Romane & Erzählungen
Schneesturm - Forumsbattle 47

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"Schneesturm - Forumsbattle 47"
Veröffentlicht am 03. Januar 2016, 14 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
© Umschlag Bildmaterial: Andrea Minutillo
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich - eindeutig rot - freiheitsliebend - in mir drin schon mal unsicher, beinahe verklemmt - nach außen der Fels in der Brandung - die Person, auf die man sich verlassen kann - auch mal anlehnen, kein Problem - ein dunkles samtiges Rot also - richtig viel Farbe - dicke Haufen davon auf der Leinwand - Struktur - Kunstschule Zürich - zahlreiche Ausstellungen in der Region - flippig - flapsig - bunt in mir drin - auch mal ...
Schneesturm - Forumsbattle 47

Schneesturm - Forumsbattle 47

Schneesturm


Das Schlagen des Hammers klingt wie Musik in meinen Ohren.

Ein exorbitanter Beat fügt die 2,30 m langen Keilrahmenleisten aneinander. Das weiße Tuch versucht sich flatternd zu entziehen.


Mit geübtem Griff spanne ich es behände, bis es kein einziges Fältchen mehr wirft.


Es ist zwar kalt, doch am liebsten arbeite ich an der Luft.

Voller Vorfreude auf die rasanten Lichtwechsel an diesem stürmischen Tag, befestige ich die Leinwand an den, für besonders große Projekte zwischen den Mauersteinen eingefügten, Haken.


Ich staune nicht schlecht über die Größe, die sich hier vor mir aufbäumt.


Nun grinst sie schräg auf mich herab. Die Leinwand in strahlendem Weiß.


Überheblich und anmaßend.


Ich stelle mich hastig auf meinen vierstufigen Leitertritt und biete Paroli. Will mich nicht einschüchtern lassen.

Nicht an diesem Tag.

Nicht bei diesem Wolkenspiel!

Doch der Wind rüttelt garstig an meinem Hochstand und bringt mich beinahe zu Fall.

Widerspenstig ziehe ich den Gürtel meines Flanellmantels straff und halte entschlossen mein Gleichgewicht.


Die Leinwand grinst herausfordernd: „Du hast dir zu viel vorgenommen, du kleines Menschlein.“ „Bis hierher habe ich dich erschaffen und gemeinsam werden wir Großartiges vollbringen“, schreie ich gegen den Lärm des Windes.

Das Grinsen der Leinwand wird breiter und hässlicher.


Mit mir nicht!

Wie zur Drohung nehme ich mit der ausladenden Pinselquaste schwarze Farbe auf.

Und plötzlich …

Flucht der Materie.

Mein Geist scheint sich über den Körper zu stülpen.

Organisch nicht existent.

Alles entschwindet.

Was bleibt, ist Stille. Weiße Stille.

Bedrohlich und bezaubernd. Entwaffnend und bizarr.


Ich höre das Dröhnen des Weiß.

Nichts, was ablenken oder auch einlenken könnte.


Weiß in seiner ganzen Macht.

Ich wage keinen Schritt.

Ganz sachte, aber unweigerlich sinke ich ein.


Kein Zurück.

Ein Blickversuch in das, was war. Vergeblich.

Unendliches Weiß.

Ich bin ohne Vergangenheit,

ohne Gegenwart,

ohne Zukunft.

Bin ich?

Meine Gedanken verworren,

die Gefühle trügerisch.

Planlos lasse ich mich sinken. Habe keine Wahl.

Das Ende vorausschaubar.

Mein Programm abgelaufen.

Es wird nichts von mir bleiben.

Nicht mal eine Erinnerung.

Gedankenversunken. Unwiederbringlich. Kalt. Kalt und nass. Sehr nass.

Der Mantel durchgeweicht.

Der Schnee an meinem Rücken angehäuft.

Roter Schnee.


Die Flasche mit dem fruchtigen Roten hat sich ergossen.


Im Schnee.


Der vierstufige Leitertritt liegt zu meinen Füßen.

Kaum sichtbar.

Der Schneesturm hat ganze Arbeit geleistet.

Die Terrassenbeleuchtung flackert.

Über mir prangt die weiße Leinwand.

Weiß?

Nicht ganz.


Ein Lächeln schleicht sich in mein Gesicht.

Spüre die Kälte nicht mehr.

Achtsam stehe ich auf.

Schmerzen habe ich keine, zu taub die Glieder.


Mein Blick gleitet über meinen Abdruck im Schnee,

über die eingeschneite Leiter,

die rote Lache,

den Karton

und die verstreuten Farbtuben,

hinauf zur Leinwand.


Die Dämmerung lässt noch Vermutungen wachsen.


Das flackernde Licht offenbart für Momente ...


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Hörbuch

Über den Autor

Frettschen
Ich
- eindeutig rot
- freiheitsliebend
- in mir drin schon mal unsicher, beinahe verklemmt
- nach außen der Fels in der Brandung
- die Person, auf die man sich verlassen kann
- auch mal anlehnen, kein Problem
- ein dunkles samtiges Rot also
- richtig viel Farbe - dicke Haufen davon auf der Leinwand
- Struktur
- Kunstschule Zürich
- zahlreiche Ausstellungen in der Region
- flippig - flapsig - bunt in mir drin
- auch mal nachdenklich
- manchmal introvertiert
- stets auf der Suche nach Neuem
- in meinem Bereich versteht sich
- Sternzeichen Löwe
- Querdenker und Rebell
- reiße mir die guten Seiten des Alltags unter die Nägel
- manchmal erwische ich auch die weniger Guten,
doch die schüttele ich hastig ab

ich liebe:
- einsame Orte
- den Wind
- das Geklapper der Taue an den Masten
- ob an Fahnen oder Booten, ist mir egal
- die Ruhe im Wald
- der Schutz eines Baumes - wenn man sich darauf einlässt
- das Eintauchen in die Arbeit an der Staffelei
- wenn`s gelingt
- das sichere und untrügliche Gefühl,
etwas Besonderes entstehen zu lassen
- das Spielen mit unserer Sprache
- gutes Essen
- ein unerwartetes Lächeln
- Musik - alle Richtungen
- am besten schön laut
- Tanzen
- Ausdruck
- Profil
...

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Memory 
Deine "Art" mit Worten umzugehen, habe ich ja schon immer bewundert.
Hier hast du ein wahres Bild gemalt und die geforderte weiße Leinwand hervorragend gefüllt.
Daumen hoch!
Liebe Grüße
Sabine
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Oh! Über so ein wundervolles Lob freu ich mich ganz besonders! =D
Vor langer Zeit - Antworten
Himbeere Gedankenfragmente Handlung , mit selbst erschaffener Leinwand , Interaktion, die sich zu verselbständigen scheint in starken Worten verdeutlicht.
Eine Begegnung mit sich selbst, der Leinwand und dem Rotwein
hat Klasse finde ich : ) LG Himbeere
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen ich werde überschüttet - - - zum Glück mit Lob und nicht mit dem guten Roten :)
Dankeschön!
Vor langer Zeit - Antworten
Tintenklecks Du hast das Thema weiße Leinwand gut und eigenwillig umgesetzt, im direkten malerischen Bezug.
Dein sprachlicher Ausdruck ist bildhaft, fast übertrieben, an einigen Stellen jedoch nicht adäquat, so wenn du davon sprichst: "Widerspenstig ziehe ich den Gürtel..." auf S. 4 Hier stolpert das sprachliche Bild heftig, denn erzählen wolltest du gewiß etwas anderes ..
und dann ergießt sich in gekonntem Stakkato, ausgedrückt in zerhacktem Layout, der Kampf zwischen malerin und material vor dem staunenden Auge des Lesers,
der Spannungsbogen steigt steil an und endet in einem wilden Knall als grafische Pointe. Sehr gekonnt. der faszinierte Tintenklecks Pointe grafisch gelöst
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen Vielen Dank für diesen ausführlichen und wirklich guten Komentar! "Widerspenstig ziehe ich den Gürtel straff" - ja schon, denn manchmal braucht man solche kleinen Rituale, um noch einen Moment Zeit zu gewinnen. So ähnlich wie Ärmel hochkrämpeln. Die Weiterführung des Satzes - ja - da fehlt wirklich der Bezug zum Anfang. Ist mir so nicht aufgefallen - aber jetzt schon. Dank dir dafür und dank dir für deine wunderbaren Geschenke!
Das war eine sehr feine Lektüre zu meinem Morgenkäffchen :))
Vor langer Zeit - Antworten
Tintenklecks 
:-)
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Ehrlich gesagt, ich musste mir im Anschluss vorstellen wie du dort den Schneesturm trotztest. :-))
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Frettschen ich habe es durchlebt - als ich es niedergeschrieben hatte ...
Grenzerfahrung pur!
Vielleicht sollte ich es wirklich versuchen. Heute Schneit es zumindest ein bisschen ...
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Frau Mutti
bizarre Geschichte und ebenso die Zeichnung , wie eine Schneeflocke!
Deine Draufsicht im Finale im Schnee meint Peterle.
Vor langer Zeit - Antworten
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