Drabble
Rosen auf dem weißen Kleid

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"Rosen auf dem weißen Kleid"
Veröffentlicht am 13. Mai 2013, 4 Seiten
Kategorie Drabble
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Über den Autor:

Frage nicht nach meinem Namen, denn er bestimmt nicht, wer ich bin. Frage nicht nach meinem Alter, denn es sagt nichts über meine Stärke aus. Weder die geistige, noch die körperliche. Frage nicht nach meinem Aussehen, denn das Aussehen kann sich verändern. Hast du jedoch Fragen außerhalb der Ausnahmen, so stelle sie weise. Denn das Recht der Beantwortung liegt am Ende bei mir.
Rosen auf dem weißen Kleid

Rosen auf dem weißen Kleid

"Wer ist das Mädchen, das am Flusssteg sitzt? Kennst du sie?"

"Nein, ich kenne sie nicht persönlich, aber sie sitzt jeden Tag an dem Steg und schaut in den Fluss, als würde sie auf etwas warten. Ich habe sie einmal angesprochen, aber sie hat nicht reagiert. Ich habe später erst von einem Fischer, der in der Nähe lebt, erfahren, was es mit dem Mädchen auf sich hat."

"Nun mach es nicht so spannend. Was hat es mit dem Mädchen auf sich?"

"... bist du sicher, dass du es hören willst? Je nachdem ist die Geschichte entweder traurig oder voller Hoffnung. Ich persönlich finde sie so traurig, dass ich, als ich sie das erste Mal gehört habe, in Tränen ausgebrochen bin."

"Ist es so schlimm?"

"Ja und nein."

"Ok, wenn du so ein Geheimnis daraus machst, kann ich auch nicht anders und will die ganze Geschichte hören."

"Also gut, aber sag nicht, dass ich dich nicht gewarnt habe.

...

 

Das Mädchen, welches an dem Flusssteg so friedlich sitzt, ist die Verlobte eines grausamen Fürsten. Sie wurde ihm noch vor ihrer Geburt zur Frau versprochen, dass ihre Eltern keine Abgaben mehr leisten mussten. Das Mädchen wusste nichts davon und lebte unbeschwert in den Tag hinein, half ihren Eltern mit dem Haushalt und der Versorgung des Viehs. Sie ist, wie du schon gesehen hast, eine Schönheit. Zu der Zeit war sie fröhlicher Natur und träumte von einem Prinzen, den sie heiraten würde. Im Grunde hatte sie die richtige Vorstellung, doch leider waren die Eigenschaften ihres zukünftigen Prinzen falsch.

 

Jedenfalls kam dann der Tag, an dem ihre Eltern ihr ihr Schicksal offenbarten. Sie kannte den Fürsten und war der Verzweiflung nahe. Nie im Leben hatte sie sich vorsgetellt ein solches Scheusal zu heiraten. Doch ihre Eltern waren um ihr eigenes Wohl mehr besorgt, als um das ihrer Tochter. Sie ließen ihr im Grunde keine Wahl und wollten schon einen Termin für die Hochzeit festlegen, als sie aus dem Hause floh.

Sie rannte durch die Wälder und Wiesen bis sie nicht mehr konnte. Trotzdem gab sie nicht auf und rannte weiter bis sie an einem Haus ankam. Das Haus sah auch nicht anders aus, als all die anderen und doch erweckte es ihre Neugier. Sie ging zu dem Fenster und schaute durch es hindurch. Was sie da sah, war für sie unverständlich. Da war ein alter Mann dabei mit einem Messer Figuren in das nackte Fleisch eines Mädchens zu schneiden und was sie noch mehr verwunderte, war, dass das Mädchen es auch noch zu genießen schien. Als der alte Mann fertig war, ging sie ohne ein Wort aus dem Haus. Das Mädchen war von der Kunst des alten Mannes angetan. Sie wusste nicht warum, aber sie wollte auch Muster auf sich haben. Daher ging sie zu dem alten Mann und bat ihn darum welche in ihren Körper zu schneiden. Der alte Mann aber sah sie nur einmal kurz an und sagte ihr, dass sie besser das Weite suchen sollte. Er würde ihr niemals ein solches Schicksal zumuten, sagte er, und schlug die Tür vor ihrer Nase zu. Doch das Mädchen gab nicht auf. Sie setzte sich neben die Tür des alten Mannes und wartete. Der alte Mann ging mehrere Tage an ihr vorbei, während sie einfach still da saß. Irgendwann jedoch blieb er stehen, sah sich das Mädchen noch einmal an, seufzte zu sich, als mehr zu ihr, und bat sie herein. Das Mädchen war außer sich vor Freude. Endlich würde sie ihren Willen bekommen.

Doch sie wurde enttäuscht. Der alte Mann gab ihr nur etwas zu essen und ihr zu verstehen, dass sie das Bett nutzen solle. Das Mädchen aber forderte von dem alten Mann seine handwerklichen Dienste. Er jedoch wollte ihr sie nicht gewähren und betonte mehrmals, dass es nichts für sie sei.

 

Nachdem wieder mehrere Tage vergangen waren und das Mädchen mit ihrer Bitte nicht locker ließ, offenbarte der alte Mann ihr den Preis für ihren Wunsch. Sie hörte ihm geduldig zu und als er fertig war, war sie um noch mehr Feuer und Flamme für dieses Geschenk. Der alte Mann jedoch seufzte nur, schüttelte seinen Kopf und gab dem Drängen des Mädchens nach. Als er sie fragte, was sie gestochen haben will, sagte sie, dass der alte Mann selbst es entscheiden solle. Der alte Mann dachte einige Zeit lang nach und als er sich entschieden hatte, fing er an die Haut des Mädchens zu bearbeiten. Das Mädchen war entzückt und überglücklich über die Entscheidung des alten Mannes, dass sie während der ganzen Prozedur keinen Schmerz verspürte. Der alte Mann jedoch schwitzte und gab sich all seiner Kunst hin um dieses Werk bestmöglich zu vollführen. Am Ende war es seine beste Arbeit. Jedoch war er darüber nicht glücklich.

 

Als der letzte Schnitt getan war, stand das Mädchen auf, verließ das Haus des alten Mannes, ohne ein einziges Wort zu sagen, und ging zu dem Flusssteg.

Natürlich entdeckte sie schnell jemand da und gab ihren Eltern Bescheid. Als sie und der ihr versprochene Fürst jedoch zum Flusssteg kamen und sie sahen, wendeten sich der Fürst und ihre Eltern von ihr ab. In ihren Augen war sie so hässlich geworden, dass sie sie nicht einam ansehen konnten. So ließen sie sie dort allein zurück."

 

"Ok, ich gebe zu, dass es eine traurige Geschichte ist, aber warum musstest du weinen, als du sie das erste Mal gehört hast? Da bin ich schon anderes von dir gewohnt."

"Da hast du recht. Und ich nehme dir diese Frage nur deshalb nicht übel, weil du nicht zu begreifen scheinst, was hier los ist. Was glaubst du, war der Preis für die Kunst des alten Mannes? Ich gebe dir einen Hinweis. Die Geschichte, die ich dir gerade erzählt habe, hat sich vor dreihundert Jahren zugetragen. Das Mädchen, das du am Flusssteg sitzen siehst, sitzt dort seit mehreren hundert Jahren und scheint auf etwas zu warten, das ich mir nicht einmal vorstellen kann.

Die Geschichte die ich dir gerade erzählt habe, hat der Fischer, von dem ich sie habe, von seinem Urgroßvater erzählt bekommen."

Einleitung

Dieser Text ist dem Lied von Subway to Sally - Kleid aus Rosen gewidmet.

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Hörbuch

Über den Autor

Luzifer
Frage nicht nach meinem Namen,
denn er bestimmt nicht, wer ich bin.
Frage nicht nach meinem Alter,
denn es sagt nichts über meine Stärke aus.
Weder die geistige, noch die körperliche.
Frage nicht nach meinem Aussehen,
denn das Aussehen kann sich verändern.

Hast du jedoch Fragen außerhalb der Ausnahmen,
so stelle sie weise.
Denn das Recht der Beantwortung
liegt am Ende bei mir.

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tooshytowrite Danke! Durch Dich lernte ich soeben Subway to Sally kennen. Deine Geschichte ist zauberhaft geheimnisvoll anregend ....
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Wow. Kein Subway to Sally Kenner? Dann bin ich aber froh, dass ich zur Kenntniss beigetragen habe. Weil die Band sehr gute Songs hat.
Aber dieses Lied in Verbindung mit meinem Leben hat viel mehr Gehalt. Deshalb ist Musik so gut. Man kann sich selbst die guten Stellen auspicken. Und in diesem Lied ... den Rest wird jeder selbst verstehen, der es sieht. ;)
Vor langer Zeit - Antworten
MarianneK Bin durch Zufall auf diese Geschichte gestoßen und sie hat mich fasziniert.
Der alte Mann hat im Geiste gesehen was mit ihr geschieht wenn sie den Fürsten heiratet und durch die Zeichnung wurde sie für hartherzige Menschen Grundhässlich, sodass sie sich abwendeten ... meine Vorstellung.

Lieben Gruß
Marianne
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Auf meine Texte stößt man meistens nur durch Zufall. ^^
Auch eine mögliche Auslegung, da ich bewusst so viel offen gelassen habe. =)

Schöne Grüße
Luzifer
PS. Danke für das Geschenk
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Re: -
Zitat: (Original von Storybird am 09.09.2013 - 20:49 Uhr) Eine wirklich schöne Geschichte. Die ist richtig toll. Ein wunderbarer Schreibstiel. Geht die Geschichte noch weiter? I LOVE It!

Danke für die schönen Worte.
Nein, die Geschichte wird wahrscheinlich nicht weiter gehen. Im Moment könnte ich mir auch nicht vorstellen in welcher Weise. Aber eigentlich ist es auch gewollt, dass so Vieles offen gelassen wurde.

Schöne Grüße
Luzifer
Vor langer Zeit - Antworten
Storybird Eine wirklich schöne Geschichte. Die ist richtig toll. Ein wunderbarer Schreibstiel. Geht die Geschichte noch weiter? I LOVE It!
Vor langer Zeit - Antworten
blueadrenalin Oh!
Verdammt.
Ja!

Ich mag es sehr!
Danke!
blueadrenalin
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Re: -
Zitat: (Original von hanni86 am 15.05.2013 - 11:13 Uhr) Lieber Luzi,

dieser Text ist der erste seit langer, langer Zeit (und damit meine ich echt laaaaange Zeit), der mir gleich mit den ersten Zeilen den Spaß am Schreiben vermittelt hat. Ich meine mich zu erinnern, dass du Walter Moers gelesen hast und weil ich gerade "Das Labyrinth der träumenden Bücher" gelesen hab (das übrigens meiner Meinung nach leider die negativen Kritiken verdient) drängt sich das Orm auf, als ...als was weiß denn ich, etwas, das man im Text zu finden meint. Ich kann nicht einmal benennen was es ist, das das ausmacht. Aber es funktioniert.

Ein paar Stellen sind mir aufgefallen, die ein wenig den Lesefluss gestört haben, ich liste sie mal auf und du kannst damit machen was du willst. ;-)
Seite 3: ("zu würden" gibt es in dieser Form nicht) "...hatte sie sich vorgestellt ein solches Scheusal zu heiraten." oder "...hatte sie sich vorgestellt sie würde ein solches Scheusal heiraten" (mir gefällt die erste Version besser aber eine beliebige andere Formulierung täte es sich sicherlich auch.
"rannte weiter "bis" (statt als) sie an einem Haus ankam", sonst läuft sie daran vorbei.
Und auf Seite sieben steht einmal "einam".

Liebe Grüße, Hanni

Na, dann bin ich ja froh. Ich wollte dich schon anschreiben und fragen, wann einmal wieder einer von deinen Texten das Licht der Welt erblickt. ^^
Jupp, da erinnerst du dich richtig und ich habe dieses Buch (und die wirklich verdienten, negativen Kritiken) gelesen. Also, wenn ich das bei dir mit meinem Text erreicht habe, muss ich mir aber gehörig auf die Schulter klopfen. =)

Was die Fehler angeht, wirst du wahrscheinlich recht haben, weil dieser Text im Halbschlaf zu dem genannten Liedtitel in Endlosschleife entstand. Ich werde es mir später noch einmal ansehen und es korrigieren.

Liebe Grüße
Luzifer
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Re: toll -
Zitat: (Original von monalisa592107 am 15.05.2013 - 13:36 Uhr) ein text der berührt nachdenklich macht gut geschrieben und spannend
toll
lg mona

Danke für den Kommentar und die freundlichen Worte. =)

Schöne Grüße
Luzifer
Vor langer Zeit - Antworten
Luzifer Re: Ein Märchen? -
Zitat: (Original von Karimela am 13.05.2013 - 18:54 Uhr) Hm, ich denke gerade darüber nach, welchen Preis das Mädchen dem Alten gezahlt hat. Ihr Leben? Nein, denn sie scheint ja unsterblich geworden zu sein. Ihre Schönheit? Zumindest die Schönheit, die andere in ihr sahen, die scheint sie verloren zu haben, auch wenn der Alte sie für sein Meisterwerk hielt. Oder ist sie mit Vollendung des Bildes gar aus der menschlichen Gemeinschaft entschwunden? Sitzt sie für alle Ewigkeit einsam und verlassen an diesem Steg?
Also, irgendwie muss ich da noch einmal drüber nachdenken.
Eine interessante Geschichte auf jeden Fall;-))
Liebe Grüße
Karimela

Nein, dies sollte nicht umbedingt ein Märchen werden. Ist es wahrscheinlich auch nicht. ^^
Aber genau die Fragen sollte man sich auch stellen. Den Preis, welchen das Mädchen im Endeffekt zahlen/hinterlassen musste, soll jeder für sich selbst bestimmen. Vielleicht war ja eben diese Unsterblichkeit das Hässliche in den Augen der Eltern und Fürsten.
Es sind viele Möglichkeiten gegeben, damit jeder etwas für sich selbst findet.

Freut mich, dass die Geschichte als interessant aufgefasst wird, denn das ist im Grunde ja nichts Schlechtes. =)

Schöne Grüße
Luzifer
Vor langer Zeit - Antworten
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