrennen? Warum kämpfen? Warum nicht einfach verlieren? Warum sich ihr nicht einfach ergeben?




Phantasie und türen


Die Phantasie öffnet mir nicht die schwere Tür, vor der ich stehe, die mit einem schweren Riegel sich mir verschließt. Die Phantasie bricht auch nicht das dicke Mauerwerk auf, um in das Innere zu gelangen. Die Phantasie beherrscht den quantenmechanischen Trick des Tunneleffekts und sieht so für mich hinter Tür und Mauerwerk. Was sieht die Phantasie? Gibt es nicht eine Wahrscheinlichkeit für alles?


Ist dahinter eine Schatzkammer, deren Truhen vor Gold, Geschmeide und Edelsteinen überquellen? Ein Hort unendlichen Reichtums. Lohnt die Eroberung? So bräuchte ich hernach viel Phantasie um das Eroberte vor erneuter Eroberung zu schützen. Ist dahinter ein Kerker, der voller Gefangener ist, die mit Ketten an Mauern geschmiedet sind und leiden? Ein Hort unendlicher Ungerechtigkeit. Lohnt die Befreiung? Die Befreiten könnten ebenso auch Täter sei, die mich als Lohn mit ihren Ketten strafen. Dieser Phantasie will ich nicht Eintritt in meine Wirklichkeit gewähren. Ist dahinter einfach nur ein leerer Raum, in dem sich noch nicht einmal ein paar Ratten tummeln? Ein Hort unendlichen Vergessens. Lohnt das Betreten? Den Staub der Jahrhunderte wirbelt meine Phantasie auf. Ist dahinter ein Büro des Personals, welches hier

Wache und Ordnung hält? Ein Ort unendlicher Profanität. Lohnt der Einlass? Auf Schreibtischen, die Jahrzehnte alt sind, stehen Vasen mit blühender Phantasie, die es immer wieder zu erneuern gilt.

phantasie und gewalt


Die Phantasie lässt donnernde Kanonenschüsse auf die Wirklichkeit los und manchmal fällt das festgefügte Mauerwerk der Realität in Trümmer. Besser die Gewalt in der Phantasie haben als die Gewalt in der Wirklichkeit. Gewaltphantasien, phantastische Kriege, all das sollte Phantasie bleiben.


phantasie und buchstaben (2)

Das W – die W’s (von Angelo Zitto) w wer was warum wo wieso wirklich? warten worauf... wer weiß was wollen wir wirklich wissen? WOW weiß wie Watte weshalb Warten wann Worte wollen weggeworfen

werden wie? Wochenende! wacker würfeln wir werden wach wer wird wieder (wohin) weggelobt? weg weg Wegwarte Wüste wüst Waren W


Angelo: Meine W's sollten eigentlich so enden: (So gebe ich deinem Gedicht nun sein geplantes Ende) "Wawa - will wohl werden Dada."


Mein Freund, du bist deiner Phantasie gefolgt und es entspann sich ein Wortspiel. Muss man seinen Sinn enträtseln. Nein. Warum auch? Vielleicht könntest du es nicht einmal selbst. Nicht alles bedarf einer rationalen Erklärung. 






Angelo: Damit liegst Du in unterstellter Sinnfreiheit durchaus richtig. So mancher Unsinn ist sinnvoller als manche Rationalität, sage ich.

Also bleiben Bild und Worte einfach stehen und wir überlassen sie der Phantasie der Anderen.


…wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm! (Aus dem Sesamstraßenlied)

phantasie und der Tod  (ein epilog)


Die Phantasie scheint schier unendlich zu sein, ein uferloser, schiffbarer Ozean. Dennoch spielt sich das alles in durchschnittlich 1230 Kubikzentimetern Gehirnvolumen ab. Ein unendlicher Ozean im Knochengehäuse. Reicht die Phantasie für den Tod? Die Barriere, die jeder durchtunneln muss. Wir stellen uns ein Paradies vor, die absolute Dunkelheit oder was sonst noch zwischen den Extremen liegt. Wird der Tod jede Phantasie über ihn Lügen strafen? Ich kann es mir gut vorstellen in meiner Phantasie.


Fotos: © Tusitala und Angelo Zitto Worte: © Tusitala und auch mal Angelo Zitto

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Tusitala
In mir spiegeln sich so manche Dinge. Manche werden zu Worten. Manche bleiben ein Geheimnis und ich lebe mitten darin.

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Magnolie Eine sagenhafte Auseinandersetzung mit der Fantasie, die ich sehr gern gelesen habe. Danke für die Fragen und die Denkanstöße. Die Fotos sind traumhaft.
Herzlichst
Manu
Vor langer Zeit - Antworten
Tusitala Das freut mich und mein Dank an dich.

LG Tusitala
Vor langer Zeit - Antworten
Phantasus Fantasie ist unendlich vielgestaltig. Das verdeutlichen deine Fragen und dein Gedicht sehr gut.
LG
Ekki
Vor langer Zeit - Antworten
Tusitala Den Schreiber freut es, wenn es dem Leser gefällt.

Danke für alles und einen lieben Gruß
Tusitala
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Die Fantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
Albert Camus

Ich habe deine Ausführungen sehr gern gelesen und die wunderschönen Bilder genossen.

Liebe Grüße in den Sonntag
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Tusitala Liebe Fleur,
danke für alles. Besser als Albert Camus kann man es wohl nicht ausdrücken. Es freut mich, dass meine Worte und die Bilder dir gefallen haben. Fantasie ist ja wirklich ein weites Feld.

Liebe Grüße am Sonntagabend
Tusitala
Vor langer Zeit - Antworten
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