Romane & Erzählungen
Die Prophezeiung I

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"Die Prophezeiung I"
Veröffentlicht am 04. Mai 2013, 4 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Die Prophezeiung I

Die Prophezeiung I

Inhalt

1. Auf der Flucht (S. 2-4)


2. √úberlebensk√ľnstler (S. 5-8)

Auf der Flucht

Das gelbe Regencape tief in die Stirn gezogen, Jamie an der einen, Lilli an der anderen Hand. Es st√ľrmte und der kalte Regen peitschte durch die Londoner Stra√üen. Kn√∂chelhoch sprudelte das Wasser an ihnen vorbei und stieg von Sekunde zu Sekunde weiter an. Es war laut; nicht nur das w√§ssrige Rauschen, welches in ihren Ohren dr√∂hnte, auch die Rufe und Schreie der vielen Menschen um sie herum.¬†


Die Kinder hatten sichtlich M√ľhe, √ľberhaupt noch vorw√§rts zu kommen, doch mit verzweifelter lauter Stimme trieb ihre Mutter sie immer wieder auf's Neue an.¬†


Dann pl√∂tzlich, erst ein Knarren, dann ein lautes Krachen direkt hinter ihnen. Sch√ľtzend beugte sich die Mutter √ľber die, an die Hauswand gepressten Kinder und zog ihren Kopf ein. Um haaresbreite verfehlte sie ein alter brauner Mercedes. F√ľr einen Moment verschlug es der Mutter den Atem.


Doch schnell sammelte sie sich wieder, nahm schließlich ihre 5 Jahre alte Tochter auf den einen Arm und den 2 Jahre älteren Sohn auf den anderen. Sie musste ihre Kinder in Sicherheit bringen, sofort! 


Es war kalt und doch schwitzte sie unter dem gelben wasserdichten Polyester. Inzwischen erreichte der Wasserspiegel fast ihren Bauchnabel, es schien aussichtslos. Die Sicht war nicht mehr klar, ihr war zum Heulen zumute, sie war vollkommen erledigt und doch blieb ihr nichts weiter √ľbrig sie musste weiter. Bilder zogen in ihren Gedanken vorbei. Sie waren Eis essen, Lilli qu√§ngelte, sie war m√ľde, Jamie wollte seine kleine Schwester zur Rechenschaft ziehen...


"Mama! Mama, pass auf!!"


Mel schreckte hoch aus ihren Tagträumen, sie hatte nicht bemerkt, wie sie irgendwann einfach stehen geblieben war. Nun fand sie sich wieder, an einen Laternenpfahl lehnend, die Kinder zwar noch immer auf ihren Armen, das Wasser nun aber bis zum Hals.


Das war's also. Mel sah keinen Ausweg mehr und begann zu weinen. Ihr Sohn nahm ihren schweren Kopf in seine Arme, während sich ihre Tränen im strömendem Regen verloren.

√úberlebensk√ľnstler

Jamie f√ľhlte sich hilflos, seine weinende Mutter in den Armen haltend und doch hielt er sie einfach fest, w√§hrend er nerv√∂s das Ansteigen des Wasserspiegels beobachtete. W√ľrden sie hierbleiben, w√§re das der sichere Tod. Er warf Lilli einen unsicheren Blick zu, dann hob er den Kopf seiner Mutter an, er hatte nichts mehr von ihr geh√∂rt.


Mels Gesicht zeigte keinerlei Regung, die Augen waren geschlossen.


Sofort öffnete Jamie ihren Rucksack, sie waren vorbereitet gewesen - mehr oder weniger. Mit einem Strick band er das Handgelenk seiner Schwester am Laternenpfahl fest und danach das seiner Mutter. Ein Schweizer Taschenmesser steckte er sich noch ein, nachdem auch er sich abgesichert hatte, um nicht mit starken unvorhergesehenen Strömungen mitgerissen zu werden.


"Es wird alles gut!", er versuchte dabei, ein aufmunterndes Lächeln aufzusetzen, was ihm wohl nicht so gelingen wollte.

"Ist Mama tot?"

"Nat√ľrlich nicht!" fuhr er seine Schwester an, "Sie ist nur ersch√∂pft und braucht eine kurze Pause!"

"Entschuldigung.."

Daraufhin dr√ľckte Jamie sie an sich.


Das Wasser stand gef√§hrlich hoch und Mels regungsloser K√∂rper war nun bis zum Kinn mit dem braunen Nass bedeckt. Ab und zu schwappte es √ľber und bedeckte f√ľr kurze aber immer wieder kehrende Augenblicke ihr komplettes Gesicht. Jamie versuchte, so gut wie m√∂glich ihre Mund- und Nasen√∂ffnung von Wasser frei zu halten, es gelang leider nicht immer.


"Ich kann Mama nicht atmen hören!" Lillis Stimme klang verzweifelt.

"Nat√ľrlich nicht! Es ist viel zu laut hier!"


Tats√§chlich mussten die Kinder sich gegenseitig zuschreien, um √ľberhaupt geh√∂rt zu werden.


"Vorsicht Lilli .. !!"


Nun hielt Jamie sie ganz fest und der Strick leistete den Rest, als eine tsunamiartige Welle auf sie zukam und r√ľcksichtslos √ľber sie hinwegsp√ľlte.


"Geht es dir gut?"


Er war besorgt, seiner Schwester durfte nichts geschehen. Zugleich hoffte er inständig, seine Mutter wieder wach zu bekommen, denn sie mussten hier unbedingt weg!


Und es kam noch eine Welle. Und dann drei weitere. Panisch schnappte Jamie nach Luft, sah nach seiner Schwester, die kräftig hustete. 


"Lilli.. Es wird alles gut! Hörst du? Alles wird gut!"


Das kleine M√§dchen nickte und zeigte daraufhin, noch immer hustend, auf ein orangefarbenes Boot, welches direkt auf sie zuzukommen schien. Jamie dachte keine weitere Sekunde dar√ľber nach, schrie und winkte heftig mit seinem freien Arm dem Boot zu. Und tats√§chlich! Scheinbar hatte man sie bemerkt, denn einer der M√§nner erwiederte Jamies Rufen...

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Henryetha

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erato ****** - Ein toller Beginn.....wann geht es weiter ?

HG Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
Henryetha Hi, danke!

Ja, da kommt auf jeden Fall noch was, das war eigentlich erst der Anfang :)
Vor langer Zeit - Antworten
Milan01 Spannende Geschichte, h√§tt gern weitergelesen, hoffentlich kommt da noch was nach.
Lg Milan01
Vor langer Zeit - Antworten
EagleWriter Wirklich gut geschildert, die Situation. Ich vermute mal, aber vom Titel her, das das noch nicht das Ende ist ?

lg
E:W
Vor langer Zeit - Antworten
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