Die Niederlassung - Abenteuerroman aus der Steinzeit

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DIE NIEDERLASSUNG - ABENTEUERROMAN AUS DER STEINZEIT

Thema gestartet
von pentzw
am 12.10.2020 - 19:45 Uhr
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pentzw  Am Anfang geschah ein Unglück

Wir waren beim Jagen. Als wir zurückkamen, sahen wir, dass unsere Frauen und Kinder niedergebrannt worden waren. Nur eine Frau überlebte den verheerenden Brand.
Ein Windstoß hatte das große Lagerfeuer vor der Höhle ausgebreitet. Felle und Decken hatten sich entzündet. Schnell war der rote Drachen bis zu unserer Haupthöhle vorgedrungen und hatte so viel Rauch und Qualm entwickelt, dass die ins Innere geflüchteten Frauen bis auf eine jämmerlich erstickten. Mit ihnen auch die Kinder.
Was blieb uns übrig: voll Trauer, Schmerz und Wut trugen wir die verkohlten Leichen aus der Haupthöhle ins Freie. Der Anblick der schwarzen, bis aufs Skelett verbrannten Teile war trostlos. Das waren bis vor ein paar Stunden noch unsere Frauen und Kinder gewesen.
Häuptling Brüllix geriet in verzweifelte Rage und warf seinen Speer mitten in den Kopf eines Verbrannten. Vor Abscheu wandten wir uns davor ab. Zwar war das kein Menschling mehr, was als verkohlte Reste dalag, aber trotzdem waren es doch unsere Stammesmitglieder. Mochte Brüllix noch so verzweifelt sein, aber dies hätte er nicht tun brauchen.
Aber Brüllix raste weiter. Sofort wollte er den nächsten Stamm überfallen, um die weibliche Mitglieder aufzufrischen. War er denn verrückt geworden? Das bedeutete den sicheren Tod von uns allen. Er aber beharrte darauf, immer wieder versuchte er uns anzutreiben.
Er hatte insofern Recht, dass wir uns wieder mit Frauen versorgen mussten. Aber so zu drängen und unüberlegt vorzugehen glich Selbstmord.
Überfälle auf uns hatten wir schon einige erlebt. Danach konnten wir jedes Mal wieder die Verluste durch einen Gegenschlag ausgleichen. Aber es war jetzt nicht Sache, sofort den entstandenen Schaden auszugleichen. Der für einen Beutezug in Frage kommende Stamm war unseren an Stärke weit überlegen. Wir waren auf knapp zwanzig Mann zusammengeschrumpft. Ein Überfall in dieser Lage hätte die sichere Vernichtung unserer Sippschaft bedeutet.
Mit diesen Einwänden konnten wir schließlich Brüllix überzeugen. Er ließ von dem Vorhaben wütend ab.
Nun überlegten wir lang und breit, welche Vorgehensweise angebracht war. Wir mussten dabei sicher gehen, so wenige Verluste wie möglich einzustecken. Das war das einzige, was wir wussten.
Inzwischen zog der Winter ins Land. Nunmehr war sowieso an einem Überfall erst im nächsten Frühling zu denken. Das war gut. Wir konnten weiter nachdenken.

Der Überfall des Bären

Die Vorratskammern waren gefüllt. Bald schon schneite es unaufhörlich. Einzig Mangel an frischem Fleisch herrschte, da der Schnee meterhoch vor der Höhle lag. Es wurde schwieriger, überhaupt aus der Höhle zu gelangen. Nur gut, dass man inzwischen den roten Drachen gezähmt hatte und also mit dem Feuer umzugehen gelernt hatte. Wenigstens herrschte Wärme und Licht in feuchter, düsterer Höhle. Das hin und wieder erlegte Frischfleisch konnte über dem Feuer gebraten werden. Die Folge war ein wohltuendes Behaglichkeitsgefühl im Bauch. Ansonsten lebten wir von unseren Vorräten. Da wir, unser Stamm, nunmehr so wenige waren, gab es genug zu essen. Das war kein Problem. Den Überfall, nämlich die Herbeischaffung neuer Frauen, war unsere große Last.
Wann wir vor der Feuerstelle saßen, umgeben von einer großen Decke, nur die Augen des Kopfes lugten hervor, dann starrten wir ständig stumm ins Feuer und grübelten nach: Wie war die schwierigste Aufgabe, deren man sich je gegenübergestanden hatte, zu bewältigen? Ab und zu stand einer auf und legte neues Holz nach, das knisternd vom Lodern des roten Drachens empfangen wurde. Nur gut, dass man einen recht großen Holzvorrat angelegt hatte, um die unersättliche Gier des Ungeheuers zu stillen. Es war jetzt nicht nachzudenken, dass der rote Drachen eigentlich beides war: Ungeheuer und Wohltäter zugleich.
Heftige Widerworte wurden ausgetauscht, sobald jemand eine Idee hatte. Dazu sprang derjenige meist erregt auf und versuchte auf die am Boden stumm Kauernden und mit dem Kopf Schüttelnden einzureden, um sie zu überzeugen. Meist erfolglos setzte er sich wieder hin oder ging nach hinten, um neues Holz zu holen, welches er erregt zerbrach und zerstückelte, um es schleudernd ins Feuer zu werfen, das heftig lodernd die entgegengebrachte Opfergabe empfing. Aber es wollte uns keine glänzende Idee kommen. Die Situation war ziemlich aussichtslos und verfahren.


copyright werner pentz
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