Trickserei
Ich möchte nicht schweigen, berichte geschwind,
die Götter in weiß sind mir wohlig gesinnt,
erst stand ich im Nebel, zugleich auch im Dunst,
ich brauchte die Sicht und die ärztliche Kunst,
drum gab ich mein Auge in kundige Hand
und hoffte, dass meine Gebrechen erkannt.
Die freundlichen Damen im hellen Türkis
begannen zu messen, mal das und mal dies,
die Zahlen verschwammen für mich ganz und gar,
die Enddiagnose ein trübgrauer Star;
das wäre nichts Schlimmes, das heile man schnell,
da tauscht man die Linsen und schon wird es hell.
Heut früh ging ich nüchtern zur Operation,
bekam einen Cocktail vom Medikussohn,
ich hörte sein Flüstern und spürte den Schnitt,
verfolgte im Halbschlaf genau jeden Schritt,
dann kam zum Finale ein flüchtiger Blick,
der Schleier war fort durch den ärztlichen Trick.
(c) Rajymbek 03/2015