Kurzgeschichte
Ertappt - Randbeitrag Forumsbattle 33

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"Ertappt - Randbeitrag Forumsbattle 33"
Veröffentlicht am 07. Juli 2014, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Ertappt - Randbeitrag Forumsbattle 33

Ertappt - Randbeitrag Forumsbattle 33

                                     

Ertappt

„Wann, sagst du, bist du heute Nacht nach Hause gekommen? Um halb zwölf? Das kann nicht stimmen. Ich bin um ein Uhr aufgewacht, da warst du noch nicht da. Wo warst du solange? Und gegessen hast du auch nichts, das Püree steht unberührt im Kühlschrank, Wofür mühe ich mich eigentlich ab?“  Marianne ist empört. Nervös trippelt sie im Zimmer auf und ab. Ihr Gesicht ist vor Zorn gerötet, die Augenbrauen hochgezogen, sie scheint tatsächlich wütend zu sein.

Der knallrote Hosenanzug spannt über Brust und Hüften.  Hans muss unwillkürlich an eine überreife Tomate denken

„Sag überwachst du mich jetzt plötzlich? Du weißt ich bin Politiker, ich habe eben oft abends längere Termine. Du warst doch immer damit einverstanden“, versucht er sie zu beruhigen

„Trotzdem will ich wissen, wo du gestern warst“, bohrt Marianne weiter.

„Bei einer Sitzung des Kulturausschusses im Stadtsaal! Es ist eben ein bisschen später geworden. Hast du dir Sorgen um mich gemacht?“ Er greift zur Tageszeitung und versucht zu

lesen

„Also doch, du wagst es mir mitten in das Gesicht zu lügen. Du, der große Politiker, der Ehrlichkeit zu seinem Wahlspruch gemacht hat.   Der Mann Ihres Vertrauens - steht auf all deinen Wahlplakaten. - Dem kann man nicht trauen würde besser passen.   Ehrlichkeit   und deine persönliche Ehrlichkeit, wo ist die geblieben? Die Sitzung des Kulturausschusses wurde kurzfristig abgesagt. Der Anruf kam gestern nachmittags. Ich konnte dich nirgends mehr erreichen, um es dir zu sagen. Wo warst du?“. Ihre Stimme beginnt zu beben.

„Nein Marianne, nicht in diesem Ton.

Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht herab. Ich habe gestern einen anstrengenden Tag gehabt. Nachmittags war ich noch kurz angeln. Später, wenn du dich wieder beruhigt hast, können wir darüber sprechen. Denk an deine Schilddrüsenunterfunktion.“ Scheinbar gelangweilt blättert er weiter in seiner Zeitung, doch seine Finger beginnen zu zittern. Die Buchstaben verschwimmen vor seinen Augen. Beunruhigende Gedanken streifen durch seinen Kopf. Dieses plötzlich aufgetretene Misstrauen, diese gehäuften Eifersuchtsszenen der letzten Wochen, ihre meist überflüssigen Telefonanrufe tagsüber sie wird doch

nicht von seiner Beziehung zu Claudia erfahren haben?  Claudia, der einzige Lichtblick in diesen stressigen Tagen, die Königin seines Universums, einfach eine hingebungsvolle Frau Sie waren doch immer so vorsichtig. Das hätte ihm gerade noch gefehlt, jetzt mitten im Wahlkampf. Einen Skandal kann er sich jetzt wirklich nicht leisten. Er, der Spitzenkandidat, der mit Bildern von Frau und Kindern die Familienpolitik in den Vordergrund stellt, nichts als ein kleinkarierter Ehebrecher.

 

„Gut, wenn du es mir nicht sagen willst, werde ich es dir sagen, denn deine Erklärungen waren schon immer

etwas rudimentär“, brüllt Marianne jetzt hysterisch. „Du warst mit einem blonden, langbeinigen Flittchen im Schmetterlingszimmer, einem Doppelzimmer, im Hotel „Schwarzer Adler“ in der Landeshauptstadt.“

Hans erschrickt. „Eine impertinente Lüge. Wie kommst du zu solchen Behauptungen? Wer erzählt so etwas? Den werde ich klagen!“ Seine Stimme klingt eisig. Die Situation ist wirklich gefährlicher, als er dachte.

„Du wirst niemanden klagen. Du betrügst mich schamlos. Ich habe Beweise in der Hand. Du kennst meine Schulkollegin Karin. Ihre Tochter Jasmin

besucht eine Hotelfachschule und absolviert derzeit ihr Praktikum im „Schwarzen Adler“. Sie hat euch gestern am Zimmer Sekt serviert“,  presst Marianne jetzt unter Tränen hervor.

„Ach, die glorreiche Karin und ihr kluges Töchterlein. Diese freche Göre, was bildet die sich eigentlich ein?“, verliert Hans kurz seine Beherrschung, hat sich aber sofort wieder unter Kontrolle.

„Schatz, lass dir doch erklären: Claudia, so heißt die Dame, hat meinen gesamten Wahlkampf mit ihrer Arbeit als freie Journalistin unterstützt. Sie konnte die politische Entwicklung meiner Partei

schon lange antizipieren. Ohne ihre Mithilfe wäre ich kaum so populär geworden. Gestern wollten wir in ruhiger Atmosphäre die letzten Einzelheiten besprechen, davon darf natürlich der politische Gegner nichts erfahren. Was wäre da wohl besser geeignet, als ein Hotelzimmer? Du weißt doch, wie sehr ich dich liebe. Ich würde dich  nie betrügen, nur wollte ich dich mit meiner politischen Arbeit nie belasten. Ich weiß doch: Für Politik interessierst du  dich nicht besonders. Das Haus, der Garten, die Kinder, das ist deine Welt.“

Er steht auf und will sie in den Arm

nehmen, doch sein Tischtennisarmbeginnt plötzlich höllisch zu schmerzen.

Marianne stößt ihn weg und verlässt weinend das Zimmer. Sie war doch immer eine zarte Mimose gewesen und jetzt dieser plötzliche Wutausbruch. Er ist etwas verunsichert und kann sich diese Verwandlung nicht erklären.

Angst steigt in ihm hoch. Im Geist sieht er schon die Schlagzeilen der lokalen Tagespresse vor sich: - Spitzenkandidat Hans S. zieht aus persönlichen Gründen kurz vor der Wahl seine Kandidatur zurück - ist der Saubermann gar nicht so sauber - führt

Spitzenkandidat Hans S. ein Doppelleben?

Wie sollte er seinen Parteifreunden sein Verhalten erklären? Wie würde die Partei so etwas verkraften?

Vielleicht ließe sich die Sache auch mit Geld bereinigen? Diamanten haben Frauen ja schon immer besser überzeugen können als Worte.

Instinktiv fühlt er jetzt, diese Geschichte kann ihn noch teuer zu stehen kommen, so oder so.

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ulla

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baesta So sind sie, un´re Saubermänner,
das sind doch echte Frauenkenner.
Und wenn sie sind so triebgesteuert,
der Sex sich adäquat verteuert.
Kann kich den Worten von Gunda auch nur anschließen.

LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
ulla Manchmal sollte man die Leine sehr kurz halten, doch nicht jeder ist leinentauglich....
Danke fürs Lesen und ganz liebe Grüße
ulla
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Lach, so ist es.....
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Jaha, so oder so. Also: Vor Inbetriebnahme der unteren Körperhälfte Gehirn einschalten, möchte man solchen Männern empfehlen :o)
Liebe Grüße
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
ulla Böse Zungen behaupten, dort befindet sich bei Männern das Gehirn...
nun ja, ich bin keine Medizinerin
freut mich, wieder von dir zu lesen
noch einen schönen Tag
danke und ganz liebe Grüße
ulla
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Herrlich geschrieben!
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
ulla Danke Manuela,
schön, dass du da warst
lg
ulla
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Jede Lüge gebiert eine neue ... habe ich irgendwann mal irgendwo gelesen ... bis das ganze Lügengewebe zerreißt wie Spinnweben!

Eine wunderbare Geschichte aus dem alltäglichen Leben, liebe Ulla!
GlG fleur

Vor langer Zeit - Antworten
ulla Lügner brauchen ein gutes Gedächtnis, sagt man, wird wohl stimmen...
und doch sind sie eine Spezies, die nicht ausstirbt und überall zu finden ist
Danke und noch einen schönen Tag - bei uns Regen...
lg
ulla
Vor langer Zeit - Antworten
GerLINDE 
Auweija, so ein Schlingel! Toll hast du alles zur Sprache gebracht. Ich musste oft beim Lesen schmunzeln über Deine Auslegungen.
Da Du ihn nur als Randbeitrag abgibst, nehme ich an, dass wir noch mehr zu Lesen bekommen.
Ein sehr guter Randbeitrag.
Lieben Gruß
Gerlinde
Vor langer Zeit - Antworten
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