Science Fiction
Reflection - Recurrence - Komplettfassung

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"Reflection - Recurrence - Komplettfassung "
Veröffentlicht am 14. Mai 2013, 888 Seiten
Kategorie Science Fiction
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Über den Autor:

...Was gibts über mich zu wissen ? Ich schreibe gerne, deshalb bin ich auf der Seite angemeldet. Muss man mehr wissen ?Ich freu mich natürlich immer über konstruktive Kritik und Kommentare zu meinen Texten.Sonst noch was über mich.. Malt und Metalhead und Laborheini mit einem Faible für Philosophie, Pfeifen und Fantasyliteratur. Erwarte also bitte niemand zu viel von mir :-) Oh und mich gibts auch bei ...
Reflection - Recurrence - Komplettfassung

Reflection - Recurrence - Komplettfassung

Einleitung

In einer zerbrechenden Welt versucht der Widerstandskämpfer Jack Walt einen aussichtslosen Kampf gegen die beherrschende Ordnung zu führen, das Elektorat, und dessen alles kontrollierende Ministerien. Als er bei einem entscheidenden Angriff hintergangen und festgenommen wird, blieb ihm nur noch ein Weg, sich selbst und alle, die ihm etwas bedeuten zu retten. Er begibt sich gezwungenermaßen nach Liurie, einer Wasserwelt und findet dort mehr, als er nur die Wahrheit. Der Kampf um sein Leben wird zum Kampf um das Schicksal der gesamten

Menschheit. Bildquelle ,, Frozen Flowers" http://www.royaltyfreeimages.net/

Prolog

Der Mann der vielen Namen saß in einem kleinen, schlecht beleuchteten Raum im inneren eines Motels. Vor zwei Monaten noch war sein Name Abundius gewesen, davor Nemo und nun… nun wartete er. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf einen kleinen Videoschirm, der neben einem Tisch die einzige Einrichtung bildete. Es gab keinen Ton, aber er kannte den Text des Nachrichtensprechers ohnehin fast auswendig. Es war dasselbe, wie die gesamten letzten Wochen hindurch. Trotzdem schaltete er jetzt die

Lautsprecher ein. Vielleicht gab es ja etwas Neues. ,, Die noch immer nicht ganz geklärten Vorfälle auf der Kolonie Liurie führten zu weiteren Verschärfungen der Sicherheitsvorkehrungen. Nachdem Gerüchte aufkamen, das das Elektorat Informationen großräumig unterschlagen habe kam es gestern auf einer Pressekonferenz mit Justizminister Arthur Jones zu gewaltsamen Unruhen. Die Infolge der Vorkommnisse gegründete Ulan-Garde konnte jedoch schlimmeres verhindern.“ Im Klartext heißt das, sie haben einfach jeden festgenommen oder getötet, den sie für eine Bedrohung hielten, dachte er.

In den Randgebieten der Megacitys herrschte geradezu Kriegszustand und der Ministerrat wurde langsam paranoid. Und das schlug sich auch auf die Bevölkerung nieder. Die Kommissare reichten längst nicht mehr aus. Im Gegenteil, es gab Gerüchte über Säuberungsaktionen in den eigenen Reihen. Über 20 wegen Verrats hingerichtete Kommissare und wer weiß wie viele festnahmen. Und das waren die offiziellen Zahlen. Nach dem, was auf Liurie vorgefallen war, kein Wunder. Der Mann richtete seien Aufmerksamkeit auf den Tisch vor ihm. Ein Koffer stand darauf. Und darin, alles was er brauchte,

um eine Welt in Brand zu setzen. Warum hatte er bis jetzt gezögert? Er wusste es nicht. Das System destabilisierte sich selbst, aber noch konnte es sich halten. Noch… Es fehlte nur ein kleiner Schubs und alles würde in einer Kettenreaktion zusammenbrechen. ,, Dann sind sie genauso schlimm wie das Elektorat.“ War das wahr? Er hatte lange nicht mehr an Aaren gedacht., aber es bedeutete nichts. Es waren die Worte eines Toten Mannes. Auch wenn es ihm leid tat. Aber warum hatte er dann bis jetzt gezögert? Es spielte keine Rolle

mehr. Es war an der Zeit.

Kapitel 1 Rekrutierung


Jack Walt lief zügig durch die dunklen Straßen. Es war erst Nachmittag, aber der Rauch, der über dem industrieviertel der Metropole lag, dämpfte das Licht und brannte in seinen Lungen. Würde er sich näher an die gewaltigen Fabrikhallen mit ihren in den Himmel ragenden Schloten heranwagen, würden seine Augen anfangen zu tränen, das wusste er. Aber heute, ging er in die umgekehrte Richtung. Die meisten Städte auf der Erde waren im Verlauf der letzten Jahrhunderte zu einzigen Megacitys zusammengewachsen,

ganze Länder mitsamt ihren Grenzen waren unter Hochhäusern und Beton verschwunden. Einer der Nebeneffekte davon war, das sich de durch nichts mehr voneinander getrennten Städte nur noch schwer voneinander abgrenzen ließen. Die meisten Städte hatten das Problem gelöst, indem ihren Eigenständigen Status aufgegeben und sich mit den umliegenden Siedlungen zu einem gemeinsamen Verwaltungsbezirk zusammengeschlossen hatten. Ein System, das langsam arbeitete, den eine Stadt von der Größe eines Landes oder im Falle Europas schon fast eines Kontinents zu organisieren war eine

schier unmögliche Aufgabe. In den geordneten Herzen der Städte war es einfacher, als in den weniger entwickelten und dichter besiedelten Randgebieten. Hier drängten sich gewaltige Industrieparks an Armensiedlungen und verfallene Slums. Zufluchtsgebiete, für die im Elektorat offiziell nicht existierenden Drogenabhängigen und Arbeitslosen. Fast schienen die Städte die Planetensysteme des Elektorats widerzuspiegeln. Die zivilisierten, hoch technisierten Zentralwelten mit ihren perfekten Ordnungssystemen und die kleineren Randkolonien, die oft mehr Freiräume ließen und die schwer

kontrollierbar waren. Und wie auf diesen fernen Welten war es nicht ganz ungefährlich, sich hier aufzuhalten, aber weniger wegen der Bewohner. Offiziell herrschte Ausgangssperre und Jack musste immer wieder Patrouillen ausweichen, oder sich in dunkle Seitengassen flüchten. Die hier diensthabenden Polizisten hatten einen strikten Schießbefehl und manchmal fand sich unter ihnen sogar ein Kommissar. Eine Begegnung mit diesen schweigsamen, emotionslosen Gestalten wollte er um jeden Preis vermeiden. Jack kannte genug Geschichten über die Wächter des Elekorats und seiner Gesetze. Eiskalte

Vollstrecker, die sogar ihre eigenen Gefühle mit Medikamenten unterdrückten. Meist waren es die Kommissare, die die Ordnung auf den Randkolonien sicherten. Nun jedoch wurden sie auch auf der Erde eingesetzt, dem nach wie vor schlagendem Herz der Menschheit. Sie waren die bei weitem gefürchtetste Waffe es Elektorats. Oder waren es zumindest gewesen. Die erst kürzlich ins Leben gerufene Ulan-Garde stellte wohl selbst sie in den Schatten… Er wollte nicht darüber nachdenken. Stattdessen wanderten seine Gedanken zurück zum gestrigen Abend. Es schien ihm nach wie vor so unglaublich. In der einen Sekunde redete der Justizminister

noch, in der nächsten eröffnete jemand das Feuer. Das Chaos war innerhalb weniger Augenblicke perfekt gewesen. Er wusste, dass es keiner von ihnen gewesen war. Sie sollten nur beobachten. Es musste also eine geplante Aktion gewesen sein. Ein Grund für das Elektorat, noch mehr neue Gesetzte und Sperren durchzubringen. Er spürte wie sich seine Hand zur Faust ballte. Er überquerte rasch eine verlassene Straßenkreuzung. In den Rinnsteinen lagen Papiere und alte Zeitungen, über ihm verlief eine alte Stromschiene. Jack bezweifelte, dass es sich dabei um mehr, als ein fast schon historisches

Relikt der Vergangenheit handelte. AN manchen Stellen fehlte die Isolierung der Kabel. Das das Kupfer noch niemand gestohlen hatte war beinahe schon unglaublich. Auf der anderen Straßenseite hielt er auf ein heruntergekommenes Haus mit rissiger Betonfassade zu. Ein schief hängendes Schild wies es als Kneipe aus, aber Jack wusste, dass das Gebäude seit Jahren leer stand. Das hieß Offiziell. Eine Lautsprecherdurchsage, die durch die verlassenen Straßen hallte, ließ ihn kurz innehalten. ,,Melden sie alle Auffälligkeiten umgehend an die nächste Polizeidienststelle. Denken sie daran,

auch das Schweigen ist ein Verbrechen gegen den Staat. Zögern sie also nicht, Informationen weiterzugeben, sie schützen so auch sich und ihre Familie.“ Jack schüttelte nur den Kopf. Das Problem mit dem ganzen war, das es viele einfach glaubten. Sie verrieten lieber ihren Nachbarn, der die Sperren aus nichtigsten Gründen Umgang, als zu riskieren später beschuldigt zu werden, davon gewusst zu haben. Er warf noch einen Blick über die Schulter, bevor er durch eine Glastür trat und im Inneren des Gebäudes verschwand. ,,Veritas filia temporis“ stand in klar erkennbaren Buchstaben in den

Türrahmen geschnitzt. Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit. ,,Halt.“ Er war kaum durch die Tür getreten, als ihm auch schon eine Waffe an die Schläfen gehalten wurde. ,,Ich bins nur Cooper .“ ,,Wir müssen Sichergehen.“ , meinte eine Stimme zu seiner rechten entschuldigend. ,,Hand ausstrecken.“ Er tat, was ihm gesagt wurde, ein kurzes Stich in seinen Zeigefinger, dann eine kalte Platte, auf die seine Hand gelegt wurde. Eine rasche DNA-Analyse und Fingerabdrücke um sicherzustellen, dass er auch war, wer er vorgab zu sein. Eine Sekunde später verschwand die

Waffe. ,,Tja, wies aussieht sind sie wirklich von Kopf bis Fuß Jack Walt.“ ,,Ach wirklich ?“ , fragte Jack genervt. ,,Tut mir leid, ich habe von gestern gehört…“ Er sah auf und musterte den Mann. Cooper hatte kurz geschnittene braune Haare und dunkle Augen, die ihn über den Rand einer glaslosen Brille hinweg musterten. Jack nickte nur, bevor er sich an dem Mann vorbeidrängte. Neben ihnen waren noch gut ein halbes Dutzend weitere Männer und Frauen im Raum, die sich auf einigen alten Sitzbänken oder an der verstaubten Theke versammelt hatten. Er nickte den meisten im Vorübergehen

kurz zu. Was hatte ihn dazu getrieben, sich diesen Leuten anzuschließen? Es hatte einfach richtig gewirkt . Vor zwei Monaten hatte man ihn unter den Rekruten der Elektorats-Armee für das Ulan-Programm ausgesucht. Letztlich hatte er wohl Glück gehabt, das Programm nach ein paar Wochen verlassen zu haben. Wenn er jetzt daran dachte, einer von diesen unnatürlich Stillen und bleichen Kreaturen zu sein, die man ab und zu in den Straßen sah… Es war wohl vor allem einem Surfausflug zu verdanken gewesen, das dem nicht so war. Von Zeit zu Zeit und wenn es seine

Finanziellen Mittel erlaubten, flog er für ein paar Tage zu einer der zentralen Kolonien wie Vineta. Ein Planet, der bis auf einen Kontinent völlig von Wasser bedeckt war. Zwar waren ÜLG-Reisen alles andere als angenehm, aber um der bedrückenden Enge der Städte wenigstens eine Weile zu entkommen, kam es Jack durchaus wie ein kleiner Preis vor. Die für das Ulan-Programm ausgesuchten Rekruten bekamen einen gewaltigen Gehaltszuschuss und sobald er die nötigen Formalitäten erledigt hatte, nutzte Jack die Gelegenheit die Metropolen der Erde erneut für eine Weile hinter sich zu lassen. Damals hatte

es noch keine Unruhen gegeben. Natürlich gab es bereits ein paar Berichte über verstärkte Militärpräsenz auf dem Planeten Liurie, aber nichts, das sie auf das vorbereitet hätte, was kommen sollte. Keine Niederlage des Elektorats aber… etwas das ähnlich genug war um einige wichtige Leute unruhig zu machen. Zu diesem Zeitpunkt aber kümmerte ihn das noch nicht. Der Zusammenbruch sollte erst in einigen Wochen folgen. Die meisten Siedlungen auf Vineta lagen in Wassernähe und so brauchte er nicht weit zu laufen, um das Meer zu erreichen. Die ersten Tage verbrachte er meist

damit, die besten Punkte zum Surfen zu finden, denn an dieser Küste des Planeten war er noch nicht gewesen. Die Zeit verging wie meist viel zu schnell und irgendwann kam der letzte Tag vor seine Rückkehr zur Erde. Er war an diesem Tag früh aufgestanden, um das gute Wetter noch einmal zu nutzen. Jack musste lediglich über eine Treppe eine Steilklippe hinab und befand sich bereits direkt am Ozean, der wie eine große Gasplatte vor ihm lag. Keine Wellen in Sicht, wie er enttäuscht feststellte. Aber er hätte vielleicht immer noch die Möglichkeit, mit einem Orbitalshuttle an eine andere Küste zu gelangen und am

Abend wieder zurück zu sein. Während Jack noch darüber nachdachte, hörte er hinter sich eine Stimme. ,,Sind sie öfter hier ?“ Er hatte den Mann, der dort in der Sonne auf einem Stein saß gar nicht bemerkt. Seine braunen Haare hingen ihm ins Gesicht und dunkle Ringe zeichneten seine Augen, die in einem schmalen Gesicht saßen als hätte er eine Weile nicht geschlafen. Er wirkte jung… aber irgendetwas sagte Jack, das er nur so wirkte. Die Gestalt des Mannes war hager, fast spindeldürr. Die Kleidung wirkte eigentlich zu teuer um sie an einem Strand zu tragen und schien ihm mindestens eine Nummer zu groß zu sein.

In einer Hand trug er einen Koffer, so als sei er grade eben erst angekommen… oder wollte gleich wieder weg. War er vielleicht ein Geschäftsreisender? Wenn ja, hatte Jack jetzt schon keine Lust mehr, sich groß mit ihm zu unterhalten. Er wüsste nicht welche Leute schlimmer waren, die Minister an sich oder die Oberschicht des Elektorats. Unangenehme Gesellschaft waren sie ganz bestimmt alle, dachte er. Jack musterte die Gestalt einen Moment immer noch unschlüssig, was er von ihr halten sollte. Der Mann betrachtete ihn seinerseits aus müden, aber intelligenten Augen. ,,Wer sind sie ?“ Jack sah sich um, aber

sonst war niemand hier. Nicht das ihn das unruhig machte. Der noch immer namenlose Mann schien keine wirkliche Bedrohung zu sein, selbst wenn er es wollte. ,,Nun, das kommt darauf an, welchen Namen sie gehört haben.“ , meinte der Fremde. ,,Wissen sie ich komme grade…. von einer recht interessanten Reise. Wieder ein Name, den ich vergessen kann.“ ,,Okay…“ Das ergab keinen Sinn, dachte er. Was sollte das bitte? ,,Nun ja, ich schätze Abundius tut es fürs erste noch einmal, wenn sie unbedingt wissen wollen, wie ich heiße.“ ,,Seltsamer Name.“ Jack war sich nach

wie vor nicht sicher, was er von dem Mann halten sollte. Und vor allem… war er nur aus Zufall hier? Desto länger er darüber nachdachte desto unwahrscheinlicher schien es ihm. Abundius hatte offenbar tatsächlich eine ziemlich lange Reise hinter sich und wirkte Müde. So jemand würde sich nicht um acht Uhr morgens Erdzeit zu einem Strandspaziergang zwingen, wenn es nicht nötig war. ,,Was genau wollen sie von mir ?“ , fragte er entschieden. ,,Ich weiß nicht, das kommt ein wenig auf sie an. Sehen sie… ich weiß, dass man sie für ein kleines… wie soll ich sagen… Spezialprojekt des Elektorats

ausgesucht hat. Es dürfte wohl teilweise auf meiner Forschung basieren, wenn auch nicht absichtlich, aber das ist nicht das Thema…“ ,,Ihre Forschung ? Wovon reden sie bitte? „ ,,Das Ulan Programm. So nennen sie es doch? Irgendwie ein unpassender Name. Ulanen waren Kavalleristen wissen sie das? Stammt aus dem mongolische und heißt wohl entweder tapferer Krieger oder junger Mann, wenn man vom türkischen Ursprung ausgeht. Ich bezweifle allerdings, dass sie an der Militärgeschichte Europas interessiert sind. Und ich bezweifle, dass das Elektorat ein Reiterregiment aufstellt,

nicht wahr?“ Der Mann erschien ihm von Sekunde zu Sekunde seltsamer. Er schien von einem Thema zum nächsten zu springen. Entweder konnte er sich nicht gut auf eine Sache konzentrieren… oder diesen Eindruck erwecken. ,,Das Ulan-Programm ist noch gar nicht öffentlich, soweit ich weiß.“ ,stellte er misstrauisch fest und wich einen Schritt zurück. ,,Woher wissen sie davon?“ ,,Ich denke es ist naheliegend. Sie wissen, dass sie den Kommissaren nicht mehr vollständig trauen können. Mentalblocker kann man absetzen oder vergessen. Was sie brauchten war eine endgültigere Lösung. Die habe ich ihnen

wohl unabsichtlich geleifert.“ ,,Was meinen sie damit ? Das ergibt keinen Sinn.“ ,,Wird es bald, vertrauen sie mir da.“ , erwiderte Abundius ruhig. ,,Warum haben sie sich eigentlich zum Militär gemeldet… Jack ?“ Jetzt hatte er aber genug. ,,Hören sie, ich weiß weder, wer sie sind, noch was sie von mir wollen. Also wie wäre es, wenn sie die Andeutungen lassen und zum Punkt kommen?“ ,,Sie wissen noch nicht, wofür sie ausgesucht wurden, oder?“ ,,Was ? Nein.“ ,,Sie finden es früh genug heraus. Zumindest hoffe ich das. Und wenn es

soweit ist…“ Der Mann machte eine wegwerfende Handbewegung und schwieg kurz. ,,Sagen sie mir, haben sie sich je in den Straßen umgesehen und gedacht… hier stimmt etwas nicht ? Das irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung ist?“ Die Fragen waren seltsam. Es waren Fragen, die man normalerweise nicht öffentlich stellte… und schon gar nicht einem Fremden gegenüber. ,,Wenn sie von der Kommission sind und das hier irgend ein seltsamer Test ist dann…“ ,,Ist es nicht.“ ,,Das würde ich an ihrer Stelle auch

sagen.“ ,,Antworten sie einfach nur. Ich trage nichts bei mir.“ , erklärte der Mann. ,,Kein Tonband, kein Funkgerät, ich bin ,bis auf das hier, “ Er zog eine kleine Pistole aus der Tasche. ,,Nicht mal bewaffnet.“ Er warf Jack die Waffe zu. ,,Und jetzt gar nicht mehr. Also ? Glauben sie, das alles in Ordnung ist?“ ,,Ich bin ein Soldat der Elektorats-Armee, das ist ihnen klar ?“ ,,Natürlich, ich suche immer Leute mit gewissen… Fähigkeiten.“ ,,Und das ich sie für diese Fragen töten könnte ?“ Abundius sah kurz nach oben. ,,Wissen sie… ich will ehrlich sein“ Leute die

einen Satz mit ich will ehrlich sein beginnen Lügen meistens, dachte Jack kurz, auch wenn er nicht wusste woher der Gedanke kam. ,,Ich würde nicht hierherkommen und mit ihnen reden, wenn ich nicht wüsste, wie ihre Antwort lautet. Ich… weiß ein paar Dinge über sie. Sie wurden in den letzten zehn Jahren insgesamt fünf Mal verhaftet. Zweimal wegen Vandalismus, noch zweimal wegen Wiederstands gegen Staatsgewalt und einmal weil sie einem Polizeibeamten die Nase gebrochen haben. Und trotzdem nimmt das Militär sie auf. Also mich würde das misstrauisch machen. Nun ?“ Jack drehte sich um und sah eine Weile

auf den Ozean hinaus. Aus irgendeinem Grund schien diese Geste Abundius zu beunruhigen. Als hätte er sie bereits bei jemanden gesehen und meine, einem Geist gegenüberzustehen. ,,Ja.“ , sagte er schließlich. ,,Ich sehe mich um, ich blicke über die Straßen und denke manchmal… das Ordnung, nicht alles ist.“ Jack wählte seien Worte bedacht. Wenn der Mann doch ein Kommissar oder ein Agent des Elektorats war, wollte er ihm keine klare Antwort geben. Aber mit dem, was er bereits gesagt hatte, war er doch ohnehin bereits zu weit gegangen, oder ? Er holte tief Luft. Wenn das sein Ende war, würde er ihnen wenigstens die Meinung sagen.

,,Und wenn ich ehrlich bin, hasse ich es. Die Ordnung des Elektorats, ihre Gradlinigkeit, ihre Pünktlichkeit, ihre ganze Struktur… Ich will nur so oft wie möglich so weit wie möglich weg davon, wenn sie die Wahrheit unbedingt wissen wollen. Das Militär ist der beste Platz dafür.“ ,,Gut.“ Abundius schien sein kurzer Ausbruch nicht sonderlich zu beeindrucken und das obwohl er nach wie vor dessen Waffe in der Hand hielt. ,,Aber, vielleicht ist das alles nur ein Gefühl.“ Nach wie vor fürchtete Jack, dass sein Kopf bereits in einer Schlinge steckte und er wollte ihn ganz sicher nicht weiter hineinlehnen, als nötig.

Aber es fühlte sich auch gut an einfach mal… die Wahrheit auszusprechen, von der er zwar wusste, die er aber niemals nennen durfte. Abundius stand von dem Felsen auf. ,,Vielleicht Mr. Walt. Vielleicht auch nicht. Sollten sie zu dem Schluss kommen, das dem so ist… würde ich sie bitten mich in meine Stammlokal zu besuchen. Suchen sie einfach nach der Tochter der Zeit.“ ,,Wie bitte ?“ Er sah dem Mann ungläubig nach, der bereit die Treppe die Klippen hinauf stieg. ,,Das ist alles.“ , erwiderte er ohne langsamer zu werden. ,,Sie können mich nicht einfach so hier

stehen lassen.“ ,,Wissen sie, ich bin ein viel beschäftigter Mann. Aber vielleicht lesen sie ja gerne.“ Er deutete zurück auf den Stein, auf dem er gesessen hatte. Dort lag ein verschlissenes Buch, das aussah, als hätte es jemand vor der Müllpresse gerettet. Jack strich mit einer Hand über den brüchig gewordenen Einband. ,,Ordnung und Licht.“ Stand in fast verblassten Buchstaben darauf. ,,Was soll ich damit…“ Aber der Mann war längst außer Sicht.

Kapitel 2 Verschwunden

  Nach seiner Rückkehr zur Erde blieb es nicht mehr lange still, auch wenn er anfangs nicht ahnte, was noch folgen sollte. Jack dachte ein paar Mal zurück an die seltsame Begegnung am Strand. Irgendwie schien ihm das Ganze im Nachhinein lächerlich. Der Mann war bestenfalls wahnsinnig gewesen… oder ? Er hatte sein Angebot doch nicht wirklich ernst gemeint? Der Gedanke erschreckte ihn, war aber auch mit einer gewissen… Faszination behaftet. Was Abundius ihm angeboten hatte, klang geradezu nach dem, was er sein Leben

lang gesucht hatte. Eine Möglichkeit, das zu bekämpfen, was er wie nichts anderes verabscheute… Es war verrückt, entschied er schließlich. Er hatte seine Möglichkeit zu entkommen, bereits in Reichweite. Nur noch ein paar Tage und seine Dienstzeit würde beginnen. Das Buch landete irgendwo in einer Zimmerecke. Vielleicht würde er Zeit finden es zu lesen. Oder auch nicht. Die ersten beunruhigenden Nachrichten erreichten ihn bereits wenige Stunden nach seiner Rückkehr. Offiziell hieß es, die Krise auf Liurie sein beigelegt und die Truppen unter Admiral Ivars Vämskä, befänden sich auf dem Rückweg. Aber mit den zurückkehrenden

Soldaten kamen auch die Gerüchte. Anfangs vor allem wirre Geschichten über Seeungeheuer und Männer, die nicht sterben konnten. Dann noch wilder klingende Erzählungen über angebliche geheime Befehle, die Anordnungen zur Zerstörung der Kolonie auf dem Planeten enthielten. Zuerst gab es nur wenig bedenken. Es waren Erzählungen, wie sie eben schon mal auftauchten. Seemannsgarn oder Traumata. Aber irgendwann drangen diese Gerüchte natürlich nach außen. In den Zeitungen stand nichts, aber man konnte die Leute reden hören. Und auch unter den Rekruten für das Ulan-Programm gab es Veränderungen.

Denn langsam aber sicher schien es, als würde einer nach dem anderen verschwinden. Die Ulanen wurden nicht zusammen mit den normalen Elektorats-Soldaten ausgebildet, etwas, das Jack schon am Beginn die erste Überraschung bescherte. Statt in einen der alten Kasernen gebracht zu werden, waren alle, die man als Geeignet angesehen hatte, zu einer neuen Einrichtung, in den Außenbezirken verlegt worden. Ein großer, fast zwei Quadratkilometer einnehmender Betonbau, der über einen gewaltigen Innenhof und weitere unterirdische Stockwerke verfügte, soweit Jack

wusste. Was genau sie hier allerdings Taten wusste er nicht. Natürlich, sie bekamen Spezielles Training, einige wurden an neuer Waffentechnologie ausgebildet, wie kinetischen Panzerungen oder Energieklingen aber wenn das Elektorat lediglich eine neue Spezialeinheit bräuchte, wären es nicht so viele. Bereits am ersten Tag lernte er mindestens zweihundert neue Gesichter kennen und insgesamt befanden sich wohl mehr als eintausend Rekruten auf dem Gelände. Allerdings darunter keinerlei Veteranen, nur junge Männer und Frauen, teilweise mit lediglich rudimentärer Kampferfahrung aber guter körperlicher

Verfassung. Und jedes Mal wenn Jack von seiner Wohnung aus, die in einem der großen Wohnanlagen in der Innenstadt lag, zu dieser Ausbildungseinrichtung zurückkehrte, schien jemand neues zu fehlen. Er kannte nicht einmal ein Viertel aller anderen Rekruten beim Namen, aber er erkannte die meisten Gestalten schnell wieder. Vor allem bei dem, wegen der hohen Verletzungsgefahr nur in kleineren Gruppen stattfindenden Schwerttraining fiel das Verschwinden auf. Energieschwerter waren an sich nichts weiter als Klingen aus extrem gehärtetem Metall, die man auf die stärke weniger

Atome zu geschliffen hatte. Die Waffen schnitten durch so ziemlich jedes Material, abgesehen von vielleicht Raumschiffpanzerungen, würden aber eigentlich extrem schnell stumpf und somit nutzlos werden. Um genau dem entgegenzuwirken, wurde die Waffe mit einem Schutzfeld umgeben, das erst in dem Moment, in dem man zuschlug deaktiviert wurde. Etwas, das Übung brauchte um es zu beherrschen. Jack selbst fand die Waffen eher unpraktisch. Zwar gab es keine Panzerung, die einer Energieklinge standhielt, aber mal abgesehen von kinetischen Rüstungen, würden auch Kugel diesen Zweck

erfüllen. Der ganze Zweck dieser Ausbildung war letztlich, dass sie darauf vorbereitet waren, auch Gegner mit genau solcher Ausrüstung zu bekämpfen. Bei einer kinetischen Panzerung handelte es sich nicht um eine gewöhnliche Schutzausrüstung, die beispielsweise aus Kevlar oder Keramikplatten angefertigt wurde, sondern um ein komplexes Gewebe aus Kohlenstoffverbindungen und Titanfasern. Bereits eine zwei Millimeter dünne Schicht hielt einem aufgesetzten Gewehrschuss stand und absorbierte dabei die kinetische Energie eines Projektils vollkommen. Mit zunehmender Schichtdicke erhöhte sich

auch die Absorptionsfähigkeit und wenn man eine Schicht trug, die der einer normalen Kampfausrüstung entsprach, konnte einem so gut wie nichts mehr etwas anhaben. Mit Ausnahme eben von einem Energieschwert. Das Gewebe war noch dazu überraschend leicht und extrem witterungsbeständig. Der einzige Nachteil an kinetischem Gewebe blieb, das es extrem Teuer in der Herstellung war. Es war also viel zu wertvoll und nicht für die normale Truppe geeignet. Die Ulan-Rekruten hingegen wurden damit Ausgestattet. Als Jack an diesem Tag die Trainingshalle für Energiewaffen betrat,

machte er sich gar nicht erst die Mühe nach Bekannten Ausschau zu halten. Es waren keine mehr da. Stattdessen fand er sich umgeben von ihm völlig fremden Rekruten wieder. Wenn von zwanzig ursprünglichen für das Schwerttraining vorgesehenen Rekruten nur neunzehn auftauchten, war das noch unauffällig, aber wenn es von Woche zu Woche weniger bekannte Gesichter wurden… Jack wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ihn ein er der Ausbilder des Elektorats angriff. Er stolperte zurück und es gelang ihm grade so noch, die Energieklinge abzuwehren. Bei einem aktiven Schutzfeld um die Waffe würde ihm ein

Treffer zwar höchstens einen blauen Fleck einbringen, aber war nicht darauf aus, sich zu blamieren. Irgendetwas ging hier vor und Jack wollte wissen, was. Vielleicht wussten die Ausbilder ja etwas mehr … und verplapperten sich. Und wenn nicht, dann hatte einer der anderen, ihm fremden, Rekruten möglicherweise etwas gehört? ,, Was ist los mit ihnen Walt ?“ , fragte sein gegenüber, offenbar gereizt über seine Unaufmerksamkeit. ,, Gar nichts.“ , entgegnete er. Jack machte ein paar Schritte zurück und ließ die Waffe sinken, während der Ausbilder sich bereits einem der neuen Rekruten

zuwendete. Er seinerseits ließ sich auf eine schlichte Holzbank am Rand des mit Matten ausgepolsterten Trainingsbereichs fallen. Drei der neuen Rekruten saßen nur ein paar Schritte entfernt, ein Mann mit kurz geschnittenen schwarzen Haaren, eine junge Frau und ein weiterer Mann, der fast noch als Kind durchging. Vermutlich grade erst volljährig geworden. ,, Viele neue Gesichter hier.“ , meinte er unverbindlich. ,, Ich weiß nicht, wir sind alle heute erst hier angekommen. Sie nicht ?“ , fragte der Schwarzhaarige. Das war genau das, was Jack hatte wissen

wollen. Also waren es tatsächlich neue Rekruten, nicht einfach nur Leute aus einem anderen Teil der Anlage. ,, Nein, ich bin schon ein paar Wochen hier.“ Die Frau musterte ihn einen Moment. ,, Haben sie Familie ?“ ,, Seltsame Frage.“ ,, Nun ja, wenn sie nicht befördert wurden…“ ,, Befördert ?“ ,, Nun uns hat man gesagt, dass sie neue Rekruten für ein Spezialprogramm suchen, weil durch Beförderungen Plätze frei geworden sind.“ Jack runzelte die Stirn. Er hatte definitiv von nichts dergleichen

gehört. ,, Nein.“ , sagte er schließlich. ,, Ich habe keine Familie. Na ja, nicht mehr viel zumindest. Einen ziemlich exzentrischen Cousin auf dem Mars. “ ,, Ernsthaft, wer will denn da leben ?“ , meinte der jüngste der Gruppe. ,, Seit das Terraformingprojekt eingestellt wurde, gibt es da doch nur Staub. Haben sie schon von den Nachrichten von Liurie gehört? Wenn auch nur die Hälfte davon wahr sein sollte dann…“ Und natürlich das Thema wieder. Jeder mit dem er in letzter Zeit sprach schein sich dafür zu interessieren und das obwohl das Elektorat noch immer dazu schwieg. Es war gefährlich, so offen

über etwas zu reden, was so klar erkennbar, nicht bekannt sein sollte. Und es ging ihm langsam auf die Nerven. Er war bei seinem seltsamen Gespräch mit dem Mann, der sich Abundius nannte, durchaus ehrlich gewesen. Natürlich gab es Missstände im Elektorat, er brauchte das nicht gesagt bekommen… Aber damit konnte man Leben. Sich dagegen zu stellen... bedeutete hingegen den Tod. Jack stand auf. Mehr würde er wohl nicht erfahren. Aber es war ein Anfang. Er warf einen Blick auf die Uhr und entschied, dass es vermutlich niemanden auffallen würde, wenn er die

Trainingshalle jetzt verließ. Wen es wirklich irgendwelche Beförderungen oder Versetzungen gegeben hatte, würde ihm das sicher jemand sagen können. Er verließ die Halle und trat auf den Innenhof hinaus. Eine große Betonfläche mit Betonwänden… und einem beinahe Betonfarbenen Himmel darüber. Ich hätte noch etwas auf Vineta bleiben sollen, dachte er. Egal wie weit und wie schnell sich die Kolonien entwickelten, es würde wohl noch Jahrhunderte dauern, bis sie den Grad an grauer Tristheit erreichten, den die Erde bereits seit einer Ewigkeit besaß. Er lenkte seine Schritte die

Gebäudefassaden entlang, bis er den Verwaltungs- und Archivblock erreichte. Normalerweise war er nur selten hier allerhöchstens, wenn es ausnahmsweise mal eine Unstimmigkeit bei der Gehaltsabrechnung gab. Das Elektorat war von allen noch der verlässlichste Geldgeber. Jack trat schnell durch die sich automatisch öffnenden Metalltüren, ebenfalls in grau gehalten. Manchmal fragte er sich, ob diese Vorliebe für das farblose irgendeinem militärischen Hintergedanken hatte, oder ob es einfach niemanden kümmerte. Selbst die Gebäude der Ministerien waren zum großen Teil aus dem gleichen,

staubfarbenen Material gefertigt. Wenn das ein Symbol für Sparsamkeit sein sollte, so war es hier fehl am Platz. Die Anlage war riesig und sicher alles andere als günstig, darüber konnte auch keine fehlende Verzierung hinwegtäuschen. Eine kleine Treppe führte vom Innenhof hinauf zur Verwaltung, die im Wesentlichen aus einer endlosen Reihenfolge von Büroräumen bestand. Lediglich im Eingangsbereich gab es ein kleines Sekretariat, an dem ein unglücklicher Offizier dienst schob Der Mann war wohl Anfang dreißig, hatte kurze, braune Haare und trug eine Brille ohne echte Gläser. Und sah nicht wirklich gut gelaunt aus, wie Jack für

sich feststellte. ,, Morgen. Ordnung und Licht.“ ,, Das heißt guten Morgen…“ Er musterte kurz Jacks Uniform. ,,Rekrut.“ Vielleicht, so dachte er war er ein Rekrut, ohne viel echte Kampferfahrung, aber der Mann an dem Schreibtisch vor ihm schein es auch nicht wirklich weit gebracht zu haben. Und auf Jack wartete möglicherweise wenigstens ein wichtiger Posten. Zumindest etwas anderes, als ein Verwaltungsjob. Es war wohl allerdings nicht gut, das dem Mann klar zu machen, wenn er Informationen wollte. ,,Entschuldigung.“ ,, Ach, ist ja schon gut.“ , meinte sein gegenüber ein wenig schuldbewusst wie

es aussah. ,, Also, was kann ich für sie tun ?“ ,, Ich wüsste gerne, ob es in den letzten Tagen irgendwelche Beförderungen unter den Rekruten gegeben hat.“ ,, Das sind keine Informationen, die ich ihnen so geben kann, das wissen sie hoffentlich. Dazu bräuchten sie schon einen Grund. Sind diese Unterlagen für irgendeinen Offizier? ,, Ähm…“ ,, Sagen sie mir einfach einen Namen und ich setz ihn unter die Anfrage, in Ordnung ? Ist ja nicht so, als würde ich die neueste Geheimwaffe des Elektorats preisgeben.“ Jack zögerte. Die Ausbilder würden

auffallen, wenn er ihren Namen benutzte, so wie die meisten anderen Offiziere hier… aber außerhalb der Einrichtung kannte er niemanden mit hoch genauem Rang beim Namen. Außer… ,, Admiral Ivars Vämskä „ Er konnte nur hoffen, dass der Mann die Ulan-Einrichtung nie besuchte. ,, Na ich hoffe sie wissen was sie tun. Also, schauen wir mal…“ Der offiziers-Sekretär wendete sich einem dünnen Computerbildschirm zu, und berührte den Touchscreen ein paar Mal. ,, Für wen genau interessieren sie sich?“ Jack nannte graderaus ein paar Namen von Rekruten, die ihm

einfielen. Der Mann tippte die Namen in schneller Folge ein, dann sah er auf. ,, Also über irgendwelche Beförderungen steht hier nichts.“ ,, Dann sind sie vielleicht Versetzt worden ?“ ,, Auch nicht, aber laut dem hier…“ ,, Ja ?“ ,, Das interessiert sie wirklich oder ?“ Der Mann sah auf. Jack seufzte. ,, Wie viel wollen sie ?“ Der Sekretär zögerte. ,, Nicht unbedingt viel. Ich bin Samuel Cooper. Und ich glaube… wir haben möglicherweise einen gemeinsamen Freund.“ ,, Wie bitte

?“ ,, Sagen sie mir einfach, haben sie die Tochter der Zeit gefunden ?“ ,, Woher…“ Der Mann der sich ihm als Samuel Cooper vorgestellt hatte lächelte nur. ,, Wusste ich es doch. Sollte nach ihnen Ausschau halten.“ ,, Okay… und jetzt ?“ ,, Jetzt sage ich ihnen folgendes Walt. Ihre Freunde sind nicht so weit weg wir sie glauben. Wenn sie die Wahrheit wissen wollen fürchte ich… werden sie ein paar Regeln umgehen müssen.“ Er sah hektisch über die Schulter, als wollte er sicherstellen, dass sie niemand belauschte. ,, Die Antworten, die sie

suchen, liegen unter uns. Ich weiß nicht genau, was sie machen aber… es ist sicher nichts Gutes.“ ,, Sie meinen im unterirdischen Teil der Anlage.“ ,, Genau das. Ich schlage vor, sie warten bis Abends. Ich kann die Schichtpläne etwas manipulieren, dann haben sie Zeit. Aber… wenn sie erwischt werden, kennen sie mich nicht und ich kenne sie nicht, verstehen wir uns?“ ,, Verstanden.“ ,, Das hoffe ich, sonst… werden sie nicht dazu kommen, etwas zu erzählen und das ist keine Drohung mein Freund sondern eine Tatsache. Ich nehme mir die Freiheit, sie für den Rest des Tages

Freizustellen.“ ,, Das können sie ?“ ,, Wir haben… ein paar Leute die aufpassen, dass ich es kann.“ , erwiderte Cooper, bevor er eine wegwerfende Handbewegung machte, die Jack wohl bedeuten sollte, zu gehen.

Kapitel 3 Buch

  Jack kam erst ein paar Stunden vor Sonnenuntergang nach Hause. Er war sich nach wie vor nicht sicher, was er vom dem ganzen halten sollte. Für ihn, wurde das alles einfach immer seltsamer und so hatte er sich nicht direkt auf den Weg gemacht, sondern war einen kleinen Umweg gegangen, hauptsächlich, um Zeit zum Nachdenken zu haben. Wo bitte stolperte er da grade hinein? Er wusste es nicht. Aber jetzt gab es wohl kein Zurück mehr… Seine Wohnung lag im zwanzigsten Stock eines großen Wohnblocks und

war, sofern er nicht die Treppe nehmen wollte, nur über einen Fahrstuhl zu erreichen. Die höher gelegenen Stockwerke waren teilweise nur noch über Aufzüge oder notfalls über eine Leiter zu erreichen, aber er hatte sich absichtlich für eine Ebene mit Treppe entscheiden. Es war ihm wichtig gewesen. Das Gefühl eingesperrt zu sein… vielleicht war es das. Oder die Vorstellung im Fall des Falles keinen Ausweg zu haben. Eine Erinnerung, verwaschen von fast zwanzig Jahren flackerte an ihm vorbei. Feuer. Rauch, der versuchte ihn zu ersticken. Und das Gefühl nicht atmen zu dürfen… aber zu

müssen. Jack schüttelte die Gedanken ab. Das war lange her. Als er in den Fahrstuhl trat und darauf wartete, das sich die Türen schlossen, ließ er noch einmal die letzten zwei Tage Revue passieren und stimmte sich schließlich selbst zu. Es wurde tatsächlich einfach immer seltsamer. Er dachte an das Buch, das Abundius ihm gegeben hatte. Vielleicht hätte er auf den Mann hören sollen. Es sah so aus, als hätte er jetzt Zeit es zu lesen, denn bis es dunkel wurde, würde er seine Wohnung ohnehin nicht mehr verlassen. Er hatte schon Glück gehabt, das niemand auf ihn aufmerksam geworden

war, nachdem er die Kaserne früher verlassen hatte. Sobald Jack aus dem Fahrstuhl trat und seine Wohnung erreichte verschwand er im Inneren und verriegelte die Tür hinter sich. Nicht das er wirklich erwartete, das ihm jemand folgte. Hätte das Elektorat eine Ahnung was er vorhatte… oder das er mit diesen seltsamen zwei Männern gesprochen hatte, vermutlich wäre er längst nicht mehr auf freiem Fuß, sondern in Ketten… und auf dem Weg zu einem der großen Gefängniskomplexe im Orbit des Planeten. Jack konnte nur hoffen, dass Cooper Wort halten und die Wachpläne für heute etwas ändern würde, so dass er

freie Bahn hatte. Der Mann hatte gemeint, seine Antworten würden sich unter der Erde befinden… er musste also in die unterirdisch gelegenen Bereiche des Ulan-Komplexes gelangen. Normalerweise sollte es dort unten offiziell nur Lagerhallen geben, aber er war bisher nie selbst dort gewesen. Jack durchquerte rasch den kleinen Flur seines Apartments und betrat das Wohnzimmer, das über eine offene Theke mit der Küche verbunden war. Eine Küche, die er eigentlich noch nie genutzt hatte. Einige leere Konserven und Pizzakartons waren Beweis genug

dafür. Die Einrichtung der Wohnung war mehr als schlicht gehalten. Nicht unbedingt, weil es ihm so gefiel, aber er hoffte, eines Tages ohnehin von der Erde wegzukommen. Und bis vor kurzem hatte Jack gehofft, mit dem Dienst beim Militär dieses Ziel zu erreichen… Ein großes Fenster hätte einen Blick über die Stadt erlaubt, wurde aber von der Fassade des gegenüberliegenden Wohnblocks eingerahmt. Vermutlich der Grund, aus dem die Wohnung so billig gewesen war, aber Jack störte es wenig. Eine Reise weg von der Erde war schon teuer… aber direkt umzuziehen war fast unbezahlbar. Neben einem abgewetzten

Sofa stand noch immer ein Koffer mit allem, was er während der Reise nach Vineta dabei gehabt hatte und noch nicht ausgepackt hatte. Zusammen mit dem Buch. Vorsichtig zog er den vergilbten Band unter ein paar Hemden hervor, die achtlos in einer Zimmerecke aufgestapelt waren. Der Band musste wirklich älter sein, wenn schon nicht das Aussehen Indiz genug dafür war, dann sicher dass es sich um ein gedrucktes Werk handelte, nicht um ein E-Book oder ein elektronisches Format. Er schlug die erste Seite auf. Es gab kein Impressum, keinen Namen eines Verlags oder eine

Autorenbiographie des Autors Nur ein Wort. Nemo. Niemand. Latein war wohl ein Steckenpferd des Elektorats, dachte Jack. Man fand es überall, ob an Gebäuden, als Wahlsprüche oder auf Dokumenten. Es hieß sogar, die Kommissare ließen sich Lateinische Inschriften in ihre Waffen gravieren. Aber er wusste nicht, ob das nicht nur ein Gerücht war… und sollte er der Waffe eines Kommissars jemals nahe genug kommen um sich selbst davon zu überzeugen, würde es ihm wohl nichts mehr nützen. Aufgrund dieser Verbreitung des Lateinischen beherrschten es die meisten zumindest Leute zumindest rudimentär.

Es nun hier zu finden, wenn auch als Name des Autors ließ ihn kurz nachdenken. Das war Elektorats-Sprache. Also vielleicht von jemanden geschrieben, der sich mit den inneren Strukturen auskannte? Du wirst es nicht herausfinden, wenn du hier sitzt und zögerst, ärgertest Jack sich kurz über sich selbst. Nein, das nicht. Aber trotzdem . Es war keine Angst, die ihn dazu veranlasste, das Buch wieder kurz wegzulegen. Es war das Gefühl, nicht mehr zurück zu können, wenn er es Aufschlug. Noch hatte er die Gelegenheit dazu. Er konnte vergessen, dass er mit irgendjemanden gesprochen hatte, das Buch notfalls aus dem Fenster

befördern… Aber das wollte er nicht oder? ,,Haben sie sich je in den Straßen umgesehen und gedacht hier stimmt etwas nicht ?“ Er hatte die Frage mit Ja beantwortet. Und es waren nicht nur die Straßen… es war der Grund, warum er immer mehr als einen Ausweg in seiner Nähe haben wollte. Es waren die Erinnerungen eines Kindes. Jack zögerte nicht mehr, sondern schlug die zweite Seite des Buches auf. ,,Ordnung und Licht Eine Analyse über die Grundstrukturen des Elektorats. „ Er blätterte

weiter. Was ist das Elektorat ? Als Institution entstand die Struktur, die wir heute haben vor etwa einhundert Jahren. Nach dem es zu einem plötzlichen Kontaktabbruch zwischen Erde und den ersten Kolonien gekommen war, stürzten die damals so blühenden unabhängigen menschlichen Republiken ins Chaos. Jede Kolonie und jeder Planetenallianz versuchte, am meisten für sich dabei rauszuschlagen. Eine dieser Allianzen des großen Bürgerkriegs nannte sich das Elektorat. Eine Gesellschaft, die sich einem

einzigen Regierungsgrundsatz verschrieben hatte : Absolute Gerechtigkeit. Eine Aussicht, die in den Wirren des Krieges viele Anhänger fand und letztlich ging das Elektorat siegreich aus den Kämpfen hervor und zerschmetterte, nachdem auch die Erde praktisch kampflos unter seien Kontrolle gefallen war, auch noch die letzten Abweichler. Die ersten wirklichen Regierungsstrukturen entstanden, mit den Ministerien und den Ministern an deren Spitze, die jeden ihren eigenen Bereich der Gesellschaft betreuten und

behüteten. Jack überblätterte ein paar Seiten, das war die Schulbuchgeschichte, die man überall erzählt bekommen konnte. Der große Krieg und die Befreiung durch das Elektorat, das die Kolonien wiedervereinte. Er las weiter. De Einfluss der damaligen Doktrin der Gerechtigkeit war noch stärker als heute und aus der Asche des Krieges erhob sich das, was wir heute sehen. Das große blühende menschliche Imperium. Dies ist die Offizielle

Version. Es mag sein, das diese Geschichte der Wahrheit entspricht. Viel ist in den ersten Jahren des Wiederaufbaus verloren Gegangen. Fest steht aber, dass sich zehn Jahre nach dem Aufstieg des Elektorats, etwas Grundlegend veränderte. Die Kommission des Justizministeriums entstand . Mögen ihre Ziele anfangs noch so edel gewesen sein, hier begann der Fall des Elektorats weg von ihrer eigenen Doktrin, von ,, Ordnung und Licht.“ Ordnung und Licht, das war es worauf sie sich Gründen

wollten. Das Licht, als Wegweiser, als Erinnerung daran, dass jeder Mensch nicht sich selbst, sondern letztlich der Gesellschaft gegenüber verantwortlich war . Das Kollektiv war das wichtigste. Der einzelne sollte nicht leiden, aber er hatte sich der ,, Illuminatio „ der Erleuchtung der Mehrheit zu beugen. Aber zunehmend begann Ordnung diesen Platz einzunehmen. Und die Vertreter der Ordnung waren die Kommissare. Anfangs war es sicher gut gemeint. Die Mitglieder der Kommissare waren und sind bis heute allesamt Freiwillige. Männer und Frauen, die ihr ganzes Leben dem Gesetz des Elektorats

verschreiben. Eisern, ohne Furcht oder der Möglichkeit eines Fehlurteils, sollten sie sein. Und dabei Ausgestattet mit der Vollmacht, jedes Verbrechen nach eigenem ermesse zu Bestrafen. Etwas, das vor allem die Randkolonien sichern sollten wo immer noch die Funken des Kriegs glühten. Um dies zu garantieren, unterdrücken die Kommissare bis heute ihre Gefühle und Emotionen mit Medikamenten. Niemals sollten sie in der Lage sein jemanden Aufgrund von persönlicher Abneigung oder Ansichten zu Schaden. Aber dies erzeugte auch eine Atmosphäre der Angst, die es erlaubte, dass die Minister ihre Macht ausbauten.

Zuerst mit dem Edikt der Berufung auf Lebenszeit, dreißig Jahre nach Gründung des Elektorats. War es zuvor so, dass ein einmal aus den Reihen des Ministeriums, in das jeder Bürger ohne Straftaten eintreten konnte, gewählter Minister sein Amt nach fünf Jahren neiderlegte, bleib er es nun auf Lebenszeit. Zweitens wurde der Ministerrat gegründet, um die bisher Gesetzgebende legislative in die Hände der Minister zu legen. Zusammen mit den über der Polizei stehenden Kommissaren hatte der Ministerrat nun die Kontrolle über alle

Bereiche der Regierung ohne Einschränkungen. Durch weitere langsame Veränderungen…. Jack las noch etwas weiter, fand aber bald heraus, dass es sich größtenteils um eine schier endlose Liste mit Daten handelte. Gesetzte, Vorgehen, neue Institutionen und eine Auflistung der bisherigen Minister. Aber es war wohl auch ein wenig mehr als das. Natürlich gab es Kritik am Elektorat. Meist still, manchmal lauter. Aber das hier ging weiter. Nemo, wer immer er war, unterstellte dem Elektorat vollkommen korrupt zu

sein. Und Jack… konnte nicht anders, als ihm Recht zu geben. Er warf einen Blick aus dem Fenster. Noch schimmerten ein paar Lichtstrahlen unter der grauen Wolkendecke hindurch und erhellten die Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes. Das Rätsel, das ihm Abundius gestellt hatte und das Cooper noch einmal wiederholt hatte fiel ihm wieder ein. Die Tochter der Zeit… Ihm fiel keine zufriedenstellende Antwort ein. War die Antwort vielleicht das Alter? Das schien keinen Sinn zu machen. Aber etwas ließ ihm doch keine Ruhe… etwas das Cooper gesagt hatte glaubte

er. Wenn sie die Wahrheit wissen wollen fürchte ich… werden sie ein paar Regeln umgehen müssen. Wahrheit. Das was die Zeit irgendwann zum Vorschein bringen musste. Wie das Buch. Es konnte ein Jahrhundert dauern, oder ein Jahrtausend, aber solange es niemand zerstörte, bleib die Wahrheit erhalten… Und selbst wenn man alle Dokumente verbrannte… blieb doch die Erinnerung. Und so verwaschen diese in kommenden Generationen werden würde, es würde etwas zurück bleiben. Dieses etwas, war das Gefühl, das einen

bei einem Blick über die Straße denken ließ, dass etwas nicht Stimmte. Und das war manchmal vielleicht alles, was es brauchte. Jack legte das Buch beiseite und schlief ein. Er sah sich panisch um, ohne zu wissen, wo er war. Im gleichen Moment, wusste er es aber auch mit der Gewissheit eines Traumes. Feuer und Rauch, der ihn nicht atmen ließ. Er versuchte aufzustehen, aber irgendetwas lag auf seinem Bein. Schmerz durchzuckte ihn. Oder mehr die Erinnerung davon. Ihm war vollkommen klar, dass er Träumte.

Nur konnte er sich nicht dazu zwingen aufzuwachen… oder vielleicht war es der Rauch, der ihn langsam benommen machte? Um ihn herum schien s nur Feuer zu geben. Die Decke brannte, die Wände teilweise auch und ebenfalls die brennbaren Balken, von denen einige sich aus der Decke gelöst hatten. Einer davon musste direkt auf seinem Bein gelandet sein und klemmte ihn nun ein. Es musste ein Traum sein. Und er kannte den weiteren Ablauf. Kleine Hände… Kinderhände, seine eigenen, versuchten den Holzbalken wegzuschieben. Ein schwacher Lichtstrahl drang durch

die Rauchschwaden vor ihm und blendete ihn. ,, Hier ist noch jemand.“ Er sah nur eine behandschuhte Hand, die ein paar Trümmer beiseite räumte. Trotzdem schien der Besitzer nicht in der Lage, irgendwie in den Raum zu kommen. ,, Wir bräuchten hier etwas Hilfe.“ Irgendwann bewegte sich der Balken endlich und er konnte den Fuß darunter ehrausziehen. Bewegen konnte er das Bein kaum, aber immerhin konnte er sich wenigstens auf das Licht zuziehen. ,, Hierher. Komm schon Junge du schaffst das.“ Aber diesmal schaffte er es nicht. Ein brennender Holzbalken fiel herab, versperrte den Lichtstrahl und

den Blick auf die Hand. Um ihn herum gab es nur noch glühende Dunkelheit. Es gab keinen Ausweg, keinen… ,, Schafft die Trümmer beiseite. Da ist noch jemand drin.“ ,, Sofort.“ ,, Haben sie sonst jemanden gefunden ?“ ,, Ich fürchte…“ Keinen Weg mehr… Jack sprang auf, als er erwachte und die Traumbilder endlich verblassten. Er war auf dem Sofa eingeschlafen. Vorsichtig stand er auf. Draußen vor dem Fenster war es mittlerweile dunkel und ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass es weit nach Mitternacht war. Jack legte vorsichtig

das Buch beiseite, bevor er endlich aufstand. Es war an der Zeit loszugehen, wenn er noch vor Sonnenaufgang wieder an der Ulan-Ausbildungsstätte sein und auch wieder zurückkommen wollte. Er wusste nicht, was er finden würde, aber wenn er Cooper das nächste Mal begegnete… könnte er ihm endlich eine Antwort auf seine Frage geben. Was immer er fand, es wäre die Wahrheit.

Kapitel 4 Ergebniss

 

Jack konnte den Komplex ohne große Probleme betreten. Zwar gab es Wachen, aber die meisten ließen sich durch das Vorzeigen eines Ausweises beruhigen. Den Ulanen wurden nur wenige Fragen gestellt, vor allem was ihre Ausbildung anging. Das einer von ihnen weit nach Mitternacht noch einmal auf das Gelände gerufen wurde war nicht unbedingt ungewöhnlich. Innerhalb der Anlage jedoch gab es deutlich weniger Wachpersonal. Offenbar hatte Cooper Wort gehalten und ein paar Dienstpläne

geändert. Jack betrat die Eingangshalle des Gebäudes. So schlicht die Hallen von außen wirkten, auf Besucher sollte wohl zumindest der Teil des Gebäudes Eindruck machen, den sie auch zu sehen bekamen. Über den Flügeltüren, die hinaus auf den Innenhof führten prangte das bronzene Emblem einer riesigen Waage, in deren Schalen sich jeweils eine Feder und ein Schwert befanden. Das Symbol des Elektorats-Militärs, nicht unähnlich dem, das das Justizministerium verwendete. Symbole waren etwas, auf das das Elektorat wert zu legen schien. Desto

auffälliger desto besser. Die Justitia-Statuen die das Justizministerium und die Gebäude der Kommission verzierten waren Gerüchten zufolge sogar aus den Waffen toter Kommissare gefertigt. Noch Symbolträchtiger ging es wohl kaum, dachte er. Aber Jack war sich ziemlich sicher, dass es zumindest in diesem Fall wirklich nur Gerüchte waren. Mittlerweile hatte er den Innenhof erreiht. Einer der Kellerzugänge befand sich, soweit er wusste in der Nähe des Trainingsraums, den er heute Morgen verlassen hatte. Als er die Tür zu der Halle öffnete, lag diese verlassen und dunkel vor ihm. Er wartete, bis sich

seine Augen ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt hatten, bevor er in den mit Polstermatten ausgekleideten Raum trat. Im nächsten Moment blendete ihn grelles Licht, als sich sämtliche Lampen gleichzeitig einschalteten. Sein Herz raste. Hatte man ihn entdeckt? Hatte er dem Falschen vertraut oder… Nur langsam beruhigte Jack sich wieder, als auch nach einer gefühlten Ewigkeit keine Aufforderung kam sich zu identifizieren. Er sah sich langsam um. Der Trainingsbereich in der Mitte war verlassen. Nichts deutete darauf hin, das in den letzten Stunden jemand hier gewesen war. Die Bänke waren

ordentlich übereinander gestapelt, eine Schwerthalterung mit Energiewaffen an der Wand befestigt und mit einem Glasdisplay gesichert worden . Einige silbrig glitzernde Sensoren auf dem Boden zogen jedoch Jacks Aufmerksamkeit auf sich. . Bewegungsmelder, dachte er erleichtert. Er hätte damit rechnen müssen aber das war immer noch besser als eine Falle. Man würde das Licht von draußen sicher sehen und wenn die Wachlaute ihre jeweiligen Routen auch nur halbwegs kannten… würde sicher bald jemand nachsehen. Er musste sich jetzt beeilen. Der Zugang in den unterirdischen

Bereich lag am anderen Ende der Halle hinter einer Stahltür. Jack horchte kurz, ob bereits Schritte zu hören waren, dann lief er so schnell er konnte durch die leere Halle. An der Waffenhalterung zog er kurz entschlossen eine Energieklinge aus der Befestigung. Er hatte nicht an Waffen gedacht, weil er ohnehin hoffte, keine zu brauchen und es nur unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Und wenn er von einer zufälligen Polizeistreife auch nur mit einer Pistole erwischt werden sollte, wäre das sein Geringstes Problem. Jack hielt das Kurzschwert so gut wie möglich unter seiner Kleidung

verborgen, als er die Tür endlich erreichte. Es gab ein Codeschloss, das aber zu seiner Überraschung entriegelt war. Seltsam… aber eigentlich war klar, dass Samuel ihm den Weg geöffnet hatte. Jemand wollte, dass er Erfolg hatte… Eine Handbewegung vor dem Scanner über dem Schloss und die Türen glitten zur Seite auf. Eine Treppe aus Metall führte einige Meter hinunter in die Tiefe, bevor sie auf einen überraschend gut ausgebauten Gang aus Beton stieß. Neonröhren an der Decke tauchten alles in kaltes Licht, während Jack langsam durch die Gänge lief. So sehr er sich auch bemühte, möglichst wenig Lärm zu

machen, jeder Schritt hallte von den Wänden wieder und war sicher überall zu hören. Doch bis jetzt war er niemanden begegnet. Der Tunnel hatte mehrere Abzweigungen, aber Jack beschloss einfach weiter dem Gang zu folgen, der geradeaus führte. Das letzte, was er jetzt brauchte war sich auch noch zu verirren und so wie es Aussah, lag das durchaus im Bereich der Möglichkeiten. Wenn die Tunnel hier unten die gleiche Fläche wie die Gebäude oben einnahmen würde er eine Ewigkeit brauchen. Und er wusste nicht einmal, was genau er eigentlich

suchte. Informationen über die verschwundenen Rekruten vermutlich. Egal in welcher Form. Der Tunnel dem er folgte endete abrupt an einem weiteren Stahlschott. Die schwere Tür, ebenfalls durch ein Tastenschloss und wie er bemerkte einen Handflächenscanner, gesichert stand offen. Dahinter lag eine große Halle deren Decke über ihm im Schatten verschwand. Wenn er richtig Schätzte, befand er sich nun direkt unter dem Hof des Komplexes. Eine große Hebebühne in der Mitte des Raums führte wohl zur Oberfläche. An

den Wänden hingegen standen mehrere dutzend Kampffahrzeuge, Panzer, mehrere Orbitaltransporter und einige Zerstörerdrohnen, metallene Exo-Skelette, die ihn aus drei Metern Höhe aus dunklen Augenlöchern heraus anstarrten. Einer dieser autonom arbeitenden Roboter wäre schon ein furchterregender Anblick, aber hier standen gleich zwei Dutzend. Und jeder davon würde, einmal aktiviert einfach alles töten, was ihm unter die Augen kam und als Feindlich erkannt wurde. Er ging langsam weiter, bis zu einer einfachen, diesmal nicht gesicherten, Tür, die in ein weitläufiges Büro führte. Fünf Schreibtische mit Computern darauf,

standen, in einem Halbkreis angeordnet im Zentrum. Die Wände, die nicht zur Maschinenhalle gehörten bestanden aus Milchglas, so dass er nicht genau erkennen konnte, was auf der anderen Seite lag. Eine einzelne Glastür jedoch führte weiter. Vorher jedoch würde er sich hier gründlich umsehen. Was zur Hölle wollte das Elekorat mit zwölf Zerstörerdrohnen in einer Stadt? Selbst die Fahrzeuge, die er gesehen hatte, besaßen zusammen weniger Vernichtungspotential, als eine dieser Maschinen. Jack durchsuchte rasch einige Papiere, die auf den Tischen verteilt lagen, fand

aber nichts Interessantes. Meist waren es ohnehin nur, größtenteils geschwärzte, Kopien verschiedener Akten. Nutzlos. Er stieß lediglich wiederholt auf den Namen Liurie. Wenig überraschend bedachte man die jüngsten Ereignisse. Nichts von Interesse war noch leserlich. Er gab auf, lauschte kurz, ob jemand in der Nähe war, und schaltete dann einen der Rechner ein. Es war kein Passwort erforderlich. Sehr interessant… Er berührte die Touchscreen-Oberfläche und öffnete einige Dokumente mit den Bezeichnungen ,, Fangquoten“ und ,, Ergebnisse.“ Normalerweise hätte ihn

ersteres nicht interessiert aber… eine Liste über Fangquoten in einer Elektorats-Einrichtung mitten in der Stadt? Für was ? Ratten ? Kakerlaken ? Hier lebte sonst nichts. Wie er gehofft hatte, waren diese Dateien nicht wie die herumliegenden Dokumente zensiert. Fangouten , was immer damit genau gemeint war, erschienen wohl selbst den hohen Tieren im Elektorat nicht unbedingt kritisch. Was er vor sich sah, war ohnehin lediglich eine endlose Auflistung von Daten, die ihm nichts sagten. Eine Bemerkung am Ende der Liste jedoch, zog seine Aufmerksamkeit auf

sich. Anmerkung an: Admiral Vämskä, Wir sind nicht sicher, ob wir die geforderten Liefermengen zusammenbekommen. NDNA (Nicht differenzierte Nucleotide Nucleotid-Ansammlungen , der Name wurde von den Hive-Wissenschaftlern übernommen) ist instabil wenn man es nicht richtig lagert und das Problem beim gewinnen… die, ich nenne es mal Ressourcen sind schwer bis unmöglich für industrielle Maßstäbe zu nutzen. Auch haben wir in den letzten Wochen grade mal drei

Exemplare gefunden und in der gleichen Zeit zwanzig Leute verloren. Die Ereignisse haben sie wohl verschreckt oder sie interessieren sich nicht mehr für uns. Vielleicht beides. Es sind Tiere, die Angst haben. Gefährliche Tiere, wie sie wissen. Wir tun unser Bestes die Nachfrage bis zur Vollendung ihres Syntheseverfahrens zu decken, aber das kann ich nur, wenn sie mir mehr Leute schicken. Die Verlustrate ist enorm, wie aus den Zahlen hervorgehen sollte. Auch ihre Anfrage ob des Verbleibs von Genanntem Subjekt A.Terrel ist leider nicht zu erfüllen. Sein Momentaner

Aufenthaltsort ist uns unbekannt. Es ist wohl von seinem Tod auszugehen. Sollte er auftauchen werden die Bestimmungen gemäß des Elektorats-Gesetzes für Verräter angewandt. Bis dahin Ordnung und Licht Maximillian Cloudsworth Vorübergehender Militär-Gouverneur, Hive-Station, Liurie. Jack schloss das Dokument. Wirklich viel Sinnvolles hatte er daraus nicht entnehmen können. Außer einem. Was immer auf Liurie vorging war lange nicht vorbei wie es den Anschein hatte.

Das zweite Dokument mit dem Titel ,, Ergebnisse“ war kürzer. Es handelte sich wohl um ein Memo, denn der Text war relativ unzusammenhängend. Ergebnisse Erster Test verlief Positiv Proband überlebte jedoch nicht Zweite Testreihe effektiver, aber immer noch Problematisch, keine Kontrolle möglich Elektrotechnik brachte Durchbruch. Einer der Leute hat eine Festplatte von Liurie dabei gehabt, war längst nicht

alles, Callahans Forschung ist wohl verloren, aber die Theorie eines Hive-Wissenschaftlers , das man das Ganze mit Strom steuern kann, erwies sich als Vielversprechend. Durchbruch Testreihe 3 war ein voller Erfolg. Wir waren in der Lage die Liurie-Ergebnisse zu replizieren… Rate der Wundheilung hat sich fast verzweihundertfacht, Anzahl weißer und roter Blutkörperchen praktisch verdoppelt ohne sichtbare Nebenwirkungen. Phase

4 Erfolg. Ein einziges Wort, das wie eine Drohung mitten auf der Seite prangte. Erfolg womit ? Das klang mehr als arbeiteten sie an einem Immunverstärker, als an etwas, an dem das Militär so großes Interesse hätte... Oder ? Es schein ihm so, als hätte er lediglich noch mehr Fragen gefunden, als Antworten. Ein letztes Mal sah er sich in dem Raum um, in der Hoffnung vielleicht noch etwas übersehen zu haben, fand aber nichts mehr. Also blieb ihm nur noch eines, bevor er gezwungen

wäre, entweder zurück zu gehen, oder zu riskieren sich in den Tunneln zu verlaufen. Jack lies den Computer eingeschaltet und wendete sich der Tür zu, die hinter die Milchglaswand führte. Er zögerte kurz, dann öffnete er sie. Der Raum hinter der Tür erinnerte ein Wenig an eine Arztpraxis. Nur freilich eine, in der Jack selbst sich nur ungern wiederfinden würde. Eine Reihe Reagenzgläser stand auf einer Kühlplatte. Und mitten im Raum stand reglos eine einzige Gestalt, in einer kinetischen Panzerung. Reglos. ,,Hallo ?“ Als er näher kam, wurde ihm klar, dass er den Mann kannte, zwar nur

vom Sehen her, aber er wusste, dass er zu den Rekruten gehörte… oder zumindest gehört hatte. ,, Hey, hören sie mich ?“ Ausdruckslose, kalte Augen musterten ihn kurz, ohne das geringste Interesse. ,, Das hier ist ein gesperrter Bereich.“ Das Gesicht des Mannes war vollkommen bleich, ohne Leben, oder auch nur die geringste Spur von, während er sprach. ,, Was zur Hölle… Ich weiß sie kennen mich vielleicht nicht, aber ich bin auch einer der Rekruten? Jack Walt ?“ Das wächserne Gesicht zeigte keine Regung und Jack machte ein paar Schritte zurück. Sie hatten diesem Mann etwas genommen… Wofür ? Als

Experiment ? Als neuer Soldat? Er konnte sich nicht vorstellen, wozu. Aber wenn das das Schicksal der Ulanen war... Vielleicht wirkte die Gestalt vor ihm, als würde sie leben. Aber innerlich war sie tot. Er spürte ein Gefühl in sich hochkochen, das er seit seiner Aufnahme ins Militär zumindest unterdrückt hatte. Wut. ,, Sie sollten nicht hier sein.“ , wiederholte der lebende Tote. ,, Letzte Warnung.“ Jack begann langsam rückwärtszugehen. Seine Finger verkrampfen sich um das Heft des Energieschwerts. Er ließ die Halle hinter sich, das Büro, den Raum mit den Maschinen…. Irgendwann

begann er zu rennen. Es war ihm egal, ob ihn jetzt noch jemand hörte. Jack stürzte praktisch aus der Tür zurück in die Trainingshalle und schlug das Stahlschott hinter sich zu. Wahrheit… ,, Was haben sie hier zu suchen ?“ Jack drehte sich erschrocken, aber immer noch wütend, zu der Stimme um. Ein Mann in grauer Uniform, der einen Schlagstock trug und ihn mit einer Taschenlampe halb blendete. Er zögerte kurz, dann ließ er sich von seiner Wut die Entscheidung annehmen. Mit einem Satz war er bei dem Mann, der nur noch, überrascht über den plötzlichen Angriff, einen Schlagstock

hochreißen konnte. Die Energieklinge Schnitt mühelos durch das Material und weiter durch den Körper des Wachmanns. Es gab keinen Wiederstand, kein knirschen von Knochen. Es war als hätte Jack lediglich Luft getroffen, wäre da nicht die sich ausbreiteten rote Linie auf der Brust des Mannes, der mit einem lautlosen Aufschrei zusammensank, als sich sein Körper in zwei Hälften teilte. Jack ließ die Waffe sinken. Seltsam… er war immer davon ausgegangen, dass es ihm schwer fallen würde, jemanden zu töten. Nun aber war er entsetzt darüber, wie leicht es gewesen war. Entsetzt und fasziniert zugleich. Irgendetwas in seinem inneren sagte ihm, das der Mann

es verdient hatte zu sterben. Er hatte gesehen, was sie den Ulanen angetan hatten… und auch wenn der Wachposten dafür sicher nicht verantwortlich war… er war Teil davon gewesen. Irgendwie fühlte Jack sich dadurch besser. Vielleicht wollte er so nur rechtfertigen, dass er kein Mitleid mit dem Mann empfand. ,, Was für eine Sauerei.“ Er wirbelte herum und erwartete einen weiteren Wachmann. Stattdessen war es Samuel Cooper, der den Toten am Boden mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination musterte. ,, War das wirklich nötig ?“ Jack fragte sich nicht, was der Mann hier

zu suchen hatte. Irgendjemand musste a die Türe entriegelt haben. ,, Ich schätze, ich muss mich bei ihnen bedanken, das ich so leicht durchgekommen bin.“ Der Mann nickte, während er seine Brille zurechtrückte und offenbar versuchte, den getöteten Wachmann nicht weiter zu beachten. ,,Ich sollte es zumindest einfacher machen. Keine Ahnung woher der Chef die Tür-Codes alle hatte…“ ,, Chef ? Cooper sah sich nervös um. ,, Vielleicht könnten wir erst verschwinden, bevor wir uns weiter unterhalten ?“ Jack nickte. ,, Wohin ?“ ,, Kommen sie einfach mit und möglichst

schnell, ich schätze wir haben unser Glück schon überstrapaziert.“ Jack zögerte nicht lange, ihm zu folgen. Im Moment war ihm alles recht, wenn er nur hier weg kam. Er dachte noch einmal an den Mann in den Keller-Laboren. Was zur Hölle hatten diese Bastarde bloß getan? Jack wusste nicht, ob sich die Wut, die sich in ihm festgefressen zu haben schien je wieder lösen würde.

Kapitel 5 Bar

 

Jack folgte seinem neuen Gefährten hastig über die verlassene Straße. Seit sie den Ulan-Komplex hinter sich gelassen hatten, hatte der Mann die Führung übernommen um sie an einen Ort zu bringen, wo sie hoffentlich reden konnten. Jack war sich nicht ganz sicher, ob er Cooper trauen konnte, hatte aber wohl keine Wahl. Wenn der Mann die Wahrheit sagte, dann hatte er ihm bereits geholfen. Und irgendwo musste vertrauen ja Anfangen. Trotzdem hielt er immer noch den Griff der

Energieklinge umklammert, die er unter seiner Jacke versteckt hielt. Auch um seine noch immer nicht besänftigte Wut ein wenig zu zügeln. Er wollte die Verantwortlichen. Ob Kommission oder Ministerrat, ganz egal…. Sein Begleiter sah sich mehrmals nervös um, bevor er auf eine Glastür zuhielt, die zu einem etwas heruntergekommenen Haus gehörte. Ein Schild, das kaum noch zu lesen war wies es als Kneipe aus, aber irgendwie bezweifelte er, das noch jemand hier lebte. ,,Veritas filia temporis“ stand in klar erkennbaren Buchstaben den Türrahmen geschnitzt. Die Wahrheit ist eine Tochter

der Zeit. ,, Das ist also tatsächlich die Antwort.“ Cooper sah kurz auf. ,, Hmm… oh ja. Ich weiß gar nicht mehr wer auf die Idee kam, das als erster als Erkennungszeichen vorzuschlagen. “ ,, Als erster ?“ ,, Na glauben sie wirklich, es gäbe nur Abundius und mich ?“ , fragte Cooper ,, Heißt er eigentlich wirklich so ?“ Die Frage lies Cooper kurz innehalten. ,, Zumindest im Moment. Ich glaube manchmal, er weiß selbst nicht mehr, wie er wirklich heißt.“ , meinte Cooper, als er die Tür aufstieß und ins Innere

trat. Auf einigen verschlissenen Sitzbänken und an einer heruntergekommenen Theke saßen mindestens zehn weitere Personen, , die alle sofort aufsahen, als Cooper den Raum betrat. Zwei zogen ohne zu zögern Pistolen, die sie auf die Neuankömmlinge gerichtet hielten. ,, Sie wissen wies abläuft.“ , meinte einer, ein etwas korpulenter , kräftiger Mann mit Glatze, der neben einem schmutzigen Hemd und ausgebleichten Hosen einen kleinen Tablett-Computer trug. ,, Natürlich Ian.“ Cooper legte die Hand

auf das Tablett, das nächsten Moment grün wurde. ,, Willkommen zurück.“ , meinte der als Ian angesprochene. ,,Und der da ?“ ,, Ist in Ordnung. Der gehört zu Abundius.“ ,, Hand ausstrecken.“ Jack tat was der Mann sagte. Ein kurzer Stich in den Zeigefinder ließ ihn zusammenzucken. ,, Was zum…“ ,, Gut, wir haben jetzt ihre Fingerabdrücke und DNA , damit wir wissen, dass sie es sind, wenn sie hier auftauchen.“ Der Mann mit dem Tablett-Rechner drehte sich um und setzte sich wieder an die Bar zu den anderen. ,, Und… ich hoffe für sie, das

der Chef ihnen wirklich vertraut.“ Jack sah sich langsam um. Es gab eine kleine Hintertür im Rückbereich des Raums. An der Theke, von der sich jeder offenbar frei bediente, saßen neben Ian noch vier weitere Personen. Zwei Männer in Anzügen, die Jack kaum beachteten. Einer hatte einen Aktenkoffer dabei, der andere trank lediglich einen Whiskey und brummte ab und zu ein paar Worte, die der andere mit Nicken oder Kopfschütteln bedachte. Weiterhin eine Frau mit roten Haaren, die sich mit einem anderen Mann mit asiatischem aussehen unterhielt, der wie Jack feststellte wohl zum

Elektorats-Militär gehören musste. Die Uniformjacke wies ihn als einen Unteroffizier aus. An den Tischen wiederum saßen noch mehr Leute, ein paar davon definitiv ebenfalls Militär-Angehörige, andere offenbar zivil… und eine einsame Gestalt die seine Aufmerksamkeit besonders auf sich zog. Der Mann hatte an den Schläfen bereits ergraute braune Haare, trug einen etwas seltsam anmutenden Schnauzbart und einen Mantel, der fast bis auf den Boden fiel. Darunter waren klar die griffe von zwei Pistolen zu erkennen. Was Jack aber beinahe zu spät auffiel war die kleine silberne Anstecknadel an der linken

Brust. Er konnte es auf diese Entfernung nicht erkennen, aber er wusste, dass die kleine Brosche eine Justitia-Figur zeigte. Das Symbol der Kommission und das hieß…. Der Mann war ein Kommissar! ,, Denk nicht mal dran Junge.“ , meinte die Gestalt ruhig. ,, Deine Hand wäre gebrochen, bevor du auch nur nah genug wärst.“ Jack hatte gar nicht bemerkt, wie seine Finger nach dem Griff des Energieschwerts tastete, als er ein paar Schritte von der Sitzecke des Mannes entfernt stehen blieb. ,, Wollen sie da jetzt rumstehen, oder können wir uns unterhalten ?“ , fragte

der Kommissar. ,, Keine Angst, ich bin aus dem gleichen Grund wie alle anderen hier.“ Jack zögerte noch kurz, setzte sich dann aber langsam dem Mann gegenüber. Dieser machte eine winkende Handbewegung in Richtung Bar und einer der Anzugträger nickte kurz, bevor er zwei Gläser mit Bier holte und zu ihnen brachte. ,, Danke Jeffrey. Sie sind also der Neue?“ Jack nahm langsam eines der Gläser, während er versuchte den Mann einzuschätzen. Ein Kommissar hier… anders als gedacht machte ihn der Gedanke nicht nur besorgt… sondern wütend. Das war einer der

Verantwortlichen. Oder zumindest jemand, der ihnen so nahe kam, wie das nur möglich war ohne im Ministerium zu sein. ,, Das könnte man so sagen.“ ,, Dann heiße ich sie mal willkommen. Ich bin übrigens Falk.“ Falk streckte ihm die Hand hin. Seine Augen, die unter buschigen Brauen fast verschwanden blitzten, als warte er auf etwas Wichtiges. ,, Jack Walt.“ Er schüttelte die Hand wiederwillig. Aber… vielleicht war der Mann doch ganz in Ordnung. ,, Und wenn ich fragen darf… was…“ ,, Einen Kommissar in eine Runde wie diese hier treibt ?“ , fragte

Falk. ,, So in etwa.“ Jack verlor einen Teil seiner Wut. Stattdessen trieb ihn nun echte Neugier. ,, Das gleiche wie sie schätze ich. Wir haben beide das wahre Gesicht des Elektorats gesehen mein Freund.“ ,, Und was haben sie gesehen , wenn ich fragen darf ?“ Falk musterte ihn kurz, als würde er abwägen, ob er ihm trauen konnte. ,, Es braucht viel, um die Loyalität eines Kommissars zu erschüttern. Vor allem auf Mentalblockern.“ Mentalblocker waren der allgemeine Begriff für die Substanzen, die die Kommissare nahmen um ihre Urteilskraft zu schärfen, wie es

Offiziell hieß. In Wirklichkeit war es nur eine Droge, die sämtliche Gefühle ausschaltete und diese Männer normalerweise in kalte, lebende Maschinen verwandelte. Genau so kalt wie der Ulan, den Jack unter dem Komplex gefunden hatte…. ,, Nehmen sie keine mehr?“ Falk lächelte nur traurig. ,, Wissen sie wie das ist, wenn man plötzlich damit aufhört ? Es ist als würde man durch Watte laufen. Es ist keine wirkliche Sucht… aber die meisten Kommissare haben gute Gründe dafür, keine Gefühle mehr haben zu wollen. Viele die Aussteigen begehen einfach Selbstmord. “ Er lehnte sich zurück. Während er

weitersprach. ,, Den ersten Anstoß gaben die internen Ermittlungen. Nach der Sache auf Liurie… wurde ein Kommissar, ein Kollege von mir des Verrats bezeichnet. Das kommt nicht oft vor.“ ,, Wer ?“ ,, Sein Name war Aaren Terrell. War während der ganzen Sache auf Liurie stationiert glaube ich. Man kann wohl davon ausgehen, dass er tot ist. Jeder verdammte Soldat und jeder Polizist hat die Anweisung ihn beim Auffinden sofort zu töten. Ist vermutlich schon geschehen, wenn er nicht irgendwo weit weg ist. “ ,, Aber das war nicht alles oder

?“ ,, Seit einiger Zeit gibt es in der Kommission interne Säuberungen. Kommissare, die ihre Blocker nicht nehme oder auch nur die geringsten Auffälligkeiten zeigen…“ Falk machte eine eindeutige Handbewegung über den Hals. ,, Nicht, das sie es öffentlich machen würden, aber in einer Organisation wo jeder zielgerichtet und logisch denkt… fällt so etwas einfach auf. Ich glaube ja, der Ministerrat will uns einfach alle ersetzen… durch irgendwas, dem er mehr vertraut. “ ,, Da könnten sie sogar recht haben.“ ,, Nun vor ein paar Monaten Besuchte

mich ein Mann, der sich nur als Abundius vorstellte. Ich denke sie haben ähnliches erlebt wie? Und so bin ich schließlich hier gelandet. So viel eben zu meiner Lebensgeschichte. Und ihre ?“ Jack zuckte die Achseln. ,, Vielleicht nicht ganz so spannend.“ ,, Nun, ich höre definitiv zu. “ Jack zögerte kurz. ,, Ich bin in einem Heim für… Sozialweisen aufgewachsen.“ ,, Autsch. Das Elektorat nimmt gerne Kinder von… wie soll ich sagen… Abweichlerin in Beschlag. Aber das wissen sie vermutlich selbst? “ , meinte Falk. ,, Ich weiß nicht, ich kann nur hoffen,

dass ich nicht deshalb da war.“ ,, Keine guten Erinnerungen ?“ ,, Nur wenige. Es ist nicht wirklich so, dass man viel Wert auf uns gelegt hätte. “ , meinte er. Aber die Wahrheit war, dass er sich allgemein nur an wenig erinnern konnte… Bis auf die Flammen. ,, Und dann sind sie beim Elektorats-Militär gelandet um von dort wegzukommen ?“ ,, Über Umwege.“ Jack sah einen Moment ins Leere. ,, Über Umwege.“ ,, Ich weiß das ich das vermutlich bereuen werde , aber ich fragte trotzdem. Was ist passiert?“ ,, Es… nun es gab ein Feuer. Ich bin grade noch so rausgekommen. Die

meisten anderen Kinder… hatten damals nicht so viel Glück.“ ,, Das tut mir leid.“ ,, Ich kannte die meisten nicht einmal mit Namen.“ So wie er die Ulanen nicht mit Namen gekannt hatte… ,, Es spielt keine Rolle mehr. Es ist lange her.“ ,, Sicher ?“ ,, So gesehen war das ganze vielleicht ein Glücksfall. Nach dem Brand hat es nicht mehr wirklich jemanden gekümmert wohin ich gehe. Ich habe mich eine Weile auf der Straße rumgeschlagen, bin nie lange an einem Ort geblieben. Immer aufpassen, das einen keine Polizeistreife findet, sie

verstehen?“ Falk nickte. In einer Gesellschaft die angeblich vollkommen Gerecht war…. konnte es keine Obdachlosen geben. Dafür musste man Sorgen. ,, Nun, ein paar Jahre später habe ich dann Arbeit gefunden. Meist Gelegenheitsjobs. Kisten schleppen, einmal eine Einstellung als Wachmann für eine Pharmafirma. Damals habe ich es auch endlich geschafft mir eine Wohnung leisten zu können… und bin das erste Mal von der Erde weg. Aber auf Dauer war das nichts. Wirklich verändert hat sich alles erst vor ein paar Monaten, als das Elektorat anfing, mehr Leute einzuziehen. Ich weiß nicht, ob sie

schon wussten, was auf Liurie auf sie zukommt, oder ob es einen anderen Grund hatte, aber ich habe mir Gedacht… was kann ich schon verlieren? Tja… und den Rest der Geschichte können sie sich denken. Eines Tages steht ein Kerl mit einem Aktenkoffer vor mir, der sich als Abundius vorstellt. Ist er heute eigentlich nicht hier?“ Falk nickte in Richtung der Tür, die ihm schon vorher aufgefallen war. ,, Der Chef ist immer am Planen, während wir… tja, wir sind die Unverbesserlichen. „ ,, Und wie ist Abundisu so ?“ ,, Soll ich ehrlich sein ? Ich glaube er ist ein manipulativer Bastard. Aber einer

von der Sorte, die wir brauchen. „ ,, Sie trauen ihm nicht ?“ ,, Das habe ich nicht gesagt. Wenn ich jemanden zutraue, das Elektorat wirklich jemals zu stürzen, dann ihm. Ich frage mich nur manchmal… wie weit er gehen will. Die meisten von uns sind einfach nur Augen und Ohren aber… wir sind durchaus bereit zu Kämpfen.“ ,, Was hindert euch daran ?“ ,, Wir sind zu wenige. Mit dem Elektorat können wir es niemals im direkten Konflikt aufnehmen. Wir warten also auf günstige Gelegenheiten… und solange rekrutieren wir weiter und sammeln Informationen, wo es geht.“ In diesem Moment öffnete sich die Tür

und eine einzige Gestalt betrat den Raum. Sofort wurde es fast totenstill. Jack drehte sich zu der Gestalt um, genau wie alle anderen Anwesenden. Abundius schien sich seit ihrem Treffen auf Vineta nicht sehr verändert zu haben. Nur die dunklen Ringe um die Augen wirkten tiefer. ,, Schön sie hier zu sehen.“ , meinte er lediglich, als er quer durch den Raum ging zu dem Tisch an dem Jack und der Kommissar saßen, dem Abundius kurz zunickte. ,, Falk.“ Der Mann stand langsam auf und Machte ihm Platz, so dass Jack nun Abundius gegenübersaß. Einen Moment musterte ihn der Mann nur schweigend. Dann

schließlich sagte er : ,, Ich schätze sie haben einige Fragen.“ Jack nickte nur. ,, Das können sie glauben.“ ,, Und ich schätze… sie haben gesehen, was sie sehen mussten wie ?“ ,, Ich weiß nicht , was ich gesehen habe.“ , erwiderte er. ,, Das müssen sie mir vielleicht sagen.“ ,, Und ich weiß nicht wie viele ihrer Fragen ich beantworten kann, aber ich werde es versuchen.“ ,entgegnete Abundius. ,, Also, fangen wir an. Es gibt viel zu tun, wenn wir hier fertig sind. Das heißt… wenn sie sich dazu entscheiden uns zu helfen? “ ,, Ich habe eine Wahl

?“ ,, Ich kann niemanden gebrauchen der nicht voll hinter mir steht Mr.Walt. Das ist keine Drohung, aber etwas, das ihnen klar sein sollte: Sie verlassen diesen Ort nur auf zwei Arten. Als mein Vertrauter… oder in einem Leichensack. Also, stellen sie ihre Fragen und dann sehen wir weiter.“

Kapitel 6 Fragen


Einen Moment wusste er nicht, wie er beginnen sollte. Der Mann ihm gegenüber, der sich selbst nur Abundius nannte, oder Nemo , oderscheinbar wie auch immer es ihm grade gefiel, schwieg nur und wartete. Die langen Finger hatte er dabei in einer Mönchsartigen Geste gefaltet. ,, Wer sind sie eigentlich ? “ , wollte Jack schließlich wissen. ,, Das ist die einzige Frage, die ich ihnen nicht beantworten werde. Und es spielt auch keine Rolle. Ich hatte schon so viele Namen und so viele Identitäten,

dass ich sie selbst nicht mehr auseinanderhalten kann. Wenn man ständig das Elektorat im Nacken hat, wird man sehr Vorsichtig. Das verstehen sie sicher?“ ,, Und doch operieren sie direkt unter ihrer Nase.“ , stellte Jack fest. ,, Nun, ich habe auch in den Ministerien einigen Einfluss. Aber eben nicht genug. Und das ist auch schon alles, was sie über mich wissen müssen und erfahren werden. Zusammen hiermit. Ich bin genau wie sie ein Feind des Elektorats. Und schauen sie mich nicht so an, sie wären nicht hier, wen dem nicht so wäre. Ich bin vielleicht die am meisten gesuchte und doch am wenigsten

bekannte Person auf diesem Planeten und ich habe absolut keinen Grund, dem Elektorat irgendetwas Gutes zu wünschen. “ , erwiderte Abundius. Seine braunen Haare fielen ihm wirr ins Gesicht und auch wenn die Kleidung die er trug nach wie vor teuer wirkte, sah sie an ihm irgendwie schäbig aus. Nicht wie bei den beiden Anzugträgern an der Bar, von denen er immer noch nur einen Namen kannte. ,, Und diese Leute hier ?“ ,, Sie haben sich doch mit Falk unterhalten. Samuel hab ich eigentlich ähnlich gefunden wie sie. Mit der Zeit entwickelt man einfach ein Gespür dafür, mit wem man rechnen kann… und wenn

man sich trotzdem mal irrt…“ Abundius beendete den Satz nicht, aber Jack konnte sich seinen Teil denken. Wenn es mal doch die falschen waren, fand man vermutlich am nächsten Morgen irgendwo eine Leiche, möglichst so, dass es aussah, als handle es sich um einen Unfall. Er zögerte die nächste Frage zu stellen. ,, Die Labore ? Ich habe etwa gesehen, einen Ulanen… Was tun sie mit ihnen? Sie sagten bei unserem letzten Treffen, das sie vielleicht mit dafür verantwortlich wären? “ ,, Vielleicht nicht direkt dafür, nein. Aber…“ Zum ersten Mal während ihres Gesprächs zögerte Abundius kurz. ,, Es

spielt keine Rolle. Sie verwenden etwas, das sie als NDNA bezeichnen. Es stammt von Liurie soweit ich weiß.“ ,, Aber ihr wisst es nicht genau ?“ Wieder zögerte er kurz. ,, Nichts ist heutzutage noch sicher Mr. Walt.“ ,, Jack reicht. Aber was tun sie genau?“ ,, Sie haben es gesehen.“ ,, Ich verstehe es aber nicht… der Mann dem ich begegnet bin, es war als hätte ihn irgendjemand.. ich weiß nicht… in einen Roboter verwandelt, etwas, das nur noch vom Aussehen her Mensch war.“ ,, Da sind sie der Wahrheit näher, als sie denken. Ich denke… das Elektorat sucht nach Alternativen zu den Kommissaren. Denn egal wie sehr sie diese auch

kontrollieren, es gibt immer welche, die sich gegen das Justizministerium stellen. NDNA jedoch… im Prinzip erlaubt es das remodellieren der Menschlichen DANN, ganz nach Belieben des Anwenders. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, sie können es sich wie Wasser auf Ton vorstellen. Man kann den Ton mit Wasser ganz einfach in eine neue Form bringen. Neben einiger anderer… höchst interessanter Eigenschaften. “ ,, Und sie wissen woher davon ?“ ,, Ich habe damit gearbeitete Jack.“ Ihm war klar, dass Abundius sich nicht weiter dazu äußern würde, trotzdem fügte er noch hinzu. ,, Neben dieser Genetischen Eigenschaft scheint es auch

so, als würde es die allgemeine Regenerationsfähigkeit steigern. Ich habe gesehen, wie es Knochen wieder zusammenfügt und selbst tödliche Verletzungen heilt.“Abundius seufzte. ,, Aber natürlich nutzt das Elektorat das nicht für die Medizin. Nein… viel eher tun sie das eine, was sie schon immer gut konnten. Es ausnutzen. Soldaten, die keine Angst kennen, kein Mitleid, keine Gefühle… und das einzige, was sie antreibt, ist die Loyalität zum Elektorat. Sie wollen wissen, was das Elektorat mit den Ulanen tut? Nun jetzt wissen sie es. Und jetzt wissen sie, was auf sie zukommt, wenn sie bleiben.“ ,, Und sie lassen das zu

?“ ,, Ich kann nichts dagegen tun Jack. Noch nicht. Aber mit ihnen, haben wir vielleicht eine Chance. Und deshalb jetzt meine Frage… Wenn ich ihnen hier und jetzt die Chance gebe, am Fall des Elektorats zu arbeiten, wie weit gehen sie dabei?“ Jack brauchte nicht lange über eine Antwort nachdenken. Seine Wut war immer noch präsent und er fragte sich, ob er sie je wieder zügeln würde. Nicht solange das Elektorat existierte, das wurde ihm klar. Nicht so lange noch jemand atmete, der einem Menschen so etwas antat.

Die nächsten Wochen und der nächste Monat verliefen vergleichsweise ruhig für ihn. Aber gleichzeitig war es ihm, als würde er die Welt nun mit vollkommen neuen Augen sehen. Jack fand sich regelmäßig, wann immer er es sich erlauben konnte, in der kleinen Bar ein und meist war auch einer der anderen da, Abundius hingegen sah er nur ab und zu. Nach und nach lernte er dabei auch die Namen der anderen. Der des zweiten Mannes im Anzug, bei dem es sich um einen hoch gestellten Bankier handelte, wie er später ehrausfand, war John und der der

rothaarigen Frau lautete Ava, eine Sekretärin aus dem Justizministerium. Und der Asiate stammte wohl aus einer der Zentralkolonien wo er als Gouverneur arbeitete und konnte nur selten da sein. Zumindest erklärte Falk es so, denn Jack sah ihn nie wieder. Vielleicht war er auch erwischt worden und man wollte ihn nur nicht beunruhigen. Wenn, dann war das ohnehin vergebliche Freundlichkeit. Er ging noch zur Ulanen-Ausbildung, aber er musste aufpassen. Jeden Tag quälte ihn die Frage, was passieren würde, wenn jemand ihn zur Seite zog und freundlich bat, mitzukommen… Doch nichts dergleichen

geschah. Irgendetwas sagte ihm, das entweder Cooper oder Abundius ihre Hand dabei im Spiel hatten. Sie würden sicher nicht zulassen, dass er zu einer der bleichen Gestalten wurde, die nun auch auf den Straßen auftauchten. Irgendetwas hatte man noch mit ihm vor, auch wenn Abundius zu seinen genauen Plänen nach wie vor schwieg. Trotzdem, nahm die Zahl der Ulanen in der Stadt zu. Die Männer und Frauen, die einstmals seine Kameraden gewesen waren, patrouillierten nun die Straßen. Meist trugen diese Erscheinungen dunkle kinetische Panzerung und waren neben Gewehren mit Energieschwertern

bewaffnet. Anfangs waren es nur wenige, welche die immer häufiger werdenden Polizeistreifen durch die Städte begleiteten, doch während der folgenden Tage verbreitete sich mit den zunehmenden Gerüchten auch etwas, das vorher nicht da gewesen war. Es gab offenen Protest. Eines Tages versammelte sich spontan eine Gruppe von fünfzig oder mehr Menschen vor dem Justizministerium. Das waren zumindest die offiziellen Zahlen, die Jack später zu hören bekam. Vermutlich waren es also mehr als fünfhundert, wenn nicht sogar noch mehr. An diesem Tag offenbarte sich ihm die

volle Wahrheit hinter der neuen Ulan-Garde und Abundius Worten. Eine Einheit dieser neuen Elite-Soldaten des Elektorats nahm vor dem Ministerium Aufstellung und bevor überhaupt jemand wusste, was geschah eröffneten sie das Feuer auf die Menge. Ein Fakt, den selbst die offiziellen Nachrichten nicht wegleugnen konnten, auch wenn es hieß, ein Demonstrant hätte zuerst das Feuer auf die Ulanen eröffnet. Keine Gefühle und kein Zaudern, wenn sie jemanden Festnahmen… und während der ganzen Zeit, Abundius zeigte ihnen später unverschnittene Aufnahmen des Vorfalls, blieben ihre Gesichter kalt und

teilnahmslos. Selbst die Kommissare, die sich später auf den Platz einfanden schienen vor den Gestalten in den dunklen Panzerungen zurückzuweichen. Ab diesem Tag herrschte abends Ausgangssperre. Und die Unruhen nahmen zu. Besonders in den Randgebieten der Stadt , wo die Kontrollen des Elektorats kaum oder nur gelegentlich stattfanden bildeten sich kleinere Gruppe von Rebellen und gewöhnlichen Banditen, die alle paar Wochen von den Ulan-Garden ausgelöscht wurden, wenn dem Ministerrat danach war, ein paar Soldaten zu opfern. Jack wusste nicht, wie es auf den

Kolonien aussah, ging aber davon aus, dass es dort vergleichsweise ruhig bleiben würde. Diese Welten verfügten meist über eine viel geringere Bevölkerungsdichte als die Erde und dürften sich nach wie vor unter der perfekten Kontrolle des Elektorats befinden. Vor allem, weil Nachrichten sich dorthin langsamer verbreiteten. Nein, die größten Unruhen gab es auf der Erde. Und hier würde es sich auch entscheiden müssen, dachte er. Die Warterei ging ihm langsam auf die Nerven. Wenn es seiner Meinung nach je eine Gelegenheit gegeben hätte, zuzuschlagen, dann wäre sie jetzt. Am liebsten hätte er genau das auch

Abundius gesagt, doch der Mann war immer seltener anzutreffen. Und dann kam die Pressekonferenz. Der Justizminister hatte sich, als einziger des Ministerrats, offenbar bereit erklärt, zu den Vorwürfen und den jüngsten Ereignissen Stellung zu beziehen. Auf einer offenen Veranstaltung. Wobei offen vermutlich tausende von Sicherheitsleuten und eine kleine Ulan-Armee beuteten würde. Trotzdem… Endlich hatte Jack das Gefühl etwas tun zu können, endlich einen derer zu richten, die so viel zerstört hatten. Es war ihm egal, ob er dabei erwischt

werden würde. Er bräuchte nur hingehen, eine Waffe in den Saal schmuggeln… und abdrücken. Wie er wieder rauskam, war optional, aber vermutlich würde das ausbrechende Chaos dabei sein Übriges tun. Hauptsache, er kam endlich dazu, etwas zu tun. Und genau das, sagte er Abundius auch, als er ihn endlich wieder traf. ,, Nein.“ , antwortete der Mann ruhig, nachdem Jack seinen Plan erläutert hatte. ,,Wir können uns keinen direkten Schlag erlauben.“ Es waren noch vier Stunden bis zur Konferenz und Jack hatte den Mann aufgesucht, weil er eigentlich mit Zustimmung oder auch Unterstützung

gerechnet hatte. ,, Wieso nicht ?“ Er musste sich zusammenreißen um nicht aufzuspringen. Sah Abundius denn nicht die Gelegenheit die sich hier bot? Oder vielmehr, wollte er sie nicht ergreifen? Jack spürte wie er zitterte, aber nicht vor Kälte. ,, Wir können uns keine Aufmerksamkeit leisten. Verstehen sie das?“ Er zögerte. ,, Nein. Wenn wir handeln wollen, wenn sie handeln wollen, dann jetzt. Wie lange gibt es ihre kleine Gruppe hier schon Abundius? Fünf Jahre ? Zehn ? Und was haben sie bisher erreicht?“ Er spürte eine Hand, die sich auf seinen

Arm legte. Jack drehte den Kopf und entdeckte Falk. ,, Ruhig.“ , meinte der Kommissar. ,, Überstürztes Handeln, Junge, bringt uns gar nichts.“ Die übrigen Personen in der Bar hatten sich mittlerweile zu ihnen umgedreht und verfolgten das Streitgespräch mit wachsendem Interesse. Abundius blieb während der ganzen Zeit gelassen wie eh und je. Wenn er das nur auch alles so ruhig hinnehmen könnte, dachte Jack. Aber das war ihm nicht mehr möglich. Der Augenblick, in dem er die Wahrheit ehrausgefunden hatte, hatte ihm die Ruhe wohl für immer verwehrt. Er schüttelte die Hand des abtrünnigen

Kommissars ab. ,, Ich bin ruhig.“ Oh ja.. nach außen schaffte er es immer, normal zu wirken, wenn er zur Ausbildungsstätte der Ulanen zurückkehrte oder sich mit einem seiner Offiziere unterhielt, aber innerlich… Einmal letzte Woche hatte er einen seiner Ausbilder beim Training in die Enge getrieben und auch wenn keiner der umstehenden etwas gemerkt hatte… kurz hatte er Überlegt den Mann einfach zu töten. Bis ihm die Folgen davon klar geworden waren. Er konnte es nicht. Es würde nichts nützen und ihn nur selbst in Schwierigkeiten bringen, aus denen ihn nicht einmal Abundius oder Cooper wieder rausholen könnten.

Und doch musste der Ausbilder kurz etwas gemerkt haben, denn nachdem Jack ihn endlich losgelassen hatte, wich der Mann fast panisch zurück und erklärte das Training für beendet. Und es sollte nicht der letzte kritische Moment bleiben… Er fühlte sich wie ein verdammtes Pulverfass. ,, Hören sie“, redete Abundius weiter, ,,wenn wir auch nur die geringste Chance haben wollen, müsse wir koordiniert vorgehen. Einen Minister zu töten bringt nichts, denken sie nach. Töten wir einen, gibt es ein halbes Dutzend Leute im Ministerium, die seinen Platz einnehmen können. Die

Minister, sind nur ein kleiner Teil des Problems. Wenn, dann müssen wir einen großen Schlag landen, etwas das sie endgültig wachrüttelt. Ich arbeite daran, aber wir brauchen noch etwas Zeit.“ ,, Was soll ich denn tun ?“ Es klang verzweifelt, wusste nicht wohin mit seiner Hilflosen Wut. ,, Gehen sie als Beobachter zur Konferenz, aber unternehmen sie ja nichts dummes Jack.“ Er musterte ihn einen Augenblick und Jack kam es so vor, als würde Abundius genau wissen, was in ihm vorging. Und die Gefahr, die darin lag. ,, Und… ich will, das sie jemand begleitet.“ ,, Falk ?“ Fast hoffte er darauf. Der alte

Kommissar hatte etwas, das ihn wirklich ruhiger werden ließ. Vielleicht die Hoffnung darauf, dass eines Tages auch die Kommissare aufwachen könnten. ,, Nein.“ , erwiderte Abundius. ,, Falk wird da sein, aber als einer der Leibwächter des Ministers. Wenn sie mit einem Kommissar dort auftauchen, wird das verdacht erregen.“ Jack gab sich geschlagen. Fürs erste. ,, Wer also ?“

Kapitel 7 Konferenz


Jack lief durch die dunkler werdenden Straßen, die hier und da von Laternen erhellt wurden. Die meisten, der hoch oben auf ihren Metallmasten sitzenden Lichtquellen, w aren jedoch bereits erloschen. Eigentlich herrschte nun Ausgangssperre, doch schien das niemand durchzusetzen. Zumindest nicht heute… oder an diesem Ort. Hier im Stadtzentrum in der Nähe der Ministeriumsgebäude konnte man fast glauben, sich in einer Kleinstadt zu befinden. Die Gebäude standen, im Gegensatz zu den Wohnblocks weiter

draußen, weit auseinander und die Straßen waren größtenteils durch breite Fußwege ersetzt, die von Bäumen Gesäumt wurden. Aber auch hier in den wohlhabendsten Vierteln war die Veränderung Spürbar. Auf dem Weg hierher hatte er mindestens drei Barrikaden passieren müssen. Um das ganze Gebiet hatte man in den Straßen Schildprojektoren aufgestellt, die von Ulan-Soldaten bewacht wurden und jeder, der das Viertel betrat, wurde durchsucht und musste sich ausweisen. Zum Glück hatte Abundius ihnen einige entweder wirklich gut gefälschte, oder echte Passierscheine besorgt, so dass sie ohne Probleme

durchkamen und ohne sich erst überprüfen zu lassen. Seien Hand schloss sich um den griff einer Pistole, die er unter einer leichten braunen Jacke trug. Ganz unbewaffnet hätte er nicht gehen wollen. Vor allem… weil er nicht wusste, was er tun würde, wenn er einmal dort war. Die Konferenz selbst würd ein einem Saal des Justizministeriums stattfinden. Anfangs hatten sie noch überlegt, einfach mit einem Fahrzeug hinzufahren, sich dann aber für den Fußweg entschieden. Ein Fahrzeug würde auffallen. Jack sah einen Moment hinauf in den pechschwarzen Himmel. Vielleicht würde

es nachher regnen. ,, Sieht wirklich nach Regen aus.“ , meinte eine Stimme neben ihm als hätte sie seine Gedanken gelesen. Er drehte sich zu seinen zwei Begleitern um, die beide markante dunkle Anzüge trugen und sich beim näheren Hinsehen fast zum Verwechseln ähnlich sahen. Jeffrey und John Lighten, Vorstehende des gleichnamigen Bankenunternehmens kamen ihm eigentlich wie die schlechtmöglichste Begleitung vor, die Abunidius hätte auswählen können. Aber wenn er länger darüber nachdachte, schien es logisch. Jeder andere wäre bei einer solchen Aktion aufgefallen. Er selbst fiel schon aus dem Muster der

übrigen Personen, denen sie begegneten. Entweder Journalisten, die sowieso schreiben würden, was man ihnen sagte, Wirtschaftsbosse oder eben hochrangige Elektoratsmitarbeiter. Meistens beides in einer Person. In den Seitengassen konnte er ab und zu einen Blick auf wachsame Truppen aus Ulanen, und gewöhnlichen Soldaten erhaschen, die die großen Hauptstraßen vom Rest der Stadt abriegelten. Kommissare hatte er bisher erst vier entdeckt und keiner von ihnen war Falk. Diese Gestalten waren schwerer auszumachen, da sie meist gewöhnliche Kleidung trugen und nur an ihren Anstecknadeln und der typischen

Bewaffnung, zwei mit einer Gravur versehene Großkaliberpistolen, erkennbar waren. Welchen Wahlspruch trug eigentlich Falk? Er nahm sich vor ihn zu Fragen, wenn er die Gelegenheit bekam. Ich bin etwas neugierig.“ , meinte Jack, als sie sich ihren Weg weiter durch die Straßen bahnten. ,, Wie sind sie beide bitte in einer…“ Er sah sich um, bis er sicher war, das niemand nah genug war, um sie zu belauschen, ,, Na ja, Wiederstands-Zelle gelandet.“ ,, Nun, im Gegensatz zu vielen Großbankern… gehört keiner von uns dem Elektorat an. Wir haben also immer mit gewissen Einschränkungen zu

kämpfen, sie verstehen? Hier mal eine verweigerte Genehmigung, dort eine unnötige Kontrolle…“ , meinte Jeffrey ,, … oder gleich eine Filiale die sich spontan Selbstentzündet.“ , beendete John den Satz. ,,Und das hat sie zu Abundius geführt ?“ ,, Sagen wir einfach, der Finanzminister, Daniel Szymanski , sieht es nicht gerne, wenn er unabhängige Konkurrenz bekommt. Sie verstehen?“ ,, Da aber weder ich noch John große Lust haben uns in irgendein Ministerium einspannen zu lassen… blieb uns nicht viel übrig oder ?“ , redete Jeffrey weiter. ,, Wir sind keine großen Kämpfer, aber wir sorgen dafür, das

unserem mysteriösen Freund nie das Geld ausgeht.“ Sie erreichten einen großen, offenen Platz, der von einem gewaltigen Springbrunnen eingenommen wurde, der von mehreren Scheinwerfern hell erleuchtet war. Das Justizministerium selbst war ein grauer, hoch aufragender Bau am anderen Ende des Platzes. Ein Rundgang aus Säulen umgab die Türen, die wiederum von einer größeren Anzahl bewaffneter bewacht wurden. Alles normale Polizisten, wenn auch in Sturmausrüstung und mit Gewehren bewaffnet. Offenbar wollte man die wohlhabenderen Gäste des Abends nicht

verschrecken. Wohl aber die Journalisten, die sich ein einer separaten, großen Schlange anstellen mussten und jeder einzeln durchsucht wurden. Einer der anstehenden Menschen wurde, ohne offensichtlichen Grund, von einem Dutzend Polizisten gepackt und unter wütendem Protest zur Seite geschleift. Ein dumpfer, aber hörbarer Schlag brachte sämtliche Proteste des Mannes zum Erliegen. Jack blieb unsicher stehen. Die Hand hatte er unmerklich auf den unter seiner Kleidung verborgenen Pistolengriff gelegt. Auch wenn Abundius ihm davon abgeraten hatte, hatte er es sich nicht nehmen lassen, eine Waffe zu tragen.

Wie konnten sie es sich erlauben? Der Mann hatte offensichtlich nichts getan was so etwas rechtfertigte… ,, Kommen sie…“ John versuche ihn weiterzuziehen und nach kurzem Zögern, ging er langsam mit. Er konnte nichts tun, das wusste er. Selbst wenn er jetzt etwas unternahm, würde das weder ihm noch dem Mann helfen. Dazu gab es zu viele Polizisten, Wachen, Kommissare und wer weiß was sich die Minister sonst noch hatten einfallen lassen. Sie gingen die kurze Treppe zum Eingang hinauf. Jack warf immer wieder Blicke zurück, ohne zu wissen

wieso. ,, Papiere ?“ Er drehte sich rasch zu der Stimme um. Es war Falk. Der Kommissar wirkte angespannt und vermutlich hatte er auch allen Grund dazu. Jeffrey reichte dem Mann drei Passierscheine, als würde er ihn nicht kennen. Der Kommissar reichte die Papiere an einen zweiten Mann weiter, der sie überprüfen musste. Jack vermied es, sich zu viel Sorgen zu machen. Die Papiere waren gut. Solange niemand einen DNA-Test machte, wäre alles gut. Das ließ sich leider noch nicht fälschen. Kurz diskutierte der andere Mann Lebhaft aber leise mit Falk, dann sagte er : ,, Alles in Ordnung, schönen Abend

die Herren.“ Während sie weitergingen hörte Jack ihn noch flüstern. ,, Und sie könnten mir einiges erklären, Falk….“ ,, Natürlich.. aber nicht unbedingt hier. Kommen sie…“ , erwiderte Falk und winkte seinen Kollegen bei Seite. Vermutlich würde der Mann nicht mehr lange Leben. Falk würde nicht zulassen, dass sie jemand anschwärzte. Die Eingangshalle des Baus, war ein fast schmuckloser grauer Saal, der vollständig von einer etwa drei Meter hohen Justitia-Staute eingenommen wurde. Jedoch fiel Jack auf, das der Bildhauer offenbar vergessen hatte, der Statue neben den üblichen Wagen und Schwertsymbol auch eine Augenbinde zu

verpassen. Entweder, war das Absicht gewesen… oder es war tatsächlich eine offene Zuschaustellung, wie das Rechtsystem des Elektorats wirklich funktionierte. Und warum auch nicht ? Es war ja nicht so, dass es bis vor kurzem viele Gegeben hätte, die gewagt hätten, es in Frage zu stellen. Sie durchquerten die Halle, an deren Ende ein weiterer Polizist, diesmal allerdings in teuer wirkender Gardeuniform und lediglich mit einer Pistole bewaffnet, an einer Tür Wache hielt. Die hohen Türflügel standen offen und gewährten einen Blick in einen großen Saal, in dem man eine Tribüne aufgebaut hatte. Normalerweise würden

sich dort wohl nicht so viele Leute aufhalten, nun aber war er fast brechend voll. ,, Wenn wir uns verlieren, treffen wir uns spätestens am altbekannten Ort.“ Jack war klar, wovon John sprach, Vermutlich die leer stehende Bar. Aber mit so vielen Leuten um sie herum, konnte er schlecht offen reden. Jack war kurz unwohl bei dem Gedanken, mit so vielen Leuten auf so kleinen Raum zu sein… vor allem, wenn es nur einen Ausweg gab. Dann aber schüttelte er seine irrationale Angst ab. Es gab wichtigeres, um das er sich jetzt Sorgen sollte. Er kämpfte sich durch die Reihen aus

Zuhörern, bis er es in die Mitte des Raums geschafft hatte. Von hier würde er wohl wenigstens etwas mithören können und einen freien Blick auf das geschehen haben. Bereits wenige Minuten , nachdem er sich einen Platz gesichert hatte, trat der Justizminister, Arthur Jones, hinaus auf die Rednerbühne. Er war ein hochgewachsener, grauhaariger Mann und soweit Jack das wusste, das älteste Mitglied des Ministerrats. Einer vom alten Schlag wenn man dem Glauben schenken konnte, was man über ihn hörte, ein lebendes Relikt, vielleicht aus einer helleren Zeit, bevor das Elektorat zu dem wurde, was es heute war.

Seine geradezu leuchtend blauen Augen schweiften einen Moment über der Menge, bis es etwas ruhiger geworden war. Dann räusperte er sich. Anfangs waren seine Worte noch unsicher, wurden dann aber zunehmend deutlicher. ,, In den letzten Wochen gab es einige wilde Spekulationen, die in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens… zu Unruhen geführt haben.“ Er machte eine Pause, die wie Jack sofort durchschaute Absicht war. Natürlich… nichts an diesem Abend wäre zufällig. Der Minister würde jedes Wort einstudiert haben, jeden Satz, jeden Gesichtsausdruck und vermutlich auch

alles andere. Einen kurzen Moment spürte er, wie sich seine Hand fester um den Griff der Pistole klammerte. Er bräuchte nur die Waffe ziehen und Feuern. Es gab keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen und der Mann trug offensichtlich kein kugelsicheres Gewebe, sondern normale Kleidung. Es wäre so einfach… ,, Gerüchte und Spekulationen, die nur den einen Zweck hatten die Bürger des Elektorats zu verunsichern. Ich möchte heute in für allemal damit aufräumen. Vor zwei Monaten stellte eine Eingreiftruppe unter Admiral Vämskä auf Liurie den Verräter David Callahan.“ Irgendwo im Raum rief jemand etwas,

aber offenbar beschloss der Minister, es zu ignorieren. ,, Dieser Anarchist versuchte nichts als Zerstörung zu verursachen. Er wurde gefasst und gemäß der Gesetzte gerichtet. Das ist alles.“ Jack drängte sich etwas näher an die Bühne heran, er brauchte ein klares Schussfeld… Es war ihm egal, was Abundis gesagt hatte… und auch die Folgen. Hier war sie, die Chance auf die er Gewartet hatte. Aber die letzten Worte des Ministers ließen ihn zögern. Es war eine klare Lüge, aber viel wichtiger… er brauchte nur nach oben zu sehen um zu wissen, das Jones das auch klar war… und es ihm nicht gefiel. So

gut kontrollierte der Mann seine Mimik dann doch nicht… Warum aber sagte er dann nicht die Wahrheit? Die Antwort war so eindeutig wie folgenschwer. Jack ließ die Waffe sinken. Jetzt, glaubte er auf einmal zu verstehen, was Abundisu hatte sagen wollen. Der Mann vor ihm, war genau so sehr eine Marionette, wie alle anderen. Und er konnte sich den Anweisungen des Spielers nicht wiedersetzen… und diese Spieler? Wer waren sie? Vielleicht niemand… vielleicht lediglich der Selbsterhaltungstrieb des Elektorats, der sich jedem darin Aufzwang. Und das bedeutete alles hier, war eine Farce.

Jedes Detail, jeder Wachmann… nur ein Teil des Theaters. Die Welt schien sich einen Moment langsamer zu bewegen und es dauerte eine Weile, bis Jack sich wieder auf das Wesentliche konzentrierte. Den Grund seines hierseins. Mithören, damit er Bericht erstatten konnte. Der Minister redete grade über die Schießerei auf dem Platz vor einigen Tagen. ,,Es war ganz klar ein Demonstrant, der zuerst das Feuer eröffnete. Wir….“ Im nächsten Moment hallte aus dem Nichts ein Schuss durch die Halle. Jack sah, wie der Minister getroffen einige Schritt zurückstolperte, sich aber immer noch auf den Beinen hielt. Offenbar

hatte die Kugel ihn nur gestreift. Trotzdem brach sofort Chaos unter den Anwesenden aus. Fünfzig und mehr Leute, die versuchten gleichzeitig aus dem Saal zu gelangen und von einigen völlig überforderten Polizisten daran gehindert wurden. Jack sah sich nach Jeffrey, Falk oder John um, konnte aber keinen der drei mehr entdecken, während er versuchte, irgendwie selber aus dem Raum zu kommen, ohne dabei niedergetrampelt zu werden. Ohne Vorwarnung hallte ein zweiter Schuss durch die Halle. Jack hob den Kopf und suchte nach dem Schütze jedoch ohne Erfolg. Irgendwo schrie

jemand auf, vermutlich getroffen. Das Geräusch ging in der allgemeinen Panik fast unter, während die Absperrkette aus Polizisten am Ausgang der Halle endgültig nachgab. Tausende Menschen stürmten gleichzeitig ins freie und Jack konnte sich zumindest einen gewissen Überblick verschaffen. Eine Hand riss ihn herum und er fand sich Augen in Auge mit Falk. ,, Was zur Hölle ist grade passiert ?“ , wollte der Kommissar wissen. ,, Keine Ahnung, aber wir sollten verschwinden.“ Er sah sich noch einmal um. ,, Haben sie die Lighten-Brüder irgendwo gesehen ?“ ,, Die können auf sich aufpassen.“ ,

erwiderte er. Indem ganzen Chaos würde ohnehin niemand darauf achten, wenn sie sich unterhielten. ,, Wer hat Geschossen ?“ ,, Ich weiß es nicht.“ ,, Wirklich ?“ Gut ein Viertel der Leute hatte es mittlerweile nach draußen geschafft. Jack zögerte, dann zog er die Pistole unter der Jacke hervor. ,, Ich hatte es vor verdammt… bis grade eben. Aber glauben sie mir Falk, ich hätte ihn nicht verfehlt.“ Der Kommissar schien zufrieden, wenn auch nicht wirklich glücklich mit der Antwort zu sein. ,, Sehen sie zum, das sie rauskommen. Wir treffen uns so bald wie möglich.“ ,

erwiderte er, dann rannte er zurück ins innere der Halle. Jack nickte ihm nur zu und lief los. Er kämpfte sich an einigen Leuten vorbei aus dem Saal und in den Eingangsbereich und von dort bis zu den Türen nach draußen. Sobald er die Treppe hinabstolperte, weil er fast von den nachrückenden Fliehenden, überrannt wurde, suchte er erneut die Umgebung nach einem Zeichen der zwei Brüder ab und fand schließlich John, der Jeffrey stützte. Währenddessen waren die bisher Versteckt gebliebenen Ulanen dabei, den Platz mit Energieschilden abzuriegeln. Die Hauptstraße war bereits in ein Feld

getaucht, das die Luft darum wie bei großer Hitze zum Flimmern brachte. Ein unaufmerksamer Fliehender bemerkte das Feld zu spät und rannte direkt hinein. Einen Moment sah es so aus, als würde er in der Bewegung erstarren, dann verbrannte der Körper des Mannes in einem einzigen, grellen Lichtblitz und ließ nur verkohlte Knochen zurück. Jack sah sich rasch nach einem Ausweg um und entdeckte, dass einige der Seitenstraßen noch frei waren. ,, Hier rüber.“ , rief er John zu, der sich immer noch mit Jeffrey abmühte, bis er ihm half. ,, Alles in Ordnung

?“ ,, Geht schon.“ , knurrte dieser, während er sich die Seite hielt. . ,, Ich komm durch.“ ,, Sicher ?“ ,, Weste mit kinetischem Gewebe, tut zwar höllisch weh, aber mehr als ein blauer Fleck bleibt da nicht. Eigentlich hätte das nicht mal wehtun dürfen. War mit Sicherheit keine simple Waffe.“ ,, Was ist passiert ?“ Sie erreichten die Gasse und beeilten sich auf die andere Seite zu gelangen, wo sie hoffentlich in Sicherheit wären. ,, Ich habe den Schützen gesehen.“ , erwiderte der Bankier . ,, Habe versucht ihn festzuhalten.“ Das erklärte wohl den

zweiten Schuss, dachte Jack. ,, Wer ? Haben sie jemanden erkannt?“ ,, Keiner von uns, schätze ich, aber… das ging alles so verdammt schnell.“ John setzte den Verletzten an eine Wand, nachdem sie weit genug weg waren. ,, Das ist nicht gut.“ , meinte er. ,, Mit diesem Angriff hat das Elektorat eine Legitimation noch härter vorzugehen.“ ,, Ich weiß.“ , meinte Jack. ,, Wir sollten uns trennen und versuchen, jeder für sich hier raus zu kommen. . Schaffen sie beide es?“ ,, Um uns brauchen sie sich keine Sorgen zu machen, ich schätze, wir sind fürs erste außer Gefahr.“ ,, Dann hoffen wir, das wir uns morgen

sehen.“ Er half John auf und verabschiedete sich von den Brüdern. Aber er wurde das Bild des Mannes nicht los, der einfach in die Barrieren gelaufen war.

Kapitel 8 Gegenwar


Und nun war er wieder hier, in dem einzigen Versteck, das es für Leute wie ihn geben mochte. Neben ihnen waren noch gut ein halbes Dutzend weitere Männer und Frauen im Raum, die sich auf einigen alten Sitzbänken oder an der verstaubten Theke versammelt hatten. Er nickte kurz Jeffrey und John zu, erleichtert, dass die beiden es ebenfalls geschafft hatten. Auch Cooper und Falk waren anwesend… und offenbar angespannt. Der Kommissar nahm die

Hand keinen Augenblick von der Waffe und musterte jeden im Raum mit noch größerer Wachsamkeit als sonst, falls das überhaupt möglich war. ,, Sind alle In Ordnung ?“ , fragte Jack , als er sich zu den vieren Setzte. Neben ihnen waren noch Ava und Ian anwesend, die heute allerdings die Vordertür im Auge behielten. Nur für den Fall. ,, Ich schätze, wir hatten Glück.“ , meinte John. ,, Das Elektorat hätte sicher längst angeklopft, wenn sie etwas wüssten.“ ,, Würde ich nicht sagen.“ , erwiderte Falk. Der Kommissar musterte Jack schweigend. Einen Moment fragte er sich, ob Falk den anderen erzählt hatte,

dass er vorgehabt hatte, den Justizminister selbst zu töten. ,, Lebt der Minister noch ?" , fragte er daher unverbindlich. ,, So weit ich informiert bin ja.“ , sagte Falk. ,, Aber der Schütze ist entkommen. Und was viel wichtiger ist, der Ministerrat hat bereits in der Stunde nach dem Attentat mindestens ein Dutzend neue Sanktionen vorbereitet. Todesschusserlaubnis für alle Ulanen, Verstärkung der Patrouillen, rigorose Durchsetzung der Ausgangssperre, das was eben zu erwarten war. Wer immer das gestern war, er hat uns damit keinen Gefallen getan.“ ,, Sie denken doch auch, es war

inszeniert, oder ?“ , fragte Jeffrey. ,, Vielleicht und vielleicht haben wir Gleichgesinnte da draußen , was durchaus gute Nachrichten wären. Auch wenn uns ihre Taten zurückwerfen.“ ,, Und was genau machen wir jetzt ?“ , fragte Jack. ,, Wenn die Sicherheitsmaßnahmen weiter verschärft werden, sind wir doch bald Handlungsunfähig oder?“ ,, Ich glaube Abundius hat etwas vor. Was großes.“ , erklärte Cooper. ,, Wo steckt er eigentlich ?“ ,, Na wo wohl ?“ Jeffrey deutete nur nach hinten auf die Tür. ,, Immer am Pläne schmieden. Und ich denke es ist verdammt noch mal Zeit.“

,, Wenn wir jetzt nicht handeln, sind wir möglicherwiese nicht mehr dazu in der Lage. Ich weiß einfach, das er noch was in der Hinterhand hat.“ , ergänzte Falk. Jack konnte nur zustimmen. Ihm fiel etwas ein. Eine Frage, die er dem Kommissar hatte stellen wollen. ,, Sagen sie Falk… welche Inschrift tragen eigentlich ihre Waffen ?“ ,, Sehen sie selbst.“ Der Kommissar zog ein der schweren Pistolen aus dem Holster und reichte Jack die Waffe. Dieser hatte Schwierigkeiten, die Waffe auch nur vernünftig zu halten. ,, Bricht einem der Rückstoß nicht mindestens mal den Arm ?“ , fragte er, als er sich die Gravur am Griff

ansah. ,, Nicht wenn man aufpasst. Ansonsten… vermutlich.“ ,,Fas est et ab hoste doceri. Auch vom Feind lernen ist Recht. Passt irgendwie was?“ Jack reichte ihm die Pistole zurück. Einen Moment später trat Abundius aus dem Hinterzimmer heraus, einen Koffer in der Hand, den Jack sofort wiedererkannte. Vineta. Er erinnerte sich noch, dass der Mann damals erwähnt hatte, er hätte eine ziemlich lange Reise hinter sich. Aber was für eine das gewesen war, hatte er nicht erklärt. Ohne ein Wort setzte sich die hochgewachsene Gestalt an den Tisch.

Abundius wirkte wacher und ausgeruhter, als in den letzten zwei Monaten, wie Jack feststellte. In seinen Augen lag ein unbestimmtes glitzern. Intelligenz und Verschlagenheit... und die gleiche Anspannung, die Jack überall im Raum spüren konnte. Sie waren heute nur knapp einer Katastrophe entgangen. Das musste auch Abundius klar sein. ,, Meine Herren, die Dame.“ Er wartete bis auch Ian und Ava sich zu ihnen gesellten. ,, Ich denke es ist Zeit.“ ,, Zeit ?“ ,, Das die Menschen die Wahrheit erfahren.“ Er stellte den Koffer auf den Tisch und öffnete ihn. Auf einem Polster im inneren befand sich etwas, das aussah

wie eine Festplatte und Stapelweise Papiere, mit Elektorats-Siegeln und Unterschriften. ,, In diesem kleinen Koffer, befindet sich alles, was auf Liurie vorgefallen ist. Die ganze Geschichte. Und glauben sie mir… es wir reichen, das Elektorat in seinen Grundfesten zu erschüttern. Befinden wir uns heute an der Schwelle eines Aufstands… sobald diese Informationen an die Öffentlichkeit kommen, haben wir einen Bürgerkrieg.“ ,, Und was genau ist dort geschehen ?“ Abundius lächelte. ,, Nun, Der Justizminister hat zumindest teilweise die Wahrheit gesagt. Es gab einen Aufstand. Der Gouverneur der Kolonie,

David Callahan stellte sich gegen das Elektorat.“ ,, Und er wurde besiegt ?“ Er nickte. ,, Aber das ist nicht alles. Obwohl es keinen Grund gab, außer dem, das Callahan hätte entkommen können, erteilte das Elektorat einstimmig einen Auflösungsbefehl für die Kolonie Liurie. Sie wissen alle, was das bedeutet.“ Ein Auflösungsbefehl war eigentlich das letzte Mittel, wenn eine Kolonie sich gegen das Elektorat stellen sollte. In den letzten hundert Jahren war eine solche Anordnung offiziell vielleicht drei Mal gegeben worden und dann meist auch nur gegen den Wiederstand einer gewissen Anzahl Minister. Das sie so etwas

Einstimmig beschließen würden… Es erlaubte den Einsatz von Nuklear-Waffen ohne Beschränkungen auch gegen zivile Siedlungen und führte meist zu einem Planetenweiten Bombardement. Die Folge war, dass jegliches Leben auf dem Planeten ausgelöscht wurde. Das wäre genau die Art an Information, die das momentane Pulverfass zünden konnte. ,, Ein Funke… und dieser Planet wird vom Aufschrei tausender wiederhallen.“ , meinte Abundius. ,, Das bedeutet einen offenen Krieg.“ , begab Falk zu denken. ,, Aber einen, den wir führen können. Entzünden wir heute das Feuer… wird

das Elektorat bis auf die Grundmauern neiderbrennen.“ Jack bezweifelte das kurz. Es würde keine kurze Schlacht werden. Im Gegenteil. Und es bestand nach wie vor die Möglichkeit, dass sie versagten. Aber Abundius Worte rissen ihn mit. ,, Heute, wird sich alles entscheiden, worauf wir Monate, Jahre hingearbeitet haben.“ ,, Was haben sie genau vor ?“ , fragte er. ,, Wir können das schlecht einfach auf der Straße verteilen. Wir sind tot, bevor das erste Flugblatt weitergegeben ist.“ ,, Im Gegenteil, es gibt viel effektiveres. Wir besetzten einen

Nachrichtenknoten. Einen der großen Serverräume des Elektorats, an denen ihre Netzwerkdate zusammenfließen.“ Falk strich sich Gedankenverloren über den Bart. ,, Der einzige, den ich kennen würde, läge im Justizministerium und da ist Momentan sicher kein reinkommen.“ ,, Es gibt sie überall.“ , erwiderte Abundius. ,, Man muss sie nur auch finden. Aber womit sie recht behalten ist, das sie alle schwer bewacht werden.“ Er wendete sich kurz an Ian. ,, Gehen sie in den Lagerraum und holen sie die übrigen Koffer. Wir werden sie brauchen.“ ,, Wie viele haben sie denn ?“ ,, Ich plane das hier seit Jahrzehnten

Mr. Walt. Glauben sie mir, wenn ich sage, dass es nichts gibt, das ich nicht bedacht habe. Ich bekämpfe das Elektorat schon länger, als sie lesen können und es ist ein Krieg, in dem man nichts dem Zufall überlassen darf.“ Ian brachte ihm drei weitere Koffer. Zwei große, dunkel lackierte und einen kleineren, den Abundius aufklappte. Er enthielt nichts, außer einer großen Plattform für eine Holokrarte. Er machte eine Handbewegung über das Feld und langsam bauten sich Häuserreihen und Straßenzüge aus Smaragdfarbenem Licht auf der Spiegelfläche auf. Abundius deutete auf ein Gebäude, das

rot hervorgehoben war. ,, Das ist der Knotenpunkt. Schwer bewacht, mindestens ein Dutzend Ulanen und eine unbekannte Anzahl normaler Sicherheitsleute.“ ,, Dann wars das mit dem Plan würde ich sagen.“ , meinte Cooper. ,, Selbst wenn wir einen Angriff wagen, wir haben kaum genug Ausrüstung um…“ Statt zu Antworten stellte Abundius die zwei dunkel lackierten Koffer auf den Tisch. ,, Schauen sie selbst.“ Jack öffnete einen der Koffer, während Cooper sich den anderen ansah. ,, Energie-Klingen, falls sie kinetische Panzer tragen. Munition und das wichtigste“ , erklärte Abundius und zog

ein schwarzes Rechteck aus der Kiste, das er mit scheinbar lange geübten Handgriffen zu einer Maschinenpistole zusammensetzte. ,, Feuerwaffen. Diese hier, bestehen komplett aus Kunststoff und fallen auf keinem Detektor auf. Die Magazine haben eine Isolierung, so dass auch die Kugeln keinen Alarm auslösen. Optional zuschaltbarer Schalldämpfer. Sie könnten jemanden erschießen, ohne, das man es einen Meter weiter überhaupt noch hört. Das ist so ziemlich das Beste, was man auf dem illegalen Weg bekommt.“ ,, Dann ziehen wir es also wirklich durch ?“ Jack nahm eine der Energieklingen, die etwas kürzer

gehalten waren, als die die das Elektorat verwendete, so dass man sie bequem unter der Kleidung verbergen konnte. Abundius nickte, dann sagte er jedoch noch: ,, Mit den Ulanen werden wir kaum reden können. Sie sind vollkommen gehorsam und ich bezweifle sogar, dass sie überhaupt noch einen eigenen Willen besitzen. Aber die normalen Soldaten… wenn es möglich ist lassen sie sie am Leben. Die machen auch nur ihren Job. Aber wenn sie wiederstand leisten… zögern sie nicht.“ Er stand auf. ,, Wie immer es endet, es endet hier und jetzt.“ Er nahm den Koffer mit der Festplatte und eine Maschinenpistole an sich. ,, Gehen

wir.“ Eine gute Stunde später sprangen sie alle, einer nach dem anderen, aus einem in einer Seitenstraße geparkten Transporter. Die Ausganssperre hatten sie zum Glück bisher umgehen können, in dem sie nur wenig befahren Straßen nutzten und ständig den Polizeifunk überwachten. Jack überprüfte einmal mehr seine Waffe. Eine Energieklinge hatte er auf den Rücken geschnallt, wo sie ihn nicht stören, gleichzeitig aber auch nicht sofort auffallen würde. Dazu trug er eine von Abundius Maschinenpistolen.

Wie dieser gesagt hatte, bestand die Waffe fast komplett aus Kunststoff und war erstaunlich leicht. Neben ihm steckte Falk einige extra Magazine für seine Pistolen ein, währen Cooper, die Lighten Brüder, Ian und Ava sich ebenfalls bereit machten. Da in ihrer Gruppe nur Jack, Falk , Cooper und wohl auch Abundius über echte Kampferfahrung oder Ausbildung verfügten, sollte sich der Rest nach Möglichkeit im Hintergrund halten und lediglich Feuerschutz geben. Das Gebäude in dem sich der Nachrichtenknoten befinden sollte, lag direkt vor ihnen, ein großer, verspiegelter Glaskasten, der mindestens

zwanzig Stockwerke weit in den dunkler werdenden Himmel ragte. Auf den ersten Blick unterschied sich der Bau kaum von den zu tausenden aneinandergereihten Bürokomplexen, welche diesen Teil der Stadt prägten. Doch wenn man genauer Hinsah… fielen einem wohl schnell das halbes Dutzend Leute auf, die auf den Straßen davor patrouillierten und den Eingang in alle Richtungen absicherten. Jack drehte sich zu Falk um, der soeben ein kleines Tablettenfläschchen aus seiner Tasche zog. ,, Was ist das ?“ Er konnte es sich fast denken. ,, Mentalblocker. Hoffentlich das letzte

Mal, da sich welche brauche.“ ,, Ich verstehe nicht wozu…“ ,, Das Geheimnis des Rufs der Kommissare ist nicht die Ausbildung, Jack, nicht völlig zumindest. Mentalblocker ermöglichen es einem zielstrebig und ohne Ablenkung zu handeln. Kommissare sind schneller und konzentrierter als die meisten normalen Menschen, aber ohne Mentalblocker… verlieren sich einige dieser Fähigkeiten wieder. Ich möchte kein Risiko eingehen.“ ,, Und das ist in Ordnung für sie ? ,, Wenn es zum Fall des Elektorats beträgt, dann ja.“ ,, Also gut. Wir haben lange genug

gewartet. Los geht’s.“ Jack ging langsam, gefolgt von den anderen auf den Eingang zu. Währenddessen versuchte er sich weiter einen Überblick zu verschaffen. Soweit er das sehen konnte, gab es nur einen Zugang, zwei Flügeltüren, die von den Bewaffneten bewacht wurden, die er schon zuvor bemerkt hatte. Ulanen, waren zumindest keine darunter. Aber es würde auch so nicht einfach sein da rein zu kommen. Und unentdeckt schon gar nicht. Jack verbarg die Waffen so gut er konnte, als er näherkam. Wenn er Glück hätte, könnte er die ersten Wachen ausschalten, bevor sie überhaupt reagieren

konnten. ,, Halt.“ Einer der Soldaten hatte ihn entdeckt und zielte bereits in seine Richtung. Ein rötlicher tanzender Laserpunkt erschien direkt auf seiner Burst. Jack fluchte leise in sich hinein. Natürlich, das waren keine Schwachköpfe. Ein Fremder, der sich bei Ausganssperre aus dem Dunkeln näherte würde sofort als Bedrohung eingestuft werden. Falk drängte sich an ihm vorbei und ging gelassen auf die Absperrung zu. ,, Guten Abend die Herren. Ordnung und Licht.“ Der Kommissar trat in den Lichtkegel einer Straßenlampe und es dauerte nicht lange, bis man ihn

erkannte. Die Waffen wurden gesenkt. ,, Verzeihung wir rechneten nicht damit, dass hier ein Kommissar vorbeikommen würde.“ , erklärte einer der Wachleute. Jack ging unauffällig näher und suchte dabei nach möglicher Deckung. Aber außer einer Mülltonne, die keinem Beschuss standhalten würde, gab es nichts. Also auf die altmodische Art… Links sah er Abundius, der sich mit Ava etwas zurückhielt und Cooper, der versuchte zusammen mit Ian an den abgelenkten Wachsoldaten vorbei zu gelangen. ,, Ach ja wirklich ?“ , fragte Falk. Die Kälte in der Stimme des Mannes

erschreckte Jack etwas. Das war nicht dieselbe Person, mit der er noch vor wenigen Augenblicken gesprochen hatte. Sondern etwas anderes… eine kalte Maschine. ,, Und würde mir jemand erklären, wieso hier nur fünf von euch Wache halten ?“ Der Mann drehte sich verwirrt zu seinen Leuten um. ,, Sir, wir sind zu sechst…“ ,, Nicht mehr.“ Ohne einen Moment zu zögern drückte Falk dem Mann die Waffe an den Hinterkopf und drückte ab. Noch bevor der getötete Soldat zusammenbrach hatte Falk bereits das Ziel gewechselt und feuerte auf zwei der völlig Überraschten Wachen, die ebenfalls ohne Gegenwehr zu Boden

gingen, jeweils mit einer Kugel im Hals. Ein vierter Man schaffte es zumindest noch die Waffe hoch zu reißen, aber bevor er den Abzug drücken konnte, zerschmetterte ihm ein weiteres Projektil die Hand und ein zweites den Schädel. Der fünfte Posten fiel, als Jack sich endlich aus seiner Erstarrung löste und ebenfalls das Feuer eröffnete. Cooper und Ian hingegen waren nicht ganz so schnell. Der letzte Überlebende schaffte es, seine Waffe tatsächlich abzufeuern, bevor Cooper ihn mit einem gezielten Schuss tötete. Das ganze hatte nicht mehr als eine halbe Minute gedauert, dachte Jack,

während er sich umsah, und nun lagen sechs gestalten reglos am Boden. Nein, korrigierte er sich da, Sieben. ,, Verflucht.“ Cooper kniete sich neben den getroffenen Ian. ,, Ich habe ihm doch gesagt, er soll hinten bleiben. Sturkopf.“ ,, Ist er…“ , setzte Ava an. ,, Ich fürchte ja.“ Cooper stand wieder auf. ,, Wir wussten alle, das es Verluste geben wird.“ , flüsterte Abundius. ,, Wir müssen schnell weiter. Wenn jemand die Schüsse gehört hat, läuft uns jetzt die Zeit davon.“ Jack nickte nur, bevor er sich Falk zuwendete. Der Kommissar sah nicht

auf. ,, Es fällt einem zu leicht.“ ,, Was ?“ ,, Das töten. Das ist nicht gut wissen sie? Es sollte einem nie leicht fallen.“ ,, Wir müssen weiter.“ , wiederholte Abundius. ,, Bin direkt hinter ihnen. Bringen wir das schnell zu Ende.“

Kapitel 9 Verraten

 

 

Jack warf die leer geschossene Waffe weg. Blieb ihm noch das Energieschwert…

 

 In der letzten halben Stunde hatten sie es fast bis zur obersten Etage des Baus geschafft, wo ihr Ziel lag. Zumindest wenn Abundius Angaben stimmten.

Anfangs war es ihnen noch gelungen, relativ unbehelligt durch das Treppenhaus nach oben zu gelangen. Den Fahrstuhl hatten sie gemieden. Es wäre zu einfach, die Kabine anzuhalten und

sie so alle festzusetzen.

Das innere des Hochhauses unterschied sich auf den ersten Stockwerken nicht sehr von tausenden anderer Wohn und Bürobauten, die man überall in der Stadt fand. Außer, das hier alles verlassen war. Bis auf ein gelegentliches kurzes Feuergefecht mit einigen sich zurückziehenden Elektorats-Soldaten, gab es kaum Zwischenfälle. Aber das würde sich vermutlich spätestens ändern, wenn jemand Verstärkung rief. Was wohl längst geschehen sein würde. Die Zeit arbeitete gegen sie.

Das änderte sich aber, als sie das Dachgeschoss erreichten. Vor ihnen lag ein großer, bis auf einige Metallkästen

mit Rechnern praktisch leerer Raum, an dessen Ende sich nur eine einzige weitere Tür befand.

Jack wollte schon einen Schritt vorwärts machen, aber Falk hielt ihn zurück.

,, Das gefällt mir gar nicht. Seien sie vorsichtig.“

Er nickte und ging langsam vor, das Gewehr im Anschlag. Jack hatte den Raum grade einmal halb durchquert, als eine Bewegung hinter einem der Metallkästen seien Aufmerksamkeit auf sich zog. Er feuerte Instinktiv auf den Schatten. Überraschender Weise ging dieser jedoch nicht zu Boden, Stattdessen jagten ihm nun Kugeln um die Ohren. Eine Streifte ihm am

Oberarm und Jack rettete sich lediglich mit einem raschen Sprung hinter eins der Computer-Gehäuse. Rasch sah er sich nach den anderen um. Falk war ebenfalls in Deckung gegangen, während Cooper und Abundius an der Tür festsaßen. Nur Ava hatte das Unglück mitten im Raum zu stehen. ,, Runter sofort.“ , schrie Jack, aber viel zu spät wie er wusste. Eine weitere Kugelsalve jagte quer durch den Raum… und traf Ava völlig unvorbereitet.

,, Verflucht.“ , hörte er Cooper  von seiner Position an der Tür aus fluchen.

Jack nutzte die Gelegenheit, rollte aus der Deckung und zielte in die Richtung des Schützen.

Ein Feuerstoß und die in dunkle Panzerung gekleidete Gestalt taumelten ein paar Schritte zurück, wo sich offenbar noch vier oder mehr andere verschanzt hatten. Kinetische Panzerung, dachte Jack . Aber sie konnte die Wucht der Aufschläge nicht ganz abhalten.

In weißer Farbe hatte jemand das Wagen-Symbol des Elektorats-Militärs darauf gemalt.

Jack stand auf, feuerte aber immer noch auf die Gestalt, die durch den permanenten Kugelhagel bewegungsunfähig gehalten wurde. Bis  die Waffe plötzlich nur noch ein trockenes Klicken von sich gab. Ungerührt warf er sie weg. Er war nah

genug, tastete nach dem Schwertgriff und ließ die Klinge in einer Bewegung auf die Schulter des  Soldaten krachen. Die kinetische Panzerung hielt dem Schwert nicht stand und der Mann kippte, die Waffe immer noch in der Brust, um.

Währenddessen hatten die anderen das Feuer auf die verbliebenen vier Ulanen eröffnet und retteten ihm so vermutlich das Leben.

Denn Jack stand nur immer noch über den Toten gebeugt. Es sollte einem nie leicht fallen. War es das, was Falk gemeint hatte? Es machte einen nicht besser, den Tod eines Menschen zu genießen. Sicher nicht. 

Es machte einen Gleichgültig. Und damit extrem gefährlich.

Er zog die Klinge wieder aus dem Toten Körper. Einer der Ulanen, genauso gleichgültig wie er, dachte Jack kurz, wagte einen Ausfall und stürmte, ebenfalls mit einer Energieklinge bewaffnet,  vor.

Er trat lediglich zur Seite und schlug mit aller Kraft zu. Ohne wiederstand schnitt das Schwert den Mann beinahe in zwei Hälften.

Jack hob das Gewehr des Mannes auf, trat vor und ließ die Waffe dem nächsten Ulanen ins Gesicht krachen. Davor schützte ihn die Panzerung nicht.

 

Er hatte die gleiche Ausbildung wie sie… aber es gab einen großen unterscheid zwischen ihnen. Er war wütend. Etwas, das diese Leute nie wieder sein würde, vielleicht nicht einmal mehr Verstanden.

Der dritte Ulan hieb wieder mit einer Energieklinge nach ihm. Jack blockte den ersten Schlag. Und einen zweiten gab es nicht mehr.

Der letzte verbleibende Ulan schien kurz zu zögern, bevor er aus der Deckung Aufstand. Ein Schuss in den ungeschützten Kopf beendete auch sein leben.

,, So viel dazu, sie leben zu lassen.“ , bemerkte Abundius.

Cooper sah kurz nach Ava, wusste aber wohl selbst, dass es zwecklos war. ,, Ich hoffe wirklich, das ist es wert.“ , sagte er.

,, Das ist es, glauben sie mir.“

Aber für wen ? , dachte Jack, nachdem sich der rote Nebel, der sich in den letzten Minuten über seinen Geist gelegt hatte etwas zurückzog. Für die Ulanen war der Tod wohl eine Gnade. Zumindest versuchte er sich das selbst einzureden.

,, Alles in Ordnung mit ihnen ?“ Zumindest klang Falk wieder normal. Die Mentalblocker hatten bei ihm wohl nachgelassen.

Jack nickte nur.

,, Gehen wir, wir sind fast am Ziel.“ Abundius deutete auf die Tür am Ende des Raums. Diese bestand aus massivem Stahl und war mit einem Codeschloss gesichert.

,, Ohne Sprengstoff kommen wir da nicht durch.“ , stellte Cooper fest.

,, Sprengstoff ?“ , fragte Abundisu, beinahe gelangweilt un stellte seinen Koffer nebn sich auf den Boden. ,, Das ist nur eine Tastenfeld.“

Er besah sich das Feld eine Weile. ,, Schön, das die hier noch keinen Touchscreen angebracht haben.“ , meinte er nach einer Weile. ,, Sehen sie wie abgegriffen vier der Tasten sind ? Wenn der Code nicht mehrere Stellen hat, dann

können wir einfach ausprobieren bis wir…“

Er begann bereits die ersten Zahlen einzutippen, hörte aber bereits nach wenigen Augenblicken auf.

,, Was ?“

,, Mehrstellig. Schade, bei nur vier stellen wäre es einfacher.“

,, Und was jetzt ?“

,, Wie gesagt, es ist ein altes Schloss… hat jemand etwas, das man als Schraubenzieher verwenden kann ?“
Cooper reichte ihm eine Münze. Auf der Rückseite befand sich ein Justitia-Emblem und auf Vorderseite eine aufgeprägte eins.

Geld wurde im Elektoratsgebiet

eigentlich nur selten verwendet, wenn es auf der Erde auch häufiger anzutreffen war. Stattdessen verfügten vor allem die Kolonien über ein Wertbon-System, das sich nach der Arbeitsleistung richtete und auch auf der Erde immer mehr Anwendung fand.

,, Danke.“ Abundius nahm die Münze und drehte rasch die Schrauben aus der Halterung der Tastatur.

Dahinter befand sich lediglich eine Platine, die er ohne viel Vorsicht einfach rausriss. An der Platine selbst hingen einige Kabel, von denen er zwei  lose miteinander verdrahtete.

,, So, von der Seite sollte es jetzt aufgehen. Halten sie die Tür aber offen,

von innen möchte ich das nicht noch einmal machen müssen.“

Abundius öffnete die Tür und trat hindurch, während er Cooper bedeutete, an der Tür zu bleiben und sie offen zu halten. Im inneren befand sich eine Kammer, vielleicht halb so groß wie der Raum zuvor. Auf mehreren Monitoren konnte man Nachrichtenkanäle, Zeitungsportale oder Kameraaufzeichnungen sehen, aber alles in einer Geschwindigkeit, der Jack kaum folgen konnte

,, Ist es das ?“ , fragte er.

,, Das ist es. Ein Nachrichtenknoten.“ Abundius ging zu einem Schaltkasten herüber, der eine unübersichtliche

Anzahl von Anschlüssen und Verbindungen enthielt. ,, Jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, das das hier öffentlich wird.“ Er stellte den Koffer erneut beiseite, klappte ihn diesmal aber auf und nahm die Festplatte heraus.

,, Normalerweise nutzt das Elektorat diese Knoten um Informationen zu sichern und gegebenenfalls… auszufiltern, wenn sie verstehen… wir werden heute genau das Gegenteil tun.“

Abundius begann einige der Kabel an die Festplatte anzuschließen, die er mitgebracht hatte. ,, Wir werden diese Dokumente und Aufzeichnungen auf jeder Nachrichtenseite veröffentlichen.  Und noch mehr,  Jeder Fernseher, jeder

Computer, der am Netzt hängt, jeder E-Zeitungshändler, alle Poststellen… das können sie  nicht mehr  aufhalten Jack, nicht einmal das Elektorat kann diese Flut stoppen.“

Die Aufnahmen auf den Bildschirmen wurden ersetzt durch eine rasen schnelle Abfolge von Videoaufzeichnungen, Fotos, die zu schnell verschwanden, als das er mehr hätte erkennen können und weitere Dokumente. Jack sah einen Moment fasziniert zu, bis ihm schwindlig wurde

Abundius trat ein paar Schritte zurück, fast bis zur Tür.

,, Haben sie eine Ahnung, wie lange ich auf diesen Moment hingearbeitet habe ?“

Jack drehte sich zu Abundius um. Er wirkte nicht nur einfach  halb wahnsinnig. Vielleicht war das keine so gute Idee gewesen… und der Mann war viel zu nah an der Tür.

,, Aber das nütz uns nichts, wenn wir die Gelegenheit nicht ergreifen. Zum jetzigen Zeitpunkt, wir das nur ein einziges Chaos erzeugen.“ , gab Falk zu bedenken, der sich einen der Bildschirme ansah und wohl versuchte, zumindest etwas aufzuschnappen.

,, Chaos, ja.“ , erwiderte Abundius. ,, Das ist es was diese Leute brauchen. Sehen sie… ich kann einfach nur zusehen, wie sich das Elektorat selbst zerfetzt. Und dann… wenn sie am Ende

sind und sich nach Rettung sehnen… wenn die alte Ordnung unter ihren Füßen zerbricht.“

Jack drehte sich langsam zu Abundius um.

,, Sie sind Wahnsinnig.“ Es war nur ein Satz. Aber er schien dem Mann nicht zu gefallen. ,, Glauben sie das ruhig Mr. Walt. Aber am Ende, werden sie sehen, das ich Recht habe. Wenn sie so lange leben.“

,, Wie meinen sie das ?“ Cooper trat von Abundius zurück

,, Es tut mir leid, aber sie haben ihren Nutzen… lange erfüllt.“ Mit einer schwungvollen Bewegung trat Abundius aus der Tür und Schlug sie mit lauten

krachen zu

,, Nein verdammt…“ Jack  versuchte noch in die Tür zu springen, prallte aber lediglich davon ab.

,, Abundius!“

,, Ich fürchte, dieser Name hat für mich ausgedient Jack. Genau wie sie.“

,, Bekommt jemand die Tür auf ?“ , fragte Falk.

Cooper schüttelte den Kopf,, Keine Chance.“ , meinte er. Auf dieser Seite gab es kein Tastenfeld. Nichts dergleichen.

,, Bastard.“ Jack trat gegen die Tür, was aber nur dazu führte, dass er beinahe hinfiel. ,, Können wir das irgendwie abschalten ?“ Er deutete auf die zurück

gelassene Festplatte.

,, Wie ? Die Nachricht ist raus.“ , erklärte Cooper, der trotzdem die Kabel herauszog. ,, Ich bezweifle, dass irgendetwas das noch aufhalten kann. Zumindest damit hatte Abundius Recht.

,, Und ohne jemanden, der das ganze koordiniert, wird alles im Chaos enden.“ , stellte Jack fest.

,, Was glauben sie wird passieren ?“ ,

,, Mit uns ? Tja, wenn die Armee noch nicht auf dem Weg hierher ist, wird sie es sicher bald sein und dann…“ Falk zuckte mit den Schultern. ,, Dann wars das schätze ich.“

,,Und da draußen wird alles in einem unorganisierten Aufstand untergehen.

Das Elektorat wird sich zweifelslos wehren… und sich diesmal wohl nicht zurückhalten. Es sah vorher irgendwie besser aus…“ , meinte Cooper düster. ,, Warum zur Hölle macht er das ?“

,, Im Augenblick ist mir das herzlich egal.“ , erklärte er und sah sich hektisch in dem Raum um.

Es gab keinen Ausweg… Aus purer Frust schlug er noch mal gegen die Tür.

Von draußen vor der Tür hörte er bereits entfernte Schritte, die die Treppe hinauf kamen. Vielleicht war Abundius wenigstens nicht rechtzeitig aus dem Gebäude gekommen. Es war eine schwache Hoffnung, aber wenigstens würde es ihm etwas Genugtuung

verschaffen.

,, Wenn wir hier noch mal Lebend rauskomme…“ Jack beendete den Satz nicht.

Con draußen waren jetzt Stimmen zu hören.

,, Langsam rauskommen, wir wissen das sie da sind.“

,, Hat noch jemand Munition ?“ , fragte Jack.

Falck nickte. ,, Aber nicht viel. Vielleicht zwei Kugeln pro Waffe.“

,, Gut… rauskämpfen scheint mir ohnehin keine Option.“

,, Was tun wir also ?“

,, Keine Ahnung“ , gab er zu. ,, Uns ergeben vermute ich. So… blieben wir

am Leben. Das heißt… falls sie das alle wollen?“

,, Ich bin kein Feigling.“ , erwiderte Cooper.

,, Noch einmal, rauskommen.“

,, Sie sind lustig.“ , rief Jack zurück. ,, Es ist ihnen vielleicht entgangen, aber die Tür bekommt man so einfach nicht auf.“

,, Reingehen.“ , lautete der Befehl der Leute vor der Tür. Von außen ließ sich die Tür offenbar nach wie vor Problemlos öffnen. Jemand stieß sie auf und das nächste was Jacks sah, war eine Granate die in der Luft detonierte und die Welt in einem grellen Lichtblitz tauchte. Er fand sich auf dem Boden

wieder, unfähig zu hören oder mehr als ein paar verschwommene Schatten zu sehen. Jemand riss ihn auf die Füße und stieß ihn vorwärts.

Er überlegte kurz, ob der Tag eine noch schlimmere Wendung hätte nehmen können. Eher unwahrscheinlich. Und er war noch nicht zu Ende.

Niemand sprach mit ihm und er selbst versuchte auch ruhig zu bleiben. Trotzdem ballten sich seine Hände wütend zu Fäusten. Jack wurde wieder vorwärts gestoßen. Vermutlich in ein Fahrzeug, denn kurz darauf spürte er, wie es sich in Bewegung setzte.

 

 

 

Kapitel 10 Bruch

Langsam begann Jack seine Umgebung wieder wahrzunehmen. Er saß auf der Rückbank eines gepanzerten Armee-Transporters, mit dem Kopf auf einer metallenen Armlehne. Als man ihn in den Wagen stieß, musste er mit dem Kopf daran aufgeprallt sein. Ihm gegenüber saßen Cooper und Falk, jeweils flankiert von zwei bewaffneten Elektorats-Soldaten. Neben ihm wiederum befanden sich , ebenfalls jeweils einen Soldaten mit Gewehr im Anschlag neben sich, John und Jeffrey Lighten. Jeffrey hielt sich immer noch

die Seite, wo ihn der Attentäter auf der Konferenz angeschossen hatte. Warum war der Mann überhaupt mitgekommen? Jack wusste es nicht, aber vermutlich hatte Abundius sie einfach alle auf einmal loswerden wollen. Keiner sagte etwas. Wozu auch ? Sie wussten alle, dass hier das Ende war. Eine Flucht schien unmöglich… Blieb nur noch die Frage, wohin die Reise ging. Soweit Jack das durch die getönten Fenster erkennen konnte, fuhren sie durch einen der Randbereiche der Stadt. Hier gab es ab und zu Lücken zwischen den Gebäuden, Ruinen, in denen niemand wohnte und dunkle Gassen, in denen sich weitere schwer bewaffnete

Soldatentrupps auf Patrouille befanden. Trotzdem, hier draußen gab es vielleicht eine große Präsenz an Elektorats-Militär, aber nichts, wo man Gefangene sicher unterbringen könnte. Neben dem Transporter fuhren noch mehrere Wagen, besetzt mit Ulanen und gewöhnlichen Soldaten, her. Und wer weiß, was sich noch hinter ihnen befand, wo er nichts sehen konnte. Offenbar ging man kein Risiko ein. Es gab zwei Möglichkeiten, was ihre Anwesenheit hier bedeuten könnte. Und er wusste nicht, welche ihn mehr beunruhigte. Die erste war, das das Fahrzeug irgendwo außerhalb der Stadt anhalten

würde, sie würden aussteigen und das wäre dann das Ende der Reise. Fünf namenlose Leichen, entweder mit Kopfschüssen, oder durch Gewehrsalven zerfetzt. Die andere Möglichkeit jedoch, war die beunruhigendere- Von irgendwo her kamen Rufe und laute Stimmen. Sie wurden langsamer. ,, Was ist da vorne los ?“ , reif einer ihrer Bewacher. ,, Keine Ahnung.“ , kam die Antwort zurück. Sie kamen endgültig zum stehen und Jack versuchte so viel wie möglich aus den kleinen Fenstern zu erkennen. Offenbar zeigte Abundius , und ihre ,Aktion bereits Wirkung.

Auf der Kreuzung vor ihnen hatten sich Schätzungsweise zweihundert oder mehr aufgebrachte Menschen versammelt. Jack wusste es nicht mit Sicherheit, aber vermutlich würden es in der Innenstadt wohl noch viel mehr sein und die Information, die sie freigesetzt hatten, wie ein Lauffeuer verbreiten. Unter anderen Umständen hätte Jack nun wieder Hoffnung geschöpft, aber… hier standen Dutzende Ausgebildeter Soldaten einigen hundert unbewaffneten Demonstranten gegenüber. Und er fürchtete zu wissen, wie das Enden würde. ,, Geht alle wieder nach Hause.“ Einer

der den Konvoi begleitenden Soldaten war auf das Dach des Transporters geklettert. Eine Frau löste sich aus der Menge. ,, Wir gehen nirgendwo hin bevor…“ Der Soldat gab keinen Warnschuss ab. Die Kugel durchschlug ihren Brustkorb und traf einen Mann der hinter ihr Stand in die Schulter. Beide gingen zu Boden, ein paar Leute lösten sich aus der Menge, kamen aber keine zwei Schritte weit, bevor sie ebenfalls niedergeschossen wurden. Aber noch immer wichen nicht alle zurück. ,, Schön, schickt die Zerstörerdrohnen.“ Ein metallisches Kreischen erfüllte einen Moment die Luft, als sich auf einen der

Wagen , der neben dem Transporter mit Jack und den anderen stand, ein gut drei Meter hohes Konstrukt aufrichtete. Stelzenartige Beine , ein runder, mit einer einzigen suchenden Kamera versehener Körper… und Maschinengewehrläufe an den Seiten. Mit einem Satz war der stählerne Koloss auch schon in der Menge. Zwei Männer wurden beim Aufprall einfach zerquetscht. Kurz herrschte Ruhe, als die Menge langsam vor der gewaltigen Maschine zurückwich, jemand warf einen Stein danach, der jedoch harmlos an der dunkelgrauen Panzerung abprallte. Im nächsten Moment erschütterten

Schreie und das stetige Rattern von Maschinengewehrfeuer die Stille. Spätestens jetzt brach der Menschenauflauf auseinander. Trotzdem machte sich niemand die Mühe, den Zerstörer zurückzurufen. Jack schloss lediglich die Augen, als die letzten Schreie verstummten und sich der Konvoi wieder in Bewegung setzte. Die Ohren konnte er sich mit den Handschellen nicht zuhalten, sonst hätte er es getan... Es waren gut zweihundert Leute hier gewesen… wer wusste, wie viele den morgigen Tag nicht mehr erleben würden. Und während sie ihren Weg zu einem unbekannten Ziel fortsetzten trug

der Wind weitere Schreie und das Heulen von Sirenen aus der Stadt heran. Zusammen mit dem Geruch von Rauch. Die Menschen hatten keine Chance. Sie würden sich dem Elektorat beugen… oder sterben. Ohne jemanden, der sie organisierte, konnten sie noch so mutig sein, sie würden nicht gegen das Militär gewinnen. Mut, konnte nicht alles ersetzen. Und die Männer, die sie hätten führen können, die sie hätten leiten können, saßen jetzt mit ihm zusammen hier... und warteten auf ihr Schicksal. Eine Gefühlte Ewigkeit später ,hielten sie schließlich erneut an. Die Stadt hatten sie mittlerweile tatsächlich hinter sich

gelassen. Nur die bis in die grauen Wolken aufragenden Bauten und eine Kuppel aus Licht , die sich fast über den ganzen Horizont erstreckte blieben davon sichtbar. Und mehrere große Rauchwolken, die nun über den leuchtenden Umrissen der Hochhäuser hingen. Erneut wurde Jack von jemanden gepackt und grob nach draußen gestoßen. Er schlug auf dem Boden auf und als er aufstand dröhnte ihm ein seltsam hohes Rauschen in den Ohren. Er hatte eigentlich nicht damit gerechnet wieder Lebend auf die Füße zu kommen. Offenbar sollte die Reise hier doch noch nicht Zu Ende

sein. Staub wirbelte Jack ins Gesicht, als er endlich wieder auf zwei Beinen stand und hinter ihm grade Falk und die anderen Ausstiegen. Ebenfalls eher unsanft. Ihre Bewacher versetzten dem alten Kommissar einen Stoß, der ihn zum Stolpern brachte. Dann konnte Jack endlich das Geräusch endlich zuordnen. Turbinen, wie ihm plötzlich klar wurde, als ihn auch schon jemand unsanft erneut vorwärts stieß. Ein Landungsschiff tauchte aus dem Wolkenverhangenen Himmel auf und setzte senkrecht, direkt vor ihnen auf. ,, Rein da, wenn sich einer der fünf auch nur merkwürdig verhält, erschieß0t

sie alle.“ , wies jemand die umstehenden Soldaten ein. Jack zögerte kurz, stieg dann aber einfach ein, bevor ihn wieder jemand schubsen konnte. Das Gefährt schwebte einen halben Meter über dem Boden. Das offizielle Siegel des Elektorats befand sich eingeprägt über der Schiebetür. Ein Muster aus verschlungenen roten Linien um eine kreisförmige Mitte. Ein Symbol, das heute kaum noch Verwendung fand. Jemand hielt ihm eine Waffe vor die Brust. ,, Hinsetzen und nicht mehr rühren.“ Jack hätte gerne etwas erwidert, hielt sich aber zurück. Das würde nichts ändern, außer dass eine der ohnehin

schon übernervösen Wachen sie doch erschoss. Die Türen des Landungsschiffs wurden geschlossen und es hob mit erstaunlicher Geschwindigkeit vom Boden ab. Soweit er das von seinem Platz aus durch die kleinen Sichtfenster erkennen konnte, hatten sie die Stadt bereits weit unter sich zurück gelassen. Nur ein sich in die Unendlichkeit erstreckendes Lichterband blieb noch davon zurück. Also doch Möglichkeit Nummer zwei, stellte er mit einem leichten Schaudern fest. Ein paar Minuten später ließ das Schiff die Atmosphäre hinter sich und wurde langsamer. Stattdessen blieb nun nur ein schwarzer Himmel mit

vereinzelten Sternen… und einer großen , hoch über dem brennenden Planeten schwebenden, Struktur, auf die sie zuhielten. Die Gefängnisse für die als am bedrohlichsten Eingestuften Gefangenen des Elektorats lagen nicht auf der Planetenoberfläche. Offiziell, weil die dort eingesperrten Personen viel zu gefährlich waren um ihnen auch nur die Chance eines Ausbruchs zu geben. Im Weltall konnten sie nirgendwo hin. Inoffiziell war aber klar, das dieser Ort hier einfach ideal für politische Gefangene war. Nicht für gefährliche Menschen, aber für jene, die sich gegen

die Elektorats-Doktrin stellten und dies zu offen zeigten. Keine Besuche, keine Entlassungen und soweit Jack das wusste nur sehr selten ein Prozess. Offiziell gab es auf der Station vor ihnen vielleicht zwanzig Gefangene, die wirklich verurteilt waren… aber er wollte nicht darüber nachdenken, wie viele wohl wirklich dort waren, ohne das es überhaupt jemand wusste. Genau wie sie… Er bezweifelte , dass man sie nur hierher brachte um sie später vor irgendein Gericht zu stellen. Nein, das dort wäre der letzte Ort, den sie je sehen würden, wenn es nach dem Willen des Elektorats ging. Die Minister würde entweder verkünden

lassen, sie seien geflohen… oder tot. Wenn sie sich überhaupt die Mühe machten, den Vorfall bekannt zu geben. Momentan würden die zwölf Herrscher sicher andere Probleme haben. Wie beispielsweise eine ganze Stadt wieder unter Kontrolle zu bringen. Jack wusste, dass es vorbei war. Jetzt stellte sich nur noch die Frage, wie weit der Weg noch sein würde, der vor ihnen lag. Ein Faustschlag traf ihm ins Gesicht, aber er bemerkte es kaum noch. In den letzten zwei Stunden hatte er sich beinahe an die ständigen Schmerzen gewöhnt. Eine Hand hielt ihm einen einfachen

Tablett-Computer mit Stift hin. ,, Ich bitte sie noch einmal… Unterschreiben sie ihr Geständnis und alles ist vorbei.“ ,, Sie könnten mir erst einmal mitteilen, was genau man mir den Vorwürft, bevor ich es zugebe.“ Es war dasselbe Spiel, das sie nun schon eine Gefühle Ewigkeit spielten. Drohungen, Schläge, Hiebe, dann eine geforderte Unterschrift. Und er gab immer die gleiche Antwort. Jack konnte nur hoffen, dass die anderen nicht das gleiche durchmachten. Er befand sich in der Mitte eines kreisrunden Raums. An der Wand hinter ihm befand sich die Inschrift ,,Integritati et merito“ - Der

Rechtschaffenheit und dem Verdienst. Man hatte ihm lediglich Handschellen angelegt, aber das reichte auch. Wohin sollte er immerhin fliehen? Die Türen wurden allesamt von jeweils zwei Sicherheitsmännern mit Sturmgewehren bewacht. Selbst wenn er entkam, irgendwie, die Anlage war riesig und er würde die anderen niemals rechtzeitig genug finden um fliehen zu können. ,, Mord, Verrat, Verbrechen gegen den Staat, Bestechung…“ ,, Auch irgendetwas, das ich angeblich nicht getan habe ?“ Er wappnete sich für einen weiteren Schlag, dieser blieb allerdings aus. ,, Genug.“ Eine weitere Gestalt berat den

Raum durch die ihm gegenüberliegende Tür. Die unter einer Schirmmütze halb verborgenen grauen Augen musterten ihn langsam, als der Neuankömmling langsam auf ihn zutrat. Eine blauschwarze Elektorats-Uniform und ein goldbestickter Schulterumhang verrieten Jack, dass er es wohl mit irgendeinem hochrangigen Militär zu tun hatte. Ein paar Strähnen Schwarzer, irgendwie zu dunkel wirkende, Haare fanden ihren Weg unter einer Offiziers-Mütze heraus, Der Mann, der eben noch die Hand zu einem Schlag gehoben hatte ließ sie jetzt sinken und erwiderte stattdessen nervös. ,, Ordnung und Licht. Admiral, Sir…

Was tun sie hier?“ Admiral Ivars Vämskä trat endlich ins Licht. Jack erkannte das Gesicht aus den Berichten von Liurie wieder. ,, Ordnung und Licht.“ , gab er zurück. ,, Sie können gehen.“ ,, Sir ?“ ,, Sie können gehen.“ Der Mann nickte nur kurz und verschwand. Die Wachen jedoch blieben. ,, Sie haben also das ganze Chaos verursacht.“ ,, Das kommt darauf an wie sie Chaos definieren.“ ,, Nun“ , er drehte ihm einen Moment den Rücken zu und schein nachzudenken. ,, Ich würde ihnen ja

beinahe dazu gratulieren. Beinahe. Es ist eine Sache, sich eine Waffe zu schnappen und ziellos auf Leute zu schießen, die man nicht mag. Es ist eine andere, ein gesichertes Gebäude zu stürmen, ein Sicherheitsschloss zu knacken und verdammt nochmal jeden Informations-Port auf dem Planeten mit Geheiminformationen zu fluten, die sie gar nicht haben sollten. Also… fangen wir doch mal damit an, woher sie und ihre kleine Truppe diese Daten hatten.“ Jack zögerte kurz… aber was konnte es Schaden? Ihre Situation konnte sich momentan nur verbessern. ,, Von einem Mann Namens Abundius.“ Der Admiral zog überrascht eine

Augenbraue hoch. ,, Interessant… wir dachten er sei auf Liurie ebenfalls gestorben.“ , murmelte er, aber Jack konnte ihn trotzdem verstehen. ,, Sie sind ein Ulan, wenn ich ihre Akten richtig gelesen habe, damit unterstehen sie zumindest theoretisch mir.“ Jack musste sich kurz zusammenreißen, nicht einfach aufzuspringen und auf den Mann einzuprügeln. Das würd nichts bringen, sagte er sich selbst. Aber ich würde mich besser fühlen, dachte er zeitgleich. ,, Vor einigen Monaten haben sie ebenfalls eine ziemlich interessante Anfrage an die Verwaltung gestellt… auf meinen Namen. Dreist Walt, sehr dreist.

Aber zeitgleich wieder fast bewundernswert. Also… sagen sie mir alles was sie wissen… und vielleicht werden sie nicht gleich Morgen hingerichtet.“ ,, Ich weiß nichts.“, erklärte er. Und das entsprach auch vollkommen der Wahrheit. Es war immer Abundius gewesen, der die Pläne gestellt hatte, der die Operation geleitet hatte… Der Mann hatte immer alle Fäden in der Hand gehabt. Er konnte überhaupt nichts verraten. Und wenn er behauptete, das der Mann, der sie verraten hatte ihr Auftraggeber war... wer würde ihm glauben ? ,, Wir hatten einen Unterschlupf in einem

der Industrieviertel, das wars aber auch.“ Vämskä wendete sich zum Gehen. ,, Bringt ihn zurück in eine Zelle. Vielleicht kann mir einer der anderen etwas sagen, dass ich hören will.“ ,, Warten sie.“ , rief Jack ihm nach und versuchte hinterher zu springen. Alles was ihm das jedoch einbrachte war ein harter Schlag ins Gesicht von der Torwache. ,, Schafft ihn weg. Sofern nicht anders Angeordnet kann er morgen um fünf zusammen mit den anderen Exekutiert werden. Geständnis oder nicht.“

Kapitel 11 Der Auftrag




Jack saß auf einer einfachen Bank in seiner Zelle. Ein genau zehn Schritte langer Raum. Bei der Zahl war er sich absolut sicher. Er hatte die letzte Stunde damit zugebracht die Strecke zwischen der Gittertür und der Metallwand, die die Begrenzung bildeten hin und her zu laufen. Es gab keinen Ausweg… keinen, nicht mal einen, über den es sich lohnte Nachzudenken. Draußen hörte er lediglich ab und zu die

ferne Schreie oder Rufe weiterer Gefangener und das ewige auf und ab des Wärters. Nach dem Mann konnte er die Uhr stellen. Alle fünf Minuten kam er vorbei, verschwand den Gang vor der Zelle hinab und kam pünktlich fünf Minuten später wieder zurück. Hin und her, stundenlang im immer gleichen Takt. Ab und an unterbrochen von einem Schlag gegen die Gitterstäbe. Wenn sie ihn so am schlafen hindern wollten, verschwendeten sie ihre Zeit. Jack war ganz sicher nicht nach schlafen zumute, auch wenn eine unangenehme Trägheit von ihm besitz ergriffen hatte. Sie hatten gekämpft, auf den Falschen gesetzt, und verloren… und jetzt würden

sie ihren Preis dafür zahlen. Und dabei waren sie so dicht davor gewesen. Wäre es ihnen möglich gewesen, den Aufstand zu organisieren, hätte selbst das Elektoratsmilitär keine Chance gehabt. So aber gingen die Proteste und vereinzelten bewaffneten Wiederstandsgruppen im Gewehrfeuer der Elektorats-Soldaten zugrunde. Alles was sie erreicht hatten war eine ungeschätzte Zahl von Toten. Zersplitterte Familien. Und mit Sicherheit neue, strengere Gesetze. Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, nichts zu tun. Oder zählte allein schon der Versuch? Es spielte wohl keine Rolle. In den offiziellen

Geschichten des Elektorats, wenn sie überhaupt Erwähnung fanden, würden sie allerhöchstens als anarchistische Vereinigung enden. Falk würde vermutlich nicht darin vorkommen. Ein abtrünniger Kommissar war etwas, das es zumindest Offiziell nicht gab. Jack hatte sich schon beinahe mit seinem Schicksal abgefunden. Es war nicht sein Fehler gewesen… und auch keiner der anderen. Es war der alleinige Verrat von Abundius, der von Anfang an geplant haben musste sie loszuwerden, sobald er sein Ziel erreicht hatte. Was brachte dem Mann das Chaos? Jack wusste es nicht. Vielleicht wollte er dem Elektorat wirklich Schaden… aber dann

hätte er weiter mit ihnen arbeiten müssen. So… blieb nur ein riesiger Trümmerberg zurück. Er sah auf, als er auf den Gang Schritte hörte, die definitiv nicht dem ewigen Takt des Wärters entsprachen. Irgendwo klirrte ein Schloss, die Zwischentüren der Zellenblöcke waren mit Schlüsseln und nicht mit elektronischen Schlössern gesichert, so dass sich niemand einhaken konnte. Jack ließen die Schritte kalt, auch wenn es ihn etwas wunderte. Wenn er die Zeit nicht gänzlich aus den Augen verloren hatte, war es noch weit vor fünf Uhr morgens. Vielleicht hatte Vämskä ihre Verabredung mit der Kugel vorverlegt.

Zutrauen würde er es dem Mann. Wenige Augenblicke später erschien eine Gestalt vor der Zellentür, die definitiv nicht der Admiral war. Ein Hochgewachsener Mann mit grauen Haaren, der nicht aussah, als wäre er oft hier. Der teuer wirkende Anzug passte nicht zu der Gefängnisumgebung. Dazu trug er einen deutlich sichtbaren Verband um die linke Schulter. Das gab es doch nicht… Jack stand langsam auf. ,, Tür öffnen.“ , wies der Mann den Wärter an, der ihm einen unsicheren Blick zuwarf. ,, Machen sie schon, oder sie enden selbst da drin, verstehen wir uns

?“ ,, Ja… n.. natürlich, Herr Minister.“ Im nächsten Moment sprang die Tür auf und der Wärter trat auf ein Handzeichen des Justizministers ein Stück zurück. Justizminister Arthur Jones stand einen Moment schweigend vor der Tür. Entweder, dachte Jack, überlegt er grade wirklich lange, was er sagen soll, oder… ,, Wollen sie da noch lange herumstehen… Mr Walt ? Jack Walt, das ist doch ihr Name ja? Jack musste sich ein paar Mal räuspern, bis er seien Stimme wiederfand. ,, Das Stimmt.“ ,, Nun, dann sollten wir uns unterhalten, kommen

sie.“ Jack zögerte. ,, Oder wenn ihnen das lieber ist, dann schließe ich diese Tür wieder und wir sehen uns morgen um fünf wieder. Dann aber, werden wir uns nicht unterhalten.“ Bevor er noch darüber nachdachte trat Jack bereits aus der Zelle heraus. Was immer hier vorging, für den Moment konnte sich seine Lage kaum sehr verschlimmern. Der Minister drehte sich ohne ein Wort um und bedeutete ihm, ihm zu folgen. ,, Sie sollen den Minister nicht warten lassen. Müssen ja mächtig Eindruck gemacht haben, wenn der sich persönlich hier heraufbegibt.“ In der Stimme des

Wärters schwang Herablassung mit… aber auch Angst. Jack folgte dem Minister durch mehrere offen stehende Schleusen. Seltsamerweise sah er nirgendwo Wachen. ,, Wo sind alle ?“ , fragte er, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. ,, Vorläufig beurlaubt. Von mir.“ , erwiderte Jones. ,, Wir sprechen bitte erst, wenn wir da sind.“ ,, Da ?“ Er erhielt keine Antwort, sondern lief dem Minister nur weiter hinterher. Wie einfach es für ihn wäre, dem Mann einfach niederzuschlagen. Und keine Wachen… Jones blieb vor einer kleinen

Metallschleuse stehen, während er einige Zahlen in ein Codeschloss eingab und seien Handfläche scannen ließ. ,, Ich weiß was sie grade denken Walt.“ , sagte er, als die Tür aufsprang. ,, Glauben sie mir, sie kämen keine zehn Meter weit. Und ihre Freunde… würden sterben.“ Er trat durch die Tür die in einen großen Raum führte, in dem sich nichts befand, außer endlosen Reihen festgeschweißter Sitzbänke aus Stahl. Vermutlich handelte es sich um die Cafeteria für die Wärter, den die Insassen kamen hier so gut wie nie aus den Zellen. Jones setzte sich ohne auf Jack zu achten auf eine der Bänke und wartete

bis er ebenfalls Platz genommen hatte. ,, Wissen sie,“ , meinte der Minister, nachdem er eine Weile ins leer gestarrt hatte. ,, Das Elektorat war nicht immer so. Hätten sie das Glück gehabt vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren zu leben… einst hatten wir Stärke… und Mitgefühl. Wir hatten unseren Grundsatz. Recht über alle und Gerechtigkeit für alle, für eine Welt in der wahrhaft Ordnung und Licht herrschen sollten. Ich glaube, das alles starb vor mindestens zehn Jahren. Und die Gerechtigkeit wurde mit Selbstgerechtigkeit verwechselt. Und jetzt… sind wir nicht besser, als die tauende von Regimes und Zerfallenden

Kulturen vor uns. Irgendwie... ist das traurig. Aber verständlich.“ Jack wusste nicht genau, was er erwidern sollte, oder ob es überhaupt klug wäre, den Minister zu unterbrechen. In der Stimme des Mannes schwangen Müdigkeit und eine versteckte Trauer mit. ,, Ich hatte gedacht das sei nur eine Phase, etwas, das wir hinter uns lassen können um wieder zu altem Glanz zurückzufinden. Ich hätte nicht falscher liegen können.“ Jack ließ den Mann reden. Aber noch immer Verstand er nicht, wieso er hier war. Trotzdem.. die Worte des Mannes überraschten ihn. Einen Minister so

sprechen zu hören war… ungewöhnlich. Aber hatte er nicht auf der Pressekonferenz noch genau das Gedacht? Dass der Mann das Lügen leid war? ,, Ihre Aktion da unten.. hat für einigen Wirbel gesorgt, aber ich fürchte, es war zwecklos. Die übrigen Minister werden in jedem Fall dafür stimmen, die Ordnung notfalls mit Gewalt wiederherzustellen. Und jetzt ist Hasan tot…“ ,, Verzeihung wer ?“ ,, Minister Okafor, Hasan Okafor. Vom Nachrichtendienst des Elektorats.“ ,, Sie meinen er ist bei den Protesten ums Leben gekommen

?“ ,, Nein… und das ist… einer der Gründe warum ich hier bin. Wie sie habe ich wohl einst die Tochter der Zeit gesucht… aber nicht gefunden. Oder einfach übersehen, was wahrscheinlicher ist.“ ,, Was ist passiert ?“ ,, Was passiert ist ? Hasan hat versucht mich zu warnen, hat versucht mir Hinweise zu geben, aber ich habe ihn ignoriert. Sein Nachrichtendienst wurde immer bedeutungsloser im Vergleich zum Justizministerium. Aber er war mit mir der letzte der alten Garde im Ministerrat. Jetzt bin nur noch ich übrig. Und Okafors Paranoia war wohl doch nicht

so unbegründet.“ ,, Sie glauben… die übrigen Minister haben ihn getötet und versuchen jetzt sie auszuschalten ?“ ,, Womit das letzte Stück des alten Elektorats ebenfalls sterben würde, fürchte ich ja. Und sie versuchen es nicht nur, sie haben es bereits mehr oder weniger getan.“ ,, Die Pressekonferenz.“ Offenbar war der Ministerrat keine so gesicherte Instanz wie Jack gedacht hatte. Und ein solcher Einblick in die innere Politik dieses Zirkels der Macht… war bestenfalls beunruhigend. ,, Genau die. Wir, die Minister, wurden mit der Zeit immer mehr zu Göttern…

etwas das nie hätte geschehen dürfen. Andere fanden mehr Gefallen an dieser Verehrung als andere, aber nun scheint es, als könnten auch Götter fallen.“ Jack nickte langsam, war sich aber nicht sicher, ob er Jones wirklich Verstand. Das alles klang eher wie etwas, das er von Falk, Cooper oder noch eher Abundius hören würde. ,, Was wollen sie von mir ?“ , fragte er schließlich. ,, Sie sind nicht nur hier, um mit mir zu reden.“ ,, Nein. Aber ich habe ,wie vermutlich jeder Mensch auf diesem Planeten und in den Kolonien, ihre veröffentlichten Dokumente gesehen.“ ,, Und…“ , er zuckte mit den Schultern

,, Für sie dürfte dort nichts neues dabei gewesen ein schätze ich. „ ,, Bedauerlicherweise doch. Ich habe die Raketen für Liurie genehmigt. Zusammen mit den restlichen Ministern. Aber wenn sie diese Kolonien mit einem Auflösungsbefehl zerstören wollte, haben sie mich bei der Entscheidung übergangen. Ich rechne nicht damit, diesen Monat zu überleben.“ Langsam zog der Justizminister mehrere Gegenstände aus seiner Tasche und legte sie vor ihn auf den Tisch. Einen Stapel Dokumente, eine silberne Anstecknadel mit einem Justitia-Emblem, ähnlich dem, das er bei Falk gesehen hatte. Und eine Pistole mit versilbertem

Griff, auf dem ebenfalls eine Justitia-Darstellung eingraviert war. Auf der linken Seite mit einer Waage in der Hand, auf der anderen mit einem Schwert. ,, Bevor ich ihnen mein Angebot unterbreite, möchte ich, das sie folgendes Verstehen.“ , fuhr Jones fort. ,, Sollten sie zusagen, kann ich die Hinrichtung ihrer Leute zumindest verzögern… und bringen sie mir was ich suche… werde ich alles tun, um sie auch zu befreien und wenn ich dann noch lebe…“ Er beendete den Satz erst nicht, sprach dann aber doch weiter. ,, Dann werde ich alles tun um diese Farce endlich zu beenden. Und wenn es mich das Leben kostet, das muss enden.

“ ,, Warum ich ? Egal, was sie mir anbieten wollen… warum ich? Sie haben Hunderte von Mitarbeitern, Kommissare, Polizei. Tausende, zählt man das ganze Ministerium mit.“ ,, Wie ich deutlich gemacht haben sollte, ist meine Position im Moment alles andere als sicher. Sie sind der einzige, der in Frage kommt, als Rebell kann ich darauf vertrauen, dass sie kein Spion sind. Und meine nächsten Worte an sie… nicht dem Ministerrat überbringen.“ Jack lehnte sich mit einem seufzen zurück. Eigentlich war es beinahe schon egal, was der Mann Vorschlagen würde… er würde es tun, wenn er

dadurch sich und die anderen Rettete. Und Jones war sicher kein Elektorats-Freund. Was allerdings nicht viel hieß, wie er ja hatte herausfinden müssen. ,, Was wollen sie also, das ich tue ?“ ,, Ich will, das sie mir die Wahrheit bringen Mr. Walt. Und es gibt nur einen einzigen Menschen, dessen Wort ich in dieser Hinsicht trauen kann.“ ,, Von wem reden sie ?“ Der Minsiter sah auf. ,, Aaren Terrel.“ Jack überlegte. Wo hatte er den Namen bloß schon einmal gehört? Bis es ihm wieder einfiel. Vor zwei Monaten von Falk. ,, Ich habe gehört er sei Tod.“ ,, ich habe Grund, das Gegenteil zu

glauben. Sollte er tatsächlich tot sein… finden sie heraus, wie er starb. Dann gilt unsere Abmachung zumindest in Bezug auf ihre Freunde immer noch als erfüllt. Ich schicke sie nicht auf eine Sinnlose Mission.“ Der Minister schob ihm die Dokumente und die Anstecknadel zu. ,, Des Weiteren verleihe ich ihnen hiermit den Status eines Kommissars. Damit kommen sie überall durch. Ihre Daten sind schon in der Datenbank des Ministeriums. Bis das jemand auffällt können gerne mal ein paar Jahre vergehen. Außerdem habe ich hier ein Dossier mit allem, was sie über Aaren wissen müssen.“ Der Minister hielt ihm nun die Pistole

hin. ,,Und meine persönliche Waffe. Ich kann ja schlecht eine in der kurzen Zeit für sie anfertigen lassen. Ein Energieschwert finden sie außerdem im Inneren des Wartenden Transportschiffes, falls das mehr ihren Geschmack trifft wie mir zu Ohren gekommen ist.“ ,, Wartender Transporter ?“ , fragte Jack. ,, Sie brechen sofort auf. Es ist nicht gut, wen sie hier ewig rumlaufen. Wir haben ohnehin schon zu viel Aufmerksamkeit erregt. Ich kümmere mich später um den Wärter…“ ,, Warten sie… warten sie… was ist

wenn…“ ,, Gehen sie einfach Mr. Walt. Finden sie die Wahrheit und dann… können wir hoffentlich noch weiter reden.“ , wies ihn der Mann an. ,, Der Transporter steht an der Schleuse bereit.“ Jones deutete die quer durch den Raum zu einer einzelnen Tür, die wohl eigentlich für Notevakuierungen er Orbitalstation gedacht war. Jack nahm die Nadel, die Waffe und die Dokumente an sich. ,, Danke. Ich weiß nicht genau warum sie das tun, oder ob ich ihnen trauen kann, aber…“ ,, Verschwinden sie endlich.“ , reif ihm der Minister nur zu. Jack verschwand durch die Schleuse, ohne sich noch

einmal umzudrehen. Am Ende erwartete ihn tatsächlich ein Transportschiff. Es war ein kleines Schiff, mit zwei Sitzen und grade genug Platz für etwas Fracht, die in diesem Fall natürlich nicht vorhanden war. Jack ließ den Blick einen Moment über die Navigationsinstrumente schweife. Autopilot Richtung Liurie. Na zumindest das war schon mal kein Problem. Er aktivierte den Autopilot und lehnte sich zurück, während sich das Schiff von der Station löste und ins All driftete. Um einen ÜLG-Sprung möglich zu machen mussten sie etwas von der Gefängnisstation weg und so begann er, das Dossier zu

studieren.

Kapitel 12 Aaren

Jack begann langsam die Seiten des Berichts durchzublättern. Es enthielt lediglich drei Blätter. Eine große Fotografie, eines Mannes mit kurzgeschnittenen schwarzen Haaren und dunklen Augen Ende zwanzig oder Anfang dreißig. Die anderen zwei Blätter enthielten einen kurzen Lebenslauf, ein psychologisches Profil und handschriftliche Anmerkungen, die der Justizminister wohl selbst hinzugefügt hatte. Langsam begann er zu

lesen. Aaren Terrel Geboren auf der Erde , 19.08. 2894/ 19.08.121 Neue Zeitrechnung ausgehend vom Ende des Bürgerkriegs Unauffällige Kindheit. Keine bekannten lebenden Verwandten oder Kinder Einundzwanzig, Heirat mit Sophie Morosow Vierundzwanzig , Eintritt in die Kommission Daneben fand sich eine handschriftliche Notiz von Jonso zum Punkt : Tod von Sophie Morsow/Terrel. Ich fürchte das hat ihn damals ziemlich mitgenommen

und erst dazu gebracht überhaupt Kommissar zu werden. Ohne mich wäre er heute wohl wo anders. Natürlich, dachte Jack kurz, Niemand ging zur Kommission ohne guten Grund dazu. Unter der Anmerkung befand sich eine schier endlose Liste mit Einsätzen und Namen, die ihm nicht besonders viel sagten, bis auf den letzten natürlich. Neunundzwanzig, Einsatz auf Liurie, Untersuchung des Verschwindens von Thomas Ackland. Jack legte das erste Blatt mit dem

Lebenslauf bei Seite. Eigentlich ging ihm das Leben dieses Mannes nichts an… Aber in diesem Fall hatte er wohl keine große Wahl. Deshalb begann er nun den psychologischen Bericht durchzugehen, während das Transportschiff sich immer noch langsam von Orbital-Gefängnis entfernte. Er wusste nach wie vor nicht, ob er dem Justizminister wirklich trauen konnte, aber eine großartige Wahl hatte er nicht. Er begann langsam die verschiedenen psychologischen Anmerkungen durchzugehen. Verlust seiner Frau, Sophie,

mutmaßliches Trauma, da aber durch die Mentalblockern unterdrückt wurde. Seit fünf Jahren Kommissar In dieser Zeit ,Treu und loyal , klarer Elektoratsanhänger Klingt ja großartig, dachte Jack. Er hatte es also mit einem Fanatiker zu tun. Oder ? Langsam ließ er weiter. Psychologische Entwicklung, Liurie ( soweit bekannt) Berichte über seltsames Verhalten. Verschonen von Feinden Wieder fand sich eine handschriftliche

Anmerkung, die aber offensichtlich schon älter und nicht vom Minister war. Möglicherweise Mitleid ? Beunruhigend, nach Rückkehr genauere Beobachtung erforderlich. Vermutlicher Verrat und Sabotage der Militär-Operationen auf dem Planeten Es ist davon auszugehen, dass er die Mentalblocker-Dosen verringert oder ganz abgesetzt hat. Ist dies der Fall ist er aufgrund des unterdrückten Traumas vielleicht Instabil oder verwirrt. Darunter befand sich wieder eine handschriftliche Anmerkung, allerdings

war die Schrift erneut anders und gehörte wohl nicht dem Minister, stammte aber klar von jemanden, der wusste, worum es hier ging : Es ist davon auszugehen, dass das gesuchte Subjekt gefährlich und durchaus bereit ist, sie zu töten. Und durchaus in der Lage dazu. Bevor nähere Informationen vorliegen würde ich auf jegliche Kontaktversuche verzichten. Also ein ehemaliger Fanatiker, der jetzt offenbar ein Psychopath geworden ist. Jack klappte den Bericht zu. Andererseits war ein Großteil dieses

Dossiers vom Elektorat erstellt wurden und mit dem Hinweis auf Verrat… mussten sie einen abtrünnigen Kommissar vermutlich als Wahnsinnig einstufen. Er legte den Bericht langsam zur Seite und besah sich dafür die Anstecknadel, die der Minister ihm gegeben hatte. Am liebsten würde er sie wegschmeißen aber gleichzeitig war es wohl der einzige Schutz, den er ab jetzt haben würde. Er steckte sie Vorsichtig an seine inzwischen recht abgerissene Kleidung. Das würde die meisten wohl davon abhalten Fragen deswegen zu stellen. Und wie versprochen fand er auch das Energieschwert in einer kleinen Kiste.

Wie fast schon gewohnt schnallte er sich die Waffe über die Schulter. Ein Warnton heulte auf, sobald er den Gurt festzog und informierte ihn somit, dass der Autopilot die Sprungposition erreicht hatte. Jack zögerte einen Moment. ÜLG-Reisen waren alles andere als angenehm, auch wenn die Folgen meist harmlos blieben. Trotzdem freute er sich nicht grade darauf, als er den Autopilot erneut aktivierte und vor ihm die Welt in einem Wimpernschlag verzerrt und gebeugt erschien. Im nächsten Moment war dort wo das kleine Shuttle gewesen war nur noch

leere. Aaren Terrel schlug die Augen auf. Über ihm konnte er nur das schon etwas heruntergekommene Dach einer Fertigbauhütte erkennen. Graues Licht fiel durch ein großes Fenster ihm gegenüber und durch die Tür und regen prasselte gegen die Scheiben. Ansonsten gab es in dem Zimmer nicht viel. Einen Tisch, auf dem sich lediglich ein paar leere Flaschen , ein Fernglas und mehrere Bücher standen… und zwei Pistolen. Neben dem Tisch gab es nur noch das einfache Bett, einen Stuhl und einen Durchgang in eine kleine Küche,

die wie der Rest über einen Generator mit Strom versorgt wurde. Zum Glück hatten Callahans Leute fast alles hier zurück gelassen. Genug um fast zweihundert Menschen einen Monat lang zu versorgen und für einen… reichte es natürlich entsprechend fast ewig. Für den ehemaligen Kommissar waren es zwei seltsame Monate gewesen. Das Elektorat musste ihn wohl mittlerweile einfach für tot halten, dachte er. Und ansonsten… Ansonsten hatte er nur eines und das war Zeit. Aaren stand mit einem seufzen auf und spähte nach draußen über die kleine Ansammlung verlassener Fertigbauten am

Meer. Ein ausgetretener Weg teilte die Siedlung in zwei Hälften und führte hinunter zu einigen Docks, die aber ebenfalls verlassen und ohne ein einziges Schiff da lagen. Er hatte darüber nachgedacht zu gehen. Aber auf der einen Seite hatte er keine Möglichkeit die Insel einfach zu verlassen… und auf der anderen wollte er es nicht wirklich. Aaren ging zu dem Tisch mit den Waffen herüber. Wie viele waren durch Kugeln aus diesen Pistolen gestorben? Zu viele. Eine Erkenntnis, die er zu spät gehabt hatte. Er hatte darüber nachgedacht, die Pistolen einfach ins Meer zu werfen,

sich aber nicht dazu überwinden können… und diese Waffen irgendwie unbrauchbar zu machen war so gut wie unmöglich. ,,Ex iniuria ius non oritur“. Aus Unrecht wird kein Recht , stand auf den Kohlefasergriff der Waffe eingeprägt. Eine Lektion, die er zu spät wirklich Verstanden hatte. Es spielte keine Rolle. Es waren Relikte. Relikte aus einem früheren Leben. Die Werkzeuge eines Menschen, der er nicht mehr war. Und hoffentlich nie wieder sein würde. Er nahm lediglich das Fernglas an sich. Aaren strich sich Gedankenverloren über eine Narbe an seinem Handrücken. Das

wiederum war etwas, das er immer noch nicht wirklich Verstand. Draußen ließ der Sturm etwas nach und Aaren trat aus der Tür ins Freie. Regen war für das Wetter auf Liurie so typisch, das es ihn kaum noch störte. Irgendjemand hatte ihm mal gesagt, dass man diesen Planeten tatsächlich mit der Zeit schätzen lernte. Aaren wusste nicht mehr wer, aber es spielte keine Rolle. Was eine Rolle spielte war, das er mittlerweile Verstand, was damit gemeint gewesen war. An der Küste unter ihm brachen sich die Wellen und überschwemmten Teilweise die Docks. Ohne Wartung würden sie wohl beim nächsten wirklichen Unwetter

einfach zusammenbrechen. Nicht, das er sie brauchen würde. Aaren lief die verlassene Straße entlang und betrachtete einen Moment seine Spiegelung in einem der Fenster. Seine Haare waren etwas länger geworden und er hielt sich auch nicht damit auf, etwas dagegen zu unternehmen. Seine Kleidung wies einige schlecht gemachte Nähte und Flicken auf. Aber wieder…. Wen könnte es stören? Ein hoher Drahtzaun, der nur durch ein Tor unterbrochen wurde, umgab die Siedlung. Von dort aus führte ein einfacher Pfad einige hundert Meter in die Farnwälder hinein, welche die Vegetation hier prägten. Tiere jedoch

waren ihm bisher keine Begegnet, von einigen seltsamen Vögeln einmal abgesehen. Soweit Aaren wusste, gab es auch keine größeren landbewohnenden Tiere auf Liurie. Er folgte dem Weg eine Weile, bis er den Fuß einer steilen Felsklippe erreichte. Hier verlor sich der Weg und auch der Wald wich langsam zurück. Stattdessen befand er sich nun wieder an der Küste. Ein breiter Sandstrand erstreckte sich hier Kilometerweit in alle Richtungen und das Meer überspülte immer wieder weite Teile davon. Draußen über dem blaugrauen Wasser hatten sich die Wolken bedrohlich und dunkel aufgetürmt und ab und zu erhellte ein

Blitz sie von innen. Auf einem der Minenschiffe von Omnisphere würde beim Anblick solcher Sturmwolken vermutlich Unruhe ausbrechen. Das hieß, wenn die Firma überhaupt noch die Kontrolle über den Untersee-Bergbau hatte. Vielleicht war es besser, die Antwort nicht zu wissen. Er setzte sich in den Sand ein Stück über der Flutlinie. Irgendwo hier war er vor rund zwei Monaten angespült worden… oder besser angeschleppt? Das wichtigste war wohl, das er überlebt hatte. Irgendwie. Vielleicht bin ich auch gestorben, dachte Aaren kurz, während er auf die Wellen hinaus sah. Er wusste nicht genau worauf er wartete, als der

Sturm langsam weiterzog und erste Flecken blauen Himmels zwischen den Wolken sichtbar wurden. Vielleicht auf nichts. Dann jedoch entdeckte er etwas, das sich in den Wellen bwegte. Das Wesen das aus dem Wasser auftauchte hätte man auf den ersten Blick noch durchaus für eine menschliche Erscheinung halten können. Aber auf den zweiten definitiv nicht mehr. Aaren stand auf und ging die paar Meter bis zur Flutlinie hinunter. Der Kopf des Wesens war oval und mit kaum wahrnehmbaren silbrigen Schuppen besetzt. Kiemen am Hals. Dunkle Haare, die

e Kopf bedeckten und zu fein wirkten um menschlich zu sein. Sieben Finger, zwei davon lediglich spitz zulaufende Knochendornen, zwischen denen sich Schwimmhäute befanden. Auch die Füße besaßen sieben Zehen. Eine Flosse auf dem Rücken, die außerhalb des Wassers fast wie ein Mantel um durchaus feminin und zerbrechlich wirkende, Gestalt fiel. Aaren war allerdings klar, dass dieser Eindruck mehr als nur täuschte. ,, Sonea.“ Er wusste nicht genau, was sie noch immer hier hielt. Anfangs hatte er noch geglaubt, sie wolle eine Schuld begleichen. Aber das war längst vorbei. Das Wesen musterte ihn stumm aus

goldenen Augen, die jeden Gedanken widerzuspiegeln schienen. Soweit Aaren wusste konnte sie das meiste verstehen was er sagte. Nur selbst zu sprechen, dazu ließ sich Sonea nur herab, wenn es unbedingt nötig war. Trotzdem waren die gelegentlichen Besuche vielleicht alles, was ihn in der ersten Zeit hier bei Verstand gehalten hatte. Er konnte die Stille hier nur schwer ertragen und wenn es auch nur seine eigenen Worte waren, die das ewige schweigen durchbrachen, so war es zumindest besser, mit jemanden zu reden, selbst wenn dieser jemand nur selten antwortete. ,, Ich frage mich manchmal, ob ich

überhaupt wieder weg will. Ich meine… selbst wenn das Elektorat mich nicht sofort hinrichten lässt…Was könnte ich schon tun? Ich kann nicht einfach weitermachen wie vorher. “,er hob einen kleinen Stein auf. ,, Zum ersten Mal seit Jahren bin ich wirklich vollkommen frei.“ Aaren sah eine Weile schweigend aufs Meer hinaus. Er wusste nicht, was aus Abundius geworden war, oder aus dem Hive, der gewaltigen See-Station, die den Arbeitern und Kolonisten als Behausung und Stützpunkt diente. Aber er hatte getan was er konnte. Und jagt auf den Mann zu machen erschein ihm Aussichtslos, selbst unter der

Voraussetzung, das ihn das Elektorat nicht ebenfalls suchte. Er hatte genug gekämpft für ein Leben. Und bei weitem genug getötet. ,, Ich hoffe, sie lassen euch einfach in Ruhe. Aber ich fürchte fast, das Elektorat lernt selten aus Fehlern. “ , meinte er zu Sonea, die nach wie vor nicht antwortete. ,, Ihr habt auch aufgehört die Menschen anzugreifen ? Zumindest die, die euch nicht jagen ? Diesmal bekam er zumindest ein unsicheres nicken als Antwort. ,, Das ist gut schätze ich.“ Neben Sonea hatte er vielleicht grade einmal ein halbes Dutzend der seltsamen Wasserlebewesen gesehen, die sich selbst als Naias

bezeichneten. Und diese meist auch nur schemenhaft. Wenn er an sein Leben vor zwei Monaten zurückdachte kam es ihm mehr wie ein Alptraum vor, durch den er sich irgendwie gekämpft hatte. Aaren stand auf und warf den Stein aufs Wasser hinaus. Einen Moment später versank er im Wasser. Wie wohl alles früher oder später auf diesem Planeten. Ob nun kleine Steine, Schiffe , irgendwann ganze Inseln. Oder auch Geschichten. Er lächelte bei dem Gedanken. Was würde von ihm bleiben? Vielleicht ein paar Aufzeichnungen in einigen verstaubten Akten. Nichts als ein Geist bestehend aus ein paar Zeilen. Und das

war gut so. Aaren Terrel sah kurz hinauf in den mittlerweile strahlend blauen Himmel. Irgendwo ganz am Horizont meinte er etwas gesehen zu haben. Aber vermutlich hatte er sich da lediglich getäuscht. Doch nur für den Fall das nicht… ,, Sonea… Wir sollten verschwinden.“ Das Wesen tauchte ins Wasser und verschwand in den Wellen und Aaren selbst sah sich rasch um. Wahrscheinlich hatte er sich getäuscht, sagte er sich. Wahrscheinlich… trotzdem nahm er das Fernglas und suchte langsam den Horizont ab. Da war tatsächlich etwas. Ein Boot ohne Zweifel. Kein Wrackteil oder Treibgut.

Vielleicht nur ein Minenschiff. In diesem Fall würden sie vermutlich einfach vorbeifahren oder sich nur kurz umsehen. Zumindest hoffte er das, ging aber trotzdem langsam zurück in Richtung der Siedlung. Wenn sie den kleinen Hafen entdeckten würden sie in jedem Fall an Land gehen und dann sähe es besser so aus, als wäre die Siedlung lange verlassen. Nur für den Fall das es doch keine einfachen Omnisphere-Arbeiter waren. Aber wenn sie harmlos waren… es wäre eine Möglichkeit zu gehen… wenn er das denn

wollte.

Kapitel 13 Liurie


Das kleine Transportschiff tauchte mit einem Lichtblitz im Orbit von Liurie auf. Durch die Frontscheibe konnte Jack den Planeten unter sich erkennen. Eine einzige, riesige blaue Fläche, ohne das geringste Zeichen von Land. Unterbrochen wurde das Blau nur von einer einzelnen, gewaltigen Sturmwolke auf der Südhälfte des Planeten, , die sich langsam um ihr Zentrum drehte. Er musste mehrmals husten und spuckte Blut. Das war nicht wirklich gut, aber zu erwarten gewesen. Und es gab

durchaus schlimmere Folgen. Eines der größten Probleme bei ÜLG-Reisen stellte die extreme körperliche Belastung dar. Die einzige, bisher gekannte Methode zur Reise mit Überlichtgeschwindigkeit waren aber leider die Phasenantriebe. Im Prinzip wurde das zu beschleunigende Objekt, in diesem Fall ein Schiff, dabei Verschoben und ,,verschwand“ gewissermaßen aus dem Realraum in den Phasenraum. Die normalen physikalischen Gesetzten , die es keinem Objekt erlaubten schneller als das Licht zu werden und die möglichen relativistischen Folgen wurden einfach

umgangen. Normalerweise sollte das bei einem kontrollierten Phasenwechsel ungefährlich sein, jedoch traten bei längeren Reisen schnell Folgeschäden auf. Die allgemeine Theorie dabei besagt, dass beim Übergang von Real zu Phasenraum exotische Partikel entstanden, die sich enorm schädlich auf organische Materie auswirken und Gewebe wie Organe praktisch durchlöchern konnten. Dabei galt, je länger die überbrückte Entfernung desto schlimmer konnten die Nachwirkungen werden. Bei kurzen Flügen spürte man meist gar nichts, bei längeren Sprüngen oder Berufspiloten

wurden mit der Zeit jedoch sämtliche Organe extrem angegriffen und es kam zu inneren Blutungen. Genau das bekam Jack Walt nun zu spüren. Zum Glück waren die Nachwirkungen bei einzelnen Reisen selten dauerhaft und er würde es wohl überstehen. Trotzdem nahm er sich einen Augenblick Zeit um sich wieder zu sammeln. Was er zu tun hatte war klar. Irgendwie diesen Aaren finden und zu Justizminister Jones bringen. Oder herausfinden, was aus ihm geworden war. So oder so, der Mann oder ein Beweis für seinen Tod musste mit ihm zur Erde zurück und dafür würde er sorgen. Nur finden musste er

ihn erst einmal… Und Liurie war groß. Ein Funkspruch riss ihn aus seinen Gedanken. ,, Hive-Sation an unbekanntes Elektorats-Schiff. Sie sind außerhalb des Flugplans in den Planetenorbit eingetreten. Identifizieren sie sich.“ Jack zögerte kurz. Sein Name würde den Leuten nichts sagen und alles andere… wäre wenig hilfreich. Jetzt konnte er nur hoffen, dass der Minister Wort gehalten hatte. ,, Hier ist Kommissar… Jack Walt.“ Ein Moment des Schweigens folgte. Vermutlich würde der Mann am anderen Ende grade seine Identität überprüfen. ,, Ihre Daten sind neu.“ , meinte er

schließlich. ,, Was führt sie nach Liurie ?“ Diesmal wusste Jack, was er antworten musste. Wenn man ihm seine Tarnung als Kommissar abkaufen sollte, sollte er sich auch wie einer Verhalten. ,, Das geht sie nichts an. Offizielle Elektorats-Mission.“ Eine weitere Pause folgte. ,, Ich verstehe. Ich vermute allerdings, dass Gouverneur Cloudsworth auf dem Hive mit ihnen sprechen möchte. Landen sie bei den angegebenen Koordinaten.“ Jack beendete das Gespräch. So weit so gut. Er setzte einen Kurs für die übermittelten Koordinaten auf dem Planeten. Die Triebwerke des Schiffs

sprangen wieder an und beschleunigten es in Richtung des unendlichen Ozeans unter ihm. Jack hoffte nur, dass er nicht in den Sturm geriet, der auf dieser Seite der Welt tobte. Minuten später brach das Shuttle durch die Wolkendecke. Jack passte den Kurs etwas an, so dass aus dem Sturzflug ein langsamer Sinkflug wurde. Zum Glück übernahm der Autopilot das meiste, sonst wäre er wohl schnell in Schwierigkeiten geraten. Zwar konnte er halbwegs Fliegen, aber bei Wind und Wetter war das wieder etwas ganz anderes. Vor ihm lag der Hive. Eine gewaltige Konstruktion mitten im Ozean, die auf

mehreren großen Stützsäulen ruhte, die bis zum Meeresboden reichten. Auf einer, mehrere Quadratkilometer großen Plattform über dem Wasser befand sich eine unübersichtliche Ansammlung großer Türme, Hallen und Gebäude mit Wohnungen, Laboren und Verwaltungsarchiven. Eine Million Lichter erhellten den Komplex und spiegelten sich im Wasser wieder, wo sich an den gewaltigen Pfeilern, die das Konstrukt trugen weitere Unterwasserbauten befanden. Auf Wasserhöhe selbst fanden sich dutzende von Docks, an denen Schiffe an und ablegten, deren Größe selbst noch die gewaltigsten Supertanker übertroffen

hätte und auch einigen U-Booten die wohl für Wartungsarbeiten unverzichtbar waren. Rund um den über Wasser liegenden Hauptkomplex gab es über drei Dutzend Landeplattformen für Schiffe oder Shuttles, die über frei schwebende Brücken mit den Gebäuden verbunden waren. ,, Landen sie auf Plattform drei.“ , kam die Anweisung des Lotsen über Funk. ,, Warten sie dort, wir schicken jemanden, der sie abholt.“ ,, Verstanden.“ , antwortete Jack nur, fragte sich aber, was abholen in diesem Fall bedeuten sollte. Traute man ihm nicht über den Weg, sich alleine auf der Station zu bewegen? So oder so, er

würde es erfahren. Es lohnte sich nicht jetzt mit dem Mann zu diskutieren. Jack stabilisierte rasch den Sinkflug des Shuttles, bis es auf der ausgewiesenen Plattform aufsetzte. Hier war er also, dachte er, während er die Maschinen abschaltete und ausstieg. Wind schlug ihm entgegen, während unter der Plattform das Meer gegen die Stützpfeiler der Station schlug und das Metall unter seinen Füßen zum Zittern brachte. Es musste Unsummen kosten, dachte er, den ganzen Komplex zu erhalten, geschweige denn , ihn überhaupt erst zu bauen. In der Ferne konnte er Sturmwolken sehen, die den Horizont in

Wetterleuchten tauchten. Andererseits, musste es sich wohl lohnen. Es gab zwar dutzende von dem Elektorat unterstehenden Kolonien, aber die wenigsten bisher entdeckten Planeten besaßen wirklich brauchbare Lebensbedingungen. Dafür aber bisher noch unangetastete Ressourcenvorräte. Trotzdem brauchte man meist teure Spezialausrüstung und Equipment um eine funktionierende Kolonie auf die Beine zu stellen. Planeten mit wirklich bewohnbarer Oberfläche waren eher selten und entsprechend wertvoll. Da lohnte es sich für einen Konzern auch einmal höhere Investitionen zu wagen,

denn das was man mehr ausgab sparte man wiederum an teurer Ausrüstung. Das einzige offensichtliche Problem auf Liurie stellte wohl das Meer da, und das war immer noch angenehmer, als Säureatmosphären, tödliche Druckverhältnisse oder Vulkanische Hitze. Soweit er wusste, war der Investor in diesem Fall eine Firma namens Omnisphere, die sich bis vor zwei Monaten wohl eine goldene Nase mit dem Unterseebergbau verdient hatte. Wie es jetzt jedoch auf der Station aussehen mochte, wusste er nicht. Jack trat ein paar Schritte an die Kante der Plattform heran. In der Ferne

türmten sich immer noch die Sturmwolken auf und peitschten ein Schiff vor sich her, das aber seltsamerweise nicht einfach von den Wellen versenkt wurde. Stattdessen scheinen die Wassermassen jedes Mal von irgendetwas zurück gehalten zu werden und erlaubten dem Stahlkoloss so, die Sicherheit des Docks anzusteuern. ,, Beeindruckend nicht ?“ Jack wirbelte herum, weil er niemanden hatte kommen hören. Ein Mann in orangenem Overall mit dem Logo von Omnisphere stand vor ihm. Darüber trug er allerdings eine schwarze Jacke und einige Haarsträhnen in derselben Farbe

fielen ihm unter einer Mütze ins Gesicht. ,, Sie benutzen Sturmschilde oder ?“ , fragte er, als ihm plötzlich klar wurde, wieso das Schiff noch nicht gesunken war. ,, Richtig. Ist die einzige Möglichkeit bei dem Wetter nicht versenkt zu werden. Und das da,“ , der Mann deutete auf die aufziehenden Sturmwolken. ,, Ist noch das harmloseste.“ ,, Schrecklicher Ort.“ ,, Das habe ich schon mal irgendwo gehört. Glauben sie mir, mit der Zeit gewöhnt man sich daran und dann… will man eigentlich gar nicht mehr weg.“ ,, Ernsthaft ?“ ,, In der dritten Generation hier auf

Liurie.“ , erklärte sein Gegenüber.,, Ich bevorzuge ja die Fortbewegung in der Luft. Leider ist das bei dem Wetter etwas Schwierig.“ ,, Sie sind also Pilot ? Warum ist das Schwierig, wegen der Stürme?“ ,, Auch.“ , erwiderte der Mann lachend. ,, Aber den größten Ärger macht die Atmosphäre selbst. Elektrisch aufgeladen und stört sämtliche Instrumente. Andererseits lässt mich seit dem das Militär hier das sagen hat sowieso keiner mehr fliegen.“ Der Mann räusperte sich, als wäre ihm grade erst klar geworden, dass er ja mit einem vermeintlichen Kommissar redete und seine Worte vielleicht bereuen

könnte. ,, Entschuldigen sie. Ich rede zu viel. Und sie sind der Kommissar, richtig? Jack Walt ?“ ,, Richtig.“ ,, Ich soll sie zum Gouverneur bringen.“ , meinte er und deutete die Brücke entlang. ,, Sie sind etwas aufgeschlossener als der letzte, der mir untergekommen ist.“ , meinte der Pilot schließlich, während sie sich dem überdachten Eingang näherten. ,, Moment… wiederholen sie das.“ ,, Na ja, wir hatten hier vor ein paar Monaten schon zwei Kommissare zu Besuch im Abstand weniger Wochen. Und dann ging hier alles den Bach

runter.“ ,, Thomas Ackland oder? Und Aaren Terrel ?“ ,, Genau das war sein Name. Habe ihn samt Begleitung selbst hergeflogen. Im Nachhinein wäre es vielleicht besser gewesen, wenn nicht. “ ,, Sie wissen aber nicht, was aus ihm geworden ist ?“ ,, Es heißt er ist durchgedreht. Hat fast ein Dutzend Soldaten getötet und ist dann verschwunden. Zusammen mit diesem anderen Kerl… Abundius. Die meisten meinen er sei tot.“ Jack zuckte bei dem Namen kurz zusammen. Abundius war also hier gewesen. Langsam wusste er nicht mehr,

ob er überhaupt wissen wollte, was hier genau geschehen war. ,, Und das Militär hat also die Kontrolle über die Anlage übernommen ?“ , fragte er, als sie die Glastür passierten. Vor ihnen befand sich nun eine große, offene Halle mit einem Glasdach, das einen Blick auf den dunkler werdenden Himmel erlaubte. Hier und da gab es Geschäfte, die sich in Wandnischen befanden, daneben standen bewaffnete Wachen und beäugten alles misstrauisch. Es waren keine Omnisphere-Leute, sondern Definitiv Elektorats-Soldaten. Die blauschwarzen Uniformen waren unverkennbar. ,, Das sollten sie doch eigentlich wissen.

Die ganze Aufregung vor zwei Monaten ? Callahans kleine Eskapade.. na ja so klein war die gar nicht. Ich habe ihn eigentlich gemocht. Auch wenn er uns alle Verraten hat meine ich… Er war ein guter Mann. Und mit den neuen Info-Feeds von der Erde… sie kommen doch grade von dort oder? Was ist auf Terra los?“ Jack musste sich zu einer Antwort überwinden. Er wollte seine Rolle als Kommissar zumindest noch eine ganze Weile lang spielen. Aber der Pilot erschien ihm nicht wie jemand, der ihn verraten würde. Er wurde langsamer. ,, Wie heißen sie

?“ Die Frage überraschte den Piloten wohl etwas. ,,Tian Leech, Sir.“ ,, Dann lassen sie mich ihnen so viel sagen… Sie töten alle.“ ,, W…“ ,, Es gab einen Aufstand.“ , meinte er unverbindlich, als sie eine Wache passierten um dann fortzufahren. ,, Ich weiß nicht wie viel sie wissen…“ ,, Das ist kein Trick oder ?“ ,, Wenn es einer wäre, würde diese Antwort dem Elektorat nicht schon reichen ?“ , fragte Jack. Vielleicht hatte er grade einen Verbündeten gefunden. Aber… er war verdammt noch mal nicht hier um eine Revolte anzuzetteln. Er

wollte Terrel finden, seine Leute retten und… was eigentlich tun? Dass er es nicht wusste, beunruhigte ihn. Es war wie in einem Raum ohne Ausgang Gefangen zu sein. In einem, der sich langsam mit Rauch füllte und wenn man keine Tür fand bis er einen erreichte… ,, Also schön… wir wissen von einigem denke ich . Es gibt ein paar von uns hier auf der Station , die sich vom Elektorat lossagen wollen… Eher viele.“ ,, Aber ?“ ,, Das Militär… und der neue Militärgouverneur.“ , meinte Tian. ,, Sie meinen Maximilian Cloudsworth… Was ist mit dem?“ ,, Sagen wir so… vor zwei Monaten

hatten wir Vämskä hier… der war vielleicht lästig aber in Ordnung. Cloudsworth ist,“ Sie passierten eine weitere Wache und eine kleine Gruppe Menschen, die sich ein Geschäfts-Schaufenster ansahen. ,, Er ist ein Monster.“ ,, Wieso ? Was tut er ? ,, Er genießt es geradezu unangemessen Brutal vorzugehe. In der ersten Woche in der er hier war gab es über fünfzig Hinrichtungen. Und… Na ja, das werden sie selbst sehen.“ Sie erreichten einen Fahrstuhl am Ende der Halle. ,, Was ?“ ,, Sie werden es selbst sehen. Unsere

neue Profession hier sind keine Manganknollen oder Mineralien mehr.“ Jack blinzelte lediglich verwirrt. Irgendetwas über Fangquoten, dachte er. Wo hatte er das nur gelesen? ,, Nehmen sie einfach den Fahrstuhl nach ganz oben. Das ist die Verwaltungsebene. Dort suchen sie dann einfach Maximilians Büro. Immer den Gang entlang.“ Jack nickte nur. ,, Gut ich muss jetzt gehen… Mr. Walt. Wir sehen uns hoffentlich. Und hoffentlich nicht in einem Verhörzimmer.“ ,, Das hoffe ich auch.“ , meinte er, bevor er den Fahrstuhl betrat und Tian

und die Landeplattform hinter sich ließ. Die Kabine fuhr mit einem Ruck los nach oben. Einige Augenblicke später hielt der Aufzug an und die Türen öffneten sich auf einen breiten Flur hinaus. Ein gutes Dutzend Türen führten von hier aus weiter in mehrere große Büroräume, an denen Jack allerdings direkt vorbeiging. Stattdessen ging er den mit mehreren Säulen gesäumten Gang hinab, wie Tian gesagt hatte. Einige der Bürotüren standen offen und er erhaschte ein paar Blicke auf Neugierig auf den Flur spähenden Mitarbeitern und Stapelweise

Dokumenten. Vermutlich brauchte man einiges an Verwaltung um eine derart große Station am Laufen zu halten, vor allem wen sie derart weit abgelegen von den zivilisierteren Kernwelten lag. ,, Das Gouverneurs-Büro ?“ , fragte er im Vorübergehen an einer der offenen Türen. In dem Raum saßen drei Personen an Schreibtischen, zwei Männer und eine Frau, von denen keiner sofort Antwortete. Vermutlich war ihnen das Symbol auf der Nadel aufgefallen die Jack trug. Natürlich erzeugte das Misstrauen. ,, Ich brauche nur eine

Richtung.“ Schließlich war es die Frau, die ein paar Türen weiter deutete. ,, Danke.“ War das immer so wenn die Leute meinten mit einem Kommissar zu sprechen? Natürlich, vor so jemanden hatte man entweder Angst oder Respekt wenn man halbwegs bei Verstand war, aber man ließ sich doch nicht so leicht einschüchtern. Möglicherweise traf das aber auch nur auf ihn zu und diese Leute waren allesamt Feiglinge, dachte Jack, als er endlich die Tür des gesuchten Büros erreichte. Kurz überlegte er anzuklopfen, trat dann aber einfach ein. Er musste seine Rolle

spielen. Kommissare waren selten höflich.

Kapitel 14 Cloudsworth


Der Raum war schlicht eingerichtet, auch wenn deutliche Abdrücke auf dem Boden Jack zeigten, dass hier vor einer Weile noch ein großes Bücherregal zusammen mit weiteren Möbeln gestanden haben musste. Die Rückwand des Raums nahm ein großes Fenster ein, von dem aus Jack das Meer sehen konnte, das mittlerweile vom aufziehenden Sturm zu Meterhohen Wellen aufgepeitscht wurde. Vor dem Fenster wiederum stand ein großer Schreibtisch aus Holz, der mit einem holografischen Kartentisch die einzige verbliebene Einrichtung bildete.

Jack betrachtete einen Moment die mit markierten Schiffspositionen übersäte Karte aus flimmernden Licht, bevor er sich dem Mann am Schreibtisch zuwendete. Nicht zögern, ermahnte er sich selbst. Wenn jemand Verdacht schöpfte, dass er nicht ganz war, was er vorgab zu sein dann wäre er schnell in großen Schwierigkeiten. Das plötzliche unangekündigte Auftauchen eines Kommissars hätte die meisten Leute sicher beunruhigt. Die meisten. Gouverneur Maximilian Cloudsworth jedoch machte sich nicht einmal die

Mühe hinter dem Tisch aufzustehen. Der dunkelhaarige Mann musterte Jack aus tiefliegenden Augen, als dieser langsam in den Raum trat während sich die Tür hinter ihm wieder schloss. In den Händen hielt er einen kleinen Tabletcomputer, den er langsam bei Seite legte. ,,Wir hatten hier schon genug Ärger mit euresgleichen.“ , meinte Cloudsworth ohne ihn zu begrüßen. Ruhig bleiben, ermahnte Jack sich erneut. ,,Ich bezweifle das. Ich bin hier im Auftrag des Justizministers. Sobald ich habe was ich will bin ich auch schon wieder weg.“ , erwiderte

er. ,,Wenn es um die Verluste geht so habe ich bereits vor einem Monat eine Erklärung an das Oberkommando auf der Erde geschickt.“ ,,Verluste ? Wodurch ?“ ,,Das wissen sie doch,“ meinte Cloudsworth, dann jedoch breitete sich ein unfreundliches Lächeln auf seinem Gesicht aus, ,,Oder hat man sie nicht informiert ?“ ,,Ich weiß was ich wissen muss.“ , entgegnete Jack. Aber irgendwie gefiel ihm der Gesichtsausdruck des Mannes kein bisschen. ,,Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht möchten sie sich aber auch

selbst davon überzeugen?“ Jack antwortete nicht sofort. Das war irgendein Trick, da war er sich sicher. Irgendetwas plante der Mann und war es auch nur, ihn aus der Fassung zu bringen. Aber ihm war auch klar, dass der Gouverneur nicht locker lassen würde. ,,Deshalb bin ich nicht hier. Der einzige Grund warum ich mich hier aufhalte, ist alles über den Verbleib von Aaren Terrel herauszufinden.“ Es war das erste Mal, das Cloudsworth wirklich Emotionen zeigte. Ein kurzes Aufblitzen der Überraschung fas aber sofort wieder unter einer gleichgültig düsteren Mine verschwand. Jack fragte

sich kurz, ob der Mann vielleicht Mentalblocker nahm oder von Natur aus so kalt war. ,,Der Verräter , ja ?“ Er schien einen Augenblick nachzudenken. ,,Verstehe. Vielleicht möchten sie mich trotzdem gerne begleiten?“ Maximilian Cloudsworth stand auf und Jack musste sich zwingen, nicht zurück zu weichen. Der Gouverneur war weit über zwei Meter groß und überragte ihn um einen halben Kopf. Dabei war er allerdings hager, fast unterernährt wie es schien. Jetzt verstand Jack auch, warum er vorhin nicht aufgestanden war. Nicht nur aus simpler Verachtung. Er wirkte in

dem fiel zu niedrigen Raum geradezu lächerlich. Lächerlich aber gefährlich. Die aufragende Gestalt trug eine simple blaue Uniform, wie Jack sie von den meisten Elektorats-Soldaten kannte, die aber hier mit ein paar Zierelementen erweitert war. Bewaffnet war der Gouverneur lediglich mit einer Pistole, die er in einem Halfter an der Hüfte trug. Der Mann trat halb gebückt an ihm vorbei und zur Tür hinaus. ,,Ich schätze, ihr bringt keine neuen Nachrichten von Terra ?“ , fragte er wie beiläufig als Jack ihm auf den Flur hinaus folgte. Egal wie sehr es im wiederstrebte den Mann zu antworten, irgendetwas musste

er wohl sagen. ,,Nicht viel. Die Revolten wurden wohl… niedergeschlagen.“ ,,Gut, dann ist der Gerechtigkeit wohl erneut genüge getan. Ordnung und Licht.“ Der plötzliche fast patriotische Ausbruch des Gouverneurs ließen Jack misstrauisch werden. Irgendetwas sagte ihm, dass dieser Mann nichts tat, was nicht vorher geplant oder sorgfältig abgewogen war. Am liebsten hätte er den Mann gefragt, ob ihn der Tot so vieler am Ende noch freute. Stattdessen erwiderte Jack nur : ,,Es gab Tote, die nicht hätten sterben müssen.“ ,,Minister Okafor war unter den Opfern

wie mir zu Ohren kam.“ ,,Es gibt so einiges an Gerüchten.“ , gab Jack zurück. Er wollte nicht hier sein verdammt. Sich nicht mit diesem Mann unterhalten. Es kostete ihn unglaubliche Mühe weiterhin ruhig zu bleiben. Wenn er irgendwo auf diesem riesigen Ozean einen einzigen Mann finden wollte, brauchte er ein paar Hinweise. Und so ungern er das zugab, wenn er es wollte, konnte Maximilian ihm diese sicherlich liefern. Dazu musste er jedoch mitspielen. Schweigend gingen sie den Gang zurück zum Fahrstuhl. ,,Waren sie schon einmal auf Liurie ?“ ,,Nein.“

,,Sie wissen wirklich nichts oder ?“ , fragte Cloudsworth erneut bevor er einen Knopf mit der Beschriftung ,,Hydrofarmen“ drückte. Natürlich hatte eine so große Einrichtung auch eine wissenschaftliche Sektion. Vermutlich würden hier alles was die Minenschiffe anschleppten katalogisiert, dachte Jack , und einige der Entdeckungen von Liurie waren ihm durchaus geläufig. Besonders das Auffinden einiger schnell wachsender, essbarer Algen hatte einen großen Vorteil für Langstreckenschiffe und abgelegene Kolonien ohne eigene Nahrungsquellen

bedeutet. Die Möglichkeit gleichzeitig Lebensmittel und Sauerstoff zu gewinnen und das ohne großen Aufwand hatte den Aufbau einiger der entferntesten Kolonien erst möglich und rentabel gemacht. Der Fahrstuhl kam zu einem Halt und Jack trat, gefolgt vom Gouverneur hinaus. Sie befanden sich auf einem metallenen Laufsteg, von dem aus eine Treppe in eine große Halle hinabführte. Von der Dauer der Fahrt her schätzte Jack, dass sie sich nun entweder auf Meeresniveau oder sogar bereits darunter befanden. Unter ihnen in der Halle erstreckten sich

Reihen von Wassertanks mit Fischen, Seepflanzen und Algen, die wohl noch katalogisiert, oder gezielt zur Lebensmittelversorgung des Hive genutzt, wurden. Das einzige was ihn verwunderte war, das einige der zwischen Seegras und Algen hervorscheinenden Fische tatsächlich so etwas wie zu Schuppen umgewandelte Federn zu besitzen schienen. Und Schnäbel. Etwas, was ihre Anwesenheit oder das dunkle Grinsen auf Cloudsworths Gesicht rechtfertigte konnte er jedoch noch immer nicht entdecken, als sie die Treppe hinabstiegen und er sich zischen den endlosen Tankreihend er Hydrofarm

umsah. ,,Warum zeigen sie mir das ? Hier ist doch nichts.“ ,,Folgen sie mir einfach… Kommissar. Sie müssen ja schließlich wissen womit sie es da draußen zu tun bekommen nicht?“ Jack hatte endgültig genug. Natürlich war sein Kommissar-Status nicht echt. Aber das konnte der Gouverneur nicht wissen. Und vielleicht sollte er ihn ein wenig daran erinnern. Als sie grade ein kleines Schott erreichten, das wohl in eine weitere Halle führte, hielt er Cloudsworth an. ,,Gouverneur.“ , sagte er eisig und legte all seine unterdrückte Verachtung in

seine Stimme.,,Eines sollte ihnen klar sein. Ich bin vielleicht nur wegen einem… Abtrünnigen hier. Das heißt aber nicht, dass ich ihre Aktionen oder die jedes anderen hier ignorieren werde. Und verspotten lasse ich mich nicht. Verstehen wir uns?“ ,,Alles was ich tue ist vom Elektorat abgesegnet, ich habe eine Vollmacht.“ Cloudsworth klang nun wirklich ein wenig panisch, fing sich aber sofort wieder. ,,Auch über das Gesetz ?“ ,,Hier,“ , sagte er selbstsicher. ,,Bin ich das Gesetz.“ Jack erwiderte nichts sondern sah einfach nur zu, wie der Mann die

Schleuse öffnete und hindurchtrat. ,,Was zur…“ Sie befanden sich in einer kleineren Halle. Statt hunderten von Tanks stand hier nur ein gutes Dutzend. Und in drei davon befand sich etwas. Er trat an eines der Becken heran, schielte dabei aber nach dem Gouverneur. Dieser nickte lediglich . Ob nun als Ermutigung oder als Bestätigung eines Jack nicht bekannten Gedankens wusste er nicht. Es besaß Silbrige- grüne Schuppen und grüne Augen, ein Humanoider Körperbau. Es besaß kurze dunkle Haar und eine Rückenflosse, die im Wasser um den Körper trieb. Dazu Sieben

Finger, von denen zwei zu scharfkantigen Knochendornen verformt waren und zwischen denen sich Schwimmhäute befanden. In den anderen Tanks befanden sich ähnliche Wesen, auch wenn die zwei übrigen einen schmaleren Körperbau aufwiesen und auf Jack den Eindruck erweckten, dass er es hier wohl jeweils mit der männlichen und weiblichen Form dieser Wesen zu tun hatte. Die anderen zwei Wesen besaßen längere Haare, aber die mehr wie ein durchscheinender Mantel wirkende Rückenflosse war größer. Aber alle drei Wesen besaßen gut sichtbare punktförmige Narben an den

Armen, als würde ihnen irgendjemand stündlich Blut abnehmen…. ,,Ich sagte ja… sie haben keine Ahnung Walt.“ Was Jack aber noch ins Auge fiel war eine Reihe von versiegelten Reagenzgläsern auf Kühlplatten, die eine rot-schwarze Flüssigkeit zu enthalten schienen. Wo hatte er das wieder schon einmal gesehen? ,,NDNA.“ , meinte der Gouverneur hinter ihm, als er sich eines der Gläser näher besah. Jack trat ein paar Schritte zurück, einen Moment unfähig etwas zu erwidern. Er sah wieder zu einem der Wesen in den Tanks. Trübe, aber intelligente Augen

trafen seinen Blick. Beinahe teilnahmslos. Er wollte es nicht verstehen… Jack spürte nur, wie seine Hand in Richtung der Pistole an seinem Gürtel wanderte. Das Justitia-Emblem drückte sich ein seine Haut. Eingesperrt sein, ohne Ausweg… er kannte das Gefühl nur zu gut. Ruhig bleiben und weiter mitspielen. , sagte er sich selbst. ,,Was hat das zu bedeuten ?“ ,,Es sind nur Tiere. Bedauerlicherweise sterben die meisten nach ein paar Tagen. Und der fang kostet uns sehr viele… Kollateralschäden.“ Jack musste an die Worte des Piloten zurückdenken. Mineralien waren nicht

mehr der Schwerpunkt. Und der Gouverneur ging unnötig brutal vor… Du bezahlst dafür, früher oder später, schwor er sich still, ließ aber die Waffe los. ,,Warum ?“ ,,NDNA ist schwer zu gewinnen. Sie… haben keine Einweisung bekommen?“ ,,Nicht so wie sie denken. Nein.“ ,,Es ist in ihrem Blut.“ , erklärte Cloudsworth. ,,Oder besser gesagt, es ist ihr Blut. Neben verschiedenen anderen Substanzen, die wir nicht einmal anfangen zu verstehen, stellt es auch einen sehr interessanten… nun man könnte es wohl genetischen Klebstoff nennen. Die Ulanen, das Programm,

davon wissen sie aber schätze ich, alles nicht möglich ohne das hier. Auch wenn sie auf der Erde an einem Syntheseprozess arbeiten… das hier bleibt vorerst der einzige Weg es zu gewinnen. Und selbst mit Synthese… der Prozess ist viel zu komplex.“ Es kam Jack langsam so vor, als wollte der Gouverneur herausfinden, wie weit er noch gehen konnte. Wie ein Psychologe, der eine Reaktion hervorrufen wollte. Ich bin aber kein verdammtes Soziologieexperiment, dachte er. Er wollte das alles nicht wissen, Verflucht hätte er nicht einfach um ein Schiff und einen Hinweis bitten und verschwinden

können…. Aber neben seinem Entsetzen, neben der Wut, hatte ihn nun doch auch Neugier gepackt. ,,Es sind entweder Säugetiere oder Mollusken, da sind sich die Eierköpfe uneinig. Klar ist jedoch… sie mögen uns nicht besonders.“ ,,Wundert sie das ?“ , flüsterte Jack. Dem Gouverneur fiel der gefährliche Ton in seiner Stimme jedoch offenbar nicht auf. ,,Es sind bloß Tiere. Die ich weiß nicht… weiblichen Formen scheint wohl eine höhere NDNA-Konzentration im Blut zu besitzen. Und diese Knochendornen… nun sagen wir einfach,

wenn sie damit in Kontakt kommen sind sie tot. Ein ziemlich starkes Nervengift, das sogar noch stärker wirkt als Botulinumtoxin. Sehr unangenehm, kein Gegengift.“ ,,Wieso nicht ?“ ,,Weil sie vermutlich ohnehin tot wären, bevor man es ihnen verabreichen kann. Draußen auf dem Meer sind sie uns überlegen, aber zum Glück scheinen sie eher vereinzelt Aufzutreten. Nicht mehr wie früher .“ ,,Früher ?“ ,, Hat man ihnen irgendwas erzählt ?“ , fragte der Gouverneur. ,,Ich wollte ihnen lediglich zeigen, was sie da draußen erwartet, wenn sie

wirklich ihren verräterischen Kollegen jagen wollen.“ Und nebenbei sehen, ob man einen Kommissar aufregen kann, dachte Jack. Endlich kam der Mann zum Punkt. Er wollte nicht mehr hier sein, dachte Jack. Nur noch irgendwie hier raus. ,,Genau das beabsichtige ich.“ Mehr oder weniger, dachte er. ,,Nun, wir haben Aaren Terrel in den letzten Monaten vergeblich gesucht auch wenn ich mir recht sicher bin, das wir mittlerweile einen Toten jagen. Was bedeuten würde, das seine Leiche irgendwo auf dem Meeresgrund liegt.“ ,,Das mag sein, aber der Justizminister meint, er könnte noch am Leben

sein.“ ,,Wenn, dann nicht innerhalb unseres Gebiets.“ , erklärte der Gouverneur. ,,Aber weiter draußen gibt es einige Inselgruppen, die wir nicht näher untersucht haben.“ ,,Wieso nicht ?“ ,,Aus dem gleichen Grund, aus dem ich ihnen nicht empfehle dorthin zu gehen. Und das ist ein ernst gemeinter Rat. Die Stürme werden schlimmer, je weiter sie draußen sind und… nun die Ionosphäre macht Navigation und Funkverkehr fast unmöglich. Bei einer der entdeckten Inseln fällt sogar fast jegliche Elektronik aus.“ Er hielt kurz inne. Das klang nicht nach

einem Ort an dem er sein sollte. Aber sehr wohl nach einem perfekten Versteck für jemanden, der nicht gefunden werden wollte. Jack hatte keine Wahl. ,,Ich erwarte, dass sie ein Schiff zur Verfügung stellen. Und wenn möglich eine Crew. Ich breche so bald wie möglich auf.“ ,,Natürlich…“ Jack atmete erleichtert auf. ,,Dann wäre das geklärt.“ Er war froh dem Raum endlich den Rücken kehren zu können. Aber… verdammt wie gerne hätte er den Mann einfach an Ort und Stelle getötet. Mochte sein, das Jones mit seinem schwachen Rest glauben an das Elektorat

Recht hatte oder auch nicht, aber solange Menschen wie Cloudsworth weiterhin das sagen hatten, würde es nicht besser werden. Nur schlimmer. Und Abundius…, Aaren der Kommissar, seine Leute in irgendeinem Gefängnis auf der Erde… Jack wünschte sich einfach, mehr antworten zu haben. Cloudswortsh Enthüllungen mochten gesessen haben, aber es half ihm nur wenig weiter. Er schluckte seine Wut hinunter. Noch nicht. Wenn er Aaren oder einen Beweis für dessen Tod hatte, dann könnte er Cloudsworth zum Abschied eine Kugel dalassen. Aber noch nicht.

Kapitel 15 Meer

Einige Stunden später stand Jack an einem der Piers der Station. Er hatte nicht geschlafen sondern die Zeit damit verbracht ziellos durch die Hallen und Gänge der Station zu wandeln. Trotz der strengen Überwachung durch das Militär und Cloudsworth summte der Komplex fast vor Leben. Es gab ganze Hallen, die zu Einkaufsmeilen umgebaut worden waren, wo mit Wertbons im Äquivalent zur Arbeitszeit bezahlt wurde, Gewaltige Türme, die fast komplett nur aus Wohnquartieren bestanden und natürlich auch die

Erzschmelzen , die sich in den tiefsten Sektionen des Hive befanden. Trotzdem kam er nur schwer wieder zur Ruhe. Es war zu viel. Das alles hier war etwas, in das er nie hatte hineingezogen werden wollte. Aber blieb ihm denn eine Wahl? Nicht wirklich. Cloudswort hatte tatsächlich Wort gehalten und ein Schiff bereitgestellt. Das gut dreißig Meter lange Boot trieb seitlich zu dem Dock an dem er stand und wurde grade mit ein paar Vorräten beladen. Zwar hatte ihm der Mann ein Schiff zur Verfügung gestellt, doch die Crew dafür auf ein Minimum reduziert. Fünf Leute würden ihn begleiten, mehr

nicht. Wieder kam es Jack so vor, als wollte der Gouverneur ihn lediglich testen, aber er würde einen Teufel tun und jetzt zurück in dessen Büro gehen um sich zu beschweren. Den Sieg gönnte er ihm nicht. Wenigstens war das Wetter gut. Die Sturmwolken von gestern hatten sich verzogen und stattdessen einem strahlend blauen Himmel Platz gemacht. Eigentlich perfektes Surfwetter, wenn er deswegen hier gewesen wäre. Wenn er bedachte, das das alles genau damit angefangen hatte… Aber selbst wenn er den Ausgang gekannt hätte, er hätte sich wohl

trotzdem nicht anders entschieden. Abundius mochte sie verraten haben, aber er hatte den leisen Zweifeln in Jack Nahrung gegeben und ihm zumindest teilweise die Augen geöffnet. Egal wie ihm seine jetzig Situation gefiel, er konnte nur weitermachen und das Beste hoffen. ,,Ich habe gehört, sie gehen schon ?“ ,,Ich habe einen Auftrag… und einen recht knappen Zeitrahmen wie ich fürchte.“ , meinte Jack als er sich umdrehte und Tian entdeckte. Er musste Müde aussehen, dachte er. ,,Ich schätze, da keiner von uns in einer Zelle sitzt kann ich davon ausgehen, dass wir offen sprechen können

?“ Jack zögerte. Er hatte schon einmal dem falschen Vertraut. Aber er brauchte jeden Verbündeten, den er bekommen konnte und der Pilot wirkte nicht wie jemand, der log. Er sah sich rasch um und stellte fest, dass niemand in Hörweite war. ,,Ich bin nicht wirklich im Auftrag des Elektorats hier. Zumindest nicht offiziell.“ ,,Irgendwie dachte ich mir das schon. Und sie sind auch kein Kommissar?“ ,,Nur den Akten nach. Und das ist schon eine lange Geschichte.“ , erwiderte Jack. ,,Aber wenn wir wirklich auf derselben Seite stehen, muss ich wissen wie viel wir hier

haben.“ ,,Was meinen sie ?“ Jack atmete tief durch. Was er jetzt tat… danach gab es kein Zurück mehr. Und er hatte nicht wirklich viel Erfahrung damit, wie man einen Aufstand anzettelte. ,,Wie viele sind bereit zu kämpfen wenn es nötig ist ?“ ,,Auf mich können sie zählen… und vermutlich auf etwa einhundert andere, aber das reicht nicht… Die übrigen haben zu viel Angst.“ , meinte Tian. ,,Man müsste sie wachrütteln.“ , dachte Jack laut. ,,Und womit ?“ ,,Mit einem echten Kommissar, der sich gegen das Elektorat gestellt hat.“ ,

erwiderte er. Jetzt hatte er zwei Gründe Aaren zu finden. ,,Sie fürchten sich vor Cloudsworth.“ ,,Und wenn er sterben würde ?“ , fragte Jack ernst. ,,Das würden sie tun ?“ ,,Der Mann hat den Tod verdient.“ ,,Wow, jetzt klingen sie wirklich wie ein Kommissar.“ , stellte der Pilot fest. Die Antwort ließ Jack kurz innehalten. Nein… er war keiner von ihnen. Oder war er im Begriff zu genau dem zu werden, was er versucht hatte zu bekämpfen? Ein blinder Fanatiker ? ,,Ich kann nichts versprechen, aber sammelt alle, die bereit sind. Vielleicht kann ich nichts für euch tun, aber

vielleicht… nur vielleicht…“ Tian nickte. Er hatte verstanden. ,,Es ist schon gut zu wissen, dass wir nicht ganz alleine stehen. Ich hoffe wir sehen uns wieder. Passen sie da draußen auf sich auf.“ ,,Passen sie hier auf sich auf. Ich weiß nicht, was gefährlicher ist.“ Tian lachte. ,,Aber ich.“, meinte er , als er über das Pier zurück in Richtung der Station ging, die wie ein Berg aus funkelndem Stahl über den Wellen schwebte. Jack seinerseits überbrückte mit einem Sprung die kurze Distanz zwischen Boot und Steg und landete auf dem

Schiffsdeck. ,,Dann wollen wir mal.“ , meinte er. Laut Cloudsworths Angaben würden sie wohl zwischen ein und zwei Tagen brauchen um ihr Ziel zu erreichen. Wobei Jack sich nicht wirklich darauf verließ. Der Mann hatte etwas an sich… nicht nur seine kalte Pflichterfüllung, sondern sein ganzes Wesen jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Am Nachmittag war die Hive-Sation endgültig außer Sichtweite verschwunden. Ein Stück weit hatten sie hier draußen noch die riesigen Minenschiffe von Omnisphere in der Ferne erkennen

können. Jack hatte an der Reling gestanden und sich darüber Gedanken gemacht, was wohl passieren würde, wenn ihnen einer dieser Giganten zu nahe kam. Vermutlich würden allein die aufgewühlten Wellen ihr im Vergleich winziges Schiff einfach unter sich zerdrücken. Im Gegensatz zu den Minenschiffen verfügte ihr Schiff nur über ein schwaches Sturmschild, das bereits einer zehn Meter Welle nichts entgegenzusetzen hätte. Zum Glück hielten die Schiffe aber einen großzügigen Abstand ein. Weiter draußen jedoch verloren sie die meisten der Minenschiffe außer Sicht.

Nur einer der Giganten blieb weiterhin in einiger Nähe zu ihnen. Jack hatte sich grade abgewandt um mit einem seiner fünf Crewleute zu sprechen. Die fünf die ihn begleiteten waren allesamt recht schweigsam. Zwei Elektorats-Soldaten, die ihn wohl aus Respekt ignorierten. Und drei Omnisphere-Matrosen, die das gleiche aus Angst taten. Ein Warnruf unterbrach ihn, bevor er auch nur ein Wort heraus bekam. ,,Levian!“ Er wusste nicht, ob er das Wort richtig verstanden hatte. Jack sah sich um konnte aber nichts entdecken. ,,Was ist los ?“ , rief

er. Einer der zwei Soldaten hatte die Waffe hochgerissen und zielte scheinbar sinnlos aufs Wasser hinaus. Ohne offensichtlichen Grund ging ein Ruck durch das kleine Schiff, als wäre es auf eine Sandbank gelaufen, im nächsten Augenblick war es aber auch schon wieder frei. Jack musste sich an der Reling festhalten um nicht zu stürzen und starrte hinab ins grün-blaue Wasser. Zuerst dachte er, eine Wolke hätte sich vor die Sonne geschoben und so die Wasserfläche vor ihnen verdunkelt. Dann jedoch erkannte er die Wahrheit. Ein gewaltiger Schemen glitt unterhalb der

Wasseroberfläche entlang… unter ihrem Boot hindurch und auf das in der Ferne liegende Minenschiff zu. ,,Bei allen Heiligen deren Namen mir nicht einfallen….“ Einer der Matrosen bekreuzigte sich mit einer raschen Geste. Eine Geste, die im Elektorat eher selten geworden war. Aber hier draußen hielt sich Aber- und Götterglaube wohl noch. Jack starrte weiter auf den Schatten im Wasser unfähig zu begreifen und zu erfassen, was vor sich ging. Hätte sich der etwa dreißig Meter breite Streifen dunklen Wassers nicht auf das andere Schiff zubewegt… und war dabei noch größer geworden, er wäre davon ausgegangen, das Ding das ihn

verursachte still stand. In einem Museum hatte er einmal die Knochen eines mittlerweile ausgestorbenen, Blauwals gesehen, aber verglichen hiermit wäre ein Blauwal winzig. Er trat langsam ein paar Schritte zurück, während der Schemen das Minenschiff fast erreicht hatte. Erst jetzt konnte er die wahren Ausmaße der noch immer verborgenen Kreatur erfassen. Hundertfünfzig Meter lang, mindestens, dachte er ungläubig. ,,Was zur Hölle ist das ?“ ,,Ein Levian.“ , rief ihm einer der Matrosen zu. Ein anderer schrie wie wild in ein Funkgerät. ,,Minenschiff 17, sofort abdrehen, hört

ihr mich ? Minenschiff 17, Levian auf Kollisionskurs. Und er ist sauer.“ ,,Und das i… ?“ Er brachte den Satz nicht zu Ende. Was immer es war, es hatte das Minenschiff erreicht. Der Matrose ließ das Funkgerät sinken. Das Wasser um den Stahlkoloss herumbegann scheinbar zu kochen. Jack war sich nicht sicher, meinte aber aufgeregt hin und her rennende Menschen auf dem Deck erkennen zu können. Einen Augenblick lang, der Jack doch endlos erschien herrschte plötzlich ruhe. Dann tauchte etwas aus dem Wasser auf. Ein pechschwarzer Schädel, der sich scheinbar unendlich langsam aus der

tiefe hob. Der Kopf wies einen Knochenkamm auf, der von der Stirn bis in den Nacken verlief. Und ein Maul voller Zähne, in das ihr kleines Boot dreimal gepasst hätte. Jack hatte selten so etwas wie Ehrfurcht empfunden. Jetzt aber empfand er etwas noch viel stärkeres. Nackte Angst. Er hatte Angst in dem brennenden Zimmern seiner Kindheit gehabt. Er hatte Angst während der Festnahme gehabt… Aber das hier vor ihm war etwas ganz anderes… Auf dem Minenschiff wurden mehrere Bordgeschütze abgefeuert, aber die

Kugeln richteten fast keinen Schaden an. Es erinnerte ihn ein wenig an den Versuch eines einzelnen Moskitos, einen Elefanten zu verletzen. Es war das Wissen, vollkommen unterlegen zu sein. Die Zeit schien unglaublich langsam zu vergehen, als der Koloss, der Jack immer mehr an etwas erinnerte, dass alten Seefahrergeschichten entsprungen sein mochte, sich auf das Schiff stürzte. Der Rumpf der Kreatur schlug auf dem Stahl auf, der dem Gewicht wenig entgegenzusetzen hatte. Jack sah, wie Metalltrümmer und unglückliche Matrosen in die Luft geschleudert wurden, während das Schiffsdeck eingedrückt wurde und

nachgab. Einige Männer sprangen ins Wasser, wurden aber von den aufgewühlte Fluten verschluckt, ohne jemals wieder aufzutauchen. Im nächsten Moment warf sich die Kreatur erneut gegen das Schiff und riss es endgültig mit sich in die Tiefe. Das ganze hatte vielleicht eine halbe Minute gedauert, aber Jack war es wie eine Ewigkeit vorgekommen. Dort wo eben noch das Schiff gewesen war trieben nur noch einige Trümmer im Aufgewühlten Wasser. Ansonsten war dort nichts mehr. Kein Matrose tauchte wieder auf. Aber wenigstens schien auch der Levian verschwunden zu

sein. ,,Es sind immer nur die Minenschiffe.“ , murmelte einer der Elektorats-Soldaten neben ihm. ,,Als ob es wüsste…“ ,,Was war das grade ?“ , fragte Jack. Er stellte fest, das seien Hände leicht zitterten. ,,Ein Levian. Und noch dazu ein verdammt großer.“ ,,Und das ist ?“ ,,Ein Aal… oder zumindest war es wohl mal so etwas in der Art.“ ,,Es war ?“ ,,Normalerweise werden die nicht so groß. Sie tauchen erst seit ein paar Monaten auf aber machen jede Menge Ärger. Wie sie grade selbst gesehen

haben.“ ,,Nett… Und wieso sagt mir das niemand, bevor wir hier rausfahren?“ ,,Wie gesagt, Sie greifen nur die Minenschiffe an. Meistens. Wir sind also vermutlich nicht in Gefahr.“ ,,Klingt ja sehr beruhigen.“ Jack stützte sich an der Reling ab. ,, Wo bin ich da nur reingeraten…“ ,,Ich gebe den Vorfall an den Hive durch. Vielleicht gibt es ja Überlebende.“ ,,Glauben sie das wirklich ? , wollte er wissen. ,,Bis jetzt… haben wir nie welche

gefunden.“ Am Abend fanden sich alle sechs Personen an Bord des Schiffs unter Deck ein. Jack musste sich etwas ducken, um sich hier unten bewegen zu können, da die meisten Räume aus Platzgründen recht niedrig gehalten waren. Bei den Gedanken, das Cloudsworth vermutlich nicht einmal von der Stelle kommen würde musste er ein Lachen unterdrücken. Das hätte nur zu dummen Fragen geführt. Allerdings war nach den heutigen Vorfällen niemand wirklich zu Gesprächen aufgelegt. Jack aß nicht viel sondern sah zu, dass er

wieder an Deck kam. Wenn es sich irgendwie einrichten ließ würde er wohl auch einfach im freien Schlafen, anstatt in den beengten Kabinen. Als er wieder aufs Deck hinaus trat, war der Himmel halb mit Wolken verhangen. Die andere Hälfte hingegen offenbarte eine Vielzahl von Sternen, die man auf der Erde nirgendwo mehr sehen würde. Aber so weit draußen gab es keine Lichter mehr, nicht einmal die entfernten Scheinwerfer eines anderen Schiffs. Stattdessen nur ein durch die Wolken begrenztes Sternenmeer, das sich im echten Meer darunter wiederspiegelte. Wie ging es jetzt den anderen? Er wusste es nicht. Weiterhin konnte er nur hoffen,

dass Minister Jones Wort halten würde. Jack trat an den Bug des Schiffes. Am Horizont zeichnete sich eine, im Sternlicht leicht glitzernde, Nebelwand ab. Er konnte auch nur hoffen, dass sie da nicht durch mussten. Im Dunkeln würden sie dann vollkommen blind sein. Er ging zurück zur kleinen Brücke des Schiffs und überprüfte dort ein paar Instrumente. Die Navigation funktionierte fast gar nicht, oder gab im besten Fall nur die ungefähre Position an. Und was den Funkverkehr anging, so hatten sie Glück, wenn die Hälfte ihrer Nachrichten auch durchkam. Wie Cloudsworth ihn gewarnt hatte, desto weiter sie draußen waren, desto

schlimmer wurde es. Und es war noch nicht vorbei.

Kapitel 16 Insel

Vor ihnen tauchten langsam die ersten Umrisse einer hohen Felsklippe am Horizont auf. Es war das erste was Jack von der Insel sah. Der Nebel von gestern hatte sich zum Glück im Laufe des Tages verzogen. Dafür waren bedrohlich wirkende Sturmwolken aufgezogen und er war froh, dass sie, wenn alles gut ging, bald zumindest festen Boden unter den Füßen haben würden. Die Klippen waren, wohl in Folge der ständigen Stürme und damit einhergehenden hohen Wellen, beinahe

Spiegelglatt geschliffen. Eine steile polierte graue Platte, die keinerlei Halt bot und das dämmrige Sonnenlicht wiederspiegelte An ihrem Fuß befand sich ein einige Meter breiter Sandstrand, der seinerseits wiederum an einen Wald grenzte, der aus riesigen Farnen und Schachtelhalmen zu bestehen schien. Zumindest, erinnerten die Pflanzen dort Jack daran. Er suchte den Strand langsam mit den Augen ab, aber die Entfernung war noch zu groß um viel erkennen zu können. Eine kurzen Augenblick lang glaubte er eine einzelne Gestalt zu erkennen, die vom Strand weglief, schreib das dann aber doch auf seiner Einbildung.

Vielleicht war es auch nur ein Vogel gewesen. Der Schemen jedenfalls war weg, als er das nächste Mal hinsah. Vermutlich war hier sowieso niemand, sagte er sich. Wie sollte jemand sich über zwei Monate lang hier verstecken können, irgendwo im nichts, ohne Vorräte oder ähnliches. Trotzdem würden sie sich umsehen. Wenn Terrell nicht hier war, dann vielleicht auf einer anderen Insel. Jack hatte mittlerweile beschlossen einfach davon auszugehen, dass der Mann noch lebte. Es würde die Sache hoffentlich einfacher machen. ,,Können wir an Land gehen ?“ , fragte

er. ,,Nicht hier, es sei denn sie wollen auf einer Sandbank enden.“ , erwiderte einer der Matrosen. ,,Wir müssen erst einen guten Anlegeplatz suchen.“ ,,Und auf dieser Inselseite gibt es keine ?“ , fragte er. ,,Nicht , das ich welche sehen würde.“ , erklärte sein gegenüber. ,,Sie können natürlich ins Wasser springen und schwimmen. Vielleicht frisst sie ja irgendetwas.“ ,,Na danke…“ , erwiderte Jack. ,,Bringen sie uns einfach auf die andere Seite dieses Sandhaufens.“ Während das Schiff langsam einen Kurs einschlug, der sie um die Insel

herumbringen würde, ging Jack über das Deck zurück zur Schiffsbrücke. Eigentlich nicht mehr, als eine Vielzahl von Instrumenten, die man unter einem Schutzdach aus Glas angebracht hatte. Die meisten funktionierten ohnehin nicht und auch der Kompass drehte sich nur sinnlos im Kreis. Verwunderlich, denn eigentlich sollte Liurie über eins stabiles Magnetfeld verfügen, das auch Navigation mit dem Kompass zuließ. Jack sah zurück zur Insel. Die einzige logische Erklärung war, dass hier irgendetwas extrem viel magnetisierbares Material gab. Wie etwa Eisen. Das Schiff selbst würde keine so starke Abweichung auslösen. Um seine

Vermutung zu überprüfen und um Zeit totzuschlagen nahm er den Kompass und trat damit an die Reling heran. Wie er vermutet hatte, richtete sich die Nadel sofort in Richtung der Insel aus und begann unstet hin und her zu schwanken. ,,Haben wir noch Funkkontakt zum Hive ?“ , fragte er einend er zwei Elektorats-Soldaten. Der Mann zog ein Funkgerät aus der Tasche und reichte es ihm. ,,Kann mich jemand hören ?“ Die einzige Antwort blieb weißes Rauschen. ,,Sieht nicht so aus.“ , stellte Jack enttäuscht fest. ,,Dann sind wir auf uns gestellt.“ Eigentlich war ihm das ganz recht. So konnte, nur für den Fall, dass sie Aaren fanden,

niemand sofort Bericht erstatten. Das fehlte ihm noch, das Cloudsworth oder das Elektorat jemanden schickten um den flüchtigen Kommissar zu überwachen. Die fünf die nun bei ihm waren allerdings… ,,Rufen sie alle zusammen.“ ,meinte Jack. ,,Sofort, Herr Kommissar.“ Wenigstens begegneten ihm die zwei Soldaten nicht mit Abneigung. Auch wenn sich das wohl sofort ändern würde, falls herauskam, wer er wirklich war. Aber bis dahin würde er sich wohl auf sie verlassen können. ,,Alle mal herhören. Nur für den Fall,

das wir tatsächlich Denjenigen finden, den wir suchen, niemand jagt ihn alleine. Aaren Terrel ist in jedem Fall gefährlich. Ist das soweit klar?“ ,,Ich hatte nicht wirklich vor einem Flüchtigen hinterherzurennen, der das halbe Elektorat zum Narren gehalten hat, wenn ich ihn sehe.“ , meinte einer der Matrosen. ,,Eher das Gegenteil.“ ,,Und er würde ihnen vermutlich in den Rücken schießen.“ , erwiderte Jack. Er war nicht sonderlich geübt darin Befehle zu geben. Aber langsam gewöhnte er sich an seine Rolle als Kommissar. ,,Zweitens, er wird nicht angegriffen wenn es sich vermeiden lässt. Also… ausdrücklich, es wird nicht geschossen,

bis ich es nicht sage. Haben das alle Verstanden?““ ,,Verstanden.“ ,,Gut. Ich will ihn Lebend.“ Sie hatten die Insel nun fast zu einem viertel Umrundet. Die Felsklippen, die er vorher gesehen hatte verliefen sich hier und das Land wurde flacher. Jack trat an die Reling und suchte wieder das Land ab. Einen kurzen Moment glaubte er einen grünlichen Schatten im Wasser gesehen zu haben. Aber vermutlich hatte ihm da nur die Sonne einen Streich gespielt. Mal wieder… Die Sturmwolken waren mittlerweile weitergezogen und hatten sich aufgelöst und nur blauer Himmel war zurück

geblieben. Wenigstens darum würden sie sich keine Sorgen machen müssen, wenn sich das Wetter hielt. Das Schiff passierte ein weiteres hohes Felskliff, das ein Stück ins Meer hinaus ragte und dann kam endlich etwas in Sicht, dass Jack kurz erstarren ließ. In einer natürlichen Bucht standen gut zehn oder mehr Hütten beisammen, umlaufen von einem überwucherten Drahtzaun. Mehrere Stege und Poller ragten hinaus ins Wasser. En Hafen. Auch die anderen bemerkten es. Jemand stoppte die Maschinen und das Schiff wurde langsamer. ,,Lebt hier jemand ?“ , fragte

Jack. ,,Hier sollte nichts sein.“ , erwiderte einer der ihn begleitenden Soldaten misstrauisch. ,,Vielleicht…“ ,,Was ?“ ,,Nun, Callahan und seine Leute, sie wissen schon, der abtrünnige Gouverneur ? Die müssen sich ja irgendwo versteckt haben.“ Jack nickte lediglich. Er hatte den Namen jetzt schon ein paar Mal gehört. ,,Sehen sie irgendwas ?“ , fragte er und sucht selbst die auf den ersten Blick verlassen wirkende kleine Siedlung ab. ,,Sie denken da ist noch jemand ?“ ,,Wir werden es erst rausfinden, wenn

wir dort sind. Einen besseren Punkt an Land zu gehen gibt es nicht.“ , antwortete er. Trotzdem beunruhigte es ihn, hier so etwas zu finden. Noch mehr Überraschungen. Misstrauisch suchte er erneut die Häuser und die Schatten dazwischen ab. Die anderen waren mittlerweile damit beschäftigt, das Schiff auf einen Kurs in Richtung des kleinen Hafens zu bringen. Seltsam genug war, dass es keine anderen Schiffe an den Docks gab. Wenn hier noch jemand war, dann war er hier ganz offenbar Gefangen. Seine Gedanken wanderten zurück zu Falk, Cooper und den Lighten-Brüdern. Er wusste dass ihn die Zeit davon lief.

Und Abundius… er wusste immer noch nicht, was der Mann mit all dem hier hatte bezwecken wollen. Seine einzige Hoffnung blieb, Aaren zu finden und dann vielleicht ein paar Antworten zu bekommen. Und doch kam er sich erneut wie eine Schachfigur vor. Diesmal eben auf Seiten des Justizministers, statt die von Abundius. Und war es nicht genau das? Ein riesiges Schachspiel, zwischen ihnen allen. Dem Elektorat, Abundius, den Ministern, ihm und vielleicht auch dem gesuchten Kommissar. Das war zumindest etwas, das ihm die Begegnung mit Cloudsworth gezeigt hatte. Das alles war ein Spiel. Nur wusste er nicht, ob er bloß eine

Spielfigur war, oder schon bald selber Spielen würde. Seine einzige eigene Figur in diesem Spiel schien bisher Tian Leech, der Hive-Pilot zu sein. Und was diesen Anging, war er sich nach wie vor nicht völlig sicher. Eine Bewegung im Wasser riss ihn aus seinen Gedanken. Als er aufsah schwamm eine Gestalt keine zehn Meter vom Schiff entfernt. Zuerst hielt er es für einen Menschen, vielleicht eine junge Frau wenn auch mit seltsamer Hautfarbe, erkannte aber schnell seinen Fehler. Silbrige Schuppen glitzernden auf dem Gesicht, das von dunklen Haaren eingerahmt wurde. Goldfarbene

Augen musterten ihn Aufmerksam, aber angespannt. Er hatte das Wesen weder gehört noch vorher gesehen, bis es plötzlich da gewesen war. Der Schatten im Wasser fiel ihm wieder ein. Und die anderen , die er auf dem Hive gesehen hatte… Aber warum zeigte es…sie… sich dann? Jack drehte sich rasch nach den anderen um, diese hatten allerdings nichts bemerkt. Einer der Soldaten unterhielt sich mit zwei Matrosen, während die übrigen zwei das Schiff auf Kurs hielten. Als Jack sich wiederumdrehte, war die Wasserfläche vor ihm leer. Kein Schatten im Wasser…

nichts. Habe ich Halluzinationen? , dachte er, schüttelte den Gedanken aber sofort wieder ab. Trotzdem… sie muss verdammt schnell sein, wenn sie einfach so verschwinden kann. Eine seltsame Begegnung. Und eine die Jack noch mehr Sorgen bereitete. Mit was würde er es hier noch zu tun bekommen? Und wieder die Frage, was hatte dieses Wesen dazu getrieben sich zu zeigen? ,,Alles in Ordnung mit ihnen Sir ?“ , riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. ,,Alles Bestens.“ , erwiderte er. Einige

Minuten später hatten sie das Dock erreicht. Das Schiff legte langsam längsseits an einem der Piers an, während Jack noch einmal seine wenige Ausrüstung überprüfte. Die Pistole war geladen, auch wenn er hoffte sie nicht zu brauchen und das Energieschwert würde vielleicht nützlich werden, wenn sie die Siedlung verließen. So wie es aussah, gab es sonst nirgendwo Zivilisation oder Spuren von Besiedlung. Das würde es schwer machen, eine einzelne Person hier zu finden. Sie würden jedes Gebäude und dann noch die Wälder durchsuchen müssen, um wirklich sicher zu gehen. Er sprang als erster von Deck und landete

auf dem Holz des Stegs. Die zwei mit Gewehren bewaffneten Soldaten folgten ihm langsam und sicherten sich nach allen Seiten ab, während die drei Matrosen etwas zurück blieben, als sie die ersten Schritte in die Siedlung setzten. Hinter den halb blinden Fenstern der Hütten gab es nichts Interessantes. Nur ein in paar Tische und leere Regale, die Zentimeterdick mit Staub bedeckt waren. Ein deutliches Zeichen, das hier seit Monaten niemand mehr gewesen war. Er war nur froh, hier nicht bei Nacht umherlaufen zu müssen. ,,Aufteilen“ , befahl Jack. Er konnte es sich nicht leisten Zeit zu

verschwenden, wenn niemand hier war. Zwei der anderen gingen den ausgetretenen Weg, der durch das Lager führte hinauf, während die übrigen drei sich in Gebäuden in Jacks nähe verteilten. Niemand schien es wirklich darauf anzulegen, ausgerechnet den Kommissar begleiten zu müssen und so zog er alleine los. Aber auch so würden sie lange genug brauchen, dachte Jack, als er die Tür zur ersten Hütte aufstieß. Hier gab es nichts, außer einigen Möbeln und etwas, das wie ein holografischer Kartentisch aussah, den schon eine Weile niemand mehr benutzt hatte. Als er die Platte aktivierte, überrascht, dass der Ort von

irgendwo her noch mit Strom versorgt wurde, bestätigte sich seine Vermutung. Normalerweise würden solche Karten immer mit den neusten Daten aktualisiert, sofern welche zur Verfügung standen. Hier draußen war das offensichtlich nicht der Fall. Es gab darauf eingezeichnete Schiffspositionen und Markierungen, die zumindest für Jack keinen Sinn ergaben. Einige der Koordinaten mussten sie passiert haben, ohne dort etwas zu entdecken. Auch die nicht mehr aktuellen Wetterdaten waren ein eindeutiges Zeichen. Diese Karten waren hoffnungslos veraltet. Vielleicht hatte der Soldat auf dem Schiff recht

gehabt… und das hier war tatsächlich die Operationsbasis des abtrünnigen Gouverneurs gewesen. Bevor er sich jedoch näher damit beschäftigen konnte, flackerte die Holokarte einmal auf und erlosch dann. Jeder Versuch Jacks, sie wieder zum Laufen zu bringen blieb ergebnislos. Entweder war die Elektronik durch das wiedereinschalten durchgebrannt oder… Er betätigte einen Lichtschalter in der Nähe und wieder passierte nichts. Vielleicht war nur eine Sicherung herausgesprungen , beruhigte er sich erneut. Das schien die naheliegest Erklärung zu sein. Vielleicht hatte jemand aber auch den

Strom gezielt abgeschaltet in der Hoffnung sie damit abzulenken. ,,Haben sie schon irgendeine Spur ?“ , rief ihm jemand von draußen zu. ,,Nein.“ , erwiderte Jack nur. Aber er würde jetzt wachsamer sein. In den nächsten zwei Stunden durchkämmten sie nach und nach auch die übrigen Gebäude am Hafen. Aber außer verstauben Möbeln und einer Lager Halle mit Vorräten, die man wohl einfach zurückgelassen hatte, fanden sie nichts. Lediglich das Auffinden einer Waffenkammer sorgte kurz für Unruhe. Es handelte sich um einen kleinen Betonbau, der sich am Rand der Siedlung befand, dort wo ein Zaun die

Außengrenze umlief, der einst vielleicht unter Strom gestanden hatte. In dem Bau selbst gab es mehrere hohe Regalreihen mit Gewehren und Munition, ebenfalls von einer Staubschicht bedeckt. Auch hier war seit langem niemand gewesen. Jetzt blieben ihnen nur noch, die paar Häuser oberhalb der Docks und dann die Insel selbst. Aber dort draußen wäre es extrem schwer jemanden zu finden.

Kapitel 17 Treffen


Jack betrat das letzte Haus, das er noch nicht durchsucht hatte. Seine übrigen Begleiter verteilten sich derweil auf einige der übrigen Gebäude, oder begannen bereits damit, den Pfad, der vom Tor der Siedlung aus in die Farn-Wälder führte zu folgen. Wenn sich jemand jedoch dort draußen versteckte, wäre es fast unmöglich ihn zu fünft zu finden, dachte Jack enttäuscht. Sie würden Tage brauchen und müssten dann vielleicht doch unverrichteter Dinge

abziehen… Langsam trat er durch die einfache Tür in eine Kammer, der sich auf den ersten Blick nicht von den dutzend anderen Unterschied, die er bisher schon gesehen hatte. Ein Bett befand sich am Ende des Raums, ein Durchgang führte offenbar in einen weiteren Nebenraum. Und vor dem zur Tür ausgerichteten Fenster stand ein einfacher Tisch. Es war dieser Tisch, der Jack stutzig machte. Kein Staub. Und darauf lagen zwei Pistolen eines Typs, die er wiedererkannte. Wieso sollte jemand so etwas hier zurücklassen? , dachte er als er eine der

schweren Waffen in die Hand nahm. Wie er erwartet hatte befand sich am Griff eine deutliche Prägung. Ex iniuria ius non oritur“ Aus Unrecht wird kein Recht. Das war definitiv die Waffe eines Kommissars. Jack legte sie wieder hin. Er fühlte sich unwohl damit. Jemand musste hier gewesen sein. Aber wann ? Auf jeden Fall in den letzten paar Tagen. Trotzdem, das war der erste wirkliche Hinweis, dass er auf der richtigen Spur war. Langsam ging er weiter in den Nachbarraum. Eine kleine Küche, lag vor ihm. Ein Gasherd mit Ofen und ein kleines Regal mit Konserven bildeten die einzige

Einrichtung. Aber irgendetwas musste all das mit Strom versorgt haben… Er dachte an das plötzliche Ausfallen der Holokarte zurück. Irgendwo musste es einen Generator geben. Das einzige was verriet, das in letzter Zeit jemand hier gewesen war, war auch hier der fehlende Staub. Jemand hatte es so aussehen lassen wollen, als wäre dieser Ort schon lange verlassen. Und das hieß… dieser jemand wusste bereits seit einer Weile, dass sie hier waren. Wie lange mochte er gebraucht haben, um hier alle Spuren zu beseitigen? Vielleicht ein paar Minuten. Aber warum hatte wer auch immer es gewesen war, dann die Waffen zurückgelassen?

Das tat man nicht. Nicht wenn man damit rechnete, verfolgt zu werden. Es sei denn man hatte einen guten Grund dafür. Ein Köder vielleicht ? Rasch ging er durch die Küche zurück in den Vorraum und trat wieder nach draußen. Als Jack zurück ins Sonnenlicht trat konnte er niemanden sehen. Natürlich, was hatte er erwartet? Das Aaren einfach auftauchen würde, nachdem er vielleicht Beweise gefunden hatte, das der Kommissar tatsächlich hier war? So dumm wäre der Mann sicher nicht. Er würde sich verstecken, bis sie gingen. Genug Raum dafür hatte er und sie waren nur zu fünft. Oder eben auch

nicht. Um ihn herum war es vollkommen still. Viel zu still, wie Jack langsam klar wurde. ,,Hey, hört mich jemand ?“ , rief er. Die anderen sollten entweder in den übrigen Gebäuden , am Tor das in die Wälder führte, oder auf dem Weg dahinter sein, aber er erhielt keine Antwort. Langsam griff Jack nach seinem Energieschwert und ließ die Klinge in seine Hand springen. Er vertraute der Kline mehr als einer Feuerwaffe, für den Fall, das er Angegriffen würde. Und er wollte niemanden töten, solange es nicht nötig wurde. Mit dem Schwert konnte er einen Angreifer einfach bewusstlos

schlagen, solange das Klingenschild aktiv war. Er ging um die Hütte herum, die er soeben durchsucht hatte und fand, was er bereits erwartet hatte. An der Außenwand des Hauses stand ein einzelner Generator. Abgeschaltet, wie Jack sofort feststellte, aber als er eine Hand auf die etwas angeschlagene Metalloberfläche legte musste er sie sofort wieder wegziehen. Der Generator war noch kochend heiß. Und das hieß jemand hatte ihn erst vor kurzem abgeschaltet. Hinter sich nahm Jack aus den Augenwinkeln einen Bewegung war und warf sich instinktiv zur Seite, um einem

eventuellen Angriff zu entgehen. Er kam strauchelnd wieder auf die Füße ,,Was zur….“ , setzte er an. Vor ihm stand ein Mann in abgerissener Kleidung. Die Haare waren etwas länger und ein ungepflegter Bart aus Stoppeln verlieh seinem Gegenüber etwas Heruntergekommenes. . Wie man es eben von jemand erwartete, die zwei Monate hier festsaß. Die Augen jedoch musterten ihn mit Intelligenz und ohne ein Zeichen von Angst. Nur berechnend und kalt… wie er es von Falk kannte und jedem anderen Kommissar, dem er bisher begegnet war. Es erinnerte ihn daran mit wem er es zu tun hatte. Mit einem der Elite des Elektorats. Jack erkannte sein

gegenüber , trotz seines leicht mitgenommenen Aussehens von den Fotos wieder. Aaren Terrel schien nicht besonders beunruhigt, über ihr hier sein. Niemand hatte auf Jacks Rufen vorhin geantwortet. Vielleicht waren fünf Leute viel zu wenig für diese Mission gewesen, dachte er düster, während er und der echte Kommissar sich weiterhin regungslos gegenüberstanden. Der Blick des Mannes fiel auf das Justitia-Emblem an seiner Kleidung. Der Ausdruck in Aarens Augen änderte sich fast augenblicklich von ruhig zu Wut, vermischt mit etwas, dass nur Angst sein konnte. Sofort musste Jack sich unter einem

Schlag wegducken. Im nächsten Moment zog ihm der Fremde die Beine weg und er schlug auf dem Boden auf, während sein Gegner einen Satz über ihn machte und durch eine Lücke im Zaun im Wal verschwand. Jack rappelte sich wieder auf und rannte hinterher. Er setzte über einen umgefallenen Baumstamm und stolperte mehrmals beinahe, bevor er den Wald erreichte. Der Boden hier war tückisch für einen Fremden, aber Aaren… der Mann musste das Gelände hier mittlerweile in und Auswendig kennen. ,,Stehenbleiben.“ , rief Jack der vor ihm nur schemenhaft erkennbaren Gestalt zu, während er gleichzeitig einen

Baumstamm mit der Energieklinge Durchschnitt, der ihm im Weg war. Der Kommissar war überraschend schnell und Jacks einziger Vorteil war, dass er um das Unterholz nicht herumlaufen musste wie Aaren. Er schlug einen Zweig aus dem Weg und stolperte schwer amtend auf eine kleine Lichtung hinaus. Am anderen Ende stand Aaren, kaum außer Atem und offenbar nicht bereit auf ihn zu warten. ,,Warte sie.“ , reif Jack, bevor der Mann wieder im Wald verschwinden konnte. ,,Ich bin…“ Er musste ein paar Mal tief durchatmen. ,,Ich bin nur hier um mit ihnen zu reden.“ Er trat ein paar Schritte auf die Lichtung

heraus. Tatsächlich blieb der Kommissar stehen und drehte sich wieder zu ihm um. ,,Dann tun sie das von dort aus oder gar nicht.“ , erklärte Aaren. ,,Wer sind sie und was wollen sie ?“ ,,Sie zuerst.“ , sagte Jack. Er brauchte endgültige Gewissheit ,,Aaren Terrel.“ , erwiderte Aaren. ,,Jetzt sie. Ich kenne fast alle Kommissare. Und sie sind keiner davon.“ ,,Jack Walt. Und ich bin eher unfreiwillig dabei.“ , sagte er. Aaren erwiderte nicht sofort etwas. Lange schein es einfach nur so, als wartete er auf etwas. ,,Wer hat sie geschickt ?“ , wollte

Aaren schließlich wissen. ,,Das ist eine lange…“ ,,Wer ?“ ,,So gesehen.. vermutlich Arthur Jones.“ , antwortete Jack. Aarens Blick wanderte zu der Pistole an seiner Hüfte. Überraschung spiegelte sich auf dem Gesicht des Kommissars wieder. ,,Interessant.“ , meinte er. ,,Was ?“ ,,Ihre Waffe. Woher haben sie die?“ ,,Vom Justizminister.“ ,,Warum sollte er…“ , murmelte Aaren. ,,Warum sollte er was ?“ ,,Diese Waffe gehört ganz klar Jones. Die Frage ist… warum sollte er sie ihnen

geben?“ ,,Wieso sollte er es nicht ?“ Aaren antwortete nicht, sondern fragte stattdessen: ,,Wieso sind sie hier?“ ,,Das ist wirklich eine lange Geschichte.“ ,,Ich habe Zeit, falls es ihnen entgangen ist.“ , sagte Aaren und machte eine Geste mit den Armen, als wollte er die komplette Insel umfassen. ,,Zeit ist so ziemlich das einzige, wovon man hier draußen mehr als genug hat.“ Ich aber nicht, dachte Jack. Er musste sich dazu ermahnen ruhig zu bleiben. Der Mann war in jedem Fall schneller als er. Und im Lauf auf ihn zu schießen würde ihn vielleicht töten.

Langsam legte er zumindest das Energieschwert weg und setzte sich. Das würde wirklich einen Moment dauern. Aber, eines musste er wissen, ,,Was ist mit den Leuten, mit denen ich hier war ?“ Aaren lächelte. Offenbarhielt er ihn fürs erste nicht mehr für eine Bedrohung. ,,Ziemlich nutzlose Idioten wenn sie mich Fragen.“ , meinte er mit einem Anflug von Genugtuung. ,,Sie werden etwas Kopfschmerzen haben, wenn sie aufwachen. Eingesperrt auf ihrem Schiff. Sie sollten wirklich lernen abzuschließen.“ ,,Sie hätten sie töten sollen.“ , meinte

Jack. Das würde alles nur viel komplizierter machen. ,,Wieso sagen sie das ?“ Der ehemalige Kommissar klang jetzt fast wütend. Trotzdem blieb er ruhig stehen. Er drohte nicht oder wurde laut, die Worte trafen Jack jedoch. Was dachte dieser Mann sich dabei? Es würde auch so schon schwer genug, mit Aaren zur Erde zurück zu kommen ohne das er fünf misstrauische Leute um sich hatte, von denen zwei auch noch zum Militär gehörten. ,,Sie werden uns im Weg sein.“ , sagte Jack schließlich. Das war eine Antwort, mit der ein Kommissar wohl zufrieden sein sollte.

Offenbar, dachte sein Gegenüber jedoch nicht so. ,,Und das reicht ihnen als Rechtfertigung , Walt ?“ , wollte Aaren wissen. ,,Ich weiß nicht, wer sie sind, ein Kommissar wohl offensichtlich nicht, egal welches Emblem sie tragen.“ Jack runzelte die Stirn. War das wirklich so offensichtlich? Vielleicht erklärte das Cloudsworths Verhalten ihm gegenüber. Und wenn dem so war konnte es weitere Schwierigkeiten bedeuten. ,,Aber… wenn sie glauben nur weil ihnen jemand unangenehm ist, egal in welcher Weise, rechtfertige das seinen Tod, dann sind sie verdammt nahe dran einer zu

sein.“ ,,Ich habe es nicht so…“ , begann Jack. Es war eine Ausrede und klang auch genauso, wie ihm klar wurde. ,,Und ob sie das haben. Ich habe genug Leute aus dem gleichen Grund getötet.“ Etwas blitzte in den Augen des Mannes auf. Etwas Gefährliches, Kaltes. ,, Ich weiß sehr genau, wie sie das meinen.“ Jack sah weg. Gott, wieso fühlte er sich plötzlich so schuldig? Woher nahm dieser Mann sich das recht ihm Vorwürfe zu machen? Aaren Terrel hatte mit Sicherheit mehr Unschuldige getötet, als er jemals kennen würde. Viel mehr. Und doch nahm er sich das recht heraus ihn zu verurteilen? Einfach so

? Er tat was richtig war, dachte Jack. Und er würde es weitertun, bis er tot oder das Elektorat in Asche lag. Seine eigenen Gedanken beunruhigten ihn. War das aus ihm geworden? Die altbekannte Wut war praktisch zu einem Teil von ihm geworden, so dass er sie kaum noch bemerkte. Außer in Augenblicken wie jetzt. Und das Aaren ihm gegenüber trotz seiner Worte so ruhig blieb, verstärkte diesen Eindruck nur. Der Mann strahle etwas aus, das Jack nur mit Seelenfrieden beschreiben konnte. Wie jemand, der viel Zeit im Dunkeln verbracht hatte, nur um dann wieder ins Licht zu treten, in dem Wissen, das er

dort bleiben würde. Ein seltsamer Mann, wie Jack dachte, selbst wenn er ihn erst seit ein paar Minuten kannte und noch nicht klar schien, wie ihre Begegnung ausging. Langsam drängte er Wut und Nervosität wieder dorthin zurück, wo sie hingehörten. Die Flammen in seinem Geist erstickten, zumindest fürs erste. . Aaren wirkte auf ihn ein wenig wie ein Teich. Tief und ruhig aber auch ein offener Gegensatz zu sich selbst. Jack wusste nicht, ob es an seiner Kommissar-Ausbildung lag, oder ob es eine natürliche Eigenschaft des Mannes war, aber es war ihm unmöglich zu erraten, was er dachte.

,,Sie haben keine Ahnung.“ , erwiderte er nur. ,,Ich fürchte sogar, mehr als sie ahnen.“ , erwiderte Aaren.,, Also, was tuen sie hier ?“ So begann Jack also, seine Geschichte zu erzählen. Wie er Abundius das erste Mal begegnet war, die Vorkommnisse auf der Erde ,von seinen Entdeckungen in den unterirdischen Labors über die Zunehmenden Unruhen bis hin zu dem Ende das ganzen auf einer Gefängnis-Raumstation im Erdorbit. Aaren unterbrach ihn kein einziges Mal, sondern hörte einfach nur zu. Trotzdem glaubte Jack, dass der Kommissar kurz

aufhorchte, als er Abundius erwähnte. Nachdem Jack seine Geschichte mit dem Auftrag des Ministers, Aaren zu finden, fortsetzte und mit der Abreise vom Hive und der Begegnung mit dem Levian schloss schwieg Aaren eine Weile. Wieder wünschte er sich auch nur erahnen zu können, was der Mann grade dachte, oder ob er ihm überhaupt glaubte. Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich es nicht tun, dachte Jack. Der Kommissar musste immerhin damit rechnen zu sterben, sollte er jemals wieder dem Elektorat in die Hände fallen. Aber er musste auch um jeden Preis mitkommen, dachte Jack. Eine andere

Möglichkeit gab es nicht. Notfalls würde… Ja was würde er eigentlich tun? Es war nicht so, dass er in der Position war, Aaren zu irgendetwas zu zwingen. Der Kommissar schien immer noch nachzudenken. Statt irgendeiner Antwort, die Jack erwartet hatte, sagte Aaren schließlich: ,,Ich kenne Abundius schon eine Weile. Aber ich hätte nicht gedacht, dass er so weit geht.“ Er schien ernsthaft besorgt. ,,Nun, ich habe ihn bereits einmal unterschätzt. Aber das… ist neu.“

Kapitel 18 Nachrichten




Aaren beobachtete den Mann, der vor ihm auf dem Boden saß. Warum tauchte er jetzt hier auf? Er drehte sich um und sah einen Moment zwischen die Bäume hindurch in Richtung der Siedlung und des Meers. Es war beinahe seltsam, wie sehr ihm das Wasser jetzt bereits fehlte. Es schien ihm immer zu beruhigen und beim Nachdenken zu helfen. Jetzt jedoch musste er so eine Entscheidung fällen. ,,Was wissen sie über Abundius ?“ ,

wollte Jack von ihm wissen und riss ihn aus seinen Gedanken. Aaren zögerte, bevor er antwortete. ,,Ich glaube mehr als die meisten, aber auch nicht sehr viel mehr als sie. Seinen richtigen Namen kenne ich auch nicht. Aber als er hier auf Liurie war, habe ich mit ihm zusammen gearbeitet.“ Er machte eine kurze Pause. ,,Ich glaube er hat die richtigen Ideen… aber die falschen Methoden.“ ,,Was ist passiert?“ , fragte Jack. Irgendetwas musste passiert sein. Etwas so großes, das es den Aufstand auf der Erde auch rechtfertigte. Er kannte die Umstände nur teilweise, die zu der ganzen Situation geführt

hatten. ,,Nun, er hat mich erschossen, wenn sie so wollen.“ , erklärte Aaren. ,,Und das haben sie überlebt ?“ ,,Irgendwie.“ Er wollte Sonea nicht erwähnen. Noch wusste er nicht, ob er dem Mann wirklich trauen konnte. Oder konnte er das doch? Es kam ihm selbst wie eine Ausrede vor. Die Wahrheit war sehr viel einfacher… er wollte ihm nicht vertrauen. Aus einem sehr einfachen Grund. ,,Sie glauben mir nicht.“ , stellte Jack fest. ,,Ich glaube ihnen durchaus.“ Er konnte gar nicht anders. Zumindest Teile davon mussten der Wahrheit entsprechen.

Abundius gestohlene Daten beispielsweise. Details, die er anders nur schwer in Erfahrung hätte bringen können. Und der Mann war ganz sicher kein Kommissar. Der hätte ihn längst getötet… oder es zumindest versucht. Trotzdem umgab sein gegenüber etwas, das Aaren vorsichtig werden ließ. ,,Dann müssen sie mit mir kommen.“ , sagte Jack entschieden und mit einem Anflug von Wut. Das war es was ihn störte. Der Mann war ungeduldig und schien ständig kurz vor einem Wutanfall zu stehen. Und seine Äußerungen… Wieso erinnerte ihn das alles nur zu sehr an sich selbst? Rückblickend hatte er beinahe die letzten

fünf Jahre in genau diesem Zustand verbracht und es hatte ihn fast zerstört, bis er gelernt hatte, wie er davon weg kam. ,,Ich gebe ihnen einen guten Rat.“ , meinte er. ,,Passen sie auf, das sie sich nicht verbrennen. “ ,,Was ?“, wollte Jack wissen. Der Satz schien keinen Sinn zu ergeben Auch wenn er ihn kurz zurück in einem Raum voller Flammen versetze. Die Narbe an seinem Bein, wo ihn ein brennender Holzbalken eingeklemmt hatte schien grade frisch entstanden zu sein. ,,Sie sind wütend.“ , erklärte Aaren . ,,Aber sie sollten nicht zulassen, dass sie das verändert. Hassen sie das Elektorat?

“ ,,Wissen sie was diese Männer getan haben ?“ , fragte Jack, er sprang auf und begann auf und ab zu laufen. ,,Ob ich sie Hasse ? Und ob ich das tue. Sie haben Menschen… verändert… in gefühllose Kampfmaschinen. Freunde und Bekannte von mir. Sie haben selbst die Kommissare getötet die sie nicht völlig unterstützten. Sie haben auf Zivilisten geschossen, die sich nicht einmal wehren konnten. Und sie fragen mich, ob ich wütend bin? Sie verstecken sich seit zwei Monaten hier, verkriechen sich in irgendeinem Loch, während die Erde brennt. Sie haben keine Ahnung „“ Jack erwartete, dass der Kommissar

irgendetwas erwidern würde. ,,Ich habe genug gekämpft Walt . Ich habe genug Leute getötet und wenn ich jetzt gehe… tue ich es wieder. Egal was Jones plant, das Elektorat alleine zu bekämpfen ist zwecklos.“ ,,Wie können sie…“ , setze Jack an. ,,Weil es so ist Jack. Diesen Kampf können sie nicht gewinnen.“ ,,Wenn sie nicht mitkommen, werden meine Leute sterben.“ ,,Der Justizminister wird ihnen auch so helfen, sie sollten herausfinden, was mit mir geschehen ist oder ? Nun sie können ihm ausrichten, das ich aufgewacht bin.“ , erwiderte Aaren. Er war jetzt selber wütend.

,,Wir werden sie brauchen. Aaren, haben sie mir zugehört? Er will sich gegen das Elektorat stellen, das ändert alles.“ ,,Das ändert nichts.“ , erwiderte er. ,,Sein Kampf ist sinnlos. Wenn wir nicht alle aufstehen, können wir nicht siegen. Das Elektorat ist zu mächtig um es alleine zu bekämpfen. Für jeden von uns.“ ,,Und genau deshalb bitte ich sie um Hilfe.“ ,,Ich kann und werde nie wieder für irgendjemanden töten. Tut mir leid, dass sie den Weg umsonst gemacht haben.“ Er wendete sich zum Gehen. ,,Sie können doch nicht einfach so

abhauen.“ ,,Und ob.“ Aus den Augenwinkeln nahm er noch wahr, dass Jack zur Pistole griff. ,,Stehenbleiben.“ Aaren drehte sich nicht wieder um. ,,Was wollen sie tun ? Mich erschießen?“ , fragte er ohne langsamer zu werden. An wen erinnerten ihn diese Worte bloß? Jack stand einen Moment unschlüssig da, die Waffe in der Hand. Dann lies er sie sinken. Sollte das alles umsonst gewesen sein… Vermutlich hatte Aaren recht. Jonson würde ihm helfen. Der Justizminister musste ihm jetzt sogar helfen. Er hatte seine Antwort. Ob der Minister damit zufrieden war oder nicht. Aber das der

Mann einfach so Aufgab... Nur langsam wurde ihm klar, dass er einfach enttäuscht war. ,,Das ist es also ja ? Sie laufen einfach Weg ?“ ,,Ich habe einen Großteil meines Lebens damit verbracht wegzulaufen.“ , rief Aaren zurück. Vor sich selbst vor allem. Im nächsten Moment war er irgendwo zwischen den Bäumen verschwunden. Ungläubig, wie schnell alles vorbei gewesen war stand Jack noch einen Moment ohne sich zu rühren auf der Lichtung. Erst dann machte er sich langsam auf den Rückweg zum Schiff. Seltsam genug spürte er diesmal jedoch keine Wut in sich hochkochen.

Es schien so sinnlos, dachte er, als er durch die Straßen der Siedlung zurück in Richtung Hafen ging. Nach allem was er gehört und getan hatte, hatte er mehr erwartet. Aber was ? Das Aaren ihnen einfach so helfen würde? Einfach, weil er es gehofft hatte ? Er trat einen Stein über den Weg, der gegen eine Hauswand schlug und dort liegenblieb. Sollte er doch hierbleiben, dachte Jack, während er die Docks erreichte und die Rampe zu ihrem Schiff heraufstieg. Aber eine Frage hatte er dem Kommissar nicht gestellt. Was hatte ihn dazu gebracht, sich gegen das Elektorat zu

stellen? Ein Klopfen an der mit einem Riegel blockierten Lucke zum Unterdeck riss ihn aus seinen missmutigen Gedanken. Das hatte er fast vergessen. Wenn Aaren die Wahrheit gesagt hatte, hatte er seien fünf Begleiter unter Deck eingesperrt. Erst dachte er daran, die Luke einfach zu zulassen. Die ganzen Vorräte waren unten. Oder sie doch zu töten… Jack trat einen Schritt zurück, als hätte er Angst, jemand könnte den Gedanken gehört haben. Zumindest darin konnte er Aaren Recht geben. Wenn e das täte… was unterschied ihn dann noch von denen, die er bekämpfen wollte? Aus dem Kommissar war vielleicht ein

Pazifist geworden, aber den bei offenbar allen Kommissaren ausgeprägte Scharf- und Gerechtigkeitssinn schien das nicht beeinträchtigt zu haben. Ein Gerechtigkeitssinn, den das Elektorat mit den Mentalblockern zu unterdrücken versuchte. Langsam glaubte Jack es zu verstehen, als er den Riegel schließlich aufzog. Auch Emotionslosigkeit schützte wohl nicht vor simpler Voreingenommenheit. Sofort kamen die zwei Elektorats-Soldaten gefolgt von den Matrosen herausgestürzt, die Waffen im Anschlag. ,,Was…“ Daran hatte er nicht gedacht, Irgendetwas musste er ihnen ja

erzählen… ,,Alles in Ordnung.“ , sagte Jack, nachdem ihn die fünf überrascht und fragend ansahen. ,,Was ist passiert ?“ Jetzt hieß es improvisieren. ,,Er ist mir entkommen.“ , erklärte er. ,,Das war also tatsächlich Aaren ?“ , fragte einer der Soldaten. ,,Wenn sie sich nicht von irgendeinem Schiffbrüchigen zum Narren haben halten lassen dann ja.“ ,,Ich habe ihn gar nicht gesehen. Nicht mal bemerkt.“ , erklärte ein Matrose. ,,Warum hat er uns nicht getötet.“ ,,Egal, diesmal holen wir ihn uns.“ , erklärte der zweite

Soldat. ,,Nein.“ , denk dir was aus, Befahl Jacks ich selbst. ,,Wir sind zu wenige.“ ,,Sechs gegen einen ?“ ,,Wir… wir bleiben erst einmal hier. Ich…“ Ja was eigentlich ? Die Wahrheit war, er wusste nicht, was er tun sollte. Einfach gehen vermutlich. Aber dann war wirklich alles umsonst gewesen. ,,Ich brauche einen Plan.“ , sagte er schließlich. Wann hatte er sich das letzte Mal so verloren Gefühlt? ,,Ich sage, wir holen ihn uns.“ , meinte der erste Soldat wieder. ,,Ich sagte Nein.“ , ermahnte Jack ihn. ,,Wieso nicht ? Sie können uns keine

Befehle…“ Bevor jemand wusste was geschah, hatte Jack die Pistole in der Hand und drückte sie dem Soldaten an die Stirn. ,,Was ist an einem nein so schwer zu verstehen ?!“ , rief er. ,,G… gar nichts , Herr Kommissar.“ Er nahm die Waffe runter. ,,Und die anderen… ihr habt doch bestimmt irgendetwas zu tun.“ Mit diesen Worten ging er unter Deck und warf die Luke hinter sich zu. Normalerweise blieb er lieber an der frischen Luft, aber jetzt grade brauchte er ruhe. Er konnte nicht alles Regeln. Nicht alleine, zumindest. Und der einzige Mann, der ihm im Augenblick

eine große Hilfe sein könnte, war stur.. Jack ging in seine Kabine, die eigentlich nur aus einem vielleicht vier Quadratmeter großen Raum mit einem Tisch und einem Bett bestand und setzte sich. Die Antwort war klar… Er hatte sich noch nie so ziellos Gefühlt. Er konnte jetzt zurückgehen, Liurie wieder verlassen und nichts hier, noch sonst wo würde sich ändern. Und Tian… Was konnte er schon für den Mann tun? Sie waren immer noch zu wenige. Ein wirklicher abtrünniger Kommissar wäre ein Zeichen für die Leute, das sie sich wehren konnte, das sie es sogar mussten. Denn wenn sich

selbst die Inkarnationen des Gesetzes gegen das Elektorat wendeten, was hielt sie dann noch zurück? Er nahm sich einen Tablet-Computer aus einer Schublade des Tischs. Normalerweise war das Gerät so eingestellt, das es ständig die neusten Nachrichten abspeicherte. Hier draußen befanden sie sich zwar außerhalb der Reichweite jedes Senders, trotzdem waren die Daten noch nicht allzu alt und er war in letzter Zeit nicht dazu gekommen, sie durchzusehen. Natürlich waren nach wie vor die Aufstände das Hauptthema. Offiziell sprach man von ,,kleinen Gruppen „ und ,,terroristischen Individuen“ aber Jack hatte gelernt

zwischen den Zeilen der Zensur zu lese. Desto weniger Beteiligte das Elektorat zugab, desto mehr waren es vermutlich. Und einige aufgezeichnete Videos sprachen ihre ganz eigene Sprache. Brennende Häuserreihen und besetzte Gebäude. Dazwischen rennende Menschen und eine langsam vorrückende Wand aus Soldaten, die Jack sofort als Ulanen erkannte. Wächserne Gesichter , ohne ein Zeichen von Angst oder sonstigen Emotionen. Aus einem Fenster blitze Gewehrfeuer auf und wie auf ein stilles Kommando zielten sofort drei Dutzend Ulanen auf das Gebäude und verwandelten es in einen Sieb. Die dünnen Betonwände

stellte für die Hochgeschwindigkeitsgeschosse kaum ein Hindernis dar. Und wenn außer dem Schützen noch jemand in dem Gebäude gewesen war... Jack wollte nicht darüber nachdenken. Es gab noch mehrere hundert ähnlicher Aufzeichnungen, alle zeigten entweder wenige einzelne oder kleinere Gruppen von Aufständischen, aber nie die große Masse, die Jack während ihrer Verhaftung gesehen hatte. Irgendwie war er froh darüber. Dann musste er sich wenigstens kein weiteres Blutbad ansehen. Was eine einzige Zerstörer-Drohneneinheit mit einer

Menschenmenge anstellen konnte, hatte er gesehen. Vielleicht hatte Aaren Recht. Selbst wenn so viele sich erhoben, es brauchte mehr um die eingeschworenen und loyalen Streitkräfte des Elektorats zu besiegen. Es brauchte Organisation und Steuerung. Und selbst dann verdammt viel Glück. Etwas, das er grade jetzt ebenfalls verdammt gut gebrauchen konnte. Jack legte das Tablett beiseite. Neben den Berichten über die Aufstände gab es kaum etwas Interessantes oder auch nur glaubhaftes. Nur eine Nachricht erregte noch seine Aufmerksamkeiten. ,,Ministeriumsviertel abgeriegelt.“ Stand

dort nur über einer kurzen Nachricht, dass die Ministerien der Justiz, der Verteidigung und das Finanzministerium aufs erste nicht mehr zugänglich und die umgebenden Straßen weiträumig abgesperrt waren. Die Nachricht schaffte es tatsächlich ihn zum Lächeln zu bringen. Offenbar bekamen die Minister langsam wirklich Angst, egal was sie verkünden ließen.

Kapitel 19 Rückkehr


Aaren trat aus dem Wald auf den Strand hinaus. Die Siedlung lag mittlerweile ein Stück hinter ihm. Nach seinem Treffen mit Jack hatte er nicht grade den Wunsch gehabt, dorthin zurück zu kehren. Zumindest nicht, bis der Fremde und seine Begleiter verschwanden. Er ging ein Stück den Strand entlang, auf dem vereinzelte Quarzstücke im Sand glitzerten, herausgewaschen über Jahrtausende aus den Felsklippen, die das innere der Insel umschlossen. Wie schnell sich wieder alles ändern konnte... Eine Weile sah er schweigend

aufs Meer hinaus, eine mittlerweile fast schon zwanghafte Angewohnheit. Als hoffte er irgendwie, das die Wellen ihm ein Antwort liefern würden. Das vielleicht zwar nicht, aber bald sah er etwas anderes im Wasser. Nur ein Schatten, aber doch sichtbar, wenn man wusste, wonach man Ausschau halten musste. ,,Ich weiß das du da bist.“ , flüsterte er mehr zu sich selbst, als zu dem Schemen. Wenn sie nicht gesehen werden wollte, würde er sie auch nicht bemerken. Wenige Augenblicke später tauchte ein silbriger Kopf aus den Wellen auf. Sonea sah sich um, als würde sie ihn suchen. Also ob du nicht wüsstest, dass

ich längst hier bin, dachte Aaren. Manchmal fragte er sich, ob der Naias überhaupt etwas entging. Er hätte zumindest Mitleid mit jedem, der dumm genug war, die Intelligenz dieser Wesen auch nur im Geringsten zu unterschätzen. Er hatte diesen Fehler einmal gemacht, genauso wie Callahan. Er setzte sich ans Wasser und wartete, bis sie den Strand erreicht hatte. Sonea setzte sich ohne einen Laut neben ihn. ,,Ich bin mir manchmal nicht sicher, warum du noch hier bist.“ Sie antwortete nicht. Natürlich nicht. Aber ihre Augen verrieten eine Besorgnis, die er so nicht kannte.

,,Mir geht es gut.“ , meinte Aaren nur. ,,Zumindest halbwegs.“ Es war eine schlechte Lüge, aber was konnte er sonst sagen? ,,Angst ?“ Es war eine Frage, das war ihm klar. Aaren sagte eine Weile nichts, sondern sah einfach nur erneut aufs Wasser hinaus. Mit der Zeit, war er vielleicht genauso schweigsam geworden, wie Sonea. Ein paar Worte reichten meistens ohnehin aus. Und ansonsten gab es hier auch niemanden, mit dem er reden könnte. Die Wellen brachen sich ein Stück weit vom Ufer entfernt und überspülten den Sandstrand in regelmäßigen Abständen, so dass das

Wasser seine Füße erreichte. Wie einfach einmal alles gewesen war. Aber jetzt nicht mehr. Trotzdem. Er bereute es nicht. ,,Nein keine Angst.“ , erklärte er. ,,Sieht nur so aus als könnte ich meine Vergangenheit einfach nicht hinter mir lassen.“ Was er Jack gesagt hatte stimmte. Er wollte sich nicht wieder in irgendetwas hereinziehen lassen, schon gar nicht in einen offenen Krieg gegen das Elektorat. Und doch, hatte er den eine Wahl ? Er musterte Sonea erneut schweigend. Die Narben an ihren Armen waren nie ganz verblasst sondern noch immer gut sichtbar, trotz der unglaublichen

Regenerationsfähigkeit dieser Wesen. Vielleicht verhinderte sie tatsächlich absichtlich, dass die Verletzungen verheilten.Er wusste es nicht. Aber es gab noch etwas anderes, das ihm zu schaffen machte. ,,Du hast gesagt, ihr hättet eure eigenen Angriffe eingestellt.“ , sagte er schließlich. ,,Das war eine Lüge.“ Sie sah ihn verwirrt an. Es war der Ausdruck, wenn man wusste, man hatte jemanden enttäuscht, nur nicht womit. ,,Hör zu.. ich sage nicht, dass ihr euch nicht wehren sollt. Ich verstehe es.“ , meinte er. ,,Aber ihr greift zivile Schiffe an, versteht du das? Leute, die nie vorhatten, euch etwas zu

tun…“ Sonea erwiderte nichts und diesmal war es nicht ihr übliches abwartendes Schweigen. Sie wollte schlicht nichts erwidern. Er war dieses Verhalten schon gewohnt, sie tat einfach so, als würde sie ihn nicht verstehen. ,,Verstehst du das?“, wiederholte er daher. ,, Egal wer auf diesen Schiffen ist, es sind immer auch zahllose Unschuldige dabei. Leute die euch nichts getan haben, vielleicht nicht einmal auf die Idee kämen…“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. Es war zu weilen frustrierend mit jemanden zu reden, der fast nie antwortete. ,,Verdammt, wem soll ich denn noch

trauen wenn selbst du mich schon anlügst?“ Aber warum störte ihn das so? ,,Tut mir leid.“ Er wusste nicht einmal, wofür er sich entschuldigte. ,,Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Ich will einfach nur, das es vorbei ist.“ Es tat gut, die eigenen Gedanken einfach auszusprechen. Er begann schnell die Begegnung mit Jack zusammenzufassen und dessen Aufgabe, die ihn hierher geführt hatte. ,,Ich habe genug getan Sonea.“ , sagte er. ,,Und doch erwarten sie noch mehr von mir. Ich glaube, ich kann Arthur vertrauen, er war immer der vernünftigste unter den Ministern. Und doch…“ Aaren

betrachtete einen Augenblick seien Handflächen, als könnte er tatsächlich das Blut das daran klebte sehen. Aber alles was er sah, war der Goldring am Zeigefinger. Eine weitere dunkle Erinnerung, die er zurückgelassen hatte. Er hatte das Leben als Mörder einmal hinter sich gelassen. Aber konnte er das erneut? Denn das war es doch, was geschehen würde, wenn er jetzt ging. Es gäbe kein zurück. ,,Manchmal glaube ich, sie haben uns die Mentalblocker nicht gegeben, damit wir kein Mitleid haben, sie haben sie uns gegeben, damit wir nicht an Schuldgefühlen zugrunde gehen. Wen ich jetzt gehe, bringe ich es zu Ende Sonea.

Dann finde ich keine Ruhe mehr, bis das Elektorat nicht mehr ist. Und wenn es den Rest meines Lebens dauert. “ Und das war genau, wovor er sich fürchtete. ,,Und ich denke , das ist keine Aufgabe für ein einziges Leben. Selbst wenn alles immer nach Plan verlaufen würde, wenn es irgendwie gelingen könnte, das Elektorat weit genug zu destabilisieren… ich glaube nicht, das irgendeiner von uns sein Ende erleben würde.“ Aaren lachte. ,,Irgendwie seltsam… selbst jetzt noch bin ich nicht frei. Und ich frage mich… ob das ein Mensch jemals sein kann. Wir haben immer Verpflichtungen, vielleicht Familie, Freunde und natürlich Gesetze… Und es sind die Gesetze, die

mich nicht in Frieden leben lassen wollen. ,,Ändern...“ , meinte Sonea leise und stand auf. ,,Alles.“ ,,Wozu ?“ Aber Aaren kannte die Antwort. Eine Wahrheit, die er zu verleugnen versuchte. Wenn nicht er und nicht jetzt… wer dann ? Jack ? Der Mann würde sich bestenfalls selbst umbringen, dachte er. Ungestüm, Ungeduldig, Jähzornig… Im schlimmsten Fall riss er dabei noch andere mit. Arthur Jones ? Aaren traute es ihm durchaus zu. Aber der Mann war wie die anderen Minister. Teil der Maschinerie. Und eine Revolution von oben… Wann

hatte das in der menschlichen Geschichte je funktioniert? Oder am Ende gar Abundius ? Darüber wollte er gar nicht erst nachdenken. Er war für die Ereignisse hier verantwortlich gewesen. Wie immer seine Motive aussehen mochten, seine Methoden waren nicht besser, als die des Elektorats, auch wenn Aaren irgendwie hoffte, dass der Mann dies selbst irgendwann erkennen würde. Das wäre nur , eine Herrschaft durch ein anderes Ersetzen. ,,Bleibe ich hier… überlasse ich sie nur ihrem Untergang. Auf die eine oder andere Weise.“ Er sah

auf. Sonea streckte ihm eine Hand hin. Eine Geste, die so menschlich wirkte, dass er im ersten Moment nicht wusste, was er davon halten sollte. Dann ergriff er die Dargebotene Hand, darauf bedacht sich nicht an den Kochen-Dornen zu verletzen. ,,Also schön.“ , sagte Aaren, als er wieder auf die Füße kam. ,,Dann gibt es keine andere Möglichkeit. Ein weiser Mann hat mir einmal gesagt… die Menschen sollen lernen für sich selbst einzustehen.“ Bei den Gedanken an Kommissar Skye, der mit Callahan zusammen gearbeitet hatte überkam ihn fast so etwas wie Nostalgie. Es schein so

lange her zu sein und doch waren grade mal ein paar Monate vergangen. ,,Vielleicht braucht es aber jemanden, der es ihnen erst Beibringt.“ Sonea antwortete nicht, aber lächelte mit spitz zulaufenden Zähnen. Als wollte sie sagen, Du schaffst das schon. Bevor er noch etwas sagen konnte, war sie allerdings schon wieder im Wasser verschwunden. Einen Moment stand Aaren noch am Ufer des Meers, dann machte er sich auf den Rückweg zur Siedlung. Er betrat die Hütte, die ihm die letzten zwei Monate als Behausung gedient hatte und trat an den Tisch mit seinen Waffen. Ein letztes Mal, wie er hoffte, nahm er

die zwei schweren Pistolen wieder an sich. Routiniert überprüfte Aaren kurz jede der Waffen, auch wenn er bereits wusste, dass beide perfekt funktionierten. Es gab nichts, auf das sich ein Kommissar so sicher verlassen konnte, wie auf seien Waffen. Jede davon war dafür gefertigt worden, in jeder Umgebung zuverlässig zu funktionieren. Seine alte Kommissar-Uniform, ein dunkelblauer Staubmantel mit den Insignien des Justizministeriums, war recht mitgenommen, als er ihn wieder überzog. Wenn er schon ging, dann so, wie er hier angekommen war. Nur das Emblem der Kommissare, eine

kleine, silberne Justitia-Anstecknadel, besaß er nicht mehr. Diese musste jetzt irgendwo auf dem Meeresgrund ruhen. Nicht so, wie der Ring an seinem Finger. Er hatte akzeptiert, dass er bestimmte Zeichen nie loswerden konnte, selbst wenn er sie wegwarf. Wie eine Narbe blieben sie eben ewig. Brandzeichen, die aber niemals bestimmen durften, wer er war. Ansonsten gab es nichts, was sich lohnen würde mitzunehmen. Er packte lediglich schnell einiges an Ersatzkleidung zusammen. Das meiste war ohnehin nicht in besten Zustand und er sollte sich wohl spätestens auf dem Hive irgendetwas besorgen, das nicht kaputt oder mehrfach geflickt

war. Jack stand als einziger an Deck, als die Sonne langsam unterging. Die anderen hatten es, nach seinem Befehl das Schiff nicht zu verlassen, offenbar vorgezogen fürs erste unter Deck zu bleiben. Etwas, das ihm nur recht sein konnte. Es ließ ihm Zeit zum Nachdenken. Noch immer hatte er nicht entschieden, was er tun würde und Jack war klar, dass ihm die Zeit davon lief. Je länger er wartete, desto wahrscheinlicher wurde es, das seine Identität doch noch aufflog, oder die anderen tot wäre, wenn er die Erde erreichte. Aber noch weigerte er sich, eine Entscheidung zu fällen. Stattdessen

sah er hinaus auf die dunkler werdende Siedlung und die sich dahinter erhebenden Klippen. Er meinte kurz, auf der Straße eine Bewegung gesehen zu haben und suchte langsam die Häuserreihen ab. Tatsächlich kam eine einzelne Person die Straße hinab, gekleidet in eine zerrissene und von mehreren Kugeln durchlöcherte Kommissars-Uniform im Blau-Schwarz des Elektorats. Die Farbe machte den Mann im Halbdunkel fast unsichtbar. Trotzdem wusste Jack um wen es sich handelte. Es gab sonst auch niemanden hier. Die Frage war nur… was sollte das? Er war froh, dass die anderen sich unter

Deck befanden, so konnte Jack sich lange Erklärungen sparen, trotzdem war ihm alles andere als wohl zumute, als er vom Deck des Schiffs auf das Dock sprang um die sich nähernde Gestalt von Aaren Terrel zu begrüßen. ,,Wieso sind sie hier ?“ , fragte er, als Aaren schließlich die Docks erreichte und ein paar Meter entfernt stehenblieb. ,,Nun, ich schätze, sie haben noch Platz an Bord.“ , antwortete der Kommissar. Jack entgingen die Griffe der zwei Pistolen nicht, die in zwei Halftern an seiner Hüfte hingen. Er fragte sich einen Moment, ob Aaren sich nicht bloß einen seltsamen Scherz erlaubte, aber beim Anblick der Waffen, glaubte er nicht,

dass der Kommissar zu Scherzen aufgelegt war. Ganz im Gegenteil. ,,Was hat ihre Meinung geändert ?“ , wollte er wissen. ,,Fragen sie sie das.“ , entgegnete Aaren und deutete hinter ihn. ,,Wen ?“ , fragte Jack, während er sich noch umdrehte. Eine kurzen Moment kamen ihm bedenken, dem Mann den Rücken zuzudrehen. Aber andererseits… was hatte er zu verlieren. Im Wasser, auf der dem Schiff gegenüberliegenden Seite des Piers schwamm eine Gestalt, die er bereits einmal gesehen hatte. ,, Was… „ setzte er an. ,,Kommen sie.“ Der Kommissar winkte ihm zu, ihm zu folgen, als er an Jack

vorbei trat. ,,Ich möchte ihnen jemanden vorstellen.“ Aaren hatte noch nicht darüber Nachgedacht was aus Sonea werden sollte. Vermutlich wäre es aber besser, sie bliebe einfach hier. Das hatte allerdings Zeit, bis sie den Hive erreichten, hoffte er. ,,Keine Sorge, Sonea,“ , meinte er beim Näherkommen. ,, Ich denke , Walt hier ist ganz in Ordnung. Ein Hitzkopf… aber in Ordnung.“ ,,Wer…was…“ Jack betrachtete das Wesen verwirrt. Bisher hatte er die Begegnung vor der Insel nur für einen seltsamen Zufall gehalten. Aber offenbar kannte der Kommissar das Wesen, sogar

mit Namen. Es überraschte ihn ein wenig, dass sie einen hatte. ,,Lange Geschichte.“, erklärte Aaren. ,,und um einiges länger als ihre.“ ,,Vielleicht können sie mir auf dem Rückweg einige Fragen beantworten…“ Ein aufflackernder Scheinwerfer auf dem Boot blendete Jack und unterbrach ihn. Das Wesen verschwand blitzschnell im Wasser. ,,Herr Kommissar.“ Jack brauchte eine Weile um zu verstehen, dass er damit gemeint war, als eine Gestalt auf dem Schiffsdeck auftauchte. ,,Sie haben es geschafft.“ Es war einer der Soldaten, der am Nebelscheinwerfer über der Brücke stand.

,,Wir hätten ihnen helfen könne.“ , bemerkte ein zweiter. Schön mitspeilen, dachte Jack. ,,Wie sie sehen, war das unnötig. Wir… wir können zurück, sagen sie den anderen Bescheid, wir legen sofort ab.“ Aaren nahm mit einem Grinsen, das er rasch unterdrückte, die Hände hoch und stolzierte, ohne Hinauf auf das Deck des Schiffs, wo der Rest der fünfköpfigen Crew wartete und Mit einem erneuten breiten Grinsen meinte er : ,,Meine Herren… warnen sie schon mal das Elektorat… ich bin zurück.“ Einige der Matrosen machten tatsächlich

ein paar Schritte rückwärts, während Aaren sie einfach ignorierte und unter Deck verschwand. ,,Sir ?“ , fragte einer der Elektorats-Soldaten, während er dem Kommissar unsicher hinterhersah. ,,Er ist… unter Kontrolle.“ , sagte Jack. ,,Wir legen ab. Er kann ja nirgendwo hin, wenn wir erst einmal auf dem Meer sind.“ ,,Wie sie meinen.“ Trotzdem, was sollte denn bitte dieses Verhalten plötzlich?

Kapitel 20 Erde

  Arthur Jones sah aus dem Fenster des Justizministeriums auf die Stadt hinaus. Der Bau ragte, grau und unnahbar, über den deutlich niedrigeren Bauten des Regierungsviertels auf. In der Ferne konnte der Justizminister die übrigen Ministeriums-Türme erkennen, aber fürs erste waren alle wichtigen Gespräche und Termine hierher verlegt worden und sollten unter dem Schutz der Kommissare stattfinden. Für einen loyalen Anhänger des Elektorats war das Ministeriums-Gebäude momentan wohl der sicherste Platz überhaupt. Für alle

anderen jedoch wäre es der sichere Tod, hierher zu kommen. Besonders jetzt… Seine stechend blauen Augen suchten den Horizont ab. Rauch stieg von den Vororten und Industrievierteln auf, wo die Kämpfe in der Nacht am heftigsten gewütet hatten. Noch immer lieferten sich Tag für Tag Aufständische Feuergefechte mit den Ulan-Gardisten. Ein ungleicher Kampf, wie sich schnell herausstellte. Die wenigen Rebellengruppen waren schlecht organisiert und bewaffnet, während die Elitegarden des Elektorats über beträchtlich mehr Feuerkraft und Personal verfügten. Es war nicht einmal mit dem Kampf einer Mücke gegen einen

Elefanten vergleichbar. Trotz der hohen einseitigen Verluste legten sich die Unruhen jedoch nicht. Im Gegenteil, jede Maßnahme, die die Minister beschlossen, um die Ordnung wieder zu sichern, jede Aktion und jedes Gesetz trieb nur noch mehr zum bewaffneten Wiederstand. Sinnlos verschwendete Leben. Und doch waren es einfach zu wenige. Der Großteil der Bevölkerung versteckte sich. Nicht jeder konnte aufstehen, nicht jeder konnte kämpfen. Aber wenn diese Menschen noch Hoffnung hatten… dann mussten sie genau das tun. Anders würde es kein Ende geben. Das die Minister

nachgaben, war völlig unmöglich, das wusste er nur zu gut. Jones wendete sich von der brennenden Stadt ab. Nur einen endlosen Kampf ohne Sieger. Er hatte sein Büro seit drei Tagen nur zum Schlafen verlassen, wenn er denn überhaupt dazu kam. Und er hatte versucht, sich gegen den Ministerrat zu stellen, neue Strafaktionen zu verhindern, aber die übrigen zwölf, nun nach dem Tod des Ministers des Nachrichtendienstes nur noch elf, Minister überstimmten ihn geschlossen. Jones war klar, das ihm die Zeit davonlief. Die Regierungsviertel waren vor zwei

Tagen abgeriegelt worden und unter ihm auf den Straßen patrouillierten Zerstörer und von Kommissaren befehligte Ulan-Einheiten, die alles innerhalb einer bestimmten Zone absicherten und sämtliche Zugänge zum Bezirk besetzt hielten. Jones ging zu einem großen Schreibtisch mit eingelassener Touchscreen-Oberfläche hinüber. Mitteilungen, Nachrichten… die Benutzeroberfläche quoll fast über. Mit einer Handbewegung wischte er die virtuellen Dokumente bei Seite. Nur eine einzige Benachrichtigung blieb zurück. Wieder eine sinnlose Sitzung, dachte er entnervt und versuchte auch diese zu

löschen. Es ging nicht. Natürlich nicht. Die Ministeriums-Internen Dokumente und Befehle ließen sich nicht einfach so beseitige. Entnervt öffnete Jones das Dokument, woraufhin sich lediglich eine Stimme vom Band meldete. ,,Jones ? Ich hoffe, sie haben das Treffen heute Abend nicht vergessen. Saal 3.“ Daniel Szymanski der Finanzminister. Er erkannte die überhebliche Stimme sofort. Allerdings… war das nicht der Tonfall, den alle anderen Minister ihm gegenüber anschlugen? Er hatte ausgedient, das war ihm klar. Und wenn er nicht freiwillig abtrat… würden die anderen Wege finden. Sehr bald schon,

das wusste er. Aber noch war er nicht soweit. Und wenn das alte Elektorat endgültig unterging… dann ging r mit ihm unter. Sollten die übrigen Minister ihre neue Ordnung bekommen, er würde nicht darin Leben wollen. Es würde bedeuten, dass ein Jahrhundert beim Versuch verschwendet worden war, eine gerechte Gesellschaft aufzubauen… nur damit diese in absoluter Tyrannei endete. Er setzte sich langsam und drehte den Stuhl so, dass er wieder auf die Stadt hinaus sehen konnte. Die Sonne stand schon tief, trotzdem blieben ihm bis zum nächsten Treffen noch ein paar Stunden. Es würde

ohnehin enden wie immer, dachte Jones. Jeder seiner Versuche, etwas auszurichten war bisher gescheitert. Das einzige, was er bisher erreicht hatte war, die Hinrichtung der Gruppe um Jack Walt zu verhindern und sie zumindest in die Zellen des Ministeriums zu verlegen. Hier hatte er mehr Kontrolle, denn so wie die Dinge im Augenblick stand, konnte er nicht verhindern, das auf einer Raumstation im Erdorbit nicht ein… Unfall passierte. Er betätigte einen Knopf auf der Tischoberfläche. ,,Nachricht an den Sekretär. Ich bin die nächsten Stunden nicht zu sprechen, bis ich etwas anderes

anordne.“ Jones stand langsam auf. Bisher hatte er keine Nachricht von Liurie bekommen, weder über Jack noch Aaren. Und lange konnte er nicht mehr warten. Gedankenverloren zog er sich eine Jacke über und trat aus dem Büro heraus auf den Gang. Ohne auf die Blicke einiger der Ministeriums-Mitarbeiter zu achten, ging er zum Fahrstuhl, der ihn hinunter in die Eingangslobby brachte. Die Wunde an seinem Arm, wo ihn vor einer Woche eine Kugel getroffen hatte schmerzte noch und erinnerte ihn bei jedem Schritt daran, dass er nach wie vor auf geborgter Zeit

lebte. Trotzdem, die Verletzung verheilte gut und dank der modernen Medizin hatte er nur wenige Stunden gebraucht um sich fast wieder vollständig zu erholen. Jones durchquerte langsam die Lobby mit der großen Justitia-Statue . An den Türen zu den übrigen Gebäudeflügeln und Hallen hielten bewaffnete Posten Wache. Einer davon trat tatsächlich vor um ihn anzuhalten, wurde aber von einem anderen zurückgehalten. Offenbar war der Minsiter erkannt worden. Jones kümmerte es nicht, als er an den Posten vorbei nach draußen trat. Die Sonne versank grade hinter den außerhalb der Regierungsviertel

liegenden Wolkenkratzern und tauchte den grauen Himmel in rötliches Licht. Als würde irgendwo im Westen die Welt brennen. Vermutlich tat sie das auch. Zumindest einige der bei den Aufständen entfachten Feuer waren noch immer nicht gelöscht. Als er die Treppe vor dem Ministerium hinunter stieg sah er sich langsam auf dem Platz um. Der Brunnen war trockengelegt worden. Dafür waren nun zwischen dem Brunnen und dem Ministeriumszugang in einem Halbkreis Schilde aufgestellt worden und ein dutzend Ulanen hielten daran Wache. Jones konnte die Stellen in der Luft zwischen den Schildemittern erkenne,

wo die Umgebung flimmerte und man den Eindruck bekam, die Welt durch das innere einer Seifenblase zu sehen. Feine Asche aus den Rauchwolken über ihnen rieselte herab und verpuffte knisternd an den unsichtbaren Energiewänden. Zwei Dutzend Personen mit Besen versuchten, den Platz und das Viertel sauber zu halten, aber den Staub aus der Luft konnten sie nicht verbergen. Man hätte denken können, es wäre Schnee, wäre es dafür nicht viel zu warm. Jones passierte die Sicherheitsabsperrungen und Schilde, ohne auch nur anzuhalten und bog in eine der breit gebauten und verlassen

daliegenden Straßen des Regierungsviertels ein. Niemand traute sich mehr wirklich auf die Straße, außer es blieb keine andere Wahl mehr. Und selbst dann waren die Ausgangssperren mittlerweile auf sieben Uhr abends vorverlegt worden. Und das ausgerechnet hier. Im Herzen des Elektorats. Wie es auf dem Rest des Planeten aussah, wusste Jones nur zu gut. Rio war berichten zufolge bis auf die Grundmauern abgebrannt. Und Nordeuropa verschwand auf Satellitenkarten unter einer Aschewolke. Trotz all dem war es wenigstens auf den Kolonien ruhig geblieben. Information und Nachrichtensperren hatten das

schlimmste verhindert und die Aufstände beschränkten sich auf die Erde. Jones wusste nicht wirklich, ob er sich darüber freuen sollte. Es gingen Leben verloren… aber das war dem Ministerrat egal. Die Verluste auf eigener Seite waren verträglich und die Zivilisten… Wen kümmerten die? Vermutlich hätte der Ministerrat selbst dann keine Maßnahmen ergriffen, wenn es schlimmer gewesen wäre. Jones konnte es jetzt erkennen, während er durch die, bis auf die blicklosen Ulanen , leeren Straßen ging. Diese, in dunkle Panzerungen gekleideten, Soldaten bewachten sämtliche Straßenzüge. Regungslos, ohne ein

Zeichen von Nervosität oder wenigstens etwas Besorgnis und mit verspiegelten Helmvisieren, die die Kälte, die diese Männer verströmten noch verstärkte. Nicht, das es die gebraucht hätte. Jones wusste, unter ihren Keramikpanzern und kinetischen Platten waren diese Männer genau so kalt. Versteinerte Gesichter und leere Augen. Mehr war von ihnen nicht geblieben. Und gab man ihnen einen Befehl… wurde er auch erfüllt. Es kümmerte sie nicht mehr, ob es darum ging, lediglich Geleitschutz zu geben oder ein Krankenhaus niederzubrennen. Und das, dachte Jones bitter, war ja auch der Sinn dahinter. Ein Zerstörer der in einer Gasse stand

verfolgte den Justizminister einen Augenblick lang mit einem dunklen Kameraauge. Jones sah zurück ohne zu blinzeln, während er langsam weiterging. Die gewaltige, drei Meter hohe Maschine hatte genauso viele Emotionen wie die Ulanen. Keine. Zu erstarrt, zu gefestigt um jemals nachzugeben. Für ihn schien es fast, als wären die Ulanen und Roboter nur die äußere Verkörperung dessen, was aus dem Elektorat geworden war. Es hatte nicht viel gebraucht, nur einen kleinen Anstoß um die nach außen so erhabene Fassade der Ministerien ins Wanken zu bringen. Und jetzt offenbarte

sich, was sich darunter verbarg. Nicht die erleuchtete und gerechte Gesellschaft, die einst vielleicht einmal das Ziel des Elektorats gewesen war. Nein. Nach dem Ende des Bürgerkriegs hatte der langsame Zerfall begonnen, hin zu dem hier. Sie waren noch an der Macht. Sie hatten die Kontrolle… aber zu welchem Preis? Jones passierte ein zerschmettertes Schaufenster, das Geschäft dahinter war vollkommen leer. Glassplitter lagen auf einem Teppich, ansonsten gab es keine Anzeichen dafür, was hier einmal verkauft worden war. Ich bin alt, dachte er. Zu alt um das hier zu Ende zu bringen. Und vielleicht

zu alt um irgendetwas hiervon zu beenden. In seiner Jugend.. da hatte es noch anders ausgesehen. Er war als Kommissar ins Ministerium eingetreten. Zu einer Zeit, in der Mentalblocker nichts wahren, übe das man auch nur nachzudenken wagte. Und er war gut gewesen. Vielleicht waren auch damals schon die ersten Risse im Fundament spürbar, die die Kolonien und die Menschen im Elektorat zusammenhielten. Aber damals waren es die Minister, die den Kitt darstellten, solche Risse zu flicken. Männer und Frauen mit Vision und Rücksicht, die ihre Macht nicht bloß zum Selbstzweck einsetzten, sondern mit

einem Gleichgewicht aus Stärke und Mitleid. Das war die Philosophie des Elektorats gewesen, die es am Leben erhalten hatte. Und er hatte daran geglaubt. Ein Windhauch brachte den Geruch von brennendem Kunststoff, morschem Holz und verrottenden Papier. Es war der Geruch, die reine Essenz von Zerfall. Zerfall, der Jahrzehntelang unter der Oberfläche geschlummert hatte, bis jemand die dünne Lackschicht aus Korruption und Zensur abgekratzt hatte. Und auch er konnte sein Mitwirken daran nicht leugnen. Hatten sie wirklich geglaubt, dass das ewig so weitergehen konnte? Die übrigen Minister glaubten es

noch immer. Aber die einstmalige Vision war längst zu einem Alptraum geworden. Und doch konnten sie nicht besiegt werden. Noch immer stellte das Elektorat die beherrschende Macht da, unangefochten, ungebrochen nach außen. Aber Jones kannte die Wahrheit. Eine Wahrheit, die er viel zu lange vor sich selbst verborgen hatte… Schreie von irgendwo her rissen Jones aus seinen schwermütigen Gedanken. ,,Hey, sie können hier nicht einfach rein…“ Jones drehte sich um und suchte den Ursprung des Lärms. Ein dutzend Ulanen zusammen mit einer Kommissarin hatten eine Haustür umstellt. Der Anblick

einer Gruppe Ulanen oder auch gewöhnlicher Soldaten mit einem Kommissar war so weit nichts Ungewöhnliches. Aber für Jones faste es zusammen, was im Moment schief lief. Seit wann hatte er bitte den Oberbefehl über seine Leute verloren und an das Militär abgetreten, das dieses Kommissare auf Patrouille schicken konnte ? Eine Frau und ein kleines Kind waren offenbar nach draußen geschafft worden und standen auf dem Bordstein, während sich ein Mann im Türrahmen weigerte Beiseite zu treten. Die Ulanen sahen sich das geschehen offenbar ungerührt

an. ,,Ein letztes Mal bei Seite.“ , forderte die Kommissarin den Mann auf. ,,Sie können hier nicht ohne irgendeine Genehmigung rein.“ , erklärte der Mann in der Tür erneut. Bevor er den Satz jedoch zu Ende bringen konnte, landete bereits eine Faust in seiner Magengrube, ,,Ich habe jede Genehmigung, die ich brauche.“ , meinte sie. ,,Bringt ihn zu den anderen, wenn einer wegrennt erschießt sie.“ Jones hatte genug gesehen. Er überquerte die ohnehin verlassene Straße. Die Frau und das Kind auf der Gasse warfen ihm einen seltsamen Blick zu. Als hätten sie es mit einem verrückten zu tun. Keine

Dankbarkeit, nur Unglaube. ,,Hey, was soll das ?“ , rief der Minister, so dass sich die verspiegelten Helmvisiere der Ulanen sofort ihm zuwendeten. Glaubt bloß nicht, dass ich Angst vor euch habe, dachte er grimmig. Die Kommissarin machte sich nicht die Mühe sich umzudrehen. Etwas, das sie vermutlich gleich bereuen würde. ,,Schaft den Alten Weg.“ , meinte sie nur und urteilte dabei wohl alleine Anhand seiner Stimme. Sie war brüchig geworden, dachte er. Aber noch fehlte ihm nicht die Kraft, wenigstens etwas zu tun. Jones versetzte dem ersten Ulanen der ihm zu nahe kam einen Stoß, auch wenn

das zu einem schmerzhafte Ziehen im verletzten Arm führte. Er war vielleicht alt, aber nicht schwach. Der Mann stolperte fast, dafür richteten sich jetzt mehrere Waffenläufe auf ihn. Endlich drehte die Kommissarin an der Tür sich zu ihm um… und erkannte ihn offenbar auch endlich. ,,Wie ist ihr Name ?“ , fragte er. ,,E.. entschuldigen sie Sir… wir…“ Sie bedeutete den Ulanen die Waffen runter zu nehmen, die dies auch taten und ein paar Schritte von dem Justizminister zurücktraten. ,,Das habe ich nicht gefragt.“ Seine Stimme war leise, aber in dem anschließenden Schweigen

unüberhörbar. ,,Mia Preston,“ ,,Nun, dann hören sie mir zu Preston. Wissen sie wen sie vor sich haben?“ ,,Na.. Natürlich Herr Minister.“ ,,Ja, sie wissen es jetzt. Sie wussten es aber vorher nicht. Vielleicht denken sie kurz darüber nach, was das bedeutet, bevor sie das nächste Mal jemanden wegschleifen lassen wollen.“ , erklärte Jones, bevor er zu wissen verlangte : ,,Nun, was haben diese Leute bitte getan ?“ Selbst die Ulanen waren mittlerweile ein gutes Stück von ihm zurückgetreten. Mia schien sich wieder zu fassen. ,,Es gibt… deutliche Hinweise, das sich

während der Ausschreitungen letzte Nacht mehrere Aufständische in das Regierungsviertel flüchten konnten. Es wird vermutet, das sich einige hier verstecken könnten.“ ,,Ah. Und die Hinweise stammen vom wem?“ Sie schwieg. ,,Anweisung an alle, Die Bewohner freilassen und verschwinden. Das ist ein Befehl.“ Langsam, einer nach dem anderen, verschwanden die Ulanen, gefolgt von der Kommissarin. Oh ja, er war zu alt für so was, dachte Jones, als er ihnen nach sah und gleichzeitig dem Besitzer des Hauses

aufhalf, der bis jetzt zusammengekrümmt auf dem Weg gelegen hatte. Diesmal sah er wenigstens so etwas wie stumme Dankbarkeit. Aber es war nichts. Es änderte nichts. Sie würden weitergehen und an der nächsten Tür klopfen. Und er hatte keine Kontrolle mehr darüber.

Kapitel 21 Wasse

 

Aaren sah aus dem Bullauge des Schiffs aufs Meer hinaus. Das Fenster befand sich genau auf Niveau des Wassers, trotzdem konnte er bis zum Horizont sehen. Auf Lurie gab es nur wenig, was einem die Sicht versperren konnte. Alles in allem war die Rückreise bisher recht ruhig verlaufen. Seit sie die Insel gestern verlassen hatten, hatte ihn die fünfköpfige Crew weitgehend in Ruhe gelassen. Natürlich gab es fragen, wieso er nicht irgendwo eingesperrt wurde, aber das zu klären überließ er Jack.

Wenn der Mann eines hatte, dann die Fähigkeit sich durchzusetzen, das musste er ihm wohl oder übel lassen. Und ansonsten wäre er wohl auch nicht bis hierhergekommen, nach allem, was er ihm erzählt hatte. Aaren stand langsam auf und verließ seine Kabine, die eigentlich nur aus einem Bett und einem Tisch bestand. Einer der zwei Elektorats-Soldaten die sich an Bord befanden warf ihm einen misstrauischen Blick zu, aber Aaren ignorierte ihn. Er duckte sich unter dem Türrahmen durch und betrat über eine kurze Treppe das Oberdeck des kleinen Schiffs. Sofort schlug ihm eine kalte Windböe

entgegen. Am Horizont waren einige dunkle Sturmwolken aufgezogen und Wellen peitschten über die endlose Wasserfläche vor ihnen. Es hätte allerdings deutlich schlimmer sein können, dachte Aaren, als eine der Wellen das Deck überspülte und seine Hosenbeine und Schuhe durchtränkte. Im gläsernen Aufbau der Schiffsbrücke entdeckte er Jack, der sich grade mit jemand unterhielt. Worum es ging konnte Aaren zwar nicht verstehen, aber er konnte es sich denken. Es gab nur ein Gesprächsthema an Bord und das war bedauerlicherweise er selbst. Mit ihm jedoch… redete keiner.

Er wusste nicht, ob er darüber erleichtert sein sollte oder nicht. Aber das die ersten anderen Menschen, die er nach der ganzen Zeit traf, ihn entweder ignorierten oder fürchteten gefiel ihm sicher nicht… Wenigstens waren sie mittlerweile wieder in eine Region, in die sich die Minenschiffe von Omnisphere wagten und auch Navigation und Funk funktionierten zunehmend wieder verlässlicher. Einer der gewaltigen Stahlkolosse trieb weniger als einen Kilometer entfernt. Die Wellen, die das kleine Schiff hin und herschaukelten spürte man dort drüben vermutlich nicht

einmal. Aaren balancierte über das schwankende Deck, bis er die Brückenkabine erreichte, wo Jack sich immer noch mit einem Matrosen unterhielt. ,,Ein letztes Mal, das ist meine Entscheidung und ich habe mich vor ihnen nicht zu rechtfertigen.“ , sagte er. ,,Aber…“ Der Matrose verstummte, als er Aaren bemerkte. ,,Warum läuft der hier rum ?“ Jack verlor die Geduld. Wie oft musste er sich denn noch erklären? Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, den Kommissar einfach einzusperren und sämtliche Fragen zu vermeiden. Aber es wäre ihm falsch vorgekommen…

vielleicht einfach, weil er selbst nicht gerne eingesperrt war. Letzten Endes, war egal weshalb. ,,Wenn sie wissen, was gut für sie ist, dann halten sie einfach die Klappe.“ , sagte Jack langsam. ,,Verstehen wir uns?“ Der Matrose nickte und verschwand. ,,Wie weit ist es noch ?“ , fragte Aaren, als der Matrose sich an ihm vorbeidrängte und gleichzeitig versuchte vor ihm zurückzuweichen. Er hätte den Mann gerne zurückgehalten. Er hatte Angst vor ihm und das ohne Grund. Aaren fragte sich, was genau man überhaupt über ihn Berichtet hatte, das so etwas rechtfertigte, oder ob diese

Furcht einfach aus Unwissenheit entstand. Jack wendete sich dem Neuankömmling zu. Er hatte nicht mehr mit den Mann gesprochen, seit er an Bord gekommen war. ,,Nicht mehr sehr weit, schätze ich. Wenn der Sturm uns nicht zu sehr ausbremst… vielleicht ein Tag, höchstens 36 Stunden.“ , antwortete er. ,,Sobald wir da sind, sollten wir uns beeilen wegzukommen, bevor Cloudsworth misstrauisch werden kann.“ Aaren sah einen Moment Gedankenverloren in die Ferne übers Meer. Die Vorstellung, den Planeten bald zu verlassen rief gemischte

Gefühle in ihm wach. Auf der einen Seite natürlich das Wissen, das er nicht gehen wollte. Er hatte seine Frieden gehabt… und nun sah es so aus, als könnte er es nicht dabei belassen. Auf der anderen Seite aber auch Erwartung. Was immer sie zurück auf der Erde auch erwartete er würde sich dem Stellen. Musste es sogar. Und doch überwog die Unsicherheit. Trotzdem, er war zumindest gespannt darauf, den Justizminister wieder zu treffen. Jones war immer derjenige unter den Ministern geworden, der ihm am vernünftigsten erschien. Die anderen jedoch, nun rückwirkend betrachtet hätte er aus den wenigen Gesprächen mit den

anderen Ministern, die er geführt hatte, bereits auf die Wahrheit schließen können. Das Elektorat war längst nicht mehr, was es einmal zumindest geglaubt hatte zu sein. Aaren ließ den Blick noch einen Moment länger über das Wasser schweifen. Unterbewusst war ihm klar, dass er nicht bloß das Minenschiff in der Nähe beobachtete, sondern nach einem vertrauten Schemen suchte. Anfangs, hatte er nur vorgehabt sich die Beine zu vertreten, als er hinauf aufs Deck gekommen war. Die meiste Zeit blieb er zwar lieber unter Deck aber auf Dauer wurde das einfach unangenehm. ,,Etwas beschäftigt sie ?“ , fragte

er. Jack nickte, auch wenn er nicht wusste, wie der Kommissar das erraten hatte . Er wusste nicht, was er wegen Tian tun sollte. Ihm lief einfach die Zeit davon und möglicherweise blieb nicht genug um dem Mann zu helfen. Seit ein paar Stunden hatten sie wieder Zugriff auf die Nachrichtennetzwerke und die Berichte von der Erde wurden immer beunruhigender. Auch wenn das Elektorat die verschiedenen aufständischen Gruppierungen immer weiter zurück schlug, so gab es bisher keinen großen Militäroperationen. Es schein, als begnügten sich die Minister damit, die Flammen zu löschen aber

nicht die Glut. Oder sie konnten es einfach nicht… Jack fühlte hilflose Wut in sich aufsteigen, bei dem Gedanken hier draußen zu sein und nichts tun zu können. Aber das war etwas, mit dem er allein zu Recht kommen musste. Und wollte. Das Aaren hier war, war eine Zweckgemeinschaft. Er brauchte den Kommissar einfach und das wusste Aaren wohl auch. Jack war sich immer noch nicht sicher was er von dem Mann halten sollte, aber für den Moment reichte es, dass er hier blieb. Kurz überlegte er, Aaren von Tian zu erzählen, entschied sich dann aber dagegen. Der Mann würde sicher helfen

wollen wenn er erfuhr, dass sich bereits hier auf Liurie eine Rebellengruppe befand. Dafür fehlte ihnen einfach die Zeit, aber der Kommissar könnte darauf bestehen. Das war etwas, das nur ihn etwas anging. Stattdessen fragte er: ,,Ich weiß nicht, dieses Wesen.. Sonea richtig ?“ Aaren nickte. ,,Ich weiß allerdings nicht ob das wirklich ihr Name ist.“ Es war etwas, das Jack noch immer nicht richtig verstand, auch wenn er den Großteil der Ereignisse auf Liurie wohl mittlerweile kannte. Der Aufstand des ehemaligen Gouverneurs und der spätere Abzug des Elektorats-Militärs. ,, Wie kommt es , das sie sich offenbar doch

ganz gut verstehen ? Ich dachte die sind uns gegenüber eher Feindselig eingestellt.“ ,,Das ist eine lange Geschichte.“ , meinte der Kommissar. ,,Und sie beginnt mit einem kleinen Missverständnis zwischen einer riesigen Glasscherbe und meinem Bein.“ Jack musterte die Narbe auf dem Handrücken des Kommissars skeptisch. ,,Das war aber nicht dieselbe Scherbe ?“ Aaren bedeckte die alte Verletzung mit der anderen Hand. ,,Nein… das nicht.“ , meinte er ausweichend. ,,Das war ein Unfall.“ Offenbar wollte e nicht wirklich darüber reden. Jack war es egal. ,,Wo ist sie… es jetzt eigentlich ?“ In

den letzten Stunden hatte er nichts im Wasser entdeckt, außer einigen ersten Minenschiffen und kleineren Booten. Aber nichts, das ihn alarmiert hätte. Seit der Begegnung mit dem Levian fühlte er sich auf dem Ozean nicht mehr wirkli9ch sicher. Allerdings wären sie ohnehin alle tot, wenn eines der Monster sie fand. Das Schiff gegen ein solches Wesen zu verteidigen wäre unmöglich und vermutlich würde es den Kahn einfach zermalmen, bevor sie überhaupt etwas mitbekamen. ,,Keine Ahnung.“ , erwiderte Aaren, der kurz das Meer absuchte. ,,Aber ich denke nicht, das sie uns nicht finden würde. Ich glaube, hier draußen entgeht ihnen

nur wenig.“ ,,Aber sie wissen nicht wie viele es von ihrer Art genau gibt ?“ Aarens letzte Worte hatten Jack unruhig gemacht. Was gab es hier draußen denn noch alles, das ihnen gefährlich werden konnte? Er würde froh sein, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben ,,Nicht sicher. Ich schätze nicht so viele.“ , erwiderte der Kommissar. ,,Zumindest habe ich nie mehr als drei oder vier auf einmal gesehen.“ Er schwieg einen Moment. ,,Ich glaube am Ende, bin ich Callahan in gewisser Weise dankbar.“ ,meinte Aaren mehr zu sich selbst . Draußen begann es nun zu regnen, aber er hieß es Willkommen.

Die klare Luft und die Weite des sie umgebenden Ozeans war nichts, der er gerne gegen die endlosen, grauen Städte der Erde eintauschen wollte. ,,Ich verstehe immer noch nicht, was er eigentlich vor hat. Ich dachte, es würde irgendwann irgendeinen Sinn machen “ , meinte Jack. ,,Wer ?“ ,,Abundius.“ , erklärte er. Zumindest wusste er jetzt, wie der Mann an seine Informationen gekommen war… und etwas mehr, wer er eigentlich war. ,,Ich weiß es nicht. Als ich ihn das letzte Mal sah meinte er, er könnte das Elektorat mit einem Fingerzeig vernichten. Nun.. offenbar hat er diese

Chance nicht genutzt wie?“ ,,Bedauerlicherweise. Trotzdem… was bringt ihm das?“ ,,Ich hoffe einfach, wir müssen es nicht so bald herausfinden.“ , entgegnete Aaren. ,,Vielleicht hält er sich aus allem einfach raus.“ Auch wenn ich das nicht glaube, dachte er. ,,Die Minister müssten sterben.“ , meinte Jack plötzlich. Es schien die logischste Vorgehensweise zu sein. Führungslos würde das Elektorat fallen. ,,Die Minister sind nichts Jack.“ , entgegnete der Kommissar. ,,Selbst wenn wir alle, einschließlich Jones , töten… würden einfach neue nachrücken. Das ist ja das Problem. Was man zerstören

müsste, wären die Ministerien selbst.“ ,,Oder sie so schwer treffen, das sie sich nicht mehr davon erholen.“ , erwiderte Jack. Das war es doch, was sie vorgehabt hatten. Sie hatten die Gelegenheit gehabt und Abundius hatte sie weggeworfen… und er wusste nicht einmal wofür. ,,Solange die Ministerien separat operieren, wird das fürchte ich unmöglich.“ meinte Aaren, während er nach draußen trat. ,,Ja… Vielleicht.“ Jack sah dem Kommissar einen Augenblick nach, als dieser unter Deck verschwand. Die Abendsonne leuchtete zwischen einigen Wolken hindurch und weckte in ihm zumindest die Hoffnung, dass der Sturm

sich auflöste, bevor sie noch näher kamen. Er verstand Aaren nicht wirklich. Im einen Moment weigerte er sich mitzukommen und auf einmal schien er seine Meinung geändert zu haben. Wegen eines Fischs ? Oder so was in der Richtung… Er überprüfte kurz ihren Kurs, stellte fest, dass er noch stimmte und trat dann ebenfalls wieder nach draußen auf das Deck. Der Wind hatte etwas nachgelassen , peitschte ihm aber immer noch die Haare um den Kopf, als er zum Bug des Schiffs ging. Es gab nichts, was er im Augenblick tun

konnte, außer abwarten. Und obwohl er sich dessen Bewusst war, wanderten Jacks Gedanken wiederholt zurück zur Erde… und seinen Leuten, die dort irgendwo waren. Hatten sie überhaupt eine realistische Chance? Es war das erste Mal, dass er diese Frage zuließ. Aaren hatte es nicht geglaubt und vielleicht glaubte er es auch immer noch nicht. Was ihn bis hierhin getrieben hatte, Jack zögerte. Was ihn bis hier hin getrieben hatte war sein Wunsch dem Elektorat Schaden zuzufügen. Irgendwie… Es gab keine Entschuldigung für das, was sie getan hatten. Aber Wut alleine reichte nicht. Dennoch, sie half

zumindest, dachte er, während die Sonne langsam unterging. Morgen würden sie hoffentlich hier wegkommen. Und dann könnte er vielleicht aufhören, ständig die Nachrichten von der Erde durchzugehen. Aaren Terrel schlug die Augen auf. Es war noch dunkel. Der Sturm hatte sich verzogen. Das Meer draußen vor dem Fenster lag wie eine große Glasfläche da, nur erleuchtet von schwachem Mondlicht. Trotzdem… etwas hatte ihn aus dem Halbschlaf gerissen Er stand langsam auf und zog sich an. Einschlafen würde er jetzt ohnehin nicht

mehr. Die Waffen ließ er zurück. Auf der einen Seite würde er sie nicht brauchen. Und auf der anderen wollte er sie nicht haben. Ein Mann, der Milliarden töten kann, den nennen die Milliarden Gott. Ein Mann der nur tötet… war ein Mörder. Aaren wusste nicht, woher der Gedanke kam, aber er passte. Denn das war es doch, was das Elektorat von den Kommissaren erwartete. Sie sollten Götter der Gerechtigkeit sein, dabei aber ohne das geringste Verständnis von Gnade. Er hatte während seiner Zeit als Kommissar nie auch nur darüber nachgedacht, aber in den letzten zwei Monaten frage er sich, wie er es hatte

übersehen können. Es war leicht, alles auf die Mentalblocker zu schieben. Aber das war nur die halbe Wahrheit, wie er fürchtete. Ich bin kein Gott, dachte Aaren. Und ich will kein Mörder sein. Nicht wieder. Ich bin einfach ein Mensch hoffe ich. Aaren lauschte in die Stille, die nur vom rauschen des Wassers und dem kaum hörbaren knistern in den Leitungen des Schiffs durchbrochen wurde. Noch immer war er sich unsicher, was ihn hatte aufwachen lassen, aber er fühlte sich nicht bedroht. Und falls einer der Elektorats-Soldaten an Bord versuchen sollte, etwas Dummes zu tun, würde er wohl mit ihnen fertig

werden. Ein Schatten, der das Mondlicht verdeckte veranlasste ihn, sich dem Bullauge zuzuwenden. ,,Was zur…“ Eigentlich hätte es ihn nicht überraschen sollen. Es war Sonea. Das Fenster befand sich genau auf Meereshöhe und das Wesen schwamm, keinen Meter vom Glas entfernt im Wasser. ,,Was machst du denn hier ?“ Er überprüfte einmal kurz, dass die Tür verschlossen war, bevor er das Fenster öffnete. Natürlich bekam er keine Antwort, aber die Frage erübrigte sich auch. Aaren hatte nicht daran gezweifelt,

das Sonea früher oder später wieder auftauchte, aber jetzt erst stellte er fest, dass sie ihm bereits gefehlt hatte.

Kapitel 22 Flut

Wasser schwappte mit kleineren Wellen durch das geöffnete Bullauge, aber das war im Moment nichts, das ihm Sorgen machte. Das Wesen, das dort draußen, vielleicht eine Armlänge entfernt schwamm dafür umso mehr. Sonea ließ ihn nicht aus den Augen, als er ans Fenster trat. Der Gedanke, dass er hier bald, vielleicht schon morgen, alles hinter sich lassen würde machte ihn traurig. Nicht nur weil er diese Welt ins Herz geschlossen hatte. Nein, er hatte sich hier mehr zu Hause gefühlt, als er es in den letzten fünf Jahren seines Lebens

irgendwo gewesen war. Etwas, das er fast nicht mehr gekannt hatte. Als Kommissar blieb man nicht lange an einem Ort. Man ging dahin, wohin man Geschickt wurde, ob dies nun eine abgelegene Minenkolonie oder eine Vorstadt auf der Erde war. Und einfach hier zu stehen und nachzudenken war ein Luxus, den man sich nicht erlauben konnte. Langsam sammelte sich Wasser auf dem Boden Sie wollte ihn nicht gehen lassen… Für Aaren war es, als würde sich jeder Gedanke in ihrem Blick wiederspiegeln. Etwas, an das man sich erst gewöhnen musste, dachte er, aber dann war es

eigentlich fast wie eine Unterhaltung. Wenn auch eine sehr einseitige. Entweder war Soneas Mimik wirklich so einfach zu lesen, oder er griff bloß unbewusst nur auf das zurück, was jeder Kommissar lernte. Leute schnell einschätzen zu können. Er wollte selber ebenfalls nicht gehen wenn er ehrlich war. Aber das musste er, dachte Aaren. Er hatte nicht das Recht die Menschen auf der Erde im Stich zu lassen. Wenn ihm das, wofür er einmal stand, noch etwas bedeutete, und das tat es, dann gab es keine andere Möglichkeit für ihn. Ohne Hilfe würde es nur ein noch größeres Blutbad geben, als ohnehin schon angerichtet worden war.

Ob es ihm gefiel oder nicht, er hatte Verantwortung. ,,Ich muss helfen.“ , sagte Aaren laut. ,,Das verstehst du oder ? Wenn man die Möglichkeit hat, schlimmeres zu verhindern, dann muss man es auch tun.“ Sie schwamm ein Stück vom Fenster zurück. Aaren machte keine Anstalten sie aufzuhalten. Eine dieser Reaktionen, die er nicht einschätzen konnte. War das Unsicherheit, oder doch etwas, das er nur als kindischer Trotz verstand? Und dann Begriff er etwas. Sie wollte es nicht verstehen, obwohl sie genau wusste, was das bedeutete und warum. Es war… wieder einmal viel zu menschlich. Die Zeit verstrich und als ihm klar

wurde, das Sonea von sich aus keine Antwort geben würde, fragte Aaren :,,Warum bist du immer noch hier ?“ ,,Anders.“ Genau die gleichen Worte, die sie bei ihrer ersten, eher unfreiwilligen Begegnung benutzt hatte. Aber wenn man mit Blutvergiftung auf einer verlassenen Sandbank festsitzt ist man nicht wählerisch was seine Freunde angeht, dachte er und musste grinsen. Er hatte erst wieder lernen müssen zu lachen. Wie jemand, der nach langer Krankheit im Bett plötzlich wieder das Laufen lernen muss. Er hätte so oft sterben sollen… Er hätte eine Menge Dinge tun sollen. ,,Ja… vielleicht, aber irgendwie hoffe

ich es nicht.“ Wenn er sich wirklich irgendwie von anderen Unterscheid hieß das nur, das er ein Sonderfall war. Dann gäbe es für andere Kommissare keine Möglichkeit, die Wahrheit so zu erkennen wie er. ,, Sieht so aus als würde ich es einfach darauf anlegen aus der Rolle zu fallen.“ , sagte Aaren schließlich. ,, Und grade deshalb werde ich gehen.“ ,,Ich komme mit.“ Die Worte waren verständlich und klar. Aaren schwieg einen Moment, während das Wesen geschickt zum Fenster hereinkletterte, begleitet von einem erneuten Wasserschwall. ,,Ich weiß nicht Sonea…“ Er wollte sie

nicht wirklich im Kreuzfeuer wissen und genau das würde passieren, wenn sie die Erde erreichten, wie er fürchtete. Mal davon abgesehen, das er sich nicht sicher war, das sie dort überhaupt Überleben konnte. Er wusste, dass sie bleiben würde, wenn er sie dazu aufforderte. Und wenn nicht konnte er trotzdem einfach ohne sie gehen. Aber… freier Wille, ging es bei dem ganzen nicht genau darum? ,,Es ist deine Entscheidung. Aber es würde gefährlich werden. Die Erde… was du hier gesehen hast ist nichts. Der Hive ? Im Vergleich zu den Städten auf der Erde ist die Station winzig. „ Sonea gab einen glucksenden Laut. Sie

fand die Vorstellung so vieler Lebewesen an einem Ort wohl lächerlich. Aaren bezweifelte, dass sie mit dem Konzept einer Stadt etwas anfangen konnte und er konnte es nur zu gut nachvollziehen. So viele Menschen, wie es allein hier schon gab… sich noch mehr vorzustellen schien tatsächlich seltsam und doch war es so. Allein die Erde hatte mindestens zwölf Milliarden Einwohner. Und die Kolonien… darüber wollte er gar nicht erst nachdenken. Mindestens noch einmal das doppelte. In gewisser Weise konnte er die Angst des Elektorats vor einem weiteren Bürgerkrieg gut verstehen. Das Problem war, das bei einem Kampf Planet gegen

Planet keiner Seite je einfach die Truppen ausgingen. Oder die Ressourcen. Es ging weiter, bis eine Seite schlicht aufhörte zu existieren. ,,Glaub mir, ich wünschte es wäre ein Witz.“ , meinte Aaren. ,,Aber das ist es leider nicht.“ Sonea wurde ebenfalls wieder ernst. Sie schein ihm jetzt erst richtig zuzuhören. ,,Die Frage ist… kannst du das auch ? Es gibt in den Städten keine Seen oder Flüsse.“ Er hatte gesehen, das Sonea gut mehrere Stunden ohne Wasser überleben konnte, vielleicht sogar Tagelang. Trotzdem schwächte sie das zusehends und sie bekam irgendwann Atemprobleme.

,,Wir würden viel Wasser brachen.“ ,überlegte er laut. Die Idee war verrückt. Eine Naias zur Erde bringen war verrückt. Und doch war er irgendwie erleichtert, nicht ganz alleine gehen zu müssen. Jack war vielleicht auf seiner Seite, nur viel es ihm noch schwer, dem Mann wirklich zu vertrauen. Sie arbeiteten zusammen, weil sie nicht wirklich die Wahl hatten. Das war alles. ,,Ich glaube ich habe eine Idee…“ , meinte Aaren, zumindest, wie er verhindern konnte, das Sonea allzu sehr auffiel. ,,Warte kurz.“ Sonea erwiderter nichts, aber er

beschloss das einfach als Ja zu werten. Er öffnete die Tür und schloss sie sofort wieder hinter sich, als er auf den Flur hinaus trat. Um diese Uhrzeit hatten sie nicht einmal mehr Posten auf dem Deck, soweit er wusste. Trotzdem wäre es unvorteilhaft, wenn ihn jemand beim Herumschleichen ertappte. Seine Anwesenheit hier war der kleinen Besatzung ohnehin ein Dorn im Auge. Zumindest, das er sich frei bewegen konnte, war es jedenfalls. Er lief schnell den Gang entlang, immer darauf lauschend, ob sich etwas rührte, bis er die Schiffswäscherei erreichte. Etwas, das diesen Namen eigentlich nicht

verdient hatte. Vermutlich war der Raum nur eingerichtet worden, weil man noch etwas Platz übrig gehabt hatte. Eine Waschmaschine und Trockenleinen. Aaren brauchte nicht lange, bis er fand, was er suchte. Ein Kapuzenpullover, den er von einer der Leinen nahm. Vermutlich würde das keiner vermissen. Und wenn doch, nun, sie konnten ihm das schlecht als Sabotage vorwerfen. Er musste bei dem Gedanken ein kurzes Lachen unterdrücken, bevor er zurück in seine Kabine trat. Sobald die Tür wieder geschlossen war, versuchte er seine Idee zu erklären. ,,Versuch mal ob es passt, wenn nicht

finde ich sicher was.“ , sagte er, und hielt Sonea den Pullover hin, unschlüssig ob sie das ganze begreifen würde. Sie schien einen Moment zu brauchen um zu verstehen, was sie mit dem Stück Stoff tun sollte. Dann jedoch warf sie sich das Kleidungsstück erstaunlich geschickt über den Kopf. Er hatte sich immer gefragt, wie intelligent diese Wesen wirklich waren. Mindestens so sehr wie ein Mensch. Vielleicht sogar intelligenter und ihre Auffassungsgabe übertraf die eines Menschen in jedem Fall. Sie schien ich in der Kleidung unwohl zu fühlen. Die Kapuze fiel ihr ins Gesicht,

so dass sie sie ständig wegschieben musste und auch ansonsten war die Kleidung für die eher zierliche Gestalt viel zu groß. Trotzdem, es verfehlte seinen Effekt nicht. Auf die Entfernung würde sie, noch dazu mit der Kapuze, leicht als , wenn auch etwas schlaksig wirkender, Mensch durchgehen. Zumindest so lange niemand genauer hinsah. Nur die Hände waren noch ein Problem. Er würde auf dem Hive noch Handschuhe besorgen müssen, um die Knochendornen zu verbergen. Hosen würden sich auftreiben lassen. Schuhe wiederum… Er würde sich etwas ausdenken.

Die Schwierigkeit wäre nur noch, sie vom Planeten zu holen ohne dass das jemand mitbekam… Aber auch dafür gab es vielleicht eine Lösung. Er würde noch eine Weile darüber nachdenken müssen, aber es könnte funktionieren. Nur Jacks Meinung dazu.. nun wenn der Mann ihn wirklich brauchte, würde er helfen oder zumindest nicht im Weg stehen. Er streckte eine Hand aus. ,,Komm, bevor wir den Hive erreichen will ich noch mal an Deck. Wer weiß, ob man mich bis zu unserer Abreise dort nicht irgendwo einsperrt.“ Es wäre das Risiko wohl wert. Von den fünf Crewleuten neben Jack dürfte keiner mehr wach sein. Einen kurzen Moment

war er sich unsicher, ob Sonea ihn Verstanden hatte, dann jedoch nahm sie seine Hand. Jack stand am Bug des Schiffs. Um ihn herum gab es nur von Mondlicht in Quecksilber verwandeltes Wasser. An Schlaf war für ihn im Moment ohnehin nicht zu denken. Ihn beschäftigten zu viele Gedanken, die letzten Nachrichten von der Erde sahen nicht besser aus als die letzten und das Elektorat schein langsam immer brutaler vorzugehen. Angeblich waren die Regierungsbezirke komplett abgeriegelt worden und nur noch mit entsprechenden Kontrollen zugänglich. Es war das Chaos und das

Elektorat schien sich genötigt, einfach jeden auszuschalten, den es für eine Bedrohung hielt. Das hieß wohl, dass auch dem Justizminister die Zeit jetzt immer schneller davonlief. Nur von Abundius gab es keine Spur. So sehr er auch alle Artikel und Videos durchging, er konnte keine Meldung finden, die auch nur mit ihm im Zusammenhang stehen könnte. Abundius oder Nemo schien vom Erdboden verschwunden. Oder er hat wieder die Identität gewechselt, dachte Jack. Fürs erste hatte er ein Ziel. Zurück zur Erde und hoffen, das Jones sein Versprechen einhielt. Er musste, dachte Jack, oder er würde ihn dazu zwingen.

Danach würde er weitersehen, es lohnte sich nicht, so weit in die Zukunft zu planen. Nicht in Zeiten wie diesen. Als er hinter sich Schritte hörte, wirbelte er herum, eine Hand auf den Griff der Pistole, die andere bereits zum Energieschwert gehoben. Er entspannte sich erst, als er Aaren erkannte. Aber wen hatte er eigentlich erwartet? Jack wusste es nicht. Nur das er über nervös war. Seine Zuversicht vom Abend war längst wieder Zweifel gewichen. Und dem unguten Gefühl, das nichts gut werden würde. Sondern schlechter. Seltsamerweise war der Kommissar nicht allein. Eine Frau schien ihn zu

begleiten. Aber hier waren nur fünf weitere Personen an Bord… Die Frau schien kurz nervös zu werden, als sie Jack bemerkten. ,,Keine Sorge… er ist ein Freund.“ , meinte Aaren ruhig. ,,Das gibt’s doch…“ Jack starrte einen Moment unschlüssig in Richtung der Gestalt, das er auf den ersten Blick für einen Menschen gehalten hatte. Bis er seinen Fehler bemerkte. Es war Sonea, das Wesen, das er am Dock der verlassenen Siedlung gesehen hatte. Er fasste sich allerdings schnell wieder. Was machte das Wesen hier an Bord? Auch wenn es tiefste Nacht war, sie konnten sich wirklich keine Zwischenfälle leisten und da konnte er

sich nicht mehr herauslügen. ,,Das... Ding soll doch nicht etwa mit?“ Jack merkte sofort, dass das ein Fehler gewesen war. Offenbar beleidigt trat Sonea ein paar Schritte zurück und der Blick der goldenen Augen wurde kurz düster. ,,War das nötig ?“ ,,Habs nicht so gemeint.“ , fügte er schnell hinzu. Er wusste nicht, warum er sich die Mühe machte sich zu entschuldigen. Allerdings, er brauchte im Momentwirklich keinen weiteren Ärger, egal welcher Art. ,,Trotzdem, was soll das ? Sie denken nicht ernsthaft das… sie“ , korrigierte er sich schnell , ,,Hier an Bord zu lassen

sei eine gute Idee ? „ ,,Wieso nicht ?“ ,,Wieso ? Vielleicht ist es ihnen entgangen, aber wir haben genug andere Probleme. Und…“ Irgendetwas stimmte nicht ganz. Auf der eine Seite wirkte das ganze schon surreal genug… aber warum trug das Wesen Kleidung? Er hatte es deshalb fast nicht als das erkannt was es war. ,,Sie denken nicht ernsthaft darüber nach, sie mit auf die Erde zu nehmen ?“ Er hoffte wirklich, dass er sich irrte. ,,Es ist ihre Entscheidung.“ , antwortete Aaren und sah zu Sonea herüber. ,,Nicht meine. Jeder hat einen freien Willen.“ ,,Es ist vor allem meine Entscheidung

und mein Risiko.“ , erklärte Jack aufgebracht. ,,Sie brauchen mich Jack.“ , meinte Aaren ruhig und mit einem Grinsen. ,,Zum Teufel…“ Der Mann ging ihm langsam auf die Nerven. Bedauerlicherweise jedoch, hatte er Recht. Ich könnte ihn auch einfach wirklich einsperren und mitnehmen lassen, dachte Jack kurz. Allerdings hätte er damit wohl eher wenig Erfolg. Der Mann war gefährlich und es war wohl in jedem Fall besser, ihn auf seiner Seite zu haben. Erzwang sich dazu ruhig zu bleiben. ,,Und darf ich auch erfahren wie sie das anstellen möchten ? Wir kommen so nicht mal vom Hive

weg.“ ,,Ich habe da eine Idee.“ , erwiderte Aaren.

Kapitel 23 Ruhe




,,Also, was haben sie genau vor ?“ , wollte Jack wissen. Er ärgerte sich noch immer über den Mann. War er so kurzsichtig? Freier Wille… Das konnte man sich manchmal einfach nicht erlauben. ,,Ganz einfach, sie haben immer noch ihren Kommissar-Status. Mit etwas Glück sind wir zwar hoffentlich ohnehin weg, bevor jemand Fragen stellt, aber wenn nicht… nun, erzählen sie einfach allen die Minister wollten ein

Testsubjekt.“ Das war zwar etwas gewagt, sollte aber funktionieren, dachte Aaren. Wenn es um die Anweisungen eines Kommissars ging stellte man nicht viele Fragen. Und wenn sie erst einmal vom Planeten weg waren, war es ohnehin egal. ,,Bei ihnen hört sich das fast einfach an.“ Er schlug die Hände über den Kopf zusammen. Konnte nicht irgendetwas mal Problemlos funktionieren? ,,. Machen sie was sie wollen, aber ich hoffe wirklich, sie wissen was sie tun. Ist sonst noch jemand an Bord, von dem ich wissen sollte?“ , fragte er verärgert aber leise. Das fehlte noch, dass einer von der Crew

aufwachte. ,,Was genau ist eigentlich ihr Problem ?“ ,,Sie können doch nicht einfach…“ Entweder nahm der Kommissar ihn nicht wirklich ernst… oder er ignorierte Jacks Gereiztheit absichtlich. ,,Sie können nicht einfach irgendwas an Bord lassen.“ Jack hatte langsam das Gefühl, das eher ersteres zutraf. ,,Man kann ihr trauen.“ , versicherte Aaren ihm. ,,Irgendwie bezweifle ich das.“ , entgegnete er. Im selben Moment ließ sich das seltsame Wasserwesen namens Sonea ins Meer fallen, was Jack dazu brachte

zusammenzuzucken. War das nötig? Die Kleidung, die Aaren besorgt hatte war an Deck zurück geblieben. ,,Ich glaube sie ist beleidigt.“ , stellte Aaren trocken fest. ,,Wie kann ich es beleidigt haben wenn ich nicht mal weiß womit ?“ Irgendwie kam ihm die Vorstellung so lächerlich vor, dass er verhindern musste, laut loszulachen. ,,Nun, sie versteht jedes Wort.“ Jacks ah den Kommissar kur verwirrt an. ,,Sie verarschen mich ?“ Das konnte nicht sein. ,,Ich fürchte nicht.“ ,,Und das sagen sie mir erst jetzt ?“ Jack seufzte. Er sollte lernen die Klappe

zu halten. ,,Also schön. Aber das ist jetzt ihr Problem…“ Nur das es auch seines werden würde. Hauptsache, der Kommissar kam mit und es gab keine Verzögerungen. ,,Ich weiß das gefällt ihnen nicht… mir auch nicht, aber am Ende, ist es ihre Entscheidung.“ , sagte Aaren. ,,.Am besten halten sie sich einfach von Cloudsworth fern.“ , erklärte Jack. ,,Der Mann ist unangenehm.“ Aaren hörte ihm nicht mehr richtig zu, sondern setzte sich an den Bootsrand. Im Wasser sah er den Schemen von Sonea auftauchen und wieder verschwinden. Irgendwie brachte ihn das zum Lächeln. Gedankenverloren betrachtete er die

Narben auf seinem Handrücken. Jack ignorierte den Kommissar. Langsam ärgerte es ihn, dass er sich mit dem Mann herumschlagen musste. Sein verhalten war ja schon fast exzentrisch, dachte er. ,,Was ist das mit der Narbe ?“ , fragte er irgendwann doch. Nicht dass es ihn interessierte, aber unter Deck gehen wollte er nicht und den Rest der Nach nur schweigend den Ozean abzusuchen, da zog er Gespräche vor. ,,Nichts.“ , erklärte Aaren wieder. ,,Na klar.“ , erwiderte Jack. Er erwartete nicht, dass der Kommissar noch etwas sagen würde. Schließlich fügte er jedoch hinzu: ,,Sie hat mich

auch wieder geheilt.“ Aaren nickte in Richtung des Schemens im Wasser. ,,Geheilt ?“ Langsam setzte er sich ebenfalls, ein Stück entfernt an die Reling. ,,Sie können die Eigenschaften in ihrem Blut durchaus nutzen.“ , meinte er. ,, Eine der Wissenschaftlerinnen auf dem Hive, Eleanor Haddington , hatte die Theorie, das Naias, so nennen sie sich selbst, die Wirkung über elektrische Impulse steuern könnten.“ ,,Was wurde aus ihr ?“ , fragte Jack , mehr aus Höflichkeit als aus Interesse. ,,Tot. Wie so viele andere. Ich glaube ich und Abundius sind die einzigen, die noch übrig sind, die etwas mehr über

diese Wesen wissen.“ ,,Tja, offenbar reicht dem Elektorat das, was es bereits weiß.“ , meinte Jack. Etwas im Wasser zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Ein sanftes Zittern lief durch das Schiff. Nicht stark oder laut genug um die schlafende Crew zu wecken. Aber doch definitiv spürbar. Einige Meter vom Schiff entfernt schwamm das Wesen namens Sonea… und ein Stück weiter draußen schien das Wasser zu kochen. Ein riesiger Schatten tauchte unter dem Schiff hindurch und erschien langsam an der Oberfläche. ,,Das gibt es doch nicht..“ Jack wollte aufspringen um Alarm zu schlagen,

wurde aber von Aaren zurückgehalten. ,,Was zur…“ , setzte er an und fragte sich kurz , ob der Kommissar endgültig verrückt geworden war. ,,Ruhig.“ , sagte Aaren nur. ,,Wir wären schon tot, wenn es uns angreifen wollte.“ Und wenn es das tut sind wir es immer noch, fügte Jack in Gedanken hinzu. Der Levian war kleine, als der, den er gesehen hatte. Wenn man bei so einem Wesen überhaupt von klein sprechen konnte. Der hier war vielleicht doppelt so groß wie ihr Schiff. Der augenlose Schädel war vielleicht zehn Meter vom Bootsrumpf und weniger als einen von der schwimmenden Naias

entfernt und wirkte in der einsetzenden Stille fast friedlich. Sonea legte dem Wesen nur eine Hand an die Stirn. Jack beobachtete das ganze fasziniert und ängstlich zugleich. Seine Hand tastete nach der Pistole. ,,Wenn sie schießen greift es an.“ , erklärte Aaren leise. ,, Das wollen wir beide nicht, glauben sie mir.“ Jack hatte keine Ahnung, woher der Kommissar sein Wissen nahm, ließ die Hand aber wieder sinken. Ein tiefes kaum hörbares Summen erfüllte die Luft, das bei ihm rasch Kopfschmerzen auslöste. Vielleicht orientierte sich das riesige

Schlangenwesen so? Irgendwann, eine Gefühlte Ewigkeit später, tauchte der Koloss so geräuschlos wieder in die Tiefen, wie er erschienen war. Einige Augenblicke später verschwand auch Sonea in den aufgewühlten Wellen. Er fragte sich kurz, ob die Naias, die Wesen erschaffen hatten, wie Aarens Erklärung vermuten ließ, oder ob es doch eine Art von Lebensgemeinschaft war. Augenblicke später tauchte Soneas Kopf aus den Wellen auf. ,,Langsam verstehe ich, wieso sie diesen Planeten mögen.“ , gab Jack zu. ,,Ständig Überraschungen.“ Aaren erwiderte nichts, sondern half

dem Wesen wieder an Deck. Sonea hatte offenbar etwas gefangen, das Jack zumindest auf den ersten Blick an einen Fisch erinnerte. Auf den zweiten wirkte es auf ihn aber eher, wie ein Vogel, dessen Federn sich irgendwann verhärtet und in eine Schuppenartige Haut verwandelt hatten. ,, Na wenigstens das Seemonster ist satt.“ , meinte Jack kopfschüttelnd. Aaren antwortete nichts. Er sah lediglich einen Augenblick schweigend aufs Meer hinaus. Justizminister Arthur Jones saß Gedankenverloren an seinem Schreibtisch und musterte die Person,

die ihm gegenüber saß. Er konnte nur hoffen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Für ihn stand fest, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Nicht gesundheitlich bedingt, auch wenn er sich sicher war, das die Erklärung so lauten würde. ,,Verzeihen sie, Minister, aber warum bin ich hier ?“ , fragte Mia Preston. Jones antwortete der Kommissarin nicht sofort. Er dachte daran, wie er heute Morgen sein Büro betreten hatte. Nachdem er das erste Mal seit Tagen das Ministerium verlassen und auch in seinem eigenen Haus geschlafen hatte,

war seltsam gewesen, wieder in die Hallen zurück zu kehren. Die ganze Atmosphäre die diesen Ort umgab war düster und gedrückt, woran natürlich die Ulan-Garden ihren Anteil hatten. Aber nicht nur. Irgendwie, so dachte er, war diese Atmosphäre schon immer da gewesen. ,,Melden sie sämtliche Plünderungen sofort der nächsten Dienststelle.“ , riss ihn eine Lautsprecherdurchsage aus den Gedanken, als er den Platz vor dem Ministeriums-Gebäude überquerte. ,,Plünderungen werden bei Todesstrafe nicht geduldet.“ Mittlerweile gab es ähnliche Ansagen in sämtlichen vom Elektorat kontrollierten

Bereichen der Stadt. Und nicht nur das. Da die Aufstände nicht von selbst abebbten hatte das Elektorat nun begonnen, die Ordnung in der Bevölkerung wieder her zu stellen und Sympathie zurück zu bekommen. Vergebliche Müh, wie Jones den übrigen Ministern gesagt hatte. Er passierte ein Plakat das einen Ulanen in dunkler Kampfpanzerung und verspiegelten Visier zeigte. We keep you Safe , stand in hellen, weißen Buchstaben darunter. Manchmal fragte Jones sich, wen sie noch zu täuschen versuchten. Sich selbst oder die Bevölkerung ? Er beeilte sich, das Foyer hinter sich zu

lassen und sein Büro zu erreichen. Mias Stimme hole ihn zurück in die Wirklichkeit, als sie ihre Frage wiederholte. ,, Minister ?“ Jones überlegte einen Moment, bevor er antwortete. Ihm lief die Zeit davon. Und er musste Vorkehrungen treffen, falls sie nicht reichte. Aber konnte er ihr trauen? Es konnte jeder Kommissar sein, jeder der tun würde was er sagte. Aber er hatte keine Garantie, dass ihre Loyalität auch nach seinem Tot weiterbestehen würde. Jones musterte die Kommissarin. Lange dunkle Haare, ein schmales, etwas ausgemergelt wirkendes Gesicht.

Kommissarinnen waren seltener was aber weniger daran lag, dass sie nicht dazu in der Lage gewesen wären. Sie ließen sich lediglich schwerer durch die Mentalblocker kontrollieren. Statistisch gesehen wachte die Hälfte von ihnen irgendwann auf. ,,Ihre Waffen.“ , meinte er leise. Ihre Hände zitterten als sie zwei schwere Pistolen vor ihm auf den Tisch legte. Und sie wirkte nervös, wie er feststellte. Ließen also ihre Mentalblocker nach? , fragte Jones sich. Vermutlich. Das war gut. Wenn er sie dazu brachte, nachzudenken, dann konnte er das Risiko eingehen. Jones nahm eine der Waffen in die Hand.

Die Inschrift im Griff lautete: ,,Inter arma enim silent leges.“ Unter den Waffen schweigen die Gesetze. Passend, dachte Jones. Schrecklich passend. ,,Sie wissen, dass es unter den Kommissaren… einige Veränderungen gab ?“ Er musste vorsichtig sein. ,,Viele von uns wurden… des Verrats überführt.“ Die Säuberungen im Justizministerium waren etwas, das eigentlich nicht offen besprochen wurde. ,,Und glauben sie das wirklich ?“ , fragte der Justizminister langsam. ,,Wenn das ein Test ist dann kann ich versichern…“ Jones ließ sie nicht ausreden. ,,Als ich mich vor dem Haus zu erkennen gegeben

habe, da hatten sie plötzlich Respekt vor mir, wieso ?“ ,,Sie sind der Minister und…“ Jones ließ sie wieder nicht ausreden. ,,Und hat nicht jeder Mensch den gleichen Respekt verdient ?“ Lass ihr keine Zeit zum Nachdenken, keine Zeit sich irgendeine Elektorats-gefällige Antwort auszudenken, weil sie erwartet, dass du sie hören willst. ,,Ich verstehe nicht worauf sie…“ ,,Ich werde ganz offen sein.“ Er hatte die Pistole wieder hingelegt und schob ihr die Waffen über den Tisch zu. Mia nahm sie wieder an sich. ,,Ich rechne nicht damit, auch nur den heutigen Tag zu

überleben.“ ,,Was meinen sie das ?“ ,,Ich meine es genauso, wie ich es meine. Und sollte das geschehen… muss ich wissen ob ich mich auf sie verlassen kann.“ ,,Warum sollten sie…“ ,,Die anderen Minister werden mich töten , Preston. Heute.“ Und wenn dem so war, schwor er sich, einige von ihnen mitzunehmen. ,,Damit…. Das würden sie niemals tun.“ , erklärte sie überzeugt. Manchmal fragte Jones sich, wie Leute, die darauf getrimmt waren, Gerechtigkeit als hohes Gut anzusehen, ja sogar ihre Emotionen dafür zu opfern, in manchen Dingen so

blind sein konnten. Vielleicht war die Antwort sehr einfach. Es gab einen Faktor, den niemand im gesamten Elektorat je bedacht hatte. Voreingenommenheit. Etwas, gegen das alle Medikamente nichts ausrichten konnten. Der eine Fehler im System, der vielleicht auch zu ihrem Fall beigetragen hatte. ,,Sie werden tun, was ihnen verdammt nochmal passt.“ , unterbrach Jones sie erneut. ,,Verstehen sie das ?“ Das war der Moment in dem es sich entscheiden musste. Würde sie wirklich verstehen… und akzeptieren können, was er sagte? Oder würde sie bei den Lügen bleiben, die das Elektorat ihr und allen

eingetrichtert hatte? ,,Das kann nicht sein.“ Sie versuchte es vielleicht noch immer zu leugnen. Wahrheit tat weh. Aber die Art wie Mia sprach, zeigte ihm, dass er gewonnen hatte. ,,Sollte ich sterben, ist es wichtig, das sie jemanden für mich finden und ihm das hier geben.“ Er zog eine kleine metallische Karte aus seiner Tasche. ,,Es ist eine Zugangskarte für das Ministerium. Meine um genau zu sein. Sie öffnet jede Tür und jedes Schloss und kann nicht gesperrt werden. Dafür habe ich gesorgt.“ Fast ein wenig ehrfürchtig und zögernd nahm die Kommissarin die Karte an sich.

,,Aber…“ ,,Es ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass sie tun, was ich sage. Danach können sie ihrer Weg gehen, wenn sie das möchten. „ Er aktivierte die Touchscreen-Oberfläche des Tischs. ,, Ich entferne ihre biometrischen Daten aus dem System, so kann man sie nicht mehr so schnell finden.“ , erklärte Jones. Mia schien ihm nicht wirklich zuzuhören. Natürlich nicht dachte er. Für die paar Minuten die sie hier war, war das viel zu verarbeiten. Eigentlich hätte es Monate gebraucht. Aber jetzt musste er sich darauf verlassen, dass sie einfach handeln würde. ,,Wen ?“ , fragte sie.

,,Diese Karte, muss eine ganz bestimme Person erreichen.“ Er zog einen Umschlag unter dem Tisch aus einer Schublade und reichte ihn der Kommissarin. ,,Jack Walt…“ , las sie den Namen darauf laut vor. ,,Genau den. Sagen sie ihm, ich kann mein Versprechen nicht halten und das seine,,Freunde“ im Ministerium sind. Das ist alles, was mir bleibt. Gehen sie jetzt. “ Aber sie blieb einen Moment einfach schweigend sitzen. Schließlich löste eine der zwei schweren Pistolen wieder aus den Holstern und hielt sie dem

Minister hin.. ,,Die werden sie offenbar eher brauchen als ich.“ Jones zögerte einen Moment, bevor er die Waffe an sich nahm. ,,Danke.“

Kapitel 24 Enttäuschung

  Jemand, vermutlich einer der zwei Elektorats Soldaten, schubste Aaren die Rampe hinunter auf den Steg. Sie hatten den Hive erreicht. Seit das gewaltige Konstrukt aus Stahl heute Morgen in Sicht gekommen war, hatten ihn wieder gemischte Gefühle geplagt. Auf der einen Seite war er froh, dass die Station wirklich noch stand. Auf der anderen hatte er nie hierher zurückkehren wollen. Er suchte nach Jack, der sich bereits am Dock befand und wartete, während er sich ständig nervös

umsah. ,,Wir gehen direkt durch zur Landeplattform.“ , erklärte der Mann ihm. Jack wollte hier nur so viel Zeit wie nötig verbringen. Desto länger sie blieben, desto höher wurde das Risiko, das sie doch noch auf den letzten Metern aufflogen. Besser Cloudsworth erfuhr erst, das sie wieder hier waren, wenn sie bereits den halben Weg zur Erde hinter sich hatten. Soneas Auftauchen hatte natürlich für einige Unruhe an Bord gesorgt, aber die meisten hatten sich gar nicht erst die Mühe gemacht, viele Fragen zu stellen. Vermutlich, so dachte Jack, hatten sie es einfach bereits aufgegeben. Jack

war froh, ab jetzt wenigstens nicht mehr den ständigen fragenden Blicken der Fünf ausgesetzt zu sein. Es reichte grade, dass er sich mit Aaren herumschlagen musste. Auch wenn er langsam glaubte, die Beweggründe des Mannes etwas besser zu verstehen. Er warf einen Blick zu dem Wesen herüber. Es trug die Kleidung die Aaren für es ausgesucht hatte. So wollten sie unnötig viel Aufmerksamkeit vermeiden. Und vermutlich betrachtete Aaren das auch als eine Art Generalprobe ob die Tarnung auch ausreichte. Jack musste zugeben, dass es bisher ganz gut zu funktionieren

schien. Das Dock befand sich an einer der großen Trägersäulen, die die Anlage im Meeresboden verankerten. Er sah die gewaltige Stahlwand hinauf, die vor ihnen lag. Die Metalloberfläche glitzerte in der Sonne und blendete ihn beinahe. Das Wetter täuschte darüber hinweg, das Stürme hier eher an der Tagesordnung waren. Der Himmel war strahlend blau und er konnte nirgends Sturmwolken entdecken. ,,Von hier an komme ich allein zurecht.“ , sagte er und bedeutete den fünf Leuten aus der Crew damit, an Bord zu bleiben. ,,Wohin müssen wir ?“ , fragte Aaren. ,,Zur Landeplattform auf der ich

angekommen bin. Einige Ebenen höher.“ , erklärte Jack, während sie das Dock entlang gingen, auf eine Tür im Sockel der Trägersäule zu. ,,Das Schiff sollte immer noch da sein.“ Aaren nickte und ließ sich etwas zurück fallen, während sie die Anlage betraten. Im Inneren befand sich lediglich eine kleine Halle, die zu einem Fahrstuhl führte, bewacht von zwei Elektorats-Soldaten. Jack sorgte dafür, dass man die kleine Anstecknadle an seiner Kleidung bemerkte und ging schneller. Eine der Wachen warf den drei kurz einen Blick zu, sagte aber nichts, sobald sie Jack bemerkte. Dieser musste sich zusammennehmen um nicht noch

schneller zu laufen. Bei seiner Ankunft hier war es einfacher. Er war allein gewesen und musste sich lediglich um sich selbst kümmern. Jetzt jedoch könne jede Frage, jede Unstimmigkeit, zu Problemen führen. Besser also, wenn erst gar keine Aufkamen. Erst, als er die verglaste Aufzugskabine erreichte, erlaubte er sich, sich etwas zu entspannen. Aaren freilich schien die Sache lockerer zu nehmen. Oder vielleicht war der Mann solche Situationen auch einfach mehr gewohnt als er. Jedenfalls achtete er lediglich darauf, in Soneas Nähe zu bleiben und die Waffen die er trug so gut wie möglich vor Neugierigen Blicken

verborgen zu halten , während er den Aufzug betrat. Die gläserne Kabine setzte sich mit einem kaum spürbaren Ruck in Bewegung und fuhr Aufwärts. Jack lehnte sich gegen eine der durchsichtigen Wände, durch die man nach draußen über die langsam in Sicht kommende Hauptplattform der Anlage sehen konnte, und schloss die Augen. Fast geschafft, dachte er. Der Fahrstuhl würde sie in die Nähe des Landepunkts bringen und dann blieb nur noch ein kurzer Fußmarsch, bis sie dem Planeten den Rücken kehren konnten. Auch wenn es ihm leid tat, Tian oder seinen Leuten nicht helfen zu können… er musste zurück. Und

vielleicht… vielleicht würde er später zurückkehren. Nicht nur vielleicht schwor er sich. Er würde zur Erde gehen, seine Leute befreien und dann würde er zurückkommen. Egal ob Aaren ihn dann noch begleiten würde oder nicht. Wenn er noch lebte. Aaren betrachtete Gedankenverloren, wie die Hauptplattform des Hive in sich kam. Die verschiedenen Sektionen und aufragenden Bauten erscheinen auf den ersten Blick zusammengewürfelt und willkürlich. Er erkannte vieles wieder, aber offenbar hatte man in den letzten Monaten auch ein paar Änderungen

vorgenommen. Hier und da waren kleinere Neubauten zu sehen, dafür fehlten einige alte Sektionen, die er noch von seine Zeit hier kannte, aber nicht mehr fand. Er fühlte sich nicht nervös, aber Erwartungsvoll. Und die Vorstellung den Planeten zu verlassen ließ ihn schließlich doch etwas unruhig werden. ,,Alles in Ordnung ?“ , fragte er Sonea . Wusste sie überhaupt, was sie erwartete? Reisen durch den Phasenraum waren immer schmerzhaft und was sie auf der Erde vorfinden würden, wusste er nicht genau. Sonea antwortete natürlich nicht, sah sich aber mit großen Augen um,

beeindruckt, aber nicht eingeschüchtert. Er hatte das Gefühl, sie versuche, aus den chaotischen Aufbauten und Sektionen irgendwie ein Muster zu erkennen. Sonea war zwar schon einmal hier gewesen, wie Aaren wusste, aber aus dieser Perspektive hatte die Anlage selbst für ihn etwas mehr als nur beeindruckendes, während der Fahrstuhl sie immer näher zu ihrem Ziel brachte und dabei Gebäudefassaden vor ihnen aufstiegen und unter ihnen wieder verschwanden. Irgendwann hielt die Aufzugskabine schließlich an. Jack trat als erster nach draußen. Sie

befanden sich auf einem breiten Flur, der in einer weiten, offenen Halle mit Glasdach mündete, die er noch von seiner Ankunft kannte. Soldaten mit Sturmgewehren hielten an den in den Wänden liegenden Geschäften wache und musterten die hin und her eilenden Zivilisten misstrauisch. Die meisten hatten gar keine Zeit Jack oder seinen beiden Begleitern mehr als einen flüchtigen Blick zu widmen. Das war vermutlich auch gut so, dachte er. Denn bei genauerer Betrachtung musste ihre kleine Gruppe doch einen seltsamen Eindruck hinterlassen. Er ging vielleicht noch durch. Ein Kommissar, der nicht ganz wie einer

wirkte. Kurios genug, so jemanden hier draußen zu begegnen. Nur dann wurde er noch von einem weiteren Man begleitet, der seltsamerweise einem gesuchten und für tot gehaltenen Verräter viel zu ähnlich sah und eine zerrissene und geflickte Kommissars-Uniform trug. Ganz zu schweigen von der markanten Bewaffnung. Und am meisten hätte sich ein zufällig vorbeigehender wohl über die Frau gewundert, die eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte. Handschuhe und die langen Ärmel des Pullovers verbargen zusätzlich das offensichtliche, aber bei näherem Hinsehen wäre schnell aufgefallen, dass zumindest mit dem

Gesicht etwas nicht stimmte. Die Haut wirkte grün-silbern… und geschuppt. Jack bedeutete den anderen sich zu beeilen, als sie die Halle durchquerten. Sie passierten einen zweiten Fahrstuhl der, wie er wusste, hinauf zu Cloudswoths Büro führte. Wenigstens mit dem musste er sich nicht rumschlagen. Fürs erste zumindest… Ganz am Ende der Halle gab es eine Tür, von der aus sie den Steg erreichten, der hinüber zur frei schwebenden Landeplattform führte. Und dort stand, wie Jack erwartet hatte, noch immer der Shuttle mit dem er hier angekommen war. Dre Transporter war jedoch nicht das einzige, das auf sie

wartete… Tian stand an die Verkleidung des Schiffs gelehnt und sah gelassen zu ihnen herüber. Zusammen mit zwei weiteren Personen. Ein Mann in weißem Laborkittel mit Omnsiphere-Logo und einer Frau in ähnlicher Kleidung. Der Mann war mittleren Alters, soweit Aaren das sagen konnte, besaß aber bereits kein einziges Haar mehr auf dem Kopf, auf dem er stattdessen eine Wollmütze trug. Die Frau hingegen war ein Stück älter und hatte hochgesteckte graue Haare. ,,Wer ist das ?“ , wollte Aaren wissen und blieb stehen. Irgendwo hatte er ihn schon einmal gesehen, da war er sich sicher. Wenn auch nur

kurz… ,,Überlassen sie mir das bitte.“ , sagte Jack , während er sich umsah, um sicherzustellen, dass sie ansonsten alleine auf der Plattform waren. Tian kam mittlerweile auf sie zu. ,,Jack, schön dass sie es geschafft haben. Ich habe das Schiff heute Morgen gesehen und dachte, ich warte…“ Aaren unterbrach ihn, bevor Jack etwas erwidern konnte. ,,Wer sind sie ?“ ,,Aaren ?“ Sein Gegenüber blinzelte verwirrt. ,, Sind sie das wirklich ? Sie erinnern sich vielleicht nicht an mich.“ ,,Ich glaube schon…“ Er brauchte einen Moment, bis er das Gesicht endgültig

zuordnen konnte. Der Mann hatte schwarze Haare und trug den typischen orangen Overall der Omnisphere-Arbeiter. Allerdings mit einer Jacke darüber, die sicher nicht zur Standardkleidung gehörte. ,, Sie sind Pilot oder?“ , fragte Aaren schließlich. ,,Ich sehe sie haben ein gutes Gedächtnis. Jack, ich möchte ihnen jemanden vorstellen. Das ist die neue Laborleiterin, Beryl Whitehead, und das ist Henry Charlton, Forschungsleiter in der Physik. Die gesamte Forschungsabteilung steht hinter uns. Und wer weiß wie viele andere noch, ein Viertel der Belegschaft. “ , erklärte Tian fast überschwänglich. Jack wurde klar,

dass der Mann tatsächlich glaubte, genug Leute für einen Erfolg versammelt zu haben. ,, Um was genau geht es hier ?“ , fragte Aaren derweil. Er hatte so eine Ahnung, aber warum hatte Jack davon nichts gesagt? Sonea wich ein Stück zurück. Er fragte sich später, ob sie irgendwie gespürt hatte, was folgen würde, oder ob das einfach nur Zufall gewesen war. ,,Überlassen sie mir das bitte.“ , forderte Jack. ,,Dann darf ich davon ausgehen, dass man sie nicht informiert hat ?“ , fragte Whitehead. ,,Über was ?“ ,,Wir stellen uns gegen das Elektorat.

Mr.Walt hier hat uns Hilfe versprochen.“ , erklärte der Pilot. ,,Hör zu Tian. Mir bleibt keine Zeit dafür.“ , sagte Jack zähneknirschend. Genau das hatte er vermeiden wollen. ,,Jack, warum weiß ich davon nichts ?“ , verlangte Aaren zu wissen. Das ging nicht, Wie konnte ihm der Mann vorenthalten, das hier Hilfe gebraucht wurde und gleichzeitig seine Unterstützung fordern? ,,Was soll das heißen, sie haben keine Zeit ?“ , fragte Charlton der Physiker. ,,Ich dachte wir würden hierbei auf ihre Unterstützung…“ ,,Es ist einfach nicht möglich.“ , fuhr Jack den Mann an, der daraufhin einige

Schritte zurück wich. ,,Könnten sie mir auch erklären, wieso sie mir hiervon nichts erzählt haben ?“ , verlangte Aaren erneut zu wissen. ,,Weil wir ihnen nicht helfen können! Es ist nicht wichtig.“ ,,Können wir das nicht friedlich…“ , versuchte Tian sich einzumischen. Die beiden Wissenschaftler wendeten sich zum Gehen. ,,Warten sie…“ ,,Sie haben mich schlicht und ergreifend angelogen.“ , erklärte Aaren, ,,Ich entscheide was wichtig für mich ist. “ ,,So wie sie sich entscheiden haben, sich zwei Monate lang auf einer Insel zu verkriechen und nicht einmal versucht haben, von dort zu entkommen und zu

helfen ?!“ , schrie Jack den Kommissar nun fast an. ,,Während da draußen tausende sterben?!“ Er holte mit der Faust aus, traf Aaren jedoch nicht. Stattdessen wurde sein Arm in der Luft abgeblockt und bevor er wusste was passierte, wurde ihm die Hand verdreht und der Kommissar zog ihm die Beine weg. Er stürzte mit voller Wucht zu Boden und schlug sich den Kopf an. ,,Msitkerl…“ Der Kommissar erwiderte nicht. Wieso nicht ? Jack spürte wie seine Wut langsam verrauchte. Der Mann hätte ihn grade töten können, wenn er das gewollt hätte. Er hätte es ihm nicht einmal übel

nehmen können. ,,Vielleicht haben sie recht“ , meinte Aaren schließlich. ,,Aber ich glaube nicht, dass das noch eine große Rolle spielt.“ Jack bemerkte erst jetzt in der Stille, das Tian und die anderen offenbar verschwunden waren. Langsam stand er auf, schlug aber die Hand des Kommissars weg, als dieser ihm hochhelfen wollte. Eine Weile stand Jack schweigend da. ,,Tut mir leid.“ , sagte er schließlich. ,,Das macht es nicht besser.“ Aaren trat an ihm vorbei in Richtung des Shuttles und Jack folgte ihm und Sonea schweigend. Da fegt ein Schuss über

seinen Kopf. Was zur… Er wirbelte herum, die Hand auf den Griff der Pistole. Über die Brücke näherte sich eine Gruppe bewaffneter Elektorats-Soldaten. Und mit ihnen Maximilian Cloudsworth. Der Gouverneur überragte seine Leute um einen guten Kopf und hielt ebenfalls eine Pistole in der Hand, die bei ihm aber fast wie Spielzeug wirkte. ,,Cloudsworth was soll das ?“ , verlangte Jack zu wissen.

Kapitel 25 Der Tod des Ministers



Die Sitzung des Ministerrats fand, wie meistens seit Beginn der Unruhe, im Justizministerium statt. Dank den Kommissaren war es eines der wohl sichersten Gebäude auf dem Planeten. Trotzdem fühlte Arthur Jones sich gar nicht sicher, als er die Stufen zum Sitzungssaal hinauf ging. Seine Schulter bereitete ihm wieder Schwierigkeiten, auch wenn er die Schmerzen ausblendete. Er spürte die Waffe unter seinem dunkelblauen Jackett doppelt so schwer, als er die letzte Stufe der Treppe erreichte.

Vor dem Justizminister befand sich ein kurzer Flur, der zu einer hohen Eichenholtür führte. Keine der modernen Schiebetüren, die sich beim Näherkommen automatisch öffneten, sondern eine einfache Holzpforte. Wobei einfach nicht wirklich zutraf. Das Holz war verziert, mit Blattgold beschlagen und zeigte, wie so viele Dinge, eine Justitia-Statue. Allerdings ohne die typische Augenbinde. Die Tür war mindestens so alt wie das Elektorat selbst. Hundert Jahre bestimmt. Trotzdem hatte die Darstellung der Gerechtigkeit keine Binde, war nicht blind… vielleicht war es eine dunkle Vorausdeutung gewesen.

Eine Warnung, dass das Elektorat keinen Bestand haben würde… Er blieb einen Augenblick vor dem Tor stehen. Es würde heute enden. Das wusste er. Er sah es an den Blicken, die ihm selbst die Ulanen zuzuwerfen schienen. Und er spürte es. Mit einer Handbewegung förderte er ein kleines Tablettenfläschchen zutage. Die schwarz lackierte Dose schien schwerer zu wiegen als die Waffe, als er einige unscheinbare, weiße Pillen auf seine Handfläche schüttelte. Mentalblocker. Er trug sie mit sich, seit er aus der Kommission zum Minister berufen worden war. Heute würden sie ihm vielleicht einen

letzten Dienst erweisen. Er schluckte fünf, das mehrfache der eigentlichen Dosis und spürte sofort, wie der Effekt einsetzte, seine Gedanken sich klärten und alle Konturen plötzlich doppelt so scharf zu sein schienen. Nüchterne Gelassenheit war alles, das von seiner vorherigen Nervosität blieb. Er wusste, was zu tun war. Jones atmete noch einmal tief durch, dann öffnete er langsam die Tür und trat in den dahinter liegenden Saal. Durch einige hohe Fenster fiel Licht herein, auch wenn der Ausblick eher entmutigend war. Nach wie vor schwebten Rauchwolken in der Ferne und der Himmel war grau wie eh und

je. Im Raum selbst befand sich ein großer halbrunder Tisch mit zwölf Plätzen, die um die Mitte angeordnet waren. Zehn davon waren besetzt. Die Minister. Der Raum selbst wurde von mehreren Ulanen, die Waffen im Anschlag, flankiert. Zu seiner linken befand sich das Verteidigungsministerium vertreten durch mit Ministerin Hotaru Oishi. Eine Japanerin, wenn das noch eine Rolle spielte . Mittlerweile konnte man den meisten Menschen ihre Nationalität ohnehin nicht mehr ansehen. Dann natürlich der Finanzminister . Daniel Szymanski. Der momentan

jüngste Minister in der Runde , aber gleichzeitig einer der mächtigsten. Die gesamte Wirtschaft, ob nun Banken oder Geschäfte hing mehr oder weniger von seinem Wohlwollen ab. Dieser Macht war er sich wohl auch mehr als bewusst. Szymanski besaß Strohblonde Haare und stechende Augen, die ihn wie eine Spielfigur musterten, der er nicht wusste, auf welchem Feld sie enden würde. Dann gab es noch das Innenministerium, das Arbeitsministerium und das Wissenschaftsministerium, zusammen mit weiteren. Langsam ging er die einzelnen Plätze durch. Der elfte Platz würde wohl leer bleiben,

nachdem Hasan Okafor tot war. Ein weiterer Mann stand neben dem Finanzminister, den Jones nicht kannte. Er hatte braune Haare, einen schmalen, hochgewachsenen Körperbau und hielt ein kleines Buch mit rotem Einband in den Händen, die er fast wie zum Gebet darum gefaltet hatte. Er lächelte nicht, oder sah auch nur auf, als der Justizminister in den Saal trat. ,,Sie wollten mich sprechen ?“ , fragte er ruhig. ,,Worum geht es ?“ Jones trat langsam in die Mitte des Raums hinein. Er wusste längst wieso er hier war. Hier endete es. Er fragte sich nur noch wie. Seine Hand schloss sich um den Griff der Pistole. Wenigstens einen wollte er

mitnehmen. Keine Vergebung für das was er zugelassen hatte. Nicht für das, an dem er mitgewirkt hatte. Nur das. Nicht sinnlos sterben. ,,Ich will ganz ehrlich sein.“ , begann Szymanski. ,,Wir glaube nicht, das sie die nötige.. härte besitzen, die Ordnung wieder her zu stellen.“ ,,Ich verstehe.“ Und er sah auch Szymanski an, das er verstand. Noch nicht, befahl er sich selbst. Solange sie redeten hatte er Zeit sich vorzubereiten. Die Waffe wirkte zunehmend schwerer. Wann hatte er das letzte Mal eine in der Hand gehabt und auch geschossen? ,,Und darf ich auch erfahren… durch

wen sie mich zu ersetzen Gedenken ?“ Es war nicht wichtig. Nichts war noch wirklich wichtig. ,,Der neue Minister des Nachrichtendienstes … Lewis Flynt.“ Der Mann neben dem Finanzminister trat vor, immer noch das Buch in der Hand. Jetzt konnte Jones auch den Einband lesen. Die Leiden des jungen Werthers. Jones kannte den Mann nicht, aber er musste wohl Einfluss in einem der Ministerien haben um für so eine Position vorgeschlagen zu werden. Oder er war einfach eine passende Puppe. Allerdings wirkte Flynt so nicht. Nein… ,,Haben sie überhaupt eine Ahnung, was da draußen los ist ?“ , rief Jones.

,,Das haben wir durchaus.“ , meinte die Verteidigungsministerin. ,,Und die Lösung ist klar. Wir können nicht länger Zurückhaltung gegenüber jenen walten lassen, die sich gegen uns stellen.“ Er sah sich in der Runde der elf um. Nirgendwo fand er so etwas wie entsetzen oder wenigstens Ablehnung bei den Worten des Ministers ,,Sie sind doch alle Wahnsinnig.“ Es fühlte sich gut an, die Wahrheit endlich auszusprechen. Es war vielleicht das wahrhaftigste, das er in den letzten Monaten gesagt hatte. Vielleicht sogar in den letzten Jahren… ,,Vielleicht seit ihr mehr derjenige, der

einfach ausgedient hat. Alter Mann.“ , sagte Flynt. Es war das erste Mal das sein Nachfolger sprach. Die Stimme war ruhig… und viel zu selbstsicher. ,,Nicht vor ihnen.“ Er zwang sich dazu jedem in der Runde nach und nach in die Augen zu sehen. ,,Sie alle haben lange vergessen was es heißt zu Dienen. Dem Volk, dem Elektorat oder irgendeiner anderen Idee als reinem Selbstzweck.“ Seine Stimme verhallte in der einsetzenden Stille. ,,Also ist es wahr. Sie haben uns verraten.“ ,,Und wie soll ich das getan haben ?“ , fragte Jones in die Runde. ,,In diesen Hallen ist nichts, das ich verraten

könnte. Das es auch nur wert wäre hintergangen zu werden.“ ,,Hören sie auf. Wir kennen ihre Pläne alter Mann. Ihre Einmischungen.“ Jones erwiderte nichts. Das konnte einfach nicht sein. ,,Sie haben jemanden nach Liurie geschickt. Einen der Aufständischen, die wir festgesetzt hatten, soweit ich weiß.“ Es war Flynt , der diese Feststellung machte. Die Augen des Mannes schienen nci still zu stehen. Dunkle Ringe darunter zeugten von Schlafmangel aber auch von Entschlossenheit. Wer war er ? Jones wusste nicht, ob er ihn schon einmal gesehen hatte. Aber irgendetwas warnte ihn vor ihm. Etwas anderes als

die Gewissheit, dass er diese Hallen nicht lebend verlassen würde. ,,Jack Walt ?“ Jones musste sich zusammennehmen, das ihn jetzt doch nicht der Mut verließ. Sein Plan schien sich grade in Wohlgefallen aufzulösen. Aber sie wussten nicht von Mia Preston sagte er sich. Auch wenn ihm das wenig nützte, es war kein totaler Fehlschlag. Aber fast. Denn wenn sie das wussten… Er sah zu Flynt herüber, der immer noch das Buch in einer Hand hielt. Die andere war in seiner Tasche verschwunden. Jones wusste was er suchte. ,,Ihr kleiner Plan hat sich erledigt. Was immer sie vorhaben, wir haben Order an

Cloudsworth geschickt, Walt um jeden Preis festzusetzen.“ Das war es also, dachte Jones. Er tastete ebenfalls nach seiner Waffe. Die Soldaten, die sich bisher ruhig an den Wänden positioniert hatten, hoben ebenfalls die Waffen, während die Minister wie versteinert da saßen. Er konnte alles wie in Zeitlupe sehen. Flynts Hand, die in einer schnellen Bewegung eine Pistole hochriss. Das kleine rote Buch hatte er fallengelassen und Jones konnte beinahe die Seiten zählen, während es scheinbar unendlich langsam zu Boden sank. Jones zog seine eigene Pistole, die die Mia ihm überlassen hatte. Unter Waffen

schweigen die Gesetze. ,, Oh Verflucht…“ , hörte er noch die Stimme eines der Minister. ,, Tötet ihn !“ Sie waren nur etwas zu langsam für ihn. Jones riss die Waffe hpch und feuerte. Kalt, berechnend, präzise. Er hatte nichts verlernt. Die erste Kugel tötete einen Ulanen, der es beinahe geschafft hatte, die Waffe zu heben. Die zweite traf den Wirtschaftsminister ins Auge und zerschmetterte dessen Schädel. Einer erledigt. Noch elf übrig. Sofort wirbelte er herum und feuerte blind auf die Verteidigungsministerin, ohne zu sehen, ob er traf. Dann sah Jones sah das Aufblitzen des

Mündungsfeuers, als die verbliebenen Ulanen ebenfalls die Abzüge ihrer Gewehre durchzogen. Aber Flynt konnte er noch mitnehmen, dachte er. Ein plötzlicher stechender Schmerz in der Schulter ließ ihn jedoch zusammenzucken, die Waffe fiel ihm aus der Hand. Im nächsten Moment wurde er von den Kugeln der Ulanen getroffen. Schmerz. Einen Moment fragte er sich, ob er sofort tot sein würde. Ein Bein gab unter ihm nach, dann das andere. Blut lief ihm aus einem Mundwinkel und aus einem Dutzend Wunden, sammelte sich auf dem Boden und bildete rasch eine Lache um ihn herum.

Abundius hob das Buch auf, bevor das sich ausbreitende Blut es erreichen konnte. Justizminister Arthur Jones atmete schwer, den Körper von Kugeln durchsiebt. Aber noch immer am Leben. Was für ein Starrsinn, dachte er. Normalerweise hätte er das bei einem Menschen geschätzt. ,,Glauben sie nicht… sie kommen damit durch.“ ,,Genau das beabsichtige ich aber.“ , erklärte Abundius und hob ebenfalls die Waffe auf, die der Minister fallen gelassen hatte. Langsam richtete er den

Lauf auf den Jones Kopf. ,,Wenn es hilft… das hier wird bald alles vorbei sein.“ , sagte Abundius so leise, das es außer ihm und dem sterbenden Minister niemand hörte. Der Schuss hallte durch den mittlerweile stumm gewordenen Saal. Einige der Minister zuckten kurz zusammen. Abundius ließ die Waffe sinken. ,,Meine Herren“, wendete er sich an die Minister. ,,Ich denke wir können nun damit beginnen die Ordnung wiederherzustellen.“ Der wichtigste Schritt war getan. Nun stand er kurz vor dem Ziel. Drei Minister tot und Abundius hatte zwei ihrer Posten inne. Fehlten noch neun. Und um Jack, den

letzten seiner Aufständischen, der noch auf freiem Fu0 war, brauchte er sich auch keine Sorgen mehr zu machen. ,,Hier soll jemand sauber machen.“ , erklärte er an einen der Ulanen gerichtet. ,,Und am besten macht man meine Ernennung so schnell wie möglich Offiziell.“ Die Verteidigungsministerin, die grade eben einer Kugel entgangen war, nickte. ,,Natürlich Mr. Flynt. Oder sollte ich sagen , Justizminister Flynt ?“ ,,Und Minister des Nachrichtendiensts.“ ,,Natürlich.“ , bestätigte Szymanski. Alles lief nach

Plan. ,,Was soll das Cloudsworth ?“ , fragte Jack erneut. Aaren musterte den näher kommenden Gouverneur, während die herbeieilenden Elektorats-Soldaten sie langsam umstellten. Es hatte keinen Sinn zu versuchen das Landungsschiff zu erreichen. Sie wären tot, bevor sie auch nur die Triebwerke starten konnten. ,,Ich bin als Kommissar im offiziellen Auftrag des Justizminister unterwegs.“ , erklärte Jack. ,,Das ist nicht akzeptabel.“ Aber er fürchtete bereits,

dass sein Protest ohnehin vergebens war. Das hier war kein Irrtum. Sie waren in echten Schwierigkeiten, wie er fürchtete. Jack sah sich kurz nach Aaren um. Der Kommissar wirkte ruhig, selbst nach ihrem Streit. Aber offenbar war auch er besorgt. Immer wieder sah Aaren sich zwischen den Soldaten, die sich nun auch in ihrem Rücken positionierten und Cloudsworth hin und her. ,,Einfach Großartig.“ Konnte Jack ihn murmeln hören. Wenigstens hatte ihre, nein seine, beinahe-Schlägerei dazu beigetragen, das zumindest Tian nicht mehr hier war. Das war etwas… auch wenn er sich deswegen nicht unbedingt freute. Jack hätte sich

gerne Entschuldigt. Was war in ihn Gefahren? Das gleiche, was ihn veranlasst hatte, den Mann zu töten, der ihn am Zugang zu den Ulan-Laboren überrascht hatte. Es schein eine Ewigkeit her zu sein… Jack zwang sich, sich zu konzentrieren. Sie hatten im Augenblick wichtigere Probleme. Sonea sah sich ebenfalls hektisch um, aber der Kommissar bedeutete ihr mit einer Geste ruhig zu bleiben. Im Moment war das ihre einzige Option. Maximilian Cloudsworth stieß einen der Soldaten bei Seite und trat in den Ring, den diese um das Shuttle , die zwei Menschen und Sonea bildeten. .

,,Ihr Kommissar-Satus wurde vor weniger als einer Stunde aufgehoben.“ , erklärte er an Jack gerichtet. Seine Stimme war kalt. Aaren legte eine Hand auf den Griff der Pistole. Das bedeutet nichts Gutes. ,,Das würde ich lassen, Terrel.“ , warnte der Gouverneur ihn. Der Mann war direkt vor ihn getreten und überragte ihn leicht um mindestens einen Kopf. Angst hatte Aaren keine, aber bedauerlicher Weise hatte er recht. Wenn er jetzt einen Kampf vom Zaun brach währen sie alle tot. Wie viele ihrer Gegner könnte er ausschalten? Drei ? Vier ? Und dann würden sie doch im

Kreuzfeuer sterben. Und er wollte niemanden verletzen wenn das nicht nötig war. ,,Also schön.“ Aaren trat ein paar Schritte zurück. Für den Moment blieb ihm nichts anderes übrig. ,,Ich habe eine Haftbefehl für…“ Er musterte erst Aaren, dann Jack. Schließlich blieb sein Blick an Sonea hängen. Jack wusste nicht, ob Cloudsworth die Täuschung durchschaute, aber es war klar, dass er nur zwei Personen auf seiner Liste hatte. ,,fast alle Anwesenden.“ Er nickte einem der Soldaten zu , der daraufhin auf das Wesen zutrat. ,,Überprüfen.“ , befahl der

Gouverneur. Der Mann streckte eine Hand nach dem verkleideten Wesen aus und packte es an der Schulter. Sonea war blitzschnell. Aber es war weniger die Geschwindigkeit, mit der die Naias reagierte, als die Kaltblütigkeit dahinter, die Jack einen Schauer über den Rücken jagte. Bevor Aaren, Jack oder auch nur der Soldat selbst begriffen was los war, wirbelte Sonea herum, so das der Ärmel über ihren Arm verrutschte, und rammte ihm die Knochendornen an der linken Hand in den Hals. Der Mann sackte ohne einen Laut zusammen. Bisher hatte er Sonea beinahe für

harmlos gehalten, wenn auch definitiv nicht wehrlos. Das hier jedoch… ,,Interessant.“ , hörte Jack den Gouverneur sagen. ,,Tötet es.“ Ein weiterer Soldat legte nun auf das Wesen an, aber Aaren war schneller. Bevor der Mann den Abzug drücken konnte, sprang der Kommissar ihm in n den Weg und riss den Waffenlauf zur Seite. Die Kugel streifte ihn dabei, schlug aber ansonsten harmlos auf dem Deck der Landeplattform auf und surrte als Querschläger davon. Aaren hielt sich die verletzte Seite. Die Wunde war nicht lebensgefährlich, aber Schmerzhaft. Mittlerweile zielten auch die übrigen Elektorats-Soldaten auf die

drei. ,,Muss ich wirklich jemanden töten ?“ , fragte Cloudsworth. ,,Ich habe eigentlich die Anweisung, sie alle lebend gefangen zu nehmen.“ Aaren sah sich nach Jack um. Es schien keinen Ausweg zu geben. Selbst wenn sie versuchen würden, sich einen Weg freizuschießen, vorausgesetzt, sie kamen überhaupt dazu, die Waffen zu ziehen, gegen so viele hatten sie keine Chance. ,,Wir ergeben uns.“ , sagte Jack schließlich langsam und hoffte einfach, das sowohl Aaren als auch Sonea einfach seinem Beispiel folgen würden. Es war vorbei.

Kapitel 26 Verhör


Jack wusste nicht genau wo er sich befand. Irgendwo auf dem Hive nahm er an. Nachdem er, Aaren und Sonea so kurz vor dem Ziel festgenommen worden waren, hatte man sie getrennt. Langsam stand er auf und lief in der blanken Zelle hin und her. Auf vier Seiten umgaben ihn Wände aus glattem Metall, nur auf einer Seite durch eine Tür mit Gitterfenster unterbrochen. Viel konnte er durch die Metallstäbe allerdings nicht erkennen. Auf dem Gang war Licht, aber es schien sich nicht um

Tageslicht zu handeln, sondern um eine Lampe. Keine Nieten in den Wänden , keine Gegenstände, die er irgendwie hätte nutzen können. Um sich nun ein Ende zu setzen oder auszubrechen. Eher letzteres. So verzweifelt war er noch lange nicht. Aufgebracht schlug er gegen die Tür. ,,Hey, ist da jemand ?“ Er bekam natürlich keine Antwort. Vermutlich war das auch besser so. Trotzdem… wenn man sie entweder gleich hier verurteilen oder erst zurück zur Erde schicken würde, dann wollte er es hinter sich bringen. Er hasste es lediglich eingesperrt zu sein. Und das Warten machte es nicht

besser. Der Raum hatte keine Fenster, so dass er den Verlauf der Zeit nicht einschätzen konnte. Er konnte Stunden oder auch schon einen Tag hier sein. Man hatte ihm einmal etwas zu essen gebracht. Anders konnte er die verstrichene Zeit nicht einordnen. Und was aus Aaren geworden war, geschweige denn aus Sonea wusste er auch nicht. Sie saßen wirklich in der Klemme, das war Jack klar. Cloudswort hatte sie gefangen und offenbar war er enttarnt worden. Welche andere Erklärung konnte es dafür geben, das sein Kommissar-Status mehr oder weniger zeitgleich in einen Haftbefehl umgewandelt wurde.

Was bedeutet das wohl für den Justizminister? Jack war das Schicksal des Mannes relativ egal, aber gab es dann überhaupt noch Hoffnung für seine Leute? Es musste so sein. Selbst wenn man sie enttarnt hatte, noch war nicht alles verloren. Zumindest redete er sich das ein. Irgendwann hörte er schließlich Schritte auf dem Gang draußen. Jack machte sich nicht die Mühe aufzustehen, als das Geräusch von Stiefeln auf dem blanken Boden näher kam. Was immer es war, es konnte nicht wirklich gut sein. Im nächsten Moment wurde die Tür seiner Zelle geöffnet und zwei Soldaten

traten herein, die den Ausgang sicherten, bevor Cloudsworth an ihnen vorbei in den Raum trat. Maximilian Cloudsworth überragte wie immer seine gesamte Umgebung, was ihn allerdings, dank des niedrigen Zellendurchgangs, eher lächerlich wirken ließ. Jack konnte es nicht mit Sicherheit sagen, aber der Mann ging vermutlich ständig leicht gebeugt. Nicht sehr angenehm und vermutlich wurde diese Haltung schnell auch Schmerzhaft. Er trat ein paar Schritte zurück, während der Gouverneur weiterhin schweigend auf ihn herabstarrte. Der Mann musste sich in der selbst für Jacks normale Verhältnisse relativ niedrigen Zelle noch

mehr ducken als sonst schon und erinnerte ihn nun ein wenig an einen Geier. Ein hungriger Geier, der ein kurz vor dem verenden stehendes Tier erspäht hatte. ,,Was zur Hölle wolle sie ?“ , fragte er und überspielte damit seine aufkommende Angst. ,,Nicht viel.“ , erklärte Cloudsworth. ,,Wissen sie, NDNA wirkt bei höheren Dosen Halluzinogen wenn man den Berichten glauben darf. „ Erst da fiel ihm die Injektionsnadel auf, die einer der zwei Soldaten in der Hand hielt. Im inneren befand sich eine rot-schwarzen Flüssigkeit. Etwas Ähnliches hatte er doch auf der Erde in den

Laboren gesehen. ,,Das können sie nicht…“ Der Gouverneur ignorierte Jack. ,,Nur bisher habe ich das noch nie selbst gesehen. Die Anweisung lautet zwar, dass ich sie nicht töten darf… aber wenn nur ein sabbernder Idiot zurück kommt…“ Cloudsworth zuckte mit den Schultern. ,,Sie sind dich völlig Bescheuert.“ , rief er. Ihm fiel auch nichts ein, das er sonst tun konnte. Panik stieg in ihm auf bei dem Gedanken, was das vielleicht noch mit ihm anrichtete. Die Ulanen fielen ihm ein… ,,Wissen sie, das stimmt vielleicht.“ ,

erklärte der Gouverneur. ,,Ich bin damit in Kontakt gekommen. Bevor wir wussten, wie wir NDNA richtig für bestimmte Zwecke aufbereite. Damals haben wir einfach rumgefuscht und welche verwendet, die man aus einem toten Levian extrahiert hatte.“ Seine Stimme blieb dabei ganz ruhig, aber Jack konnte sich vorstellen. Vielleicht ein dummer Unfall… oder auch Absicht. Das Elektorat kümmerte sich nicht unbedingt besonders um das Wohlergehen seiner Leute. ,,Ein großer Fehler“, er kicherte boshaft über seinen eigenen Wortwitz , ,,wie sich schnell herausstellte. Was es aus mir gemacht hat, sehen sie ja.“ Ihm

wurde einiges klar. Die ungewöhnliche Größe des Gouverneurs war also kein Zufall… Nur offenbar hat es bei ihm auch einen ganz schönen Knacks hinterlassen, dachte er. Oder vielleicht war der Mann auch vorher schon hinüber gewesen… ,,Ich bin vielleicht einfach neugierig, wie es bei ihnen wirkt.“ Einer der Soldaten trat hinter ihn und ehe er reagieren konnte, hatte der Mann ihn gepackt. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, wie schnell Jack sein konnte. Dieser warf sich sofort mit aller Kraft zurück gegen die Wand. Der Kopf des Soldaten schlug mit Wucht dagegen und der Griff löste sich. Jack wirbelte

herum. Das war die Gelegenheit zu fliehen. Vielleicht hatten sie noch eine Chance… Ein heftiger Schlag ins Gesicht holte ihn fast von den Beinen. Bevor Jack sich wieder ganz fangen konnte, bohrte sich die Nadel bereits durch seine Haut. Er spürte den kurzen Einstich kaum, dafür aber die unmittelbaren Folgen sofort. Wie Feuer brannte sich die schwarze Substanz durch seine Andern, so dass er schon glaubte, im nächsten Moment sterben zu müssen. Nach einigen Sekunden wünschte er es sich sogar. Das war kein simpler Schmerz wie von einer Wunde. Er hielt sich den Arm, während er ein paar Schritte rückwärts stolperte.

Jacks Sichtfeld verengte sich langsam, ,,Vielleicht ist Aaren ja etwas… kooperativer.“ , hörte er Cloudswort noch sagen , während die Zellentür wieder ins Schlossfiel. ,,Sie meinen den Kommissar ? “ Die Antwort hörte Jack schon nicht mehr als ihn schließlich die erlösende Dunkelheit einer Ohnmacht umfing. Lasst mich einfach sterben, war sein letzter Gedanke. Rauch drohte ihn zu ersticken. Jack kämpfte sich auf die Füße, ohne genau zu wissen wo er sich befand. Obwohl es ihm irgendwie klar war. Ein brennender

Holzbalken löste sich krachend aus der Decke und er musste zur Seite springen um nicht, zumindest diesmal nicht, darunter begraben zu werden. Die Wände schienen in Flammen zu stehen, ebenso der Boden und die spärlichen Möbel. Nur mit Mühe konnte Jack die Aufkommende Panik unterdrücken. Das ist nicht real, sagte er sich. Er hustete ein paar Mal, während er durch den Rauch stolperte und versuchte etwas zu erkennen. Überall schienen ihn nur Wände zu umgeben. Kein Ausweg. Er wusste nicht, wie er hierhergekommen war oder auch nur wo

er herkam. So sehr er sich auch versuchte einen Reim darauf zu machen, seine Erinnerung ließ ihn im Stich. Es schien auch nicht wichtig, wollte Jack nicht unter den brennenden Trümmern begraben werden. Er musste hier raus. Das Geräusch von zersplitterndem Stahl und Beton über ihm zeigte ihm, das ihm nicht mehr fiel Zeit blieb. Kleinere Putzstücke lösten sich aus der Decke Im nächsten Moment bildeten sich Risse in der Decke und Jack konnte sich erneut nur mit einem beherzten Sprung vor dem sicheren Tod retten. Ein ganzer Teil der Decke brach herunter und riss dabei weitere Trümmerstücke und brennendes

Material mit sich, so dass er die Hand vors Gesicht nehmen musste, um sich vor den auflodernden Flammen zu schützen. Funken versengten ihm den Handrücken. Nun brannte der Großteil des Raums und das Feuer breitete sich so schnell aus, das er kaum rechtzeitig zurückweichen konnte. Ein Schritt… zwei… Jack stieß mit dem Rücken gegen die Wand. Ein Blick nach oben zur eingebrochenen Decke… er konnte es schaffen. Bevor er lange Zeit hatte darüber nachzudenken, setzte er über eine Kommode hinweg und griff nach dem Rand des eingebrochenen Bodens. Mit einer Hand griff er direkt in die auch oben lodernden Flammen, so dass er sie

instinktiv zurückzog. Einen Moment lang hing Jack in der Schwebe, unter sich nur glühende Trümmer und Flammen, dann fand er wieder halt und zog sich hoch. Schwer atmend stand er einen Augenblick da und sah hinab in das Flammenmeer, das wenige Augenblicke zuvor noch sein Grab hätte werden können. Aber noch war es nicht vorbei… Jack taumelte hustend zur Tür des eingestürzten Raums hinaus auf den Gang. Hier war der Rauch so dicht, das er kaum etwas sehen konnte, die Augen tränten ihm und er spürte langsam, wie sich sein Blickfeld verengte, Sein denken wurde schnell irrational, als ihn

der Qualm langsam vergiftete und erstickte. Raus, dachte er noch. Er musste sofort raus… Warum half niemand? Das ganze Gebäude musste leuchten wie ein Weihnachtsbaum, trotzdem, hörte er außer dem Knacken des Feuers nichts. Keine Sirenen, keine Schreie… Unendlich langsam schleppte er sich weiter den Flur entlang, ohne zu wissen, ober er irgendwo ankommen würde. Vielleicht war er auch schon Bewusstlos geworden und starb grade, er wusste es nicht… kur blitzte das Bild einer kalten grauen Zelle in seinem Kopf auf, dann lief er etwas schneller weiter. Er stieß mit dem Kopf gegen etwas und

tastete sich panisch daran entlang. Eine Sackgasse ? War er irgendwo abgebogen oder hatte eine Tür gesehen… Tür… Er ertastete Glas und drückte dagegen. Nichts… Schließlich warf er sich mit ohnehin benebeltem Verstand und panisch mit aller Kraft gegen die Tür. Das Material gab nach und schwang krachend auf, während Jack so gut wie blind hinausstolperte. Kalte Luft schlug ihm entgegen, der ferne Geruch von Meer, wie es den anscheint hatte… Allerdings konnte er nichts dergleichen sehen. Vor ihm lag eine dunkle Graslandschaft, nur erhellt von den Flammen des hinter ihm brennenden Hauses. Er fiel erschöpft zu

Boden, sobald er weit genug von dem Gebäude weg war. Ein Teil seines Verstandes sagte ihm, das die Erinnerung falsch war. Erinnerung? Er war noch nie hier gewesen? Oder doch ? Er richtete sich langsam wieder auf und sah zurück zum Haus. Eine einzige Gestalt stand vor der brennenden Kulisse. Die Haare hingen ihr wir ins Gesicht und sie trug eine seltsam vertraut wirkende Uniform in blau schwarz. Die Gestalt hielt lediglich einen Kanister in der einen Hand und einen kleinen weiteren Gegenstand in der anderen. Wohl ein Feuerzeug. Kommissar, dachte er. Es war ein

Kommissar…. Wu schäumte in ihm hoch. Ein Haus anzünden, in dem noch Leute waren. Jack kämpfte sich endgültig wieder auf die Füße und stürmte auf die Gestalt zu, die ihn offenbar nicht bemerkte. ,,Bastard.“ , Er packte den Mann an den Schultern, riss ihn herum, holte mit der Faust aus und hielt in der Bewegung inne. Die kleine Anstecknadel mit dem Justitiaemblem am Kragen der Gestalt glänzte rot währen sich die Flammen darin spiegelten. Genau wie in die Augen seines Gegenübers. Seine Augen… Jack ließ sein Spiegelbild los. Alle Wut die er grade noch empfunden hatte

schien verraucht. Unmöglich… Die ganze Situation war völlig unmöglich. Irgendwo hinter ihm trat der Mann, den er am Untergrundlabor getötet hatte aus den Schatten, gefolgt von einigen Elektorats-Soldaten… Der Datenknoten…. Jeder der Gestalte sah ihn Vorwurfsvoll an, selbst sein Abbild in der Kommissar-Uniform ,,Keiner von euch hatte das Leben verdient.“ , schrie er. ,,Keiner.“ Das war nicht real. Er deutete auf jede der Gestalten ,,Genau wie Cloudsworth wenn ich ihn in die Finger bekomme, wie jeder

einzelne verdammte Minister, wie…“ Er erstarrte, als er bei seinem eigenen Ich angelangte. Die Kommissar-Gestalt lächelte. Beinahe stolz ? ,,Ich bin nicht du.“ , erklärte er leise. Tatsächlich glaubte er nicht einmal, das ihn der andere Verstanden haben konnte. ,,Oh doch Jack… du weißt es nur noch nicht. Du wirst es erst in dem Moment wissen, wo du in den Spiegel siehst… und da nichts mehr ist, das du wiedererkennst.“ ,,Niemals.“ , erklärte er. ,,Niemals…“ Aber er konnte nirgend wo hin fliehen… Sich nirgendwo vor der Anklage seiner selbst verstecken. ,,Du hattest nie eine Wahl.“ , erklärte

sein Doppelgänger. Jack wich ein Stück zurück, tastete nach der Tür des brennenden Hauses, die nur noch halb in den Angeln hing. ,,Falsch… „ , erklärte er, Mit diesen Worten zog Jack die Tür auf. Eine Feuerwolke brachte die Fenster des Hauses zum implodieren und eine rasende Flammenwand kam den Flur hinab gerast und hüllte Jack, und auch sein Spiegelbild ein. ,,Man hat immer eine Wahl.“

Kapitel 27 Flucht


Aaren setzte sich langsam auf, als er draußen auf dem Gang Schritte hörte. Er zuckte zusammen, als sich die Verletzung an seiner Seite wieder bemerkbar machte. Die Kugel die ihn gestreift hatte, hatte zwar keine ernsthafte Wunde hinterlassen, aber sie behinderte ihn trotzdem. Der Kommissar hatte es mittlerweile Aufgegeben, einen Weg aus der Zelle zu suchen. Es gab keinen. Kein Fenster, keine losen Stücke Wandverkleidung, und auch die Türscharniere waren verstärkt. Ohne Werkzeug kam man hier

nicht raus. Er wusste weder, was aus Jack geworden war. Vermutlich war er aber wohl genauso eingesperrt, wie er selbst. Und Sonea... Besonders der Blick mit dem der neue Gouverneur das Wesen bedacht hatte ihm gar nicht gefallen. Er spürte wie sich seine Hand zur Faust ballte. Ruhig bleiben, ermahnte Aaren sich selbst. Fürs erste konnte er nichts anderes tun. Die Schritte von draußen kamen näher und verstummten schließlich vor der Tür. Aaren schloss einen Moment die Augen. Es war egal was passierte. Vielleicht hatte Cloudsworth den Befehl ihn zu

töten. Etwas, das vermutlich so oder so eintreten würde, wenn er nicht fliehen konnte. Die Tür wurde geöffnet und Aufgezogen. ,,Wartet hier.“ , befahl eine Stimme. ,,Ich werde keine Hilfe brauchen.“ Aaren hörte keine Antwort, aber er erkannte die Stimme wieder. Einige Augenblicke später trat Maximilian Cloudsworth durch die Tür. Der Mann ging gezwungenermaßen geduckt, damit er überhaupt durch den Durchgang passte. Die tiefliegenden Augen musterten Aaren ohne jedes Mitgefühl oder Zweifel. Nur Verachtung. Aber er konnte den Mann

nur bedauern. ,,Ich will es verstehen.“ , setzte Cloudsworth an. Das willst du nicht, dachte Aaren. Nein… der Gouverneur hatte nur ein Ziel, ihn einschüchtern. Trotzdem erwiderte er nichts, sondern hörte einfach nur zu. ,,Sie waren einer der Besten Aaren.“ , fuhr Cloudsworth fort. ,, Ich habe sie fast so etwas wie bewundert, wussten sie das ?“ ,,Ich hoffe ihnen ist klar, das mir das gleich ist. Ich bin frei.“ , erwiderte Aaren. ,,Sie sind schwach geworden, Aaren“ , gab Cloudsworth zurück. ,,Sie waren

einer der Besten.“ , wiederholte er, ,,Und doch haben sie alles weggeworfen. Wofür ? Ein bisschen Freiheit ?“ Er ließ sich dadurch nicht provozieren. Was wollte der Mann überhaupt? ,,Glauben sie das wirklich ?“ , fragte Aaren ruhig. ,,Loyalität erfordert wahre Stärke.“ ,,Loyalität zu was ? Zum Elektorat ? Nein Cloudsworth, sie glauben ich bin ein Verräter? Angst ist das einzige, das das Elektorat zusammen hält. Angst und Verzweiflung.“ Der Gouverneur sah ihn nur an, wie eine seltsame Kuriosität. Einen Käfer, oder dergleichen, der sich irgendwie seltsam Verhielt, den er aber trotzdem jeden Moment zerquetschen

könnte. Interessant, aber nichts weiter bemerkenswert. ,,Und ich fürchte sie nicht. Ich fürchte das Elektorat nicht. “ , erklärte Aaren ruhig. Der Gouverneur lachte. ,,Jeder fürchtet etwas.“ ,,Sie können mich foltern, sie könnten mich töten, vielleicht sogar wiederbeleben? Aber das gibt ihnen keine Kontrolle über mich, oder irgendjemanden. Angst ist keine Macht.“ ,,Zumindest nicht über sie.“ , stellte Cloudsworth fest. Aaren irritierte, das der Mann lächelte. ,,Und andere Leben ? Ich schätze, sie geben die gleiche Antwort, wenn ich sage, dass ich Jack

töten lasse.“ ,,Wieso sollten sie das tun ?“ ,,Brauche ich einen Grund ?“ , wollte der Gouverneur wissen ,, Aber es wäre sinnlos nicht ? Es wäre ihnen egal.“ ,,Jeder kann töten. Dazu braucht es nichts, als eine Waffe und ein wenig Entschlossenheit.“ Und die Entschlossenheit ließ sich notfalls aufzwingen. ,,Bedeutet ihnen das Leben anderer so wenig ?“ , fragte Cloudsworth. ,,Es würde erklären, wieso sie sich die ganze Zeit irgendwo da draußen Versteckt haben.“ Aaren zuckte kaum merklich zusammen. Jack hatte fast dasselbe gesagt… und es

hatte ihn getroffen. Nein, jedes Leben war wertvoll. Nur wer konnte von ihm verlangen, alle zu retten? Der Kommissar schüttelte die Gedanken ab. Cloudsworth schien jedoch sein kurzer innerer Konflikt nicht entgangen zu sein. ,,Oder hatten sie einen anderen Grund ? Etwas das ihnen doch etwas bedeutet?“ Aaren zögerte, bevor er eine Antwort gab. ,,Und das soll sein ?“ Er wusste selbst, dass es nicht überzeugend klang. ,,Wir haben die Kleine zu den anderen gesperrt, die , die bei ihnen war.“ , meinte der Gouverneur. ,,Wir brauchen immer mehr, wie sie sicher

wissen…“ Ruhig bleiben, ermahnte Aaren sich. Er würde ihm nicht erlauben, ihn außer Fassung zu bringen. ,,Viele sterben…“ Er spürte wie sich seien Hand erneut zur Faust ballte. ,,Ich schätze mal mehr als ein paar Tage überstehen…“ Aaren ließ ihn nicht ausreden, sondern sprang mit einem Satz auf und packte den Gouverneur, was wegen des Größenunterschieds nicht ganz einfach war, eine Hand an dessen Kehle, mit einem Tritt brachte er ihn auf die Knie, so dass sie zumindest auf gleicher Höhe waren.

Zwei Soldaten stürmten zur Zellentür herein und richteten die Waffen auf den Kommissar, aber Cloudsworth bedeutete ihnen mit einer Handbewegung sich zurückzuhalten. Sie hätten ohnehin ebenfalls den Gouverneur getroffen, sollten sie das Feuer eröffnen. Zum ersten Mal sah er so etwas wie ein Gefühl, Angst, in den Augen des Gouverneurs. Furcht war vielleicht doch Macht… ,,Es gibt nicht viele Leute, die mir etwas bedeuten, Gouverneur.“ Die Soldaten im Hintergrund sahen sich verwirrt an. ,, Deshalb will ich

ganz sicher gehen, das sie mir jetzt gut zuhören. Habe ich ihre volle Aufmerksamkeit ?“ Cloudsworth nickte, aber der kurze Moment der Angst schien vergangen zu sein. Stattdessen musterte er den Kommissar wieder berechnend, vermutlich hatte er mit dieser Reaktion sogar gerechnet. ,,Ich möchte , dass sie mir ganz genau zuhören, wenn ich folgendes sage : Wenn ihr auch nur das geringste passiert , “ , er betonte jedes Wort langsam und kalt. ,,Werde ich sie umbringen Cloudsworth.“ Der Gouverneur versuchte zurückzuweichen. Wieder war es eine schwache Spur von Angst, die in seinen

Zügen auftauchte. ,,Das ist ein Versprechen. Egal wie oder wann. Wenn sie Sonea irgendwas antun, sterben sie.“ Cloudsworth schaffte es endlich sich aus dem Griff des Kommissars zu winden und ließ eine Faust in dessen verletzte Seite krachen. Mit einem Schmerzensschrei sank Aaren zu Boden. ,,Ein wunder Punkt wie ?“ Aaren wäre in diesem Moment wieder aufgesprungen um den Mann diesmal wirklich zu töten, hätten ihn die Schmerzen nicht fast gelähmt. ,,Ich werde es nicht vergessen.“ ,,Sagen sie mir einfach was zur Hölle sie eigentlich wollen.“ , verlangte der

Kommissar. ,,Gar nichts Terrel, das ist ja der Witz an der ganzen Sache.“ Der Gouverneur drehte sich um und schlug die Zellentür wieder hinter sich zu. Aaren blieb auf dem Boden kauernd zurück. Jack schreckte hoch. Schwer atmend saß er einem Augenblick orientierungslos auf dem Boden. Was war passiert… Er hielt sich eine Hand vors Gesicht. Real… das hier war real, nicht das andere… Es dauerte eine Weile, bis ihm die verstreuten Puzzlestücke seiner

Erinnerung verrieten, was passiert war. Cloudsworth… Panisch sprang er auf, als die Erinnerung zurückkehrte. Offenbar jedoch hatte er es überstanden. Die Halluzinationen oder Wachträume, oder was immer das gewesen war, waren weg. Er fühlte sich gut. Tatsächlich sogar um einiges besser als zuvor. Jack stand vorsichtig auf. Seltsam… irgendetwas war definitiv anders. Er tastete nach der Narbe an seinem Bein. Verschwunden, dachte er, als hätte sie nie existiert. Ansonsten war er immer noch er selbst, soweit er das sagen konnte. Oder ? Jack fühlte sich ruhiger. Langsam suchte er die Zellenwände ab. Auch wenn er

bereits zuvor nach einer Fluchtmöglichkeit gesucht hatte, diesmal wurde er nicht nervös bei dem Gedanken keinen Ausweg zu haben. Ich bin vielleicht doch nicht ganz der Alte, überlegte Jack. Seine Vision hatte ihn mehr als nur erschreckt, aber er hatte es überstanden… und die richtige Entscheidung getroffen, wie er meinte. Er musste das Elektorat aufhalten, nicht für sich selbst, sondern für alle anderen. Das war ihm klar geworden. Ein Rachefeldzug hatte keinen Sinn. Vielleicht war es das, was Aaren ihm auf der Insel hatte sagen wollen. Jack nahm sich vor ihn zu fragen, vorausgesetzt, er erhielt jemals die

Gelegenheit dazu. Er saß immer noch fest, vermutlich genauso wie der Kommissar. Ein lockerer Schlag gegen eine der Stahlwände brachte kein anderes Ergebnis, als einen dumpfen Ton. Die Wand war gut und gerne drei Meter dick und ließ vermutlich nicht mal den Schall durch. Jack trat an die Tür und spähte durch das Gitterfenster nach draußen auf den Flur. Soweit er sehen konnte, war dort alles verlassen. Sie scheinen es nicht einmal für nötig zu halten, Wachen bei den Zellen abzustellen, dachte er. Ein Schuss riss ihn aus seinen Gedanken. Der Knall kam ganz aus der Nähe, war

aber weit genug weg, das er den genauen Ausganspunkt nicht abschätzen konnte. Aber irgendwo da draußen war grade eine Waffe abgefeuert worden. Weitere Schüsse folgten, einige davon offenbar von Gewehren, die anderen von Pistolen und Schnellfeuerwaffen. Jack trat näher an das Gitte rum eventuell doch etwas zu erkennen. ,,Verflucht, sie haben Charlton erwischt.“ Jack kannte den Namen. Wo hatte er ihn bloß schon gehört… Henry Charlton… Das konnte doch nicht sein, oder? ,,Lass ihn liegen, er ist tot. Wir müssen uns beeilen.“ , sagte eine zweite Stimme. Tian.

Im nächsten Moment stürzte eine Gruppe von fünf Leuten in sein Sichtfeld. Drei trugen Orange-Roten Omnisphere-Overalls und kleine In-Ohr-Headsets. Die vierte war eine Frau in Laborkleidung und die fünfte Gestalt freilich trug eine Jacke über den orangen Overall. Drei trugen einfache Pistolen, ein vierter hatte sich ein Gewehr besorgt, das er wohl einem Elektorats-Soldaten abgenommen haben musste. Tian selbst hatte, neben einem vertraut wirkenden Energieschwert, eine Maschinenpistole, die er auf das Türschloss

richtete. ,,Jack, wenn sie da drin sind, gehen sie besser von der Tür weg, wir haben keine Zeit erst das Schloss zu knacken. „ Er dachte erst gar nicht lange darüber nach, sondern warf sich zur Seite, als eine Kugelsalve den Türrahmen durchlöcherte. Einige verirrte Querschläger jagten durch die Zelle, dann wurde es wieder ruhig und die Tür schwang auf. Langsam trat Jack nach draußen. Die Tür schwang ohne Wiederstand auf. ,,Ich glaube ich war selten so froh jemanden zu sehen.“ , erklärte er. ,,Abwarten.“ , erwiderte Tian. ,,Wir sind längst nicht aus dem gröbsten raus.“

Er deutete auf einen der vier ihn begleitenden Omnisphere-Arbeiter. Drei Männer, eine Frau. ,,Seht zu, das ihr den Kommissar findet.“ Zum ersten Mal konnte Jack sich auf dem Flur umsehen. Es war ein simpler langer Gang, mit weiteren Türen, wie der zu seiner Zelle auf allen Seiten. Den Zugang bildete ein verglaster Checkpoint, mit einem Tisch, auf dem nun zwei tote Wachleute lagen, zusammen mit drei weiteren Elektorats-Soldaten und einer Gestalt im Laborkittel. Ein Mann aus der Gruppe begann, die anderen Türen zu untersuchen. ,,Wir zur Hölle… Was machen sie

hier?“ ,,Wonach sieht es denn aus ?“ , wollte Tian wissen, während er das Energieschwert Jack reichte. ,,Wir hatten einige Probleme, nach ihrer kleinen… Eskapade.“ , erklärte er und zog zeitgleich noch eine Pistole mit silberner Justitia-Gravierung unter der Jacke hervor. ,,Woher haben sie das alles ?“ ,,Glauben sie mir es war nicht einfach da ranzukommen.“ Ein weiterer Schuss hallte den Gang entlang, als eine der Türen aufgesprengt wurde. ,,Sir.“ , meinte der Mann, den Tian losgeschickt

hatte. Aaren Terrel trat, sich die verletzte Seite haltend, aus der Zelle. ,,Warum hat das so lange gedauert ?“ ,,Wie bitte ?“ ,,Nur ein Scherz.“ , erklärte der Kommissar, während Tian ihm ebenfalls seine Waffen wiedergab. Es muss wirklich schwierig gewesen sei, da ranzukommen, dachte Jack. ,,Okay, was genau geht hier vor ?“ , wollte er wissen. ,,Nun, wir brauchen ihre Hilfe.“ , sagte Tian. ,,Nach der Sache auf dem Luftdock sind die Wissenschaftler abgesprungen. Das heißt bis auf Whitehead. Irgendjemand muss das ganze

ja Koordinieren.“ Er griff zum Headset. ,,Wir haben sie.“ Jack sah sich langsam um. Die fünf wirkten nicht grade, wie erfahrene Kämpfer. ,,Wie viel Leute haben sie noch ?“ , wollte er wissen. ,,Sehr viel weniger als vorher.“ , erklärte Tian gehetzt. Natürlich. Jack brauchte sich nur kurz umzusehen. Die ganze Aktion hier wirkte bereits auf den ersten Blick schlecht koordiniert. Es war dasselbe wie auf der Erde. Zu wenige, ohne wirkliche Organisation oder Rückhalt. ,,Aber noch haben wir eine Chance…“ , meinte er. ,,Und die sieht wie aus ?“ , wollte Aaren

wissen. Jack sah zu dem Kommissar herüber. Irgendetwas hatte sich bei ihm verändert. Er schien gar nicht richtig zuzuhören, als würde er die ganze Zeit über etwas anderes nachdenken.

Kapitel 28 Sorgen




,,Wir haben unsere Leute in der ganzen Station verteil.“ , erklärte Tian grinsend. ,,Das sollte für Ablenkung sorgen...“ ,,Nicht gut.“ , erwiderte Jack. ,,Glauben sie wirklich, ein paar dutzend Aufständische halten das Militär lange beschäftigt ?“ Noch wichtiger, was brachte es ihnen? Wenn man so sehr in der Unterzahl war, teilte man sich nicht noch zusätzlich auf. ,,Sicher nicht.“ , gab Tian zurück.

,,Aber das ist nicht der Plan. Wie gesagt, wir lenken sie ab und versuchen dann zum Gouverneur durchzukommen. Wenn wir ihn ausschalten… wir das hoffentlich die anderen aufrütteln.“ ,,Sie setzten alles auf eine Karte.“ , meinte Aaren. Eine Erschütterung lief durch den Boden, begleitet vom Geräusch einer Explosion in der Ferne. ,,Es ist nicht so, dass wir eine Wahl hätten. Es heißt, Heute oder nie.“ Der Kommissar schüttelte den Kopf, während er unruhig den Gang auf und ab lief. Es schien ein schlechter Scherz zu sein. ,,Sie glauben wirklich, einfach der Schlange den Kopf abschlagen reicht ?“ ,,Mit ihrer Hilfe,

vielleicht.“ Aaren antwortete nicht sofort. Stattdessen drehte er sich um und sah den Gang zurück zum verwüsteten Sicherheitscheckpoint. Die Unruhe die den Kommissar erfasst hatte schien kurz zu verschwinden. ,,Ich werde zuerst Sonea suchen.“ , erklärte er ruhig wie eh und je. ,,Sind sie…“ , setzte Jack an, aber der Kommissar unterbrach ihn. ,,Egal was sie sagen, das ist meine Entscheidung.“ Aarens Stimme machte klar, dass er keinen weiteren Wiederspruch dulden würde. . ,, Sie können mit Tian gehen, wenn sie das

wollen.“ Jack hätte am liebsten etwas erwidert, hielt sich aber zurück. Ob sie wollten oder nicht, sie waren jetzt Teil der Geschehnisse hier. Und würden für Tians überstürztes Vorgehen vielleicht noch alle den Preis zahlen. Dieser war grade dabei sich gedämpft über das Headset mit jemand zu unterhalten. Vermutlich Whitehead, die die ganze Aktion koordinierte, wenn er den Piloten richtig verstanden hatte. Aarens Antwort würde wohl für einige Verwirrung sorgen. Jack zögerte. Er wollte sich nicht wieder mit dem Kommissar streiten. Eigentlich hätte er sich am liebsten noch für seine

Worte auf der Landeplattform entschuldigt. Rückblickend war er nur dumm gewesen, sich zu so etwas hinreißen zu lassen. Er brauchte Aaren immer noch. Besonders jetzt wie es schien. Ob sie wollten oder nicht, sie hingen jetzt mitten in einer schlecht organisierten und kaum koordinierten Revolution. ,,Sie lassen sich nicht überzeugen wie ?“ , seufzte er schließlich. , Also schön… Tian, wie viel Zeit haben wir etwa, bevor…“ ,,Unsere Stellungen auf dem Hive überrannt werden ?“ , fragte er wütend an Aaren gerichtet. ,,Ist ihnen eigentlich noch zu helfen ? Wen wollen sie

überhaupt suchen?“ ,,Die Frau die bei uns war.“ , erklärte Jack, bevor Aaren etwas erwidern konnte. Die Situation war schon gespannt genug. ,,Definitiv nicht hier.“ , antwortete einer von Tians Begleitern. ,,Natürlich nicht…“ , murmelte Aaren. Jack zögerte kurz. ,,Die Hydrofarmen…“ ,, Was ist damit?“ , wollte Tian wissen. ,,Da sperren sie sicher niemanden ein….“ Die Erkenntnis traf den Piloten wie ein Blitz. ,,Das am Luftdock… Moment… sie riskieren unser aller Leben um irgendein verdammtes Vieh zu ret…“ Weiter kam Tian nicht, denn plötzlich sah er sich einem Pistolenlauf

gegenüber. ,,Wissen sie… sie sind auch nicht viel mehr.“ , meinte Aaren nach wie vor mit viel zu dünner, tödlich ruhiger Stimme. ,, Nur Vieh für das Elektorat.“ Der Pilot stolperte ein paar Schritte zurück, aber Aaren schloss sofort wieder auf, die Waffe direkt auf seine Stirn gerichtet. ,,Aaren.“ , ermahnte Jack ihn. Das war doch nicht normal. Wenn er in den wenigen Tagen die er Aaren jetzt begleitete eines gelernt hatte, dann, das eigentlich kaum etwas den Kommissar derart aus der Fassung bringen konnte. Dieser sah kurz zu ihm herüber. Offenbar wurde ihm erst in diesem

Moment klar, was er eigentlich tat und er senkte fast augenblicklich die Waffe. ,,Tut mir leid.“ Er klang schockiert, schein sich aber gleich wieder zu fangen. ,,Also schön. Wenn wir uns dann alle wieder beruhigen könnten? “ , fragte Jack. ,,Folgendes… Tian, sie sorgen dafür, dass ihre Leute durchalten. Wir gehen zu den Hydrofarmen, danach, sehen wir weiter.“ Aaren nickte. ,,Ich Verspreche, sobald ich mich darum gekümmert habe, helfe ich ihnen.“ Er wollte offenbar seinen Aussetzer wieder gut machen, wirkte aber noch immer gehetzt und wäre wohl am liebsten einfach losgegangen, egal ob ihn jemand

begleitete. ,,Sie glauben wirklich das funktioniert ?“ , fragte Jack skeptisch. ,,Ich weiß das es riskant ist, aber wenn wir den Gouverneur loswerden… die meisten haben nur vor ihm Angst, wenn Cloudsworth fällt, werden sich uns andere anschließen, vielleicht laufen sogar ein paar der Soldaten über. Aber die meisten würden so einen Angriff nicht wagen.“ , sagte Tian. Er klang überzeugt, aber Überzeugung allein würde wohl nicht ausreichen, dachte Jack. ,,Da bleiben nur sie.“ ,,Dann haben wir eine Abmachung.“ , sagte Aaren. ,,Ihre Leute ziehen die Aufmerksamkeit des Elektorats auf sich,

das gibt uns die Zeit Sonea zu finden und Cloudsworth auszuschalten.“ ,,Einverstanden.“ , sagte Tian. ,,Aber sie haben nicht viel Zeit. Vielleicht eine Stunde, danach kann ich für nichts mehr garantieren. “ ,,Verstanden, wir sind vorher zurück.“ , erklärte Aaren, der sich bereits auf den Weg den Gang hinab machte. ,,Ich hoffe es.“ , rief der Pilot ihnen noch nach, bevor er außer Sicht verschwand, als sie hinter dem Sicherheitscheckpoint um eine Ecke abbogen.

Sie brauchten eine Weile, um sich zu orientieren. Die Anlage war riesig und wenn man nicht wusste wo man sich befand schnell verwirrend. Dazu kam, dass es auf der Station wohl nicht mehr wirklich sicher war. Die ersten Gänge und Hallen die sie passierten waren vollkommen verlassen. Das hieß abgesehen von mehreren Leichen. Es überraschte Jack nicht, dass die wenigsten davon Elektorats-Soldatengehörten. Stattdessen, waren es meist

Bewaffnete Zivilisten. Er fragte sich unwillkürlich, wie groß Tians Gruppe Anfangs gewesen war. Die Verluste, die die Hive-Rebellen gegen die ausgebildeten Kämpfer des Elektorats erlitten mussten enorm sein. Sie waren einfach weder für so etwas ausgerüstet noch ausgebildet. Wenn sie keinen Erfolg hatten, würde das hier in einem sinnlosen Blutbad enden. Immer wieder hörten sie in der Ferne Schüsse oder aufgeregte Rufe, waren aber scheinbar noch weit genug von den eigentlichen Kämpfen entfernt. Zumindest hoffte Jack das, während er sich in einer der Hallen umsah, die sie passierte. Vorsichtshalber hatte er eine

Hand auf den Griff des Energieschwerts gelegt. Die Halle selbst war weitläufig und besaß, wie die meisten größeren Räume auf der Station, ein durchsichtiges Glasdach, durch das Sonnenstrahlen auf den gespenstisch leeren Platz fielen. Die Wände stiegen in einzelnen Terrassen an, die kleinere Dachgärten enthielten. Aber selbst dort schien niemand zu sein. Ein paar leer stehende Geschäfte säumten die untere Ebene, auf der sie sich befanden. Hier und da standen umgeworfene Tische und Stühle auf einem Glasboden, der einen Blick hinunter aufs Meer gewährte, mit

künstlich angelegten Teichen dazwischen. Einer von Tians oder Whiteheads Leuten hatte wohl versucht hinter einer der dünnen Holzplatten in Deckung zu gehen. Ein Sinnloses Unterfangen. Die Gewehrkugeln hatten den Tisch ohne Wiederstand durchschlagen und den Mann getötet. Aaren war mittlerweile vor einem Fahrstuhl stehengeblieben, der auf die höheren Ebenen führte. Wohnbezirk, Quartiere 451 bis 750 stand auf einem kleinen Schild neben dem Fahrstuhl. ,,Wenigstens wissen wir jetzt, wo wir sind.“ , meinte er. Seine Stimme hatte in

der sie umgebenden Stille etwas Unheimliches. Aaren selbst jedoch verschwendete keinen Gedanken daran. Er wäre am liebsten gerannt. Auf der einen Seite hatte er den Wunsch Sonea zu finden und zwar so schnell wie möglich. Auf der anderen Seite war es der Zeitdruck. Eine Stunde… Er sah zu einer Digitaluhr, die in eine der Wände eingelassen war. Eher noch fünfzig Minuten. ,,Und haben sie auch eine Ahnung, wohin wir von hier aus müssen ?“ Aaren nickte, während er den Fahrstuhl rief. ,,Ich war schon mal hier. Wenn wir ein paar Ebenen nach unten gelangen,

sollten wir zum Laborkomplex kommen und von da aus ist es nicht mehr weit.“ Er schlug noch einmal auf den Ruf-Knopf für den Aufzug. ,,Verflucht, das dauert alles zu lange.“ ,,Sie ist ihnen wichtig.“ Es war eine Feststellung keine Frage. Der Kommissar seufzte und ließ den Kopf gegen die verglaste Außentür des Fahrstuhls sinken. ,,Ich glaube manchmal, ich kümmere mich mittlerweile mehr um ihr Schicksal, als um das meiner eigenen Art. ,,Er sah sich in der Halle um. ,,Was nicht unbedingt gut ist, schätze ich.“ Aaren brachte ein schwaches Lächeln zustande. Die Aufzugs-abine kam vor

ihnen zum Stehen und sie traten hinein. ,,Wir finden sie, und dann holen wir uns Cloudsworth.“ ,,Ich hoffe es.“ , war alles was Aaren erwiderte, als der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte. Viel zu langsam wie er dachte. Die Zeit schien sich mehr in Sirup verwandelt zu haben und trotzdem reichte sie einfach nicht aus. Die Fahrt nach unten verlief schweigend. Stockwerk für Stockwerk glitt an der verglasten Kabine vorbei. Verlassene Hallen, von Elektorats-Soldaten blockierte Durchgänge… Einmal passierten sie kurz eine Ebene, auf der sich Tians Rebellen ein

Feuergefecht mit den Gouverneurs-Truppen lieferten. Die Aufständischen hatten eine Barrikade aus Möbeln und offenbar allem errichtet, dass sie finden konnten und es sah tatsächlich so aus, als könnten sie die Elektorats-Soldaten zumindest auf Distanz halten. Bis einer davon auf die Idee kam, eine Granate über die Barrikade zu werfen. Die Detonation tötete jeden dahinter sofort. Nein, dachte Jack wieder, so wie die Dinge im Moment standen, hatten sie kaum eine Chance. Nicht wenn die Aufständischen nicht mehr Unterstützung erhielten. Aber würde der Tod des Gouverneurs dafür ausreichen? Er

bezweifelte es stark. Irgendwann endete die Fahrt schließlich und die Aufzugskabine blieb auf der Forschungsebene stehen. Aaren trat als erster hinaus. Hier unten hatte man offenbar alle evakuiert. Ein Großteil des Laborkomplexes befand sich unter der Wasseroberfläche und war somit im Falle eines Kampfes sehr viel gefährdeter. Eine Granate oder einige schlecht gezielte Schüsse konnten die Hülle durchschlagen und alles unter Wasser setzen, was am Ende sogar die Integrität der ganzen Anlage gefährden konnte. Es war wohl sicherer gewesen, den Bereich im Vorhinein aufzugeben,

als deshalb später die gesamte Station zu riskieren. Dem Kommissar konnte es nur recht sein. So brauchten sie sich nicht mit eventuellen Wachen herumzuschlagen, während sie ihren Weg einen nur spärlich beleuchteten Gang hinunter fortsetzten. War die Beleuchtung in Folge der Kämpfe teilweise ausgefallen, oder war das Absicht? Jack wusste es nicht, während er dem Kommissar folgte. Letztlich schien es aber auch egal. Sie passierten einige kleinere Labore, genauso verlassen, wie der Rest der Ebene. Teilweise liefen aber noch Computer und Laborgeräte, die ein kaum

wahrnehmbares, aber an den Nerven zehrendes, Summen verursachten. Jack blieb mehrmals kurz stehen um einen Blick hinein zu werfen, fand aber nichts Interessantes. Nur endlose Versuchsreihen, die unbeaufsichtigt vor sich hinliefen. Ob nun mit NDNA oder etwas anderem konnte er nicht beurteilen. Einige Abzweigungen später erreichten sie eine Tür, die hinauf auf einen Laufsteg über einer weitläufigen Halle führte. Jack erkannte sie sofort wieder. Endlose Reihen aus kleinen und größeren Aquarien, erstreckten sich unter ihnen, darin Fische, Seepflanzen… und Dinge, über die er nicht nachdenken

wollte. Langsam folgte er Aaren die Treppe hinab, die vom Laufsteg in die Halle führte und angespannt trat er zwischen den Tankreihen hindurch. Das bläuliche Leuchten der Beckenlampen verlieh allem einen unwirtlichen Eindruck und das stetige Flackern sorgte dafür, dass er sich nie ganz sicher sein konnte, ob sich nicht doch etwas in den Schatten bewegte… Jetzt wo niemand hier war hatte die gewaltige Halle etwas Unangenehmes. ,,Hier drüben.“ Jack deutete auf ein kleineres Schott, von dem er wusste dass es in einen Nebenraum führte… und zu Sonea wenn er recht hatte.

Aaren trat vor die Tür und zögerte kurz. Wenn sie nicht hier war, würden sie zuerst Tian helfen müssen, egal wie die Erfolgsaussichten standen. Und wenn sie versagten… Was blieb ihnen dann? Sie würden fliehen müssen. Ohne sie. Oder hier sterben. Er weigerte sich weiter darüber nachzudenken und öffnete den Durchgang. Ein deutlich kleinerer Raum lag vor ihnen. Statt den hunderten von Tank standen hier nur ein dutzend davon, wenn auch deutlich größer. Vier davon waren belegt, wie Aaren schnell

feststellte. Vier Naias. Das erste der Wesen schwamm leblos, nur durch den Auftrieb aufrechterhalten im Wasser. Der Kommissar fühlte einen ungewohnten Stich in der Brust. Seine Hand ballte sich zur Faust, während er sich weiter umsah. Jack war in der Tür stehen geblieben. Es gab für ihn nichts, das zu tun blieb. Der zweite Tank gab das gleiche Bild ab, wie der erste. Tot, dachte er… Tot… Der dritte genauso. Aaren hielt inne. Das durfte, konnte nicht sein. Hätte er an etwas geglaubt, er hätte gebetet, als er sich dem letzten Tank

zuwendete.

Kapitel 29 Commissars Song



Einen Moment stand Aaren nur vor dem Tank. Die reglose Gestalt darin wirkte kaum bei Bewusstsein, als er eine Hand auf das Glas legte. Die Verletzung an seiner Seite machte sich kurz schmerzhaft bemerkbar. Auf dem Weg hierher hatte er es einfach ausgelbendet. Sonea blinzelte. Aaren spürte wie eine Welle der Erleichterung über ihn hinwegspülte. Sie lebte… Er hatte Gedacht, sich vorher wirklich um das Wesen gesorgt zu haben , aber

erst hier, er sah zu den übrigen Glasbehältern herüber, erst jetzt war ihm klar gewesen, das das noch gar nicht gewesen war. Ich bin es nicht gewohnt mich wirklich um jemanden zu sorgen, dachte er. Zu lange Zeit hatte ihn nicht einmal mehr sein eigenes Leben gekümmert. Langsam trat der Kommissar näher an das Glas, als das Wesen ihn aus verwirrten, goldenen Augen musterte. Sie schien ihn erst nach einer Weile zu erkennen. Kein Wunder, dachte Aaren. Möglicherweise waren sie tatsächlich grade noch rechtzeitig gekommen. Für ein Wesen, das die unendliche Weite der Ozeane von Liurie gewohnt war, konnte

es nichts Schlimmeres geben, als irgendwo auf engem Raum eingesperrt zu sein. Er selbst fühlte sich selbst in der riesigen Anlage ja nicht mehr Wohl. ,,Hey.“ Aaren zwang sich zu einem Lächeln, ,,Gib mir eine Sekunde, dich da rauszuholen.“, sagte er, während er die Waffe hob und auf das Glas zielte. Die Wunde an seiner Seite riss in der Bewegung wieder auf, aber er bemerkte es kaum. Nur das Blut das schnell seine Kleidung durchtränkte bemerkte er. Cloudsworths Schlag war alles andere als förderlich gewesen. Es war ein wenig, als Stünde er wieder am Anfang. Der Kommissar sah kurz zu Jack und erwartete fast stattdessen

Abundius dort zu finden. ,,Stimmt was nicht ?“ , wollte er wissen. ,,Nur ein Déjà-vu.“ , erwiderte Aaren, während er wartete, das Sonea, soweit ihr kleines Gefängnis das zuließ, zur Seite schwamm. Die Kugel zerschmetterte das Glas in tausend Splitter. Aaren achtete jedoch darauf, dass ihm keiner davon gefährlich werden konnte, als das Wasser in den Raum flutete, über seinen Kopf spülte und alles einige Zentimeter unter Wasser setzte. Irgendwo brannte eine der Maschinen mit einem knisternden Geräusch durch, als die Flüssigkeit einen Kurzschluss verursachte. An anderer Stelle ging ein

Rauchmelder los, als Flammen aus einer weiteren Apparatur schlugen. Es kümmerte ihn wenig. Am liebsten hätte er diesen kompletten Ort direkt unter Wasser gesetzt. Aber das war unmöglich. Nicht jeder hier war dafür verantwortlich. Nicht jeder der dafür verantwortlich war, hatte eine Wahl außer dem Tod gehabt. Und nicht jeder hier war verantwortlich. Es war wichtig, dass er sich daran erinnerte. , ermahnte der Kommissar sich. Er war selbst einst nicht besser gewesen. Und war es vielleicht noch immer nicht. Am Ende, dachte Aaren, war Gerechtigkeit nicht so leicht zu definieren, wie das Elektorat glauben

mochte… Aaren fing Sonea auf, als sie nach ein paar Schritten anfing zu taumeln. ,,Alles in Ordnung ?“ Langsam klang die kalte Angst, die ihn gepackt hatte wieder etwas ab, als er ihr wieder auf die Füße half. Sie hatte neue Narben an den Armen und Handgelenken, und aus einigen kleineren Wunden und Schnitten davon tropfte noch dunkles, fast schwarzes Blut. Aaren spürte neue Wut auf den Gouverneur in sich hochkoche. Das hier, war einfach nur Feige. Aber Sonea schienen die Verletzungen jedoch nicht fiel auszumachen. Sie mussten relativ neu sein, sonst wären sie

vermutlich ohnehin längst verheilt. Es sei denn die Gefangenschaft wirkte sich auch negativ auf die Regenerativen Fähigkeiten aus, oder wurde durch irgendetwas unterdrückt. Aaren wusste es nicht, er war nur froh sie wieder zu haben. Ein so ungewohntes Gefühl, das ihm eine Träne über die Wange lief. ,,Alles in Ordnung.“ , sagte er, als Sonea ihn nur besorgt ansah. Sie streckte lediglich eine Hand aus. Eine kalte Berührung an seiner Seite. Ein kurzes brennen. Alles, was zurück blieb, eine weitere Narbe, die er den Rest seines Lebens mit sich tragen würde .

Jack sah fasziniert zu, wie die Wunde des Kommissars innerhalb weniger Sekunden praktisch verschwand. Das war unglaublich… aber hatte er nicht das gleiche erlebt? Er sollte Cloudsworth fast dankbar dafür sein. Er hatte sich von etwas befreit, das er viel zu lange mit sich herumgetragen hatte, da war er sich sicher, während er schweigend dastand. Jack war klar, dass sie die Zeit davon lief, aber er würde sich nicht einmischen. Vor allem, da Sonea sich nun den übrigen Tanks im Raum zuwendete. Nur Zögerlich ließ Aaren sie los und

musterte ebenfalls stumm die Toten. Jack seinerseits, sah seltsam beklemmt zu, wie das Wesen, das ungläubig eine Hand auf das Glas legte. So gefährlich schnell und tödlich sie sein konnte, jetzt wirkte Sonea bestenfalls verletzlich. Aaren seinerseits, konnte die tiefe Trauer gut verstehen, die sie verspüren musste, kannte sie nur zu gut. Und sie hatte ihn fast zerstört. Sonea sagte nichts, kein Wort, keine Geste, doch dann tat sie etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte. Sie sang. Zuerst dachte Aaren, er würde sich täuschen, dann jedoch war es unüberhörbar. Das Wesen summte eine Melodie,

dunkel, anfangs leise, aber dann deutlich spür und hörbar. Es schien ihn Ruhiger werden zu lassen und brachte seine Wut auf den Gouverneur zum erliegen Irgendein altes Lied fiel ihm ein, allerdings musste er den Text wohl etwas variieren. Es war verrückt, sie hatten keine Zeit… Und doch fing er schließlich selber, anfangs noch zögerlich, an zu singen. Some just die without a true name Kind of the sea and kind of the storm all alike a darkened sailors

heart There’s is no rapture here for me that will save me from my Memory Nothing ends ever Even though it seem they rest forever And I dream of the sea Say Goodbye, even if I do not agree I take to the water With no one as friend Every story begins with the end Life it fades away Where silver bullets shine While one keeps hunting the peace that was denied

Seine Stimme verstummte, zusammen mit Soneas Gesang. Einen Augenblick lang blieb nur Stille zurück. ,,Also… was machen wir jetzt ?” , fragte Jack schließlich, als er es wieder wagte zu sprechen. Aaren drehte sich zu ihm um. Er hatte sich selbst geschworen nicht mehr zu töten. Nicht wenn es sich vermeiden ließ. Doch er hatte auch einen anderen Schwur geleistet. Einen, den er genauso erfüllen würde. ,,Jetzt ? Wir holen uns Cloudsworth.“ , erklärte er düster. ,,Immerhin habe ich noch ein Versprechen

einzulösen.“ Der Ausdruck in Aarens Augen gefiel Jack gar nicht. Aber er konnte wohl nichts dagegen tun. ,,Dann los.“ , meinte er. Entweder, hier und heute begann der Kampf gegen das Elektorat, der auf der Erde zu ersticken drohte… oder er nahm endgültig ein Ende. Das Büro des Gouverneurs lag auf der Verwaltungsebene des Hive, einem großen Komplex aus Gebäuden und Räumen, unübersichtlich und verwirrend, aber der Ort war genau dadurch auch nur schwer zu verteidigen, dachte Jack. Immerhin gab es über die gesamte

Station verteilt dutzende von Zugängen und mit den ganzen kleinen Gruppen von Aufständischen auf dem Hive würde es selbst Cloudsworths Männern schwer fallen, alle davon zu sichern. Zumindest hoffte er das, während sie sich nun zu dritt einen Weg durch die Anlage in Richtung des Bezirks bahnten. Soneas Wunden heilten praktisch im Zeitraffertempo, wie er überrascht feststellte. Auch wenn er damit hätte rechnen müssen, erneut zu sehen, wie Verletzungen einfach so verschwanden, war beängstigend und faszinierend zugleich. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als sie grade ein Treppenhaus

hinaufliefen, das wohl mehr für Wartungsarbeiten als für den alltäglichen Gebrauch gedacht war. Mittlerweile waren sie wieder über der Wasseroberfläche, wie Jack mit einem schnellen Blick durch ein Fenster feststellte. Nur das, was er von dort aus von der Anlage sah gefiel ihm gar nicht. Aus einigen Gebäuden auf der Plattform stieg Rauch au und aus einem verglasten Dach schlugen Flammen hinauf zum grau bewölkten Himmel. Er fragte sich wie viel davon wirklich von den eigentlichen Kämpfen verursacht wurden und wie viel einfach eine Folge der reinen Panik war, die die meisten Leute aus irgend einem Grund immer an den Tag legten, sobald

etwas unvorhergesehenes passierte. Sie rannten lieber wie aufgeschreckte Hühner hin und her, anstatt wirklich etwas zu tun. Wie beispielsweise eine der Seiten zu unterstützen dachte er. Entweder Tians Leute oder das Elektorat. Er hätte es sogar vorgezogen, das sie den Gouverneur unterstützen als nichts zu tun. Hier ging es um die Entscheidung zwischen dem Versuch der Freiheit und weiterer Überwachung. Eine Grauzone gab es nicht. Nur Angst vor der Entscheidung. Am Ende hatte Tian möglicherweise doch Recht, fiel Cloudsworth, fiel der Großteil der Angst vielleicht mit ihm. Sie rannten durch eine weitere verlassen

wirkende Halle. Mehrere dicke Betonsäulen mit Einschusslöchern säumten den Saal und ein Teil der Decke war, wohl durch eine kleine Explosion, heruntergebrochen und lag als drei Meter hoher Schutthaufen auf dem Boden. Wenn Jack richtig schätzte, müsste sich ein Zugang zur Verwaltungssektion direkt vor ihnen befinden. Ein verglaster Aufzug nach oben, der hoffentlich trotz der Schäden noch funktionierte. Eine Kugel jagte knapp an seinem Gesicht vorbei, als sie die Halle schon halb durchquert hatten. Der Luftzug fuhr ihm durch die Haare und er ließ sich instinktiv hinter einer Säule in Deckung fallen

. Hinter dem Schutthaufen tauchten mehrere Gestalte in Elektorats-Uniform auf. Sie müssen auf uns oder zumindest bewaffnete Aufständische gewartet haben, fuhr es ihm durch den Kopf, während er hinter der Säule kauerte, die Pistole im Anschlag Aaren und Sonea waren ein paar Schritte hinter ihm ebenfalls in Deckung gegangen. Offenbar waren sich die Soldaten nicht einig, wie sie weiter vorgehen wollten und zögerten, ihre Position zu verlassen und näher zu kommen. ,,Was machen wir jetzt ?“ , flüsterte

Jack. Der Kommissar spähte um die Säule herum und verschaffte sich einen Überblick. ,,Näher kommen lassen.“ , sagte er. Es waren vier, wie Jack feststellte. Drei waren definitiv normale Elektorats-Soldaten, bewaffnet mit Gewehren. Es war der vierte, der ihm Sorgen machte. Er trug eine dunkle Panzerung, bei der es sich fast mit Sicherheit um kinetisches Material handelte. Ein verspiegeltes Helmvisier verbarg sein Gesicht und neben einem Gewehr trug er ein Energieschwert bei sich. Ein Ulan, dachte Jack düster. Er hatte gehofft keinen von denen hier zu

begegnen. Das machte die Sache allerdings komplizierter. Wie viele davon mochte es noch auf der Station geben? Mit etwas Glück, nicht zu viele. Die meisten wurden wohl nach wie vor auf der Erde gebraucht. Der Ulan erteilte mit monotoner, ruhiger Stimme ein paar Anweisungen, dann rückten die vier langsam vor. Das war doch bescheuert, dachte Jack. Wieso die Deckung verlassen? Vermutlich waren dem Ulan die eventuellen Verluste egal. Er war ohnehin vor Beschuss geschützt, solange sie nicht grade eine Panzerfaust benutzten. Oder ein Energieschwert… Die vier waren jetzt fast auf Höhe ihres

recht dürftigen Verstecks. , Überlassen sie den Kerl in der Panzerung mir.“ Aaren nickte. ,,Jetzt.“ , rief er. Der Kommissar hechtete aus der Deckung, die beiden gravierten Pistolen blitzten einmal kurz auf, während Aaren bereits wieder hinter der nächsten Säule in Deckung rutschte. Eine Kugel traf den ersten Soldaten in den Arm und zerschmetterte den Knochen, so dass er harmlos zu Boden ging, die zweite traf seinen Gefährten in den Kopf. Der dritte Soldat hatte in der Zwischenzeit ihr Versteck erreicht und Jack wollte bereits aufspringen um

seiner Entdeckung zuvor zu kommen, als der Mann erstarrte. In einer blitzschnellen Bewegung hatte Sonea dem Elektorats-Soldaten die Giftdornen in den Nacken gerammt. Er brach fast augenblicklich zusammen. Der Ulan jedoch ließ sich dadurch nicht beeindrucken und sah, soweit Jack das durch das Visier erkennen konnte, ungerührt auf seine toten Kameraden herab. Aaren zielte und gab ein paar Schüsse auf den Soldaten ab. Die die Kugeln prallten jedoch wirkungslos von ihm ab und jagten in hohem Bogen davon. Der Kommissar brachte sich rasch wieder in Deckung, während der Ulan das

Gewehr hob und die Säule unter Feuer nahm , hinter der der Kommissargrade sich Verborgen hatte. Jack sprang derweil aus der Deckung und schlug mit dem Energieschwert nach ihrem letzten verbliebenen Gegner. Die Klinge prallte allerdings auf einen kurzen Wiederstand, als der Ulan den Hieb mit dem Gewehr parierte. Zwar durchdrang das Schwert die Ummantelung der Waffe, aber der Aufprall gab dem Ulan trotzdem genug Zeit, sich in Sicherheit zu bringen und das eigene Schwert zu ziehen. Wie Falk gesagt hatte, dachte Jack, die Gefühlskälte der Kommissare, und auch der der Ulanen erlaubte, es ihnen viel

gezielter und schneller zu reagieren als ein durchschnittlicher Mensch. Jack schlug wieder zu zielte diesmal auf die Schulter des Ulanen. Sein Gegner war überraschend schnell und sprang zur Seite, während er gleichzeitig einen Hieb nach Jacks Beinen ausführte, den dieser grade so abwehren konnte. Die Klinge würde selbst bei eigentlich harmlosen Treffern durch alles hindurchschneiden. Er konnte sich keinen Fehler erlauben. Langsam wich Jack zurück, während der Ulan sofort nachsetzte, dann griff er wieder an. Sein Gegner wich zurück, konnte aber den Hieb nicht mehr völlig abwehren. Die beiden Energiefelder der

Klingen trafen aufeinander. Jack deaktivierte den Schild als erster und riss die Waffe sofort nach unten. Er traf die Hand des Ulanen. Drei Finger wurden glatt durchtrennt. Sein Gegner starrte einen Moment teilnahmslos auf die Wunde, dann erledigte Jack ihn mit dem nächsten Schlag. Das Schwert fand keinerlei Wiederstand, als es seinen Oberkörper fast entzwei teilte. ,,Und genau deshalb hasse ich Energiewaffen.“ , erklärte Aaren, als er über das kleine Schlachtfeld sah. Jack deutete zum Fahrstuhl. ,,Er ist da oben.“ ,,Ich weiß.“ , erwiderte der Kommissar

ruhig. ,,Was machen wir ?“ Aaren antwortete nicht sofort, während er gefolgt von Sonea und Jack in die Aufzugskabine trat. ,,Ich würde es eine Revolution nennen.“

Kapitel 30 Revolution

 

Aaren trat als erster hinaus auf den Flur des Verwaltungsbezirks. Ein Elektorats-Soldat, der an einer Tür wache hielt erblickte den Kommissar, ging aber mit zwei Kugeln in den Kniescheiben und einer im Arm zu Boden. Er war nicht einmal dazu gekommen, die Waffe zu heben. ,,Halten sie sich bedeckt , dann bleiben sie am Leben.“ , erklärte er dem am Boden liegenden Mann, der ihn aus aufgerissenen Augen ansah. Ob aus Überraschung oder unterdrücktem

Schmerz konnte er nicht sagen. Vermutlich beides. Nachdem er sich vergewissert hatte, das die Wunden zwar schmerzhaft, aber fürs erste nicht letal waren fügte er noch hinzu: ,, Wenn sie ärger machen, komme ich zurück.“ ,,Wieso tun sie das ?“ , wollte Jack wissen , als sie ihren Weg fortsetzten. ,,Was ?“ , wollte der Kommissar wissen. ,,Sie hätten ihn töten sollen. Was machen wir, wenn er irgendwie Verstärkung ruft?“ ,,Glauben sie das ? Er wird es nicht tun.“ ,,Und das wissen sie einfach so ?“ ,,Nein, aber ich werde niemanden töten, der mich nicht

bedroht.“ Das ganze hatte erneut etwas von einem Déjà-vu wie ihm klar wurde, als er gefolgt von Jack und Sonea den Gang in Richtung von Cloudsworhts Büro hinabging. Der Mann hatte sich offenbar in denselben Raum einquartiert in dem schon Callahan und Vämskä ihr Quartier gehabt hatten Manche Dinge änderten sich einfach nie. ,,Und Cloudsworth ?“ , wollte Jack nach einer Weile wissen. ,,Was ist mit ihm ?“ ,,Sie wissen was ich meine.“ Aaren schwieg. Jack sah sich langsam um. Offenbar gab es auf dieser Ebene selbst keine weiteren

Wachen. Der Gouverneur hatte sich wohl darauf verlassen, dass seine Leute die Zugänge verteidigten. Wenn er hier war… Aber wo sollte er sonst sein? Cloudsworth würde sich nicht persönlich an den Kämpfen beteiligen. Hier oben war es ruhig und von den Kämpfen, die andernorts stattfanden bemerkte man nichts. Zumindest nicht, solange man nicht aus dem Fenster sah, dachte er, als sie ein offen stehendes Büro passierten. Mehrere verlassene Schreibtische formten einen Kreis, Regalreihen an den Wänden… und natürlich ein großes Glasfenster, das einen Blick über die ganze Anlage erlaubte. Sie befanden sich

gut einige hundert Meter über der Trägerplattform. Er blieb einen Moment stehen, während er über die Anlage sah, diese gigantische Insel aus Stahl, die doch eigentlich nur ein Fleck in unendlichem blau war. ,,Wir müssen weiter.“ , erinnerte der Kommissar ihn. Jack nickte, während sie sich beeilten, ihren Weg fortzusetzen. Die Türen zu Büro des Gouverneurs lagen gleich am Ende des Gangs. Vor ihnen lag nur noch Cloudsworth… dann würde sich alles entscheiden müssen. Zumindest für Liurie. Er konnte nur hoffen, dass es ausreichte. Denn wenn es ihnen hier nicht gelang, so

überstürzt Tian auch gehandelt haben mochte, wie konnte es dann Hoffnung für die Erde geben. Oder überhaupt irgendjemanden ? Nicht für die Menschen… nicht für Wesen wie Sonea… ,,So schnell kann alles aus dem Ruder laufen.“ , murmelte er. ,,Callahan hat einmal gesagt, die Gesellschaft wäre letztlich nicht so verschieden von einem Schiff… solange alles gut geht und der Kur ruhig bleibt, verlassen sich alle auf den Navigator… was aber wenn das Ruder außer Kontrolle gerät, das Schiff auf einen Sturm zusteuert… und niemand etwas deshalb unternehmen will ? Was würden

die Leute tun, wenn jemand Vortritt, um sie auf einen anderen Kurs zu bringen? “ Bevor Jack antworten konnte, öffnete der Kommissar bereits die Tür und trat hindurch. Er sah kurz zu Sonea. ,,Verrückter Kerl.“ , seufzte er entnervt. Das Wesen bewegte kurz den Kopf. War das etwa ein Nicken gewesen? Bevor er noch darüber nachdenken konnte, folgte er bereits Aaren. Gouverneur Maximilian Cloudsworth wirkte nicht überrascht, sie zu sehen. Ruhig saß er hinter seinem Schreibtisch, das Fenster im Rücken. Der holografische Kartentisch zeigte

einzelne Sektionen des Hive, mit darauf eingezeichneten Positionen von Rebellen und Elektorats-Truppen. ,,Also sind sie für den ganzen Ärger auf meiner Station verantwortlich.“ , stellte er fest. Seine tiefliegenden Augen musterten nacheinander zuerst Jack, dann Aaren und blieben bei Sonea hängen. ,,Wirklich sehr interessant.“ Jack hatte bereits genug gehört, und zog die Waffe. ,,Zeit das zu beend…“ ,,Einen Moment…“ , sagte Aaren ruhig. Aber Jack sah, dass es dem Kommissar genauso Schwierigkeiten bereitete ruhig zu bleiben, wie ihm. Er wollte es hinter sich bringen, wie immer es ausging ,,Es ist vorbei Maximilian.“ , sagte er.

,,Aaren, Aaren, Aaren…“ Der Gouverneur stand langsam auf. Die gut zwei Meter große Gestalt musste sich über den Tisch beugen um bequem stehen zu können. ,,Nichts ist vorbei. Iustititia est fundamentum regni . Gerechtigkeit ist das Fundament des Reiches. Und des Elektorats. Sie haben einmal dafür gekämpft.“ , sagte er. Jack hielt die Waffe weiter auf Cloudsworth gerichtet, als er hinter dem Tics hervorkamen. ,,Hat ihre Zeit hier ihren Verstand so vernebelt ?“ Der Gouverneur sah zu Sonea ,,Oder hat es das?“ Aaren blieb äußerlich ruhig, aber seine

Hand wanderte zum Griff der Pistole. ,,Sie reden von Gerechtigkeit Gouverneur und haben sie doch nie gesehen.“ ,,Das Elektorat ist Gerecht.“ ,,Was sie Recht nennen, nenne ich Selbstjustiz, was sie Frieden nennen nenne ich Krieg, was sie Stärke nennen nenne ich Ignoranz , was ihr Freiheit nennt… nenne ich Sklaverei.“ , erwiderte der Kommissar. ,,Das reicht jetzt.“ , sagte Jack und zielte wieder auf den Gouverneur. ,,Ergeben sie sich ?“ Cloudsworth machte sich erst gar nicht die Mühe etwas zu erwidern. Er reagierte

Blitzschnell. Jack spürte was passieren würde und riss die Waffe hoch. Der Schuss traf den Gouverneur in die Brust, hielt ihn aber nicht auf… Das war doch unmöglich, dachte Aaren. Die Stoppwirkung der Kommissar-Waffen würde normalerweise selbst einen Bären zu Fall bringen. Cloudsworth hingegen fegte Aaren mit einer einzigen Bewegung mühelos beiseite. Der Kommissar wurde gegen den Kartentisch geschleudert. Die Glasoberfläche zerbrach bei Aufprall und die Splitter bohrten sich ihm schmerzhaft in den Rücken. Das war einfach nicht möglich… Jack sah nur entsetzt zu, hatte allerdings

nicht mehr viel Zeit darüber nachzudenken, als ihm auch schon die eigene Waffe aus der Hand geschlagen wurde. Cloudsworth packte ihn am Kragen und riss ihn fast mühelos von den Füßen. Kurz schwebte er in der Luft… dann spürte Jack nur noch wie der Raum an ihm vorbeiraste und er durch die Fensterscheibe krachte. Splitter zerschnitten ihm das Gesicht, als die Schwerkraft sich wieder Bemerkbar machte. Blind streckte er die Hände aus, tastete nach irgendeinem Halt… und fand ihn, als sein Sturz mit einem abrupten Ruck endete. Er klammerte sich am zertrümmerten

Fensterrahmen fest, die verbliebenen Glasscherben daran gruben sich in seine Handflächen, aber loszulassen hätte den Tot bedeutet. Unter ihm gab es nichts weiter, als hundert Meter Luft… und dann das tosende Meer. Einen Sturz würde er nicht überleben. Vorsichtig zog er sich wieder hoch, so gut es ging, ohne den beschädigten Rahmen zu sehr zu belasten. Stumm hoffte er, dass das Material halten würde. Zumindest konnte er jetzt wieder sehen, was vor sich ging. Sonea war vorgesprungen und hatte dem Gouverneur einen Giftdornen in den Hals geschlagen. Das musste ihn

erledigen, dachte Jack, als er wieder etwas halt fand. Aber er hätte wohl nicht darauf hoffen dürfen. Wie ein wütender Bulle schüttelte Cloudsworth das Wesen ab, das ebenfalls zu Boden fiel. Blut sprudelte aus seinem Hals, aber noch stand der Mann. In den Trümmern des Kartentischs rührte sich derweil Aaren wieder. ,,Sehen sie es geht nicht darum, was wahrhaft Gerecht ist… es geht darum, wer am Ende siegt. Das ist der einzige Messstab für Recht und Unrecht den es gibt.“ Aaren lachte nur, während er versuchte wieder auf die Füße zu kommen. Cloudsworth

trat den Kommissar in die Seite, der durch den halben Raum geschleudert wurde und dort regungslos liegenblieb. ,,Und sobald ich ihren kleinen Aufstand niedergeschlagen habe, wird es niemanden mehr geben, der sich uns in den Weg stellt.“ , erklärte der Mann weiter, während er auf den toten oder bewusstlosen Kommissar zutrat. ,,Ordnung und Licht.“ Der Gouverneur holte zu einem Schlag aus, der Knochen zerschmettern musste. Im selben Moment rollte Aaren sich außer Reichweite und riss die gravierten Pistolen hoch. ,,Sie… wissen…absolut… gar… nichts.“ Ein Kugelsturm aus den

halbautomatischen Waffen traf Cloudsworth und ließ ihn rückwärts stolpern. Blut sickerte jetzt aus mehreren Dutzend Einschusslöschern im Körper des Gouvernerus. Langsam sank der Mann auf die Knie, während Aaren schwerfällig Aufstand und Sonea aufhalf. Im selben Moment kletterte Jack endlich wieder durch das Fenster, während der Kommissar wieder auf Cloudsworth zutrat, eine Pistole in der Hand. Wieso lebte der Mann überhaupt noch? Aaren setzte ihm die Pistole an den Kopf. ,,Was zur Hölle soll das werden ?“ , fragte Jack, als er wieder auf die Füße

kam. Sein ganzer Körper war mit Schnitten übersäht, aber er sollte sich wohl nicht beschweren. ,,Ich bringe es zu Ende.“ , erklärte Aaren kalt. ,,Aaren…“ Es war Sonea. Er sah nur kurz zu dem Wesen herüber. Die Goldenen Augen schienen ihn anzuflehen nachzudenken. Die neuen Narben und immer noch sichtbaren Wunden waren jedoch alles was er sehen musste. Wenn dann festigte das seinen Entschluss nur noch. ,,Wie viele sind durch seine Hand gestorben ?“ , fragte er. Und Jack erkanne, das das Nicht der Mensch war, der dort mit ihm sprach, sondern der

Kommissar, der , was immer auch geschehen sein mochte, wohl immer noch Teil von Aaren war. ,, Wie viele Unschuldige ? Es gibt kein anderes Urteil.“ ,,Und macht das aus ihnen etwas Besseres ?“ , fragte er trotzdem. Der Kommissar antwortete nicht. Dafür meldete sich Coudsworth. Der Mann hustete Blut während er sagte: ,,Na los Terrel.. worauf warten sie… ich bin sowieso tot.“ ,,Sie haben mir gesagt, es sei falsch zu töten, solange man eine Wahl hat.“ , warf Jack ein. Was tat er hier eigentlich ? Er versuchte doch nicht wirklich grade, die Stimme der Vernunft für

einen Kommissar zu sein… ,, Ich glaube ich verstehe es jetzt. Aber tun sie das noch? Was wird grade aus ihnen?“ Einen Moment schien alles in der Schwebe zu hängen. Der am Boden kauernde Gouverneur, die Waffe in Aarens Fingern… So langsam, dass Jack es anfangs nicht einmal bemerkte, senkte der Kommissar die Pistole. ,, Was ich nicht sein will.“ , meinte er ruhig. ,, Danke, das sie mich daran erinnert haben.“ ,,Jetzt wollen sie mir sogar verwehren… für das zu sterben woran ich glaube.“ ,,Nein Cloudsworth, sie glauben an gar nichts.“ ,,Vielleicht… Aber vielleicht bin ich

bereit für nichts zu sterben.“ Aaren konnte ihn nur bemitleiden. Er fühlte für den Moment nur Erleichterung… Geschafft… aber noch hatten sie es nicht ganz hinter sich. Sie mussten irgendwie Tian informieren… oder gleich den ganzen Hive ,,Ich werde nicht derjenige sein der sie tötet, wenn sie sterben wollen, bleibt das bei ihnen .“ , erklärte er. ,,Vorher jedoch… Ich brauche Zugriff auf das Kommunikationsnetzwerk des Hive, Bildschirme, Lautsprecher…“ ,,Mein Schreibtisch.“ , erklärte der Gouverneur ruhig. Ein letztes Mal hustete er Blut, dann fiel er langsam zur Seite und hörte auf zu

atmen. Aaren trat, ohne auf den Toten zu achten, zu dem Tisch herüber. Tatsächlich gab es ein paar Knöpfe mit Aufschriften und er brauchte nur einen Moment um sich einen Überblick zu verschaffen und die richtigen zu finden. ,,Was haben sie vor ?“ , wollte Jack wissen. ,,Ich schätze, eine Kleine Ansprache… Sie müssen lernen für sich selbst zu stehen. Heute… oder nie.“ Tian duckte sich hinter einem Trümmerhaufen. Den Kontakt zu Whitehead hatte er schon vor einer Weile verloren. Jemand hatte eine Granate

geworfen, die einen Großteil der Halle zerstört hatte. Er und die übrigen seiner Leute hatten es geschafft zumindest ihre Position zu behaupten, aber langsam wurde es kritisch. Wenn Jack und Aaren sich nicht beeilten, dachte er, wären sie erledigt. Genau in diesem Moment unterbrach eine Lautsprecherdurchsage den Kampflärm. Mindestens ebenso verwirrt wie Tians Rebellen stellen die Elektorats-Soldaten das Feuer ein. Aaren brauchte einen Moment. Er hatte

das noch nie gemacht, aber ihm blieb wohl kaum eine große Wahl. ,,Gouverneur Maximilian Cloudsworth… ist tot. Er wurde durch einen Kommissar verurteilt und gerichtet. Um genau zu sein von mir. Mein Name ist Aaren Terrel. Die meisten von ihnen dürften ihn kennen. Der Hive steht ab diesen Moment nicht länger unter der Kontrolle des Elektorats. Und von diesem Moment an, ist die Kolonie Liurie unabhängig vom Elektorat. Jahrzehnte lang versprach uns das Elektorat Schutz und Führung. Das war eine Lüge. Wir müssen nun selbst die Führer sein, nach denen wir so

verzweifelt suche Kein Glaube, keine Doktrin kann euch eure eigene Verantwortung mehr abnehmen. Aber, wir dürfen auch die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Jeder Soldat, jeder Elektorats-Anhänger der nun seine Waffen niederlegt, dem garantiere ich Freiheit und Leben. Wer sich darüber jedoch hinwegsetzt bekommt es mit mir zu tun. Persönlich. Diese Leute sind genauso Unfrei gewesen wie ihr, viele haben keine Wahl. Heute ziehen wir einen Schlussstrich unter Unterdrückung und Manipulation. Und Angst. Heute sind wir aufgewacht.“ Er trat vom Schreibtisch zurück. Breit

grinsend. ,,Und nun ?“ , fragte Jack ,,Nun müssen die Leute selbst entscheiden.“ , erwiderte Aaren. ,,Kommt.. suchen wir Tian.“ Jubel… Rufe… Hunderte von Leuten stürmten aus den Zugängen und Geschäften, wo sie sich noch versteckt hatten. Verwirrt und ohne Befehle drehten sich die Elektorats-Soldaten im Kreis. Sie schienen nicht zu wissen, wohin oder auf wen sie zielen sollten. Oder ob sie es überhaupt noch tuen sollten. Die Ulanen, ohne Befehle und Anführer schienen ihren gesamten Existenzzweck zu verlieren. Einer fiel

sogar, wie Aaren später erfuhr, einfach ohne einen Laut zu Boden und starb. Einen Moment lang jedoch war noch alles in der Schwebe. Eröffnete einer der Soldaten jetzt das Feuer ging der Kampf weiter. Schließlich legten die ersten die Waffen weg. Tian atmete erleichtert auf. Aaren hatte es geschafft…. Sie alle hatten es geschafft.

Kapitel 31 Zwischenerfolge


,,Aaren.“ Tian lief strahlend auf sie zu, als Jack, Aaren und Sonea sich einen Weg durch die überquellenden Hallen des Hive suchten. Fast konnte man meinen jeder einzelne Bewohner der Station hatte es sich zur Aufgabe gemacht ihnen im Weg zu stehen und zumindest kurz einen Blick auf die drei zu erhaschen. Auf Balkonen, in den Gängen und den Hallen hatten sie sich versammelt. Aaren konnte nicht anders, als sich darüber zu freuen. Sein ganzer Körper fühlte sich wie ein einziges Hämatom

an, er zog ein Bein nach, vermutlich verstaucht, und er war Müde. Der Gouverneur hatte ihm zugesetzt. Aber sie hatten es geschafft. Die Nachricht wer für Cloudsworths Niederlage verantwortlich war musste sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Sonea zog definitiv die meisten Blicke auf sich, aber es war Aarens Name, der sie flüsternd oder auch mal laut gerufen verfolgte. ,,Keine Sorge.“ , meinte er . ,,Ich glaube man gewöhnt sich dran.“ Grade eben beneidete er sie für ihre Regenerativen Fähigkeiten. Aber er würde sie sicher nicht bitten, ihn zu heilen. Er war nicht in Lebensgefahr und

für den Moment konnte er damit klarkommen. Während der Kommissar das ganze eher gelassen nahm wurde es Jack hingegen langsam lästig. Der Mann brummte irgendetwas, während er seine Schritte beschleunigte, um endlich voran zu kommen. Sonea wiederum fühlte sich mit so vielem Menschen um sich herum ganz offenbar auch nicht wohl. Vor allem da sie überall wo die Leute sie einmal nicht erkannten, das Zentrum der Aufmerksamkeit war, bis Aaren alle unmissverständlich aufforderte, sie durchzulassen. Sie brauchte trotzdem fast drei Stunden,

bis sie Tian fanden. Der Mann war vollauf damit beschäftigt, seine ihm verbliebenen Leute einzuteilen. Mindestens zwanzig Personen schritten ständig um ihn herum, während er , völlig überfordert, Anweisungen gab. ,,Ich will das wir hier den Überblick behalten.“ , erklärte der Pilot grade. ,, Die Leute sind alle etwas… durcheinander, ich will nicht das hier jemand was dummes macht. Sorgt einfach dafür, dass die Schaufenster ganz bleiben und niemand von einem Balkon fällt.“ Tians Leute machten sich auf dem Weg. ,,Aber bleibt freundlich.“ , ermahnte er sie, bevor er sich Jack

und Aaren zuwendete. Er schien ziemlich schnell in die Rolle als Anführer reinzuwachsen, dachte Jack während er den Piloten musterte. Und das war genau das was sie hier auf der Station in nächster Zeit brauchen würden. Jemanden der so lange alles stabil hielt, bis sich alles etwas beruhigte ,,Wie sieht es aus ?“, wollte er wissen. ,,Es ist das Chaos.“ , meinte Tian. ,,Wir haben hunderte von Gefangenen Elektorats-Soldaten, die wir erst mal irgendwo unterbringen müssen, fast keinen Überblick und…“ Er machte eine Geste, die die gesamte Halle mit allen Leuten umfasste. ,,Das sehen sie ja.“ Er

entdeckte Sonea ,,Sie haben ihr… ich weiß nicht… wie heißt sie ?“ ,,Sonea.“ ,,Ich wollte mich noch entschuldigen.“ , meinte der Pilot kleinlaut. ,,Ich glaube wir hatten beide unsere Probleme.“ , meinte Aaren , ,,Und wenn ich richtig liege war ich es der sie bedroht hat.“ Es schien unglaublich zu sein. Vor noch weniger als ein paar Stunden hatte es so ausgesehen, als wären sie am Ende… und jetzt das hier. Alles hatte sich geändert. Jetzt standen hier hunderte, tausende von Leuten auf der ganzen Station, die alle gewählt hatten… sich entscheiden hatten nicht länger herumzusitzen sondern zu

handeln. Ihre Begeisterung würde schnell abkühlen wie Aaren klar war. Sie waren nur eine Welt und sobald das Elektorat davon erfuhr müssten sie bereit sein, sich auch zu verteidigen. Sie mussten auf Handelswaren verzichten, der Bergbau und Ressourcengewinn müsste umgestellt werden um die Leute auf der Station zu ernähren, sie bräuchten eine Art von Regierung, Gesetze…. Es war eine Lebensaufgabe, die vor den Leuten hier lag. Und obwohl er das wusste, ließ er zu zumindest dieses eine Mal sich einfach keine Gedanken darüber zu machen. Es war ein Sieg, egal wie kurz er sein

könnte. Jack hingegen wurde erneut von Unruhe gepackt. Sie hatten jetzt vielleicht Zeit gewonnen… aber was war mit der Erde? Irgendjemand hatte sie verraten und enttarnen lassen. Und er wusste nicht, ob sie noch Rechtzeitig zurückkehre würden, selbst wenn sie sofort aufbrachen. Die Schnitte und Wunden vom Kampf mit dem Gouverneur schmerzten immer noch und Aaren schien zu humpeln. Sie waren nicht grade im Zustand für einen Phasensprung. Irgendwo in der Menge gab es einen kleinen Tumult, als sich eine grauhaarige Frau im Laborkittel ihren Weg zu ihnen suchte. Beryl

Whitehead schein nicht unbedingt guter Laune zu sein. ,,Ich rede besser mal mit ihr.“ , entschuldigte sich Tian. ,,Ich glaube ich brauche ohnehin mal eine Weile Ruhe.“ , erklärte Aaren. ,,Da haben sie sich die falsche Zeit ausgesucht.“ , lachte Tian bevor er meinte : ,,Wir haben die Docks abgeriegelt, dort , wo sich Militärschiffe befinden. Da dürfte niemand sein. Und ich.. ich werde versuchen irgendwie ein paar Quartiere zu organisieren. Notfalls werde ich die Militär-Apartments Räumen lassen. Wir müssen sowieso jeden einzelnen Elektorats-Soldaten überprüfen und die

Ulanen… tja… ich schätze, denen ist wohl nicht mehr zu helfen.“ ,,Keine Sorge Tian , sie schaffen das.“ , meinte Jack aufmunternd. ,,Mhm…“ Der Mann klang alles andere als begeistert. Aaren wendete sich zum Gehen, als Whitehead sie erreichte. ,,Einen Moment Mr. Terrel, ich muss mit ihnen reden.“ Der Kommissar seufzte. ,,Wir brauchen irgendeine Art von Übergangsregierung.“ , sagte sie. Offenbar hatte die Laborleiterin auch schon eine Idee, wie diese aussehen sollte. ,,Es ist ein bisschen Früh sich darüber

Gedanken zu machen.“ , erwiderte er. ,, Wir wissen bisher nicht mal, wo wir stehen.“ Whitehead schien sich nicht darum zu kümmern. ,,Die Leute wissen, wer Cloudsworth ausgeschaltet hat . Ich will sie als Gouverneur, bis wir hier Ordnung geschaffen haben.“ Es war nicht wirklich eine Frage, sondern mehr ein Befehl. Aaren musste nicht über eine Antwort nachdenken. ,,Nein.“ ,,Schön.“ Whitehead wirkte alles andere als zufrieden. Fünf Minuten und schon den ersten Feind gemacht, dachte er, ,,Wen sonst?“ ,,Tian.“ , meinte er grinsend, während er

ohne ein weiteres Wort an der Laborleiterin vorbei. Sonea folgte ihm in etwas Abstand. ,,Einfach Großartig…“ , seufzte der Pilot. ,,Sie schaffen das.“ , meinte Jack. ,, Absolut Großartig.“ , wiederholte Tian. ,,Jetzt klingen sie wie Aaren.“ Aaren trat langsam hinaus auf das Militärdock. Hinter ihm ragte der Hive in den langsam dunkler werdenden Himmel. Die meisten Brände waren mittlerweile gelöscht und die Rauchwolken verschwunden, aber noch

immer konnte er die rußgeschwärzten Stellen erkennen wo die Feuer gewütet hatten. Am Horizont sammelten sich bereits wieder Sturmwolken, die sich langsam näherten. Aber das beunruhigte ihn schon lange nicht mehr. Man gewöhnte sich wohl einfach daran. Wie Tian gesagt hatte, befand sich hier niemand. Nur zwei Wachen in Omnisphere-Overalls bewachten den Zugang zum kleinen Hafen. Er drehte sich zu Sonea um, die Stehengeblieben war. Der aufkommende Wind zerzauste ihre Haare und wirbelte sie um ihren Kopf. Noch immer konnte Aaren die Trauer des Wesens spüren und sehen. Eingebrannt in

ihre Augen und Mimik, die er mittlerweile so gut zu deuten verstand. Aber da war noch etwas anderes, das sie beschäftigte, wenn er sich nicht täuschte. ,,Was ist los ?“ , fragte Aaren. Sie schüttelte nur langsam den Kopf… und verschwand dann mit einem Schritt vom Dock ins Wasser. Aaren stand einen Augenblick da, wie vor den Kopf geschlagen. Fort… wie so oft, dachte er. Sie kam irgendwann zurück. Das hatte sie bisher immer getan. Und irgendetwas sagte ihm, das sie ohnehin in der Nähe bleiben würde. Vier verlassene Schiffe trieben am Steg. Er achtete kaum darauf, als er an den

Stahlwänden der Kreuzer weiter hinaus auf die Mole trat, wo es keine Schiffe mehr gab. Der Kommissar setzte sich, vorsichtig an den Rand des Stegs. Einen Moment sah er nur aufs Wasser hinaus. Eine Gewohnheit, die er wohl nie wieder loswerden konnte. Und nicht wollte. Es beruhigte ihn. Aber die Stille wurde ihm auch schnell unerträglich. In der Zeit in seinem Versteck hatte es ihn fast in den Wahnsinn getrieben. Hier jedoch, vor allem nach dem ganzen Chaos, ließ es ihm Zeit zum Nachdenken. Hätte er je gedacht, einmal hier anzukommen? Nicht Anfangs… sicher nicht. ,,Es mag eine unglückliche Entscheidung

gewesen sein… das heißt aber nicht, das sie falsch war.“ , flüsterte er. Aber war es überhaupt eine Entscheidung gewesen, die ihm eine Wahl ließ? Nein, es war ein schleichender Prozess gewesen. Zweifel und Schuldgefühle, die Mauern zu Fall brachten, die er selbst einst errichtet hatte. Er hatte sich erlaubt wieder zu denken und zu fühlen, egal was die Konsequenzen waren. Und doch war die Welt dadurch Augenscheinlich nur noch wahnsinniger geworden. Callahan, Hannah, Cloudsworth… und wie viele Namenlose Tote gingen auf seine Liste. Vielleicht hatte er sich ihre Tode selbst verzeihen können, aber es war erst der

Anfang, wie Aaren klar war. Noch lag die Erde vor ihnen. Und was dort geschehen würde war nun vollkommen unklar. Wie viele Zufälle hatten zusammen kommen müssen um ihn bis hierhin zu bringen? ,,Sorgen ?“ Das Wesen war vollkommen lautlos vor ihm aus dem Wasser aufgetaucht. Er hatte sie nicht bemerkt. ,,Ja ich mache mir Sorgen.“ , Aaren lachte. ,,Schon wieder. Ich hoffe, ihr stellt eure Angriffe jetzt auch ein ?“ Sonea antwortete natürlich nicht, wirkte aber nicht grade beruhigt. ,,Keine Sorge. Notfalls werde ich Tian eben überzeugen das jegliche Übergriffe auf

die Naias… sehr ungesund für ihn wären.“ , sagte Aaren. Er würde sicher nicht zulassen, das sich der gleiche Fehler ein drittes Mal wiederholte. ,,Vielleicht hätte ich Whiteheads Angebot doch einfach annehmen sollen.“ Das Wesen sah ihn fragend an. Er musste einen Moment überlegen, bis ihm klar wurde, was sie wissen wollte. ,,Wieso ich dann überhaupt abgelehnt habe ?“ Er sah zurück zur Station. Die Wahrheit wäre wohl einfach, dass er Whitehead nicht ganz traute. Der Vorschlag war vielleicht ernst gemeint gewesen, aber sie hatte definitiv andere Ziele. Möglicherweise wollte er sich auch bloß nicht in die Politik

einmischen. Daum sollten sich andere kümmern. Aaren würde nur dafür sorgen, dass es nicht aus dem Ruder lief. ,,Ich wäre eine Schachfigur Sonea. „ , sagte er schließlich. ,,Ich schätze genau das ist es was eigentlich dahinter steckt. Ich weiß nicht wie ich das erklären soll… Im Augenblick wären die meisten wohl begeistert, aber ich fürchte sie werden bald merken, dass nicht alles so schnell oder so einfach von statten gehen wird, wie sie sich das vorstellen. Wir haben das gesamte Elektorat hier gegen uns und werden entsprechend Vorsichtig sein müssen. Nur ich kann nicht erwarten, dass das alle verstehen.... Am Ende stürzen sie sich einfach auf

jemanden, dem sie die Schuld geben können, anstatt ihrer eigenen Ungeduld. Ich habe nicht vor, dieses Bauernopfer zu sein , mehr nicht.“ Sonea schien zu lachen. Zumindest hörten sich die glucksenden Laute sehr danach an. Aaren konnte es nur zu gut verstehen. Wie verworren und umständlich musste menschliche Politik für sie klingen? ,,Ja du hast recht, das ist bescheuert. Ich bezweifle, das ihr so etwas wie eine Regierung habt?“ Sonea sah lediglich einen Moment verwirrt auf. Offenbar nicht, dachte Aaren. Das alles hier musste ihr wohl wie der größte Irrsinn vorkommen. Und

trotzdem half sie ihm. ,,Sei froh.“ Eine Weile beobachteten sie einfach den aufziehenden Sturm, der die Wellen bereits weit genug auftürmte, dass sie die untere Kante des Piers erreichten. Noch jedoch war es relativ sicher und Aaren musste noch etwas wissen… ,,Du willst immer noch mit wie ?“ , fragte er. ,,Wenn wir zur Erde aufbrechen ?“ Soneas Gesichtsausdruck und das funkeln in ihren Augen Erinnerte ihn kurz ein wenig an ein kleines Kind. Aufgeregt. Manchmal weiß ich wirklich nicht, was ich von ihr halten soll, dachte Aaren. Auf der einen Seite war Sonea ernst und

absolut gnadenlos gegenüber jedem, der es wagt ihr zu nahe zu kommen und dann wieder fragte er sich, ob sie ihn überhaupt ernst nahm. Vermutlich nicht immer. Manches konnte sie sich vielleicht gar nicht vorstellen, weil es für Sonea tatsächlich lächerlich wirken musste. Wie Politik… ,,Die Reise wird… nicht unbedingt angenehm.“ , erklärte Aaren. ,, Oder, sagen wir einfach, wenn sämtliche Molekülbindungen in deinem Körper von Strahlung und exotischen Partikeln durchlöchert werden ist das sehr unangenehm. Ich weiß du hast vermutlich keine Ahnung wovon ich…“ Aaren stockte. Statt zu lachen, oder

etwas, das viel zu abstrakt war einfach zu ignorieren hörte Sonea aufmerksam zu. Sie versteht zumindest worauf ich hinaus will, dachte er fasziniert. Wie viel verstand sie wirklich? ,,Die Entfernungen zwischen Planeten sind riesig, wir haben bisher keinen anderen Weg gefunden, diese Distanzen zu überbrücken, als das Schiff praktisch… tja, man könnte sagen es für die Dauer der Reise aus der normalen Realität auszulagern.“ Nun musste er selbst lachen. ,,Ich weiß das klingt verrückt.“ Eine Weile hing jeder seinen eigenen Gedanken nach. ,,Ich glaube Sonea.“ , sagte Aaren schließlich. ,,Ich glaube letztlich haben

wir jetzt wirklich eine Chance.“ Noch vor wenigen Tagen war es ihm unmöglich erschienen. Ein wirklicher Sieg gegen das Elektorat… wie hoch waren die Chancen? Nun waren sie nicht unbedingt viel höher, wenn er erhlich war. Aber er hatte gesehen, dass es Hoffnung gab. Und wenn er nicht für sich weitermachte… dann ,,Dann vielleicht für dich.“ , brachte er den Gedanken laut zu Ende. Sonea sah nur kurz aus dem Wasser auf. Vermutlich hatte die Zeit auf dem Hive ihr schon etwas Zugesetzt überlegte er. Länger außerhalb des Wassers zu bleiben war ihr vielleicht möglich, aber sicher nicht erstrebenswert.

,,Nicht so wichtig.“ , murmelte er.

Kapitel 32 Tians Bewährung


Jack lief durch die Hallen der Station ohne wirklich darauf zu achten, wohin er ging. Nachdem Aaren verschwunden war, hatte er eine Weile Tian und Whitehead begleitet, aber weder die Laborleiterin noch der Pilot hatten etwas anderes getan, als die Details des weiteren Vorgehens zu diskutieren. Wobei diskutieren noch freundlich formuliert war. Im Prinzip hatte jeder der beiden vollkommen andere Ansichten, wie es weitergehen sollte. ,,Haben sie sich überhaupt schon darum

gekümmert, dass jemand die Stromgeneratoren sichert ? Wen die ausfallen und das nur weil jemand daran herumspielt…“ , begann die Laborleiterin. ,, Wir brauchen nicht alles wieder Einschränken und das sollten wir auch nicht. Das ist nicht mehr das Elektorat und wir werden sicher nicht genau so weitermachen, in dem ich hier alles Abriegeln, nur weil sie Angst haben, eine Kleinigkeit könnte schiefgehen. Es werden noch eine ganze Menge Dinge schief gehen, bis wir hier fertig sind. Wenn sie vollkommene Sicherheit haben wollen Whitehead, dann nehmen sie sich ein verdammtes Shuttle und hauen ab,

zurück zum Elektorat.“ , erklärte Tian gereizt. ,,Denn so wie es im Moment aussieht, haben wir noch ziemlich viel zu tun, bis hier wieder so etwa wie Ordnung herrscht.“ Jack begnügte sich damit gezwungenermaßen zuzuhören, mischte sich aber nicht ein. Auch wenn er Tian gerne Recht gab, Beryl Whitehead dachte mehr an die Details, plante voraus. Aber genau das machte ihm zu schaffen… Sie schien etwas zu gut vorbereitet. So ging es eine ganze Weile hin und her, bis sie sich schließlich entnervt verabschiedete und Tian mit Jack zurückließ. ,,Das war… unerfreulich.“ , meinte der

Pilot. ,,Aber sie hat einige Punkte.“ Sie verließen die noch immer überfüllten Hallen. Jack fragte sich, wie lange es dauern mochte, bis die Dinge hier wirklich wieder normal liefen. In jedem Fall hätten sie nicht so viel Zeit. ,,Das sage ich auch gar nicht.“ , sagte Tian. ,,Sie will den Laden am liebsten an sich reißen, schätze ich. Und vermutlich hätten wir dadurch sogar Erfolg.“ ,,Aber ?“ ,,Nichts aber, ich will den Job als Gouverneur nicht, sie kann ihn von mir aus haben.“ ,,Das wäre kein wirklicher Job… es wäre

eine Übergangslösung..“ ,,Verdammt warum ich ?“ , fragte der Pilot. ,,Nur weil Aaren kein anderer Name eingefallen ist. Das könnte jeder machen.“ Jack wusste einen Moment nicht genau, was er erwidern sollte. Natürlich hatte der Kommissar vorschnell gehandelt… aber das Whitehead den Vorschlag natürlich ernst nahm, damit hätte er rechnen können. Trotzdem… ,,Ich glaube sie unterschätzen sich wirklich.“ , sagte er zu dem Piloten. Und er meinte es ehrlich. Bisher und wenn man die absolut chaotischen Umstände betrachtete hatte Tian immer zielgerichtet gehandelt. Wenn man von

der Aktion mal absah, die den ganzen Wahnsinn erst ins Rollen gebracht hatte, aber auch das war rückblickend wohl verständlich. Sie passierten eine freischwebende Verbindungsbrücke zwischen zwei Bereichen des Hive. Während sie durch den verglasten Gang gingen blieb Tian stehen und sah über den Hive hinweg. Sie waren gut zweihundert Meter über der Wasseroberfläche auf einer der höheren Ebenen der Station. Unter ihnen wurde das Wasser durch die ersten Ausläufer eines Sturms aufgepeitscht. Jack hoffte irgendwie, dass die volle Wucht des Unwetters sie

nicht treffen würde. Wenn es etwas gab, das ihm an dieser Welt wirklich Respekt einflößte, dann war es das schier unberechenbare Wetter… und ein hungriger Levian. ,,Das Meer… Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie wirklich Land unter den Füßen gehabt.“ , meinte Tian nachdenklich. ,,Sie haben Liurie also noch nie verlassen ?“ ,,Nicht wirklich.“ Er ließ den Blick über die Anlage schweifen. ,,Als ich vor ein paar Monaten damit Angefangen habe nach Verbündeten zu suchen, wusste ich nicht mal genau, was ich tat. Ich habe hier und da Leute angesprochen, von

denen ich glaubte ihnen vertrauen zu können. Rückwirkend betrachtet hatte ich wohl einfach unverschämtes Glück dabei nicht sofort aufzufliegen. Ein einziger der mich Verrät hätte gereicht. Trotzdem habe ich nicht geglaubt, wirklich viel bewirken zu können. Jedenfalls nicht in näherer Zukunft. Und dann kamen sie… es war die einzige Gelegenheit, die ich sah.“ Tian schien sich rechtfertigen zu wollen. ,,Und sie haben sie ergriffen.“ ,,Sicher…“ ,,Sie hatten bis jetzt Glück, wieso es nicht nochmal herausfordern ?“ ,,Und sie halten das für eine gute Idee ?“ , wollte Tian

wissen. ,,Nun, was anderes tun wir hier ?“ Er schien einen Augenblick nachzudenken. ,,Also schön. Ich gehe zurück und rede mit Beryl.“ , sagte er schließlich. ,,Und tun sie mir einen Gefallen, suchen sie Aaren, ich lasse zwei Quartiere räumen… oder drei ?“ ,,Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht.“ ,,Wir wissen immer viel zu wenig.“ , meinte der Pilot. ,,Also… ich lasse für morgen eine Konferenz mit den wichtigsten Leuten auf der Station organisieren. Es wäre gut wenn sie dabei wären.“ Er verschwendet wirklich keine Zeit, dachte Jack.

,,Ich wollte eigentlich…“ ,,Sie wollen Abreisen ?“ Er nickte ,,Vermutlich. Unsere Zeit wird knapp und ich weiß nicht wie genau die Dinge auf der Erde stehen.“ ,,Ich hätte sie und Aaren wirklich lieber hier bis sich die Dinge etwas beruhigen.“ ,,Sie schaffen das schon.“ , sagte er zum Abschied. Wieder einmal. ,,Einfach Großartig.“ , murmelte Tian. ,,Die Konferenzräume finden sie auf der Verwaltungsebene.“ Jack nickte und machte sich auf die Suche nach dem Kommissar. Vermutlich befand dieser sich noch an den Docks, die Tian vorhin erwähnt

hatte. Sowohl den Kommissar als auch Tian schien es immer wieder zum Wasser zu ziehen. Vielleicht trifft das ja auf alle Langzeitbewohner von Lurie zu dachte er amüsiert und ertappte sich dann doch selbst dabei, wie er Gedankenverloren aus Meer hinaus sah. Aaren sah auf, als er hinter sich Schritte hörte. Zuerst dachte er es müsste vielleicht eine der Dockwache sein, die sich wunderte was den Kommissar dazu veranlasste stundenlang am Wasser zu sitzen.. und sich scheinbar mit niemandem außer sich selbst zu unterhalten

Sonea schwamm ein Stück entfernt im Meer, das mittlerweile durch den Sturm aufgewühlt bereits stellenweise den Steg überspülte. Als er sich umdrehte, entdeckte er jedoch Jack, der sich zwischen den Militärschiffen näherte. Aaren stand langsam auf. ,,Am Nachdenken ?“ ,,Vielleicht.“ , meinte der Kommissar, nach einer Weile ,während Sonea an das Pier schwamm und offenbar zuhörte. Wie viel Verstand das Wesen wirklich ? Es war nicht das erste Mal, dass er sich diese Frage stellte, aber jedes Mal schien die Antwort eine andere zu sein. ,,Ich habe meine Vergebung vor einiger

Zeit gefunden. Es fällt mir nur schwer mich daran zu erinnern schätze ich.“ , sagte Aaren leise. Jack wusste nicht genau, was er von der Antwort des Kommissars halten sollte. Allerdings schien er auch nicht wirklich mit ihm zu reden, sondern nur mit sich selbst. ,,Nun, ich komme zumindest grade direkt von Tian. Er ist ihnen richtig dankbar, dass sie ihn mit Whitehead allein gelassen haben, soviel kann ich sagen.“ , bemerkte Jack sarkastisch. ,,Das war irgendwie zu erwarten.“ , meinte Aaren leise lachend, während er Sonea auf den Steg kletterte. ,,Jedenfalls… ich soll ihnen nur

ausrichten, das er einige Quartiere hat Räumen lassen. Ich tippe mal auf die des Elektoratsmilitärs.“ Aaren erwiderte nicht sofort etwas. Offenbar kam der Pilot zurecht. Interessant wenn man bedachte wie überstürzt er vorgegangen war, als er das ganze Losgetreten hatte. Den Aufstand… war das wirklich erst ein paar Stunden her? ,,Und Tian kommt ansonsten zurecht ?“ ,,Wie man es nimmt. Morgen will er eine Konferenz einberufen um die wichtigsten Details zu klären.“ ,,Er könnte auf die Idee kommen seine momentane Macht nicht wieder herzugeben.“ , bemerkte Aaren. ,, Schon

einmal darüber nachgedacht? “ ,,Das glauben sie nicht ernsthaft Aaren ?“ ,,Nein, aber im Moment hat er definitiv die Fäden in der Hand. Die meisten bewaffneten sind ihm gegenüber Loyal.“ ,,Ich würde Whitehead nicht unterschätzen. , sagte Jack ernst um dann grinsend hinzuzufügen : ,,Ich wette fast, sie wird Tian keine Ruhe lassen.“ ,,Nun, wie gesagt, ich rechne nicht damit. Es war nur ein Gedanke… wenn die Macht aller auf einen übergeht, dann ist es leicht für ihn auch alles zu kontrollieren. Aber wenn sie aufgeteilt ist… Wenn sie aufgeteilt ist braucht man Organisation. Eine Einzelherrschaft artet

schnell aus. Ich schätze mal, das ist es was das Elektorat bisher so erfolgreich gemacht hat. Sie haben doch sicher schon daran Gedacht wann wir zur Erde aufbrechen?“ ,,So schnell wie möglich. Am besten noch Morgen.“ Aaren nickte, während er aufs Wasser hinaus sah. ,,Was ist mit ihr ?“ , fragte Jack und nickte in Richtung Sonea. ,,Sie kommt immer noch mit.“ ,,Na wenigstens werden die Minister damit definitiv nicht rechnen.“ , bemerkte er kopfschüttelnd. ,,Je nachdem wie viele davon noch übrig sind.“ , meinte Aaren. ,,Wir wissen nicht

was aus dem Justizminister geworden ist.“ ,,Sie Sorgen sich um ihn ?“ Aaren antwortete nicht. Sorgte er sich um Jones? Vermutlich. Der Mann war auf der einen Seite der eine Minister, der seine Beweggründe vielleicht verstehen würde und auf der anderen auch zumindest jemand den er auch als Freund gesehen hatte. ,,,Ich Sorge mich um jeden auf der Erde.“ Und vielleicht auch um sich selbst. Liurie hinter sich zu lassen schien irgendwie eine unwirkliche Vorstellung. Aber notwendig. Kaltes Wasser, das sein eFüße überspülte riss ihn aus seinen

Gedanken. ,,Ich schätz wenn der Sturm losgeht steht das Dock mindestens einen Meter unter Wasser.“ ,,Normalerweis legen sie die Stege auf dem Hive einige Meter höher an.“ , bemerkte Aaren. ,,Ich schätze wir gehen besser rein… ich bin Müde und die Reise wird sicher alles andere als entspannend.“ Bei dem Gedanken mit seinen ganzen kleinen Verletzungen einen Phasensprung hinlegen zu müssen drehte sich ihm der Magen um. Aber sie würden es überleben. Diesmal war es Jack, der nicht antwortete sondern seinen eigenen Gedanken nachhing, während sie von

der Mole zurück in Richtung der Anlage gingen. Was genau würde sie bei ihrer Rückkehr erwarten? Abundius war immer noch irgendwo und doch schien es keine offiziellen Meldungen über ihn zu geben, soweit er das das letzte Mal auf der Reise hierher überprüft hatte. Aber das Chaos hielt an… Wozu das ganze ? Es schien nach wie vor keinen Sinn zu machen. Genau so wenig hatte es allerdings auch Sinn sich darüber weiter den Kopf zu zerbrechen. Sie würden es vermutlich herausfinden. Und sich dann Wünschen es nicht getan zu haben. Der Gedanke brachte ihn zum Lachen. ,,Was ?“ , wollte Aaren wissen, aber

Jack schwieg, bis sie den Eingang zur Station erreichten. Ein kurzer Tunnel mit einem Lastenaufzug und darum gewundener Treppe für Notfälle lag vor ihnen. Die gläsernen Türen öffneten sich automatisch als sie näher kamen. Nur Sonea blieb draußen stehen. ,,Kommt sie eigentlich mit ?“ , wollte Jack von Aaren wissen. Was ihn verwunderte war, das das Wesen nicht irgendwie auf sich aufmerksam machte, es war einfach stehen geblieben… Als wäre es selbst in Gedanken versunken. ,,Ich weiß nicht.“ , sagte Aaren. Er schien kurz nachzudenken. ,,Sonea, ich

schätze es ist besser wenn du zumindest heute noch von der Station verschwindest… es.. das ist nichts persönliches.“ Aaren klang für Jack fast entschuldigend. Allerdings auf die Art entschuldigend, wenn man weiß das man vielleicht einen Fehler macht. Das Wesen wirkte … ,,Beleidigt ?“ , dachte er laut. Oder gar enttäuscht? Es war nur ein Gedanke. Das Wesen blieb stehen und schüttelte lediglich kurz den Kopf, aber irgendwie wusste Jack, das er ins Schwarze getroffen hatte. Aaren schien die Emotionen und sogar die Gedanken des Wesens praktisch lesen zu können, und

auch wenn er noch nicht ganz dahinter gekommen war, war er sich diesmal doch ganz sicher. ,,Sei einfach wieder da wenn die Sonne aufgeht“ , meinte der Kommissar. ,,Das heißt… wenn du wirklich mitkommen willst.“ Irgendwie hoffte er noch auf das Gegenteil. Es wäre sicherer… für alle… und für sie. Und vielleicht auch für ihn. Ein Gedanke der Aaren beunruhigte, bevor er ihn wieder verdrängte. Sie kam zurück. Er wusste nicht, was sie immer wieder zurück trieb. Anfangs vielleicht noch Neugier und später Sorge… aber jetzt ? Ihr Ziel hatte sie erreicht. Ihre Art würde nicht mehr gejagt werden, das würde er sicherstellen. Welchen Grund

hätte sie also? Und irgendwie fürchtete und hoffte er zugleich es zu wissen.

Kapitel 33 Tageslicht

 

Aaren wachte auf, als es draußen noch dunkel war. Einen kurzen Augenblick wusste er nicht wo er sich befand, bis es ihm wieder einfiel. Eines der Quartiere auf dem Hive, die wohl einmal Es war genau so schlicht eingerichtet wie die meisten Unterkünfte hier. Neben einer kleinen Küchenzeile mit einem Tisch und darin eingebautem Computer zum Arbeiten gab es nur noch ein Bad mit Dusche und ein Bett. Grade das was man brauchte aber Aaren gefiel es so. Alles andere war auch nicht nötig. Seltsam, früher hätte er nicht einmal

länger darüber nachgedacht. Alles was nicht direkt für seine Aufgabe nötig gewesen war… das war ihm zu viel erschienen. Bei der Zimmereinrichtung hatte sich diese Einstellung wohl gehalten, aber bei allen anderen… ,,Ich habe mich verändert.“ Immer wieder war es ein Gedanke, der ihm Hoffnung machte und gleichzeitig kalte Schauer über den Rücken jagte. Er hatte sich nicht verändert… er hatte zu seinem alten selbst zurück gefunden. Dem selbst, das einmal verheiratet gewesen war , das getrauert hatte und dem selbst das einen Mann totgeprügelt hatte während er um Gnade winselte. War das Paradox? Vielleicht.. oder

einfach nur menschlich. Mentalblocker schränkten einen ein, die Bipolarität des Menschlichen wurde praktisch vernichtet und zu etwas gemacht, das mehr einer Maschine ähnelte. Eine Weile lag er nur da und versuchte wieder einzuschlafen. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Außer dem Sturm, der draußen den Regen gegen die Fassade des Hive peitschte, war es vollkommen still. Zu Ruhig wie er nun fand. Es musste wohl weit nach Mitternacht sein. Vor wenigen Stunden noch hatte er Stimmen durch das ganze Gebäude gehört und die Anlage war hell erleuchtet gewesen. Obwohl es noch längst keinen Grund zu

feiern gab hatten sich die Leute vermasselt, ob nun nur die neue Lage zu besprechen, das erste Mal ohne Angst belauscht zu werden oder nur um darauf zu trinken, das sie nicht wussten wie es genau weitergehen würde. Irgendwann konnte er die Stille nicht mehr ertragen und stand auf. Nun konnte er auch einen Blick auf die Uhr des Computers werfen und stellte fest dass es vier Uhr morgens Erdzeit war. Eine kleine Glasschiebtür von der Küche hinaus auf einen Balkon an der Außenseite der Station. Trotz des strömenden Regens zog er die Tür auf und trat hinaus. Regen schlug im entgegen und durchnässte ihn sofort bis

auf die Haut. Allerdings spürte er es kaum. Die Wolken hatten sich zumindest ein wenig verstreut, auch wenn es nach wie vor windig war. Dafür schimmerte der eine Mond des Planeten silbrig über dem Wasser. Aaren sah über das Meer hinweg. Es gab nicht mehr viel zu tun als den nächsten Tag abzuwarten. Und die Stunde ihrer Abreise. Und dann müsste all das enden. Liurie war der Anfang… die Erde das Ende. So hoffte er zumindest. Und was Jacks Leute anging, wenn sie noch lebten wäre es wohl ihr vorrangiges Ziel sie zu befreien. Sie würden anders vorgehen müssen als

auf Liurie. Hier hatten sie, oder hatte Tian, Glück gehabt. Aber die Erde war etwas völlig anderes wenn er Jacks Berichten und dem was sie an Nachrichten erhielten glauben konnte. Für Leute wie sie war der Planet feindliches Gebiet geworden. Sie würden mehr vorausplanen müssen. Nach einer Weile ging Aaren wieder nach drinnen. Die ersten Sonnenstrahlen fanden ihren Weg über den Horizont, als er das Zimmer verließ und hinaus auf den Flur trat. Noch war alles leer. Vermutlich würde Tian dafür sorgen, dass zumindest ein paar der Servicearbeiter etwas früher aufgescheucht erden würden um die

Anlage am Laufen zu halten, aber zumindest im Moment noch war er der einzige auf den Beinen. Er fragte sich kurz was Omnisphere wohl davon halten würde, wenn jemand der Firma eröffnete ihre Arbeiter hätten sich allesamt offen gegen das Elektorat gestellt. Vermutlich müssten sie mit ernsthaften Problemen durch den Ministerrat rechnen. Der Gedanke brachte ihn dazu leise zu lachen, während er sich einen Weg durch die Anlage hinab zu den Docks suchte. Wenn er schon wach war, konnte er Sonea suchen, vorausgesetzt sie war noch in der Nähe der Anlage und hatte sich nicht um-entschieden. Eine schwache

Hoffnung aber er würde nicht versuchen sie umzustimmen. Die Sonne hatte es mittlerweile über den Horizont geschafft, als er das Militärdock erreichte. Irgendwo in der Ferne konnte er ein Minenschiff sehen, das sich langsam der Anlage näherte. Bestimmt hatte die Schiffe die momentan auf See waren schon jemand informiert, aber die Nachrichten kamen wegen der Störungen sicher nicht bei allen an. Einigen Rückkehrern würde also eine ziemlich große Überraschung ins Haus stehen. Wieder eine Unbekannte mit der Tian zu Recht kommen musste. Es gab vielleicht noch Elektorats-Soldaten an

Bord. Er ging an den am Kai liegenden Schiffen vorbei und suchte das Wasser ab, bis er eine Bewegung im Ozean wahrnahm. Wäre er es nicht gewohnt danach Ausschau zu halten, er hätte Sonea vermutlich übersehen oder schnell wieder aus den Augen verloren. So jedoch beobachtete er nur wie das Wesen näher schwamm und sich auf den Steg zog. Aber obwohl ihr klar sein musste, dass er sie sah war Sonea absolut geräuschlos. Vermutlich war das mehr Instinkt als Absicht, überlegte Aaren. ,,Morgen.“ Er erwartete nicht wirklich eine Antwort und erhielt auch keine, aber ihre Augen drückten wie immer aus

was sie sagen wollte. Fast deutlicher als sprechen das gekonnt hätte. ,,Ich bin einfach aufgewacht schätze ich.“ , er sah einen Moment aufs Wasser hinaus dort wo er das Minenschiff am Horizont entdeckt hatte. ,,Wir werden heute aufbrechen. Ich frage mich wie du da schlafen kannst.“ Sie lachte, als wäre das eine furchtbar dumme Frage. ,,Ihr.. schlaft doch? “ Ihm kam kurz der Gedanke dass er Sonea tatsächlich noch nie schlafend oder auch nur Müde erlebt hatte. Sie nickte allerdings. ,,Also machst du dir nur keine Sorgen ?“ , wollte Aaren

wissen. Wie immer wenn sie offenbar nicht antworten wollte tat sie als würde sie ihn nicht verstehen… oder reagierte einfach nicht. Hatte sie etwa… Angst ? Irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, dass Sonea sich wirklich vor etwas fürchten konnte. Vielleicht war das aber nur seine Einbildung. Auch wenn er sich selten irrte, wenn er versuchte ihre Gedanken zu erraten. ,,Nun ich mache mir auf jeden Fall jede Menge. Das ist das ganze Chaos hier und wenn wir erst auf der Erde sind…“ Er zuckte mit den Schultern. ,,Noch ist alles möglich. Auch zum schlechteren. Verstehst du

das?“ ,,Zweifel.“ Es war eine Frage wie er vermutete. Zweifel… Ja vermutlich war es genau das. Die immer wiederkehrende Unsicherheit ob er wirklich das richtige tat. Aber das war gut so. Aaren durfte seinen Zweifeln nur nicht erlauben ihn auszubremsen. Jetzt nicht mehr. ,,Vielleicht, die werde ich die nie ganz hinter mir lassen, aber es werden weniger.“ , sagte er ,,Ich wollte mich noch bedanken. Du hättest jederzeit einfach gehen können. Ich glaube ich wäre da draußen einfach verrückt geworden.“ , er lachte, ein einst so

ungewohntes Geräusch das es ihn ab und an immer noch erschreckte. ,,Hey vielleicht bin ich es ja.“ Sonea trat ein paar Schritte zurück sah ihn ernst an. Aber da war auch immer noch die Trauer um ihren eigenen Toten. Wie viele waren hier bereits sinnlos gestorben? Nur sein Ende finden, das war etwas, das man fürchten konnte, ja. Aber war es nicht noch schlimmer letztlich vollkommen Vergebens zu sterben, ohne Sinn oder eine faire Chance? Goldenen Augen. Das war es was also sie fürchtete und nicht für sich...für ihn. ,,Ich werde nicht sterben. Nicht wenn es sich vermeiden lässt zumindest.“

Irgendwie hörte es sich wie eine Lüge an. Ich habe nicht vor zu sterben, dachte er wieder. Nicht so bald. Es hatte eine Zeit gegeben, da war ihm sein Leben egal gewesen. Jetzt nicht mehr. Er hatte wieder mehr als den Tod der ihn weitertrieb. Sonea wirkte nach wie vor alles andere als beruhigt. ,,Du machst dir ja richtig Sorgen um mich.“ Hätte er es nicht besser gewusst, er hätte vermutet, dass sie rot wurde. Aaren räusperte sich. ,,Ich schätze mal, wir werden dir noch eine neue Verkleidung besorgen müssen.“ , sagte Aaren schließlich.

,,Und wir sollten uns langsam auf den Weg machen. Tian hat sicher einiges zu erzählen. Und irgendjemand muss ja Tian den Rücken frei halten.“ Und dann stand der Abreise wirklich nichts mehr im Weg. Auch wenn er es vermissen würde, die paar ruhigen Stunden hier, er hatte nicht wirklich eine Wahl. Nicht mehr, nicht länger. Jetzt würde er den Weg zu Ende gehen, egal was ihn erwartete. Jack lief die Treppe zu den Konferenzräumen hinauf. Die Verwaltungsebene war weitläufiger als er beim ersten Besuch hier Gedacht hatte.

Auch wenn die meisten Büros im Moment verriegelt waren brauchte er eine Weile um sich zurechtzufinden. Bisher war noch nicht viel los auf den Straßen der Station, aber das würde sich wohl im Verlauf des Morgens ändern. Trotzdem nutzte er die Fahrstühle eher ungern. Sie würden bald nach der Besprechung aufbrechen und er wollte sich noch ein wenig die Beine vertreten. Die Reise durch den Phasenraum war auch so schon belastend genug ohne verspannte Muskeln. Aber wenn beim Übergang dann auch noch eine Sehen riss oder ähnliches wären sie ziemlich aufgeschmissen. Die Schnitte von seinem Sturz durch das Fenster von

Cloudsworths Büro würden ohnehin sicher ihren Preis fordern. Wenn ich auf der Erde ankomme, bin ich vermutlich erst einmal drei Tage ein Wrack, dachte er amüsiert. Es fiel ihm jetzt leichter sich zu entspannen. Ein Teil der Belastung die ihn fast in den Wahnsinn getrieben hatte war verschwunden und auch wenn er sich um das Schicksal seiner einstigen Gefährten auf der Erde sorgte… um die Proteste… hier hatten sie etwas erreicht. Es war nicht fiel, es war nicht sicher und das Elektorat konnte sie vermutlich jederzeit mit einem Fingerzeig auslöschen aber es war ein Anfang. ,, Ich hoffe ich bin nicht zu früh.“ ,

meinte er als er Tian vor den Türen des Konferenzsaals entdeckte. ,,Nicht wirklich. Ich habe zwar bereits mit den meisten Anwesenden gesprochen. Aber ich denke wir sollten…“ , begann dieser, bevor er jemanden hinter Jack sah. ,,Wie ich sehe, sind wir dann wohl vollzählig.“ Jack drehte sich um und entdeckte Aaren der etwas verschlafen aber offenbar gut gelaunt die Treppe hinauf lief. Gefolgt von Sonea, die wie es aussah eine neue Verkleidung trug. Diesmal jedoch hatte Aaren das ganze wohl einfach aus dem was die Schränke in den leeren Militärquartieren hergaben zusammengesucht. Ein Hemd mit einem

rot karierten Farbmuster. Auffällig, aber vielleicht war das ganz gut. Es lenkte von den eigentlichen Auffälligkeiten ab ,,Aaren, schön sie zu sehen.“ Der Pilot nickte dem Kommissar kurz zu. ,,Tian… Sie wollten doch irgendwas sagen?“ ,,Tja, das betrifft vor allem sie wie ich fürchte Aaren. Whitehead nimmt es ihnen offenbar immer noch recht übel, dass sie sich nicht bereit erklärt haben als Gouverneur hier zu bleiben.“ ,,Wieso ? Weil ich keine Marionette sein wollte?“ ,,Vielleicht nimmt sie ihnen auch übel das sie mich vorgeschlagen hatten. Das

ist zwar nichts offizielles, aber ihres und Jacks Wort fällt bei den meisten mittlerweile schwer ins Gewicht.“ ,,Politik ist einfach überall gleich.“ , bemerkte Jack entnervt. ,,Da haben sie vermutlich sogar leider recht.“ , bestätigte Tian. ,,Ich will sie deshalb nur warnen… Whitehead ist nicht so dumm zu glauben, sie könnte irgendetwas gegen sie unternehmen und sie wird all das hier sicher nicht riskieren, aber sie sollten trotzdem aufpassen.“ Aaren nickte nur. ,,Dann wollen wir mal.“ , sagte er. ,,Wir werden vermutlich so schnell wie möglich Abreisen wollen wenn das

vorbei ist.“ ,,Keine Sorge“ , erklärte der Pilot. ,,Ich habe schon veranlasst, das man ein Transportschiff für sie bereit macht.“

Kapitel 34 AbfluG

 

Der Konferenzraum war ein Kreisrunder Saal, dessen eine Hälfte durch eine große Glasfront eingenommen wurde. Die letzten Überbleibsel des Sturms schäumten das Meer vor dem Fenster immer noch auf, aber von hier aus wirkten auch die höchsten Wellen noch winzig. Ein großer Tisch nahm die Mitte des Raums ein. Ansonsten gab es ein , wie Aaren fand, ziemlich schlechtes Landschaftsbild an der Kreiswand, die dem Fenster gegenüberlag. Tian nahm am Kopfende der Tür gegenüber

Platz und einige andere waren bereits da. Aaren erkannte Whitehead und einige Gesichter, die er während seiner Zeit hier schon einmal gesehen hatte. Wissenschaftler, Vorarbeiter , Schiffskapitäne und wohl noch ein paar andere Leute aus den verschiedenen Bereichen und Sektionen die den Hive ausmachten. ,,Ich denke damit sind dann alle da.“ , begann Tian und musterte die bunte Runde aus Verwaltungsangestellten, Vorarbeitern, Schiffskapitänen und Wissenschaftlern ,,Für die erste Übergangszeit , die gilt bis wir alle Arbeiter und jeden der sich Momentan auf See befindet hier versammelt haben,

haben wir ein paar Vorkehrungen getroffen , mit ihrer Zustimmung, werden diese dann auch für einen zeitrahmen von zwei Monaten gelten. Solle bis dahin keine endgültige Lösung gefunden sein, wird diese Abstimmung wiederholt.“ Er nickte der Laorleiterin zu. ,,Beryl…“ Die Laborleiterin stand auf und zog ein kleines Blatt Papier aus ihrer Tasche. Offenbar Notizen. ,,Für die erste Übergangszeit bleibt Tian Leech Gouverneur des Hive. Fürs erste gehen alle Berechtigungen die auch für die Gouverneure zutrafen auf ihn über. Zumindest soweit diese galten, bevor Cloudsworth seinen Amtsantritt hatte.

Dies umfasst die Aufgabe der Aufechterhaltugn der öffentlichen Ordnung und die Organisation der Arbeiter und der Verwaltung. Dazu kommt noch die Aufgabe einer Regierungsbildung. Jemand etwas dagegen ?“ Ein Mann in der Kleidung eines Schiffskapitäns meldete sich. ,,Für den Moment möchte ich noch wissen was wir wegen der Gefangenen Elektorats-Soldaten unternehmen. Es sind definitiv zu viele um sie jetzt alle auf Dauer mitzuversorg…“ Aaren sprang auf. ,,Wir werden niemanden töten.“ ,,Das sagt auch niemand… Kommissar.“

, erwiderte Whitehead. Es klang fast wie eine Beleidigung und sollte wohl auch eine sein. Er musste sich zusammenreißen um nicht noch irgendetwas Dummes zu erwidern. ,,Dann wären wir uns ja einig.“ , sagte er lediglich langsam und setzte sich wieder. ,,Der Moment… in dem sie hier anfangen Leute zu töten, ist der Moment in dem sie es bereuen werden.“ Er legte eine Hand auf den Pistolengriff. ,,Verstehen wir uns?“ Der Kapitän der gesprochen hatte wich ein paar Schritte zurück und setzte sich dann hastig wieder, als hätte er Angst, das Aaren seien Drohung bereits jetzt wahrmachen

könnte. Er sah hinüber zu Whitehead, die offenbar… zufrieden wirkte? Natürlich, er hatte überreagiert. Zumindest in den Augen der meisten Anwesenden. Aaren sah zu Jack, der ebenfalls die Laborleiterin musterte, als versuche er abzuschätzen was sie vorhatte. Aaren hätte es ihm durchaus sagen können. Manche Leute brauchten einfach ihre Rache, so klein sie auch ausfiel. Er hatte sich doch provozieren lassen. Ich hätte ihr Angebot einfach annehmen sollen, dachte Aaren genervt. Besser eine Schachfigur sein, die später ohnehin abgeschoben wird, als sich jetzt mit so

etwas herumärgern zu müssen. Er hatte nicht die Zeit noch die Laune das Ziel des Ärgers irgendeines Politikers zu sein. ,,Können wir uns dann wieder beruhigen ?“ , fragte Tian. ,,Wir werden sicher nicht so weitermachen, wie wir aufgehört haben. Also…“ Es gab noch einige weitere Punkte, die sich allerdings fast ausschließlich damit beschäftigten, wie man die Anlage am Laufen halten konnte, ohne weiterhin auf das Elektorat angewiesen zu sein. Neue Routen für die Minenschiffe, die nun irgendwie die Anlage mit allem Versorgen musste, das sie nicht vor Ort herstellen konnten, vor allem

Lebensmitteln, da die Hydrofarmen allein bei weitem nicht ausreichen würden. Die Wissenschaftsabteilung sollte vor sich vor allem darauf konzentrieren, genau diese eben zu vergrößern. Die letzte Ankündigung ließ Aaren allerdings wieder aufhorchen. ,,Stellvertreterin des Gouverneurs wird bis auf weiteres Beryl Whitehead.“ ,,Wieso die ?“ fragt Jack und kam damit einer Antwort Aarens zu vor, die wohl um einiges unfreundlicher ausgefallen wäre. Er konnte ein selbstzufriedenes Grinsen auf dem Gesicht der Laborleiterin

entdecken. Tian allerdings schein es ebenfalls bemerkt zu haben. Vermutlich hatte er die Entscheidung selbst nicht unbedingt vorgezogen, aber er hatte ja auch kein Problem mit ihr. Trotzdem blitzten seien Augen vergnügt als er erwiderte. ,,Für den Moment reicht es doch. Allerdings… später…“ Das Grinsen in Whiteheads Gesicht gefror mehr zu einer Grimasse. Aaren nickte zufrieden. Sonea sah zu ihm herüber. Er fragte sich, ob das Wesen wirklich nachvollziehen konnte, was grade vor sich ging. Vermutlich das meiste, auch wenn Politik ihr Fremd sein

dürfte. Allerdings schien sie unruhiger zu sein, als er es gewohnt war. Ihre goldenen Augen wanderten hin und her und schienen von jedem der Anwesenden Antworten zu fordern. Aber auf welche Frage ? Aaren brauchte nicht lange darüber nachdenken. ,,Was ist mit den Naias ?“ , wollte er wissen. Tian zuckte die Schultern. ,,Ich würde sagen das hat sich so oder so erledigt. Die Jagd wird eingestellt, erst einmal weil ich dagegen bin… und zweitens weil uns so oder so die Ressourcen fehlen würden. Wir brauchen jetzt alle Schiffe nur um uns selbst mit allem zu

Versorgen. “ Aaren konnte sehen wie Sonea sich wieder entspannte und auch wenn die Antwort ihm etwas zu schwammig formuliert war, Tian hielt sein Wort. Jack stand auf. ,,In diesem Fall und wenn es sonst nichts mehr zu besprechen gibt, würden wir gerne aufbrechen. Wir haben fürchte ich unser Zeitlimit bereits überstrapaziert.“ Aaren konnte die Ungeduld des Mannes spüren, auch wenn er sie nicht teilte. ,,Ich denke das war alles.“ Er erhob sich ebenfalls von seinem Platz. ,,Wenn niemand mehr Fragen hat…“ Niemand sagte etwas und nach einander standen alle auf. Wieso kam Aaren das

ganze wie ein schlechtes Schauspiel vor? Weniger als eine halbe Stunde später fanden sich Aaren, Jack, Sonea und Tian an einer der Landeplattformen der Station ein. Ein Transportschiff, Jack konnte nicht genau sagen ob es das war mit dem er hier angekommen war, oder ein anderes, stand mit laufemden Triebwerken bereit. ,,Ich denke hier trennen sich unsere Wege fürs erste.“ , sagte er zum neuen Gouverneur. Tian schien das Ganze noch gelassen zu nehmen. ,,Sehen sie nur zu, das sie irgendwann wieder zurück kommen.“ ,

sagte er und reichte Aaren einen kleinen Koffer. ,,ich habe mir die Freiheit genommen, einiges für sie zusammenstellen zu lassen. Die Elektorats-Soldaten vermissen ihre Papiere bestimmt nicht und die ein wenig anzupassen war nicht ganz so schwierig. Damit sollten sie , sobald sie einmal auf dem Planeten sind, etwas leichter vorankommen.“ ,,Danke.“ Der Kommissar streckte dem Mann die Hand hin nachdem er den Koffer ans ich genommen hatte. ,,Ich hoffe wirklich wir sehen uns wieder. Und was immer sie tun… viel Glück dabei.“ ,,Wann immer sie zurück kommen, wir

werden noch hier sein schätze ich.“ , erwiderte Tian. Jack trat vor. ,,Ganz im ernst,“ , meinte der Gouverneur. ,, Ich habe ihnen ohnehin nicht für eine Sekunde abgekauft das sie ein Kommissar sind.“ Er lachte, bevor er sich Sonea zuwendete. Kurz schien Tian zu zögern, als er das Wesen in seiner Verkleidung musterte. ,,Ich hoffe das sowohl Menschen als auch ihr eines Tages darüber hinwegsehen können, was vorgefallen ist.“ , begann Tian anfangs noch unsicher. ,,Wie immer das dann auch aussieht, wir müssen jetzt alle zusammen auf diesem Planeten leben. Und wir

müssen es irgendwie schaffen ohne uns gegenseitig umzubringen und wenn wir uns nur einfach aus dem Weg gehen könnten ist schon viel geschafft. Aber ich hoffe es wird nicht bloß dabei bleiben. Wir können alle reden und uns Ausdruck verschaffen, auf eine oder die andere Art. Und am Ende…“ , er machte eine Pause. ,,Am Ende hat ein freundliches Wort vielleicht mehr gewonnen, als alle Kriege zusammen.“ Sonea schien erst nichts zu erwidern. Aaren hatte auch nicht damit gerechnet, vielleicht mit einem Nicken aber nicht mit mehr. Sie zeigte jedoch gar keine Reaktion sondern schien sehr lange

nachzudenken. ,,Es sieht aus, als müssten wir alle noch viel lernen.“ , sagte Sonea schließlich. Jedes Wort war klar verständlich. Aaren musterte das Wesen überrascht. Ein Wort wäre bemerkenswert gewesen, aber das… ,,So sieht es aus.“ , verabschiedete sich Tian. ,,Mir bleibt wohl nur noch ihnen allen viel Glück zu wünschen.“ , meinte er während sie alle nach einander ins Innere des Schiffs kletterten. Jack nahm auf dem Sitz des Piloten Platz, auch wenn das meiste ohnehin der Computer erledigen würde. Koordinaten und Flugroute waren längst

vorprogrammiert. Aaren selbst setzte sich in den hinteren Teil des Frachtraums, ein Stück entfernt von Sonea. Der Flug würde recht kurz und doch brauchte er Ruhe um über einiges nachzudenken. Er wendete sich ein letztes Mal an Sonea. ,,Sicher ?“ Sie nickte nur. Vermutlich konnte er sie einfach bitten zu bleiben. Aber das würde er nicht. Jack drehte sich im Pilotensitz zu ihnen um. ,,Wir können dann.“ Im nächsten Moment liefen die Triebwerke an und das Schiff hob senkrecht von der Plattform ab. Aaren konnte noch durch ein kleines

Seitenfester beobachten wie der Hive unter ihnen langsam kleiner wurde, dann schalteten sich die Hilfstriebwerke ein und der Grund unter ihnen blieb in atemberaubendem Tempo zurück. Die Krümmung des Planeten wurde sichtbar, die ersten Sterne schimmerten durch die dünner werdende Atmosphäre. Und dann umfing sie nur noch die Dunkelheit des Alls. Liurie schwebte vor ihnen als blau leuchtende Kugel in der Finsternis. Hinter dem Planeten schimmerten einige vereinzelte Sterne und unzählbare weitere um sie herum. Jeder eine eigene Welt , vielleicht eine Kolonie des Elektorats, vielleicht noch vollkommen unerforscht. Aaren spürte

wie jemand neben ihn ans Fenster trat und wusste, dass es Sonea war. ,,Man kommt sich klein vor nicht ?“ Sie sah nur weiter nach draußen, nicht erschreckt oder ängstlich, sondern lediglich fasziniert. ,,Früher , als Kind, hatte ich richtig Angst davor. Die Leere da draußen, das nichts. Astrophobie könne man das wohl nennen.“ Natürlich hatte Sonea keine Angst, aber die Vorstellung der Unendlichkeit… Wer konnte dabei keine Ehrfurcht empfinden wenn sie selbst gedacht hatte die Ewigkeit eines Ozeans begriffen zu haben, nur um dann erinnert zu werden das das alles nichts

war. ,,Aber ich glaube heute die Leere dazwischen ist voll kommen egal. Ich glaube es ist einfach nur die Art des Universums uns zu sagen, seht euch an, wie klein ihr seid mit euren Streitigkeiten, euren Sorgen und Ängsten. Selbst wenn eure Reiche ganze Galaxien umfassen würden… Was seit ihr immer noch im Vergleich zu mir?“ Er schwieg einen Moment. Tatsächlich war ihm dieser Gedanke jetzt erst gekommen. Eine Antwort auf seine eigene Frage. ,,Heute kann ich Aufsehen und sagen : Ich ? Ich bin du. So wie alles

letztendlich.“ ,,Aaren ? Vielleicht philosophieren sie später weiter, wir haben gleich die Sprungkoordinaten erreicht.“ , erinnerte Jack ihn. Der Kommissar setzte sich wieder, während die Welt vor den Sichtfenstern sich den Bruchteil einer Sekunde zu verschieben und zu verzerren schien. Dann verschwand das Schiff einen Wimpernschlag späte rund ließ nur Leere zurück.

Epilog

 

Im Orbit über der Erde materialisierte sich ein Transportschiff aus dem Phasenraum. Jack konnte seinen Puls in den Ohren spüren, als die Welt vor ihm verschwamm und dunkel zu werden drohte. Das war heftig gewesen, dachte er, während er sich nach Aaren umsah, dem es nicht besser ging. Blut sickerte ihm aus der Nase. Sonea hingegen schien den Sprung halbwegs unbeschadet überstanden zu haben oder ließ sich lediglich nichts anmerken.

Jack selbst war vor allem Speiübel und noch immer kämpfte er dagegen an, nicht das Bewusstsein zu verlieren. ,,Ich bring uns jetzt runter.“ , war alles was er zu Stande brachte. Wenn sie erst einmal wieder festen Bode unter den Füßen hätten, würde alles besser. Langsam sank das Transportschiff hinunter in Richtung der Nachtseite des Planeten, so das nach und nach erst Gebirge, dann hell erleuchtete Städte und schließlich die einzelnen Gebäude der Megacitys sichtbar wurden. Bevor sie jedoch auch nur einen Landeplatz suchen konnten, sprang das Funkgerät des Schiffs

an. ,,An das unidentifizierte Schiff. Sie haben keine Landegenehmigung und fliegen außerhalb der Planmäßigen Zeiten.“ Jack zog schnell einige der gefälschten Papiere hervor, die Tian ihnen mitgegeben hatte und begann sämtliche Daten durchzugeben. Draußen rauschten die ersten Hochhäuser vorbei während sie sich einem der Raumhäfen näherten. ,,Einen Moment.“ , erwiderte der Mann der Flugkontrolle. ,,Wir müssen einiges…“ Er wurde abgeschnitten, als sich plötzlich eine Jack und Aaren vertraute

Stimme meldete. Der Kommissar zuckte zusammen. Wie lange hatte der Mann im Hintergrund gestanden und nur gelauscht wie sie lügen erzählten? Er fluchte. Sie hätten damit rechnen können. Admiral Vämskä schien guter Laune zu sein als er sagte : ,,Jack Walt. Ich weiß nicht was sie zur Erde zurückführt, aber hier endet alles…“ Bevor Jack darüber nachdenken konnte was das bedeutete schrillte ein Alarm durch das Cockpit des Transporters. Sofort riss Jack die Steuerung an sich, statt sie weiterhin dem Computer zu überlassen. Allerdings viel zu spät wie ihm klar wurde als er auf die blinkenden Anzeigen

starrte. Im nächsten Moment wurde das Schiff Längsseits getroffen. Eine Rakete riss die Hälfte der Außenverkleidung ab und sorgte dafür, dass es sich nun führungslos um die eigene Achse drehte. Brennende Splitter wirbelten an Jack vorbei als er versuchte die schwer beschädigte Maschine wieder irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Ein weiterer Alarm ließ ihn jegliche Hoffnung verlieren während das Transportschiff weiterhin rapide an Höhe verlor. Sie würden es nicht schaffen, sie würden es nicht… Der nächste Treffer schleuderte Aaren aus einem Sitz der ohnehin nur noch

halb an der Verkleidung hing. Er bekam noch kurz Soneas ausgestreckte Hand zu fassen, bevor auch dieser Halt mit einem plötzlichen Ruck verschwand. Hilflos musste Jack ansehen, wie der Kommissar aus dem Schiff und in eine gläserne Gebäudefassade geschleudert wurde. Jack schloss kurz die Augen. Das konnte er doch unmöglich überlebt haben…Oder ? Dann konzentrierte er sich wieder darauf das so gut wie zerstörte Schiff irgendwie auf den Boden zu bringen. Die Geschwindigkeit war nach wie vor viel zu hoch. Bei dieser Beschleunigung würden sie… Bevor er den Gedanken beenden konnte

setzte der Transporter auf dem Asphalt der Randbezirke auf. Das Wrack überschlug sich einmal, bevor es in eine Fabrikwand krachte. Zum Glück für alle stand die Halle leer, als das Shuttle die Wand praktisch zerstäubte. Scharfkantige Trümmerstücke und Teile einer Metallstrebe jagten knapp an Jack vorbei. Dann traf ihn ein Projektil am Kopf und um ihn wurde es schwarz. Erst jetzt stand das Wrack endlich still, inmitten einer sich nur langsam setzenden Staubwolke.

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...Was gibts über mich zu wissen ? Ich schreibe gerne, deshalb bin ich auf der Seite angemeldet. Muss man mehr wissen ?Ich freu mich natürlich immer über konstruktive Kritik und Kommentare zu meinen Texten.Sonst noch was über mich..
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Terazuma Hallo Eagle!
Das ist ja eine ganz neue Dimension eines Cliffhängers!^^ Ich weiß, dass das zu dir gehört, aber so etwas ist ja gar kein Cliffhänger mehr, das ist ein Buchhänger! XDDDD
Na, zumindest haben sie die Revolution auf Liurie erfolgreich hinter sich gebracht. Und Aaren hat Tian die ganze Arbeit aufgebürdet.
Aber der schlägt sich zumindest recht gut. Alles andere liegt in den Sternen.^^
Dass es auf der Erde schrecklich wird, dachte ich mir schon. Sie haben ja niemanden mehr, der ihnen wohlgesonnen ist. Und wie das mit der Kommissarin wird, weiß man ja auch noch nicht.
Aber der Absturz war schon hart. Du hast dir damit alles offengelassen, wen du überleben lassen wirst und wen nicht. Oder kommt noch jemand anderer dazu? Spannend wie immer. ^^
LG Tera
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter The Ultimate Cliffhanger. Why ? Because i can.
Ich konnte das ganze ja unmöglich auf einer Positiven Note enden lassen, wie ?^^ Sagen wir mal, mit deiner Einschätzung hast du recht. Die Erde wird... chaotisch.
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
Terazuma Dieser Abundius! Er hat sich selbst in die Ministerebene eingeschleust?
Und jetzt besetzt er bereits zwei Ministerposten?
Was hat er vor? Er will doch wohl nicht die Alleinherrschaft?
Ist das Elektorat schon schlimm, dann kann einer allein doch nur noch schlimmer werden! Vor allem sind seine Maßnahmen um nichts besser.
Und Jack und Aaren stecken jetzt mitten in einer Revolution.
Hoffentlich gelingt es ihnen wenigstens diesen übergroßen Gouverneur zu erledigen.^^
LG Tera
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Abwarten würde ich wieder mal sagen ^^. Sagen wir einfach, der Spielt sein ganz eigenes Spiel mit ganz eigenen Zielen.
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
Terazuma Hi Eagle!
Jack und Aaren trauen einander immer noch nicht. ^^
Aber ehrlich gesagt ist es auch nicht leicht jemandem zu trauen, der so ambivalent erscheint wie Aaren. Zuerst schwört er Stein und Bein nichts tun zu wollen und dann spaziert er einfach aufs Schiff.
Dass nun auch ein Wasserwesen mit auf die Erde will ist schon ein starkes Stück und ich kann gut verstehen, dass Jack das aus der Bahn wirft. ^^
Interessieren würde es mich auf alle Fälle, warum Sonea wirklich mitkommen möchte. Das kann nur bedeuten, dass sie Aaren sehr mag. Warum sollte sie sich sonst um Dinge kümmern, die die Naias nichts angehen? Noch dazu würde sie in eine für sie lebensfeindliche Welt hineinstolpern, die sie nicht einmal ansatzweise kennt.
Aber wie Aaren so schön sagte - es ist ihre Entscheidung. (Und er ist nicht gerade unglücklich darüber...^^)
Der Minister sorgt wenigstens vor und kümmert sich darum dass Jack noch alles bekommt was er braucht. Wahrscheinlich kommt seine Vorahnung nicht von ungefähr. ^^
LG Tera
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Was erwartet man von jemanden,der jahrelang die Gehirnchemie verändernde Drogen genommen hat. Einen kleinen Knacks hinterlässt sowas.
Und wie du schon weißt, meine Charaktere haben einfach IMMER Glück ( nicht).
Und mit einer Vermutung hast du schon mal recht, aber wie gesagt Aaren hat eine Leitung von Liruie zur Erde^^, was so was angeht.
lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
Terazuma Ok - bei den neuen Charakteren ist einer dabei, der es auf die NO-GO Liste schaffen könnte. Ich nehme an, du weißt wen ich meine. Über zwei Meter groß und so... XDDD
Aber der Pilot Tian wirkt zumindest sehr sympathisch. Hoffentlich passiert ihm nichts.
Naja, die erste Annäherung zwischen Jack und Aaren ist ja nicht gerade strahlend abgelaufen. Aber das ist auch kein Wunder. Niemand weiß über den anderen Bescheid. Ich nehme an, sie werden sich noch zusammenraufen, oder? ^^
LG Tera
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Wahrscheinlich ^^. Wobei es nicht ganz friedlich bleibt . Freut mich wenns dir auch weiterhin gefällt. Und bald gehts auch mit dem nächsten Buch in der Reihe ,, Canton und Umgebung"^^ weiter. Muss nur sehen, ob ich Part 3 von Reflection davor oder danach fertig stelle, aber die Planung ist soweit fertig.
lg
E:W
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Terazuma Was dein Schreibpensum angeht bis du echt unglaublich!
Ich werke am nächsten Kapitel bereits über ein paar Tage! Wenn ich es in einer Woche schaffe, bin ich schnell! ^^
Aber nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich wieder auf Canton! XDD
LG Tera
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Was soll ich sagen, ich stecke da auch jede Menge Freizeit rein^^ . Also.... richtig viel. Manchmal zwing ich mich dann allerdings auch mal, was anderes zu machen und mir mal einen Abend ,,frei" zu nehmen.. Aber macht einfach zu viel Spaß.
Oh und auf Bookrix hat mich jemand gefragt ob er ,,Eden" zu einem Comic verarbeiten darf. Auch nicht schlecht.
lg
E:W
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