Gedichte
Ritzen

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"Ritzen"
Veröffentlicht am 01. Oktober 2008, 6 Seiten
Kategorie Gedichte
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Über den Autor:

Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.
Ritzen

Ritzen

Wenn ich mir wehtue, dann geht es mir gut.

Mit den Schmerzen steigt mein Lebensmut.

Es fängt damit an, dass ich unruhig bin.

Keine klaren Gedanken sind in meinem Sinn,

nur der Gedanke, dass ich Herr über meinen Körper bin.

Die Rasierklinge nehme ich zur Hand.

Dies Schauspiel ist mir so bekannt.

Ich ritze die Haut und es tut gut.

Befriedigt sehe ich das Blut.

Ich fange einen Tropfen auf.

Die Schmerzen nehme ich gern in Kauf.

Sie zeigen mir, dass ich wirklich lebe.

Auch wenn ich mir die Narben nie vergebe,

auch wenn ich mir vornehme, ich lasse es sein,

bin ich gegen das Ritzen nur machtlos und klein.

 

Nein, ich sprach niemanden darauf an,

weil mich sowieso keiner verstehen kann.

Ich kann auch keine Erklärung abgeben.

Es gehört einfach irgendwie zu meinem Leben.

Meine Arme sind von Narben übersät.

Für mich kommt sowieso jede Hilfe zu spät,

weil ich in dieser Situation nicht denken kann,

weil ich mein Handeln dann nicht lenken kann.

Ich spüre, morgen fang ich wieder an,

auch wenn ich es eigentlich gar nicht will.

Erst nach diesem Ritzen, da werde ich still.

Dann kehrt plötzlich Ruhe in mir ein.

Dann bin ich stark und nicht mehr so klein.

Aber trotz alledem bin ich allein.

 

Manchmal habe ich zu fliehen versucht.

Manchmal habe ich mich selber verflucht.

Jetzt aber denke ich, so bin ich eben.

Das Ritzen ist ein Teil von meinem Leben.

Irgendwann einmal lass ich es bleiben,

werde mir sinnvoll die Zeit vertreiben.

Bis dahin lasst mich bloß ich Ruh,

denn Ritzen gehört bei mir dazu.

 

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Über den Autor

Chrissy55
Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.

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Gast ein sehr schönes gedicht
Vor langer Zeit - Antworten
koollook Das Gedicht spricht ein ernstes und weit verbreitetes Thema an.
Doch ich frage mich immer, ob es ein neuer Trend ist, zumindest bei den Teenys, sich zu ritzen und damit Aufmerksamkeit zu bekommen?
Oder gab es das schon immer nur hat keiner davon geredet?

Das Gedicht rüttelt auf und erfüllt damit seinen Zweck.
Es gefällt mir.
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Hallo
Ritzen ist keineswegs ein so called 'jugendtrend' wie tatoo etc. Die wenigsten sind vollpfosten genug und machen es nur um aufmerksamkeit zu bekommen. Meiner meinung gibt es selbstverletzendes verhalten schon seit ewigkeiten auch wenn es jetztbwieder häufiger vorkommt.
Lg
Vor langer Zeit - Antworten
Gast echt schönes gedicht
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Ich weiß ganz genau wie du dich fühlst. Ich habe genau das selbe. Das Gedicht spricht mir und ich denke manch anderem aus der Seele!
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Der äussere Schmerz lässt den inneren für einen moment vergessen.

Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Schmerz.

Kennst du das, die Stimme sagt: "VERSAGER" und du setzt die Klinge zum Arm.
Vor langer Zeit - Antworten
Gast Ich finde dein Gedicht voll gut und ich weis genau wie du dich fühlst
Vor langer Zeit - Antworten
Gast mit jeder zeile die ich schreibe
und jeder linie die ich schneide
zerstör ich meine sanfte haut
auf der man 1000 narben schaut
ein glücklicher mensch
war ich noch nie
so gerne würd ich sterben
ich weiss nur nicht wie
das messer tief ins herze sticht
ertrkinken kann man leider nicht
der stromzaun hatte keinen strom
ich sprang herab vom hohen thron
doch leider riss das seil in zwei
das den tod sollte führen herbei
den schmerz den niemand sehen kann
und den keiner verstehen kann
frisst mich auf
lockt aus mir tränen
die mich jeden tag so quälen
warum kann ich nicht anders sein
das leben ist verdammt gemein
so kommt narbe über narbe
meine haut kriegt eine neue farbe
rot ist doch ein schöner ton
und der halbe arm ist es auch schon
ob sich mein leben wirklich lohnt
das währe ja ganz ungewohnt
ich glaube nicht dass es das gibt
dass es einen mensch gibt
der mich wirklich liebt
ich selbst hasse mich so sehr
gib mir ne kugel
und ein gewehr
die leute denken so viel scheiss
"der will nur aufmerksamkeit"
doch was keiner weiss
ich will genau das gegenteil
lass mich inruhe und zwar weil
ihr alle schuld an meinem schicksal seid
ihr wahrt es doch
die mein herz entzweit
und plötzlich bin ich euch wichtig ja?
ich sag euch was
ihr könnt mich mal
Vor langer Zeit - Antworten
Gast dein gedicht ist wunderbar ! es hat mich echt zum weinen gebracht da ich mich selber ritze kann ich absolut nachvollziehen wie du dich fühlst. dein gedicht ist toll !!!!!
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Gast Scheiße - Geh sterben opfer
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