Gedichte
Immer ich - Wenn Kinder im Haushalt helfen sollen

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"Immer ich - Wenn Kinder im Haushalt helfen sollen"
Veröffentlicht am 18. September 2008, 6 Seiten
Kategorie Gedichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.
Immer ich - Wenn Kinder im Haushalt helfen sollen

Immer ich - Wenn Kinder im Haushalt helfen sollen

Ich drücke meinem Kind den Besen in die Hand.

Ich sage zu ihm, weil es perplex vor mir stand:

„Du fegst damit jetzt bitte den Flur.

Ich weiß, es ist eine Kleinigkeit nur,

aber deine Hilfe im Haushalt ist angebracht.

Bis jetzt habe ich alles allein gemacht.“

Das Kind sieht mich mit großen Augen an.

Ich habe das Gefühl, es fängt gleich zu weinen an,

dann bricht es aus meinem Kind heraus:

„Immer muss ich dir helfen im Haus.

Die anderen brauchen nie etwas machen,

die kümmern sich nur um ihre Sachen.“

Ich habe meinem Kind erklärt,

Hilfe im Haushalt ist gar nicht verkehrt,

weil man dadurch auch etwas lernen kann:

„Dann stehst du später selbst deinen Mann.“

Das Kind nimmt den Besen, fegt mal hier und mal da.

Ordentlich wird das nicht, das ist mir schon klar.

Also lasse ich mein Kind und den Besen allein.

Später mache ich den Flur dann wieder selber rein.

 

Ich bitte meine Tochter, den Tisch anzudecken,

ihn vorher abzuwischen, zu befreien von Flecken.

Ich stehe am Herd, rühre hier, rühre da.

Dann höre ich die Worte, eigentlich war das doch klar:

„Immer gibst du mir diese Arbeit auf,

nur weil ich nicht so schnell wie die anderen lauf.

Mein Bruder ist faul, der spielt Playstation-Spiele.

Weißt du denn nicht, wie ich mich dann fühle?“

Ich drehe mich vom Herd zu ihr:

„Mein liebes Kind, ich sage dir,

auch deine Brüder müssen ran,

weil ich die Hilfe gerecht verteilen kann.“

Das der Topf in diesem Moment überschäumt,

habe ich gesehen, nicht geträumt.

Ich denke mir dann: Ruhe bewahren.

Im Haushalt lauern viele Gefahren,

die größte aber ist wir mir scheint,

wenn man es mit der Erziehung zu gut meint,

versucht, Kinder an die Hausarbeit heranzuführen.

Ich bekam das fast jeden Tag zu spüren.

 

Immer ich, klingt es vehement,

ein Spruch, den jede Mutter kennt.

Doch weil ich es gut mit den Kindern mein,

lasse ich mich meistens nicht darauf ein,

verteile kleine Pflichten hier und da.

Dass: Immer ich, erklingt, ist mir schon vorher klar.

 

„Ach, Mama, könntest du mal eben…?

Kannst du mir nicht mehr Taschengeld geben?

Kannst du die Hose heut noch waschen?

Gibst du mir bitte was zum Naschen?

Hilfst du mit bei den Hausaufgaben?

Ich müsste jetzt deine Hilfe haben.“

Habe ich jemals: Immer ich, gesagt?

Habe ich mich irgendwann beklagt?

Aber so ist es wohl im Leben:

Die Kleinen nehmen, die Großen geben.

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Hörbuch

Über den Autor

Chrissy55
Es fällt mir nicht leicht, etwas über mich zu schreiben. Also ganz kurz: 52 Jahre alt,glücklich geschieden, Mutter von drei Superkindern, Psychologisch-technische Assistentin - fühle mich viel jünger als ich bin. Noch Fragen, dann fragt ruhig, ich stehe jederzeit Rede und Antwort.

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Chrissy55 Re: Ja... -
Zitat: (Original von WortWichtel am 20.09.2008 - 16:02 Uhr) ...so kenne ich sie auch, die Kleinen - immer mal wieder wollen sie gerne schon die Großen sein, wenn's ums Nehmen geht, aber im Haushalt helfen... - ich war da früher natürlich gaaaanz anders... *lach*

...Und überraschend schön dann die Zeit, in der sie heranwachsen und lernen umzudenken, und dann plötzlich freiwillig mithelfen, so ist es eben, das Leben... ;-)

Auch diesmal hat es mir großen Spaß gemacht, diese Beschreibung einer Alltäglichkeit zu lesen, weiter so... :-)

Liebe Grüße
Uwe


Danke, Uwe, über deine Kommentare kann ich mich auch immer wieder freuen. Es ist mir schon klar, dass du früher ganz anders warst. :-)
Es ist mir aber auch klar, dass du dich noch gut an deine Kindheit und Jugend erinnern kannst. Ich glaube, ich war während der Pubertät einfach nur furchtbar. Ich denke aber, dass ich meine Kinder genau deshalb auch so gut verstehen kann. Und ich muss zugeben, dass es auch sehr angenehm ist, wenn die Kinder allmählich von sich aus hilfsbereiter werden: Mama, ruh dich aus, ich mach das schon sind wirklich schöne Worte, die ich immer noch gern höre.
So, jetzt muss ich aber wieder schreiben, sonst bleiben die schönen Kommentare aus.
LG Chrissy
Vor langer Zeit - Antworten
Chrissy55 Re: Hilfe -
Zitat: (Original von sanktpauli am 19.09.2008 - 19:55 Uhr) Ich musste meiner Mutter auch immer helfen, denn sie wollte damals lieber eine Tochter. Ich haette fast Monika geheissen. Derweil haben mein Bruder und mein Vater ihr mann sein im Clischee ausgelebt und fuhren in unserem Patriarchiat sehr gut damit. Ich bin dadurch ein wenig ins Schleudern gekommen in meinem Selbstverstaendnis als angehender Mann. Mutter brauchte nicht nur eine Tochter... nein auch eine Art Ehemann ersatz. Eigenartig! Habe das bei einer Familienaufstellung entdeckt.
Menschen und die Welt, die sie sich aufbauen sind seltsam. Aber ich muss sagen ich habe immer noch Freude am Kochen und Bewirten von Freunden, Und hasse es zu bügeln wie jede Frau, die Haushalt macht..respektive Hausmaenner.


lg
Mann...i


Danke, Mann....i, so ist das Leben eben, man bekommt nicht immer das, was man will. Und Bügeln hasse ich wie nichts sonst, deshalb habe ich mir das auch abgewöhnt. Was meinst du, wie froh ich war, als meine Kinder anfingen, ihre Kleidung selbst zu bügeln? Da störte es mich auch nicht, dass ich des öfteren neue Bügeleisen kaufen musste, weil die Schwerkraft die Bügeleisen zu oft nach unten zog, wenn meine Kinder sie benutzten. Lieber so, als selber bügeln.
Eine Familienaufstellung habe ich leider noch nicht mitgemacht, habe aber sehr interessante Dinge darüber gehört. Vielleicht sollte ich auch das mal ins Auge fassen, um meine Vergangenheit besser bewältigen zu können.
LG Chrissy
Vor langer Zeit - Antworten
Chrissy55 Re: hallo chrissy, -
Zitat: (Original von ulla am 19.09.2008 - 18:43 Uhr) wie recht du nur hast, wahrscheinlich überall das gleiche bild,
es wäre uns mehr geholfen, sie würden nicht helfen,
doch kinder brauchen kleine aufgaben, um langsam verantwortung zu entwickeln, da müssen wir durch
lg
ulla


Danke, Ulla, stimmt genau. Kinder brauchen kleine Aufgaben, auch wenn ich manchmal gedacht habe, ich würde nicht die nötige Geduld aufbringen, um das durchzuziehen, zumal ich oft hinterher doch vieles selbst nachgearbeitet habe. Aber du hast völlig Recht, da müssen wir durch.
LG Chrissy
Vor langer Zeit - Antworten
Chrissy55 Re: immer ich -
Zitat: (Original von Meryl am 19.09.2008 - 18:23 Uhr) hinke hinterher :-)

allerliebste Chrissy
ich schaffs nicht mehr deinen wunderschönen Werken gerecht zu werden, ich komme nicht mehr nach *lach*
verrat mir mal bitte, sprudelt es jeden Tag nur so aus dir raus?

super geschrieben und sternenklar !
bis bald mal

Zwinkergrüße
Meryl

PS auch meine Kinder mussten ran :-)
es gab Pflichtstunden
und zusätzliches Taschengeld gabs nur
für zusätzliche Leistungen :-)))))


Danke, Meryl, ich habe bei meinen Kinder immer versucht, die Hilfe im Haushalt gerecht zu verteilen, allerdings hatte mein Ältester, Benjamin, eine besondere Taktik: Er bat seine Geschwister darum, seine Pflichten zu übernehmen und versprach ihnen dafür Geld, auf das sie heute noch warten. Aber sicherlich haben die beiden kleineren auch daraus gelernt.
Übringes sprudelt es oft wirklich aus mir heraus, so bald ich ein Thema im Kopf und den Anfang gefunden habe. Die Themensuche und der Anfang sind meist am schwierigsten. Wenn ich erst einmal anfange, dann geht es wie von selbst. Viele Leute haben mich schon gefragt, wie ich das mache, aber das weiß ich leider nicht. Übrigens träume ich manchmal sogar in Reimen, vielleicht liegt es ja daran. :-)
LG Chrissy
Vor langer Zeit - Antworten
Chrissy55 Re: Immer ich -
Zitat: (Original von PaulG am 19.09.2008 - 10:53 Uhr) Chrissy, jetzt musste ich herzhaft lachen, das hast du so hautnah geschildert, habe mich in allen Zeilen selber gesehen...
Super gemacht!

Lieben Gruss
Paul


Ich danke dir, Paul, ja so ist es wohl, egal welches Kind man um was bittet, die Bemerkung "Immer ich" kam zumindest bei meinen Kinder regelmäßig, aber geschadet hat ihnen die Hilfe im Haushalt im Endeffekt sicher nicht. Schön, dass du darüber lachen konntest.
LG Chrissy
Vor langer Zeit - Antworten
Chrissy55 Re: ach, -
Zitat: (Original von seelchen am 19.09.2008 - 00:43 Uhr) den allerletzten satz, den find ich klasse! ;-))))))))

aber auch die vielen zeilen davor, die sind klasse! schön, dass ich das jetzt noch gelesen habe!

lg seelchen *****


Vielen Dank, dass du zu so später Stunde noch einen Text von mir gelesen hast und auch für alles andere.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es solche Situationen in jeder Familie gibt. Ob ich als Kind auch so war, daran kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern, das ist zu lange her. :-)
LG Chrissy
Vor langer Zeit - Antworten
ulla hallo chrissy, - wie recht du nur hast, wahrscheinlich überall das gleiche bild,
es wäre uns mehr geholfen, sie würden nicht helfen,
doch kinder brauchen kleine aufgaben, um langsam verantwortung zu entwickeln, da müssen wir durch
lg
ulla
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Meryl immer ich - hinke hinterher :-)

allerliebste Chrissy
ich schaffs nicht mehr deinen wunderschönen Werken gerecht zu werden, ich komme nicht mehr nach *lach*
verrat mir mal bitte, sprudelt es jeden Tag nur so aus dir raus?

super geschrieben und sternenklar !
bis bald mal

Zwinkergrüße
Meryl

PS auch meine Kinder mussten ran :-)
es gab Pflichtstunden
und zusätzliches Taschengeld gabs nur
für zusätzliche Leistungen :-)))))
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