Biografien & Erinnerungen
Öffnung nach 28 Jahren

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"Es dauerte lang, doch dann..."
Veröffentlicht am 05. Oktober 2013, 14 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Über den Autor:

Ich lebe im südwestlichen Rheinland auf dem Lande. Kurzgeschichten nicht nur Kinder und Erinnerungssplitter aus meinen Leben finde ihr auf meinen Profil. Freue mich über jeden Kommentar.
Es dauerte lang, doch dann...

Öffnung nach 28 Jahren

Nachdem Deutschland 1945 kapituliert hatte, gab es vorerst ja vier Besatzungszonen. Im Jahre 1949 wurden zwei deutsche Staaten gegründet, die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR).

Für die DDR  wurde die offene Grenze nach West-Berlin zunehmend untragbarer, um wachsende Flüchtlingsströme und zunehmende wirtschaftliche Probleme abzuwenden, riegelte die DDR-Regierung am 13. August 1961 den freien Zugang nach West-Berlin ab.

Dies geschah alles vor meiner Geburt im Jahre 1962, so wuchs ich der

Bundesrepublik Deutschland, mit Bonn als Hauptstadt, auf. Während meiner Kindheit wurde ich selbstverständlich mit der Staatsform der Bundesrepublik vertraut. Erst als wir diese Themen im Geschichtsunterricht behandelten, damals war ich ungefähr 14 Jahre, begann ich mich intensiv dafür zu interessieren. So stellte ich die ersten Fragen, da ja meine Oma mit ihren Kindern aus Erfurt stammte. 

"Wann und weshalb habt ihr euch denn entschlossen, die DDR zu verlassen."  Meine Oma druckste nur herum, eine anständige Antwort erhielt ich nicht, nur das sie sich bereits in den Fünfzigern rübergemacht haben. 

Schließlich fragte ich meinen Vater, ob in der DDR noch Verwandte von uns lebten. Er erzählte mir, das mein Großvater Hans Friedrich dort noch lebte. Als ich etwa fünf Jahre alt war, wären wir mal dort gewesen, um ihn zu besuchen. Die einzige Erinnerung, die ich daran besitze, ist, dass er einen Garten hatte, indem genau in der Mitte ein Weg war, dass rechts und links davon Gemüse herangezogen wurde. Am Ende des Weges gab es einen gemauerten Brunnen. Mein Vater fing an zu lachen und meinte,:„Da hast du mich gefragt, ob in diesem Brunnen ein Froschkönig lebt.“ 

So begann ich alles über diese Zeit zu

lesen, egal ob es geschichtliches oder irgendwelche Romane waren. Total begeistert war ich dann auch von „Alles in Butter“ von Dieter Zimmer.  

Meine Eltern hatten gebaut und 1971 siedelten wir nach Erftstadt südwestlich von Köln um, eine Stadt mit vielen Wasserburgen, den Schlössern „Schloss Gracht und „Schloss Gymnich“ sowie viele Seen.  


Die Bundesregierung mietete das Schloss Gymnich von 1971 bis 1990 an und beherbergte dort insgesamt  262 Staatsgäste, engte meine und insbesondere die der Gymnicher Bewohner in ihrer Bewegungsfreiheit

ein. Straßen wurden hermetisch abgesperrt, aber von weitem konnten wir erahnen, denn je größer der Zug des Konvois war, wie hoch der jeweilige Besuch im Kurs lag.

Nachdem ich  meine Ausbildung  beendet hatte, verließ ich mein Elternhaus und zog nach Brühl. Dort hatte ich mir in einem Apartment meine kleine Welt geschaffen, um meine Freiheit zu genießen.  Ich verfolgte  selbstverständlich die politischen Veränderungen wie das Ende der sozialliberalen Ära . Helmut Schmidts, der durch die Massenproteste gegen seine Nachrüstungsinitiative (Pershings II Raketen) seinen Abschied nehmen

musste. Bei den Massenprotesten vereinigten sich kirchliche Kreise, Prominente wie von Weizsäcker, Böll, Grass, Beuys mit Politiker wie Eppler (SPD) und den Grünen zusammen. Es kam immer wieder zu Blockaden bei den Atomwaffenlagern, Munitionsdepots u.s.w. .

Die Ostermärsche entstanden und andere Massendemonstrationen. Dabei wurde mir bewusst, wie brutal auch unsere Ordnungskräfte gegen die Demonstranten vorgingen.  Nach dem Kanzlerwechsel zu Helmut Kohl, setzte dieser die gleiche Außen-und Deutschlandpolitik wie sein Vorgänger fort.

Als 1986 Michail Gorbatschow seine

historische Rede seine Reformkonzepte zu Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) beim 70. Jahrestag, anlässlich der Oktoberrevolution, hielt, begann der langsame Zusammenbruch der Sowjetunion. Total begeistert saß ich vor dem Fernseher und verfolgte das Geschehen. Mit Freunden und der Familie diskutierten wir oder fragten uns, meint der es ehrlich?

Genauso gespannt verfolgte ich, als erstmals in der Geschichte beider Staaten Erich Honecker 1987 die Bundesrepublik besuchte und das im Anschluss zahlreiche politische Häftlinge aus den DDR- Gefängnissen freigelassen wurden. Sogar wurde zeitweise der Schießbefehl

an den Grenzen zur Bundesrepublik ausgesetzt. Der deutsch - deutsche Reiseverkehr wuchs deutlich und etliche Städtepartnerschaften sind zustande gekommen, was mich persönlich sehr freute, da sehr viele Familien auseinandergerissen in zwei Staaten, mit der bewachten und verminten Grenze, lebten.

Durch die Umgestaltung der Sowjetunion und des ganzen Ostblocks, wurden die DDR-Bürger glücklicherweise mutiger und Reiseanträge schnellten in die Höhe, dieses konnte man aber nur zwischen den Zeilen aus den Berichten entnehmen.

Als dann Michail Gorbatschow im Juli 1989 vor dem Europarat eine Rede hielt,

leitete er damit das Ende des kalten Krieges ein. Er schloss seine Ansprache mit den Worten:

“Die Europäer können die Herausforderung des kommenden Jahrhunderts nur unter Vereinigung  ihrer Anstrengungen gerecht werden.(….)Sie brauchen ein Europa. Ein friedliches und demokratisches, das all seine Mannigfaltigkeit erhält und sich an allgemeine humanistische Ideale hält, aufgeblüht und der ganzen restlichen Welt die Hand reicht. Ein Europa, das sicher in den morgigen Tag schreitet. In einem solchen Europa sehen wir unser Zukunft“

Diese Worte gaben mir Hoffnung,

vielleicht gibt es ein Europa ohne irgendwelche Raketen,  wir waren bis jetzt ja irgendwie ein Pufferland!

Kurz darauf kam es im Schloss Gymnich am 25. August 1989  zu einem Geheimtreffen der ungarischen und deutschen Staatschefs, welches die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze in der Nacht vom 10. auf den 11. September 1989 für die Botschaftsflüchtlinge aus Ungarn zur Folge hatte. Diese Bilder und Berichte  verfolgte ich sehr gespannt im Fernsehen und ich freute mich unheimlich für diese Menschen.

 

Die friedlichen Montagsmärsche und

Lichterketten in den Kirchen und ihren Umgebungen wurden laufend gesendet. Ich war beeindruckt, dass die Menschen in der DDR solche Aktionen durchführen konnten, ohne inhaftiert zu werden, da mir ja von klein auf eingetrichtert wurde, dass jegliche freie Meinungsäußerung  oder Taten, doch sofort mit jahrelanger Inhaftierung bestraft wurde.

Bei letzten Jahrestag der DDR wurden sogar Stimmen im Hintergrund laut, die Gorbi, Gorbi riefen, als Erich Honecker seine Rede hielt. So als wollten sie schreien „Hilf uns“. All dies bekam ich durch Medien mit.

Kurz darauf wurde Honecker durch Krenz ersetzt, doch die Massenproteste gingen

weiter und schließlich kapitulierte die DDR-Führung und verkündete die Öffnung der Berliner Mauer am 09.11.1989.

Die Medien berichteten ausführlich über die vor Glück strahlenden Menschen, wie sie sich in die Arme fielen, überglücklich im Westen zu sein und mir liefen vor Freude die Tränen über die Wangen.  


Vielleicht haben wir das Glück, wirklich einmal in einem Europa zu leben, so wie es Michail Gorbatschow  bereits in seiner Rede aussprach.

 

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schnief
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rolandreaders Gerne nochmal gelesen an diesem historischen Tag. Ein sehr informatives Buch zum Thema deutsche Einheit.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Lieber Roland, freue mich das es gerne nochmals gelesen hast, danke dir:
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Hofdichter Ich war bei der Flucht über Ungarn dabei , und kann nur sagen es war voller Erwartung und sehr beengend . Die Scheiben waren zugehaucht weil alles überfüllt war und die Menschen schrieben Freiheit mit ihren Fingern an die zugehauchten Fensterscheiben. Ich hab die Panzer noch stehen sehen an der Grenze und die Angst in den Gesichtern wie sie abnahm und wir vom Roten Kreuz Eine große Papiertüte mit Verpflegung bekamen und 100 DM.

LG Ephraim
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Lieber Ephraim,
Ich kann mir gut vorstellen, was du damals gefühlt hast, ich habe ja fast alles nur aus den Medien erfahren, aber nach dem Mauerfall habe ich viele kennengelernt, die nur noch hierbleiben wollten, doch einige gingen in ihre Heimat zurück.
Warum schreibst du nicht deine Erinnerung auf, ich würde sie gerne lesen.
Ich danke dir auch herzlich für den Favo.
Liebe Grüße Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Sealord Der Text ist Dir gelungen! Gerne gelesen!
LG Uwe
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Lieber Uwe,
ich danke dir für dein Lob.
LG
Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Marvin Nochmals sehr gern gelesen Manuela
Toll geschrieben

Glg
Martin
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Lieber Martin,
ich freue mich sehr, dass du es nochmals gelesen hast.
GlG
Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
Misspelled Ein schöner Bericht, mal aus der Sicht eines "Wessis" zu lesen. Als "Ossi" sehe ich das in vieler Hinsicht anders. Ich habe immer meine Meinung gesagt und bin nie verhaftet wurden. Auch wenn ich gegen den Staat gewettert habe. Sätze wie "Mich kotzt die Gutschreibepolitik an..." habe ich nicht nur einmal geäußert und bin deshalb nie verhaftet wurden. Mich ärgert es immer sehr wenn man meine Heimat so hinstellt, als das wir nie etwas sagen durften, da dies nicht der Wahrheit entsprach. Auch heute können wir in der BRD nicht alles sagen und tun was wir gern möchten. Richte ich meine Aktivitäten direkt gegen den Staat bekomme ich auch in der BRD Schwierigkeiten, genauso wie ich es damals in der DDR bekommen habe. Es war nicht alles richtig was dort gemacht wurde, aber es war unsere Heimat und unser Land das wir geliebt haben und in denen es uns gut ging. Wir hatten ein Dach über den Kopf unsere Kinder hatten eine Zukunft ( besser als heute ) wir haben gelacht und wir haben geweint. Nicht alles war gut aber es war auch nicht alles schlecht. Es ist meine Vergangenheit und ich habe meine Heimat geliebt mit all ihren Fehlern. Genauso wie die "Wessis" ihre Heimat lieben mit all ihren Fehlern. Wir sollten endlich aufhören mit diesem Rumgekaue auf dem was mal war und endlich anfangen die Zukunft zu gestalten ohne zu sagen der ist ein "Wessi" und der ist ein "Ossi" wir sind Deutsche und wir sollte stolz darauf sein, dass es uns gelungen ist wieder ein Land zu werden. Wir sollten endlich mal anfangen unsere Vergangenheit ruhen zu lassen. Die die vor 45 lag und die die zwischen 45 und 89 lag genauso. Weil es uns nichts bringt. Die Vergangenheit kann man nicht ändern sondern nur die Zukunft und die beginnt im Hier und Heute und nicht im War und Gestern.

Ein interessantes Buch, was nicht ganz meiner Meinung entspricht, da es leider sehr einseitig ist.

Lg Miss
Vor langer Zeit - Antworten
schnief Liebe Katja,
dieses Buch war mein Beitrag des 38. Dear Diary-Wettbewerbs im Oktober , Thema: "Erlebnisse aus der Zeit des "Mauerfalls" und der Deutschen Einheit " Da ich ja ein sogenanntes Wessikind Bin, kann ich ja nur aus meiner Sicht schreiben. Das nicht alles verkehrt in der DDR war, kann ich mir vorstellen und das ihr eure Heimat geliebt btw. liebt ist mir auch klar. Nur hier konnten wir stets unsere Meinung frei äußern, ohne direkt bespitzelt zu werden. Inzwischen sind wir wieder ein Land und hoffentlich gibt es bald keine Unterschiede mehr.
Klar, inzwischen ist alles Geschichte, aber unsere Geschichte und wir können für die Zukunft nur positiv denken.
LG
Schnief
Vor langer Zeit - Antworten
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