Humor & Satire
Umwege

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"Umwege"
Veröffentlicht am 11. Juni 2014, 10 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Ich wohne in der Oberlausitz und schreibe gern über meine schöne Heimat, schon seit der ersten Klasse. Ich liebe meine vier Kinder und bin sehr stolz auf sie. Nun sind sie in die Welt gezogen von Berlin bis Tokio, also besorgten wir, mein Mann und ich uns zwei neue Babies: Katze Nala und Hund Willy. Jeder von uns hält einen im Arm.
Umwege

Umwege

Ich gestehe, ich bin gläubig.

Ich glaube an Horoskope, na zumindest an die Tierkreiszeichen und die Eigenschaften, die jene verkörpern, die geboren wurden, wenn die Sonne eines dieser Himmelsgebilde durchschreitet. Oder war`s jemand anderes?

Ich jedenfalls falle unter die Fische und bin tatsächlich romantisch verklärt und bisweilen künstlerisch begabt.

Mein lieber Mann ist die geborene Jungfrau. Denen sagt man sowohl absolute Zuverlässigkeit, was ungemein positiv, als auch ein manchmal in Pedanterie ausartender Ordnungs- und Planungssinn nach, was hin und wieder ziemlich anstrengend ist.

Im folgenden möchte ich über ein gelungenes Beispiel berichten.

Wir hatten die Verpflichtung, einer Familienfeier in der Nähe von Anklam, einer kleinen Stadt fast an der Ostsee, beizuwohnen.

Dank exakter geistiger Vorarbeit meines Mannes sowie des dann von mir kunstvoll drapierten Geschenkes wurden die Anreise aus der Oberlausitz, Teilnahme an der Feier und Geschenkübergabe ein voller Erfolg. Auch die Übernachtung im Hotel mit ansprechendem Niveau hatte meine Jungfrau formvollendet organisiert.

Nach ausgiebigem morgendlichem

Frühstück erfolgte Teil 2 des Planes.

Hier wies die jungfräuliche Vorausschau jedoch gewisse Fehlstellen auf, die ich freilich nicht durchschauen konnte.

Unsere Tochter studierte in Bremen und Papa, der Liebe, hatte ihr selbstverständlich versprochen, sie in Rostock in den Zug zu setzen.

„Ist doch kein großer Umweg, nicht wahr Mami?“

„ Ach wo, nur mit der flachen Hand über meinen schwangeren Bauch, 8. Monat.“

„Musst du immer so sarkastisch sein, es ist doch unser Kind! Wir fahren dann von Rostock Richtung Berlin.“

Aha, gut, das zu erfahren. Frisch gefrühstückt stiegen wir ein.

Vorsorglich hätte meine Jungfrau unserem Mercedes Vaneo Diesel aber auch sein Frühstück zukommen lassen sollen. An der A 20 Anschlussstelle Jarmen Richtung Westen sind dererlei Nachschubmöglichkeiten für hungrige Transportmittel sehr begrenzt, was unserer vorsorglichen Jungfrau erst in dem Augenblick klar wurde, als unser geliebter Vani beschloss, seine Dienste aufzugeben. Dies tat er, zum Glück, direkt an der Einfahrt eines Parkplatzes vor Rostock. In zurückliegenden Zeiten wäre es kein so großes Problem gewesen, fast jeder hatte einen Kanister Treibstoff bei sich. Diese glücklichen Zeiten sind leider vorbei, die befragten

Parkplatzbesucher zuckten bedauernd die Schultern, schüttelten sich oder grinsten schadenfroh, je nach Befindlichkeit.

Meine Restfamilie fachsimpelte, wie nun am schnellsten dem Problem beizukommen sei, als doch ein begnadeter Transporterfahrer mit einem Kanister Diesel vor uns stand. Nein, solch ein Glück. Sofort waren Jungfrau und Wassermänner (diese gibt es bei uns gleich im Doppelpack, was der Kindergeburtstagfeiern wegen immer recht stressig war) wieder obenauf, starteten das holde Mobile und es sagte …. nichts. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass beim Dieselmotor, wenn erst einmal Luft hinein kam, diese

wieder entfernt werden muss und vor allem, wo dann zu drücken ist. Also doch zu guter Letzt und mit entsprechender Wartezeit der Anruf beim Pannendienst.

Nun sind die Rostocker ja nicht die schnellsten, und als wir entsprechend am Gemüt und allen anderen Stellen abgekühlt waren, traf ein lustig pfeifender junger Mann ein, der zumindest unser Studententöchterlein sogleich in beste Laune versetzte sowie neben sich in die Fahrerkabine. Wir anderen, naja, die Fahrt ließ zu wünschen übrig, und ich verfluchte mehr als einmal mein angetrautes

„Organisationstalent“, allerdings im Stillen. Schließlich standen mir ja noch 5 Stunden Heimfahrt bevor, und diese gedachte ich, wenigstens etwas entspannter zu erleben.

In der Werkstatt zeigte der Meister den Trick mit dem Pumpen. Es dauerte keine 5 Minuten, dass der Vani startklar war.

„Immerhin“, resümierte mein gelernter Polytechniker, der aus allem etwas Positives herausholen muss, „jetzt weiß ich fürs nächste Mal, wie es geht, nämlich gaaanz einfach.“ Mir sträubten sich unsichtbar die Nackenhaare.

In diesem Moment sprang quietschvergnügt und freudestrahlend unser Töchterlein aus der Fahrerkabine des Abschleppwagens und strahlte uns an: „Mami, Papi, mein Haustürschlüssel ist in der Tasche der grauen Jacke, …. und die graue Jacke hängt noch bei euch zu Hause.

Wir hätten gar nicht hier rumfahren brauchen, ich komme wieder mit zu euch.“

Sprachlos sahen wir uns an,. „Aber ich hab den jungen Chef bequatscht, er schreibt auf, dass das Auto einen Zündungsfehler hatte, ein Versagen werksseits. Da brauchen wir den

Abschleppwagen nicht zu bezahlen.“ Nun waren wir gleich noch mal sprachlos.

Ach, was soll`s, die paar hundert Kilometer Umweg und dazu die 5 Stunden, wichtig ist, jetzt geht es endlich wieder Richtung Heimat, und zwar allseits zufrieden.

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Hörbuch

Über den Autor

Albatros99
Ich wohne in der Oberlausitz und schreibe gern über meine schöne Heimat, schon seit der ersten Klasse.
Ich liebe meine vier Kinder und bin sehr stolz auf sie.
Nun sind sie in die Welt gezogen von Berlin bis Tokio, also besorgten wir, mein Mann und ich uns zwei neue Babies: Katze Nala und Hund Willy. Jeder von uns hält einen im Arm.

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Heuschrecke Ja,ja.. wenn Realist und Träumer auf Reisen gehen :-) Ich muss gestehen "ich liebe Horoskope". Man muss doch schließlich wissen was der Tag so bringt :-) Ein Ausflug der wohl allen, mit einem Lächeln im Gedächtnis bleiben wird..
Danke für den Schmunzler am morgen:-)
Ps..die Jungfrau hat ein Analytisches Gespür...
lG Cindy
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Hier hat sich wohl eine Jungfrau zu Wort gemeldet. Klar, ich liiiebe Jungfrauen! Sie sind etwas Wundervolles und das Gespür war schon sehr oft gewissermaßen lebensrettend, getreu dem Spruch "Unheil von anderen abwenden" als Bestimmung. Vielen Dank dir, Cindy und eine schöne Woche, Christine
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Wieder eine herrliche Geschichte zum Schmunzeln von dir, so kann es gehen! Und mit dem Titel/Thema hättest du vielleicht schon beim vorletzten Battle abräumen können!
Sicher wäre es dir ein Leichtes gewesen, die folgenden Begriffe hier ganz spielerisch mit einzufügen ;-))))))

Schürzenjäger,
straucheln,
Schnupfen,
Zauberzone,
gewichtig,
welk,
Krieg und Frieden,
Klangspitzen,
Sturm,
Kirschblütenblatt,
Sahnehäubchen,
Philosophie

Ganz liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
erato 
Nette Story, die so natürlich
schmunzeln lässt...

Ganz herzliche Grüße
vom Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Danke für deine stets netten Worte, Thomas und eine schöne Woche.
Christine
Vor langer Zeit - Antworten
EllaWolke Herrlich erzählt ;)
Ich denk Du kannst verstehen das ich ein wenig mehr als schmunzeln musste beim lesen.
Bin übrigens auch nen Fisch ;)
Liebe Grüße zu Dir und DANKE
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Hab ich mir fast schon gedacht, Ella, bei so viel Gefühl wie deine Gedichte ausdrücken, da kannst du nur Fisch sein. Allerdings bekomme ich immer zu hören: die schwimmen stets hin und her und finden nie Ruhe und einen Hafen. Das ist nur teilweise richtig, Hafen ist gefunden, Ruhe, naja, stimmt so. Ich wünsche mir immer, die Welt zu sehen, möglichst viel zu erkunden. Und daran haperts momentan. Einen schönen Tag dir, und liebe Grüße Christine
Vor langer Zeit - Antworten
GertraudW Ein herrlicher "Reisebericht", humorvoll geschrieben. Wie heißt`s: "Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen " (oder so ähnlich ).
Liebe Grüße
Gertraud
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Schön geschrieben, wie immer, liebe Christine. Bin nur mal kurz hier, fahren bald wieder in die Oberlausitz.

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Albatros99 Danke, Bärbel, für deine Kommentare. Hab mich sehr gefreut, wieder von dir zu hören. Wo fahrt ihr denn diesmal hin, wieder nach Jonsdorf?
Mein Mann und ich sind jetzt auch öfter im Zittauer Gebirge, wir besuchen unsere Kunden, da wir schon die Ausgabe 2015 unserer Zeitschrift "Hochzeitsträume Ostsachsen" vorbereiten. meistens nimmt er mich und Willy mit, wenn er Termine hat, als Maskottchen. LG Christine
Vor langer Zeit - Antworten
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