Humor & Satire
Massagio doloroso

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"Massagio doloroso"
Veröffentlicht am 13. Dezember 2015, 8 Seiten
Kategorie Humor & Satire
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Literatur war mir in meinem Leben schon während der Schulzeit sehr wichtig. Doch ich habe erst seit ein paar Jahren die Zeit gefunden, selbst zu schreiben. Ich freue mich über Lob, bin aber für alle Verbesserungsvorschläge offen. Ich lese immer wieder in Literaturgeschichten, weil ich meine,dass wir nur so entdecken können, wie wir einen ganz bescheidenen Beitrag dazu leisten können, dass Literatur sich weiter entwickelt.
Massagio doloroso

Massagio doloroso

Die Schmiere
mit Feenhänden
schön regelmäßig
auf dem corpus pretiosum
verteilen.

„Das ist nur Wellness-Massage“
brummt der Maestro.
„Oh no, du musst die neuralgischen Punkte
kennen und Druck geben.“
Wie das geht,
demonstriert er mir sogleich
und presst mir die Fixpunkte unter den Fußsohlen,
dass ich die Englein singen höre.


Hilflos stöhne ich ein verzweifeltes
„Aufhören!“ in den Luftschlitz
und fühle,
wie er in meinem Rücken
grinst und seelenruhig
weiter drückt.

Der Mann ist Philosoph
und erzählt mir gerade,
dass die Stoiker selbst unter Schmerzen
noch glücklich waren.
Jetzt nimmt er sich
meine Zehen, jeden einzeln, vor.
Ich habe noch nie so sehnsuchtsvoll
bis zehn

gezählt.

Als er mir endlich den zehnten Stich
verpasst hat,
klopft er mir liebevoll auf den Po
und lässt mit rollendem Bass das erlösende
Girare ertönen.

Nun blicke ich ihm ins gütig lächelnde Antlitz.
Nein, er ist nicht der Sadist,
für den ich ihn gehalten habe.
Er ist vielmehr ein empathischer Menschenfreund.
Das glaube ich jedenfalls,
bis er sich bis zu meinem Gesicht

hochgearbeitet hat.
Jetzt kommt die Kopfmassage,
auf die ich mich als Denker besonders gefreut habe.
Er massiert mir die Wangen,
ich höre ein knirschendes Geräusch und
denke erschreckt,
dass meine Zahnspange gebrochen sei.
Während er meine Hirnkämmerchen tremoliert,
fahre ich blitzschnell mit der Zunge
die Zähne entlang.
Gott sei Dank, die Spange hat sich nur verschoben.

Endlich lässt er von mir ab
und wirft mit weit ausholender

Geste
die bösen Geister aus meinem Hirn
in die frische Morgenluft.
Mühsam richte ich mich auf
und versuche,
einen leichten Schwindel bekämpfend,
in die Schlappen zu kommen.

„Mille grazie“, grinse ich tapfer,
ziehe mich schwerfällig am Geländer
zu meinem Zimmer hoch,
stolpere über die Schwelle
und lande gleich wieder erschöpft auf dem Bett.
Jetzt spüre ich,
wie das Blut warm
durch die malträtierten Glieder

rinnt,
und bin sogar wieder zur Philosophie fähig:
Glück ist, von Schmerzen frei zu sein.

© EkkehartMittelberg, Dezember 2015

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Hörbuch

Über den Autor

Phantasus
Literatur war mir in meinem Leben schon während der Schulzeit sehr wichtig. Doch ich habe erst seit ein paar Jahren die Zeit gefunden, selbst zu schreiben.
Ich freue mich über Lob, bin aber für alle Verbesserungsvorschläge offen.
Ich lese immer wieder in Literaturgeschichten, weil ich meine,dass wir nur so entdecken können, wie wir einen ganz bescheidenen Beitrag dazu leisten können, dass Literatur sich weiter entwickelt.

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Herbsttag Quod erat demonstrandum:
semper tu ad me cum argentata accedito querimonia. :-)))
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Phantasus Gratias go, Ira, iam volo cum pleno corde. ;-)))
Vor langer Zeit - Antworten
Rajymbek 
Ich gehe ja lieber zur Thai, mein Bester. Grins

Schöne Adventstage wüscht
Roland
Vor langer Zeit - Antworten
Phantasus Merci, eine gute Idee, Roland. Bei der wird es softissimo.
Grazie auch für das schöne Weihnachtsgedicht in meinem Gästebuch,
dessen gute Wünsche auch dir zuteil werden mögen.
Ekki.
Vor langer Zeit - Antworten
pepe50 Ja, ja Ekki, gäbe es den Schmerz nicht, dann wüßte man nicht wie schön es ohne ihn ist. - Das war die Bestätigung. - LG Fred
Vor langer Zeit - Antworten
Phantasus Merci, Fred, ich wünsche uns eine schmerzfreie Advents- und Weihachtszeit.
Liebe Grüße
Ekki
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Ich denke mal, der Masseur hat seine Profession nicht nur beherrscht, sondern seine Berufung darin gesehen ... Vielleicht warst du nur zu ungeduldig?
Solche Hände können Gold wert sein, das habe ich selbst erlebt ... Erst tut es unendlich weh, aber dann ... :-)
Sehr realistisch dargebracht!

Liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Phantasus Grazie, Fleur, die Unterscheidung von Profession und Berufung passt hier genau.
Liebe Grüße
Ekki
Vor langer Zeit - Antworten
Magnolie Oh je, Ekki, das hört sich nicht wirklich nach Entspannung an ... ;-)
Liebe Grüße
Manu
Vor langer Zeit - Antworten
Phantasus Grazie, Manu, das Leben ist eine einzige Massage. Es bietet selten Entspannung. Aber sehen wir die positive Seite: Es ist spannend.
Liebe Grüße
Ekki
Vor langer Zeit - Antworten
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