Kurzgeschichte
Das einsame kleine Mädchen

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"Das einsame kleine Mädchen"
Veröffentlicht am 07. August 2013, 6 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich wohne in Norddeutschland auf dem Land. Schreibe Geschichten und Gedichte, bin eine Hobbyautorin. Außerdem zeichne ich gern, Landschaften, Porträts, Tiere, alles was mir Freude macht. Ich reise gern oder radele mit dem Drahtesel durch die Lande. LG Geli
Das einsame kleine Mädchen

Das einsame kleine Mädchen

Das kleine Mädchen war allein und hatte Angst, alles war fremd, sogar die Wände und die Möbel wirkten feindlich und bedrohlich. Sie musste stark sein, denn Schwäche wurde nicht geduldet. Auf keinen Fall wollte sie eine Heulsuse sein. Die Bettdecke fest über den Kopf gezogen, die Augen geschlossen versuchte sie, an etwas Schönes zu denken.

Wie viel Zeit war vergangen? Die Uhr kannte sie nicht. Es war dunkel und Tränen liefen ihr liefen ihr über das Gesicht. Ihr war heiß und sie hatte Durst.

Sie betete leise:" Lieber Gott lass mich nicht allein und schick meine Familie zurück, meine Mama, meinen Papa und

meine Brüder."

Du bist zu klein und gehst ins Bett und schläfst, hatte Mama zu ihr gesagt. Aber sie konnte nicht schlafen.

Die Uhr tickte laut, es knackte in den Bodendielen und Schatten huschten am Fenster vorbei. Sie dachte an das Märchen vom bösen Wolf. Oma hatte es ihr vorgelesen. Vielleicht schlich der Wolf ums Haus. Warum war Oma nicht da? Sie war verreist, wollte ihr bei der Rückkehr ein Bilderbuch mitbringen. Sie brachte immer etwas mit, Kekse Schokolade und den kleinen Teddy, den sie fest an die Brust drückte. Sie würde für immer allein bleiben. Selbst die Brüder, die sie oft neckten wären ihr

lieber, als diese Einsamkeit. Sie lachten sie aus, wenn sie etwas nicht konnte, zogen an den Zöpfen. Beide waren groß und gingen zur Schule. Mittags machten sie Hausaufgaben. Das kleine Mädchen sah ihnen zu, wenn die Jungen am Tisch saßen und in ihre Hefte schrieben. Sie musste leise sein.

Mama schlief oder lag auf dem Sofa und las. Papa arbeitete lange und sie war meist im Bett, wenn er nach Hause kam. Sie war oft allein, aber heute war es dunkel und das machte dem kleinen Mädchen Angst.

Ich werde ein Lied singen, dachte sie und drückte Teddy fest an ihre Brust. Papa hat mir Kommt ein Vogel - vorgesungen

und nach mehreren Wiederholungen konnte sie mitsingen. Das Singen beruhigte und sie dachte an Oma. Sie würde mit ihr in den Park gehen und Enten füttern. Oma ermahnte sie, nicht zu dicht ans Wasser zu gehen, weil der Wassermann kleine Mädchen mochte und sie mit in sein Reich unter die Wasseroberfläche zog. Oma passte auf. Sie wollte dem Teddy eine Jacke und einen Rock stricken, das hatte sie versprochen.

Mit diesem Gedanken schlief sie ein und träumte. Mama und Papa waren wieder zu Hause. Die Brüder neckten sie und zogen an ihren Zöpfen.

Sie träumte es sich schön. Das einsame

kleine Mädchen ohne Namen.

© Geli Ammann

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Hörbuch

Über den Autor

Gelixx
Ich wohne in Norddeutschland auf dem Land. Schreibe Geschichten und Gedichte, bin eine Hobbyautorin. Außerdem zeichne ich gern, Landschaften, Porträts, Tiere, alles was mir Freude macht. Ich reise gern oder radele mit dem Drahtesel durch die Lande.
LG Geli

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cassandra2010 

Ach ja... der ungute "Erziehungsapparat aus Kalkül", wie Fontane einmal gesagt hat... wir haben wohl alle in irgendeiner, hoffentlich nicht allzu heftigen Variante Bekanntschaft mit ihm gemacht.

LG
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre Wahnsinn, da kommen Erinnerungen hoch....
die Dunkelheit war am schlimmsten....schöne
Geschichte, für mich sehr nachvollziehbar.
ganz lieben Gruss
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
Gelixx Viele kennen das aus ihrer Kindheit - schlimm ist so etwas. Danke dir lieben Gruß Geli
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Ja, sie ist sehr plastisch und nachfühlbar geschrieben, ich habe sie gern noch mal gelesen.
Lieben Gruß
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
Gelixx Ich habe lange nicht an sie gedacht, aber auch selbst mit Beklemmung gelsen, kam viel hoch. Danke liebe Fleur, ich kenne deinen ersten Kommi noch genau. Ganz liebe Grüße Geli
Vor langer Zeit - Antworten
Gelixx Re: DAS EINSAME KLEINE MÄDCHEN -
Zitat: (Original von Bleistift am 13.08.2013 - 16:09 Uhr) ... das gibt es nun zum Glück nicht mehr.
Dafür wohl aber das Märchen vom hässlichen jungen Entlein, wobei das bitte nicht wörtlich zu nehmen, sondern allein der Entwicklung geschuldet ist.

Aber sie ist nachvollziehbar schön und überaus lebendig geschrieben, Deine Geschichte...

LG Louis :-)

Danke lieber Louis fürs Lesen und den Kommentar du verstehst mich Gruß Geli
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift DAS EINSAME KLEINE MÄDCHEN - ... das gibt es nun zum Glück nicht mehr.
Dafür wohl aber das Märchen vom hässlichen jungen Entlein, wobei das bitte nicht wörtlich zu nehmen, sondern allein der Entwicklung geschuldet ist.

Aber sie ist nachvollziehbar schön und überaus lebendig geschrieben, Deine Geschichte vom einsamen kleinen Mädchen...

LG Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
rumpi ein - kleines kind allein zu hause lassen, niemals hätte es sowas bei mir gegeben. entweder wir sind eltern oder wir sind es nicht. dazwischen gibt es nicht!

lg+5 sterne,karsten
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Re: Re: Man erkennt dich gut -
Zitat: (Original von Gelixx am 07.08.2013 - 22:30 Uhr)
Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 07.08.2013 - 22:24 Uhr) in dem kleinen Mädchen auf dem Cover, liebe Geli.
Das muss ein traumatisches Erlebnis für dich gewesen sein,
man fühlt mit mit dem kleinen Mädchen.

Und doch ... ich musste meinen kleinen Sohn auch manchmal abends allein lassen ... berufliche Zwänge ... Es war in der DDR normal, dass Frauen berufstätig waren. Wir wohnten in einem Hochhaus Wand an Wand - Polizisten, Arbeiter, Verkäuferinnen, Lehrer, Ärzte, Rentner, Professoren, Stasioffiziere .... spielten sonnabends zusammen Volleyball, feierten in einem Gemeinschaftsraum Hausfeste ... beobachteten den Spielplatz hinterm Haus und den Wäschetrockenplatz .... Die Kinder besuchten dieselbe Kindereinrichtung, bzw. dieselbe Schule, man kannte sich und hielt ein Auge aufeinander.
Die Familie unter uns hatte einen Wohnungsschlüssel, die Frau betreute ihn auch manchmal tagsüber, wenn er erkältet war, kochte sie ihm Zwiebelsaft mit Zucker ...
Es gab keine Komplikationen, ich habe ihn später auch gefragt, ob er Angst hatte. Nein, er hat sich nicht allein gefühlt.

Damals sind die Kinder auch ihren Schulweg allein gegangen, heute werden sie mit dem Auto gefahren....

Liebe Grüße
fleur


Liebe Fleur, mir ist klar, dass man früher Kinder allein lassen musste und auch oft ein schlechtes Gewissen hatte. Meine Eltern waren aber abends zu ihrem Vergnügen unterwegs, sie hatten Freunde usw. Ich kann mich an meine Angst gut erinnern und ich habe versucht es so aufzuschreiben. Wenn ein Kind weiß, wenn es ansprechen kann, dann wird die Angst erheblich kleiner. Ich danke dir ganz lieb fürs Lesen und den Kommentar. Mit einem lieben Gruß Geli


Das ist ja auch alles richtig, liebe Geli. Du hast es sehr nachfühlbar aufgeschrieben, man spürt, wie du gelitten hast.
Man muss die unterschiedlichen Bedingungen berücksichtigen und das Kind mit seiner Psyche natürlich.
Ich war in dem Alter nie allein, aber wir waren eine Großfamilie mit Oma und zwei Tanten ... Ich mache mir heute auch Gedanken ... Aber mein Sohn hatte immer eine Anlaufadresse, konnte im Schlafanzug an der Wohnungstür nebenan klingeln, bzw. die Frau ging mehrmals nach ihm sehen ... Ich wollte nur verdeutlichen, wie unterschiedlich es gewesen ist zwischen euch und uns sowohl wie zwischen heute und früher ...

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
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